Juraformation

[190] Juraformation (Jurabildung, Oolithengebirge), eine Reihe von neptunischen Gesteinsbildungen, welche zwischen dem Keuper u. den zu der Kreideformation gehörigen Gebilden liegen. Kalksteine, Schiefer (Mergel) u. Sandsteine wechseln hier ab, u. die von den unteren Schichten nach den oberen zu immer lichter werdende Farbe des Gesteins, sowie die Verschiedenheit der in den, ver schiedenen Tiefen sich findenden organischen Überreste lassen eine untere, mittlere u. obere Abtheilung unterscheiden. In den unteren Regionen herrschen die dunklen Farben vor, daher Schwarzer Jura; die mittlere Abtheilung, wo sich dit eisenschüssigen rothen u. braunen Oolithe finden, nennt man Braunen Jura; die obere, wo die lichten Farben vorherrschen, Weißen Jura. Auch in der Bildung der Juraberge fanden sich Verschiedenheiten nach diesen drei Abtheilungen, u. namentlich breitet sich der Schwarze Jura als flaches Lager unter dem Braunen Jura aus u. hat daher den Namen Lias erhalten. A) Der Weiße Jura zerfällt in Deutschland nach L. v. Buch in: Mergel, dichten, meist hellgelben, an Korallen reichen Jurakalk u. lithographischen Schiefer Südbaierns u. Nerineenkalk; in England, wo diese Formation sehr ausgedehnt ist, unterscheidet man: Portlandkalk, Portlandkalk, Kimmeridgethon, Oxford-Oolite (Coral-rag, Korallenkalk). Im Allgemeinen lassen sich im Weißen Jura folgende Abtheilungen unterscheiden: a) Portlandkalk, ein erdiger, oft mit Quarzsand gemengter Kalk, kreideartig u. mit muschligem Bruch, zuweilen in feinkörnigen Oolith übergehend; die oberen, sandigen Schichten sind zuweilen durch grünlichschwarze Punkte von Chlorid ausgezeichnet. Das Gestein hat seinen Namen von der Halbinsel Portland, wo es sehr verbreitet ist u. wo in großen Steinbrüchen das Baumaterial für London gewonnen wird; außerdem findet sich der Portlandkalk in den Württembergischen Alpen u. in der nordwestlichen Schweiz. b) Kimmeridger Thon, verschieden gefärbter Thon, der häufig Lager eines bituminösen Schiefers, Kies u. Braunkohlen enthält; dieser bituminöse Schiefer kann zuweilen als Brennmaterial benutzt werden. Bei Kimmeridge erreicht dieser Thon eine Mächtigkeit von 600 Fuß, auch in andern Gegenden Englands, im nördlichen u. südlichen Frankreich, in der Schweiz u. im nördlichen Deutschland ist das Gestein vertreten. c) Lithographischer Schiefer (Pappenheimer Kalk), ein gelblicher od. rauchgrauer Kalk, welcher bes. bei Solenhofen u. Pappenheim in Baiern über dem Dolomit abgelagert ist. Er enthält[190] zahlreiche Versteinerungen von Fischen, Reptilien, Insecten u. Pflanzen u. wird als lithographischer Stein benutzt. In untergeordneten Lagen findet sich der lithographische Schiefer noch zu Stonesfield in England, in Dalmatien u. bei Chateauroux. d) Korallenkalk (Coral-rag, Oxford-Oolite, jüngerer Jurakalk, Nerineenkalk, Korallenoolith), ein an Versteinerungen reicher, oolithischer, kieseliger u. kreideartiger Kalkstein; er tritt im Deutschen Jura auf, in der Ardennenkette bildet er eines der oberen Glieder der J., in der Nähe von Oxford ist die Mächtigkeit oft bis 150 Fuß e) Weißer Jurakalk, Kalkstein von weißer bis licht gelblichgrauer Farbe, selten mergelig, wechselt mit mächtigen Schichten thonigen Mergels u. führt Lager von feinkörnigem Bohnenerz. B) Der Braune Jura enthält Thon, Eisensandstein, Schieferthon u. Eisenrogenstein. Man unterscheidet: a) Oxfordthon (Oxford-clay), sandiger Thon von grauer od. dunkelblauer Farbe, ist oft 200 Fuß mächtig u. wechselt mit kalkigen Massen u. bituminösen Schiefern; führt zuweilen Lager von Eisenoolith (Rogeneisenstein); ist bes. in der Gegend von Oxford verbreitet, in Frankreich zwischen Stenay u. Beaumont, in Lothringen, in der Schweiz, im Breisgau etc. Die tieferen Schichten unterscheidet man auch als Kelloway-rok. Der Bradfordthon besteht theils aus blauem mergeligem Thon theils aus weißen kalkigen Mergeln; er ist bes. in England, Frankreich u. im Breisgau verbreitet. Im Juragebirge treten oft mehr od. weniger mächtige dolomitische Kalksteine, Juradolomite, auf, diese sind röthlich, weiß, gelblich, dicht u. im Bruch grobsplitterig, oft krystallinisch, theils sandartig, locker. Dieses Gestein wird zuweilen von dem lithographischen Schiefer bedeckt, zuweilen bildet es die obersten Schichten der Juraberge. Eine bestimmte Schichtung ist in der Regel nicht vorhanden, doch durchziehen Spalten u. Klüfte von großer Ausdehnung die Felsmassen; die Berge sind meist kegelförmig; b) Cornbrash (älterer Rogenstein), ein lockerer, grau od. gelb gefärbter, zuweilen oolithischer