Wetter

Wetter

[704] Wetter und Witterung werden im Allgemeinen die veränderlichen Zustände des unsere Erde umgebenden Dunstkreises genannt, soweit sie von Jedermann leicht wahrgenommen werden und durch Wärme, Kälte, Wind, Regen, Schnee, Sonnenschein, Wolken, Nebel, Gewitter u.s.w. sich bemerkbar machen.

Mit ihren Bedingungen und sonstigen dabei vorkommenden Verhältnissen beschäftigt sich wissenschaftlich die Meteorologie und stellt die dazu erfoderlichen Beobachtungen an. (S. Meteor.) Häufig werden auch einzelne Veränderungen der Witterung vorzugsweise ein Wetter genannt, und man versteht darunter namentlich ein Gewitter, weshalb Wetterstrahl so viel wie Blitz (s.d.) bedeutet und Wetterableiter einen Blitzableiter. Das Wetter kühlt sich oder es wetterleuchtet wird es genannt wenn in der warmen Jahreszeit des Abends oder Nachts blitzähnliche Lichterscheinungen sich zeigen, denen jedoch kein Donner folgt und die vermuthlich Ausgleichungen der vorhandenen elektrischen Stoffe sind, welche zur Bildung eines Gewitters noch nicht kommen können (s. Elektricität); doch ist der eigentliche Zusammenhang davon noch nicht aufgehellt. – Wetterschaden wird der an den Feldfrüchten durch Hagel und Schloßen angerichtete Schade genannt. – Wetterscheide heißt ein in manchen Gegenden dadurch ausgezeichneter Punkt, daß die von einer gewissen Richtung heranziehenden Gewitter- und Strichregenwolken, wenn sie nicht von ungewöhnlich heftigem Winde getrieben werden, dort ihre Richtung verändern oder sich theilen. Gewöhnlich sind es Berge und waldige Landrücken, welche einen solchen Einfluß ausüben, bei dem aber auch benachbarte Seen und große Flüsse einwirken und jedenfalls die Örtlichkeit eine so wichtige Rolle spielt, daß die etwaige Erklärung dieser Erscheinung immer blos für einen Ort paßt. – Da die im Dunstkreise vorgehenden Veränderungen auf das Barometer (s.d.) wirken, so gibt man diesem auch wol den Namen Wetterglas; außerdem gibt es chemische Wettergläser, die man aus gepulvertem Kampher (zwei Quentchen) mit einigen Tropfen Weingeist, gereinigtem Salmiak (1/3 Quentchen) und gleichviel gereinigtem Salpeter bereitet, indem man diese Bestandtheile sorgfältig mengt und bei mäßiger Wärme in acht Loth schwachem Weingeist oder starkem Branntwein auflöst und sodann in eine Flasche füllt, wie sie zum köln. Wasser gewöhnlich ist. Diese wird zu drei Vierteln voll gemacht, dann luftdicht verschlossen und versiegelt und ins Freie vors Fenster gehängt. Je heller die Mischung bleibt, desto heiterer wird auch das Wetter sein, welches dagegen trübe, windig, regnerisch, gewitterhaft und mehr oder weniger unfreundlich zu erwarten ist, je trüber, flockiger und unruhiger der Inhalt des Glases sich verhält. Bei der Wichtigkeit, welche es in vielen Fällen, z.B. schon bei der Landwirthschaft, haben kann, die Witterung auf längere Zeit vorher zu kennen, hat es nicht an Bestrebungen gefehlt, dahin zu gelangen. Allein bis jetzt waren die Erfolge derselben ebenso unzuverlässig und entbehrten ebenso der Begründung, wie die von Alters her beliebte, völlig irrige Annahme, daß alle 100 Jahre dasselbe Wetter wiederkehre. Gleiches gilt von dem vielverbreiteten Glauben, daß aus dem Wetter einzelner Tage auf das der folgenden Tage, ja Wochen geschlossen werden könne, worauf eine Menge sogenannter Witterungsregeln und Bauerregeln beruhen, wie z.B.: an Lichtmeß (2. Febr.) sieht der Schäfer lieber den Wolf als die Sonne im Stall (weil im letztern Fall ein heftiger Nachwinter folgen soll); Pancratius und Servatius (12. und 13. Mai) bringen oft starken Reif und selbst Frost, nach Urbanus (25. Mai) aber soll nichts dergleichen mehr zu besorgen sein. Regen am Medardustage (8. Jun.) soll nasse Witterung auf vier bis sieben Wochen, am 2. Jul. auf 40 Tage anzeigen. Mit mehr Grund sagt die Wetterregel: der Morgen grau, der Abend roth, ist ein guter Wetterbot'. Und allerdings geben Morgen- und Abendröthe, die Beschaffenheit der Wolken, vereinigt mit Beobachtung des Barometer und Hygrometer und andern Merkmalen, wie das z.B. sehr sichere Andeutungen gebende Benehmen mancher Thiere, den Anhalt zu sehr verläßlichen, wenn auch nicht untrüglichen Schlüssen auf die zunächst bevorstehende Witterung. So hofft man gutes Wetter, wenn die Laubfrösche sich in den Gläsern, in welchen man sie zu halten pflegt, in die Höhe begeben, wenn sie jedoch schreien, wird Regen erwartet. Das frühzeitige Ausfliegen der Fledermäuse am Abend, das Schwärmen der Mistkäfer auf den Fahrstraßen, wenn die Vögel fleißig den Schnabel nach den Fettdrüsen am untern Rücken bewegen und die Federn durchziehen, wenn Schwalben hochfliegen, die Kiebitze schreien, schließt man auf gutes Wetter. Springen dagegen die Karpfen viel über das Wasser empor, krähen die Hähne ohne eigentliche Veranlassung oft, putzen sich die Katzen, fressen die Hunde Gras, halten sich die Ameisen beisammen in ihren Haufen, schreien und springen die Esel viel, werfen die Maulwürfe viel Erde auf, streichen die Schwalben dicht über Boden und Gewässer hin, arbeiten die Spinnen nicht und baden Tauben und Sperlinge sich viel im Sande, so steht Regen bevor. Kommen die Krebse aus dem Wasser, so folgt Gewitter; fliegen die Wasservögel nach dem Lande, so ist stürmische Witterung im Anzuge, diese aber dem Aufhören nahe, wenn die Seevögel seewärts fliegen und die Sperlinge fröhlich zwitschern.

Was die Wolken anlangt, wie die in geringerer oder beträchtlicherer Höhe, mitunter wenige F., aber auch höher als die höchsten Gebirge, sichtbar über der Erde schwebenden Wasserdünste genannt werden, so steht ihre Bildung und verschiedene Form gewiß in naher Beziehung mit den im Dunstkreise wirksamen Bedingungen (Wärme, Wind, Elektricität, Licht). Es sind von der Erde aufsteigende, wässerige Dünste, welche sich in den kältern, höhern Luftgegenden zu Wolken verdichten; allein über das Nähere dieses Vorganges herrschen noch getheilte Meinungen. Der Umfang derselben ist sehr verschieden und man hat ihre Dicke z.B. beim Ersteigen von Bergen mehre 100 ja 1000 F. gefunden und die Länge und Breite von manchen auf zwei Stunden geschätzt, während andere dagegen sehr kleine nicht selten sind. Ueber ihre Formen und deren Beziehung zur Witterungskunde hat zuerst der Engländer Howard Beobachtungen und glückliche Erläuterungen gegeben und zugleich eigne Bezeichnungen dafür in Gang gebracht. Nach ihm kommen drei Hauptformen in jeder Wolkenmasse vor, nämlich: 1) Cirrus, d.i. Locken- oder Federwolke, welche feder- oder lockenähnlich [704] aus Streifen und Faserringen besteht und sich nach allen Seiten vergrößert; 2) Cumulus oder Haufenwolke, kegelförmige oder convexe Anhäufungen auf einer wagerechten Grundlinie und nach oben zunehmend; 3) Stratus oder Schichtwolke, sehr ausgedehnte und wagerecht zusammenhängende Schichten, die sich nach unten vergrößern und zuerst nach Sonnenuntergang erscheinen. Gemischte Gestalten sind: 4) der Cirro-Cumulus, die sogenannten Schäfchen; 5) Cirro-Stratus, ziemlich oder ganz wagerechte Wolkenschichten, welche dünner an den Rändern, nach unten hohl [705] und wellenförmig sind; 6) Cumulo-Stratus, Wolken von Gestalt des Cumulus und Stratus; 7) Nimbus oder eine nach unten in Regen sich auflösende dichte, oben wie Cirrus geformte Wolke. Hiervon gehört der Cirrus in die oberste der angenommenen drei Luftregionen und hat die wenigste Dichtigkeit; in der zweiten zieht der Cumulus, der meist die größte Dichtigkeit hat, und in dieser kommt es zum Streit, ob die verdichtete Feuchtigkeit durch höheres Erheben in eine trocknere Luftschicht sich wieder auflösen oder als Regen und Schnee verdichtet herunterfallen soll. Die unterste Wolke ist Stratus, doch werden diese Formen auch in größerer Höhe, die gewöhnlich höhern tiefer beobachtet. Für die Witterungskunde hat Howard davon durch Beobachtung folgende Anzeichen abgeleitet. Die Haufenwolke (Cumulus) ist Vorbote und Begleiter des schönsten Wetters; sie bildet sich dann gewöhnlich einige Stunden nach Sonnenaufgang und nimmt bis in die heiße Nachmittagszeit zu, verschwindet gegen Sonnenuntergang. Geschieht das Letztere nicht, sondern steigt der Cumulus empor, so ist in der Nacht ein Gewitter zu erwarten. Bricht der Morgen mit einem Stratus an, so ist ein vorzüglich stiller und heiterer Tag zu erwarten, nur im Anfang des Sommers deutet es auf Regen. Der Cirro-Stratus ist ein allgemeiner Vorbote abnehmender Wärme und von Wind und Regen, wenn der Himmel zugleich dunstig erscheint. Feder- und Lockenwolken (Cirrus) gehen Wind und Sturm voran, und erscheint eine Gruppe derselben am Horizonte, so springt häufig der Wind in der Richtung um, wohin ihre Spitzen weisen. Wagerechte Lagen von Lockenwolken mit aufwärtsgerichteten Armen kündigen Regen, die mit herabhängenden Fransen aber schönes Wetter an. Schafwölkchen (Cirro-Cumulus) sind, wenn sie dauernd bestehen, oder oft nacheinander erscheinen, ein sicheres Zeichen von schönem Wetter und Wärme. Cumulo-Stratus begleitet am häufigsten veränderliche Witterung und im Sommer Gewitter, gehört jedoch zu den unzuverlässigern Vorzeichen. Große Anhäufungen von Cumulus auf der vom Winde abgekehrten Seite deuten bei viel Wind auf Windstille mit Regen. Sehr lang gestreckte Wolken mit zacken-oder blattähnlichen Hervorragungen an beiden Seiten, wie die Blätter einer Palme, werden im gemeinen Leben Wetterbäume genannt (8); steigen sie auf, so bedeuten sie gutes, vermehren sie sich nach unten, Regenwetter.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1841., S. 704-706.
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