Ecuadōr

[467] Ecuadōr (spanisch für Äquator, Geographie u. Statistik), Republik im Nordwesten von Südamerika, bis 1811 zum spanischen Vicekönigreich Neu-Granada gehörig, von 1819–31 einen Theil der Föderativrepublik Columbia bildend; grenzt im N. an die Republik Neu-Granada, im O. an das Kaiserthum Brasilien, im S. an die Republik Peru, im W. an den Stillen Ocean. Flächenraum: 15,385 QM. Gebirge: die Cordilleren, die sich im W. des Landes in zwei, fast parallel laufenden Hauptzweigen (einem westlichen u. einem östlichen) hinziehen, von S. her von dem Gebirgsknoten von Loxa ausgehen u., ein Hochland von 8500 Fuß Höhe über dem Meeresspiegel umschließend, sich im N. im Gebirgsknoten von Los Pastos wieder vereinigen. Beide Zweige sind ziemlich gleichartig gebildet, wild, rauh u. öde, mit tiefen Schluchten (aber nur wenigen Pässen) u. ungeheueren Schneegipfeln (Nevados). Nirgends finden sich Gipfel von solcher Höhe zusammenstehend als hier (auf dem westlichen Zweige: der Chimborazo 20,148 Fuß; Yliuiza [ehemals Vulcan] 18,296 F.; Corazon 14,900 F.; Atacazo 16,300 F.; Pichincha [mit 4 Gipfeln] 14,946 F.; Carguairazo [Vulcan, am 19. Juli 1698 verheerender Einsturz] 14,700 F.; Cotocache 15,420 F.; auf dem östlichen Zweige: Cotopaxie [eine der furchtbarsten Vulcane der Erde] 17,700 Fuß; Antisana [von A. von Humboldt erstiegen] 17,940 F. [an demselben die gleichnamige Meierei, 12,620 F. hoch]; Cayambe [dessen Gipfel vom Äquator durchschnitten wird] 18,420 F.; Sangay od. Volcan de Macas 16,112 F.; Capac Urcu od. El Altar [Vulcan, Eruption im 16. Jahrh., 7 Jahre lang dauernd] 16,380 F. [vor seinem Einsturz 4200 Fuß höher]; Sinchulagua [Vulcan] 15,600 F. u. and.). Das Hochland ist durch die beiden Quergebirgszüge von Assuay (14,570 F.) u. von Chinsincha in die 3 Hochthäler von Cuença od. Riobamba, Tapia u. Quito getheilt, von denen namentlich letzteres sich durch außerordentliche Naturschönheiten auszeichnet. Vorgebirge: San Francisco u. San Lorenzo. Baien: Panquapi- u. Manta-Bai, Guayaquil-Golf. Flüsse: Tunguragua od. Marañon (Hauptquellenfluß des Amazonenstromes), die Grenze gegen Süden (Peru) bildend u. nach seiner Vereinigung mit dem (aus Peru kommenden) Ucayate, den Namen Silimoens führend; in ihn fallen hier: S. Jago, Morona, Tigre, Napo, Putumayo (Ica Paranna) Caqueta od. Yupura (aus Neu-Granada kommend, in E. den Apapuris aufnehmend, südöstlich nach Brasilien fließend u. dort in den Amazonenstrom fallend). Küstenflüsse, in den Stillen Ocean fallend: Mira, Rio Santiago, Esmeraldas u. Daule. In den Hochthälern zahlreiche Seen, wovon der bedeutendste der Sienega de Sebondo. In E. vereinigt sich das Klima fast aller Zonen: östlich von den Cordilleren die drückende Hitze der Tropenländer, je mehr nach dem Westen zu desto gemäßigter, bei einer Höhe von ungefähr 8000 F. das der gemäßigten Zone, mild, angenehm u. gesund (fast ewiger Frühling), bei 14,000 F. unterm Äquator, bei 15,000 F. beginnt die Schneegrenze. Erdbeben sehr häufig; das furchtbarste, im J. 1797, zerstörte die ganze Umgegend von Riobamba u. diese Stadt selbst gänzlich; über 40,000 Menschen kamen dabei um. Der Boden ist im Allgemeinen außerordentlich fruchtbar u. die Vegetation höchst üppig u. selbst in den verschiedenen Jahreszeiten sehr gleichmäßig; am fruchtbarsten die Hochthäler, die mittleren Bergebenen u. einige Gegenden an den Flüssen. Der Westen (zwischen den Cordilleren u. dem Stillen Ocean) ist, wenn auch durch die üppigste Vegetation begünstigt u. wohl bewässert, doch im Ganzen noch wenig angebaut, theilweis mit Waldungen u. Sümpfen bedeckt u. ziemlich ungesund; unfruchtbar sind nur einige Thäler der südlichen Ebenen. Producte des Mineralreichs: Gold, Silber, Quecksilber, Schwefel, Salz, Edelsteine etc.; des Pflanzenreichs: Chinarinde, Cacao, Kaffee, Zuckerrohr, Yamswurzel. Vanille, Tabak, Tamarinden, Datteln, Baumn. olle, Kautschuck, Indigo, Reis, Getreide, Farbe- u. Bauhölzer, Sassaparille u. zahlreiche andere Arzneipflanzen; des Thierreichs: Rindvieh. Pferde, Maulthiere, Schafe, Condors, Cochenille, Honig, Wachs, Schildkröten etc. Ackerbau u. Viehzucht wird namentlich in den Hochthälern, bes. in dem von Quito getrieben, für Betreibung des Bergbaues haben sich in neuester Zeit verschiedene Compagnien gebildet. Die Bevölkerung (ohne die noch unabhängigen Indianerstämme im Osten) beläuft sich auf 665,000Ew., wovon ungefähr 15 Procent spanischer Abkunft (Creolen), 35 Procent Mischlinge u. 50 Procent Indianer. Die Creolen E-s gelten als die geistvollsten u. gebildetsten ganz Südamerikas, die (civilisirten) Indianer gehören dem peruanischen Stamme an, sind meist Christen u. sprechen einen Dialekt des Quichna. Die Indianer des Ostens (Omaguas, Yamaos, Maynas, Sucumbias etc.) gehören zum Stamme der Antisaner, treiben theils (in festen Dörfern beisammen wohnend) Ackerbau u. Viehzucht, theils leben sie als Nomaden, sich von Jagd u. Fischfang nährend. Politische Eintheilung in 3 Departamientos: Ecuador (in die 3 Provinzen Pichincha [Quito], Chimborazo [Riobamba] u. Imbabura [Ibarra] zerfallend); Guayaquil (mit den 2 Provinzen Guayaquil u. Manabi); Assuay (mit den 3 Provinzen Cuença, Loxa u. Jaen de Bracomoros); außerdem noch die unter dem Äquator liegende Galapagosgruppe (Archipielago de los Galapagos od. Schildkröteninseln, 137 QM.), die seit 1832 der Republik E. einverleibt ist. Hauptstadt des Landes, Sitz der Regierung u. des Congresses etc. ist Quito, 70,000 Ew. Die Verfassang ist nach der Verfassungsurkunde vom J. 1835, welche 1838 u. 1843 einige unwesentliche Abänderungen erlitt, repräsentativ; an der Spitze der Regierung steht ein auf 4 Jahre gewählter Präsident (1856 General Francisco Robles), das Ministerium (des Innern u. der auswärtigen Angelegenheiten, der Finanzen, des Kriegs u. der Marine) ist der gesetzgebenden Volksvertretung verantwortlich; diese zerfällt in 2 Kammern (Senat u. Repräsentantenhaus). Religion ist die Römisch-katholische; an der Spitze steht ein Erzbischof (zu Quito), unter ihm 2 Bischöfe[467] (zu Cuença u. Guayaquil); von höheren Bildungsanstalten besitzt E. 2 Universitäten (zu Quito u. Cuença). Finanzen (1856), Staatseinnahmen: 1,372,800 Reales (8 Reales = 1 Peso macuquino [s.u.] ungefähr 1 Thaler preuß. Cour.), Staatsausgaben: 1,358,498 Reales. Staatsschuld: äußere Schuld im J. 1855: 1,824,000 Pfd. Sterl.; Anerkennung weiterer Schuld: 996,446 Pfd. Sterl.; innere Schuld: 738,591 Pesos macuquinos. Industrie hat sich in neuester Zeit sehr gehoben, namentlich Wollen- u. Baumwollenweberei, Hut- u. Mattenflechterei, ebenso der Handel; die Haupteinfuhr geschieht aus Peru u. Chile, die Ausfuhr der einheimischen Artikel (Cacao, Baumwolle, Tabak, Chinarinde, Kaffee, Farbe- u. Nutzhölzer, Zucker, Reis, Datteln, Droguen etc., Flechtwerk, Hüte, Leder etc.) belief sich im J. 1856 auf 2,333,141 Pesos macuquinos, die Ausfuhr edler Metalle auf 157,498 Pesos macuquinos; die Einfuhr (Wollen-, Baumwollen-, Leinen-, Seidenwaaren u. and. Manufacturwaaren, Industrie- u. Kunstgegenstände) in demselben Jahre: 2,486,706 Pesos macuquinos. Haupthandelshafen des Landes ist Guayaquil, einer der besten an der ganzen Westküste Südamerikas. Münzen, Maße u. Gewichte: Man rechnet nach Pesos macuquinos (ungeränderte Piaster) zu 8 Reales sencillos (1 Peso macuquino ungefähr 1 Thaler preuß. Cour.) od. nach mexicanischen Pesos duros zu 9 Reales od. 100 Centavos (erstere Rechnungsweise, namentlich für den inländischen Verkehr, letztere mehr für den auswärtigen Großhandel); außer den inländischen Münzen cursiren die Gold- u. Silbermünzen fast sämmtlicher amerikanischer Staaten zum Pariwerthe u. die französischen Fünffrankenstücke zu 1 Peso duro. In Wechseln auf Hamburg 1 Peso macuquino = 37 Schillinge Banco auf London 1 Pfund Sterl. = 640 Centavos macuquinos, auf Paris 100 Fr. = 25 Pesos maenquinos, auf New-York 100 Dollars = 125 Pesos maeuquinos. Maße u. Gewichte sind noch die alten spanisch-castilischen. Durch Decret der Regierung vom 5. Decbr. 1856 ward das französische Decimalsystem für Münzen, Maße u. Gewichte (resp. Francs, Mètres, Grammes) angenommen, u. die danach zu prägenden neuen Münzen sollen am 15. October 1858 ausgegeben werden. 2) Departamiento darin, 8910 QM., das größte des Staates, umfaßt die Cordilleren u. die östliche Abdachung derselben, zerfällt in die 3 Provinzen Pichincha od. Quito (mit der Hauptstadt Quito), Chimborazo od. Riobamba u. Imbaburas od. Ibarra; insgesammt 320,000 Ew. Vgl. Gaetano Osculati, Explorazione delle regioni equatorlali, Milano, 1850; F. Walpole, Four years in the Pacific, Lond. 1850, 2 Bde.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 5. Altenburg 1858, S. 467-468.
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