Triasformation

[698] Triasformation (hierzu die Tafeln »Triasformation I-III« mit Text), die älteste der mesozoischen Formationen, nach der Dyasformation und vor der Juraformation zur Ablagerung gelangt. Den Namen T. wählte Alberti 1834, weil im außeralpinen Deutschland, wo sie zuerst näher untersucht wurde, drei Abteilungen in ihr unterschieden werden können, nämlich eine vorwiegend aus Sandstein bestehende untere Abteilung (der Buntsandstein), eine wesentlich aus Kalkstein zusammengesetzte mittlere (der Muschelkalk) und eine dritte, hauptsächlich mergelige Schichten umfassende Abteilung (der Keuper).

In der untersten Abteilung, dem Buntsandstein, läßt sich wiederum eine Dreiteilung durchführen: zuerst, bei vollständiger Entwickelung der Formationen dem Zechstein (s. Dyasformation), oft aber auch ältern Bildungen, beispielsweise dem Granit, ausgelagert, rotbraune Schiefertone (Leberschiefer, Bröckelschiefer), mit Einlagerungen seiner toniger Sand steine, und feinkörnige rote oder weiße, zuweilen gefleckte Sandsteine (Tigersandsteine), denen in einzelnen Gegenden (südlich vom Harz) Bänke eines oolithischen Kalksteins (Rogenstein) eingeschaltet sind. Dieser untersten Abteilung folgt der Hauptbuntsandstein (Vogesensandstein), überwiegend rot gefärbt; das bald tonige, bald kieselige Bindemittel[698] in in den Schichten oft regellos verteilt, und durch die Verwitterung entstehen zuweilen groteske Felsenklippen (Annweiler Teil) oder Blockanhäufungen (Felsenmeere). Mitunter konzentriert sich das tonige Bindemittel zu größern Tongallen oder kleinen, gewöhnlich bald auskeilenden Zwischenschichten. Hellfarbige, besonders zu Bausteinen geeignete feinkörnige Sandsteine, die auf den Schichtungsflächen nicht selten Tierfährten (Tafel II, Fig. 13) erkennen lassen (Chirotheriensandsteine), liegen im mittlern Deutschland an der obern Grenze. Das oberste Glied des Buntsandsteins, den Röt, bilden vorwaltend rotgefärbte Schiefertone und Mergel, zuweilen mit Steinsalzpseudomorphosen auf den Schichtflächen, und dünnschieferige, glimmerreiche Sandsteine, oft reich an Pflanzenresten, zumal an Zweigen der Konifere Voltzia heterophylla (Tafel II, Fig. 12) und nach dieser als Voltziensandstein bezeichnet. Die Schiefertone und Mergel schließen hier und da dolomitische Bänke und auch linsenförmige Massen von Gips, seltener von Steinsalz, ein.

