Schweden

Schweden, Norwegen und Dänemark I. (Karten)
Schweden, Norwegen und Dänemark I. (Karten)
Schweden, Norwegen und Dänemark II. (Karten) 1. Geolog. Übersicht 2. Physikalische Übersicht. 3. Die wichtigsten Kulturpflanzen. 4. Tiergeograph. Übersicht. 5. Volksdichte. 6. Historische Übersicht.
Schweden, Norwegen und Dänemark II. (Karten) 1. Geolog. Übersicht 2. Physikalische Übersicht. 3. Die wichtigsten Kulturpflanzen. 4. Tiergeograph. Übersicht. 5. ...
1684. Schweden.
1684. Schweden.
Flaggen.
Flaggen.

[666] Schweden (schwed. Sverĭge), Königreich, die südöstl. größere Hälfte Skandinaviens [Karten: Schweden etc. I u. II, bei Skandinavien], 447.864 qkm (36.185 qkm von Seen [größte Hjelmar-, Mälar-, Wener-, Wettersee] eingenommen), (1904) 5.260.811 E., mit 7600 km Küstenentwicklung; höchster Berg der Kebnekaiße in den Kölen, 2135 M hoch (weiteres über Bodengestaltung etc. s. Skandinavien). Bevölkerung german.-skandinav. außer (1900) ca. 7000 Lappen, 22.100 Finnen und 35.627 Ausländern; Konfession vorwiegend lutherisch, außerdem ca. 41.500 Baptisten, 7000 Methodisten, 2400 Katholiken, 3900 Israeliten. [S. auch die Beilagen: Bevölkerung, Berufs- und Gewerbestatistik, Auswanderung.] Landwirtschaft Hauptbeschäftigung von mehr als der Hälfte der Bevölkerung, doch betrug 1900 das Kulturland nur 12 Proz. der Fläche; Viehzucht erst neuerdings gepflegt; im Aufschwung begriffen die Milchwirtschaft. [S. auch Beilage: Getreide.] Forstwirtschaft. 50 Proz. der Fläche Wald, daher die Holzausfuhr die bedeutendste der Welt; Kronforsten 7,54 Mill. ha im Werte von 72 Mill. Kronen; wichtig die Fischerei. Bergbau vorzugsweise auf Eisen; außerdem Förderung von Silber, Gold, Blei, Zinkerz. [S. auch Beilage: Bergbau.] Industrie umfaßt bes. Gießereien und mechan. Werkstätten, Webereien, Zuckerraffinerien, Runkelrübenzuckerfabriken, Branntweinbrennereien, Garnspinnereien, Bierbrauereien, Holzstoff-, Zündholzfabriken, chem.- technische Fabriken. Handel s. Beilagen: Europa und Handel und Handelsmarine; Schiffsverkehr (1903 angekommen) 36.500 Schiffe mit 9,1 Mill. Registertons, davon beladen 15.275 Schiffe mit 4 Mill. Registertons; für den Binnenverkehr wichtig die Kanäle: Göta-, Dalsland-, Strömsholmskanal u.a.; Eisenbahnen s. Beilage Eisenbahnen; Telegraphenlinien (1903): Staatslinien 9572, Linien der Eisenbahnen 7091 km. Verfassung. S. ist nach der Konstitution vom 6. Juni 1809 und der Erbfolgeordnung vom 26. Sept. 1810 eine beschränkte Erbmonarchie (männliche Deszendenten Karls XIV. Johann) mit einem König, der sich zur evang.-luth. Kirche bekennen muß. Ein Staatsrat, bestehend aus 11 Ministern, leitet die Geschäfte. Nach der Reichstagsordnung vom 22. Juni 1866 besteht der Reichstag aus zwei Kammern, von denen die erste 150 indirekt, die zweite 230 direkt gewählte Mitglieder hat. Höchste Rechtsinstanz ist das höchste Tribunal des Königs, Appellationsgerichte in Stockholm, Jönköping und Kristianstad. Verwaltung. Einteilung in eine Oberstatthalterschaft mit der Hauptstadt Stockholm und 24 Läns; kirchliche Einteilung in (1905) 13 Stifter oder Bistümer, von denen Upsala einen Erzbischof hat. Unterricht sehr gepflegt; ausgezeichnete Volksbildung; Landesuniversitäten zu Upsala und Lund, Privathochschulen zu Stockholm und Göteborg, mediz. Karolinisches Institut zu Stockholm, Technische Hochschule, Gewerbeschule, Pharmazeutisches Institut, Veterinär- und Forstinstitut in Stockholm, Bergwerkschule, Schiffahrtsschulen etc. Finanzen s. Beilage: Finanzen. Heerwesen. Die Wehrpflicht ist allgemein und dauert vom 21. bis 40. Lebensjahre. Das Heer zerfällt in »Stam« und »Beväring«. Der Stam, aus geworbenen und von den Besitzern gewisser Grundstücke unterhaltenen »eingeteilten« Mannschaften zusammengesetzt, wird durch die wehrpflichtige Mannschaft Beväring ergänzt. Das Heer wird in 6 Armeedivisionen und die Truppen auf Gottland eingeteilt und zählt 28 Infanterie-, 8 Kavallerie-, 6 Feld-, 1 Positions-, 1 Landfestungsartillerieregiment, 4 Ingenieur-, 6 Train-und Sanitätskorps. Friedensstärke 1905: 21.280 Köpfe, darunter 2293 Offiziere, 1807 Unteroffiziere, 1288 Spielleute, 15.318 Mannschaften, sowie 10.441 Pferde; Kriegsstärke rund 430.000 Mann. Die Marine umfaßt 19 Küstenpanzerschiffe, 7 Panzerkanonenboote, 1 Panzerkreuzer, 10 Kanonenboote, 7 Torpedobootszerstörer, 18 Torpedoboote erster, 11 zweiter Klasse und mehrere Schulschiffe; das Personal zählt 360 Offiziere und Beamte, 426 Unteroffiziere und 3000 Matrosen. Wappen: ein in zwei Hälften geteilter Schild mit einem Herzschild; r. oben drei goldene Kronen in Blau, unten roter Löwe in blauem Felde, l. in Rot goldener Löwe mit der Hellebarde des heil. Olaf; im Herzschilde r. das Wappen des Hauses Wasa, l. das von Pontecorvo [Abb. 1684]; Flagge auf Tafel: Flaggen; Landesfarben: Blau und Gelb. Orden: Seraphinen-, Schwert-, Nordstern-, Wasaorden, Orden Karls XIII.Geschichte. Die Urgeschichte S.s ist sagenhaft; aus den vielen Stämmen treten die Goten im S. und die Schweden im N. hervor, die ihren Vereinigungspunkt im Tempel zu Upsala hatten. Die Upsala-Könige schwangen sich über die kleinen Häuptlinge empor. Das Christentum versuchte schon 830 der heil. Ansgar in S. einzuführen; Olof Schoßkönig ließ sich zwar (um 1008) taufen, doch erst unter Inge dem Ältern, Ende des 11. Jahrh., wurde der Odinkultus ganz verdrängt. Nachdem 1250 die Folkunger zum Thron gelangten, verschmolzen die Goten und Schweden. Nach fortwährenden Kämpfen der Könige mit der Priesterschaft und dem Adel setzte der Adel 1363 Magnus II., den letzten Folkunger, ab und berief dessen Schwestersohn, Albrecht von Mecklenburg, zum Thron; dieser unterlag 1389 bei Falköping gegen die Dänen, worauf die Königin Margareta (s.d.) durch die Kalmarische Union (20. Juli 1397) S. mit Dänemark und Norwegen vereinigte. Ihr Nachfolger (seit 1412), Erich XIII. von Pommern, ward 1436 abgesetzt und Karl Knutsson (Bonde) zum Reichsvorsteher gewählt, der zwar 1441 Christoph von Bayern weichen mußte, nach dessen Tod aber 1448 als Karl VIII. zum König gewählt ward. Zweimal (1457 und 1465) vertrieben und durch Christian I. von Dänemark