Dijon

[5] Dijon (spr. di-schóng), Hauptstadt des franz. Depart. Côte-d'Or, die alte Metropole von Burgund, liegt 245 m ü. M. in einer fruchtbaren, von grünen Hügeln umgebenen Ebene am Fuß des Mont Afrique (584 m), an der Mündung des Suzon in die Ouche und am Kanal von Burgund. Es ist Knotenpunkt der Lyoner Eisenbahn sowie der Straßenbahn D.-Fontaine-Française und bildet eine Festung der innern Verteidigungslinie Frankreichs gegen O., die durch acht neue, auf den umliegenden Höhen errichtete Forts verstärkt worden ist. Die Stadt ist schön gebaut und hat große Plätze, breite Straßen und schöne, an Stelle der Befestigungsmauer getretene Boulevards. Unter den Gebäuden zeichnen sich aus: die gotische Kathedrale Ste.-Benigne (1280–88 aufgeführt, seitdem restauriert) mit alter romanischer Krypte und 96 m hohem Turm; die Kirchen Notre Dame (1252–1334 erbaut, mit prachtvoller Fassade), St.-Michel, St.-Etienne, St.-Jean; der ehemalige, seit dem 17. Jahrh. umgebaute Palast der Herzöge von Burgund, mit zwei Türmen aus dem 15. Jahrh., jetzt Stadthaus, mit Museum (s. unten); der Justizpalast, das Theater und das Lyzeum. Von dem unter Ludwig XI. erbauten Kastell sind nur wenige Reste vorhanden, von der 1379 von Philipp dem Kühnen gegründeten Kartause zwei Tore, ein achteckiger Turm und der merkwürdige sogen. Moses- oder Prophetenbrunnen (1396–99 vom Niederländer Claux Sluter erbaut) mit den Statuen von Moses, David, Jeremias, Zacharias, Daniel und Jesaias (s. Tafel »Bildhauerkunst VII«, Fig. 5); im übrigen ist die Kartause durch ein Irrenhaus ersetzt worden. Die Zahl der Bewohner beträgt (1901) 69,218 (Gemeindebevölkerung 71,326). In industrieller Hinsicht sind besonders Bierbrauerei, Fabrikation von Senf, Likör, Essig, Lebkuchen, Kerzen, chemischen Produkten, Maschinen, Tabak etc. hervorzuheben. Bedeutend ist auch die Blumenzucht und der Wein- und Produktenhandel. D. ist Sitz des Präfekten, eines Bischofs, eines Appellhofes, eines Handelsgerichts, einer Gewerbe- u. Handelskammer und hat drei Fakultäten (für die Rechte, für die mathematischen und Naturwissenschaften, für Literatur), eine medizinische Vorbereitungsschule, Priesterseminar, Lyzeum, Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalt, Kunst- und Musikschule. Das Museum (im oben erwähnten Stadthaus) enthält unter anderm die schönen Grabmäler der Herzöge Philipp des Kühnen und Johann ohne Furcht, Gemälde u. Skulpturen, die Bibliothek umfaßt 90,000 Bände und 900 Manuskripte; auch ein botanischer Garten, ein naturhistorisches Kabinett, ein reiches Archiv, eine Akademie der Wissenschaften und Künste etc. sind in D. Innerhalb der Stadt liegt der Lustgarten Arquebuse und außerhalb derselben der prächtige, von Lenôtre angelegte Park (33 Hektar). D. hat eine Wasserleitung (13 km langer Aquädukt) und zahlreiche Fontänen. Die Stadt ist der Geburtsort von Philipp dem Guten, Johann ohne Furcht, Karl dem Kühnen, Bossuet, Crébillon, Rameau, Rude, Maret, Vaillant u.a. Auch besitzt D. Denkmäler des in der Nähe gebornen heil. Bernhard und des Komponisten Rameau sowie ein Monument der Verteidigung der Stadt 1870. Die Umgegend von D. bildete ehemals die burgundische Landschaft Dijonnais. – Bei den Römern war D. Dibio genannt und ein befestigter Ort der Lingonen in Gallia belgica, wo 500 die Burgunder unter Gundobad von den Franken unter Chlodwig besiegt wurden. Später kam es unter den Bischof von Langres, von dem es die Grafen von D. zu Lehen hatten, und nach dem Tode des letzten derselben (1007) an die Herzöge von Burgund, die es zu ihrer Residenz erhoben. Hier wurden drei Kirchenversammlungen (concilia Divionensia), 1077, 1116 und 1199, gehalten. Herzog Hugo III. erhob D. 1187 zur Stadt. Nach Karls des Kühnen Tode (1477) kam sie mit Burgund an Frankreich, und König Ludwig XI. errichtete hier das Parlament für Burgund. 1870 ward D. nach einem heftigen Gefechte (30. Okt.) 31. Okt. von der badischen Division unter General v. Beyer besetzt, und General v. Werder schlug hier sein Hauptquartier auf. Am 27. Dez. ward es vor der drohenden Annäherung Bourbakis von den Deutschen geräumt, und 28. Dez. zogen die Scharen Garibaldis ein, die es jedoch, als Ende Januar General Hann v. Weyhern anrückte, in der Nacht des 31. Jan. verlassen mußten, worauf es die Deutschen 1. Febr. wieder besetzten. Am 10. Febr. verlegte Manteuffel sein Hauptquartier nach D. Vgl. Chabeuf, D. à travers les âges (Dijon 1897); Fabricius, Die Kämpfe um D. im Januar 1871 (Bromb. 1897).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 5. Leipzig 1906, S. 5.
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