Der Muschelkalk, die zweite Hauptabteilung der T., ist ebenfalls dreigliederig. Zu unterst liegt der Wellenkalk, ein dünnschieferiger Kalk, auf den Schichtflächen mit eigentümlichen Fältelungen und gebogenen Wülsten (sogen. Schlangenwülsten) versehen, die beide wohl als Eintrocknungserscheinungen anzusehen sind. Hier und da sind dem eintönigen Schichtenkomplex, der übrigens in einigen Gegenden, so in Franken, an seiner Basis auch Dolomite (Wellendolomit) enthält, versteinerungsreichere Bänke, so die an Dentalien, Kriniten, Spiriferen etc. reichen Dentalien-, Kriniten-, Spiriferen- etc. Bänke, und besonders die oolithisch oder beim Auswittern der Oolithe schaumig ausgebildeten, an Terebrateln oder Myophorien etc. reichen Oolithbänke (Terebratelbänke, Bänke von Schaumkalk oder Mehlbatzen) eingeschaltet. Letztere, im deutschen Norden mit größerer, in Mitteldeutschland mit geringerer Mächtigkeit entwickelt, im Süden ganz fehlend, sind besonders bezeichnend für das obere Niveau des Wellenkalkes, ebenso wie die an dem Zweischaler Myophoria orbicularis reichen plattigen Kalksteine (Orbikularisplatten). In den Reichslanden und den angrenzenden Länderstrichen ist diese untere Etage des Muschelkalkes fast ganz als Sandstein (sogen. Muschelsandstein) ausgebildet. Die auf den Wellenkalk folgende Anhydritgruppe (mittlerer Muschelkalk) wird im allgemeinen aus Mergeln, Dolomiten und Kalksteinen (wegen ihrer oft zelligen Struktur Zellendolomite oder Zellenkalke genannt), auch Hornsteinen gebildet, wozu, namentlich in Süddeutschland (bei Wimpfen in Baden, Stetten in Hohenzollern), Gips, Anhydrit und Steinsalz kommen, und ist vom obern Muschelkalk (Hauptmuschelkalk, Friedrichshaller Kalk) überlagert. Dieser stellt einen Wechsel von Kalksteinen u. mergeligen Zwischenmitteln dar, in bald dünnen, bald mächtigern Schichten. Die Führung von Versteinerungen ist gewöhnlich auf einzelne Lagen beschränkt, die aber bisweilen überreich an Exemplaren einer Spezies sind. So sind einzelne Bänke, erfüllt mit den Stielgliedern von Encrinus liliiformis (Enkriniten, s. nebenstehende Abbildung und Tafel I, Fig. 1), bezeichnend für den an der Basis gelegenen Kriniten- oder Trochitenkalk, andre voll von einer kleinen kugeligen Varietät (cycloides) der auf Tafel I, Fig. 17, abgebildeten Terebratula vulgaris (Cycloïdesbank) bezeichnend für ein höheres Niveau. In diesem finden sich ziemlich häufig als charakteristische Versteinerungen Ceratiten (Ceratites nodosus, Tafel I, Fig. 4, und seltener C. semipartitus), nach denen der Schichtenkomplex die Benennung Ceratitenkalk oder Nodosuskalk erhalten hat. Den Schluß bildet in Süddeutschland ein oft dolomitischer Kalk, nach einem Leitfossil (Trigonodus Sandbergeri) Trigonoduskalk oder -Dolomit genannt.

Einige Geologen rechnen zum Muschelkalk auch noch den untersten Keuper, die Lettenkohle (grauer Keuper, Kohlenkeuper), eine Schichtenfolge von vorwiegend grauen bis schwarzen Mergeln und Schiefertonen, denen Sandsteine (Lettenkohlensandstein) und Dolomite eingelagert sind. Während letztere namentlich im obersten Teile der Lettenkohle sehr mächtig sind (Grenzdolomit), lagert an der untern Grenze direkt auf dem Trigonodusdolomit ein Kalk, in dem die Schalen eines kleinen Ostrakoden oft häufig sind (Bairdia pirus, daher Bairdienkalk). Ein Blattfüßer (Estheria minuta, Tafel I, Fig. 5) ist oft massenhaft in gewissen Schiefertonlagen (Estherienschichten) mitten in der Lettenkohle vorhanden.

Krinoidenkalk.
Krinoidenkalk.

Auf der Lettenkohle, die ihren Namen nach einer an Pflanzenfragmenten reichen, als Feuerungsmaterial aber unbrauchbaren lettigen Kohle trägt, lagert eine von allen Geologen gleichmäßig dem Keuper zugerechnete Folge von roten und bläulichgrünen lettigen und mergeligen Schiefertonen, der sogen. Hauptkeuper (echte oder bunte Keuper), wegen seines Reichtums an Gips und Steinsalz (Lothringen) auch wohl Gips- oder Salzkeuper genannt. Eine obere, gipsfreie Zone dieses Hauptkeupers enthält mehrere Bänke verkieselten Mergels, sogen. Steinmergels (Steinmergelkeuper), zum Teil imprägniert von metallischen Substanzen (Bleiglanz, Kupfererze). Größere Sandsteinetagen unterbrechen die bunten Mergel (marnes irisées der Franzosen), und zwar, von unten nach oben aufgezählt, der Schilfsandstein (nach den schilfartigen Resten von Equiseten so genannt), der Semionotussandstein (mit den Resten eines Fisches, Semionotus Bergeri) und der Stubensandstein (der Name stammt von der gelegentlichen Verwendung der zu Sand zerfallenen Partien zum Bestreuen der Stuben). Zwischen und über diesen Sandsteinetagen sind bunte Mergel entwickelt, zu oberst oft knollenförmige Konkretionen führend (Knollenmergel). Was darüber liegt, in Deutschland teils hellfarbige, feinkörnige Sandsteine mit einer fast nur aus Knochenfragmenten und Zähnen bestehenden Lage (Knochenbett, Bonebed), teils graue, sandige Schiefertone mit zahlreichen Pflanzenresten, wird als oberer Keuper oder wegen der großen Mächtigkeit gleichalteriger Schichten in den Alpen (s. unten) auch wohl als selbständige Zwischenbildung zwischen Keuper und Lias (rätische Formation oder Stufe) betrachtet,[699] war aber früher auch einmal zum Lias (Infralias) gestellt worden.

