Washington

Washington

[659] Washington (Georg), als Feldherr und Gesetzgeber der größte unter den Gründern und Ordnern der Freiheit und der Verfassung der Vereinigten Staaten von Nordamerika, war 1732 in der Grafschaft Westmoreland in Virginien geboren und der Sohn eines reichen Pflanzers, dessen Ältern sich etwa 60 Jahre früher aus England dahin übergesiedelt hatten.

W.'s Erziehung wurde nach seines Vaters frühem Tode von seiner Mutter trefflich geleitet und auf der Schule zu Williamsburg, der sonstigen Hauptstadt Virginiens, vollendet, von wo er nach den väterlichen Pflanzungen zurückkehrte. Schon 1752 verwendete ihn der engl. Gouverneur in Virginien zu einer Sendung an den franz. Befehlshaber nach Canada, und als wegen der fortwährenden Erweiterung der franz. Niederlassung bald nachher der Krieg ausbrach, zeichnete sich W. als Offizier der virgin. Miliz mehrmals aus. Da jedoch 1754 ein königl. Befehl die Milizoffiziere den vom Könige ernannten nachstellte, nahm W. seine Entlassung und zog sich nach dem von seinem ältern Bruder ererbten Landsitze Mount Vernon zurück. Indessen bekleidete er schon 1755 wieder die Stelle eines Adjutanten beim General Braddock und führte nachher den Oberbefehl über ein Corps, dann über die ganze virgin. Miliz mit großer Auszeichnung. Nach Beseitigung der Kriegsgefahr trat er ins bürgerliche Leben zurück und verheirathete sich mit einer begüterten und gebildeten Witwe. Hatte er schon als Mitglied der gesetzgebenden Versammlung in Virginien stets die vom großbrit. Parlamente beanspruchte Obergewalt über die Colonien bestritten, so handelte er noch entschiedener in diesem Sinne, als die bisherigen Streitigkeiten 1773 zu offenem Widerstande fortschritten. Er bewaffnete zum Theil auf seine Kosten die Miliz von Virginien und war Mitglied des zu Philadelphia versammelten Congresses, welcher ihn 1775 zum Oberbefehlshaber des zu errichtenden, von sämmtlichen Provinzen zu besoldenden Heers wählte. (S. Vereinigte Staaten von Nordamerika.) Nie hat ein Feldherr ruhmvoller dem auf ihn gesetzten Vertrauen entsprochen als W., der mit neugeworbenen, unvollständig bewaffneten, nur zum kleinsten Theil kriegserfahrenen und an Mannszucht gewöhnten [659] Streitern, beim Mangel an fast allen Kriegsbedürfnissen und häufig von Geldnoth gedrückt den Kampf mit den auserlesenen und wohlversehenen engl. Heeren bestehen sollte und durch umsichtige Ausdauer und geschickte Benutzung der ihm zu Gebote stehenden Mittel siegreich durchführte. Einzelne Erfolge hoben den Muth der Amerikaner und nachdem ihnen Frankreich und Spanien ihren Beistand gewährt hatten, entschied W.'s Gefangennehmung des Lord Cornwallis mit 7000 M. bei Yorktown (19. Oct. 1781) den Krieg. Nachdem im Frieden von 1783 die nordamerik. Unabhängigkeit anerkannt worden war, legte W. seine Würde nieder und kehrte nach seinen Gütern in Virginien zurück, bis 1787 die nothwendig gewordene Verbesserung der Bundesverfassung zu Philadelphia durch Abgeordnete vorgenommen wurde, zu denen auch W. gehörte und die ihn zum Vorsitzenden wählten. Unter seinem wesentlichen Einflusse kam nun die heute noch geltende Bundesverfassung der Vereinigten Staaten (s.d.) zu Stande und W. wurde 1789 zum ersten Präsidenten auf vier Jahr gewählt und diese Wahl 1793 erneuert. Während dieser acht Jahre erhoben sich die Bundesstaaten aus tiefer Zerrüttung und von Mangel und Bedrängniß auf eine hohe Stufe von Macht, Ansehen und innerm Wohlstand. Vertrauen kehrte in alle Verhältnisse zurück; der Handel ward frei und ersah sich die alte und neue Welt zu seinen Unternehmungen, die Nationalschuld, welche schon gestrichen schien, bekam eine sichere Bürgschaft, die Einkünfte des Staats nahmen ohne Belastung der Nationalbetriebsamkeit zu, die Herrschaft des Gesetzes ward gesichert. Dennoch gab nach Ausbruch der franz. Revolution und trotz der unheilvoll blutigen Wendung, welche sie nahm, die von W. behauptete Neutralität Veranlassung zu manchen Angriffen des Parteigeistes gegen W., dessen Besonnenheit aber den Werth des Friedens für den jungen amerik. Staat genugsam zu schätzen verstand. Nach Ablauf der acht Jahre kehrte er mit dem Ruhme redlich erfüllter Pflichten nach Mount Vernon zurück, um dort ebenso jede Tugend des Privatlebens zu pflegen, wie er im öffentlichen die des Helden, des Patrioten und Staatsmannes geübt hatte. Als 1798 ein Krieg mit Frankreich auszubrechen drohte, ward W. vom damaligen Präsidenten Adams wieder an die Spitze des Landheers berufen und war für die Organisation desselben eifrig thätig. W. starb 1799 zu Mount Vernon und wurde in seinem Garten bestattet; in seinem Testamente schenkte er allen seinen Sklaven die Freiheit und vermachte beträchtliche Summen zur Gründung einer Universität in Columbia und zu einer Freischule. Im Jahre 1830 wurden seine Überreste zufolge eines Congreßbeschlusses nach der ihm zu Ehren benannten Bundesstadt Washington gebracht und in dem ihm daselbst errichteten Denkmale beigesetzt. Bildsäulen sind ihm auch in Richmond (Virginien), Raleigh in Nordcarolina (eine Arbeit Canova's), in Boston und Baltimore errichtet und sein Name wird allezeit unter die der größten und um die Welt verdientesten Männer gezählt werden. »W.'s Leben und Briefwechsel« nach Sparks ist von Raumer (2 Bde., Lpz. 1839) deutsch herausgegeben worden.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1841., S. 659-660.
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