Ohr [1]

[239] Ohr (Auris), dem Menschen, sowie dem größten Theile der Thierarten u. allen der höheren Stufen, von den Fischen an aufwärts, paarig verliehenes Gehörorgan. Man unterscheidet äußeres u. inneres O., u. rechnet zu jenem alle Theile, welche, aus Knorpeln u. Knochen bestehend, zur Leitung des Schalls bis zu der Pauke (s. unten) dienen; zu diesem aber die innerhalb der Paukenhöhle u. von dieser aus noch tiefer liegenden, auf das Vernehmen von Tönen Bezug habenden Theile. A) Äußeres O.: a) der Haupttheil ist das knorpelige, einem Trichter ähnelnde, mit einem Rande umgebene Gebild, das in der Mitte der Seitenfläche des Kopfes, mit der Nase von gleicher Höhe, zum äußeren Kopfe gehört u. in Verbindung der einzelnen Theile, woraus es besteht, auch als Ohrknorpel (Auricula) unterschieden wird. Diese Windungen u. Vertiefungen erhalten eigene Namen: aa) Erhabenheiten: aaa) die Ohrleiste (Helix), der für den Ohrknorpel aufwärts einen auswärts gewölbten Rand bildende Theil; er fängt in der Mitte der Vertiefung des äußeren Ohres (Ohrmuschel) mit einer Spitze an, geht dann bogenförmig vorwärts, dann aufwärts u. hinten wieder abwärts, mit einer Spitze sich endigend, so daß er ein halbes Oval bildet. bbb) Die Gegenleiste (Anthelix), hat unter u. vor der Ohrleiste ihre Lage; sie hebt über dem Anfange dieser mit einem unteren u. einem oberen schwächeren Schenkel, an, welche, aufwärts sich wölbend, rückwärts gehen u. unter einem spitzigen Winkel sich vereinigen, worauf die noch stärker auswärts sich wölbende Erhabenheit, hinten, abwärts sich neigend, in die Gegenecke übergeht. ccc) Die Ohrecke (Tragus), eine ungleich viereckige Knorpelplatte mit drei freistehenden Rändern, einem oberen, unteren u. äußeren, unter dem Anfange der Ohrleiste u. dient als eine Klappe des äußeren Gehörgangs, so daß dieser dann geschlossen ist. ddd) Die Gegenecke (Antitragus), ragt, als eine kleine Knorpelplatte unter dem Ende der Gegenleiste, der Ohrecke nach hinten gegenüber, hervor; einwärts u. unterwärts steht sie, indem ihr die Ohrecke auf gleiche Art entgegenkommt, durch eine knorpelige Verlängerung mit dieser in unmittelbarer Verbindung. bb) Vertiefungen: aaa) die kahnförmige Grube (Scapha), die zwischen der Ohrleiste u. Gegenleiste aufwärts u. rückwärts gehende Höhlung; bbb) die eiförmige Grube (Fossa ovalis), zwischen beiden Schenkeln der Gegenleiste; ccc) die Ohrmuschel (Concha auris), eine rundliche Vertiefung zwischen der Ohrleiste u. Gegenleiste, der Ohrecke u. Gegenecke; ddd) der knorpelige Gehörgang (Meatus auditorius cartilagineus), die trichterförmige Verengerung der Ohrmuschel, die meist von der von der Ohrecke u. Gegenecke ausgehende Knorpelplatte, zum kleineren Theil hinten von der Ohrmuschel gebildet; ein Einschnitt zwischen dem oberen Rande der Ohrecke u. der Ohrleiste, sowie dem unteren Rande jener u. der Gegenleiste, macht diesen Gang zu einem Halbkanal; außerdem werden noch 2–3 meist halbmondförmige kleinere Einschnitte an ihm unterschieden; Faserngewebe, zuweilen Muskelfasern ähnlich, füllt die Zwischenräume aus; die durch die gedachten Einschnitte zum Theil getrennten Knorpelplatten werden von Ein. auch als einzelne Ohrknorpel