Carlŏwitz [2]

[697] Carlŏwitz, wahrscheinlich aus Böhmen stammendes, seit dem 15. Jahrh. in Sachsen begütertes Geschlecht, welches durch C. 2) 1552 die Würde eines der Reichs-Erb-Vier-Ritter des Heiligen Römischen Reichs erwarb; verbreitete sich in vielen Zweigen, später auch in Preußen, u. vorübergehend fast in allen Ländern Deutschlands. Alle noch bestehenden [697] Linien stammen von dem kursächsischen Jägermeister Georg v. C. (st. 1619) ab. 1) Georg, auf Kriebstein, geb. 1471, wurde 1510 Amtmann in Dresden, begleitete 1514 den Herzog Georg nach Friesland, wurde 1516 Landvogt in Pirna, 1520 Hauptmann in Sagan, 1522 Amtmann in Radeberg u. st. 1550. Er war Herzog Georgs vertrauter u. oberster Rath, vielfach in Religionsverhandlungen thätig u. Gegner der Reformation; Kurfürst Moritz's Kämmerer. 2) Christoph, auf Rothenhaus in Böhmen, Neffe des Vor., geb. 1507, war Rath des Erzbischofs Albrecht von Mainz, dann des Herzogs Georg u. der Kurfürsten Moritz u. August von Sachsen, 1535 Amtmann in Zörbig, 1543 in Leipzig u. 1557 Oberhauptmann in St. Joachimsthal. Er wurde seit 1529 zu diplomatischen Sendungen verwendet, war sächsischer Gesandter auf allen Reichstagen u. bes. thätig in den Verhandlungen mit dem kaiserlichen Hofe; seit 1554 in kaiserlichen Diensten, war er Rath bei den Kaisern Karl V., Ferdinand I., Max II. u. Rudolf II.; er st. 1578. Lebensbeschreibung von Langenn, Lpz. 1854. 3) Nikolaus, geb. 1502, wurde 1550 Bischof von Meißen u. st. 1555. 4) Hans Karl, geb. 1645, war kursächsischer Kammer- u. Bergrath u. Oberberghauptmann u. st. 1714; er schr.: Über die wilde Baumzucht. 5) Georg Karl, des Vor. Bruder, geb. 1658, wohnte in kaiserlichen Diensten 1638–86 den Feldzügen gegen die Ungarn u. 1689–93 in sächsischen Diensten denen am Rhein u. in den Niederlanden bei, wurde Generaladjutant des Kurfürsten Johann Georg IV., zuletzt Generalmajor u. Generalkriegscommissär; Kurfürst Johann Georg IV. u. König August verwendeten ihn mehrmals zu wichtigen diplomatischen Missionen, namentlich zu Unterhandlungen mit dem Czar Peter von Rußland. Er blieb 1700 vor Dünamünde. 6) Karl Wilhelm. geb. 1742, wurde 1765 kursächsischer Hof- u. Justizrath, 1775 Landeshauptmann der Niederlausitz, 1794 Vicepräsident des Appellationsgerichts in Dresden u. 1797 Präsident, 1800 Geheimer Rath u. Conferenzminister, auch Director der Gesetzcommission u. st. 1806. Nach seiner Gemahlin, der letzten aus dem Geschlecht von Maxen, führen seine Nachkommen den Namen C. Maxen. 7) Karl Adolf, geb. 1771, diente 1786–94 in der sächsischen Garde du Corps, war dann außer Dienst, trat 1809 als Adjutant des General v. Zezschwitz wieder in die sächsische Armee ein, errichtete 1809 als Major das Jägerbataillon, wurde 1813 Oberst, trat in diesem Jahre in russische Dienste als Oberst, wurde zum Generalmajor, Gouvernementsrath u. Chef des Kriegsdepartements ernannt u. erhielt das Commando des Banners der freiwilligen Sachsen. Während des Wiener Congresses ging er in preußische Dienste, wurde Inspecteur der thüringischen Landwehr, 1821 Commandant von Magdeburg, 1822 Generallieutenant, 1824 Vicegouverneur von Mainz, 1829 Gouverneur von Breslau u. st. 1837. 8) Hans Georg, des Vorigen Bruder, geb. 1772, wurde 1795 sächsischer Oberhofgerichtsassessor u. Amtshauptmann in Freiberg, 1805 Geheimer Finanzrath in:Dresden, 1813 Departementschef unter dem russischen Gouvernement, 1821 Bundestagsgesandter zu Frankfurt u. Geheimer Rath, 1827 wirklicher Geheimer Rath im Geheimen Rathscollegium, 1831 Staatsminister ohne Portefeuille, 1834 Minister des Innern, 1836 des Cultus u. öffentlichen Unterrichts u. st. 1845. 9) Christoph Anton Ferdinand, des Vor. Bruder, geb. 1785, wurde 1809 sächsischer Hof- u. Justizrath, 1813 Kreisdeputirter, 1814 Geheimer Kriegskammerrath, 1825 koburg-gothaischer wirklicher Geheimer Rath u. Kammerpräsident u. st. 1840. 10) Albert, Sohn von C. 8), geb. 1802, wurde 1826 Assessor u. 1828 Referendar der königl. sächsischen Landesregierung, war schon von ständischem Einfluß aus dem Landtage 1831, trat 1831 in koburg-gothaischen Staatsdienst als Regierungsrath, 1837 aber in gleicher Eigenschaft wieder in königl. sächsischen Dienst, den er jedoch bald verließ, um sich lediglich der ständischen Wirksamkeit zu widmen. Sein parlamentarisches Talent verschaffte ihm Einfluß u. 1845 die Präsidentschaft der 1. Kammer. 1846 wurde er Justizminister, trat aber 1848 mit dem Ministerium Könneritz zurück. Später trat er wieder in die sächsische Kammer, verließ dieselbe aber im März 1850, vom König von Preußen zum Commissar des Verwaltungsrathes beim Parlament zu Erfurt ernannt. Seit Beendigung desselben hat er sich vom öffentlichen Leben zurückgehalten. Er übersetzte die Ilias, Lpz. 1844, 2 Bde.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 3. Altenburg 1857, S. 697-698.
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