Wittgenstein [2]

[303] Wittgenstein. I. Die Fürstliche Linie, s. Sayn-Witgenstein. Merkwürdig sind: 1) Ludwig Adolf Peter, früher Graf, seit 1834 Fürst von Sayn-Witgenstein-Ludwigsburg, geb. 6. Jan. 1709, trat früh in russische Kriegsdienste u. war 1806 General u. Chef des Marienpolschen Husarenregiments, commandirte 1807 die Avantgarde des fünften Armeecorps unter Tolstoi an der Narew u. hatte am 30. April 1807 bei Ostrolenka ein glückliches Gefecht gegen die Franzosen. 1812 war W. Generallieutenant u. befehligte das erste Corps der ersten Westarmee unter Barclay de Tolly; er blieb mit diesem Corps an der Düna stehen u. hatte während des Feldzugs von 1812 die Corps von Oudinot u. St. Cyr, später auch das von Victor gegen sich. Beim Beginn des Feldzugs von 1813 erhielt W., zum General der Cavallerie befördert, nach Kutusows Tode den Oberbefehl über die russisch-preußische Hauptarmee, gewann am 5. April das Gefecht bei Möckern, lieferte am 2. Mai die Schlacht bei Lützen u. am 20. u. 21. die bei Bautzen, s. Russisch-Deutscher Krieg S. 573 f. Nach dem Waffenstillstand commandirte W. die russische, aus mehren Armeecorps bestehende Armee, welche der Hauptarmee unter dem Fürsten Schwarzenberg zugetheilt worden waren, wohnte mit ihnen den Schlachten bei Dresden, dem Gefecht bei Nollendorf (17. Sept.) u. der Schlacht bei Leipzig bei u. ging am 2. Jan. 1814 bei St. Louis über den Rhein; sein Corps wurde als sechstes Corps ein Theil der Hauptarmee unter Fürst Schwarzenberg u. W. behauptete in allen Gefechten, bes. vor Paris, den Ruhm eines tapfern u. einsichtsvollen Generals, s. ebd. S. 592 ff. Beim Ausbruch des Kriegs mit den Türken 1828 wurde W., welcher unterdessen zum Feldmarschall u. Flügeladjutant befördert worden war, Oberbefehlshaber der Südarmee, welche Ende Aprils 1828 über den Pruth setzte. Anfangs nahm zwar der Krieg einen glücklichen Gang, Isakdschi u. Braila wurden erobert u. W. rückte mit 50,000 Mann über Karassu bis nach Schumla vor, aber wegen Krankheiten u. Mangels aller Art mußte sich W. Anfangs Nov. nach der Walachei zurückziehen (s. Türkisches Reich S. 41 f.). Während des Winters wurde W. vom Commando abgerufen u. dieses dem General Diebitsch übertragen. W. wurde 1834 von dem König von Preußen in den Fürstenstand erhoben u. starb 11. Juni 1843 auf der Durchreise zu Lemberg. 2) Wilhelm, Fürst von W-Hohenstein, geb. 9. Oct. 1770; trat früh in preußische Staatsdienste u. wurde 1800 in den Fürstenstand erhoben. König Friedrich Wilhelm III. schenkte ihm sein ganzes Zutrauen, u. er wurde nach 1815 Staatsminister u. Minister des Hauses. Er machte es sich bes. zur Pflicht dem Ultraliberalismus entgegen zu wirken u. in der Demagogenuntersuchung von 1821 spielte er eine bedeutende Rolle. Er starb 11. April 1851. 3) Prinz August, s. Sayn 4). II. Freiherrliche Linie; die Nachkommen des 1837 verstorbenen Fürsten Friedrich von Sayn-W.-Hohenstein aus seiner zweiten Ehe mit Luise geb. von Köhler; führten bis zum Tode ihres Vaters den Titel als Prinzen u. Prinzessinnen von Sayn-W.-Hohenstein, seitdem aber als Freiherren; die Familie besitzt die Friedrichshütte u. einige Güter im Wittgensteinschen u. ihr dermaliger Chef ist Freiherr Karl, geb. 1809; sein ältester Sohn Felix ist 1847 geboren.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 19. Altenburg 1865, S. 303.
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