unterschieden. Außer dem gezackten Rande, welcher mittelst dichten Zellstoffs mit dem rauhen Rande des äußeren knöchernen Gehörganges in Verbindung steht, sind noch drei bandartige Zellstoffstreifen als Ohrbänder (Ligamenta auriculae), ein vorderes, hinteres u. oberes, zu seiner Befestigung an benachbarten Theilen dienend, zu bemerken. Der ganze Kanal, welcher von der Ohrmuschel zu dem knöchernen äußeren Gehörgang führt, geht zuerst horizontal von außen nach innen, dann schräg von oben u. vorn nach hinten u. abwärts u. ist unten länger als oben. eee) Der knöcherne Gehörgang (Meatus auditorius osseus), ist die Fortsetzung des knorpeligen Gehörganges, aber durch eine Aushöhlung in dem unteren. Theile des Felsenbeins (s.u. Schläfebein) selbst gebildet. Seine äußere Mündung an der Grundfläche des gedachten Knochens wird als äußeres Gehörloch (Porus acusticus externus) unterschieden. Der Gang selbst, 1/2 Zoll lang, hat eine elliptische Form, ist in der Mitte enger u. erstreckt sich schräg von oben, hinten u. außen nach unten, vorn u. innen u. endigt sich am Paukenfelle, für welches sich eine oben offene Furche in dem Knochen findet. b) Angefügte Theile: aa) der Überzug des äußeren Ohres, durch eine dicht an den Ohrknorpeln anliegende settleere Fortsetzung der Hautbedeckung; blos von der Gegenecke geht eine Verdoppelung derselben von verschiedener Länge aus, welche, in ihrem Zellstoff etwas Fett enthält u. Ohrläppchen (Lobulus auris) heißt. Am Eingange in den äußeren Gehörgang erzeugen[239] sich in der äußeren Haut gewöhnlich kurze, seine Haare (Ohrbärchen); die hier seiner werdende Haut enthält eine Menge kleine Höhlen, welche Ausführungsgänge eines zu Absonderung des Ohrenschmalzes bestimmten Drüsengewebes sind. bb) Das Paukenfell (Membrana tympani), eine dünne Haut von elliptischer Form, wodurch das äußere O. von dem inneren abgegrenzt wird. Es hat in der bemerkten knöchernen Furche, schräg von oben nach unten u. innen, seine Lage so, daß der obere Rand dem Eingange in den äußeren Gehörgang näher, als der untere ist; die äußere Fläche, welche von der bis hierhin eindringenden, aber sehr dünnen Fortsetzung der äußeren Hautbedeckungen überzogen ist, ist unter ihrer Mitte etwas vertieft, die innere an derselben Stelle etwas gewölbt; es verbreiten sich verhältnißmäßig viele kleine Blutgefäße in diese Haut. c) Zugehörige Nebentheile: aa) Muskeln des äußeren Ohres, sie sind sämmtlich dünn u. klein, zerfallen in: aaa) solche, welche nach ihrer Lage das ganze äußere O., zu bewegen vermögen, namentlich der Aufheber des Ohres (Musculus attollens auriculae), der größte Ohrmuskel, welcher von der Sehnendecke des Schläfemuskels aus mit einer kurzen, dünnen Sehne an die hintere Fläche der Gegenleiste sich ansetzt; 2–3 Zurückzieher des Ohres (Musculi retrahentes auriculae), welche von dem zitzenförmigen Fortsatz des Schläfebeins aus zu der hinteren Fläche der Ohrmuschel gehen; u. der Vorwärtszieher des Ohres (Musc. attrahens auriculae), welcher über dem Jochfortsatze des Schläfebeins, von der Sehnendecke des Schläfemuskels entspringend, convergirend sich an der vorderen Fläche der Ohrleiste ansetzt; bbb) solche, welche nur einzelne Ohrknorpeltheile zu