Illinois [2]

[757] Illinois (abgek. Ill., spr. illiuói [3silbig]), einer der wichtigsten unter den Staaten der nordamerikanischen Union (s. Karte »Vereinigte Staaten«), begrenzt im O. vom Michigansee und Indiana, im S. von Kentucky, im W. von Missouri und Iowa, im N. von Wisconsin, zwischen 36°59´-42°30´ nördl. Br. und 87°49´-91°40´ westl. L., 146,720 qkm groß. Die Oberfläche ist größtenteils eben und wellenförmig und hat eine mittlere Höhe von 170 m. Eigentliche Hügel kommen nur im NW. vor; im S. des Staates, am Mississippi und Illinois, unterbrechen die Einförmigkeit des Terrains sogen. Bluffs, d. h. ehemalige steile Uferwände, die 30–100 m hoch dem Flußufer entlang ziehen, so daß zwischen ihnen und dem Fluß eine mehr oder weniger breite Ebene bleibt. Der bei weitem größte Teil des Landes bestand ursprünglich aus Prärien, in die hier und da kleine Waldstrecken eingestreut waren, meist mit tiefgründigem, humusreichem Schwarzerdeböden, der von Natur üppigen Gras- und Kräuterwuchs trug und früher zahllose Büffelherden nährte. Die sogen. Eichenlichtungen haben häufig nur eine dünne Bodenschicht, dagegen ist an den Flußufern die fruchtbare Erde mehr als 8 m mächtig; trotzdem eignet sich nur ein Fünftel des Alluvialbodens für Waldwuchs, namentlich der 134 m lange und über 7 km breite sogen. American Bottom zwischen dem Mississippi und den Bluffs. Der Süden gehört zu dem großen zentralen Kohlenfeld Nordamerikas, während sonst fast durchgängig Silurschichten herrschen, oberflächlich im größten Teil des Staates von sehr fruchtbarem, glazialem Schutt- und Schwemmboden überlagert. Hauptflüsse sind: der Mississippi, der die ganze Westgrenze bildet und sich an der Südspitze des Staates mit dem Ohio vereinigt, der I. von Kentucky trennt. Der wichtigste Nebenfluß des erstern ist der Illinois, der die Mitte des Staates durchströmt und durch den Illinois-Michigan-Kanal (s. d.) sowie durch den neuern und größern (6,5 m tiefen) Chicago-Drainagekanal (s. Chicago, S. 17) mit dem Michigansee in Verbindung gesetzt ist. Der Wabash fließt dem Ohio zu und bildet einen Teil der Ostgrenze. Das Klima ist nicht angenehm, wenn auch nicht ungesund. Im Winter herrschen Nord- und Nordwestwinde, das übrige Jahr hindurch Süd- und Südwestwinde, und die Luft ist fast stets bewegt. Die Sommer sind ungewöhnlich heiß, die Winter sehr kalt. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt in Chicago, unter 41°53´ nördl. Br., 9,1°, die Julitemperatur 22°, die Januartemperatur -5°, die höchste Sommerhitze 42°, die größte Winterkälte -32°, die jährliche Niederschlagsmenge 854 mm. Die als Blizzards bezeichneten schlimmen Winterstürme sind häufig, ebenso auch im Frühjahr die verwüstenden Tornados, von denen 1881–96 nicht weniger als 79 im Staatsgebiet verzeichnet wurden. In den Talgründen sind Fieber häufig. I. hatte 1830: 157,445,1890: 3,826,851,1900. 4,821,550 Einw., so daß es in dieser Hinsicht der dritte unter den Unionsstaaten geworden ist. 1900 zählte man 2,472,782 männliche und 2,348,768 weibliche Personen, 4,734,873 Weiße, 85,078 Neger und Mulatten, 1503 Chinesen und nur 16 Indianer. Im Ausland geboren waren 966,747, darunter 332,169 in Deutschland. Die öffentlichen Schulen, an denen 27,186 Lehrer wirkten, wurden 1902 von 765,057 Schülern besucht. Die 31 höhern Schulen hatten 1900: 1439 Lehrer und 7736 männliche und 4436 weibliche Studierende, am namhaftesten sind die Universitäten von Chicago (s. d.) und Galesburg (s. d.). 1902 erschienen 1688 Zeitungen. Der Konfession nach waren 1890: 473,324 römische Katholiken, der Rest Protestanten der verschiedensten Sekten (165,191 Episkopale, 95,237 Baptisten, 59,744 Presbyterianer). Protestantische Bischöfe residieren in Chicago, Quincy, Springfield, katholische in Alton, Belleville, Peoria und Chicago (2), ein Erzbischof in Chicago. Der Staat unterhält 4 Irrenhäuser, eine Schule für geistesschwache Kinder, eine Blindenschule, eine Taubstummenschule, 2 Zuchthäuser und eine Besserungsanstalt. Die wirtschaftliche Ausstattung des Gebietes ist außerordentlich vielseitig. 