Salpetersaure Salze

[805] Salpetersaure Salze (Nitrate), Verbindungen der Salpetersäure mit Basen. Man kennt nur neutrale u. basische S. S., in den neutralen verhält sich der Sauerstoff der Säure zu dem der Base wie 5: 1. Die S-n S. der Alkalien u. alkalischen Erden sind wasserfrei, die der Magnesiagruppe enthalten Wasser u. sind nach der Formel: RO, NO5 + 6HO, zusammengesetzt; durch Erhitzen verlieren diese Salze einen Theil ihres Wassers, 1 Äquivalent bleibt jedoch gebunden u. kann nicht ohne Zersetzung des Salzes entfernt werden Alle S-n S. zersetzen sich beim Glühen; die dabei auftretenden Zersetzungsproducte sind nach der Temperatur u. der Natur der Base verschieden; mit brennbaren Körpern erhitzt, bewirken sie eine heftige Verbrennung (verpuffen). Alle neutralen S-n S. ohne Ausnahme sind in Wasser löslich. Über die Erkennung der S-n S. s. Salpetersäure. Die wichtigsten S-n S.[805] sind: A) S. S. mit unorganischer Base. a) Salpetersaures Ammoniak (Nitrum flammans), H4NO, NO5, wird durch Neutralisiren von Ammoniakflüssigkeit od. kohlensaurem Ammoniak mit verdünnter Salpetersäure u. Abdampfen der Lösung zur Krystallisation erhalten; es kryallisirt in sechsseitigen Säulen ohne Krystallwasser, schmeckt kühlend bitter, wird an der Luft feucht u. löst sich leicht in Wasser. Beim Erhitzen zerfällt es in Stickstoffoxydul u. Wasser (H4NO, NO5 = 2NO + 4HO), weshalb es zur Bereitung des Stickstoffoxyduls dient; auch in der Medicin wird es angewendet. b) Salpetersaurer Baryt, BaO, NO5; man erhält ihn, indem man kohlensauren Baryt mit Wasser erhitzt u. so lange Salpetersäure zusetzt, als sich noch Kohlensäure entwickelt, ein Überschuß von Säure wird durch kohlensauren Baryt neutralisirt, die Flüssigkeit noch heiß filtrirt u. das beim Erkalten auskrystallisirende Salz durch Umkrystallisiren gereinigt; aus Schwefelbarium kann der salpetersaure Baryt erhalten werden, indem man dasselbe mit Salpetersäure zersetzt, zur Trockene verdampft u. den Rückstand mit kochendem Wasser auszieht. Er krystallisirt in luftbeständigen Oktaëdern, löst sich in 12 Theilen kaltem u. 3 bis 4 Theilen heißem Wasser; in Wasser, welches Salpetersäure od. Salzsäure enthält, ist er schwer löslich u. kann aus einer wässerigen Lösung durch diese Säuren gefällt werden. Er wird statt des Chlorbariums in der analytischen Chemie, sowie zur Darstellung von Ätzbaryt angewendet. In der Feuerwerkerei dient er zur Bereitung eines grün brennenden Feuersatzes. c) Salpetersaures Bleioxyd, PbO, NO5, wird durch Auflösen von Bleioxyd od. kohlensaurem Bleioxyd in heißer sehr verdünnter Salpetersäure, Abfiltriren u. Verdampfen der Lösung zur Krystallisation gewonnen. Es krystallisirt in Oktaëdern, deren Ecken durch Würfelflächen abgestumpft sind, ohne Krystallwasser. In Wasser löst es sich leicht, schwerer in salpetersäurehaltigem Wasser u. gar nicht in concentrirter Salpetersäure; daher wird Blei von starker Salpetersäure nicht angegriffen. Beim Glühen entwickelt es Untersalpetersäure, zu deren Darstellung es auch verwendet wird, u. hinterläßt gelbes Bleioxyd. Wird eine Auflösung dieses Salzes mit Bleioxyd od. kohlensaurem Bleioxyd gekocht u. heiß filtrirt, so krystallisirt beim Erkalten der Lösung ein basisch salpetersaures Bleioxyd = PbOHO + PbO, NO5, in seinen Schuppen od. Körnern. Fällt man eine Auflösung des