Douglas [2]

[146] Douglas (spr. döggläs), eins der ältesten Geschlechter Schottlands, soll der Sage nach von einem Krieger[146] abstammen, der 770 eine Schlacht des Skotenkönigs Solvathius gegen Donald, König der westlichen Inseln, entschied und wegen seiner dunkeln Gesichtsfarbe Dhuglas, »der schwarze Mann«, genannt wurde. Doch scheint ein in Schottland eingewanderter Flamänder, Theobald, dem 1160 die Ländereien von D. verliehen wurden, der Ahnherr des Geschlechts zu sein. Vgl. Hume of Godscroft, History of the houses of D. and Angus (1644; neuer Abdruck, Edinb. 1748, 2 Bde.); Sir W. Fraser, The Douglas Book (Lond. 1885, 4 Bde.); Maxwell, History of the house of D. (das. 1902, 2 Bde.). Die namhaftesten Sprößlinge des Geschlechts sind:

1) William, genannt the Hardy (»der Kühne«), verteidigte 1296 Berwick gegen König Eduard I. von England, geriet bei Erstürmung der Stadt in Gefangenschaft, nahm, kaum in Freiheit gesetzt, mit Wallace nochmals den Kampf gegen jenen auf, fiel aber wieder in englische Gefangenschaft, in der er 1298 starb.

2) James, genannt the Good (»der Gute«), Sohn des vorigen, geb. um 1286, war der treue Gefährte des Königs Robert Bruce in dessen Kämpfen gegen die Engländer. Seine verheerenden Züge machten ihn so gefürchtet, daß die Drohung »Der schwarze D. kommt!« zum Schreckwort für Kinder diente. Nach langen Kämpfen vermittelte er den Frieden von Northampton (1. März 1328). Auf einer Reise nach Palästina begriffen, um das Herz des verstorbenen Königs Robert Bruce dessen Willen gemäß dahin zu bringen, trat er in die Dienste Alfons' XI. von Kastilien und fiel im Kampf gegen die Mauren 1330.

3) Archibald, Bruder des vorigen, war während der Minderjährigkeit von David Bruce, dem Sohne Roberts, Regent von Schottland, vertrieb 1332 den dem Land aufgedrungenen König Eduard Baliol und verlor 1333 bei einem Einfall in Northumberland in der Schlacht bei Halidonhill Sieg und Leben.

4) Sir William D., Ritter von Liddesdale, gest. 1353, war einer der tapfersten Anführer der Schotten während der Minderjährigkeit des David Bruce, wurde aber 1333 an der Grenze geschlagen, gefangen und erst nach 2 Jahren befreit. In der Schlacht von Nevilscroß (17. Okt. 1346) abermals gefangen, wurde er erst nach 6 Jahren infolge eines Vertrags mit dem König von England,. worin er sich diesem zu verschiedenen Dienstleistungen verpflichtete, freigelassen.

5) William IV., erster Graf von D., Archibalds Sohn, nahm die Kämpfe mit den Engländern erfolgreich wieder auf, beteiligte sich 1356 auf seiten der Franzosen an der Schlacht von Poitiers und ward 1358 zum Grafen erhoben; er starb im Mai 1384.

6) James II., zweiter Graf von D., Sohn des vorigen, machte 1388 einen verheerenden Einfall in Northumberland, wobei er das Banner Heinrich Percys, des Heißsporns, erbeutete, ward aber auf dem Rückzug von diesem verfolgt und fiel im August 1388 bei Otterburne. Den Grafentitel erbte Archibald II., genannt the Grim (»der Grimmige«), natürlicher Sohn von D. 2), geb. um 1328, gest. 1400.

7) Archibald III., vierter Graf von D., Sohn von Archibald II. dem Grimmigen, ward bei einem Einfall in England im September 1402 bei Homildon Hill in Northumberland geschlagen und gefangen; er wurde zwar bald freigelassen, geriet aber in der Schlacht bei Shrewsbury (1403) von neuem in Gefangenschaft. Nachdem er 1408 die Freiheit wiedererlangt hatte, half er 1423 mit 10,000 Mann dem französischen König, der ihm das Herzogtum Touraine verlieh, fiel aber 17. Aug. 1424 bei Verneuil in der Normandie als Befehlshaber des französischen Heeres gegen die Engländer.

