Pfeiffer

[940] Pfeiffer, 1) August Friedrich, geb. 1748 in Erlangen, wurde 1776 Professor der Orientalischen Sprachen daselbst u. st. 1817. Er schr.: Aßemanns orientalische Bibliothek in einen Auszug gebracht, Erl. 1776, 2 Bde.; Von der Musik der Hebräer, ebd. 1779; Hebräische Grammatik, 3. Aufl. 1803; Beiträge zur Kenntniß alter Bücher u. Handschriften, Hof 1783–85, 3 Stück; gab auch den Philo heraus, ebd. 1785–92, 5 Bde., 2. Ausg. 1820. 2) Burkhard Wilhelm, geb. in Kassel 1777; studirte erst Theologie, dann die Rechtswissenschaften, wurde 1799 Hof- u. Regierungsarchivar in Kassel, 1803 Staatsanwalt, 1808 Substitut des Generalprocurators beim Appellationsgerichtshofe, 1814 Regierungsrath u. 1817 Oberappellationsgerichtsrath; 1820 ging er als Appellationsrath nach Lübeck, wurde aber 1821 wieder auf seinen vorigen Posten zurückberufen u. 1830 Abgeordneter auf dem Landtag; er war Vorstand des Ausschusses, welcher 1832 den Minister Hassenpflug anklagte, der auch seine Wahl für die folgenden Landtage hinderte. 1843 wurde er pensionirt, war aber fortwährend für das Interesse des Constitutionalismus, namentlich seit 1848, in mehrfachen Schriften u. Zeitungen u. st. 4. Oct. 1852. Er schr.: Vermischte Aufsätze über Gegenstände des römischen u. deutschen Rechts, Marb. 1802; Über die Grenzen der Civilpatrimonialjurisdiction, ebd. 1806; Napoleons Gesetzbuch nach seinen Abweichungen vom gemeinen Recht Deutschlands, Gött. 1808, 2 Bde.; Ideen zu einer neuen Gesetzgebung für deutsche Staaten, Gött. 1810; Rechtsfälle, entschieden nach dem Gesetzbuche Napoleons von Frankreichs u. Westfalens obersten Gerichtshöfen, Hann. 1810–13, 2 Bde.; Ideen zu einer neuen Gesetzgebung für Deutsche Staaten, Gött. 1816; In wiefern sind Regierungshandlungen eines Zwischenherrschers für den rechtmäßigen Regenten nach dessen Rückkehrverbindlich? ebd. 1819; Neue Sammlungen bemerkenswerther Entscheidungen des Oberappellationsgerichts zu Kassel, ebd. 1818–21, 5 Bde.; Praktische Ausführungen aus allen Theilen der Rechtswissenschaft, Hannover, von 1825–44, 8 Bde.; Das Recht der Kriegseroberung in Beziehung auf Staatscapitalien, Hann. 1824; Die Grundlage der rechtlichen Entscheidung des sachsengothischen Successionsfalles, Kassel 1826; Über die Ordnung der Regierungsnachfolge in den Deutschen Staaten überhaupt u. im herzoglichen Gesammthause überhaupt, ebd. 1826, 2 Bde; Einige Worte[940] über den Entwurf einer Verfassungsurkunde für Kurhessen, ebd. 1830; Darstellung der Lage der landständischen Geschäftsverhältnisse bei Auflösung der Ständeversammlung vom 26. Juli 1832, ebd. 1832; Geschichte der landständischen Verfassung in Kurhessen, ebd. 1834; Fingerzeigen für Deutsche Ständeversammlungen, Kassel 1849; Der alte u. der neue Bundestag, ebd. 1850; Die Selbständigkeit des Richteramtes, 1851. 3) Louis Georg Karl, Sohn des Vor., geb. 1805 in Kassel, studirte seit 1821 in Göttingen, Marburg, Paris u. Berlin Medicin u. Naturwissenschaften, ließ sich 1826 als praktischer Arzt in Kassel nieder, trat 1831 als Militärarzt in polnische Dienste, bereiste später Belgien u. Deutschland, 1838–39 mit E. Otto u. I. Gundlach die Insel Cuba, 1840–43 Frankreich u. mehre Gegenden des Österreichischen Kaiserreichs, 1845 u. 1851 England. Er schr.: Universalrepertorium der deutschen medicinischen, chirurgischen u. obstetricischen Journalistik, Kassel 1833, 2 Bde.; Versuch über Phlegonasia alba dolens, Lpz. 1837; Enumeratio diagnostica Cactearum hucusque cognitarum, Berl. 