Waschmaschine

[876] Waschmaschine, Vorrichtung zum Wäschen von Geweben, rohen Faserstoffen, Abfällen, od. anderen Gegenständen, ist für die verschiedenen Zwecke sehr verschieden eingerichtet u. wird entweder durch die Hand od. durch Elementarkräfte bewegt, od. wirkt nur mit Wärme, bes. mit Dampf, auf die Gegenstände ein. A) Handmaschinen werden ausschließlich zum Waschen der Haus- u. Leibwäsche benutzt (Wäschwaschmaschine). Eine der ältesten W. ist die Wildsche W., eine verschließbare Bütte, durch deren Deckel eine verticale Welle gesteckt ist, an deren unterem Ende eine Scheibe mit senkrechten Daumen sitzt. Die Wäsche wird nach der Vorbereitung in einen Beutel gepackt u. auf die Daumen gelegt, welche sie bei der Umdrehung der Welle durch eine Kurbel abreiben u. reinigen. Das Reiben strapazirt aber bei dieser u. der ähnlichen Sicklerschen W. das Gewebe zu sehr. Denselben Übelstand zeigt eine amerikanische W., welche aus einer Bütte besteht, deren Deckel u. Boden nach innen zu vorragende radiale Leisten hat. Wird die mit Lauge vorbereitete Wäsche nebst heißem Seifenwasser eingelegt u. der Deckel mittels zweier Handhaben hin u. her gedreht, so wird die Wäsche gerieben u. gereinigt. Eine andere amerikanische W., die Kugelwaschmaschine, greift die Wäsche noch mehr an; sie beruht auf einer Bearbeitung der Wäsche mit Holz-, Metall- od. Steinkugeln, ähnlich wie es mit dem Indigo auf der Indigomühle geschieht. Eine andere Art der W. beruht auf der Anwendung des Bläuels; diese Stampfwaschmaschine (auch amerikanisch) besteht in einer Bütte, in welcher mittels, zweier seitlich befestigter verticaler elastischer Stangen u. eines dazwischen gespannten Seiles ein System von Stampfhölzern auf u. ab, nämlich auf die eingelegte Wäsche, bewegt werden kann. Damit die letztere bei diesem Stampfen nicht beschädigt wird, sind die Stampfer unten kugelförmig u. mittels Spiralfedern nach oben etwas beweglich gemacht, damit sie bei jedem Stoße etwas ausweichen od. nachgeben können. Ähnlich ist die W. Schernings; dieselbe besteht aus zwei Fässern; in jedem derselben kann eine hölzerne Scheibe an einer Stange vermittelst eines Hebels wie die Kolben in den Stiefeln einer Feuerspritze auf- u. niedergezogen werden. Eine complicirtere W. ist die von Lansdale erfundene Rotationswaschmaschine. Die Wäsche wird mit Seifenwasser in eine gut zu verschließende Bütte eingelegt, welche in einem Gestell hängend, durch einen Rahmen u. eine Kurbel um ihre horizontale Achse gedreht u. überstürzt werden kann, während sie durch einen auf sie aufgezogenen konischen Radkranz, welcher in ein seitlich befestigtes konisches festes Getriebe eingreift, auch eine Umdrehung um die verticale Achse erhält. Die Wäsche fällt also in immer anderer Lage zwischen Deckel u. Boden hin u. her, welche außerdem noch mit konischen Zapfen besetzt sind. In der Preß od. Schlagwaschmaschine von Bénet wird die Wäsche in einen aus Gurten gebildeten Beutel gelegt u. dieser durch eine Verbindung der Handhaben mit Seilen, Rollen u. einem Gegengewichte abwechselnd in das Waschwasser getaucht u. dann zwischen zwei schief gestellten, auf einander klappenden, durchlöcherten schweren Klötzen geschlagen od. gepreßt. Bei der von Rohrmann erfundenen u. von Joachim abgeänderten Schlesischen od. Wiegwaschmaschine hängt zwischen den Säulen des Gestelles der wiegenförmige, halbcylindrische Behälter, dessen Seitenwände aus Holz, dessen Boden aus Zink u. Holzverkleidung besteht. Durch eine in der oberen Horizontalwand befindliche mit einem gefalzten Deckel u. einem Riegel zu verschließende Öffnung wird die Wäsche nebst so viel Waschflüssigkeit eingebracht, daß sie beim Auf- u. Abschwingen des Behälters weder schwimmt, noch aufeinander liegen bleibt, sondern sich nothwendig, weil die oberen Schichten einen kürzeren Weg zurückzulegen haben, auf einander