8) Archibald IV., Sohn und Nachfolger des vorigen, nahm seit 1420 an den Kämpfen in Frankreich teil, erhielt die Grafschaft Longueville in der Normandie und wirkte 1423 als Gesandter in England für die Befreiung König Jakobs I., wofür er aber von diesem wenig Dank erntete. Erst während der Minderjährigkeit Jakobs II. gelangte er zu Einfluß, wurde 1438 erster Regent von Schottland, starb aber 26. Juni 1439. Seine Söhne Wilhelm und David wurden 1440 in Edinburg auf Betreiben der für Jakob II. regierenden Minister Sir Alexander Livingston und Sir William Crichton ermordet. Den Titel erbte James III., zweiter Sohn Archibalds II., seit 1437 Graf von Avondale, gest. 1443.

9) William, Sohn James' III., stürzte 1443 den Günstling Jakobs II. Crichton und ward zum Generalstatthalter von Schottland ernannt, geriet aber 1451 mit dem König, der wiederum von Crichton beherrscht wurde, in Konflikt und wurde 21. Febr. 1452 zu Stirling am Hofe, wohin er sich mit sicherm Geleit begeben hatte, trotz der ihm erteilten Zusicherungen ermordet; Jakob II. selbst brachte ihm die erste Wunde bei.

10) James, Bruder des vorigen, verschwor sich zur Rache wegen des an William begangenen Mordes, unterwarf sich dem König zwar im August, geriet aber 1455 abermals mit diesem in Streit und floh, als sein Hauptanhänger, Lord Hamilton, ihn verließ, nach England. Nachdem seine Brüder, die den Kampf fortsetzten, noch im selben Jahr umgekommen waren, war die Macht des Hauses D. gebrochen; James wurde 1483 bei einem Einfall in das schottische Grenzgebiet gefangen und starb im Kloster Lindores 14. Juli 1488. Mit ihm erlosch die ältere Linie des Hauses D.; die Güter wurden teils eingezogen, teils gingen sie auf eine Linie über, die von George, dem zweiten Sohn Williams IV., abstammte und seit 1389 den Titel der Grafen von Angus führte.

11) Archibald, fünfter Graf von Angus, der große Graf oder auch der Katzenglöckner (»Bell-the-Cat«) genannt, ältester Sohn des eben erwähnten George, nahm 1482 und 1488 an den Adelsverschwörungen gegen Jakob III. lebhaften Anteil. Nach Jakobs IV. Thronbesteigung wurde D. Vormund des jungen Königs, war 1493–98 Reichskanzler und folgte 1513 Jakob IV. in den unglücklichen Feldzug nach England; am Abend vor der Schlacht bei Flodden, die er vergeblich widerraten hatte, verließ er das schottische Lager, ließ aber seine zwei Söhne zurück, die mit 200 Rittern des Namens D. in der Schlacht fielen. Er selbst starb 1514.

12) Gavin, einer der ältesten schott. Dichter, geb. um 1474 als dritter Sohn des vorigen, gest. 1522, studierte zu Paris, widmete sich dem geistlichen Stand und ward Rektor von Hawick, später Bischof von Dunkeld. In den stürmischen Wirren der Zeit zeichnete er sich durch Mäßigung und Friedsamkeit aus. Als Dichter genoß er großes Ansehen. Sein Hauptwerk ist das dem König Jakob IV. gewidmete allegorische Gedicht »The palice of honour« (1553, neue Ausg. 1827), das er im Alter von 27 Jahren verfaßte. Daran schließt sich »King Hart« (zuerst in Pinkertons Sammlung altschottischer Gedichte, Lond. 1788), eine Allegorie des menschlichen Lebens. D. erreicht zwar seinen Zeitgenossen [147] Dunbar weder in der Originalität der Erfindung noch in der Beschreibung; seine sanften, wortreichen, breiten Gedichte verdanken nicht einem innern Drang ihr Entstehen, sie atmen mehr Kunst als Natur. Dafür zeigt er ein hohes, sittliches Denken, das auf Spenser und Bunyan vorausweist. Am bekanntesten ward er durch seine Übersetzung von Vergils »Äneide« ins Schottische (1513; zuerst gedruckt, Lond. 1553; neue Ausg. 1710 u. 1839). Seine »Poetical works« gab J. Small (Edinb. 1874, 4 Bde.) heraus. Vgl. ten Brink, Geschichte der englischen Literatur, Bd. 2 (Straßb. 1892).

