Kansas

[282] Kansas (Kanzas, Konzas), 1) Indianerstamm in Nordamerika, zur Gruppe der Sioux-Völkerschaften gehörig, westlich über den Mississippi zurückgedrängt, jetzt namentlich an den Ufern des gleichnamigen Flusses; ungefähr noch 1600 Köpfe stark; 2) (K. River), Fluß in den Vereinigten Staaten, entspringt am Ost abhangeder Rocky Mountains; durchströmt den gleichnamigen Staat u. fällt auf der Grenze des Staates Missouri in den Missouri River; Stromlänge: 260 Meilen, wovon gegen 200 Meilen (bis Fort Riley) schiffbar; Hauptquellenflüsse: Nepehalla (Salomon's) Fork, Grand Saline Fork, Sowky Hill Fork u. Republican Fork; 3) Staat der Vereinigten Staaten von Nordamerika, gegen 5700 deutsche QM.; grenzt im N. an das Gebiet Nebraska, im O. an den Staat Missouri, im S. an das Indian Territory u. das Gebiet New Mexico im W. an das Gebiet Utah (durch den höchsten Kamm der Rocky Mountains getrennt). K. wird gegenwärtig noch von zahlreichen Indianerhorden durchstreift u. bewohnt; die zu den Siour gehörigen Dakotas sind die Hauptstämme in K.; dieselben haben indeß keinen Anspruch mehr auf den Boden, da die Union denselben mittelst Vertrages zu Staatseigenthum gemacht hat. Die Einwohnerzahl der Weißen wurde 1855 auf 3383 weibliche u. 3733 männliche angegeben. K. ist in jüngster Zeit ein Anziehungspunkt für die Nordamerikaner zur Gründung neuer Ansiedelungen u. Speculationen in Ländereien geworden, obschon es bis August 1854 noch kein einziges Städtchen od. Dorf, von Weißen angelegt, gab, außer den von europäischen Kaufleuten u. Handelscompagnien errichteten einzelnen Häusern, Militärkasernen u. Missionsposten. Beschaffenheit des Landes u. Bodens: das Land ist fast durch, weg Flachland, größtentheils Prairie, nur wenig Waldland; man theilt es seiner Bodenbeschaffenheit nach in fünf verschiedene Districte: der erste erstreckt sich von der nördlichen nach der südlichen Grenze u. ist von 18 bis zu 45 Meilen breit, zeichnet sich durch Fruchtbarkeit, werthvolles Waldland u. herrliche Prairien aus, die Gewässer sind klar, die Luft rein u. gesund; der zweite District, welcher sich von Sandy Creek westlich nach Fort Laramie (ungefähr 75 Meilen) erstreckt, ist sandig, in den Thälern fruchtbar u. zu Weideland geeignet; der dritte District ist hügelig, aus Mergel u. erdiger Kalksteinformation bestehend, fruchtbar u. zum Ackerbau geeignet, aber ganz holzarm; der vierte District, der angenehmste Landstrich im ganzen Staate, gleicht ziemlich dem ersten, wenigstens am Fuße der Black Hills, ist holzreicher u. fruchtbarer, als die vorerwähnten, bes. im westlichen Theile, der östliche Theil ist Weideland; der fünfte District, welcher sich zwischen den Black Hills u. Rocky Mountains (das Hauptgebirge) hinzieht, ist berg- u. hügelreich, mit fruchtbaren Thälern, Landseen u. Flüssen. Da aber, wo das Prairieland den Charakter der dürren Steppe trägt, ist es überall unbewohnbar, auch in jenen Strichen, welche nicht gerade unfruchtbar sind; das wilde Pferd, der Büffel, die Antilope u. der diesen Thieren nachstellende Indianer, erscheinen in den grasbewachsenen Theilen nur auf kurze Zeit, um bald weiter zu schweifen; anbaufähig sind die Hochprairien nur strichweise hart an den Strömen, wo zwei Arten von vortrefflichem Mezquite- od. Buffalograse wachsen. Flüsse: Arkansas River (von den Mexicanern Rio Napeste, von den Sioux Akansa genannt), der Kansas River mit seinen Neben- u. Quellflüssen. Klima: gemäßigt, mit abwechselnd strengem, gewöhnlich trockenem Winter u. heißem langem Sommer; im Ganzen gesund, bes. in den höher gelegenen Gegenden, im Mai u. Juni regnerisch; Februar u. März sind die angenehmsten Monate. Producte: Weiden, Pappeln (Cotton Wood); Weizen, Mais, Hafer, Gemüse gedeihen vortrefflich, sowie Äpfel, Pfirsichen, Pflaumen etc.; wilde Pferde, Büffel, Antilopen, Prairiehunde, der Graue Wolf, der Prairieschakal od. Coyote, Elennthiere, der Schwarze Bär, das Berghorn od. Bergschaf, Klapperschlangen, Eulen, der gehörnte Frosch, Puter, Prairiehühner u. wilde Bienen. Kohlenlager finden sich z.B. am Neoscho; Salz ist in großer Menge vorhanden; am Rande der Prairien hat man da u. dort Eisen u. Blei gefunden; auch soll in Bergen Silber liegen u. an verschiedenen Punkten sich Gold zeigen. Die einzigen bis jetzt erwähnenswerthen Punkte sind: Topeka (1859 zur Hauptstadt bestimmt), die von der Regierung 1827 gegründete Militärstation Fort Leavenworth, an der[282] westlichen Seite des Missouri; Fort Riley, 1854 gegründet, oberhalb der Mündung des Kansas, welcher bis dahin schiffbar ist; Fort Atkinson. Die Verfassung (vom Juli 1859), auf dem Princip der Antisklaverei beruhend, ist bis jetzt (Octbr. 1859) noch nicht vom Congreß in Washington ratificirt; die Staatslegislatur wird aus 12 Repräsentanten u. 21 Senatoren bestehen.

