Köln

Köln
Köln

[633] Köln (franz. Cologne), eine der ältesten Städte Deutschlands, liegt in der Gestalt eines Halbkreises am linken Rheinufer, und ist Hauptstadt eines Regierungsbezirks der preuß. Provinz Rheinland, der aus Theilen des vormaligen Kurfürstenthums Köln und der Herzogthümer Jülich und Berg besteht.

Ehe Köln den Namen Colonia Agrippina erhielt,[633] hieß es die Stadt der Ubier, und war ein wichtiger Platz für die Römer, welche es zum Municipium erhoben; 449 wurde es von den Franken besetzt, deren Könige bis auf Karl den Großen hier häufig verweilten. Im I. 957 erklärte Kaiser Otto I. es zur Reichsstadt, 1187 wurde es mit Mauern umgeben, trat später in die Reihe der Hansestädte und schwang sich zu hoher Blüte empor. Schon im 4. Jahrh. hatte es seine Bischöfe, welche im 14. Jahrh. Kurfürsten wurden, und im Fortgange der Zeit so ausgedehnte Besitzungen erwarben, daß sie zu Ende des vorigen Jahrhunderts 134 ! M. mit 220,000 Einw. und mehr als 1 Mill. Gulden Einkünfte besaßen. Der letzte Kurfürst war Maximilian Franz Xaver, Kaiser Joseph II. Bruder; er starb 1801. Im luneviller Frieden erwarb Frankreich einen Theil vom Stifte Köln; dieses hörte auf ein Kurfürstenthum und deutsches Erzbisthum zu sein; die Länder wurden vertheilt und kamen nach dem allgemeinen Frieden an Preußen. Die Stadt K. ist alterthümlich und unregelmäßig gebaut; ein Drittel ihres Umfanges besteht aus Gärten, Plätzen und Spaziergängen; die Straßen sind eng und düster, aber viele Gebäude erinnern noch an den alten Glanz, vor allen der herrliche Dom, dessen Bau schon 1248 begonnen ward, aber bis auf den heutigen Tag noch nicht vollendet ist. Der regierende König von Preußen hat der Stadt mehrmals ansehnliche Summen zum Ausbau dieses herrlichsten Denkmals der deutschen Baukunst geschenkt. Der Dom ist 400 F. lang und 180 F. breit. Das Innere desselben ist ungemein großartig und majestätisch; der Chor steht vollendet da und hat 200 F. Höhe; das Gewölbe wird von 100 Säulen getragen; die beiden Thürme sollten nach dem ursprünglichen Plane 500 F. hoch werden; er enthält eine Menge Reliquien, herrliche Glasmalereien und Schnitzwerke, und eine 225 Centner schwere Glocke. Andere bemerkenswerthe gottesdienstliche Gebäude sind: die Gereonskirche, die Petrikirche mit der Kreuzigung Petri von Rubens, der in K. geboren und hier getauft ward; die Ursulakirche enthält die Gebeine dieser Heiligen und der 11,000 Jungfrauen. Ein durch seine Bestimmung und seine Bauart bemerkenswerthes Gebäude ist der umstehend abgebildete Gürzenich oder das Herrenhaus. Derselbe hat den Namen von seinem Gründer, einem Ritter von Gürzenich, welcher es dem öffentlichen Vergnügen, namentlich dem Ballspiel, widmete und es der Stadt schenkte. In dem obern Theile des viereckigen, mit einer Mauerkrone gezierten Gebäudes befindet sich ein großer Saal, dessen Decke durch eine Reihe von Säulen gestützt wird. Später wurde der Gürzenich zu Waarenniederlagen u. dgl. benutzt, bis er in neuerer Zeit seinen frühern Zwecken insoweit wiedergegeben wurde, daß man den Saal zur Aufführung von Musikfesten, zur Carnevalsfeier, zu Bürgerbanketten u. dgl. benutzte. Als ausgezeichnete Gebäude sind noch zu erwähnen: das nebenstehend abgebildete Rathhaus mit einem schönen Portale, das vormalige Jesuitercollegium, der Justizpalast und das Bankcomptoir. Von den 64,000 Einwohnern sind etwa 3000 Protestanten, 400 gehören der Mosaischen Religion, alle übrigen der katholischen Kirche an. K. ist Sitz eines Bischofs (der gegenwärtige Clemens Anton, Freiherr von Droste zu Vischering, wurde gegen Ende des Jahres 1837 von der preuß. Regierung seiner Stelle enthoben und nach Minden abgeführt, s. Preußen), eines Appellationshofes für die Rheinprovinz, hat ein Handelsgericht, zwei Gymnasien, Bibliotheken, mehre andere Bildungsanstalten, z.B. eine Militairschule, einen botanischen Garten, Gemäldesammlungen, Walraf's Sammlung für Kunst und Alterthum, und treibt einen sehr ausgedehnten Handel, der durch die lebhafte Dampfschifffahrt wesentlich befördert wird; es ist zugleich [634] Freihafen und hat mehre beträchtliche Fabriken, welche Baumwollenwaaren, Steingut, Taback, Wollenwaaren u.s.w. liefern. K. ist befestigt, und mit der gegenüber am rechten Rheinufer liegenden Stadt Deutz vermittels einer auf 39 Schiffen ruhenden, 1250 Schritte langen Brücke verbunden. – Berühmt ist das kölnische Wasser oder (franz.) Eau de Cologne, das zuerst gegen Anfang des vorigen Jahrhunderts von Joh. Maria Farina bereitet worden ist, jetzt aber nicht nur in K., sondern auch an andern Orten nachgemacht wird. In K. gibt es über 50 zum Theil sehr wohlhabende Fabrikanten dieses wohlriechenden Wassers, unter denen die Farina, sowie Zanoli und Herstadt die berühmtesten sind. Die Fabrikation des Wassers ist noch immer ein Geheimniß, was das richtige Verhältniß der zu denselben zu verwendenden Substanzen betrifft. Seine Bereitung ist im Allgemeinen die, daß man völlig reinen Weingeist in eine Destillirblase bringt, und denselben mit gewissen duftenden Pflanzentheilen vermischt, als Orangeblüte, Citronenmelisse, Zimmt und dergl. Nachdem ein Theil abdestillirt worden, werden ätherische Öle zugesetzt, als Citronenöl, Bergamotöl, Rosenöl, Lavendelöl und dergl. Bei gutem Eau de Cologne darf keiner der aromatischen Bestandtheile sich vor den übrigen bemerklich machen, auch dann nicht, wenn man jenes langsam verduften läßt.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1838., S. 633-635.
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