Michaēlis

[759] Michaēlis, 1) Johann David, einer der gelehrtesten Theologen des 18. Jahrh., geb. 27. Febr. 1717 in Halle, wo sein Vater Christian Benedikt (geb. 26. Jan. 1680 in Ellrich, gest. 22. Febr. 1764), ebenfalls als Theolog und Oriental ist bekannt, Professor war, ward 1745 Privatdozent, 1746 Professor der Philosophie, 1750 auch der orientalischen Sprachen in Göttingen. Für die Akademie in Göttingen entwarf er bei deren Begründung 1751 mit Haller die Grundgesetze und leitete erst als Sekretär, dann als Direktor eine Zeitlang ihre Geschäfte. Er starb 22. Aug. 1791. Seine Hauptwerke sind: »Hebräische Grammatik« (3. Aufl., Götting. 1778); »Einleitung in die göttlichen Schriften des Neuen Bundes« (4. Aufl., das. 1788, 2 Bde.); »Mosaisches Recht« (2. Aufl., das. 1776–80, 5 Bde.); »Orientalische und exegetische Bibliothek« (das. 1771–89, 24 Bde.); »Neue orientalische und exegetische Bibliothek« (das. 1786–93, 9 Bde.); »Moral« (hrsg. von Stäudlin, das. 1792–93, 3 Bde.). Seine Selbstbiographie wurde herausgegeben von Hassencamp (Rinteln 1793). Vgl. R. Smend, Johann David M. (Festrede, Götting. 1898).

2) Johann Benjamin, Dichter, geb. 31. Dez. 1746 in Zittau, gest. 30. Sept. 1772 in Halberstadt, studierte in Leipzig Medizin, gab hier eine Sammlung von Fabeln, Liedern und Satiren heraus und übernahm 1770 die Redaktion des »Hamburger Korrespondenten«. Bald aber fesselte ihn das Theater mehr als seine Zeitung, und er zog als Theaterdichter mit der Seylerschen Truppe umher. 1771 zog ihn Gleim, in dessen Kreise M. ' dichterische Begabung sehr überschätzt wurde, nach Halberstadt. M. verfaßte lyrische und satirische Gedichte, Episteln, Theaterreden, Operettentexte etc. Seine »Poetischen Werke« wurden herausgegeben von Schmid (Gieß. 1780); seine »Sämtlichen Werke« erschienen Wien 1791, 4 Bde. Eine von ihm hinterlassene Selbstbiographie veröffentlichte Wilisch im »Neuen Lausitzischen Magazin«, Bd. 56 (Görl. 1880). Vgl. Reclam, Johann Benjamin M. (Leipz. 1904).

3) Otto, Volkswirt, geb. 12. Sept. 1826 zu Lübbecke in Westfalen, gest. 8. Dez. 1890 in Berlin, studierte in Bonn und Berlin Rechts- und Staatswissenschaft und trat 1847 als Auskultator bei dem Oberlandesgericht in Paderborn ein. 1849 wegen Preßvergehen angeklagt, wurde er zwar freigesprochen, allein auf dem Disziplinarweg aus dem Staatsdienst entfernt. Er siedelte bald darauf nach Berlin über und trat 1851 in die Redaktion des volkswirtschaftlichen Teils der »Nationalzeitung« ein. An der Begründung des Kongresses deutscher Volkswirte (1858) nahm er hervorragenden Anteil und rief 1863 in Verbindung mit J. Faucher die »Vierteljahrsschrift für Volkswirtschaft und Kulturgeschichte« ins Leben. 1861 wurde er in das Abgeordnetenhaus, 1867 in den Reichstag gewählt. Bei Errichtung des Reichskanzleramtes wurde er als vortragender Rat in dasselbe berufen, übernahm aber 1879 bei Begründung der neuen, von ihm nicht gebilligten Wirtschaftspolitik das Präsidium der Verwaltung des Reichsinvalidenfonds. Mehrere wirtschaftliche Gesetze des Reiches (Gewerbeordnung, Münzgesetz, Bankgesetz etc.) sind von ihm ausgearbeitet und verteidigt worden. Seine »Volkswirtschaftlichen Schriften« erschienen gesammelt in 2 Bänden (Berl. 1873).