13) Archibald, sechster Graf von Angus, Enkel von D. 11), heiratete 1514 die Witwe Jakobs IV., Margarete Tudor, mit der er sich aber nach wenigen Jahren entzweite. In den Kämpfen wegen der Regentschaft für den unmündigen Jakob V. spielte D. eine Hauptrolle, wurde aber 1528, nachdem seine Ehe geschieden und der junge König aus seiner Gewalt geflohen war, geächtet und 1529 zur Flucht nach England gezwungen, wo er erfolglos gegen den König Ränke schmiedete. Nach Jakobs V. Tode kehrte D. 1543 nach Schottland zurück und wurde in seine Würden und Güter wieder eingesetzt. Er starb 1557. Seine Tochter Margarete (geb. 1515, gest. 1578) wurde Gemahlin des Grafen Lennox und Mutter Darnleys, des Gemahls der Maria Stuart. Der Titel Angus ging 1588 auf die Nebenlinie der D. von Glenbervie über, die 1633 den Titel Marquis von D. und 1703 den Titel Herzog von D. erwarb. 1761 erlosch diese Linie; ihre Titel erbte der Herzog von Hamilton (s. d.).

14) James D. von Pittendriech, Neffe von D. 13), durch Heirat vierter Graf von Morton, spielte eine bedeutende Rolle unter der Regierung der Maria Stuart. Er wurde 1563 zum Kanzler von Schottland ernannt, war hauptsächlich beteiligt bei der Verschwörung, die zur Ermordung Riccios (9. März 1566) führte, wurde deshalb nach der Aussöhnung der Königin mit Darnley des Kanzleramts entsetzt und mußte nach England fliehen, kehrte aber 1567 nach Schottland zurück. Wie weit er Mitschuldiger an der Ermordung Darnleys war, ist nicht sicher auszumachen. die Marias Vermählung mit Bothwell gutheißende Urkunde hat er unterzeichnet; trotzdem beteiligte er sich bald darauf an dem Bündnis von Stirling gegen die Königin. Nach der Ermordung von Marias Halbbruder Moray war Morton unter den Regentschaften der Lords Lennox und Mar von größtem Einfluß auf die Regierung und wurde 24. Nov. 1572 selbst zum Regenten erwählt, wobei ihn Elisabeth von England unterstützte. Von nun an herrschte der englische Einfluß unbedingt in Schottland, bis Morton 1577 durch eine Verschwörung der Grafen Atholl und Argyll gestürzt wurde. Aber schon 1578 versöhnte er sich mit seinen Gegnern und übernahm von neuem die Leitung der Staatsgeschäfte. Als indes im September d. J. Esmé Stuart, ein Bruder des Regenten Lennox, nach Schottland zurückkehrte und sich an die Spitze der Gegner Mortons stellte, unterlag dieser der allgemeinen Abneigung. Er wurde wegen Teilnahme an der Ermordung Darnleys zum Tode verurteilt und, ohne daß Elisabeth ihn zu retten vermochte, 2. Juni 1581 zu Edinburg enthauptet.

15) Archibald, Neffe des vorigen, achter Graf von Angus, geb. 1555, gest. 4. Aug. 1588, nahm 1584 an einem Aufstand gegen Jakob VI. teil, floh nach dessen Scheitern nach England, wurde aber 1585 begnadigt und erhielt 1587 auch den Titel eines Grafen von Morton. Da er keine männlichen Nachkommen hinterließ, fielen seine Güter und Titel teils an die D. von Lochleven, die auch den Grafentitel von Morton erbten, teils an die D. von Glenbervie.

16) Robert, aus der Linie D.-Whittingham, geb. 17. März 1611, gest. 28. Mai 1662, kam 1631 mit den schottischen Truppen Hamiltons zu Gustav Adolf, ward dessen Page, wurde 1636 zum Oberst und 1643 zum Generalmajor ernannt, vereinigte sich nach der Schlacht bei Jankau 1645 mit dem Fürsten Rákóczi in Ungarn und ward 1647 Generalleutnant der Kavallerie der schwedischen Armee in Deutschland. 1651 wurde er zum General und schwedischen Freiherrn ernannt und 1654 m den Grafenstand erhoben. In dem polnischen Kriege 1655 war er bei Krakau und Golup tätig und besiegte den zum Entsatz herbeirückenden Adel der Provinzen Masovien und Podlachien. Nach der Schlacht bei Warschau folgte er dem König nach Preußen, um nach Karl Gustavs Abreise das Kommando der im Danziger Werder zurückgelassenen Truppen zu übernehmen. 1657 ward er zum Feldmarschall ernannt, bemächtigte sich 1658 in dem von Rußland und Polen hart bedrängten Livland mehrerer Städte, nahm den Herzog Jakob von Kurland 30. Sept. zu Mitau gefangen und eroberte Kurland, das jedoch von den Schweden nicht behauptet werden konnte. Von ihm stammen die noch blühenden schwedischen Grafen von D. ab.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 5. Leipzig 1906, S. 146-148.
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