Romanzow [1]

[306] Romanzow (Rumjanzow), 1) Graf Alexej, geb. 1684, wurde von Peter dem Großen als Hauptmann unter die Garde genommen u. begleitete ihn auf Reisen. Als der Czarowitsch Alexej entwich, wurde ihm R. mit dem Grafen Tolstoi nachgesendet u. bewirkte dessen Ausweisung vom deutschen Kaiser; er commandirte 1728 gegen Persien, dann unter Münnich gegen die Türken u. besiegte 25. Febr. 1739 den Pascha von Belgrad; wurde dann Gesandter bei der Pforte, kehrte 1742 zurück, schloß 1743 den Frieden von Åbo, wurde zum Grafen ernannt u. st. 1749. 2) Peter Alexandrowitsch, Graf von R.-Sadunaïskoi, Sohn des Vorigen, geb. 1725, trat zeitig in russische Kriegsdienste u. wurde bald General, als solcher commandirte er 1759 die Russen bei Kunersdorf u. nahm 1761 Kolberg, befehligte 1769 das zweite Armeecorps, welches Bender nehmen u. in Bessarabien einfallen sollte, folgte 1770 dem Fürsten Galizin als General en Chef, besiegte die Tataren am Pruth, schlug die Türken am Kagul, welche Siege die Einnahme von Ismail, Kilia, Akjermann, Bender u. Braila etc. zur Folge hatten; 1771 nahm er Giurgewo, schloß 1772 den Waffenstillstand von Fokschany u. 1773 den von Bucharest. Da diese aber nicht zum Frieden führten, ging er 1773 u. 1774 wiederholt über die Donau, blokirte zuletzt den Großvezier in seinem Lager bei Schumla u. erzwang den Frieden von Kutschuck Kainardschi (vgl. Türken). Von der Kaiserin wurde ihm deshalb der Name R. Sadunaïskoi (Transdanubiensis) beigelegt. Den Großfürsten Paul begleitete er zur Vermählung mit der Prinzessin Maria von Württem berg; 1787 erhielt er den Befehl über eine in der Ukraine zum Hülfscorps für die Österreicher gegen die Türken zusammengezogene Armee, richtete aber wenig aus u. gab, von Potemkin beleidigt, 1789 seine Dimission; er st. auf seinen Gütern 19. Dec. 1796. Ihm sind Denkmale bei Zarskoe-Selo u. bei Petersburg errichtet; Lebensbeschreibungen von Sosonow, Moskau 1803, 4 Bde., u. von Tschitschagow, Petersb. 1849; Anekdoten u. Charakterzüge aus seinem Leben, aus dem Russischen von F. Artzt, Dorpat 1818. 3) Nikolai, Graf von R., Sohn des Vorigen, geb. 1754, war 1779–96 Gesandter in Frankfurt a. M. u. unter Alexander I. Handelsminister u. Oberdirector der Wassercommunication u. der Wegebauten, ließ schiffbare Kanäle bauen, Leuchtthürme errichten u. gründete eine Anstalt für Schiffsbau in Petersburg, trug viel zur Ausbreitung des russischen Handels auf dem Schwarzen Meere u. zur Anlegung der Stadt Odessa bei u. wurde 1807 Minister des Auswärtigen u. Reichskanzler; er stand an der Spitze der Partei, welche den Anschluß an Frankreich wünschte, begleitete 1808 den Kaiser zum Congreß nach Erfurt u. ging 1809 nach Paris zu den Unterhandlungen mit Napoleon, schloß auch in diesem Jahre mit Schweden den Frieden von Frederikshamm. Als sich 1812 das System der Regierung änderte, zog er sich vom Ministerium zurück. Er betheiligte sich an der Ausrüstung der Expedition zur Weltreise unter O. von Kotzebue, sammelte im inneren Rußland Manuscripte, welche auf die Nationalgeschichte Rußlands Einfluß hatten, gründete das Romanzowsche Museum, gab einen russischen Codex diplomaticus heraus u. wendete Ansehnliches auf die Wissenschaften. Er st. 15. Jan., 1826. 4) Michael Paul, Graf R., Bruder des Vorigen, begleitete mehre Gesandtschaftsposten, u.a. war er russischer Gesandter in Berlin. 1812 erhielt er das Ministerium des Auswärtigen, nahm aber 1814 den Abschied u. st. unvermählt um 1830. 5) Serjei, Gesandter bei Friedrich II. von Preußen, schenkte seinen Bauern 1830 die Freiheit, weil sie dem Feldmarschall Kutusow ein Denkmal gesetzt hatten, u. st. unvermählt 1838; mit ihm starb die Familie aus.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 14. Altenburg 1862, S. 306.
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