Minden

[280] Minden (Preußisch-M.), 1) vormaliges Fürstenthum des Westfälischen Kreises, von Diepholz, Hoya, Kalenberg, Schaumburg, Lippe, Ravensberg u. Osnabrück begrenzt; 20 QM., 70,000 Ew.; bergig, fruchtbar, mit lebhafter Industrie; war in zwei Immediatstädte, M. u. Lübbecke, u. in fünf königliche Ämter eingetheilt u. stand unter der Minden-Ravensbergischen Regierung zu M. – M. gehörte Anfangs zu Engern. Karl der Große stiftete um 803 ein Bisthum daselbst. Bischof Landoward erhielt 961 vom Kaiser Otto I. die Regalien u. Bischof Ludwig wirkte sich 1332 beim Kaiser Ludwig die Befugniß aus, ein freies Herzogthum in dem Stift M. u. darin ein Freigericht unter Königsbann, nach Vehmrecht, zu setzen. Die Bischöfe residirten in Petershagen. In dem Westfälischen Frieden wurde das bisherige Hochstift, nachdem es seit seiner Entstehung 59 Bischöfe gehabt hatte, dem Kurhause Brandenburg, statt des abgetretenen Pommern, als Fürstenthum zuerkannt. Seit 1807 gehörte M. zum Königreich Westfalen u. war ein Theil des Departements Oberems. 1814 nahm es Preußen wieder in Besitz. 2) Regierungsbezirk der preußischen Provinz Westfalen, gebildet aus den Fürstenthümern Minden, Paderborn u. Korvey, den Grafschaften Ravensberg u. Rittberg, der Herrschaft Rheda u. dem Amte Reckeberg; zwischen Hannover, Lippe, dem Kurfürstenthum Hessen, Braunschweig, Waldeck u. den Regierungsbezirken Arnsberg u. Münster; bildet, bis auf die Parzelle Läde, ein zusammenhängendes Ganzes u. enthält 95,68 QM. u., mit Einschluß des Militärs, 491,500 meist evangelische Ew.; ist größtentheils bergig (Wesergebirge, die Mindensche Bergkette, der Teutoburger Wald, die Egge, alle mit trefflichen Waldungen); doch ist der Boden im Ganzen fruchtbar an den gewöhnlichen Erzeugnissen des Ackerbaues. sowie auch blühende Industrie (Verarbeitung des Flachses u. seine u. gröbere Leinwand zur Ausfuhr, Papier, Zucker, Stärke, Glas etc.) u. bedeutende Schweinezucht daselbst herrscht; Flüsse: Weser (mit der Diemel, Emmer u. Werra), Lippe u. Ems; Eintheilung in 12 Kreise: Bielefeld, Brakel, Höxter, Bünde, Herford, Büren, Halle, M., Paderborn, Rahden, Warburg, Wiedenbrück; 3) Kreis dieses Regierungsbezirks, 101/8 QM. groß u. mit 64,540 Ew.; Getreide, Flachsbau, Schweinezucht, Torf- u. Steinkohlengruben, lebhafte Gewerbe, etwas Handel; 4) (Preußisch-M.), Hauptstadt des Regierungsbezirks u. Kreises, Festung zweiten Ranges; die alten Festungswerke ließ Friedrich II. nach dem Siebenjährigen Kriege sprengen; sie sind seit 1816 stärker wieder aufgeführt, in Folge der Eisenbahnbauten erweitert u. der Bahnhof durch eine Erdumwallung u. drei Forts vertheidigt, links an der Weser u. an der Eisenbahnlinie Köln-Magdeburg; Sitz der Regierung, eines Kreisamtes u. eines evangelischen Domcapitels; Domkirche, 5 andere Kirchen, weltliches Fräuleinstift, Gymnasium, Schullehrerseminar, Handwerksschule, Baugewerkschule, Hebammenlehranstalt, Krankenversorgungsanstalt (sonst Waisenhaus), Armenhaus, Verein für vaterländische Geschichte u. Alterthümer, Proviantmagazin, Zuckersiederei, Leinwand-, Leder-, Tabaks- u. Tuchfabrikation, Branntweinbrennerei, Wachsbleichen, Schifffahrt, Schiffsbau, Hafen, Handel, ein Provinzial-Banco-Comptoir; 12,650 Ew. (darunter 2000 Soldaten). – M. stand schon zu Karls des Großen Zeit. Kaiser Konrad II. hielt 1026 einen Reichstag daselbst, auf welchem sein Sohn Heinrich III. zum Römischen König erwählt wurde. 1529 wurde, nach Einführung der Reformation, das Capitel aus der Stadt vertrieben, weshalb dieselbe 1538 in die Acht erklärt u. 1547 von Karl V. eingenommen wurde. 1626 wurde es von Tilly u. 1634 von Herzog Georg von Lüneburg erobert. 1650 von den Schweden an den Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg abgetreten, 1757 von den Franzosen besetzt, 1758 von den Hannoveranern erobert, 1759 im Juni aber von dem Marschall Broglio wieder genommen. 1. August 1759 Sieg der Alliirten unter dem Herzog Ferdinand von. Braunschweig über die Franzosen (der Kampfplatz war eigentlich bei dem Dorfe Todtenhausen); am 1. Aug. 1859 wurde auf dem Schlachtfeld ein Denkmal aufgestellt. Seit 1816 wurde es neu befestigt u. zum Hauptwaffenplatz von Westfalen gemacht. 5) (Hannöverisch-M.), so v.w. Münden; 6) Städtischer Bezirk mit Postamt in der Grafschaft Montgomery des Staates New York (Nordamerika), am Mohawk River u. dem Erie Kanal; 5000 Ew.; 7) Postort im Kirchspiel (Parish) Claiborne des Staates Louisiana; Landungsplatz der Dampfboote, welche vom Red River aus durch den Bistinean See fahren; 2 Kirchen, Eisenwerke, Handel; 1200 Ew.[280]

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 11. Altenburg 1860, S. 280-281.
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