Esterhazy von Galantha

[913] Esterhazy von Galantha, eins der ältesten, mächtigsten u. reichsten Geschlechter Ungarns, katholischer Confession, residirt zu Eisenstadt in Ungarn u. Wien. Die E-s leiten ihren Ursprung auf Estoras, angeblichen Abkömmling Attilas, zurück, welcher um 4969 in der Taufe den Namen Paul angenommen haben soll. Das Geschlecht theilte sich 1238 in die Linien E. u. Illyeshazy (letzteres jetzt ausgestorben) u. 1) Niklas I., erwarb 1421 durch Diplom des Kaisers Sigismund, dem er in Krieg u. Frieden wichtige Dienste geleistet hatte, die Herrschaft Galantha im Presburger Comitat, woher der Beiname. 2) Franz IV., Urenkel des Vorigen, st. 1595; er ist der Stammvater des jetzt bestehenden Hauses E., indem dessen Söhne 3 Linien. gründeten: 3) Daniel I., geb. 1580 u. gest. 1654, die ältere Hauptlinie zu Cseßneck, welche 1683 in den Grafenstand erhoben wurde; 4) Paul III., geb. 1581 u. gest. 1641, die mittlere zu Zolyom (Altsohl), welche ebenfalls 1683 in den Grafenstand erhoben wurde; u. 5) Nikolaus II., geb. 1587 u. gest. 1645, die zu Forchtenstein od. Frakno, bereits 1622 in den Grafenstand erhoben. Jetzt theilt sich die Familie E. in 4 Häuser: I. Haus Forchtenstein; A) Ältere (fürstliche Linie), in derselben wurde vom Kaiser Leopold J. 1687 der je Älteste u. 1783 die ganze Familie zu Reichsfürsten ernannt. 1804 wurde der Fürst durch Erwerbung der (dem Fürsten von Ligne als Entschädigung für seinen Besitz auf dem linken Rheinufer zugesprochenen) Grafschaft Edelstetten Reichsstand u. letztere Grafschaft 1805 gefürstete Reichsgrafschaft; 1806 wurde diese Grafschaft mediatisirt u. kam unter baierische Hoheit. Das Majorat dieser Linie besteht aus 29 Herrschaften mit 91 Schlössern, 60 Marktflecken u. 414 Dörfern in Ungarn; dazu die Herrschaften Rottenstein u. Schwarzbach in Niederösterreich, die gefürstete Grafschaft Edelstetten in Baiern u. die Herrschaft Gailingen in Baden. Merkwürdig sind: 6) Nikolaus, Freiherr von Galantha, Bischof von Trau u. Einen. 7) Paul III. 1624 Palatin von Ungarn, s.d. (Gesch.). 8) Fürst Paul IV., Sohn des Palatin Nikolaus E., geb. 1635 in Eisenstadt, wurde im 20. Jahre Gouverneur von Ödenburg, im 30. Feldmarschall, zeichnete sich durch große Tapferkeit, bes. im Türkenkriege u. in der Schlacht von St. Gotthard, aus, wurde 1681 zum Palatin von Ungarn erwählt, erhielt nach dem Frieden den Oberbefehl an der türkischen Grenze, hielt Tököly, Rakoczy u.a. Mißvergnügte klug in Zaum, trug 1683 wesentlich zur Befreiung Wiens bei, entriß 1686 den Türken Ofen mit eigens geworbenen Truppen, trug viel dazu bei, die Königswürde in Ungarn erblich zu machen, wurde 1687 Fürst u. erhielt später das Recht, Münzen mit seinem Bildniß zu schlagen u. zu adeln, baute das Schloß Eisenstadt, befestigte Forchtenstein u. st. 1713. Er war ein Freund u. Beförderer der Wissenschaften. 9) Fürst Nicolas III., Enkel des Vor., Sohn Joseph Antons (st. 1721), geb. 1714, wurde k. k. Geheimerath u. Feldmarschall, Gesandter an mehreren Höfen u. zeichnete sich im Österreichischen Erbfolgekrieg aus, bes. 1745, wo er 12,000 M. Ungarn in Schlesien befehligte. Als eifriger Beförderer der Wissenschaften u. Künste, bes. der Musik, errichtete er in Eisenstadt eine Musikschule, aus welcher Haydn u. Pleyl hervorgingen. Er st. 23. Septbr. 1790. 10) Fürst Nikolas IV., Magnat von Ungarn, Enkel des Vorigen u. Sohn des Feldmarschalllieutenants Paul Anton (geb. 1799, st. 1794), geb. 12. Dec. 1765, betrat die diplomatische Laufbahn u. wurde mehrere Male mit Gesandtschaften betraut; als 1797 die Franzosen die Erbstaaten des Kaisers bedrohten, veranstaltete er eine Bewaffnung seiner Unterthanen, stellte 1809 1000 Freiwillige u. erließ denen, die unter den Fahnen blieben, alle rückständigen Steuern; von 1801–1816 war er in wichtigen diplomatischen[913] Angelegenheiten in Paris, London, Petersburg u. zuletzt seit 1816 in Neapel. Ein Freund der Wissenschaften u. Künste, gründete er die herrliche Gemäldegallerie in der Vorstadt Mariahilf in Wien u. st. 24. Nov. 1833 in Como. 11) Fürst Paul Anton, gegenwärtiges Haupt der älteren fürstlichen Familie des Hauses Forchtenstein, Sohn des Vor., geb. 11 März 1786. Als Napoleon 1809 durch Trennung Ungarns Österreich