Sieb

[24] Sieb, 1) Werkzeug, durch welches untereinander gemengte größere u. kleinere Körper getrennt, auch Flüssigkeiten von festen Körpern geschieden werden. Die S-e, welche mit der Hand bewegt werden, sind meist rund; die, welche in einem Gestelle aufgehängt werden, haben auch häufig eine viereckige Gestalt. Man unterscheidet an dem S-e die Einfassung, Sieblauf, u. den Siebboden, d.i. die in dem Laufe ausgespannte netzförmige Scheibe. A) Der Siebboden ist a) von Draht (Drahtboden), von Eisen- od. Messingdraht geflochten, gestrickt od. gewebt;letzteres geschieht auf dem Siebmacherrahmen, Wirkrahmen od. Drahtbodenstuhle, einem hölzernen Rahmen, welcher bei der Arbeit schräg gegen die Wandgelehnt u. so befestigt wird. Oben u. unten liegen 2 horizontale gegen einander verstellbare, runde Eisenstäbe (Ober- u. Unterriegel), über welche die als Kette dienenden Drahtfäden geschlagen sind; aa) bei dem Drahtlauf od. Siebmacherrahmen mit dem Schiebkamme sind die Kettenfäden abwechselnd durch die Löcher der in einer geraden Reihe in einem Rahmen (Kamm, Schiebkamm, Drahttauskamm) eingesetzten Eisenstäbchen gezogen, so daß durch die Hin- u. Herbewegung des Kammes Fach gemacht u. der Schuß entweder in einzelnen Stücken mittels der Nadel, welche an ihrem schmälern Ende mit einem Loche versehen ist, in welches der Schußdraht eingehängt wird, od. in einem fortlaufenden Stücke mittels des Schwertes (s.d.) u. eines Schützen eingezogen u. mit dem Kamme festgeschlagen werden kann. bb) Bei dem Haarlauf dagegen dient der Kamm (Haarlaufkamm) wie ein Rietblatt nur zum Anschlagen des Schusses, seine Zähne sind daher nicht durchbohrt, sondern die Drähte, welche die Kette bilden, nur zwischen 2 Zähnen durchgezogen; zum Fachmachen dient hier das Druckbret u. der Fitzstock; man legt den Fitzstock vorn quer über die Fäden des Vorderfachs, schiebt den Hegel- od. Häkelstab zwischen Vorder- u. Hinterfach ein u. windet mittels der Hegel- od. Häkelnadel (Fitzhaken) einen dünnen Messingdraht (Bindfaden) in Schraubengängen um Fitzstock u. Häkelstab, so daß jede Windung einen Faden des Hinterfachs mit einschließt, bindet das mit einem Handgriffe versehene Druckbret an die vordere Fläche des Fitzstockes u. beseitigt den Häkelstab; da so die Fäden des Hinterfachs durch die Schleifen (Hegel- od. Häkel) des Bindfadens an das Druckbret befestigt sind, so kann mittels des Druckbretes in der Weise Fach gemacht werden, daß das Hinterfach vor das Vorderfach gezogen wird, während für gewöhnlich zufolge der Art u. Weise, in welcher die Kette aufgezogen ist, in der entgegengesetzten Weise Fach gemacht ist u. mittels eines oberhalb des Druckbretes. eingesteckten 1–11/2 zolligen Holzstabes (Lesestock, Haarlaufstab, Haarlaufprügel) erhalten wird. Das Einschießen erfolgt wie beim Drahtlauf. Feinere Siebböden werden aus Drahtgeweben gemacht, welche auf einem, den gewöhnlichen Webstühlen ähnlichen Drahtwebstuhle verfertigt werden. Beim gestrickten Drahtboden werden Drahtstücken auf einem Brete an Nagel befestigt u. nun wechselsweise die beiden nächsten Stücken zweimal um einander gedreht, wodurch runde od. vielmehr sechseckige Maschen entstehen. b) Von Pferdehaaren gewebt. Das Weben dieser Haarsiebböden geschieht