bewegen vermögen, sich aber überhaupt nur in stark muskulösen Körpern deutlich ausgeprägt finden: der Muskel der Ohrecke (Musc. tragicus), welcher unter der Ohrecke, von dem unteren Theile der vorderen Fläche des knorpeligen Gehörganges aus, sich über die äußere Fläche der Ohrecke verbreitet; der Muskel der Gegenecke (Musc. antitragicus), welcher von der hinteren Fläche der Gegenecke entspringt u. sich an der unteren Ecke der Gegenleiste befestigt; der größere u. kleinere Ohrleistenmuskel (Musc. helicis major et minor), von denen jener von einer kleinen Erhabenheit auf der convexen Fläche der Ohrleiste entspringt u. sich da endigt, wo die Ohrleiste sich hinterwärts krümmt; dieser aber auf der äußeren gewölbten Fläche der Ohrleiste da entsteht, wo sie aus der Muschel heraustritt u. sich auf der Stelle endigt, wo die Ohrleiste sich vorwärts krümmt; der quere Ohrmuskel (Musc. transversus auriculae), aus nicht genau vereinigten Querfasern bestehend, welche von der hinteren Fläche der Ohrmuschel über dieselbe Fläche der Gegenleiste bis zur Ohrleiste gehen. bb) Arterien, als Zweige der äußeren Kopfarterie; cc) Venen, welche von dem äußeren O. theils zur Schläfevene, theils zur Hinterhauptsvene gehen; dd) Nerven aus dem Gesichtsnerven, dem dritten Aste des fünften Gehirnnerven u. dem dritten Halsnerven.

B) Inneres O., die jenseit des Paukenfells besindlichen Höhlen des Ohres mit den darin unterschiedenen Ohrtheilen. a) Die Paukenhöhle (Cavitas tympani), eine unebene, längliche Höhle im unteren u. äußeren Theile des Felsenbeins; sie ist, außer der Knochenhaut, noch mit einer seinen Schleimhaut überzogen. In ihr unterscheidet man: aa) Erhabenheiten, welche sie selbst mit bilden helfen: aaa) das Vorgebirge (Promontorium), von rundlicher Form, dem Paukenfelle gegenüber, durch eine gewölbte Knochenplatte gebildet, welche zum Theil den Vorhof u. den Anfang der ersten Windung der Schnecke bedeckt; bbb) die pyramidalische Erhabenheit (Eminentia pyramidalis), auf der hinteren Wand der Paukenhöhle, mit schräg vor- u. oberwärts gerichteter Spitze u. einem seinen Löchelchen; von ihr geht oft ein seiner Knochenstreifen zu dem Vorgebirge; innerlich ist sie hohl; ccc) ein Knochenhügel, welcher den äußeren Bogengang bildet, auf der oberen Fläche der Paukenhöhle, hinterwärts. bb) Vertiefungen u. Löcher: aaa) Mündung des äußeren Gehörganges, durch das Paukenfell geschlossen; bbb) Mündung des knöchernen Theils der Eustachischen Röhre, jener Öffnung schräg gegenüber, einwärts u. vorwärts; ccc) Öffnung des Halbkanals für den Spanner des Paukenfells, über der vorigen Öffnung; ddd) das halbeiförmige Fenster (Fenestra semiovalis), über dem Vorgebirg in schräger Richtung von oben u. nach unten u. hinten, nach dem Vorhof führend; eee) das runde Fenster (Fenestra rotunda), von mehr dreieckiger Form, unter dem Vorgebirge, schräg von vorn nach hinten, in die Paukenhöhlentreppe der Schnecke führend u. durch eine dünne Haut verschlossen, welche auch als zweites Paukenfell (Membrana tympani secundaria) bezeichnet wird; fff) die Öffnung für die Paukensaite, unter u. hinter der pyramidalischen Erhabenheit; ggg) vier Öffnungen für Nervenverbindungszweige, zwischen dem