zu schwächen gedachte, soll er ihm insgeheim die Krone angetragen, der Fürst sie jedoch ausgeschlagen haben; er wurde k. k. Kämmerer, 1810 vom Kaiser Franz II. dem Marschall Berthier entgegen geschickt, als dieser für Kaiser Napoleon um die Hand der Erzherzogin Marie Louise warb, war dann österreichischer Gesandter im Haag, 1814 in Rom, hierauf Botschafter in London, wo er 1830–36 als Mitglied der Londoner Conferenz für Erhaltung des Friedens wirkte, ging 1841 auf Urlaub nach Wien u. befand sich im Febr. 1842 schon auf dem Rückweg dahin, als er in Nürnberg erkrankte, nach Wien zurückkehrte u. dort um seine Abberufung anhielt, welche im März auch erfolgte. Nach der Rückkehr in sein Vaterland förderte er die Bestrebungen der nationalen ungarischen Partei; er trat 1848 in das Ministerium Batthyanyi, legte aber dieses Amt im Aug. d. I., vor dem Bruch mit Österreich, nieder u. ist seitdem dem politischen Schauplatz fern geblieben. Er ist seit 1812 vermählt mit Therese, geb. Prinzeß von Thurn u. Taxis (geb. 1794); sein Sohn Nicolaus, geb. 1817, ist Rittmeister in der Armee u. seit 1853 Wittwer von Lady Sahra Frederica Caroline, Tochter des Earl of Jersey; B) Jüngere Gräfliche) Linie: a) Älterer Zweig zu Dotis: Chef: 12) Graf Nicolaus, Sohn des am 8. Febr. 1856 verstorbenen Grafen Nicolaus, geb. 1804, ist seit 1833 vermählt mit. Marie, geb. Gräfin zu Plettenberg-Mietingen (geb. 1809), sein ältester Sohn Paul ist geb. 1834. 13) Graf Moritz, Bruder des Vor., geb. 1809, war bis März 1856 k. k. außerordentlicher Gesandter u. bevollmächtigter Minister in Rom; vermählt seit 1854 mit Polyxena, geb. Prinzeß von Lobkowitz (geb. 1830); b) Jüngerer Zweig zu Lanschitz: Chef: 14) Graf Michael, geb. 49. Novbr. 1794, Wittwer seit 1844 von Sophie, geb. Freiin op dem Hamme; er hat keine Kinder; sein noch lebender einziger Bruder Karl ist geb. 1799, Geheimer Rath u. seit 1847 Wittwer von Antonie, geb. Fr. von Perényi, dessen älterer Sohn Anton ist geb. 1820. – II. Haus Hallewyl, gestiftet vom Grasen Valentin Nicolas, General in einem französischen Husarenregiment u. vermählt mit Gräfin Maria Franziska von Hallewyl, ihre Mitglieder lebten lange in Frankreich u. kehrten zu Anfang des 19. Jahrh. nach Österreich zurück; jetziger Chef: 15) Graf Valentin, Sohn des 1838 verstorbenen Grafen Valentin, geb. 28. Januar 1g 14, k. k. Kämmerer, österreichischer Gesandter früher in Stockholm, 1847 u. 1848 u. wieder seit Juni 1850 in München, seit Jan. 1854 in Petersburg; er war Ende 1855 Überbringer der Friedensbedingungen von Österreich nach Rußland u. wurde 1858 von seinem Posten abberufen. Er ist unvermähät; sein Oheim Graf Ladislaus, geb. 1797, ist ebenfalls unvermählt. – III. Hans Altsohl, gestiftet von Paul III., s. eben 4), zerfiel sonst in mehrere u. Zweige, die aber alle bis auf eine wieder ausgestorben sind; jetziger Chef: 16) Graf Casimir, Sohn des 1829 verstorbenen Grafen Joh. Nepom. Casimir, geb. 15. Novbr. 1805, in zweiter Ehe seit 1842 vermählt mit Aspasia, geb. Fr. von Montreal (geb. 1804), sein Sohn aus dieser Ehe, Daniel, ist geb. 1843.– IV. Haus Cseßnek, gestiftet von Daniel, s. oben 3), sie zerfällt in: A) Ältere Linie: gegründet von Daniel VI., jetziger Chef: 17) Graf Aloys, Sohn des 1840 verstorbenen Grafen Johann, geb. 19. Febr. 1780, k. k. Kämmerer u. Oberstlieutenant, vermähltseit 1818 mit Johanne geb. Gräfin Batthyányi (geb. 1797), ist kinderlos; 18) Graf Georg, der Neffe des Vor., Sohn des Grafen Georg, geb. 14. Juli 1811, war früher österreichischer Botschafter in Petersburg, seit Jan. 1849 Gesandter in Madrid, zuletzt in Berlin, wo er 24. Juni 1856 starb; war vermählt seit 1847 mit Luise, geb. Prinzeß Rohan-Chabot (geb. 1824). B) Jüngere Linie: gestiftet von Emmerich VII.; jetziger Chef: 19) Graf Joseph, geb. 8. Mai 1799, vermählt seit 1823 mit Rosalie, geb. von Barthodiosky; sein Sohn Geiza ist 1834 geboren; der älteste der Söhne seines Vaters Bruders, des 1838 verstorbenen (Grafen Emmerich), ist Graf Paul, geb. 1904, k. k. Rittmeister, vermählt seit 1837 mit Antonie, geb. Gräfin Vicsay (geb. 1812).

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 5. Altenburg 1858, S. 913-914.
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