Drainage

[290] Drainage (spr. Dränahsch), Drainirung, v. engl. Drain (spr. Drähn, d.h. Kanal, Röhre), die Entwässerung des Bodens mittelst einer Leitung von gebrannten Thonröhren (Drains, Drainröhren). Sie hat den Zweck, bei quelligem Boden das Quellwasser, bei undurchlassendem Untergrunde das Grundwasser abzuleiten, um dadurch unproductives Land bestellbar zu machen od. die Fruchtbarkeit des an Nässe leidenden Bodens zu erhöhen. I. Anlage einer Drainröhrenleitung. Die zur D. benutzten Röhren saugen in Folge ihrer Porosität das Wasser auf u. führen es bei nur mäßigem Gefälle ab; außerdem dringt auch Wasser durch die Stoßfugen der einzelnen Röhrenstücke, aus denen die ganze Leitung zusammengesetzt, in das Innere derselben ein. Zu einem vollständigen Drainsystem gehören. a) die eigentlichen Drainröhren (Saugdrains, Nebendrains), von 1–3 Zoll inneren Durchmesser; bis zu 20 Ruthen wendet man einzöllige an, bei längeren Leitungen läßt man an diese sich 11/2 zöllige, bei noch weiteren an letztere wieder zwei- u. dreizöllige Röhren anschließen; b) die Sammel od. Hauptdrains, je nach ihrer Länge, der Quantität des muthmaßlich von ihnen aufgenommenen Wassers u. der Weite der Nebendrains, 2 bis 4 Zoll Durchmesser haltend, zur Aufnahme u. Abführung des aus den Nebendrains ihnen zugeführten Wassers bestimmt; c) ein Hauptabzugsgraben (Vorfluthdrain), welcher, wenn die Hauptdrains sich nicht direct in einen vorbeifließenden Bach od. Fluß leiten lassen, das abfließende Wasser aufnimmt. Durch den Druck des Wassers werden auch alle fremden Körper, als Erde, Sand etc., aus den Röhren getrieben, daher die Besorgniß, daß sich die Röhren verstopfen würden, ungegründet ist. Unterbrechungen des Wasserabflusses finden nur Statt, wenn die Lage der einen od. anderen Röhre verrückt worden ist. Man sieht das sogleich an einer nassen Stelle auf der Oberfläche des Ackers u. muß alsdann für die leicht zu bewerkstelligende Ausbesserung Sorge tragen. Ehe man zur D. selbst schreitet, muß ein Plan über die ganze Entwässerungsanlage gemacht worden sein, der sich nach dem Fall od. Abfluß des Wassers zu richten hat. Abfluß des Wassers ist bei allen D-n Hauptbedingung; gestattet es irgend die Lage, so sind die Röhren geradlinig zu führen; wo aber Terrainhindernisse, z.B. Berge, Erhöhungen etc., dies nicht gestatten, werden Sammeldrains angelegt, od. stumpfwinkelige Knie angewendet. Je stärker das Gefälle der Röhren, desto besser ist es; doch genügt es schon, wenn die Drains auf 10 Ruthen 1 Zoll Gefälle haben. Die Nebendrains müssen stets der Richtung des Hauptgefälles folgen; die zweckmäßigste Tiefe für dieselben ist 4 Fuß unter dem Boden, während die Hauptdrains etwas tiefer zu liegen kommen. Nach der Nässe des Bodens richtet sich ihre Entfernung von einander, das Mittel derselben ist 30 Fuß. Die Dicke der Röhrwandungen richtet sich nach der Weite derselben u. beträgt bei einzölligen 1/4, bei mehr als dreizölligen 5/8 Zoll. Wo die Röhren mit der Mündung zu Tage treten, sucht man das Auswaschen des Erdreichs durch Berasen desselben od. Füttern mit Vegetabilien zu hindern; fürchtet man böswillige Zerstörung der Thonröhre, so kann man derselben durch Ausmauern der Abflußöffnung vorbeugen. Bäume u. Sträucher dürfen nicht in der Nähe von Drainanlagen geduldet werden, da sie mit ihren Wurzeln die Röhren verstopfen u. zerstören. Die Gräben, welche man zur Ausnahme der Drainröhren zieht, werden bei 4 Fuß tiefer Drainirung oben 14 Zoll breit angelegt u. haben unten auf der Sohle eine Breite von 3 Zoll bei Saug-, von 4–6 Zoll aber bei Sammel- od. Hauptdrainröhren. Schneller u. bequemer als durch die gewöhnlichen Grabeinstrumente erreicht man die Grabenanlage mit Hülfe des Drainspätens, welcher 20 Zoll lang, oben 5–6, unten 3–4 Zoll breit ist u. womit man immer senkrecht arbeitet u. die Erde an den Wänden möglich glatt abschneidet, od. der Drainpflüge. Derartige Pflüge sind der Lumbertsche Pflug, dessen Schar bis zu genügender Tiefe in den Boden dringt u. daselbst eine röhrenförmige Rinne wühlt; der Werbysche [290] Pflug, vor dessen Anwendung erst mit dem Spaten ein Loch gegraben werden muß, in welches der Körper eingesetzt wird; der Tischendorfsche, welcher zum Vorschieben der Draingräben dient u. die Grabenarbeiten mit der Hand auf das Ausheben der mittelst seiner Messer seitlich ab- u. in der Mitte durchgeschnittenen Erdmasse u. auf das Ausputzen der Grabensohle mit der Hackenschaufel beschränkt. Zuerst werden die Hauptkanäle der Sammel-, zuletzt die der Saugdrains ausgegraben, u. zwar fängt man mit dem Ausgraben stets an der tiefsten Stelle an. Die Saugdrains läßt man am besten stumpfwinkelig in die Sammeldrains einmünden. Man bedient sich zum Legen der Röhren gewöhnlich der Röhrenstange, mit welcher man 10–12 Röhren, indem man dieselben auf die Stange schiebt, zu gleicher Zeit legen kann. Die Röhren werden beim Legen nur mit vegetabilischen Stoffen, als Heu, Stroh, Moos, Laub, Quecken etc. umgeben; auch halten es Einige für gut, wo die Röhren zusammenschließen, die Fuge mit einem Thonringe (Muff) zu versehen. Sobald die Röhren gelegt sind, werden sie mit einer Schicht kleiner Steine, Scherben, Mergel u. dgl. überdeckt u. darnach die Gräben mit Erde zugeschüttet. Über die Kosten der D. läßt sich etwas Zuverlässiges nicht angeben, da dieselben meist von der Beschaffenheit des zu drainirenden Bodens bedingt sind. Als niedrigsten Satz kann man 8 Thlr., als höchsten 20 Thlr. pro Magdeburger Morgen annehmen. Außer Ackerland werden auch Wiesen u. Wege drainirt, u. zwar ebenso wie das Ackerland. Auch Wohnhäuser, Scheunen, namentlich aber Keller unter Gebäuden, welche von Nässe leiden, werden durch Anwendung der D. trocken gemacht. Häuser drainirt man außerhalb rundum, wobei man die Röhren mindestens eben so tief, besser noch tiefer als das Fundament der Häuser u. mindestens eine Ruthe von den Umfangswänden entfernt legt, damit das Wasser abgefangen wird, bevor es zu den Gebäuden gelangen kann. Keller werden mit Röhren, wie das Ackerland, belegt.

II. Fabrikation der Drainröhren. Die Röhren werden am besten u. billigsten durch Pressen hergestellt. Gewöhnlicher Ziegelthon ist zwar dazu anwendbar, doch verlangt derselbe eine sorgfältige Zubereitung. Bei gutem Thon genügt ein mit Schlämmen verbundenes tüchtiges Durchkneten mit Händen u. Füßen; will man aber sicher gehen, so wendet man die Thonschneidemaschine od. die einfachere Claytonsche Thonreinigungsmaschine an. Letztere besteht aus einer eisernen Platte, welche siebartig mit runden Löchern durchbohrt ist. Durch diese läßt man, ehe man zur Anfertigung der Röhren schreitet, den Thon mittelst der Maschine gehen, worauf er vollkommen gereinigt ist. Unter den verschiedenen Drainröhrenpressen sind die geeignetsten: die Ainsliesche, Fischersche (für den kleinen Betrieb) u. Whiteheadsche Presse; bei letzter wird der feuchte Thon in einen geöffneten Kasten gefüllt, so daß sich möglichst wenig Zwischenräume bilden; der Kasten wird mittelst eines eisernen Sperrhebets geschlossen u. dann beginnt ein Mann gleichmäßig zu drehen; durch verschiedene Getriebe wird eine starke Zahnstange in Bewegung gesetzt, in deren Ende sich eine eiserne Platte befindet, welche den Thon mit dem Kasten gegen die an der Vorderseite angesetzte Schablone u. zu deren Öffnung herausdrängt. Dadurch werden Röhren gebildet, die von dem Rollbette (einem mit vielen kleinen Walzen, die sich alle um eigene Achsen drehen, wagerecht besetzten Gestell) aufgenommen u. fortgeführt werden. Diese weichen Thonröhren werden mittelst, in gehörigen Zwischenräumen angebrachten Bogen mit Messingdrähten in die gehörige Lage geschnitten, mit hölzernen Gabeln abgenommen u. auf Gerüste zum Trocknen gelegt. Die fertigen Röhren werden in Trockenschuppen an der Luft hinreichend getrocknet (was, je nach der Witterung, in 3–6 Tagen geschieht), darauf gebrannt, was zwar in gewöhnlichen Ziegelöfen geschehen kann, jedoch, da die Drainröhren eine gleichmäßigere Hitze erfordern als die Ziegel, gewöhnlicher in besonderen Ofen, welche wie Töpferöfen gebaut werden u. in welche man die Röhren senkrecht einstellt.

III. Nutzen der Drainage. Die Vortheile, welche die D. des Ackerlandes gewährt, sind namentlich folgende: Drainirier Boden leidet nicht mehr an Nässe, selbst nicht bei anhaltendem Regen: trocknet im Frühjahr schneller u. kann deshalb früher bestellt werden; schwerer, zäher, widerspenstiger Thonboden wird nach dem Drainiren mürbe u. porös, läßt sich daher auch leicht bearbeiten; auf drainirtem Boden reisen die Früchte früher, weil die atmosphärische Wärme leichter eindringt, u. es fällt daher auch die Ernte frühzeitiger; drainirtes Land trocknet selbst bei der größten Hitze u. Dürre nicht aus, da in seinem porösen Untergrund der nächtliche wässerige Niederschlag tiefer eindringt u. die Pflanzen dauernder erquickt. Da indeß das Drainwasser auch düngende Stoffe mit sich fortführt, so ist es zweckmäßig, dasselbe zur Berieselung tiefer gelegener Wiesen zu benutzen, od. bei Gartenanlagen zur Aufnahme desselben ein Bassin zu graben, um es zum Begießen der Pflanzen anzuwenden. Noch ist es zu empfehlen, in einiger Entfernung von drainirten Grundstücken Baumpflanzungen anzulegen, da diese den atmosphärischen Niederschlag befördern, welcher sich in Folge der D. bedeutend vermindert. Außer ihren Vortheilen für die Bodenproduction hat die D. in vielen Fällen noch Werth für die Verbesserung des Gesundheitszustandes, abgesehen von der national-ökonomischen Bedeutung der Bodenmelioration, welche es den Staatsregierungen zur Aufgabe macht, der D. den größtmöglichen Vorschub zu leisten u. zur Beförderung derselben zweckmäßige Ackerbaugesetze einzuführen.

IV. (Geschichte). Die Trockenlegung des Bodens mittelst unterirdischer Abzugskanäle war schon längst bekannt; von den dabei angewendeten Methoden (s.u. Austrocknen) waren der D. am ähnlichsten die von Backsteinen gemauerten Abzugsgräben, statt welcher man später eine gemauerte Grabensohle mit übereinander greifenden Hohlziegelnüberdachte. Aber weder bei dem einen, noch bei dem anderen Verfahren standen die Herstellungs- u. Reparaturkosten im Verhältniß zu dem erzielten Nutzeffecte, zumal da man die Kanäle so nahe unter dem Boden anlegte, daß sie im Winter von der Kälte litten u. im Frühjahre eher zur Ableitung der atmosphärischen Niederschläge als des Grundwassers dienten. Erst seit 1833, wo nach vielfachen von englischen Landwirthen gemachten Versuchen Smith von Deanston die auf diesem Felde gewonnenen Erfahrungen veröffentlichte u. zugleich mit Baxter die mindestens 3 Fuß tiefe Drainirung als die beste empfahl, verbreitete[291] sich die Anwendung der Drainröhren nach dem neuen, ebensowohl praktisch wie theoretisch begründeten Systeme. Die großen Erfolge, welche dadurch erzielt wurden, veranlaßte das Parlament zur Bestätigung eines Gesetzes, wornach die Gutsherren den Pächtern für die Ausführung der D. eine Entschädigung zu gewähren haben. Auch durch Unterstützung des Bodencredits suchte die Regierung die Verbreitung der D. zu fördern. Das Beispiel der englischen Landwirthe fand darauf in Belgien, später in Deutschland u. Frankreich Nachahmung, u. auch in diesen Ländern erkannten die Regierungen den hohen Werth derselben an u. suchten auf die Einführung derselben hinzuwirken.

V. Literatur. Mechis Erfahrungen über Anlegung von unterirdischen Wasserabzügen, aus dem Englischen von Gropp, Zerbst 1847; Scheibler, Das englische u. schottische System der Drains, 3. A., Berl. 1852; von Doblhoff, Über D., Lpz. 1851; Graßmann, Die Unterdrains, Stett. 1851; Kreuter, Handbuch der D., Wien 1851; Gumprecht, Trockenlegung der Felder durch D., Berl. 1852; Lücke, Die D., ebd. 1852; Rohde, Beiträge zur D., Greifsw. 1852; Stöckhardt, Die D., 1852; Vincent, Die D., Berl. 1852, 2. A. 1857; Gropp, Deutsches Drainjrbuch, ebd. 1852; Hamm, Katechismus der D., Lpz. 1852; Wimmer, Drainirbüchlein, Landsh. 1854; Müller, Die D., Mainz 1856; Bergsteen, Anleitung zur Anfertigung von Drainirröhren, Weim. 1857; Kielmann, Die D. nach eigenen Beobachtungen, Kassel 1857; Laubinger, Darstellung der D., Weim. 1857.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 5. Altenburg 1858, S. 290-292.
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