zweiten Aste des fünften Gehirnnerven, dem Zungenschlundkopf- u. dem Gangliennerven unter u. über dem Vorgebirg; hhh) Loch der Glaserschen Spalte (s.u. Glaser), an der vorderen Wand der Paukenhöhle; iii) Grube der Knochenzellen des zitzenförmigen Fortsatzes in dem hintersten Theile der Paukenhöhle, hinter u. unter dem Vorgebirge, von rundlicher Form; kkk) Vertiefung für den Kopf des Hammers u. den Körper des Amboßes, zwischen den Erhabenheiten des äußeren Bogenganges, dem Vorgebirge u. dem halbeiförmigen Fenster; lll) die Bucht der Paukenhöhle (Sinus tympani), eine Vertiefung zwischen der pyramidalen Erhabenheit u. dem halbeiförmigen Fenster. cc) Theile in der Paukenhöhle: aaa) die drei großen u. kleinen Gehörknöchelchen, die vereinigt der Reihe nach von dem Paukenfell aus bis zu dem halbeiförmigen Fenster ihre Lage haben u. den Schall weiter nach innen leiten, größtentheils aus sehr dichter Substanz bestehend, namentlich: α) der Hammer (Malleus), an welchem man einen keulenförmigen, mit einer Gelenkfläche versehenen Kopf, einen von demselben abgehenden kurzen u. platten Hals u. einen langen, dünnen u. rundlichen, etwas gekrümmten Griff, außerdem aber noch zwei Fortsätze vom Halse aus, einen kurzen, stumpfen u. einen langen gekrümmten, unterscheidet. Der Griff ist mit seinem, mit einem Knöpfchen versehenen Ende zwischen dem Paukenfelle eingewachsen; der kurze Fortsatz liegt mit seiner Spitze an dem Paukenfelle, der lange legt sich in die der oberen vorderen Theile der Rinne des Paukenfells an die Öffnung der Glaserschen Spalte; der Kopf erstreckt sich bis über den oberen Rand[240] des Paukenfells in den oberen Theil der Paukenhöhle. β) Der Amboß (Incus), liegt an der schräg nach innen u. unten gerichteten Gelenkfläche des Kopfes des Hammers in der gedachten Vertiefung der Paukenhöhle oben u. hinten; er gleicht einem Backzahn mit zwei stark divergirenden Wurzeln. Man unterscheidet an ihm den Körper, od. den stärkern zur Verbindung mit dem Hammer gleichfalls mit einer Gelenkfläche versehenen Theil, u. zwei Schenkel od. Fortsätze, einen oberen, hinteren, kürzeren, u. einen längern, untern; auf der stumpfen Spitze des letztern befindet sich eine knopfförmige Erhabenheit, welche sich bei Thieren als ein kleines Knöchelchen abtrennen läßt u. von mehrern neuern Anatomen auch als ein eigner (vierter) Gehörknochen, Rundliches Gehörknöchelchen (Os orbiculare), betrachtet wird. γ) Der Steigbügel (Stapes), steht mit dem als Knöpfchen unterschiedenen flach vertieften Theile mit dem Gehörknöchelchen in Gelenkverbindung; von ihm gehen die als Schenkel bezeichneten beiden bogenförmigen Seitentheile ab, die sich an den Grundtheil (Tritt), eine eirunde Knochenplatte, anfügen, welche in dem halbeiförmigen Fenster ihre Lage hat, aber durch die Schleimhaut der Paukenhöhle so lose befestigt ist, daß sie mit ihrer innern flach gewölbten Fläche nach dem Vorhof hinein u. auch heraus bewegt werden kann, so daß dadurch auch der sämmtlichen Reihe der Gehörknöchelchen eine Beweglichkeit ertheilt ist. bbb) Bänder der Gehörknöchelchen: α) Kapselbänder, zur Gelenkverbindung des Kopfes des Hammers mit dem Körper des Amboßes, so wie seines knopfförmigen Fortsatzes