K. wurde zuerst von Dutisne, einem französischen Offizier, welcher 1719 von dem Gouverneur Bienville nach dem westlich vom Mississippi liegenden Gebiete gesandt wurde, besucht. Er fand ein von den Osage-Indianern bewohntes Dorf, ungefähr 1 Meile vom Osage; von da drang er etwa 30 Meilen nordwestlich nach den Dörfern der Panionkees od. Pawnees vor, die ungefähr 130 Hütten zählten u. in denen etwa 500 Krieger mit nahe an 300 Pferden lebten. Sie waren noch völlig uncivilisirt. Dutisne errichtete am 27. Septbr. 1719 daselbst das königliche Wappen. K. war abwechselnd französische, spanische u. wieder französische Besitzung, bis es endlich an die Vereinigten Staaten abgetreten wurde. Ein Theil gehörte früher zu Mexico; 1762 trat Frankreich alle seine Besitzungen westlich von dem Mississippi an Spanien ab. 1795 wurde den Vereinigten Staaten durch Vertrag die freie Schifffahrt auf dem Mississippi gesichert; als aber 1798 die spanischen Posten nördlich vom 31° aufgehoben u. 1801 von der Regierung der Vereinigten Staaten Klage über Verletzung des Vertrages erhoben wurde, erwiderte Spanien, daß es das ganze Territorium wieder an Frankreich abgetreten habe. Jefferson, welcher damals Präsident war, ergriff die Gelegenheit, als die zur Besetzung dieser Grenzen bestimmte französische Militärmacht in den holländischen Häfen blockirt war, u. kaufte das ganze Gebiet Louisiana für 15,000,000 Doll. 1804 wurde es in zwei Theile, in das Territorialgebiet von Orleans u. in den District von Louisiana, getheilt, in welchem Districte sich später ebenfalls eine Territorial-Verwaltung bildete. Orleans wurde 1812 unter dem Namen Louisiana als Staat in die Union aufgenommen, während das Louisiana-Gebiet unter dem allgemeinen Namen Missouri-Territorium bekannt war, in welchem einige Niederlassungen von Europäern in Arkansas u. dem östlichen Theile von Missouri sich befanden. Die Regierung kümmerte sich wenig od. gar nicht um den übrigen Theil dieses ausgedehnten Landstriches, wovon ein Theil die gegenwärtigen Gebiete K. u. Nebraska bildet, außer daß sie einige Erforschungsexpeditionen ausrüstete u. einige Gesetze ergehen ließ, welche den Handel mit den Indianern ordneten. 1804 ging die große Expedition von Lewis u. Clarke den Missouri hinauf bis zu dessen Quellen u. kehrte 1806 über den Stillen Ocean zurück; in demselben Jahre wurde Lieutenant Pike zur Vermessung des Landes östlich von den Felsengebirgen in den Thälern von Nebraska, K. u. Arkansas ausgesandt. 1819 u. 1820 suchte eine andere Expedition unter Major Long das Nebraskathal zu erforschen u. erreichte schöne wissenschaftliche Resultate, wie viel später Fremont (s.d.) u. And. Am 30. Mai 1854 wurde es mit Nebraska als Gebiet in die Union aufgenommen. Da die vom Congreß angenommene Nebraska-Bill (s. Nebraska, vgl. Noradamerikanische Freistaaten) u.a. bestimmt, daß alle, die Sklaverei in den Territorien u. in den neuen aus denselben gebildeten Staaten betreffenden Fragen, lediglich der Entscheidung der in denselben wohnenden Bevölkerung durch ihre gesetzliche Vertretung überlassen bleiben sollten, begannen von da an heftige Parteikämpfe der Sklaverei- u. Antisklavereipartei, um sich die Majorität bei den Wahlen u. dadurch ihrem Princip den Sieg bei Feststellung der Verfassung zu sichern. 1855 fanden von Seiten der Sklavereipartei Invasionen aus dem benachbarten Missouri statt, mit deren Hülfe die Sklaverei eingeführt wurde; im Juli 1856 wurde die Staatsversammlung der Antisklaverei gesprengt, u. die einzelnen Kämpfe dauerten fort, bis endlich im Juli 1859 die Verfassung im Sinne der Antisklavereipartei zu Stande kam, u. sich K. als Staat erklärte. Die Amerikaner fangen an, wenn auch noch vereinzelt, mit der Axt vorzudringen u. in nicht allzuferner Zeit werden die Deutschen mit dem Pfluge folgen. Bei den verschiedenen Gutachten, welche der Regierung der Vereinigten Staaten bezüglich der großen Eisenbahn, welche St. Louis mit dem Stillen Ocean verbinden soll, übergeben worden sind, ist eine Route durch K. u. Nebraska in Vorschlag gebracht worden; verwirklicht sich diese Idee, so wird der fernste Westen in kurzer Zeit der Civilisation die Thür öffnen. Vgl. Gladstone, Bilder u. Skizzen aus K. während des jüngsten Bürgerkrieges, Lpz. 1857. 4) Postort in der Grafschaft Jackson des Staates Missouri, am Missouri River unweit der Mündung des gleichnamigen Flusses; Landungsplatz der Dampfboote, Handel; 1200 Ew.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 282-283.
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