Kalk; ähnlich ist der Forest-marble, der aus mehr od. weniger oolithischen Lagen besteht; beide in England. Hierzu gehört auch der Kalkschiefer von Stonesfield. c) Feinkörniger Oolith (Unteroolith Inferior Oolite), dichter, feinkörniger Kalkstein, zuweilen von Bitumen durchdrungen, sehr reich an Versteinerungen. Der mehr selbständig auftretende Oolith bildet erhabene Berge u. Felsen von eigenthümlichen Formen; er ist im Juragebirge, in Frankreich u. England verbreitet, bes. mächtig im Breisgau. In England wird er in Beziehung auf seine weite Verbreitung Hauptoolith (Great Oolite) genannt. Hierher gehören auch der Oolite of Bath, ein unreiner, oft oolithischer Kalk- u. Eisenstein, u. der Dogger, ein kalkhaltiger eisenschüssiger Sandstein, beide in England. d) Unterer Jurakalk, u. eisenschüssiger Oolith (Eisenoolith), Gesteinsmassen von meist brauner od. grauer Farbe, Lager von dichtem, zuweilen sandigem Kalkstein wechseln mit eisenschüssigen oolithischen Massen, auch thonige u. sandige Lagen treten auf. Im Württembergischen ist zwischen diesen Gebilden u. dem darunter liegenden Liassandstein eine Ablagerung von Oolithen, bestehend aus Körnern u. rundlichen Massen von verschiedener Größe, welche durch ein kalkiges, eisenschüssiges Bindemittel verkittet sind. In Spanien, wo dieses Gestein sehr verbreitet ist, ruht dasselbe auf buntem Sandstein. Zuweilen schließt dieser Jurakalk Bohnenerzlager, auch Kohlenschichten u. thonigen Sphärosiderit ein. In Württemberg unterscheidet Quenstedt: Opalinusthon (nach Ammon. opalinus), braunen Sandstein mit Eisenerzen, blaue Kalke, graublaue mergelige Kalke, Eisenoolithe u. Thone, Ornatenthone. C) Schwarzer Jura od. Lias. Die Liasformation bietet einen vielfachen Wechsel von kalkigen, thonigen u. sandigen Schichten (Liaskalk, Liasschiefer u. Liassandstein). Im Allgemeinen läßt sich die Liasformation in folgende vier Abtheilungen trennen: a) Oberer Liassandstein (Marlstone), theils sein-, theils grobkörniger, nach oben hin eisenschüffiger Sandstein; liegt über dem Liaskalk u. Liasschiefer, zuweilen im Wechsel mit diesen; im Fränkischen Jura ist dieser Sandstein bes. verbreitet; b) Liasschiefer (Liasthon, Mergelschiefer), ein schiefriges, oft dünnblättriges Gemenge von thonigen, kalkigen u. bituminösen Theilen, dunkelgrau bis schwärzlich; führt oft Lager thonigen Sphärosiderits, auch Kohlenschichten finden sich hie u. da. Im Württembergischen erlangt dieser Schiefer eine große Mächtigkeit, auch in Baden u. England (Yorkshire) ist er verbreitet. Manche Liasschiefer sind reich an Bitumen, welches oft in kleinen Höhlungen im flüssigen Zustande vorkommt; c) Liaskalk (Gryphitenkalk), dunkelgrauer, brauner od. schwärzlicher Kalkstein, oft thonig, zuweilen bituminös, sandig u. glummerreich. Hie u. da wird das Gestein reich an Eisenoxyd u. erscheint dann ähnlich dem Eisenrogenstein. Manche Lagen haben eine stänglige, auch kegelförmig schalige Absonderung (Nagelkalk, Tutenmergel). Hie u. da umschließt dieser Kalt Gypslager von großer Ausdehnung; d) Unterer Liassandstein, ein meist feinkörniger Sandstein, nach oben hin lichtgelblich, nach unten röthlich, dunkelroth u. braunroth, mit kalkigem u. thonigem, in der Tiefe sehr eisenschüssigem Bindemittel; deutlich geschichtet in einzelnen Lagen mit schieferigem Gefüge. Der Liassandstein führt reiche Flötze sandigkörnigen Thoneisensteins (Eisensandstein), welcher an vielen Orten mit Vortheil abgebaut wird, auch Kalk- u. Kohlenlager finden sich. In Württemberg unterscheidet Quenstedt Sand- u. Thonkalke, Turnerithone (nach Ammon. Turneri), Numismalismergel (nach Terebratula numismalis), Amaltheenthone (nach Ammon amaltheus), Posidonienschiefer (nach Posidonomya Becheri) u. Jurénsismergel (nach Terebratula j urensis). An die J. schließt sich die Wald- od. Wälderformation (Wealdenformation) an, eine Süßwasserbildung mit thonigen, sandigen u. lettigen Schichten, in denen oft Kohlenflötze (Schwarzkohle, Wälderkohle) abgelagert sind u. welche außerordentlich reich an Süßwasserconchylien sind; diese Formation hat ihren Namen von ihrer Ausbreitung unter den Wäldern der Grafschaft Sussex u. Kent in England, in Norddeutschland wird sie durch mächtige Süßwasserbildungen vertreten, auf diesen ruhen das Fürstenthum Bückeburg u. die Grafschaft Schaumburg. In den meisten Gegenden, wo die Wälderformation auftritt, wird ein reger Bergbau auf Kohle getrieben, die Mächtigkeit der Flötze ist indessen nirgends sehr bedeutend; die Kohle selbst ist eine weiche Pechkohle, welche der besten englischen Steinkohle an die Seite zu stellen ist.