verschieben u. gegenseitig reiben muß. Das Wiegen führt eine Person mittels der an beiden Seiten angebrachten Handhaben aus. Außerdem sind auf der inneren Cylinderfläche einige stegförmige Leisten befestigt, welche das Bewegen der Wäsche erleichtern, u. es ist unten eine Öffnung zum Ablassen des Waschwassers. Die Wäsche wird einen Tag lang unter gleichzeitigem Einseifen der schmutzigen Stellen in warmer Lauge geweicht, dann ausgerungen u. in der Maschine breit gelegt, bis diese halb voll ist. Alsdann gießt man kochend heißes Seifenwasser, worin etwas Soda gelöst ist, darüber zusammen u. wiegt die geschlossene W. eine halbe Stunde lang, langsam, aber möglichst hoch u. tief. Das noch brauchbare Wasser läßt man nun ab, ersetzt es durch kochendes reines Wasser, wiegt wieder 1/4 Stunde lang u. nimmt nun die Wäsche nach einem Durchsehen zum Bleichen od. Spülen heraus. Zum Ausringen der Wäsche benutzt man auch eine Wäschausringmaschine (s. Waschen 1) B).

B) Durch Dampf od. Wasser getriebene W-n werden wohl auch für Leibwäsche, ganz bes. aber für Zeuge vor u. nach dem Färben u. Bleichen, für rohe Wolle, Abfälle u. dgl. benutzt, a) Die Walzenwaschmaschinen, bes. für das Waschen des Tuches vor dem Walken, bestehen aus zwei über einem Trog angebrachten cannelirten Holzwalzen, von denen die untere gedreht u. die obere mit einem Gewichthebel angedrückte mitgenommen wird. Das Tuch wird durch Aneinanderheften in ein endloses Band verwandelt, welches auf der einen Seite aus dem mit der Waschflüssigkeit gefüllten Troge aufsteigt, gefaltet durch die Walzen passirt u. auf der anderen Seite wieder hineinfällt. Die Walzen sind für andere Gewebe auch aus Kautschuk od. Kattun (s. Wringmaschine unter Waschen 1) E) u. nicht od. nur eine cannelirt; auch können sie über fließendem Wasser od. über einem Trog angebracht sein (Englische Spülmaschine), welcher acht Abtheilungen hat, über deren jeder ein Walzenpaar liegt u. durch welche ein Wasserstrom stießt, während das Zeug in entgegengesetzter Richtung durchpassirt. b) Die Prätsch- od. Pantschmaschinen beruhen auf einer Anwendung des Bläuels. Die auf einer festen od. hin- u. hergehenden od. sich drehenden Tafel (z.B. dem Boden eines Bäuchfasses) liegenden, zusammengefalteten Zeuge werden unter zuströmendem Wasser od. Dampf von Holzklötzern geschlagen, welche an Hebeln befestigt, von einer Daumenwelle etwa 190 Mal in der Minute auf u. nieder bewegt werden. Die Prätschwalzen bestehen aus einem Walzenpaar. durch welches u.[876] über dessen obere Walze das Zeug zusammengefaltet weggeht u. hierbei von Bläueln geschlagen wird, deren Bahnen nach der Walzenfläche ausgehöhlt sind. c) Ähnlich wirken die Waschhämmer, gekrümmte u. an der Stirn schief abgeschnittene leichte Holzklötze, welche an einer nahezu verticalen Stange hängend, von einer Daumenwelle wenig gehoben werden, so daß sie fast horizontal gegen das in einem Troge liegende u. einem Wasserstrahl ausgesetzte Zeug, bes. Tuch, fallen u. dasselbe umwenden u. pressen. Diese den Walkmühlen ähnlichen Waschmühlen enthalten vier Paar durch 2–11/2 Pferdekräfte zu bewegende Hämmer, deren jeder 30–40 Mal in der Minute schlägt. d) Die Waschtrommeln zum Waschen von Lumpen od. andern Dingen sind einfache Siebtrommeln, welche bis an die Achse in der Waschflüssigkeit liegen, mit den gesiebten Lumpen gefüllt u. nun gedreht werden. Auch kann sich in ihrem Innern eine mit Stöcken od. Schlagflügeln besetzte Welle befinden, welche sich in derselben Richtung, wie die Trommel, aber schneller als diese (resp. 37 u. 75 Umdrehungen in der Minute) dreht. Eine feststehende Waschtrommel, mit einer mit Schlägern besetzten Welle, welche sich 200 Mal in der Minute dreht u. das Material gegen vorstehende an der Trommel sitzende Leisten wirst, wird zum Waschen u. Zerkleinern der Lederabfälle benutzt, e) Die Waschräder