4) Adolf, Archäolog, geb. 22. Juni 1835 in Kiel, studierte seit 1853 in Leipzig, Berlin und Kiel, verweilte 1857–61 in Italien und Griechenland, London und Paris, habilitierte sich dann an der Universität seiner Vaterstadt, wurde 1862 außerordentlicher Professor in Greifswald, 1865 ordentlicher Professor der klassischen Philologie und Archäologie in Tübingen, 1872 Professor der Archäologie an der Universität Straßburg. Seit 1874 ist er Mitglied der Zentraldirektion des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom, dessen Geschichte er schrieb (Berl. 1879). M.' Hauptwerk ist die zusammenfassende große Monographie »Der Parthenon« (Leipz. 1871). Außerdem veröffentlichte er »Straßburger Antiken« (Straßb. 1901) und zahlreiche Arbeiten in Zeitschriften, besorgte eine kritische Ausgabe von Tacitus' »Dialogus de oratoribus« (Leipz. 1868), vollendete O. Jahns hinterlassenes Werk »Griechische Bilderchroniken« (Bonn 1873) und besorgte die neuern Auflagen von dessen Ausgaben von Sophokles' »Elektra«, von Apulejus' »Psyche et Cupido«, von Pausanias' »Descriptio arcis Athenarum« (s. Jahn 3). Auch verfaßte er einen Katalog der in England in Privatbesitz zerstreuten antiken Bildwerke (»Ancient marbles in Great Britain«, übersetzt von Fennell, Cambridge 1882) und bearbeitete nach A. Springers Tode den 1. Band von dessen »Handbuch der Kunstgeschichte« (7. Aufl., Leipz. 1903).

5) Sophus, dän. Dichter, geb. 14. Mai 1865 in Odense, wohin sein Vater als Schneider aus Hannover eingewandert war, durfte, unterstützt von Gönnern,[759] die Lateinschule besuchen und seit 1884 an der Kopenhagener Universität Kunstgeschichte und neuere Sprachen studieren. Seitdem hat er viele und weite Reisen unternommen und redigiert gegenwärtig, ein Schüler Julius Langes, die Zeitschrift »Kunst«. Von Georg Brandes wurde M. für die Literatur gewonnen und veröffentlichte 1888 eine Sammlung »Gedichte«, schönheitstrunken, wohlklingend, manchmal etwas zu zierlich. Es folgten die Sammlungen: »Sonnenblumen« (1893, neue Prachtausgabe 1901); »Sirenen« (1898); »Das Fest des Lebens« (1900); »Die Palmen« (1904). Nach den weniger erfolgreichen Novellen »Sünde« (1891) und »Gewohnheitsmenschen« (1892) machte der frische, kraftvolle, mittelalterliche Roman »Aebelö« (1895; deutsch, Wien 1900) großen Eindruck. Ebenso erfolgreich war »Der Totentanz« (1900), Prosagedichte, und »Giovanna«, eine Geschichte aus San Gimignano (1901; deutsch, Frankf. a. M. 1905). Seine Werke zeugen sowohl von einem kräftigen, geschmeidigen Talent als von vielseitig seiner Bildung. M. ist auch in Deutschland vorteilhaft bekannt, und seine Schriften wurden in viele Sprachen übersetzt. Vgl. C. E. Jensen, Vore dages digtere (Kopenh. 1898).

6) Karin, geborne Bech-Bröndum, seit 1895 Gattin des vorigen, geb. 20. März 1872 in Randers, gab ihre Musikstudien auf, um sich der Literatur zu widmen und veröffentlichte die Novellen und Romane: »Hohes Spiel« (1898), »Geistig Arme« (1901; deutsch, Berl. 1903), »Der Richter« (1901; deutsch, Stuttg. 1903), »Das Kind« (1902; deutsch, 2. Aufl., das. 1905), »Das Schicksal der Ulla Fangel« (»Lillemor«, 1902; deutsch, Berl. 1903), »Der Sohn« (1903; deutsch, das. 1904), »Gyda« und »Backfische« (1904; deutsch, Leipz. 1905). Ihre Arbeiten sind in viele Sprachen übersetzt; man schätzt an ihnen den Duft und die Farbe des Stils, die Naivität und Wärme des Gefühls und die Kühnheit, restlos alles zu verwerten, was die Phantasie ihr zuführt.

7) Karoline, s. Schelling 2).

8) Karoline, Romanistin, s. Vasconcellos.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 13. Leipzig 1908, S. 759-760.
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