Jacobsen

[127] Jacobsen, 1) Friedrich Ferdinand Karl, schleswig-holstein. Kriegsminister, geb. 22. Dez. 1798 als Sohn eines evangelischen Propstes in Glücksburg, gest. 10. März 1875 in Schleswig, studierte in Kiel und Jena die Rechte, war kurze Zeit Anwalt in Flensburg, trat aber dann als Amtssekretär in Husum zur Verwaltung über und wurde Anfang der 1830er Jahre Hardesvogt (Landrat) der Kropper und Meggendorfer Harde zu Schleswig, wo er 1844 die Schöpfung der rot-weiß-blauen Fahne mit anregte. Beim Beginn der Freiheitsbewegung 24. März 1848 von der Bürgerschaft Schleswigs zum »Diktator« ernannt, verhandelte I. erfolgreich mit den dänischen Behörden, vertauschte jedoch dieses Provisorium schon am nächsten Tage mit dem weniger verantwortungsreichen Amt eines Mitgliedes einer fünfgliederigen »Hilfskommission« des durch W. H. Beseler (s. d.) wieder eingesetzten Magistrats. Danach mit dem Posten eines Amtmanns (Landdrost) in Flensburg betraut, übernahm er nach dem Rücktritt des Obersten v. Krohn (9. Sept.) die Leitung des Kriegsdepartements und behauptete sie auch unter der von der Zentralgewalt 26. März 1849 eingesetzten Statthalterschaft. Am 16. Aug. reichte I. seine Demission ein und legte gleichzeitig sein Mandat als Abgeordneter nieder, übernahm nun wieder seine frühere Stellung eines Amtmanns von Flensburg, die er als Gegner der in dänischem Sinn schaltenden Landesverwaltung von Sörup (Angeln) aus versah, ging nach der Niederlage von Idstedt mit dem Heere nach Holstein, ward hier nach der Waffenniederlegung der Schleswig-Holsteiner von der Amnestie ausgeschlossen und begründete in Braunschweig mit dem aus Schleswig geflüchteten Buchhändler Bruhn einen Vertrag. 1864 zurückgerufen, wurde er zum Amtmann von Gottorp und Hütten ernannt und als solcher auch von den österreichisch-preußischen Kommissaren bestätigt, im Herbst 1865 jedoch von der preußischen Regierung seiner augustenburgischen Gesinnung wegen pensioniert und verbrachte seine letzten Lebensjahre erst in Glücksburg, dann in Schleswig.

2) Sophus, Maler, geb. 7. Sept. 1833 zu Frederikshald in Norwegen, lebt seit 1853 in Düsseldorf, wo er bis 1855 Schüler von Gude war. Studienreisen in Norwegen, Italien und Deutschland lieferten ihm Stoff zu trefflichen Landschaften und Marinen. Zuerst schilderte er meist die Gegenden seiner Heimat in Tages- oder Mondscheinbeleuchtung, dann wandte er sich mehr der Herbst- und Winterlandschaft und später der Marine im deutschen Charakter zu. In allen erfreut die Wahrheit der Stimmung und eine echt künstlerische, breite und doch gediegene Darstellungsweise. In einigen seiner venezianischen Ansichten und Marinen bei Mondscheinbeleuchtung kommt er O. Achenbach nahe.

3) Jens Peter, dän. Schriftsteller, geb. 7. April 1847 zu Thisted in Jütland, gest. daselbst 30. April 1885, beobachtete von frühester Kindheit an Natur und Menschen mit großer Objektivität und versuchte, seine Ideen und Phantasien nach dem Muster von Andersens Märchen in der schlichten Sprache des Alltags wiederzugeben. Seit 1868 betrieb er in Kopenhagen naturwissenschaftliche Studien, gewann mit einer Abhandlung über Tangarten die goldene Medaille der Universität und wirkte als einer der ersten[127] Vorkämpfer des Darwinismus (mit Vilh. Möller veröffentlichte er das Werk »Darwin, hans Liv og hans Lære«, 1893). Zugleich betrieb er Literaturstudien; man kann in seiner Dichtung die großzügige Menschendarstellung Shakespeares, die minutiöse Seelenanalyse Flauberts und Beyles und die Nachwirkung der Ideen Georg Brandes' verspüren. Allmählich hatte er eine seinen strengen Kunstforderungen genügende Form gefunden; 1872 veröffentlichte er die Novelle »Mogens« (deutsch, 2. Aufl., Berl. 1897) nebst andern Kleinigkeiten und 1876 »Frau Marie Grubbe« (deutsch, unter andern von Strodtmann, 2. Aufl., das. 1893). »Niels Lyhne« erschien 1880, 1882 eine kleine Sammlung meist älterer Novellen und 1886 ein schmächtiger Band nachgelassener Gedichte und Prosastücke (deutsch von Arnold, Leipz. 1897), geschrieben oder bearbeitet, während ihn die Schwindsucht aus Krankenzimmer fesselte. In diesen wenigen Werken hat I. der dänischen Literatur eine neue Prosa geschaffen. Noch niemals hatte ein Dichter das Menschenschicksal, wie es von der eignen psychologischen Veranlagung, von Umgebung und Zeitgeist bedingt ist, so sein zergliedert, so objektiv überzeugend und aus innerster Erfahrung heraus dargestellt, noch niemals die dänische Prosa so schlicht und rhythmisch, so mild schwermütig, so neu an Wort und Melodie geklungen. Diese Vereinigung von objektiver Naturbeobachtung des Menschen und auserlesener künstlerischer Form ist im Verein mit dem sehnsüchtigen, schönheitsdurstigen Stimmungsgehalt der Schilderung für den ganzen Norden vorbildlich geworden. Seine »Gesammelten Schriften« erschienen 1888 in 2 Bänden (4. Aufl. 1902); sie sind alle wiederholt ins Deutsche übersetzt (in Reclams Universal-Bibliothek: »Sechs Novellen« und »Niels Lyhne«, mit Einleitung von Wolff), als »Gesammelte Werke« von M. Herzfeld (Leipz. 1898–99, 3 Bde.). Seine »Briefe« gab E. Brandes heraus (2. Ausg., Kopenh. 1899).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 10. Leipzig 1907, S. 127-128.
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