bewirken das Waschen durch Auf- u. Niederfallenlassen der Zeuge in der immer neueingeführten Waschflüssigkeit. Die einfachen Waschräder sind Trommeln (mit verticalem Boden) von 7 Fuß Durchmesser u. 2–3 Fuß Tiefe, welche durch radiale, schlitzförmig durchbrochene Scheidewände in vier Abtheilungen getheilt sind. Durch Öffnungen in den ebenen Wandungen werden die Zeuge eingebracht, während in die Trommel durch viele um die Achse herumliegende Öffnungen frische Waschflüssigkeit geleitet wird, welche durch Öffnungen an der Peripherie wieder abfließt. Wenn das Rad 16–35 Umdrehungen (je nach der Größe) per Minute macht od. eine Umfangsgeschwindigkeit von etwa 430 Fuß hat, so fällt das Zeug in den Abtheilungen ununterbrochen auf u. nieder u. wird so gereinigt. Ein Waschrad erfordert 2–11/2 Pferdekräfte. Diese Waschräder sind mannichfach abgeändert u. complicirt worden, um die Stoffe der Einwirkung des Dampfes (oft mit etwas Überdruck), heißer Waschflüssigkeiten, od. sogar von Bleichmitteln auszusetzen. Man schließt dann die Trommel entweder in einen Behälter ein, welcher die Waschflüssigkeiten enthält u. in den Dampf Behufs der Erwärmung geleitet werden kann; die Scheidewände sind so durchlöchert, daß die Kammern beim Auf- od. beim Absteigen Flüssigkeit fassen u. auf der andern Seite wieder fallen lassen; so für das Waschen von Lumpen. Oder die Trommel ist durch Klappen ganz verschließbar, während durch die hohle Welle auf der einen Seite die Wasch- u. Bleichflüssigkeiten (Bleich- u. Waschräder), auf der anderen Seite der Dampf eingeführt wird, z.B. für baumwollene Waaren. f) Der Seifenhobel (Seifmaschine, Leinwandhobel) wird theils wirklich zum Waschen von Geweben benutzt, theils dient er zum Einseifen derjenigen Waaren (Leinwand), welche aus den Bäuchapparaten kommend auf den Bleichplan gelegt werden sollen. Auf dem Boden eines länglich viereckigen hölzernen Kastens sind ein od. zwei mit Zahnfurchen versehene Stücke von Weißbuchenholz eingesetzt, am denen ein ähnliches Reibebret hin u. her gezogen wird (etwa um 6 Zoll u. in der Minute 72 Mal). Quer zwischen durch wird das stark zusammengefaltete Zeug geführt, nachdem es durch ein Walzenpaar aus einem Troge mit Seifenwasser gehoben worden ist. g) Eine Art von Knetwaschmaschine besteht aus einem viereckigen, oben u. unten mit Schlitzen durchbrochenen Kasten, in welchen die Zeuge gelegt werden. Dieser wird von der Maschine innerhalb eines weiteren Kastens schnell auf u. nieder bewegt, der die Waschflüssigkeit enthält u. am Boden u. der inneren Deckelfläche mit Leisten versehen ist, welche gerade in die Schlitze des ersten Kastens passen u. beim Eindringen in den letzteren auf die Zeuge drücken, h) Durch die Streichwaschmaschine od. Bürstwaschmaschine werden die Zeuge rasch u. gründlich gereinigt. Durch ein System von Walzen werden die bald gefalteten, bald ausgebreiteten Zeuge von einem Wassertroge nach dem Reinigungsapparate u. wieder zurückgeführt. Letztere besteht entweder aus einer vierseitigen Walze, deren abgerundete Kanten das straff gespannte Zeug fortwährend streichen, od. aus einer Walze mit Streichlatten, welche dasselbe bewirken, od. aus einer Walze mit biegsamen Schlagflügeln aus Büffelhaut od. Kautschuk, welche das Zeug, während es noch auf einer Leitwalze liegt, drücken od. streichen, od. aus einer mit Bürsten besetzten Walze. Dem Zeug gegenüber befindet sich eine Röhre, aus deren durchlöcherter Wand Wasserstrahlen gegen das Zeug gespritzt werden. i) Eine W, für rohe Wolle besteht aus einem Trog, welcher auf dem Boden eine Rinne hat, in welcher die Wolle durch eine mit Schaufeln besetzte Walze fort, u. zwar der Richtung des den Trog durchströmenden Wassers entgegenbewegt wird; eine andere mit Haken besetzte Walze schafft die Wolle heraus, zwischen zwei mit Kautschuk überzogene Walzen, welche sie auspressen.

