Villa [1]

[585] Villa (lat.), 1) (Ant.), Landhaus vornehmer u. reicher Leute. Bei den Griechen hatten bes. die Athener Villen (Epauleis) u. bewohnten dieselben während der schönen Jahreszeit. Außer dem Herrenhaus waren noch Wirtschaftsgebäude angelegt u. Gärten für alle Bedürfnisse. Die Anfangs nur einfach gebauten Villen singen an zur Zeit Alexanders des Großen auf das Verschwenderischste eingerichtet zu werden. Bei den Römern wohnten in älteren Zeiten die Vornehmen nicht blos zum Vergnügen in ihren Villen, sondern auch um die Landwirthschaft selbst zu betreiben od. wenigstens zu beaufsichtigen; später auch um hier den Wissenschaften obzuliegen. Zur Zeit des Luxus, bes. in der Kaiserzeit, wurde mit dem Bau u. der Ausstattung der Wohnhäuser, so wie mit den Parkanlagen große Verschwendung getrieben. Der zu landwirtschaftlichen Zwecken dienende Theil der Villen, V. rustica, enthielt am Eingange die Wohnung des Meiers od. Verwalters (Villicus, s.d.) u. Rechnungsführers (Actor), dann folgte die Wohnung des Gesindes, Räume für die landwirthschaftlichen Geräthe, Hühnerställe, Taubenhäuser etc.; der Theil, wo die Speicher für Stroh, Heu, trockene Früchte, Öl u. Wein nebst Pressen u. Keltern war, hieß V. fructuaria, in der Mitte war ein Wasserbehälter für das Vieh; abseits lag das Mahl- u. Backhaus, Das Herrenhaus dabei ob. auch für sich, ohne landwirthschaftliche Gebäude, ein bloßes Lusthaus (V. urbana), war ein mit allen Bequemlichkeiten eingerichtetes Wohnhaus in kleinerem Maßstab, mit besonderen Zimmern für Sommer u. Winter, mit bedeckten Gängen (Xysti), Speisesaal, Studierzimmer, Bad, Ballhaus (Sphaeristerium) etc. Gärten, Wiesen, Baumpflanzungen, Wälder, Thiergärten waren Parkähnlich verbunden, von Flüssen od. Bächen durchschnitten; Fischteiche, Vogelhäuser (Ornithones), Schneckengehege, Bienenstöcke (Apiaria) fand man in solchen Anlagen. Zu den Vorzügen einer V. gehörte, daß sie nicht zu weit von Rom entfernt lag u. eine Straße dahin führte. Die prächtigsten u. großartigsten Villen waren die des Lucullus (er hatte deren für den Winter- u. andere für den Sommeraufenthalt), des Augustus, Pompejus, Cicero (s. Tusculanum), Plinius (das Laurentinum, welches er selbst in seinen Briefen 2, 17. 5, 6 beschrieben hat), des Caligula, Nero, Hadrianus (beim jetzigen Tivoli)c. Vgl. Rob. Castell, The villas of anciens, Lond. 1728, Fol. 2) V. regia, zur Zeit der Karolinger eine königliche Meierei u. Domäne, auf ihnen hielten sich die Könige abwechselnd auf; 3) in neuerer Zeit Landhaus, welches in einem Garten zur Bequemlichkeit u. zur Verschönerung in einem zierlichen Style aufgeführt wird; man stellt es an den Eingang des Gartens od. zu Ende des Gartens dem Eingänge gegenüber. Bei Rom liegen sehr viele solcher Villen, welche meist nach ihren Besitzern od. Erbauern genannt sind, wie: V. Albani, V. Aldobrandini, V. Borghese, V. Giustiniani. Auch in anderen Gegenden Italiens sind solche Villen neuerdings gewöhnlich geworden; berühmte derartigen Villen sind: V. Carlota, so v. w. Sommariva 3). V. Ferdinanda, so v. w. Artimino. V. Giulia, bei Bellaggio am Comersee, dem König Leopold von Belgien gehörig. V. Melzi, bei Bellaggio am Comersee, mit Fresken, Statuen, Büsten, Gemälden. V. Pallavicini, 21/2 Stunden westlich von Genua u. Station an der Eisenbahn Genua-Voltri, Park mit Mausoleum, Trümmern eines altrömischen Begräbnißplatzes, Tropfsteingrotte, Moschee, chinesischen u. römischen Tempeln, Obelisk, Wasserkünsten, südlicher Vegetation u. den reizendsten Aussichten. V. Pliniana, bei Torno am südwestlichen Arme des Comersees, hat den Namen von einer Quelle, welche wegen ihres täglichen Steigens u. Fallens schon Plinius erwähnt, wurde 1570 von dem Grafen Anguissola erbaut u. gehört jetzt der Fürstin Belgiojoso. V. Rotonda, bei Vicenza 2). V. Serbelloni, auf der Spitze des Vorgebirges von Bellaggio am Comersee. mit der reizendsten Aussicht am ganzen See. V. Vigoni, bei Menaggio, westlich am Comersee, mit ausgezeichneten Marmorarbeiten neuerer italienischer Bildhauer, Reliefs von Thorwaldsen u.a. u. herrlicher Aussicht; gehörte früher dem kunstliebenden u. wohltätigen Kaufmann Mylius in Mailand. Eine solche V. in Deutschland ist die Ludwigshöhe bei Edenkoben im baierischen Kreise Pfalz, dem König Ludwig I. von Baiern gehörig.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 18. Altenburg 1864, S. 585.
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