Suwōrow-Rymnikski

[116] Suwōrow-Rymnikski, 1) Peter Alexis Wassiliewitsch, Graf von S., Fürst Italijski, aus einer ursprünglich schwedischen, später dem russischen Priesterstand ungehörigen Familie stammend, Sohn des 1746 verstorbenen Generallieutenants S., geb. 13. (25.) Nov. 1729 in Moskau; kam früh in das Petersburger Cadettencorps, trat 1746 als Gemeiner in die Garde, stieg in einem Feldzuge gegen, die Schweden zum Lieutenant, zeichnete sich im Siebenjährigen Kriege als Hauptmann bes. bei Zorndorf u. Kunnersdorf u. vor Kolberg aus, wurde Oberstlieutenant u. nach dem Frieden Oberst. Nach Petersburg zurückgekehrt, fand er sich durch eine Äußerung Katharinens II., wonach sich jeder, der sein Glück machen wollte, durch irgend etwas auszeichnen müsse, bewogen den Idioten zu spielen. In dem Kriege gegen Polen 1768 befehligte er als Brigadecommandeur den Sturm auf Krakau, u. von da aus gegen Warschau entsendet, schlug er alle ihm entgegenstehenden Corps u. drang bis Lublin vor. 1770 Generalmajor geworden, schlug er die Polen unter Ozinski bei Stralowice u. kehrte nach der ersten Theilung Polens nach Petersburg zurück. 1773 befehligte er gegen die Türken ein abgesondertes Corps, mit welchem er über die Donau ging, Turtukay eroberte u. die Türken bei Hirsowa schlug. 1774 Generallieutenant, führte er die zweite Reservedivision u. siegte bei Kosludsche. Nach dem Frieden stillte er den Putgatschewschen Aufstand, unterwarf 1782 den Khan Dewlet Ghirai in der Krim u. 1783 die Nogai-Tataren, wofür er zum General ernannt wurde; 1787 besiegte er die Türken bei Kinburn u. 1788 mit den Österreichern unter dem Prinzen von Koburg bei Fokschani u. 1789 am Rymnik, wurde dafür russischer u. deutscher Reichsgraf u. erhielt den Beinamen Rymnikski. Ende 1789 erstürmte er Ismail u. eignete sich von der ungeheuern Beute nichts als ein Pferd zu. 1791 wurde er Chef des Gouvernements von Jekaterinoslaw, der Krim u. der Dniesterprovinzen mit der Residenz in Cherson. 1794 endigte er, durch die Gefangennehmung Kosciuszkos, die Erstürmung von Praga u. die Besetzung von Warschau den Krieg mit Polen u. wurde Generalfeldmarschall. Nach der Thronbesteigung Pauls I. brachte ihn ein Witzwort über die neue Uniformirung: Zopfe sind keine Piken u. Locken keine Kanonen, in Ungade; indeß schon 1799 zog er als Generalissimus der russisch-österreichischen Heere in Italien den Österreichern mit 30,000 Mann zu Hülfe, schlug die Franzosen bei Cassano, an der Trebia u. bei Novi, eroberte Alessandria u. vertrieb die Franzosen aus Italien (wofür er zum Fürsten Italijski ernannt wurde); er zog dann nach der Schweiz, um den Erzherzog Karl zu ersetzen, welcher an den Niederrhein berufen worden war. Dort angelangt, fand er die russisch-österreichische Armee unter Korsakow schon geschlagen u. sah sich zu einem höchst gefährlichen u. beschwerlichen Rückzug genöthigt, welchen er aber mit großer Vorsicht u. sehr geringem Verluste ausführte. In Böhmen u. Baiern erhielt er den Befehl zum Rückmarsch nach Rußland, fiel aber während desselben in Ungnade, da er eine militärische Bestimmung des Kaisers unerfüllt gelassen hatte, u. wurde in einem Armeebefehl getadelt. Krank traf ihn diese Nachricht in Riga; zwar kam er noch in Petersburg an, starb aber schon 15 Tage darauf am 18. Mai 1800. Kaiser Alexander I. ließ ihm 1801 eine Broncestatue auf dem Marsfelde in Petersburg errichten. Vgl. S. Anthing, Kriegsgeschichte S-s, Warschau u. Gotha 1795–99. 3 Thle.; Leben u. Feldzüge des Generals S. in Italien, Lpz. 1799; Anekdoten aus dem Leben des Grafen S., ebd. 1829; Fr. von Schmitt. S-s Leben u. Heerzüge, Wilna 1833, 2 Bde.; Polewoi, S-s Leben, Mitau 1853. 2) Graf Arkadij Alexiewitsch S.-R., Fürst Italijski, Sohn des Vorigen, geb. 1783, zeichnete sich namentlich im Feldzug von 1807 aus, wurde Generallieutenant, erhielt eine Division der Donauarmee unter Kutusow u. ertrank 1811 im Flusse Rymnick. 3) Graf Alexander Arkadjewitsch S.-R., Fürst Italijski, Sohn des Vorigen, geb. um 1805 u. erzogen zu Hofwyl, trat 1822 als Cornet in die russische Chevalliergarde ein u. ging, nachdem er als Theilnehmer an der Militärverschwörung von 1825 in Untersuchung verwickelt gewesen, aber begnadigt worden war, nach dem Kaukasus, wo er sich im Kriege gegen Persien auszeichnete. Als er 1828 als Überbringer der Schlüssel des eroberten Ardebil nach Petersburg zurückkam, wurde er zum Flügeladjutanten des Kaisers ernannt, nahm 1831 im Hauptquartier des Fürsten Paskewitsch Theil an dem Kriege gegen Polen u. brachte die Nachricht der im Austrage des Fürsten durch ihn verhandelten Capitulation von Warschau nach Petersburg, wo er zum Oberst ernannt wurde. In den nächsten Jahren mehrfach zu diplomatischen Sendungen nach Deutschland verwendet, rückte er bald zum Generalmajor auf u. erhielt das Commando einer Brigade im Grenadiercorps. 1845 wurde er zur Einstellung der in der Armee des Kaukasus eingerissenen Mißbräuche nach dem Süden gesendet, führte durch seine Untersuchung ein strenges Gericht über die Schuldigen herbei u. wurde dann zum Generaladjutanten erhoben. Ein ähnlicher Auftrag führte ihn 1847 als Gouverneur nach Kostroma. 1843 wurde er erst zum Gouverneur von Riga, dann zum Generalgouverneur der Ostseeprovinzen ernannt, rückte zum Generallieutenant auf u. erhielt bei Ausbruch des Krieges mit den Westmächten 1854 den Befehl über die zur Vertheidigung von Livland aufgestellten Truppen. Er ist jetzt General der Infanterie, Mitglied des Reichsrathes u. seit 1861 Generalmilitärgouverneur von Petersburg.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 17. Altenburg 1863, S. 116.
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