mit dem Knöpfchen des Steigbügels dienend, sehr klein u. dünn; β) Band des Hammers, von der vordern Fläche der Paukenhöhle zwischen dem Hammer u. beut Steigbügel zum Handgriffe des Hammers; γ) das Hammer- u. Amboßb and, von der hintern Fläche der Paukenhöhle zum langen Fortsatze des Amboßes u. zum Handgriffe des Hammers; δ) das Amboßbändchen, aus der obern Grube der Paukenhöhle zu einem kleinern Einschnitte an der Spitze des kürzern Schenkels des Amboßes gehend. ccc) Muskeln der Gehörknochelchen: α) der Spanner des Paukenfells (Tensor tympani), hat seinen äußern Ansatz an dem hintern untern Rande des Keilbeins, in der Nähe des Keilbeinstachels u. des beweglichen Theils der Eustachischen Röhre, geht durch den knöchernen Halbkanal über dieses u. in derselben schräg von vorn nach hinten u. außen in die Paukenhöhle hinein, wo dann seine kurze, dünne Sehne über eine Rolle, od. ein Querbändchen, fast rechtwinklich sich wegschlagend, an dem Halse des Hammers unterdem längern Fortsatze sich anfügt; indem das Paukensell dadurch gespannt wird, wird zugleich der Steigbügel in das halbeiförmige Fenster gedrückt; β) der große Erschlaffer des Paukenfells (Laxator tympani major), entspringt vor der äußern Fläche des Keilbeinstachels, geht gegen die Glasersche Spalte zu u. dringt mit seiner dünnen Sehne durch den hintern Theil derselben in die Paukenhöhle, wo er sich an den langen Fortsatz des Hammers ansetzt; γ) der kleine Erschlaffer des Paukenfells Laxatortympani minor), nicht immer unterscheidbar, geht vom obern Theile des Randes, der den äußern Gehörgang begrenzt, an der innern Fläche des Paukenfells schräg nach vorn u. innen hinab u. heftet sich an die Wurzel des kurzen Fortsatzes des Hammers. Die Wirkung dieses u. des vorigen Muskels entspricht ihrer Benennung u. ist der des folgenden Muskels entgegengesetzt; δ) der Steigbügelmuskel (Stapedius), hat an der innern Fläche der ihn einschließenden pyramidalischen Erhabenheit seinen Hauptansatz u. fügt sich mit seiner vorwärtsgehenden Flechse an der hintern Fläche des Knöpfchens des Steigbügels an; durch ihn wird dieser tiefer in das halbeiförmige Fenster eingedrückt u. in Folge davon auch das Paukenfell gespannt. ddd) Gefäße des Paukenfells: Arterien, aus denen des äußern Ohres, bes. durch die Grisselzitzenarterie (s.u. Kopfarterien), u. Venen u. lymphatische Gefäße, die sich in die des äußeren Ohres ergießen. eee) Nerven der Paukenhöhle, aus mehrern Gehirnnerven, deren Äste sich in die Gegend des Ohres verbreiten. b) Die Eustachische Röhre (Tuba Eustachii, Ohrentrompete), eine, zur Hälfte nach außen knöcherne, nach innen häutige, mit Schleimhaut ausgekleidete, sich vom vorderen, unteren u. inneren Theile der Paukenhöhle, schräg vor-, ein- u. abwärts, zur Seitenwand der. Pharynx ziehende Röhre. c) Das (knöcherne) Labyrinth (Labyrinthus), mehrere Knochenhöhlen u. Windungen, die über der u. an der innern Fläche der Paukenhöhle, von der Basis des Felsenbeins an bis zu dessen Spitze, neben einander liegen u. ähnliche häutige Gebilde in sich befassen, in welche der Gehörnerv sich verbreitet. Namentlich gehört hierher: aa) der Vorhof (Vestibulum), eine kleine, rundliche, einwärts u. aufwärts