Die eben geschilderte Gliederung der T., die man früher für die normale hielt, bezieht sich im wesentlichen auf die Entwickelung im mittlern und südlichen Deutschland, wo sie in Thüringen, Hessen, Franken, Schwaben, Lothringen, aber auch im südlichen Hannover, in Braunschweig und in Schlesien eine bedeutende Verbreitung besitzt. Abweichend von dieser sogen. deutschen oder germanischen Fazies der T. ist die englische und die amerikanische T. entwickelt, insofern in beiden Ländern der Newred Sandstone, eine Folge von roten und rotbraunen Sandsteinen, die lettige Zwischenlagen und in Virginia und Nordcarolina auch Steinkohlenflöze und Eisenerze einschließen, ein Äquivalent für Buntsandstein und Keuper darstellt, ohne daß sich zwischen beiden Gliedern der Muschelkalk nachweisen ließe. Übrigens treten auch im englischen Keuper neben den Sandsteinen mächtige Mergel auf; sie umschließen lentikuläre Einlagerungen von Gips und Steinsalz und bilden die Hauptsalzformation Englands. Zum New red Sandstone und speziell zum Keuper gehört auch der früher in seiner Stellung verkannte und zum Old red (Devon) gerechnete Sandstein von Elgin. Über der englischen Salzformation folgt dann die rätische Stufe, ein Komplex von Kalken, Mergeln, Schiefern und Sandsteinen, der in seiner Petrefaktenführung vollständig mit dem deutschen Rät übereinstimmt. – Auf ganz besondere Schwierigkeiten stößt die Parallelisierung mit der alpinen Fazies der T., die sich bei weitem verbreiteter erweist als die im ganzen mehr lokal entwickelte germanische T. Es haben nämlich die Untersuchungen der T. in den übrigen europäischen, besonders aber in den andern Kontinenten (wo die untere T. die auf Tafel »Geologische Formationen IV« angegebene Verbreitung besitzt) die größte Übereinstimmung gerade mit der alpinen Fazies ergeben, so in den Apenninen und Karpathen, dem Himalaja, dem Salt Range, dem Pamir und in Afghanistan, im zentralen China, in Japan, auf Sumatra, Neukaledonien und Neuseeland, in Nordostsibirien, in Peru und dem westlichen Nordamerika. Soweit einzelne der deutschen und der alpinen Fazies gemeinschaftliche Versteinerungen einen Schluß erlauben, sind die meist rot gefärbten, vielfach Gips und Steinsalz, im obern Teil auch Mergel einschließenden Sandsteinschiefer der Werfener Schichten mit Pseudomonotis (Avicula) Clarai und Ceratites Cassianus (Tafel I, Fig. 19 u. 14) als Äquivalente des Buntsandsteins, der Guttensteiner und Reichenhaller Kalk oder Virgloriakalk (in den Südalpen Recoarokalk, reich an Brachiopoden) und der Reiflinger Kalk oder Cephalopodenkalk mit Ammoniten, in den Südalpen die Buchensteiner Schichten (hornsteinreiche Knollen- und Plattenkalke), einschließlich des lokal entwickelten Mendoladolomits, als solche des Muschelkalks aufzufassen. Ihnen sind als obere Trias, neuerdings in drei (ladinische, norische und karnische) Stufen eingeteilt, ausgelagert: die Wengener Schichten oder Partnachschichten (Daonella- oder Halobienschichten) mit Halobia (Daonella) Lommeli (Tafel I, Fig. 6), die Cassianer Schichten mit einer überaus reichen Fauna, zumal vielen Schnecken und Cephalopoden, so Neritopteris ornata und Trachyceras Aon (Tafel I, Fig. 18 u. 7), der Schlerndolomit, der Esinokalk, der Wettersteinkalk, die Raibler Schichten und die Carditaschichten mit Cardita crenata (Tafel I, Fig. 8), der Lunzer Sandstein, der Hauptdolomit oder Dachsteinkalk mit seinen berüchtigten Karrenfeldern (s. Karren), die sogen. Dachsteinbivalve, Megalodon triqueter, führend, und der unter dem Namen des Hallstädter Kalks bekannte Marmor von Berchtesgaden, Hallein etc. mit Monotis salinaria (Tafel I, Fig. 10), wobei eine Mehrzahl der genannten Glieder nur lokal entwickelte Fazies darstellen. Der rätischen Stufe entsprechen der obere Teil des in den Alpen in Form zerklüfteter Bergmassen weitverbreiteten Hauptdolomits und die Kössener oder Contorta-Schichten mit zahlreichen Versteinerungen, darunter die auch im deutschen Rät verbreitete Avicula contorta (Tafel I, Fig. 12). Übrigens lassen sich in der alpinen T. zweierlei durch abweichende Fauna ausgezeichnete und deshalb in voneinander gesonderten Meeresteilen gebildete Ablagerungen unterscheiden, nämlich die des Salzkammergutes und des Salzburgischen (der sogen. juvavischen Triasprovinz) und die der übrigen Ostalpen (mediterrane Provinz). Die durch ihre schroffen, zackigen Bergformen und ihre wunderbare landschaftliche Schönheit ausgezeichneten Dolomiten (s. d.) Südtirols (vgl. Tafel »Gebirgsbildungen«, Fig. 5) sind eine Fazies der obern Trias (Wengener Schichten etc.).