1900 zählte man 264,151 Farmen, die zusammen reichlich 13,1 Mill. Hektar Kulturland (improved farm land) enthielten. Die mit Getreide bebaute Fläche betrug 1900: 6,7 Mill. Hektar und der Gesamtertrag 600,107,378 Bushels, so daß I. in ersterer Beziehung nur von Iowa etwas übertroffen wird, während es in der andern der erste unter allen Unionsstaaten war. An Mais wurden auf 4,1 Mill. Hektar 398,149,140 Bushels geerntet, an Weizen auf 730,000 Hektar 19,795,500 Bushels, an Hafer auf 1,830,000 Hektar 180,305,630 Bushels. Weniger namhaft ist der Bau von Roggen (1,1 Mill. Bushels) und Gerste (686,000 Bushels) sowie auch von Kartoffeln (512,000 Bushels), Bataten (5352 Bushels) und Tabak (1,447,150 Pfd.). Der Ertrag des Obstbaues bewertete sich 1900 auf 3,8 Mill. Doll. und steht besonders hinsichtlich der Äpfel (1900: 13,4 Mill. Bäume und 9,2 Mill. Bushels Ertrag) und Beerenfrüchte im Schwange. An Weintrauben gewann man von 3 Mill. Stöcken 20 Mill. Pfd. Nicht weniger hoch ist die Viehzucht entwickelt, die 1900 einen Bestand von 3,219,044 Rindern, 1,593,138 Pferden, 53,589 Maultieren und Eseln, 1,085,472 Schafen, 6,082,472 Schweinen und 16,6 Mill. Hühnern aufwies. Verhältnismäßig groß ist namentlich die Zahl der Milchrinder (1,064,491) und demgemäß die Produktion von Milch- (457,1 Mill. Gallonen) und Butter (52,5 Mill. Pfd.). Die Honig- und Wachsgewinnung (2,961,000, bez. 75,000 Pfd.) ist jedenfalls nennenswert. Auch in der Bergbauproduktion ist I. neuerdings den ersten Unionsstaaten zur Seite getreten, 1902 mit 40,523 Bergarbeitern und einer Förderung im Werte von 38,234,410 Doll. Die Kohlenförderung (1902: 30,031,300 Kurztonnen im Werte von 28,3 Mill. Doll.) ist nur in Pennsylvanien noch bedeutender. Bleigruben befinden sich im NW. bei Galena, Kalkstein (Lemont Marmor) in mächtigen Lagern bei Chicago, Salzquellen im Südosten. Hinsichtlich seiner Industrie, die sich im Zusammenhang mit dem Kohlenreichtum und der vorzüglichen Verkehrslage mächtig entwickelt hat, nimmt I. den dritten Platz unter den Staaten der Union ein, 1900 mit 38,360 Betrieben, 395,110 Arbeitern, 615,655 Maschinenpferdekräften u. für 1,259,730,168 [757] Dollar Erzeugnissen. Großartig sind die vielen Fleisch verpackungsanstalten, allein die von Chicago verpacken jährlich 5–6 Mill. Schweine, ferner die Eisen- und Stahlwerke, Fabriken für landwirtschaftliche Maschinen, Hausrat, Korn- und Sägemühlen, Gerbereien, Spinnereien, Brauereien, Brennereien etc. Der Handel wird gefördert durch den Michigansee, den Mississippi und Ohio und durch ein Eisenbahnnetz von (1902) 17,690 km sowie durch (1899) 2492 km elektrische Straßenbahnen. Die zu I. gehörigen Häfen des Michigansees: Chicago einschließlich Südchicago (Calumet River) und Waukegan besitzen 347 Schiffe von 87,560 Ton. Der gesamte Steuerwert des Staates wurde 1902 auf 999,231,829 Doll. veranschlagt, d. h. niedriger als in neun andern Unionsstaaten, die öffentliche Schuld nur auf 18,500 Doll. Unionsstaat wurde I. 1818. Der Gouverneur und die 51 Senatoren werden auf vier, die 153 Mitglieder des gesetzgebenden Körpers auf zwei Jahre gewählt. Bei der Präsidentenwahl hat I. 24 Stimmen, in das Repräsentantenhaus des Kongresses entsendet es 25 Mitglieder. Die Richter werden vom Volk gewählt, die des Obergerichts auf neun Jahre. Der Staat ist in 102 Grafschaften eingeteilt. Hauptstadt ist (seit 1810) Springfield, die bedeutendste Stadt aber Chicago. – Die ersten Ansiedelungen im Gebiet von I. wurden von den Franzosen infolge der Mississippi-Expedition La Salles von Kanada aus gegen Ende des 17. Jahrh. unternommen, hatten jedoch wenig Erfolg. Durch den Pariser Vertrag von 1763 fiel das Gebiet an die Engländer, von denen es infolge der Revolution an die Vereinigten Staaten überging. 1809 wurde es zum Territorium erhoben und 1818 als Staal in die Union aufgenommen. Vgl. Davidson, History of I. (Chicago 1874); Breese, Early history of I., 1673 to 1763 (das. 1884); Reynolds, Pioneer history of I. (2. Aufl., das. 1887); Moses, I., historical and statistical (das. 1889–93, 2 Bde.); Wallace, History of I. and Louisiana under the French rule (Cincinnati 1893); E. B. Greene, The government of I. (New York 1904).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 9. Leipzig 1907, S. 757-758.
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