gerichtete Vertiefung, ungefähr in der Mitte des Felsenbeins. In ihm sind aaa) als Grübchen u. Löcher unterscheidbar: α) das halbkugelige Grübchen (Fovea hemisphaerica), eine seichte Vertiefung an der obern Wand, nach vorn u. innen, neben der. Schnecke, von dem innern Gehörgange nur durch ein dünnes, sein durchlöchertes Knochenplättchen geschieden; β) das halbelliptische Grübchen (Fossa semielliptica), eine ähnliche Vertiefung in der obern Wand, neben der vorigen nach außen, hinten neben den Bogengängen, unterwärts in eine furchenförmige Grube übergehend; γ) das halbeiförmige Fenster, zur Verbindung mit der Paukenhöhle (s. oben B) a); δ) der eirunde Eingang zur Schnecke (Apertura scalae cochleae), über dem halbeirunden Fenster, von fast derselben Größe; ε) fünf Öffnungen der drei Bogengänge (s. unt. bb); ζ) die Öffnung der Wasserleitung des Vorhofs (Apertura aquaeductus vestibuli, s. unt. dd), in der furchenförmigen Grube; η) mehre kleine Löcher zum Durchgange der Ästchen des Gehörnerven; bbb) als Erhabenheiten: α) eine Leiste zwischen dem halbkugelförmigen u. dem halbelliptischen Grübchen; β) die pyramidalische Erhabenheit, eine etwas höhere, sein durchlöcherte Hervorragung zwischen jenen Grübchen. bb) Die Bogengänge (Canales semicirculares), drei Kanäle, in der dichtesten Masse des Felsenbeins, über u. hinter dem Vorhofe, zum Theile über der Paukenhöhle gelegen, von denen jeder etwas mehr als einen halben Kreis bildet, die vom Vorhof ausgehen u. etwas geschlängelt zu demselben sich wieder zurückwinden; man bezeichnet sie als obern u. vordern, hinteren u. unteren, äußeren u. mittleren; erstere beide sind fast senkrecht, der letzte ist fast horizontal gerichtet; der hintere Schenkel der erstern vereinigt sich mit des obern des zweiten zu[241] einer gemeinschaftlichen Öffnung. cc) Die Schnecke (Cochlea), besteht aus einem knöchernen Kanale, der, wie ein Gartenschneckenhaus, mit einer Spindel (Modiolus) in der Mitte, 21/2 Windungen macht. Sie liegt am weitesten aufwärts, gegen die Spitze des Felsenbeins zu, mit ihrer Basis schräg in- u. hinterwärts gegen den innern Gehörgang, mit ihrer Spitze schräg aus- u. vorwärts gerichtet; der Anfang des Kanals ist gerade unter dem halbeiförmigen Fenster; von da biegt sie sich zuerst aus- u. abwärts u. nimmt hier das runde Fenster auf; darauf geht sie wieder ein wenig vorwärts, von wo an erst sie sich windet. Eine Knochenplatte (Spiralblatt, Lamina spiralis), welche von der Öffnung des Vorhofs der Schnecke an sich um die Spindel herumwindet, theilt die ganze Höhle des Kanals in zwei Gänge (Treppen, Scalae cochleae), die durch eine die knöcherne Scheidewand ergänzende Haut geschieden werden. Der eine Gang (Treppe der Paukenhöhle, Scala tympani), liegt nach außen u. ist weiter; der andere (Treppe des Vorhofs, Scala vestibuli), über dem halbeirunden Loche anhebend, liegt nach innen. Die innere ausgehöhlte Wand des Kanals der Schnecke bildet die Spindel, um welche der Kanal herumläuft, u. welche, nach Eröffnung dieses Kanals, in der ersten u. zweiten Windung der Schnecke die Form einer Walze hat; ihr Durchmesser beträgt in der ersten Windung 11/2 Linien, in der zweiten aber kaum 1/2 Linie; auch