Grätz

[555] Grätz (Gratz), 1) Kreis im österreichischen Herzogthum Steyermark; 125,26 QM. u. 448,528 Ew.; größtentheils gebirgig, im Süden hügelig, im Osten mehr flach; Flüsse: Mur, Raab, Feistritz, Kainach, Sulm u.a.; bringt Metalle, bes. Eisen, Steinkohlen, Wein, Holz, Zuchtvieh; im Norden von Deutschen, am südlichen Rande von Wenden (Slawen) bewohnt; 2) Hauptstadt des Herzogthums Steyermark, bei 11/2 Ml. im Umfange, zu beiden Seiten der Mur, über die hier zwei Hänge- u. zwei Jochbrücken führen, u. an der Wien-Triester Eisenbahn, die eine Flügelbahn nach Voitsberg hat; Sitz der Centrallandesbehörden, der Landescollegien, des Bischofs von Seckau u. eines Domcapitels u. einer deutschen Ordenscommende mit der ältesten Kirche der Stadt am Leeck. Die Citadelle auf dem Schloßberge wurde im Jahr 1809, bis auf eine Cisterne, einen hohen Thurm mit der großen Glocke, die Lisel genannt, u. einer Bastion mit den Feuersignalkanonen, von den Franzosen zerstört; Landschaftshaus, Rathhaus, Palast des Erzherzogs Johann, mehrere Kasernen, 22 katholische u. eine evangelische Kirche u. 4 Oratorien (unter den ersteren der Dom, die Katharinenkirche mit Mausoleum Kaiser Ferdinands II.), die Pfarr- u. Franciscanerkirche, 10 Klöster, Universität (seit 1827 wieder erwacht), mit 3 Facultäten (theologische, juridische u. philosophische), mit Bibliothek, Chemischem Laboratorium, Naturhistorischer Sammlung, Physikalischem Cabinete, das Joanneum der Steyermärkischen Stände, eine höhere Technische Lehranstalt, mit Botanischem Garten, in welchem dem Mineralogen Mohs ein Denkmal errichtet ist, Bibliothek, Chemischem Laboratorium, einem Archive, Münz- u. Antikensammlung, Lapidarium, Mineraliencabinete u. Zoologischer Sammlung u.m.a., Leseverein; die Medicinisch-Chirurgische Lehranstalt mit Hebammenschule, Medicinischer u. Chirurgischer Klinik, Botanischem Garten, Chemischem Laboratorium, Anatomisch-Physiologischem Cabinete, Büchersammlung, Irrenanstalt, Gebär- u. Findelhause etc.; Ständische Zeichnungsakademie mit Bildersammlung; der Steyermärkische Industrie- u. Gewerbeverein mit Zeichnungsanstalt, Büchersammlung, Musterwaarencabinete etc.; Historischer, Montanistisch-Geognostischer Verein, Landwirthschaftsgesellschaft mit Musterhose, Musterweingarten, Baumschule u. Sammlungen; Ober- u. Unterreal-, Normal- u. mehrere Vorstadtschulen; Wohlthätigkeitsanstalten: Kranken-, Siechenhaus, Taubstummen- u. Armeninstitut, Kinderspital, Kinderbewahranstalten (Krippen); starke Garnison, 2 Zeug- u. Armenhäuser, Fabrikation u. Handel sind unbedeutend; überaus mannigfaltige Spaziergänge; 65,050 Ew. In der Nähe der gräflich Attemsische Rosenhain, das gräflich von Herbersteinsche Schloß Eggerberg, Maria-Grün, Maria-Trost, die Platte, der Clabusch, der Buchkogel, Tobelbad, Johann u. Paul etc. G. ist der Geburtsort Antons v. Prokesch-Osten. Vgl. A. J. Cäsar, Beschreibung der Hauptstadt G., Salzb. 1781; N. Benditsch, Topographische Kunde von G., Grätz 1808; Die Umgebungen von G., Wien 1812; J. A. Kumar, Historischmalerische Streifzüge in die Umgebungen von G., Grätz 1815; G. F. Schreiner, Grätz 1843; Weidmann, Illustriter Fremdenführer von G., Gratz 1856._– G. heißt in der Landessprache Nimetz Grad; 1585 wurde unter Erzherzog Karl II. eine Universität angelegt (später in das Gymnasium verwandelt). 1741 u. 1742 lebte hier die Kaiserin Elisabeth während des Österreichischen Erbfolgekrieges; 1809 wurde es von den Franzosen besetzt; 1827 die Universität nen gegründet; 14. März 1848 brachen hier Unruhen ans, welche durch Militär unterdrückt wurden. 3) Stadt an der Mohra in der Bezirkshauptmannschaft Troppau (Österreichisch-Schlesien); Bergschloß mit Gärten u. Musterwirthschaft, Tuch- u. Leinweberei, Holzhandel; 1700 Ew.; 4) (polnisch Grodzisko), Stadt im Kreise Buk des preußischen Regierungsbezirks Posen; Tuchweberei, Gerberei, Bierbrauereien, Pferdemarkt; 3500 Ew.; hier am 27. April 1848 Gefecht zwischen preußischen Truppen u. polnischen Insurgenten.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 7. Altenburg 1859, S. 555.
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