Stürmer [2]

[13] Stürmer, ein der Katholischen Confession folgendes, von einer alten Nürnberger Patricierfamilie abstammendes Grafengeschlecht in Osterreich; berühmt sind aus demselben: 1) Freiherr Ignaz, geb. 21. August 1752 in Wien; wurde Jesuit, studirte nach Aufhebung dieses Ordens die Rechte u. wurde 1776 Zögling der Orientalischen Akademie, kam 1779 zum Internuntius von Herbert in Constantinopel u. wurde 1781 Gesandtschaftsdolmetscher. Im Türkenkriege diente er während drei Feldzügen als Hofsecretär u. Dolmetscher, wurde 1789 Hofdolmetscher, schloß die Capitulation von Belgrad u. befand sich 1790 sechs Monate hindurch mit geheimen Aufträgen beim Großwesir in Schumla. 1793 trat er in activen Dienst in der Staatskanzlei u. begleitete 1794 den Freiherrn von Thugut in die Niederlande. 1800 wurde er in den erbländischen Ritterstand erhoben, 1801 zum wirklichen Hofrath u. 1802 zum Internuntius bei der Pforte ernannt, wo er sieben Jahre unter mancherlei Gefahren verlebte. Nach Wien zurückgekehrt, wurde er 1809 wirklicher Staats- u. Conferenzrath u. 1810 Vorsteher der zweiten Abtheilung der Hof- u. Staatskanzlei, als welcher er zuweilen in des Fürsten Metternich Abwesenheit die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten übernahm; er wurde 1813 in den Freiherrenstand erhoben u. erhielt auch 1820 die Magnatenwürde von Ungarn; er war seit 1787 mit Elisabeth geb. Freiin von Testa vermählt u. starb 2. Decbr. 1829. Jetziger Chef ist: 2) Graf Bartholomäus, Sohn des Vor., geb. 26. Dec. 1787 in Constantinopel, wurde in der Akademie für Morgenländische Sprachen in Wien erzogen u. 1806 Sprachknabe in Constantinopel. Später wurde er in Petersburg, dann beim Fürsten Schwarzenberg (1811) u. beim österreichischen Hülfscorps in Galizien angestellt, 1813 als Legationssecretär dem Fürsten Schwarzenberg beigegeben u. dann als Legationssecretär nach Florenz gesandt. 1816–18 lebte er als österreichischer Commissär auf St. Helena, kehrte dann nach Deutschland zurück u. wurde 1820 Gesandter am brasilianischen Hofe. Von hier kehrte er nach fünf Monaten nach Lissabon zurück, von wo er jedoch auch bereits 1821 abreiste, da er die geforderte Genugthuung für die, einem dortigen österreichischen Geschäftsträger zugefügte Beleidigung nicht erhalten konnte. Seitdem hielt er sich in Aufträgen seines Hofes in London, Paris u. Wien auf u. war von 1834–50 österreichischer Internuntius u. bevollmächtigter Minister in Constantinopel; er wurde 1842 in den Grafenstand erhoben u. ist seit 1815 vermählt mit Ermance Katharina geb. Freiin von Boutet u. kinderlos. 3) Freiherr Karl, Bruder des Vorigen, geb. 3. Nov. 1792 in Wien, wandte sich zuerst dem Studium der Morgenländischen Sprachen zu u. trat dann in die Ingenieurakademie ein. Als Lieutenant eines Husarenregiments nahm er 1813 Theil am Feldzuge in Italien, wurde als Oberlieutenant 1814 im Hauptquartier des Fürsten Schwarzenberg verwendet u. rückte nach der Einnahme von Paris zum Rittmeister auf. Nach der Unterzeichnung des Friedens wurde er als Überbringer des Vertrags an die Pforte nach Constantinopel gesendet, commandirte 1815 bei Erneuerung des Krieges ein Streifcommando u. nach dem zweiten Friedensschlüsse überbrachte er wieder den Tractat an den Sultan. In einem Ulanenregimente machte er 1821 den[13] Zug gegen Piemont mit, fungirte von da an einige Jahre im Generalstabe, rückte 1827 zum Major, 1831 zum Oberstlieutenant u. im folgenden Jahre zum Oberst u. Regimentscommandeur auf. Als Generalmajor erhielt er 1839 ein Brigadecommando, zuerst in Podgorze, dann in Presburg. Nachdem er 1846 die Truppen befehligt hatte, welche an die Grenze Galiziens rückten, um den Aufstand daselbst zu bekämpfen, wurde er als Feldmarschalllieutenant u. Divisionär nach Hermannstadt versetzt, kam Anfang 1848 in gleicher Eigenschaft nach Ödenburg u. wenige Monate später wurde er beauftragt in Görz die Reserven für das Armeecorps des Grafen Nugent zu formiren. Er begann die Cernirung u. Beschießung von Palma Nuova u. übergab dann das Commando an Welden, um eine Division an der Piave zu übernehmen, mit welcher er Bassano besetzte u. die Straße nach Tyrol eröffnete. Er befehligte sodann bei Treviso u. vor Venedig u. von Ende October 1848 bis Februar 1849 das zweite Reservecorps, welches nach ihm Haynau übernahm. Als Commandeur der Cavalleriedivision im ersten Reservecorps nahm er sodann Theil an dem Feldzuge gegen Piemont u. ging im April als Gouverneur nach Parma, um dieses Herzogthum zu pacificiren u. zu reorganisiren. Von hier begab er sich als Landesmilitär-gouverneur von Illyrien nach Laibach, wurde im October 1850 Festungscommandant von Peschiera u. starb hier am 26. Sept. 1853. Mit ihm erlosch das freiheitliche Haus S. im Mannesstamme.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 17. Altenburg 1863, S. 13-14.
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