in der dritten Windung bildet die innere ausgehöhlte Wand des Kanals der Schnecke eine Spindel, aber nicht mehr als eine Walze, sondern dieselbe besteht blos aus einem gewundenen dünnen Knochenplättchen, welches von dem Ende der walzenförmigen Spindel in der zweiten Windung aus bis zur Decke der Schneckenspitze hingeht u. hier sich anheftet; der freie Rand dieses Knochenplättchens, längs der Achse der Schnecke, ist glatt u. abgerundet u. meist der Länge nach etwas ausgehöhlt; bisweilen aber bildet es ein kleines Säulchen bis zur Schneckenspitze; durch die Achse der Spindel geht ein kleines Kanälchen zur Leitung der Nerven; bis zur zweiten Windung ist die Spindel mit zelliger Knochenmasse angefüllt, in welche sich ebenfalls Nervenzweige verbreiten, die durch viele kleine Löcher in die. Wand der Spindel zwischen den Platten des Spiralblattes der Schnecke gehen. dd) Die Wasserleitungen (Aquaeductus), enge Kanäle, die im Lahyrinth anheben u. auf der Oberfläche des Felsenbeins ausgehen; sie dienen zum Durchgange von Gefäßen u. einer Fortsetzung des häutigen Labyrinths. Man unterscheidet; aaa) die Wasserleitung des Vorhofs, die, von der furchenähnlichen Vertiefung in dem Vorhofe an, nach außen u. innen geht u., allmälig sich erweiternd, mit einer breiten Mündung unter einer Ritze auf der hintern Fläche des Felsenbeins sich endigt, u. bbb) die Wasserleitung der Schnecke, die von der Paukentreppe der Schnecke aus rückwärts u. abwärts geht u. mit einer dreieckigen Öffnung auf der untern Fläche des Felsenbeins sich endigt. ee) Das häutige Labyrinth, ein Hauptgebilde innerhalb des knöchernen Labyrinths, zunächst durch die Höhlen gebildet, welche die Knochenhaut auf der innern Fläche der Grübchen u. Windungen desselben darbietet, in welchen aus einer sehr seinen weißlichen Haut geformte Säckchen u. Kanäle aufgenommen sind. Im Vorhofe finden sich zwei Säckchen (Sacculi), ein kleines rundliches, ganz verschlossenes, zum Theil in der die häutigen Bogengänge ausgehen, die im Anfange sich in Bläschen (Ampullae) erweitern; im übrigen aber die Form der knöchernen Bogengänge haben, in denen sie aufgenommen sind. Das Spiralblatt der Schnecke wird durch ein häutiges Spiralblatt ergänzt, so daß dadurch eine vollständige Scheidewand gebildet wird. In der Spitze findet sich in der Scheidewand eine kleine Öffnung, wodurch beide Treppen in Gemeinschaft mit einander stehen; Fortsetzungen des häutigen Labyrinths, durch die Wasserleitungen nach außen gehend, bilden zwischen dem Felsenbeine u. der harten Hirnhaut kleine, blinde Säcke. In dem häutigen Labyrinth selbst wird eine helle, eiweißstoffartige Feuchtigkeit (Labyrinthwasser) abgesondert (vgl. Cotunni). Die Arterien des Labyrinths entspringen meist aus der innern Ohrarterie, einem Zweige der Basilararterie (s.d.). Die Venen ergießen sich theils durch die Wasserleitungen in den Querblutbehälter u. den Anfang der Drosselader (s.d.), theils durch die innere Ohrvene in den untern Felsenbeinblutbehälter. Die Nervenkanäle in dem Felsenbeine gehören wenigstens theilweise hierher. An der hintern Fläche des Felsenbeins findet sich eine elliptische, scharfrandige Öffnung, Inneres Gehörloch (Porus acusticus