Trauttmansdorff

[681] Trauttmansdorff (Stuchse von T.), österreich. Adelsgeschlecht, im 12. Jahrh. auf dem Schlosse T.[681] bei Bruck a. d. Leitha seßhaft, entwickelten sich rasch zu einem der bedeutendsten Ministerialengeschlechte in Niederösterreich; andre Zweige dieses Namens waren in Steiermark und Tirol ansässig. Ihre beglaubigte Geschichte beginnt 1263. Das Geschlecht erhielt 1625 die reichsgräfliche, 1805 die reichsfürstliche Würde und teilte sich im 17. Jahrh. in mehrere Linien. Der erste Fürst war Ferdinand, geb. 12. Jan. 1749, gest. 27. Aug. 1827 als k. k. Obersthofmeister; jetziger Fürst ist Karl, geb. 5. Sept. 1845, Großenkel Ferdinands. Bemerkenswert sind:

1) Maximilian, Graf von T., österreich. Staatsmann, geb. 23. Mai 1584 in Graz, gest. 7. Juli 1650 in Wien, gewann seine Bildung teils durch Studien, teils auf Reisen und in Feldzügen, trat mit seinen Eltern frühzeitig vom protestantischen Glauben zum Katholizismus über. Er stand schon unter Kaiser Rudolf II. im Hofdienst, den er auch unter Kaiser Matthias und Ferdinand II. beibehielt, dessen Kaiserwahl in Frankfurt im J. 1619 er wesentlich förderte, ebenso wie den Abschluß des Bündnisses Ferdinands mit Maximilian von Bayern. T. war es auch, der als kaiserlicher Gesandter in Rom mit dem Papst und dem spanischen Gesandten die gemeinschaftlichen Maßregeln zur Führung des Krieges vereinbarte. Er war einer der ersten, die Wallenstein bei dem Kaiser hochverräterischer Absichten beschuldigten, und ward mit zur nähern Untersuchung des Tatbestandes in dessen Lager abgesendet. Nach der Nördlinger Schlacht 1634 bewog er den Kurfürsten von Sachsen, sich von Schweden zu trennen, und 1635 schloß er den Frieden zu Prag ab. Bei den Friedensunterhandlungen zu Münster und Osnabrück fungierte er als kaiserlicher Prinzipalkommissarius und hatte den wesentlichsten Anteil am Zustandekommen des Westfälischen Friedens. Unter Ferdinand III. war er dessen erster Minister und stand bei ihm hoch in Gunst.

2) Ferdinand, Fürst, österreich. Staatsmann, geb. 12. Jan. 1749 in Wien, gest. daselbst 27. Aug. 1827, kam 1780 als kurböhmischer Gesandter an den Reichstag nach Regensburg, dann nach Kurmainz und wurde 1787 von Kaiser Joseph II. zum Zivilgouverneur für Belgien ernannt; doch scheiterten seine Bemühungen, die schwierigen Verhältnisse zu regeln, an dem gewaltsamen Vorgehen des ihm beigeordneten Militärkommandanten General d'Alton. Am 12. Dez. 1789 mußte auch T. das Land verlassen; gegen Anfeindungen verfaßte er eine Apologie seiner belgischen Verwaltung. Erst unter Franz II. trat T. wieder in den Staatsdienst; er war Hofkanzler für die Niederlande in Wien bis zur Auflösung des niederländischen Gouvernements. Nach Thuguts Sturz war er 1801 acht Monate lang interimistischer Leiter des Auswärtigen, konnte sich aber gegen Colleredo und Cobenzl nicht behaupten. 1805 in den erblichen Fürstenstand erhoben, wurde er 1807 vom Kaiser zu seinem ersten Obersthofmeister ernannt. Vgl. »Geheime Korrespondenz Josephs II. mit seinem Minister Ferdinand Grafen T. 1787–1789« (hrsg. von Schlitter, Wien 1902).

3) Ferdinand, Graf, österreich. Staatsmann, geb. 27. Juni 1825 in München, gest. 12. Dez. 1896 auf Schloß Friedau bei St. Pölten, widmete sich wie sein Vater Graf Joseph von T., der längere Zeit österreichischer Gesandter in Berlin war und 1870 starb, dem diplomatischen Beruf, diente bei den Gesandtschaften in London und Berlin, ward 1859 außerordentlicher Gesandter in Karlsruhe, wo er den Großherzog 1863 zur Teilnahme am Fürstentag in Frankfurt a. M. und 1866 zur Teilnahme am Kriege gegen Preußen zu bewegen wußte, kam 1867 als Gesandter nach München, 1868 als Botschafter beider päpstlichen Kurie nach Rom. 1872 ward er zum zweiten Vizepräsidenten des Herrenhauses, dem er schon längere Zeit als Mitglied angehörte, und nach dem Rücktritt des Fürsten Carlos Auersperg im Juli 1879 zum Präsidenten des Herrenhauses ernannt; seit 1889 fungierte er als Oberstkämmerer.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 681-682.
Lizenz:
Faksimiles:
681 | 682
Kategorien:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika