Reichenbach [3]

[727] Reichenbach, 1) Georg von, Mechaniker und Optiker, geb. 24. Aug. 1772 in Durlach, gest. 21. Mai 1826 in München, besuchte die Militärschule in Mannheim, bereiste 1791–93 England und trat dann in die bayrische Armee ein. 1804 gründete R. mit Joseph v. Utzschneider und dem Mechanikus Liebherr das mathematisch-mechanische Institut in München und 1809 mit Fraunhofer und Utzschneider in Benediktbeuern die ebenso berühmt gewordene optische Anstalt. R. erfand die Kreisteilmaschine und lieferte zahlreiche Instrumente, namentlich auch Refraktoren, von bis dahin unerreichter Leistungsfähigkeit. 1814 trennte er sich von Utzschneider und errichtete mit T. Ertel eine neue Anstalt, die er jedoch 1821 an diesen überließ, nachdem er 1820 Chef des Wasser- und Straßenbaubureaus für Bayern geworden war. In Wien erbaute er 1820 eine Stückbohrerei, bei Tegernsee eine Marmorschneide- und Poliermühle, verbesserte die Gewehrfabrik in Amberg sowie die bayrischen Hochöfen und Eisengießereien und machte sich um die Salinen in Reichenhall und Berchtesgaden durch seine Wassersäulenmaschinen und Vervollkommnung des mechanischen Betriebs verdient. Er starb als Direktor des Ministerialbaubureaus und Oberbergrat. Seine Büste (von Kirchmayr) ist in der Walhalla aufgestellt. Vgl. Bauernfeind, Georg v. R. (Münch. 1883).

2) Karl, Freiherr von, Naturforscher, geb. 12. Febr. 1788 in Stuttgart, gest. 19. Jan. 1869 in Leipzig, studierte in Tübingen die Rechte und Naturwissenschaften, gründete in Villingen ein Eisenwerk und errichtete zu Hausach in Baden die ersten großen Holzverkohlungsöfen. Seit 1821 rief er auf den Eisenwerken zu Blansko in Mähren großartige industrielle Schöpfungen ins Leben. Er legte Eisengießereien, Bohr- und Blechwalzwerke, Maschinenfabriken etc. an und wendete zuerst den Eisenguß auf Herstellung größerer Statuen an; auch errichtete er in der Nähe von Blansko eine Runkelrübenzuckerfabrik. Mit der Holzverkohlung verband er die Gewinnung von Holzessig, Teer, Essigsäure etc. und entdeckte hierbei das Kreosot, das Paraffin, Eupion, Kapnomor, Assamar etc. Er war Inhaber wertvoller Sammlungen, so einer von Meteoriten, ferner des großen Sieberschen Herbariums u. a. In den letzten Jahren lebte er auf Schloß Reifenberg bei Wien, und hier erregte er durch seine odischen Untersuchungen Aufmerksamkeit, aber auch allgemeinen Widerspruch der Physiker (s. Od). Er schrieb: »Geologische Mitteilungen aus Mähren« (Wien 1834); »Untersuchungen über Dynamide des Magnetismus, der Elektrizität, der Wärme, des Lichtes etc. in ihren Beziehungen zur Lebenskraft« (Braunschw. 1849, 2 Bde.); »Odisch-magnetische Briefe« (Stuttg. 1852, 2. Ausg. 1856; Neudruck, Leipz. 1904); »Der sensitive Mensch und sein Verhalten zum Od« (Leipz. 1854, 2 Bde.); »Die Pflanzenwelt in ihren Beziehungen zur Sensitivität und zum Od« (Wien 1858); »Aphorismen über Sensitivität und Od« (das. 1866); »Die odische Lohe und einige Bewegungserscheinungen als neuentdeckte Formen des odischen Prinzips in der Natur« (das. 1867). Vgl. Schrötter, K., Freiherr v. R. (Wien 1869); Fechner, Erinnerungen an die letzten Tage der Odlehre etc. (Leipz. 1876).

3) Heinrich Gottlieb Ludwig, Botaniker und Zoolog, geb. 8. Jan. 1793 in Leipzig, gest. daselbst 17. März 1879, Sohn von Joh. Friedr. Jakob R., Konrektor an der Thomasschule (gest. 1839, Verfasser des ersten deutsch-griechischen Wörterbuches, Leipz. 1818), studierte seit 1810 in Leipzig, wurde daselbst außerordentlicher Professor, ging aber 1820 als Professor der Naturgeschichte an der chirurgischen Akademie und Direktor des Naturalienkabinetts nach Dresden und schuf hier den Botanischen Garten. Er schrieb: »Flora germanica excursoria« (Leipz. 1830–32, 2 Bde.), wozu die von seinem Sohn und Beck v. Mannagetta fortgesetzten »Icones florae germanicae et helveticae« (Bd. 1–22, I, das. 1834–85; Bd. 19, II, Hieracium von Murr, Zahn und Pröll; Bd. 22, II; Bd. 23–24 ff., Gera 1898 ff.; noch im Erscheinen; Bd. 1–23 enthalten 2907 Tafeln) gehören; »Flora exotica« (Leipz. 1834–36). Erläuterungen des von ihm aufgestellten Pflanzensystems, das die natürliche [727] Verwandtschaft der Pflanzen vielfach gut zum Ausdruck gebracht hat, gab er in: »Übersicht des Gewächsreichs und seiner natürlichen Entwickelungsstufen« (Leipz. 1828); »Handbuch des natürlichen Pflanzensystems« (Dresd. u. Leipz. 1837, 2. Ausg. 1850). Außerdem gab er heraus: »Abbildung und Beschreibung der für Gartenkultur empfehlenswerten Gewächse« (Leipz. 1821–26, mit 96 Tafeln); »Monographia generis Aconiti« (Altona 1820, mit 19 Tafeln); »Illustratio specierum Aconiti generis« (das. 1823–27, mit 72 Tafeln); »Iconographia botanica s. plantae criticae« (das. 1823–32, mit 1000 Tafeln); »Iconographia botanica exotica« (das. 1827–1830); »Regnum animale« (Leipz. 1834–36, mit 79 Tafeln); »Deutschlands Fauna« (das. 1842, 2 Bde.); »Vollständigste Naturgeschichte des In- und Auslandes« (das. 1845–54, 9 Bände mit über 1000 Tafeln).

4) Heinrich Gustav, Sohn des vorigen, geb. 3. Jan. 1824, gest. 6. Mai 1889 in Hamburg, studierte in Leipzig, lehrte dann in Tharandt, habilitierte sich in Leipzig, ward daselbst 1855 außerordentlicher Professor und ging später als Direktor des Botanischen Gartens nach Hamburg. Er schrieb: »Xenia orchidacea« (Leipz. 1855–83, 3 Bde. mit 900 Tafeln; fortgesetzt von Kränzlin, das. 1900); »Beiträge zur Orchideenkunde Zentralamerikas« (Hamb. 1866); »Beiträge zur Orchideenkunde« (Dresd. 1869). Vgl. Dilling, Heinrich Gustav R. (Hamb. 1890).

5) Moritz von, Pseudonym, s. Bethusy-Huc 2).

6) Emilie, Gräfin von, Mätresse des Kurfürsten Wilhelm II. von Hessen-Kassel (s. Wilhelm: Hessen).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 16. Leipzig 1908, S. 727-728.
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