Die J. ist sehr reich an Versteinerungen obgleich in manchen Schichten dieselben vollständig[191] fehlen. Hier zeigen sich zuerst Spuren von Säugethieren, während Überreste von Vögeln noch gänzlich fehlen. Die Klasse der Reptilien ist bes. im Lias durch Arten der Sauriergattungen Mystriosaurus vertreten, wozu Macrospondylus Bollensis H. v. Meyer gehört, welcher eine Länge von 13 Fuß erreichte, Ichthyosaurus, Plesiosaurus, Pterodactylus. Fische finden sich namentlich in den höhern Regionen in großer Menge, bes. im lithographischen Schiefer, sie gehören den Placoiden u. Ganoiden an; vom Lias an aufwärts sind alle Eckschupper Homocereen. Im lithographischen Schiefer findet man bes. häufig Arten der Gattungen Leptolepis, Lepidotus, Pholidophorus u. Thrissops, in deren Körper noch die Därme (Kololithen) sichtbar sind, welche man früher für Würmer hielt u. unter dem Namen Lumbricaria beschrieben hat. Weit seltener sind in der J. haisisch u. roggenartige Geschöpfe. Von Insecten findet man im Solenhofer Schiefer aus allen Gattungen Vertreter, selbst einen Schmetterling (Sphinx Schroeteri Schloth.) u. mehrere Arten Libellen (bes. Aeschna longiolata Germar.). Auch Krebse aus der Familie der Langschwänze (Macrura) treten in den obern Juraschichten in großer Mannichfaltigkeit der Arten u. Individuen auf, bes. häufig sind Arten der Gattungen Eryon (E. arctiformis Schloth.), Mecochirus (M. locusta Germ.), Glyphea (G. modestiformis Schloth.) u.a. Von den Spinnen findet sich bes. Phalangites priscus Mün., von Tausendfüßern Geophilus proavus Mün. Von Würmern enthält der Braune Jura mehrere Arten der Gattung Serpula. In der J. treten zuerst die Loligineen od. nackten Cephalopoden auf. Auch die Belemniten (s.d.) erscheinen hier zum erstenmal, u. bes. wichtig sind für die J. die Ammoneen (s.d.) mit zackigen Loben u. Sätteln. Unter den Schnecken ist die Gattung Nerinea am wichtigsten, sie tritt im Weißen Jura auf u. geht nur bis in die Kreide; die Muscheln sind in der J. sehr zahlreich, von den gleichklappigen findet sich die noch lebende Gattung Panopoca (P. Altuini Brogn), Phalodomya u. Trigonia (im Braunen Jura); von den ungleichschaligen: Avicula substriata Mün., welche in Menge im Liaskalk vorkommt, Gervilleïa aviculoides Sow im Braunen u. Weißen Jura, Ostrea arcuata Sow., bezeichnend für den untersten Lias. Die Brachiopoden sind durch die Gattung Terebratula (s.d.) reich vertreten, deren Arten oft ganze Schichten ausfüllen. Im obern Jura erscheinen mehre Arten der Seeigel, so Cidarites coronatus Goldf u. C. glandiferus Goldf., Spatangus, Nucleolites u. Galerites. Crinoideen sind in der J. durch mehre Gattungen vertreten, so Pentacrinus (P. basaltiformis, subangularis u. cingulatus Miller), Apocrinus (A. mespiliformis Goldf), Eugeniaerinus, Saccocoma. Korallen sind bes. im Weißen Jura sehr häufig u. erfüllen oft ganze Schichten, wie den Coralrag, der daher seinen Namen hat. Am häufigsten sind Arten der Gattungen Astraea, Anthophyllum u. Cyathophyllum, auch zahlreiche Seeschwämme erscheinen mit ihnen, wie Scyphia u. Tragos. Hie u. da finden sich auch Meerespflanzen in dieser Formation, so Chondrites granulatus Bronn. im Lias u. Solenhofer Schiefer. Landpflanzen treten bes. an der Basis der J. auf u. zeigen große Übereinstimmung mit denen des Keupers, bes. herrschen Cycadeen vor.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 190-192.
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