neutralen Salzes in geringem Überschuß mit Ammoniak, so erhält man ein anderes basisches Salz von der Formel 2 (3PbO, NO5) + 3HO, in Form eines weißen Pulvers. Aus einer nicht zu concentrirten Lösung von basisch essigsaurem Bleioxyd, welche mit einer Lösung von salpetersaurem Kali gemischt ist, krystallisirt das Salz, 3PbO, NO5, + 3HO, aus. Beim Fällen von neutralem salpetersaurem Bleioxyd mit überschüssigem Ammoniak u. Digeriren des Niederschlages mit Ätzammoniak entsteht ein basisches Salz von der Zusammensetzung 6PbO, NO5 + HO = 5PbO + PbO, NO5 + HO. d) Salpetersaures Cadmiumoxyd, CdO, NO5 + 4HO, krystallisirt aus der wässerigen Lösung in Säulen od. Nadeln, welche an der Luft zerfließen u. in Wasser u. Alkohol leicht löslich sind. e) Salpetersaures Chromoxyd, Cr2O3, 3NO5, krystallisirt aus einer Lösung von Chromoxydhydrat in überschüssiger Salpetersäure; bei einem großen Überschuß an Säure erhält man das Salz, Cr2O3, 3NO5 + 18HO, ist dagegen Chromoxyd im Überschuß vorhanden, so enthält die Lösung das zweidrittelsaure Salz, Cr2O3, 2NO5. f) Salpetersaures Eisenoxyd, Fe2O3, 3NO5 + 12HO, krystallisirt aus einer in der Kälte bereiteten Auflösung von Eisen in fast farblosen, schiefen rhombischen Prismen, welche sich in Wasser mit gelbbrauner Farbe lösen. Löst man das Eisen in der Wärme in Salpetersäure, so ist die Lösung braunroth u. hinterläßt beim Verdampfen ein unlösliches rothbraunes basisches Salz. Basische salpetersaure Eisenoxydsalze entstehen auch, wenn man frisch gefälltes Eisenoxydhydrat in der Lösung des neutralen Salzes auflöst. Eine Lösung von salpetersaurem Eisenoxyd u. kohlensaurem Kali in Überschuß ist Stahls Eisentinctur. Löst man in Salpetersäure von 1,332 specifischem Gewicht eine angemessene Menge Eisen auf, so scheiden sich aus der Lösung beim Erkalten schöne rechtwinkelige braune Prismen ab, welche auf Papier getrocknet, fast farblos werden, in Wasser u. Alkohol leicht löslich sind u. an der Luft zerfließen, sie entsprechen der Formel Fe2O3, 3 NO5 + 18HO. Wird die Lösung des Salzes mit Alkali so lange versetzt, bis sich der Niederschlag nicht mehr löst, so bildet sich eine dunkelrothe Lösung, welche basisches Salz enthält. Dampft man die Lösung zwischen 30 u. 40° ein, so wird sie erst syrupdick u. liefert dann eine amorphe schwarze glänzende Masse, welche aus Fe2O3, 2NO besteht, sich in Wasser u. Alkohol leicht löst u. aus der Lösung durch Salpetersäure wieder ausgefällt wird. Beim Kochen gibt das salpetersaure Eisenoxyd Niederschläge von basischen Salzen, welche bei 100° schwarze u. glänzende Massen, zerrieben ein hellgelbes Pulver darstellen. g) Salpetersaures Eisenoxydul, FeO, NO5, kann durch Zersetzen von Eisenvitriol mit salpetersaurem Baryt u. Verdampfen der Lösung in Krystallen erhalten werden, auch beim Auflösen von Schwefeleisen in kalter verdünnter Schwefelsäure erhält man eine grüne Lösung, aus welcher grüne, leicht lösliche Krystalle von salpetersaurem Eisenoxydul anschießen. Eisenfeilspähne lösen sich in kalter verdünnter Salpetersäure ohne Gasentwickelung, die Lösung enthält salpetersaures Eisenoxydul u. Ammoniak u. wird in der Färberei benutzt, h) Salpetersaures Kali, so v.w. Kalisalpeter, s. Salpeter 1). i) Salpetersaurer Kalk (Kalksalpeter, Mauersalpeter), CaO, NO5, findet sich in kalkigem Boden, auf Klüften in Kalkgesteinen, an den Wänden der Ställe etc. u. gelangt häufig in das Brunnenwasser; die Salpetererde ist reich an salpetersaurem Kalk. Man erhält ihn durch Neutralisiren von Salpetersäure mit kohlensaurem Kalk u. Abdampfen der Lösung als ein weißes in Wasser u. Alkohol lösliches Salz, durch Verdampfen im luftleeren Raume über Schwefelsäure kann er in Krystallen dargestellt werden, welche 4 od. 6 Äquivalente Wasser enthalten. Ein unlösliches basisches Salz entsteht beim Kochen des neutralen Salzes mit Ätzkali. k) Salpetersaures Kobaltoxydul, CoO, NO5, entsteht, wenn man Kobalt, Kobaltoxydul od. kohlensaures Kobaltoxydul in verdünnter Schwefelsäure auflöst u. die rothe Lösung zur Krystallisation abdampft; es krystallisirt schwierig in rothen Säulen, welche Krystallwasser enthalten u. an der Luft verfließen. Ammoniak fällt aus der völlig luftfreien Lösung ein blaues basisches Salz: 6 CoO, NO5 + 5HO = CoO, NO5 + 5(CoO, HO),[806] welches an der Luft grün u. zuletzt gelb wird. l) Salpetersaures Kupferoxyd, CuO, NO5, krystallisirt beim Verdampfen einer Auflösung von Kupfer in Salpetersäure in dunkelblauen Säulen von der Zusammensetzung CuO, NO5 + 3HO, bei niederer Temperatur erhält man hellblaue tafelförmige Krystalle, welche 6 Äquivalente Wasser enthalten: CuO, NO5 + 6 HO. Das salpetersaure Kupferoxyd ist in Wasser leicht löslich u. zieht schon an der Luft Feuchtigkeit an, gibt bei gelindem Glühen einen Theil der Säure ab u. verwandelt sich in ein basisches Salz, weiter erhitzt entweicht die Säure vollständig, u. es bleibt reines Kupferoxyd zurück. Das basisch salpetersaure Kupferoxyd, 3 CuO, NO5 + 2CuO, HO, ist ein grünes Pulver u. wird auch erhalten, wenn man zu einer Auflösung von salpetersaurem Kupferoxyd wenig Kalilösung od. Ätzammoniak setzt. Wenn man Ammoniakgas in eine Auflösung von salpetersaurem Kupferoxyd leitet, bis der Niederschlag wieder aufgelöst ist, so erhält man eine blaue Lösung, aus welcher salpetersaures Kupferoxydammoniak in rhombischen Krystallen von dunkelblauer Farbe erhalten wird; die Formel dieses Salzes ist: CuO, NO5 + 2NH3 = CuH2N + H4NO, NO5. m) Salpetersaures Lanthanoxyd, LaO, NO5, krystallisirt aus einer concentrirten Lösung in großen wasserfreien Säulen, welche in Wasser u. Alkohol löslich sind u. an der Luft zerfließen; das getrocknete Salz läßt sich ohne Zersetzung schmelzen, bei höherer Temperatur verliert es Salpetersäure u. geht in basisches Salz über, welches nach dem Erkalten unter Knistern zu einem voluminösen Pulver zerfällt. n) Salpetersaures Lithion, LiO, NO5, in Wasser u. Weingeist leicht löslich, zerfließt an der Luft; ist schwierig krystallisirt zu erhalten. o) Salpetersaure Magnesia, MgO, NO5 + 6HO, wird in Krystallen erhalten, wenn man Salpetersäure mit kohlensaurer Magnesia neutralisirt u. die Flüssigkeit zur Krystallisation verdampft; die Krystalle sind in Wasser leicht löslich u. werden an der Luft feucht; beim Erhitzen verlieren sie Wasser. Nach Graham kann das Salz 5 Äquivalente Wasser durch Erhitzen verliern u. das zurückbleibende Salz mit 1 Aquivalent Wasser kann geschmolzen werden, ohne zersetzt zu werden; bei weiterem Erhitzen verliert es jedoch gleichzei tig Wasser u. Säure. p) Salpetersaures Manganoxydul, MnO, NO5 + 6HO, krystallisirt, wenn man kohlensaures Manganoxydul in Salpetersäure auflöst u. die Füssigkeit