ersetzt, behauptete er sich endlich seit 1467 bis zu seinem Tode (1470). Ihm folgte als Reichsvorsteher sein Neffe Sten Sture, diesem Svante Nilsson Sture (1504-12) und diesem Sten Sture der Jüngere (1512-20), worauf Christian II. von Dänemark als König anerkannt wurde. Gegen diesen erhoben sich die Schweden und wählten Gustav I. (Wasa) zum König (1523-60), der die Macht des Adels brach und die Reformation einführte. Sein Sohn Erich XIV. (1560-68) ward durch seine Brüder [666] vom Thron gestoßen. Johann III. (1568-92) mußte 1570 Gottland Dänemark überlassen. Sein Sohn Sigismund (1592-1604), seit 1587 auch König von Polen, suchte den Protestantismus auszurotten, wurde aber gestürzt, worauf Karl IX. (1604-11) den Thron bestieg. Sein Sohn Gustav II. Adolf (1611-32) kämpfte siegreich gegen die Polen, Russen und Dänen, mischte sich dann in den Dreißigjährigen Krieg (s.d.). Dessen Tochter Christine (1632-54) trat 1654 die Regierung an ihren Vetter, den Pfalzgrafen von Zweibrücken, Karl X. Gustav (1654-60), ab. Karl XI. verbesserte die während seiner Minderjährigkeit (bis 1672) zerrütteten Finanzen durch Zurücknahme der der Krone entrissenen Güter. Karl XII. (1697-1718) begann den Nordischen Krieg (s.d.), der S.s äußere Macht brach. Unter seiner Schwester und Nachfolgerin, Ulrike Eleonore, und deren Gemahl Friedrich von Hessen-Cassel (1720-51) gingen die deutschen Besitzungen und die Ostseeprovinzen verloren. Unter Adolf Friedrich (1751-71) bekämpften sich zwei Parteien des Adels (Hüte und Mützen), und die königl. Gewalt sank zum Schattenbild herab. Gustav III. (1771-92) stellte dieselbe in erweiterter Form wieder her und fiel deshalb als Opfer einer Adelsverschwörung. Gustav IV. Adolf ward 1809 gestürzt. Karl XIII., welcher 1809 Finnland an Rußland abtrat, 1814 gegen Pommern und Rügen Norwegen erwarb, adoptierte (1810) den franz. Marschall Bernadotte, der 5. Febr. 1818 als Karl XIV. Johann auf dem Thron folgte. Dessen Sohn Oskar I. (1844-59) neigte einer Verfassungsreform im liberalen Sinne zu; doch kam die Reichstagsordnung erst unter seinem Sohn Karl XV. (1859-72) 1866 zustande. Diesem folgte 18. Sept. 1872 sein Bruder Oskar II. (s.d.). Durch Vertrag vom 10. Aug. 1877 trat S. seine einzige Kolonie, die westind. Insel Saint-Barthélemy, gegen Geldentschädigung an Frankreich ab. Am 6. Juni 1905 kündigte Norwegen die Union mit S., worauf 23. Sept. ein Übereinkommen über das Verhältnis zwischen beiden Staaten zustande kam. – Vgl. »Sveriges officiela statistik« (jährl.), Agardh und Ljungberg (schwed., 4 Bde., 1852-63), Sidenbladh (franz., 1876), Rosenberg (schwed., 1883 u. 1887), Jonas (1875), Nyström (schwed., 1895), Passarge (1897), Sundbärg (franz., 1900; schwed., erweitert, 1901), Kjellen (schwed., 1900), Ahlenius (schwed., 1905 fg.); Geschichte: Geijer (fortgesetzt von Carlson, 1832-87), Fryxell (40 Bde., 1823-79), Strinnholm (1857-60), Sjögren (schwed., 1904).

Quelle:
Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 2. Leipzig 1911., S. 666-667.
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