Cordŏva [2]

[439] Cordŏva, 1) Gonsalvo Fernandez C., Herzog von Sessa u. Terra nova, Prinz von Venosa, geb. 1443; diente zuerst unter Ferdinand u. Isabella gegen Portugal u. nahm Theil am Kampfe gegen die Mauren bei der Eroberung von Granada. 1490 befehligte er das dem König von Neapel gegen die Franzosen zu Hülse gesendete spanische Heer, landete zu Reggio u. eroberte Neapel; 1501 führte er von Neuem die spanischen Truppen, die zur Eroberung Neapels mit den Franzosen ausgeschickt wurden, nahm den Prinzen Alfons von Calabrien zu Tarent gefangen, u. schickte denselben, gegen sein gegebenes Wort, nach Spanien. Mit den Franzosen in Grenzstreitigkeiten gerathen, wurde er zwar geschlagen u. in Barletta eingeschlossen, besiegte aber zuletzt die Franzosen bei Seminara u. Civignola, vernichtete ihre Armee am Garigliano, eroberte Gaëta u. zog 1503 in Neapel ein. Dafür wurde er Großconnetable von Neapel (vom Volke gewöhnlich Il gran capitano genannt). Nach seiner Rückkehr nach Spanien st. er 1515 in Granada. 2) Franc. Fernandez de C., reicher Colonist von Cuba; war 1517 Führer einer Entdeckungsflotte in Westen, besuchte Yucatan, Campeche u. Florida, wurde aber fast überall von den Indianern angegriffen u. verlor viele von seinen Leuten. Er selbst starb zurückgekehrt auf Cuba. 3) Gonsalvo von C., Fürst von Maratra, Verwandter von C. 1); diente 1616 im Kriege Spaniens gegen den Herzog von Savoyen, ging 1620 mit Spinola nach Deutschland, befehligte daselbst nach dessen Abzuge die spanische Armee, belagerte Frankenthal, kriegte 1621 gegen Mansfeld, schlug 1622 den Markgrafen von Baden bei Wimpfen u. bei Höchst, besiegte mit Tilly's Hülfe Christian von Braunschweig, zog hierauf nach Brabant, um Spinola Hülfe zu bringen, befehligte bei Fleurus, dann in Deutschland u. Italien u. wurde 1623 Gouverneur von Mailand; hier legte er die Streitigkeiten zwischen Spanien u. Frankreich wegen des Veltlin bei, rieth später aber zum Kriege mit Frankreich wegen der mantuanischen Erbfolge u. eroberte Montferrat; da er die Belagerung von Casal aufhob, fiel er in Ungnade u. wurde zurückberufen; später befehligte er in Brabant bis 1633 u. st. 1645 in Spanien. 4) Don Luis de C., geb. 1716, spanischer Admiral im Nordamerikanischen Freiheitskriege, befehligte 1779 30 Schiffe, die sich mit Anvilliers zu einer Landung in England verbinden sollten, aber durch Stürme zerstreut wurden; 1780 Marinecommandant von Cadix, vermochte er die Verproviantirung[439] der Stadt nicht zu hindern; 1791 wegen Alters verabschiedet, st. er 1796. 5) Don Joseph de C., Sohn des Vor., führte 1796 als Viceadmiral eine Seedivision unter Longara vor Toulon, befehligte die nach Cartagena zurückkehrende Flotte, führte 1797 ein Convoi von 26 Schiffen nach Cadix, wurde bei Cap St. Vincent vom englischen Admiral Jervis angegriffen, verlor 4 Schiffe u. kam sehr übel zugerichtet im Hafen von Cadix an, fiel deshalb in Ungnade u. wurde 1799 von einem Kriegsgericht zum Verlust seiner Stellen verurtheilt, vom Hofe u. aus der Hauptstadt verwiesen u. für unfähig jeder Anstellung erklärt. Nach einiger Zeit jedoch wieder in seine Stellen eingesetzt, st. er nach 1807. 6) Antonio Lopez de C., geb. 1789, war von 1828–1836 Gesandtschaftssecretär u. von da bis 1848 außerordentlicher Gesandter u. bevollmächtigter Minister Spaniens in Constantinopel; er st. 16. März 1854 in Madrid. 7) Fernando Fernandez de C., Bruder des Vor., geb. 1792, Generallieutenant, war beim Aufruhr vom 7. Oct. 1841 in Madrid mit Diego Leon u. Concha stark compromittirt. Zur Partei Salamancas gehörig, erhielt er Sept. 1847 den Vorsitz im Kriegsministerium, welches von ihm bis Nov. d. J. verwaltet wurde, u. wurde hierauf Generaldirector der Infanterie. 1849 ging er mit dem Truppencorps, welches den Papst unterstützen sollte, nach dem Kirchenstaat u. besetzte Gaeta. Am 8. März 1850 wurde er zum Generalcapitän von Neucastilien, 1851 zum Generalcapitän von Cuba u. 1853 zum Generaldirector der Cavallerie ernannt. Beim Ausbruche des revolutionären Aaufstandes in Madrid am 17. Juli 1854 beauftragte ihn die Königin ein neues Cabinet ins Leben zu rufen, was er aber ablehnte, u. da er als Befehlshaber der königlichen Truppen in Madrid auf die Aufständischen schießen ließ u. der gegen ihn gehegte Haß noch höher stieg, sah er sich veranlaßt, in der Nacht vom 27. zum 28. Juli Madrid zu verlassen u. nach Frankreich zu flüchten. 8) Luis Fernandez de C., Bruder des Vor., geb. 1799 in Cadix, trat 1811 als Cadet in die Armee u. wurde 1819 Offizier. 1820 befand er sich bei dem nach Amerika bestimmten Corps, welches die Constitution von 1812 proclamirte. C., als entschiedener Anhänger des absoluten Königs, suchte vergeblich die Cortadura bei Cadix gegen die Insurgenten zu vertheidigen. Er schloß sich der Glaubensarmee unter Quesada in Navarra u. später, beim Einmarsch des Herzogs von Angoulème in Spanien, an die französische Armee an. Nach der Restauration wurde C. im Ministerium des Auswärtigen angestellt; 1825 kam er als Gesandtschaftssecretär nach Paris, u. da er dort mit ausgewanderten Liberalen Umgang pflog, 1827 nach Kopenhagen, dann als außerordentlicher Gesandter nach Berlin; 1830 ging er nach Madrid u. focht an der Grenze gegen die Constitutionellen, welche von Frankreich aus einen Versuch zum Einfall in Spanien machten, kehrte aber 1831 nach Berlin zurück. 1832 ging er als Gesandter nach Lissabon. Nach dem Tode des Königs Ferdinand schloß er sich der Sache der Königin Christine an u. focht seit 1834 unter den Christinos. 1835 wurde er General en chef der Nordarmee u. Generallieutenant, s. u. Spanien (Gesch.). Nach dem, durch die Revolution von La Granja 1836, im ultraliberalen Sinne herbeigeführten Ministerwechsel verließ er sein Commando in Spanien, um von Frankreich her die fernere Entwickelung der Ereignisse zu beobachten; 1837 begab er sich wieder nach Madrid, jedoch ohne das Vertrauen irgend einer Partei für sich gewinnen zu können. Zu den Cortes von Pampeluna gewählt, blieb er in deren Versammlungen ohne Ansehen u. Einfluß. Später ging C. nach Portugal u. st. 20. April 1840 in Lissabon.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 4. Altenburg 1858, S. 439-440.
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