verdampft. Die Krystalle lösen sich leicht in Wasser, auch in Alkohol, u. zerfließen an der Luft. Dampft man die Lösung zur Trockene ein, so wird sie unter Abscheidung von Superoxyd schwarz, bei fortgesetztem Erhitzen entweicht alle Säure, u. es bleibt je nach der Temperatur Superoxyd, Oxyd od. Oxyduloxyd. q) Salpetersaures Natron, so v.w. Chilisalpeter. r) Salpetersaures Nickeloxydul, NiO, NO5 + 6HO, krystallisirt in smaragdgrünen Säulen aus einer Auflösung von Nickel od. Nickeloxydul in Salpetersäure; die Krystalle zerfließen an feuchter Luft, lösen sich auch in Weingeist u. geben beim Erhitzen ein gelbliches basisches Salz, bei höherer Temperatur verlieren sie alle Säuren, u. es bleibt Oxydul zurück. Aus einer Auflösung dieses Salzes in Ätzammoniak krystallisirt Salpetersaures Nickeloxydulammoniak, NiO, NO5 + 2H3N + HO, in großen blauen Oktaëdern; eine Verbindung des salpetersauren Nickeloxydulammoniaks mit Nickelchlorürammoniak = (3 H3N, NiCl) + 6(2H3N, NiO, NO5, HO) + 10HO, krystallisirt in großen himmelblauen Oktaëdern. s) Salpetersaures Quecksilberoxyd. Neutrales salpetersaures Quecksilberoxyd, HgO, NO5, + 2HO, krystallisirt aus einer Auflösung von Quecksilber in heißer Salpetersäure beim Verdampfen über Schwefelsäure; gießt man diese Flüssigkeit in concentrirte Salpetersäure, so entsteht ein Brei von Krystallen, welche auf einem Ziegelstein über Schwefelsäure getro cknet werden; ihre Zusammensetzung ist 2(HgO, NO5) + HO, sie sind zerfließlich u. leicht zersetzbar. Das lösliche basisch salpetersaure Quecksilberoxyd, 2HgO, NO5 + NO5, erhält man durch Auflösen von Quecksilber in Salpetersäure u. Kochen der Lösung; es krystallisirt mit 2 Äquivalenten Wasser in vierseitigen durchsichtigen Säulen u. Nadeln, ist in Wasser leicht löslich; wird auch erhalten, wenn man zu heißer Salpetersäure so viel Quecksilberoxyd setzt, als sich aufzulösen vermag: es krystallisirt dann beim Erkalten der Lösung aus. Von viel Wasser wird es in ein saures lösliches u. ein unlösliches, basisches Salz von schön gelber Farbe, Turpethum nitricum (Salpeterturbeth), 3HgO + NO5 + HO, verwandelt; es kann längere Zeit ohne Zersetzung gewaschen werden, nach u. nach nimmt es aber einen Stich ins Rosenrothe an, färbt sich nachher immer mehr u. mehr u. hinterläßt zuletzt reines Quecksilberoxyd. t) Salpetersaures Quecksilberoxydul, Hg2O, NO5, krystallisirt mit 2 Äquivalenten Wasser aus einer Lösung von metallischem Quecksilber in überschüssiger verdünnter Salpetersäure in farblosen, leicht löslichen Krystallen, welche durch viel Wasser zersetzt werden, indem sich ein basisches Salz abscheidet; die Krystalle verwittern leicht an der Luft. Ein basisches Salz, 3HgO, 2NO5, erhält man, wenn man überschüssiges Quecksilber mit verdünnter Salpetersäure erwärmt; es krystallisirt mit 3 Äquivalenten Wasser in farblosen durchsichtigen Säulen od. weißen Oktaëdern, wird durch viel Wasser zersetzt, färbt die Haut schwarzbraun. In den Officinen ist die Lösung als Liquor hydrargyri nitrici oxydulati vorräthig u. wird über metallischem Quecksilber aufbewahrt. Wenn man zu einer verdünnten Auflösung von neutralem salpetersaurem Quecksilberoxydul allmälig unter Umrühren verdünnte Ammoniakflüssigkeit setzt, so erhält man einen schwarzen Niederschlag von basisch salpetersaurem Quecksilberoxydulammoniak (Mercurius solubilis Hahnemanni, Hydrargyrum oxydulatum nigrum) = H3N, NO5 + 3Hg2O, ein sammetschwarzes, in Wasser unlösliches Pulver, welches in der Medicin angewendet wird. Aus einer Lösung, welche salpetersaures Ammoniak u. salpetersaures Quecksilberoxydul enthält, krystallisirt ein Salz von der Zusammensetzung Hg2O, NO5 + 2(H4NO, NO5) + 5HO. u) Salpetersaures Rhodiumsesquioxydul, Rh2O3, 3NO5 + 4HO, eine gummöse, dem Venetianischen Terpentin an Consistenz ähnliche Masse von dunkelgelber Farbe, wird durch Auflösen von Rhodiumoxydulhydrat in Salpetersäure u. Verdampfen der Flüssigkeit gewonnen; ist sehr hygroskopisch u. in Wasser leicht löslich, gibt beim Erhitzen unter starkem Aufblähen wasserfreies Sesquioxydul als eine poröse metallglänzende, mit Regenbogenfarben schillernde Masse. v) Salpetersaures Silberoxyd, AgO, NO5, krystallisirt in wasserfreien, farblosen rhombischen Tafeln, aus einer zur Krystallisation abgedampften Lösung von reinem [807] Silber in Salpetersäure, färbt die Haut u.a. organische Substanzen, bes. am Lichte, schwarz, ist in Wasser u. Alkohol löslich; geschmolzen bildet es den Höllenstein, s.d. w) Salpetersaurer Strontian, SrO, NO5, wie der salpetersaure Baryt dargestellt, krystallisirt aus einer heißen Auflösung in Oktaedern ohne Krystallwasser, bei niederer Temperatur können aber monoklinoëdrische Krystalle mit 5 Äquivalenten Wasser erhalten werden. Man benutzt den salpetersauren Strontian zur Darstellung von Rothfeuer, s.u. Indianisches Feuer. x) Salpetersaure Thonerde, Al2O3, 3NO5 + 18HO, krystallisirt schwierig aus einer sauren Auflösung von Thonerdehydrat in Salpetersäure in rhombischen Prismen; sie sind sehr zerfließlich u. müssen auf Ziegelsteinen über Schwefelsäure getrocknet werden; sie sind in Alkohol leicht löslich u. schmelzen bei 70°; die wässerige Lösung löst Thonerdehydrat auch unter Bildung basischer Salze; Ammoniak fällt daraus ein basisches Salz als kleisterartigen Niederschlag. Beim Vermischen einer Auflösung von salpetersaurer Thonerde mit doppelt kohlensaurem Natron entsteht bedeutende Kälte. y) Salpetersaures uranoxyd, U2O3, NO5, wird aus dem Uranpecherz bereitet, indem das gepulverte Mineral mit verdünnter Salzsäure behandelt, nach dem Auswaschen u. Trocknen geglüht u. die erkaltete Masse mit concentrirter Salzsäure ausgezogen wird; der Rückstand wird geröstet u. dann in Salpetersäure aufgelöst; man verdampft die Lösung zur Trockene, digerirt den Rückstand mit Wasser u. fällt aus der Flüssigkeit, nachdem dieselbe mit schwefeliger Säure erhitzt worden ist, durch Schwefelwasserstoff das Blei, Kupfer u. Arsen; man verdampft sie dann zur Krystallisation u. reinigt die Krystalle durch Umkrystallisiren; sie sind gelb, mit grünlichem Schiller, gehören dem rhombischen System an u. enthalten 6 Äquivalente Krystallwasser; an der Luft verwittern sie etwas, schmelzen beim Erwärmen leicht im Krystallwasser, verlieren weiter erhitzt etwas Säure unter Bildung eines basischen Salzes, bei höherer Temperatur bleibt reines Oxyd od. Oxyduloxyd zurück. In Wasser sind sie leicht löslich. Das salpetersaure Uranoxyd findet Anwendung in der Photographie. z) Salpetersaures Wismuthoxyd. Das neutrale Salz, BiO3, 3NO5, krystallisirt mit 9 Äquivalenten Wasser aus einer Auflösung von reinem Wismuth in Salpetersäure in großen vierseitigen Prismen; es ist