auf dem Haarsiebstuhl od. Haarbodenstuhl, welcher dem Leinweberstuhle gleicht, nur schmäler u. kürzer ist; statt des Schützen hat man ein Lineal (Maulschütze), in welches das Einschlaghaar geklemmt u. so zwischen das Fach geschoben wird. c) Von Bast, od. von dünnen Holzspähnen, welche zu Siebplatten od. Holzsieben auf einem dem Leinwandwebstuhle ähnlichen Webstuhle gewebt sind; d) von einem seidenen Zeuge, wie bei manchen S-en der Apotheker; e) von dünnem Blech, welche sehr regelmäßig durchlöchert sind. B) Die eckigen Siebläufe sind von Bretern od. Blech, die runden von dünnen Holzschienen, welche in einen Kreis gebogen u. mit dünnen Holzspähnen zusammen geheftet werden. Diese Art Siebläufe bestehen aus 2 Theilen, aus einer dünneren u. breitern Schiene, od. dem eigentlichen Laufe, über welchen der Siebboden gelegt wird, u. aus einer schmälern u. dickern Schiene, dem Rande, welcher so auf den Siebboden. u. die andere Schiene geschoben wird, daß der Siebboden dadurch ausgespannt fest gehalten wird. Die Siebränder werden aus grünem Fichten- od. Tannenholz gespalten, damit man sie leichter rund biegen kann; dazu taugliche, recht glatte u. gerade Stücken Holz heißen Siebstäbe. Beide Theile werden wieder mit dünnen Holzspähnen (Sprägel) an einander befestigt; bis dies geschehen ist, werden die beiden Enden des Siebrandes zwischen die Kloppe, eine hölzerne Klammer, deren Schenkel mit einer Schraube zusammengezogen werden können, fest gespannt. Nach dem verschiedenen Gebrauche u. der Größe der Löcher in dem Siebboden, hat man in der Landwirthschaft beim Reinigen des Getreides ganze u. halbe Ährensiebe; ganze u. halbe Radensiebe, deren Löcher so groß sind, daß durch sie dem ausgedroschenen Getreide die Samen der Raden beim Reinigen des Getreides fallen, während die Getreidekörner im S-e bleiben; ganze u. halbe Knotensiebe, Staubsiebe; in den Mühlen Mehl-, Graupen-, Gries- (Beutel-) S-e, von seinen[24] Pferdehaaren, das seine Mehl von dem gröbern, auch Kleien vom Mehle zu sichten; in den Hüttenwerken Erz- u. Glötensiebe. Auch hat man bes. in den Apotheken verdeckte od. Trommelsiebe, zu welchen ein Deckel u. ein Boden gehört, welche aus einem in einen Reif gespannten Leder bestehen, damit die seinen Gegenstände, welche man durchsiebt, nicht verstäuben. Die Verfertiger der S-e heißen Siebmacher; sie sind (zünftige) Handwerker u. theilen sich gewöhnlich in Siebweber u. Laufmacher; erstere weben vorzüglich die Siebboden von Draht u. Pferdehaaren, letztere verfertigen den Sieblauf u. setzen das S. zusammen. Mit den Siebböden wird ein weit verbreiteter Handel getrieben, die Weite od. Feinheit derselben wird nach Nummern bestimmt. So liefert Nürnberg Drahtsiebe in 16 Nummern; Rußland führt viel Haarsiebe aus. 2) So v.w. Fundamentalbret, s.u. Orgel III. B); 3) in der Kattun- u. Tapetendruckerei ein kleiner mit Tuch bespannter Rahmen, s. Kattun B) a); 4) Getreidemaß in Stettin = 1/2 Berl. Scheffel; 5) S. der Vestalin, s.u. Heber; 6) S. des Eratosthĕnes, eine von Eratosthenes angegebene Methode, die Primzahlen von den übrigen auszusondern.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 16. Altenburg 1863, S. 24-25.
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