1837; Beschreibung u. Synonymik der in deutschen Gärten lebenden Cacteen, ebd. 1837; Symbolae ad historiam Heliceorum, Kass. 1841–46, 3 Thle.; Abbildungen u. Beschreibungen blühender Cacleen, ebd. 1843–50, 2 Bde.; mit Cassebeer: Übersicht der kurhessischen Flora, ebd. 1844; Monographia Heliceorum viventium, Lpz. 1847 f., 2 Bde., Supplementband 1853; Flora von Niederhessen u. Münden, Kassel 1847–54, 2 Bde.; Monographia Pneumonopomorum viventium, ebd. 1852; nahm Theil an der Bearbeitung von Philippis Abbildungen u. Beschreibungen neuer od. weniger bekannten Conchylien, u. gab mit Menke seit 1846 die Zeitschrift für Malakozoologie heraus, seit 1854 unter dem Titel Malakozoologische Blätter. 4) Ida, geb. Reyer, geb. den 14. Oct. 1797 in Wien, erhielt ihre erste Erziehung gemeinschaftlich mit ihren Brüdern; heirathete 1820 den Advocat P. in Wien, u. nachdem sie in dieser Ehe ihr väterliches Erbe verloren u. schon länger von ihrem Gatten getrennt gelebt hatte, beschloß sie, unterstützt durch eine mäßige Rente aus ihrem mütterlichen Erbe, Reisen zu machen. Ihre erste Fahrt unternahm sie 1842 nach Palästina u. Ägypten; auf der zweiten 1845, nach dem hohen Norden, durchzog sie Skandinavien u. Island; 1846 trat sie ihre erste Weltreise an, besuchte Brasilien, umschiffte Südamerika, durchwanderte Chili, Otaheiti, segelte nach China, Singapore, Ceylon u. Kalkutta, ging dann zu Lande nach Bombay, fuhr auf dem Tigris aufwärts nach Babylon u. Niniveh, wanderte von da durch das Kurdenland nach Persien, überstieg den Kaukasus u. gelangte über Constantinopel u. Griechenland 1848 in ihre Heimath zurück. Im Jahr 1851 machte sie ihre zweite Weltfahrt über London um das Cap der guten Hoffnung nach den Sundainseln u. Molukken, wo sie unter den wilden Dayakstämmen unangefochten blieb u. an den Höfen der malayischen Fürsten gute Aufnahme fand, ging nach anderthalbjährigem Aufenthalt in dieser Inselwelt über Australien nach Amerika, wo sie Californien u. Oregon besuchte, dann zurück nach Peru, Ecuador u. Neugranada u. über den Isthmus von Panama nach Neu-Orleans, von wo sie dann den Mississippi bis Minnesota aufwärts schiffte, die Binnenseen Nordamerikas bereiste u. über Canada nach New York gelangte. Ende 1854 kam sie nach Wien zurück u. brachte dem kaiserlichen Naturaliencabinet eine reiche Sammlung Insecten, Reptilien etc. mit. Im Mai 1856 verließ sie Wien abermals, um ihre dritte Weltreise zu unternehmen; sie ging über Berlin u. Paris, wo sie zum Ehrenmitgliede der Geographischen Gesellschaft ernannt wurde, nach Rotterdam u. schiffte sich hier am 31. August ein, um die Insel Madagascar u. andere noch wenig erforschte Punkte des Indischen Archipels zu bereisen; sie wurde in Madagascar längere Zeit gefangen gehalten u. einer höchst brutalen Behandlung ausgesetzt, erkrankte in Folge davon, ging nach Mauritius u. kehrte im Juni 1858 über London u. Hamburg nach Wien zurück, wo sie 27.)28. October 1858 starb. Ihre Reisen hat sie beschrieben: Reise einer Wienerin in das Heilige Land, Wien 1845, 3 Bde., 4. A. 1856; Reise nach dem Skandinavischen Norden u. der Insel Island, Pesth 1846, 2 Bde. (englisch von Charl. Fenimore Cooper als Journey to Iceland and travels in Sweden and Norway); Eine Frauenfahrt um die Welt, Wien 1850, 3 Bde. (englisch Lond. 1854); Zweite Weltreise, Wien 1856, 4 Bde.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 12. Altenburg 1861, S. 940-941.
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