sehr ätzend, schmilzt bei gelindem Erwärmen in dem Krystallwasser u. verliert bei 80° Salpetersäure u. Wasser, indem es in ein basisches Salz von der Zusammensetzung BiO3NO5 + HO übergeht. Durch Wasser wird das Salz zerlegt, indem sich basisches Salz abscheidet; je nachdem man kaltes od. heißes Wasser dazu anwendet, je nachdem man den Niederschlag längere od. kürzere Zeit mit der Flüssigkeit in Berührung läßt u. das Auswaschen des Niederschlages längere od. kürzere Zeit fortsetzt, entstehen basische Salze von ganz verschiedener Zusammensetzung; eins dieser basischen Salze ist das Bismuthum nitricum praecipitatum, Magisterium bismuthi, Bismuthum hydrico-nitricum, Pulvis marcasitae der Officinen. Wenn man eine unter Zusatz von Salpetersäure bewirkte Lösung des krystallisirten neutralen salpetersauren Wismuthoxyds in kaltes Wasser gießt, so entsteht ein käsiger Niederschlag, welcher sich bald in zarte perlmutterglänzende Schuppen verwandelt u. schnell getrocknet ein lockeres weißes Pulver von der Zusammensetzung BiO3, NO5 + 2HO darstellt; bei 110° erhitzt verliert das Salz Wasser u. es bleibt BiO3, NO5 + HO zurück. Bleibt der Niederschlag längere Zeit mit der sauren Flüssigkeit in Berührung, so entsteht das Salz, 5BiO3, 4NO5 + 9HO, welche in Prismen krystallisirt u. wahrscheinlich das Magisterium bismuthi der älteren Pharmacopöen ist. Wird der von der Flüssigkeit getrennte schuppige Niederschlag mit viel Wasser behandelt, so löst er sich bis auf eine Trübung, nach einiger Zeit scheidet sich ein anderes Salz von der Zusammensetzung 5 BiO3, 3 NO5 + 8 HO als ein unkrystallinisches zartes Pulver ab. Wendet man zur Zersetzung des neutralen salpetersauren Wismuthoxyds Wasser von mehr als 50° C. an, so entsteht das Salz 6BiO3, 5NO5 + 9HO, welches nach dem völligen Auswaschen zu 4BiO3, 3NO5 + 9HO wird. Nach der preußischen Pharmacopöe soll 1 Theil zerriebenes krystallisirtes neutrales Salz mit 4 Theilen Wasser angerieben, die Flüssigkeit in 21 Theile heißes destillirtes Wasser gegossen u. umgerührt werden; der Niederschlag wird sogleich auf ein Filter gebracht, nicht zu lange ausgesüßt u. ohne Anwendung von Wärme getrocknet. aa) Salpetersaures Zinkoxyd, ZnO, NO5, wird durch Auflösen von metallischem Zink, Zinkoxyd od. kohlensaurem Zinkoxyd in verdünnter Salpetersäure erhalten, krystallisirt mit 6 Äquivalenten Wasser in zerfließlichen vierseitigen Prismen, welche sich in Weingeist lösen, bei 50° in ihrem Krystallwasser schmelzen u. dasselbe bei 150° in einem trockenen Luftstrom erhitzt, vollständig verlieren. bb) Salpetersaures Zinnoxyd, krystallisirt aus einer Lösung von Zinnoxydhydrat in Salpetersäure in seidenglänzenden Schuppen; beim Erhitzen der Lösung zersetzt sich das Salz, indem Zinnoxydhydrat ausfällt. Metazinnoxydhydrat wird von Salpetersäure nicht aufgelöst. Salpetersaures Zinnoxydul wird erhalten, wenn man Zinnoxydul od. Zinnoxydulhydrat in sehr verdünnter kalter Salpetersäure auflöst; die Lösung zersetzt sich beim Erwärmen unter Ausscheidung von Zinnoxydhydrat. Beim Auflösen von Zinn in kalter verdünnter Salpetersäure wird die Salpetersäure u. das Wasser in einem solchen Verhältniß zerlegt, daß sich ohne Wasserstoffentwickelung Ammoniak bildet; die Lösung enthält salpetersaures Zinnoxydul u. salpetersaures Ammoniak; sie wird durch Erhitzen leicht zersetzt.

B) S. S. mit organischer Basis: a) Salpetersaures Amyloxyd, C10H11O, NO5, aus Harnstoff, Amylalkohol u. Salpetersäure erhalten, ist eine farblose, ölartige, wanzenähnlich riechende Flüssigkeit von süßlich brennendem Geschmack; explodirt beim Erhitzen heftig, kann ohne Zersetzung nicht verflüchtigt werden; sein specifisches Gewicht ist 0,994 bei 10°. b) Salpetersaures Äthylamin, C4H7N, NO5, durch Sättigen von Äthylamin mit Salpetersäure erhalten. Aus der im Wasserbade abgedampften Lösung setzen sich Krystalle dieser Verbindung in Gestalt sehr zerfließlicher leichter Schuppen ab. c) Salpetersaures Äthyloxyd, C4H5O, NO5, wird durch Destillation eines Gemenges von salpetersaurem Harnstoff, Alkohol u. Salpetersäure dargestellt; ist eine farblose, angenehm riechende Flüssigkeit von süßlichem Geschmack; specifisches Gewicht 1,112, siedet bei 85°, verbrennt mit leuchtender Flamme; stark erhitzt explodirt es heftig. d) Salpetersaures Butyloxyd, C8H9O, NO5, bildet sich aus Jodbutyl u. trockenem salpetersaurem Silberoxyd[808] bei Zusatz von Harnstoff; ist eine farblose, Anfangs süß, dann stechend schmeckende Flüssigkeit, schwerer als Wasser, siedet bei 130° u. verbrennt mit wenig leuchtender Flamme. e) Salpetersaures Melanilin, C26H13N3, HO, NO5, scheidet sich aus einer siedenden Lösung beim Erkalten fast vollständig in Nadeln aus, löst sich in heißem Alkohol, kaum in Äther, ist luftbeständig, nimmt aber beim Aufbewahren schnell eine rothe Färbung an. f) Salpetersaures Methylamin, C2H5N, HO, NO5, durch Sättigen einer wässerigen Lösung von Methylamin mit Salpetersäure dargestellt. Beim Abdampfen der Lösung erhält man schöne, gerade, rhombische Säulen, welche sehr denen des salpetersauren Ammoniaks gleichen; sie sind sehr zerfließlich u. lösen sich leicht im Wasser u. Alkohol auf. Bei der Destillation zersetzen sie sich in Gase u. ölartige Tröpfchen, welche sich im Wasser nicht lösen. g) Salpetersaures Methyloxyd, C2H3O, NO5, bei der Destillation von Salpetersäure mit Holzgeist verwandelt sich letzterer größtentheils in Ameisensäure, mischt man aber gleiche Theile Salpeter mit der Hälfte des Gewichts Holzgeist, so erhitzt sich das Gemisch u. es destillirt salpetersaures Methyloxyd über. Dasselbe ist eine farblose, schwach ätherartig riechende Flüssigkeit von 1,182 specifischem Gewicht, siedet bei 66°, ist in Wasser wenig, leicht in Weingeist löslich, ist völlig neutral, verbrennt bei 150° mit heftiger Explosion. h) Salpetersaures Phenylamin (Salpetersaures Anilin), C12H7N, NO5, schießt aus einer Mischung von verdünnter Salpetersäure u. Anilin, nach einiger Zeit in concentrisch vereinigten Nadeln an, welche sich durch Pressen zwischen Fließpapier trocken u. rein erhalten lassen. Vorsichtig erhitzt, lassen sich die Krystalle schmelzen u. sublimiren. Hierbei wird indeß stets eine kleine Menge unter Entwickelung von salpetriger Säure zersetzt. Das Salpetersaure Jodphenylamin (Salpetersaure Jodanilin), C12H6IN, NO5, krystallisirt aus Wasser in schönen, haarfeinen Nadeln von 3–4 Centimeter Länge. Es löst sich außerordentlich leicht in Wasser, ebenfalls leicht in Alkohol u. Äther. Seine Lösung wird durch salpetersaures Silberoxyd nicht gefällt.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 14. Altenburg 1862, S. 805-809.
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