Córdoba [2]

[282] Córdoba (Cordova), 1) Hauptstadt der gleichnamigen span. Provinz (s. oben), liegt 104 m ü. M. am Südabhang der Sierra de C., am rechten Ufer des Guadalquivir, Knotenpunkt der Eisenbahnlinien Madrid-C.-Sevilla, C.-Malaga, C.-Marchena und C.-Belmez, ist von alten Mauern mit Türmen umgeben und hat meist winkelige Gassen mit vielen ärmlichen, verfallenen Häusern. Die Hauptzierde Cordobas ist die Kathedrale, die an Stelle einer westgotischen Kirche von Abd er Rahmân I. und seinen Nachfolgern 786–990 als Moschee erbaut (La Mezquita, nächst der Kaaba zu Mekka der größte mohammedanische Tempel, s. Tafel »Architektur VII«, Fig. 1), 1238 in eine christliche Kirche umgewandelt, aber durch Einfügung von Chorbauten (1260 und 1523–1607) verunstaltet wurde. Das Äußere ist schmucklos und kahl, mit einem Zinnenkranz gekrönt. Durch einen Glockenturm tritt man in einen mit Orangenbäumen bepflanzten und von einem Portikus umgebenen Hof. Die Kirche selbst bildet eine 173 m lange, 130 m breite, aber nur 11,5 m hohe Halle mit ca. 850 Säulen aus Marmor, Porphyr, Jaspis und Breccia, welche Pfeiler tragen, die durch doppelte hufeisenförmige Bogen miteinander verbunden sind. Die Säulen bilden von N. nach S. 19 und von W. nach O. 36 Gänge (Schiffe). Unter den Kapelleneinbauten ist das prachtvolle Sanktuarium (Mihrab) und die Kapelle Villaviciosa bemerkenswert. Außer der Kathedrale besitzt C. noch 15 Kirchen, zahlreiche ehemalige Klöster, einen maurischen Königspalast mit prächtigem Garten, einen Alkazar, in dem sich jetzt das königliche Gestüt befindet, ein Bad der Kalifen, einen bischöflichen Palast, zwei Theater, einen Zirkus für Stiergefechte und eine Markthalle. Über den Guadalquivir führt eine 719 von den Mauren hergestellte Brücke mit 16 Bogen zum maurischen Kastell Carahola und zur Vorstadt Campo de la Verdad. Die Bevölkerung betrug 1900: 58,275 Seelen. Industrie und Handel sind gegen früher bedeutungslos. Erwähnenswert sind die Erzeugung von Gold- und Silberarbeiten, Töpferwaren, Tuch, Spielwaren und die Pferdezucht; dagegen ist die berühmte Fabrikation von Leder (Korduan) jetzt ganz gesunken. C. hat ein Instituto, ein Priesterseminar, eine Akademie für Mathematik und Zeichenkunst, eine Tierarznei- und eine landwirtschaftliche Schule, eine Bibliothek und ein Kunstmuseum. Es ist Sitz des Gouverneurs und eines Bischofs und der Geburtsort der beiden Seneca, des Lucanus und Averrhoës, der Dichter Luis de Gongora und Juan de Mena und des Malers Pablo de Cespedes. – Die Stadt soll von den Phönikern gegründet und von ihnen Karta Tuba (»große Stadt«) genannt worden sein. Bei den Römern hieß sie Corduba und war als blühende Kolonie derselben (Colonia Patricia) neben Gades (Cadiz) die wichtigste Handelsstadt der Provinz Bätica; auch war sie Sitz eines Prätors und hatte das Münzrecht. Das aes Cordubense, eine Erzmischung, wurde von hier in Menge nach Rom geliefert. Von König Leovigild 571 erobert, ward C. Sitz eines westgotischen Bischofs. 711 ward es vom arabischen Heerführer Tarik in Besitz genommen, worauf Abd er Rahmân 1., der 755 das Kalifat von C. gründete, die Stadt zu seiner Residenz erwählte, die sich bald zur blühendsten und wichtigsten Stadt der Halbinsel emporschwang. Ihre Glanzzeit fällt in das 10. Jahrh., unter Abd er Rahman 111., Hakem 11. und Almansor. Sie war damals eine heilige Stadt des Islam, das »Mekka des Westens«, und hatte angeblich 30 km im Umfang, 1 Mill. Einw., 600 Moscheen, 60,000 größere Gebäude, 900 öffentliche Bäder, eine Universität mit einer Bibliothek von 600,000 Bänden und 80 Freischulen. Die Pracht der Hofhaltung und der königlichen Paläste (die Residenz Azzahra mit 4300 Marmorsäulen) grenzte aus Fabelhafte. Dabei war sie der Hauptsitz der Poesie, der Künste und Wissenschaften, und Gewerbefleiß und Handel standen in schönster Blüte. Nach dem Sturz des Kalifats 1031 kam C. an die Beni Dschewar, 1060 an die Abbaditen von Sevilla, 1091 an die Almorawiden, 1148 an die Almohaden und 1236 an Kastilien. Am 7. Juni 1808 wurde sie von den Franzosen unter Dupont erobert und vorübergehend besetzt. 1589 wurde die Stadt von einem heftigen Erdbeben heimgesucht.

2) Hauptstadt der gleichnamigen argentin. Provinz (s. S. 281), 439 m ü. M., am Primero, Knotenpunkt von fünf Bahnen, mit Kathedrale, Jesuitenkirche, schönem Stadthaus, Wasserleitung, Gasbeleuchtung und Telephonleitungen, Hospital, Waisenhaus, Zuchthaus für Frauen, Theater und schöner Promenade mit See. Es ist Sitz der Provinzialbehörden, eines Bischofs, eines deutschen Vizekonsuls und hat (1895) 47,609 Einw. Berühmt ist C. durch seine 1613 gegründete Universität mit juristischer, medizinischer und naturwissenschaftlicher Fakultät, an der auch deutsche Professoren wirken. Außerdem besteht ein Nationalkolleg, ein Lehrer- und ein Lehrerinnenseminar, eine Akademie der Wissenschaften, Sternwarte. C. hat eine Porzellanfabrik, bedeutende Kalköfen und eine Calciumkarbidfabrik, Schuhfabriken sowie Eisenbahnwerkstätten, zwei Banken und treibt bedeutenden Handel mit Rosario und Buenos Aires, den West- und Nordprovinzen und mit Bolivia. Pferdebahnen durchschneiden die Stadt und verbinden sie mit ihren Vorstädten General Paz, Alta C. und San Vicente. C. wurde 1573 von Geronimo Cabrera gegründet, unter Philipp V. Hauptstadt der Provinz Tucuman, später Hauptort der Jesuitenmissionen und war während der spanischen Herrschaft ein hervorragender Sitz der Wissenschaft in Südamerika. – 3) Distriktshauptstadt im mexikan. Staat Veracruz, an der Eisenbahn Veracruz-Mexiko, in lieblicher, fruchtbarer Gegend, 928 m ü. M., mit reichen Kaffeeplantagen und (1895) 7974 Einw. Vgl. K. E. Schmidt, C. und Granada (»Berühmte Kunststätten«, Bd. 13, Leipz. 1902).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1906, S. 282.
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