C) W-n ohne mechanische Einwirkung (Bäuchapparate, Bäuchfaß, Bäuchkufe, Bäuchkessel), sind im Allgemeinen Gefäße, in denen die Zeuge mit heißer Lauge od. mit Lauge u. Dampf, welcher oft stark gespannt ist, behandelt werden. Der einfachste Bäuchapparat ist ein Kessel, welcher auf freiem Feuer od. mit Dampf geheizt wird u. in welchem man die Zeuge mit der Lauge siedet. Hierbei tritt aber entweder eine ungleichmäßige Erhitzung od. eine lästige Vermehrung der Flüssigkeit ein; ebenso, wenn man die Zeuge in einer Art von Sieb über einen Kessel mit kochendem Wasser stellt, nachdem sie vorher mit Lauge getränkt worden sind. Weit besser ist es, die Zeuge mit der siedenden Lauge zu übergießen od. durch einen selbstthätigen Apparat übergießen zu lassen. Hierzu bedarf man eines Gefäßes mit durchlöchertem Boden zur Aufnahme der Zeuge u. eines darunter stehenden Kessels etc., in welchen die Lauge, nachdem sie mittels eines Schöpfgefäßes od. einer Pumpe od. durch den Dampfdruck über die Zeuge ergossen worden ist, wieder zurückfließt, um wieder erhitzt zu werden. Im letzteren Falle ist die Einrichtung (nach Thomson) folgende: Von der Mitte des Siebbodens aus ragt eine Röhre durch u. über die Zeuge, welche, sobald die Lauge kocht, diese durch den Dampf, welcher nicht leicht durch die Zeuge entweichen kann, aus dem luftdicht darunter angebrachten u. ganz mit Lauge gefüllten Kessel hebt u. gegen eine über den Röhrenmund angebrachte gekrümmte [877] Scheibe spritzt, von der sie in seinen Strahlen über die Wäsche sich ergießt, hindurchsickert u. sich wieder im Kessel sammelt. Das erst periodische Spiel wird zuletzt ununterbrochen. Anstatt das Bäuchgefäß auf den Kessel aufzusetzen, kann man es auch mit einer gesonderten Siederöhre statt Kessel verbinden. Ein höherer Dampfdruck, u. somit eine höhere Temperatur, läßt sich erzielen, wenn man sich eines ähnlichen Apparates von René Duvoir bedient, bei welchem aber die Bäuchkufe oben geschlossen u. unterhalb des Siebbodens ein sich nach Außen öffnendes zum Abfließen der Lauge in den Kessel bestimmtes Ventil u. auf dem getrennten Kessel ein sich nach innen öffnendes Ventil angebracht ist. Da letzteres mit einem Schwimmer verbunden ist, so wird die den Kessel ganz erfüllende Lauge beim Kochen über die Zeuge sich ergießen, so lange bis der Schwimmer bis zur Öffnung des Ventils heruntergesunken ist. Alsdann hört der Druck im Kessel auf, die Lauge fließt aus der Bäuchkufe zurück in den Kessel, bis dessen Ventil wieder geschlossen ist u. das Spiel von Neuem beginnt. In dem Apparat von Wright wird die Lauge sogar mit einem Druck von 50–100 Pfund für den Quadratzoll durch die Zeuge gepreßt. Endlich gibt es noch Bäuchapparate, welche nach dem Princip der Wasserheizung eingerichtet sind; in ihnen wird kein Dampf gebildet, sondern die Lauge in einem mit der Bäuchkufe auf die beschriebene Weise verbundenen Kessel erwärmt, wodurch sie aufsteigt, sich über die Zeuge ergießt, erkaltet zurückfließt etc.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 18. Altenburg 1864, S. 876-878.
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