Gerbmaterialien liefernde Pflanzen

[627] Gerbmaterialien liefernde Pflanzen (hierzu die gleichlautende Tafel, welche die Abbildungen und Beschreibungen der mit * bezeichneten Pflanzen enthält). Unter der großen Zahl gerbstoffreicher Pflanzen, von denen verschiedene Teile zur Bereitung des [627] Leders benutzt werden, stehen in erster Linie unsre Eichen, die Winter- oder Traubeneiche (Quercus sessiliflora) und die Sommer- oder Stieleiche (Q. pedunculata), deren Rinde im westlichen und südlichen Deutschland als Spiegelrinde gewonnen wird. Österreich hat die minderwertige Zerreiche (Q. Cerris), während die Weiß- oder Schwarzeiche (Q. lanuginosa) von geringerer Bedeutung ist. Die im südlichen und südwestlichen Europa, auch in Nordafrika vorkommende Kermeseiche (Q. coccifera) liefert außer der Stammrinde auch Wurzelrinde (Garouille, Rusque), dazu kommen dann für die Mittelmeerländer die Korkeiche (Q. Suber), die Steineiche (Q. Ilex) und einige andre minder wichtige. In Nordamerika werden am häufigsten *Q. Prinus, Q. rubra, Q. coccinea und Q. alba verwendet. Andre Eichen, wie *Q. graeca in Griechenland und Q. oophora, Q. vallonea, liefern in ihren Fruchtbechern die Valonen (Ackerdoppen), während auf unsern Eichen in Österreich durch eine Gallwespe die Knoppern erzeugt werden. Nächst den Eichen haben für Deutschland die Koniferen die größte Bedeutung und besonders die Rottanne oder Fichte (Picea excelsa), während Abies alba in Nordamerika, die Lärche (Larix europaea) und die Weißtanne (Abies pectinata) geringeres Interesse beanspruchen. Für Nordamerika ist die *Schierlings- oder Hemlocktanne (Tsuga canadensis) von großer Bedeutung, während von der *Aleppokiefer (Pinus halepensis) in den Mittelmeerländern die Borke (Scorza rossa) und die Innenrinde (Snoubarrinde) benutzt werden. Birken- und Erlenrinde kommen wenig in Betracht, wichtiger sind wieder die Rinden mehrerer Weiden (Salix alba, S. arenaria, capraea, fragilis, S. amygdalina, *S. viminalis etc.) und vor allen die australischen Wattlerinden von Acacia dealbata, *A. penninervis, *A. deccurens etc. sowie das Quebrachoholz von Loxopterygium Lorentzii in Südamerika. Im ganzen kann man 54 Pflanzenfamilien aufzählen, aus denen in den einzelnen Erdteilen Rinden zum Gerben benutzt werden. Nächst den Rinden und den schon genannten Valonen und Knoppern kommen noch als Gerbmaterialien in Betracht die Blätter einiger Rhus-Arten in den Mittelmeerländern, wie *Rhus coriaria, R. cotinus, und von Coriaria myrtifolia in Frankreich, die als Sumach oder Schmack im Handel sind, die Schoten von *Caesalpinia coriaria in Südamerika und Westindien, als Dividivi bekannt, die Schoten von *Acacia arabica, A. nilotica und A. Farnesiana, die als Bablah vorkommen. Auch die ostindischen Myrobalanen (Früchte von *Terminalia Chebula) werden zum Gerben benutzt. Endlich sind noch zu erwähnen die Pflanzen, die das Katechu und das Gambir liefern: Acacia Catechu und Nauclea Gambir (Uncaria Gambir), beide in Ostindien; die das Kino liefernden Pflanzen: Pterocarpus Marsupium von der Malabarküste, Eucalyptus resinifera in Australien und Butea frondosa in Vorderindien. Zur Ermittelung des Gerbsäuregehalts der Gerbmaterialien liefernden Pflanzen wird nach der 1884 in Berlin von einer Kommission festgestellten einheitlichen Methode der Gerbstoffbestimmung (vgl. darüber den Bericht von Councler, Kassel 1885) ein Auszug der Rinden, Hölzer, Gallen etc. oder eine Lösung der im Handel vorkommenden Extrakte in vorgeschriebener Weise hergestellt. Ein Teil der Lösung wird unter Zusatz von Indigolösung mit übermangansaurem Kali titriert. Mit dem Verschwinden der blauen Farbe des Indigos ist gleichzeitig auch der Gerbstoff oxydiert; da aber neben dem letztern noch andre oxydable Substanzen, besonders Gallussäure, vorkommen, so wird ein andrer Teil der Lösung mit Hautpulver behandelt (das den Gerbstoff ausfällt), filtriert und abermals titriert. Die Differenz ergibt die von dem Gerbstoff verbrauchte Menge des übermangansauren Kalis. S. Leder. Vgl. Höhnel, Die Gerberinden (Berl. 1880).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 7. Leipzig 1907, S. 627-628.
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