Eruptivgesteine gleichzeitiger Entstehung lassen sich im Gebiete der deutschen T. nicht nachweisen, wohl aber kennt man in den Alpen Eruptivgesteine triadischen Alters in großer Verbreitung. So erscheinen in Verbindung mit Tuffen in der obern Trias (z. B. bei Raibl) Quarzporphyre, im Fassatal, an der Seisser Alp, bei St. Cassian etc. Melaphyre und Augitporphyre; ferner sind mächtige stockförmige Massen von Granit, Diorit (am Adamello) und Syenit (am Monzoni) in die triadischen Schichten (Kalksteine etc.) eingedrungen und haben diese am Kontakt oft weitgehend (in Kalksilikatgesteine etc.) verändert. Auch in Nordamerika ist Diorit triadischen Alters bekannt. – Über Flora und Fauna und über technisch wichtige Substanzen der T. s. Text auf Tafel III.

Vgl. Alberti, Monographie des bunten Sandsteins, Muschelkalks und Keupers (Stuttg. 1834) und Überblick über die Trias (das. 1864); Sandberger, Gliederung der Würzburger Trias (Würzb. 1868 etc.); Frantzen, Übersicht der geologischen Verhältnisse bei Meiningen (Meining. 1882); Schalch, Beiträge zur Kenntnis der Trias am südöstlichen Schwarzwald (Schaffh. 1873); Benecke, Über die Trias in Elsaß-Lothringen und Luxemburg (Straßb. 1877); Thürach, Der fränkische Keuper (Münch. 1889); ferner die Erläuterungen zu den geologischen Karten der preußischen, elsaß-lothringischen, bayrischen, badischen und hessischen Landesaufnahme. Über die alpine T. handeln insbes.: Gümbel, Geologische Beschreibung von Bayern (Kassel 1894) und eine Reihe meist im »Jahrbuch der Wiener geologischen Reichsanstalt« erschienener Arbeiten von Mojsisovics, v. Hauer, Stur, Sueß, Bittner u. a.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 19. Leipzig 1909, S. 698-700.
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698 | 699 | 700
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