internus), welcher der Anfang eines schräg vor- u. auswärts gehenden Kanals (Innerer Gehörgang, Meatus auditorius internus) ist, sich aber sehr bald theilt. In dies innere Gehörloch treten der Gehör- u. der Gesichtsnerv (7. u. 8. Gehirnnerv, s.d. G) ein., Nur erster gehört u. gelangt zum innern O., letzterer geht durch den Fallopischen Kanal, der sich zwischen den im Felsenbein liegenden Ohrtheilen durchwindet u. sich durch das Griffelloch auf der Gesichtsfläche endigt; von ihm aus gehen kleine Seitenkanäle ab, durch welche Nervenäste zur Verbindung mit andern des zweiten Astes des dritten Gehirnnerven, wie auch zu innern Ohrmuskeln, hindurchgehen (vgl. Paukensaite). Für erstern der gedachten Nerven, der als eigentlicher Sinnennerv zu dem O. gehört, bilden sich in dem gemeinschaftlichen Kanal zwei gesonderte Gänge, von denen der eine für den zur Schnecke, der andere für den zum Vorhof gehenden u. in beiden Gebilden sich vertheilenden Gehörnerven bestimmt ist.

An Thieren finden sich zuerst bei Fischen ein Analogon eines Gehörorgan: es sind nämlich drei Bogengänge in der Schädelhöhle u. ein Vorhof unterscheidbar, welche Theile mit eigenen Nerven (hier vom fünften Paare) in Verbindung stehen. Bei manchen Fischen steht die Schwimmblase durch hohle Fortsätze mit ihrem innern Ohre in Verbindung; bei andern wird diese Verbindung, außer den sogen. Steinchen, durch drei mit dem Hammer, Amboß u. Steigbügel zu vergleichenden Knöchelchen bewirkt; nach Andern sind die Kiemendeckel als Andeutungen der Gehörknöchelchen zu betrachten. Bei den Amphibien (mit Ausnahme der meisten Schlangen) findet sich, außer der Pauke, meist auch noch die Eustachische Röhre, doch nur beim Krokodil ein äußerer Gehörgang. Bei Vögeln vertritt die Stelle des äußeren Ohres die, zumal bei vielen Raubvögeln, regelmäßige excentrische Stellung der Federn um die Öffnung des äußeren Gehörgangs; sie haben nur Ein Gehörknöchelchen u. keinen eigentlich schneckenförmig, sondern nur zapfenförmig, wiewohl in zwei [242] Gänge geschiedenen Ohrtheil. Von den Säugethieren haben alle, mit Ausnahme der meisten Gattungen des Robbengeschlechts, des Schnabelthiers u. des Maulwurfs, äußere Ohren, alle einen äußern Gehörgang u. überhaupt eine der menschlichen entsprechende innere Ohrbildung.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 12. Altenburg 1861, S. 239-243.
Lizenz:
Faksimiles:
239 | 240 | 241 | 242 | 243
Kategorien:

Buchempfehlung

Klingemann, August

Die Nachtwachen des Bonaventura

Die Nachtwachen des Bonaventura

Erst 1987 belegte eine in Amsterdam gefundene Handschrift Klingemann als Autor dieses vielbeachteten und hochgeschätzten Textes. In sechzehn Nachtwachen erlebt »Kreuzgang«, der als Findelkind in einem solchen gefunden und seither so genannt wird, die »absolute Verworrenheit« der Menschen und erkennt: »Eins ist nur möglich: entweder stehen die Menschen verkehrt, oder ich. Wenn die Stimmenmehrheit hier entscheiden soll, so bin ich rein verloren.«

94 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Frühromantik

Große Erzählungen der Frühromantik

1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.

396 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon