Laffēte

[36] Laffēte (v. franz. l'affût; hierzu Tafel »Laffeten I und II«), Gerüst, in dem das Geschützrohr beim Schießen (meist auch beim Transport) liegt. Man unterscheidet je nach der mit dem Zweck wechselnden Bauart Räderlaffeten und solche mit festem Standort. Im allgemeinen bestehen die Räderlaffeten aus zwei parallelen oder nach hinten sich nähernden Wänden, die durch Riegel (Querverbindungen) zu einem Ganzen verbunden werden. Neuerdings wird vielfach der ganze Laffetenkörper durch entsprechendes Preßverfahren aus einem Blech hergestellt (Trogform). Auf der obern Kante der Wände befinden sich die Schildzapfenpfannenlager zur Aufnahme des Geschützrohrs; die Höhe ihrer Achse über dem Boden ist die Lager- oder Feuerhöhe, mit der auch die Kniehöhe (der senkrechte Abstand der Feuerlinie, bez. Schartensohle vom Geschützstand) wächst. Unter dem Rohre sitzt zwischen den Wänden die Richtmaschine (s. d.) zum Nehmen der Höhenrichtung. Das hintere Ende der Räderlaffete, der Laffetenschwanz,[36] endet entweder in eine Protzöse, oder der Schwanzriegel hat ein Protzloch zur Verbindung der L. mit der Protze. Die Linie vom Auflagepunkt des Laffetenschwanzes durch die Schildzapfenachse bildet mit der Horizontalen den Laffetenwinkel, mit dessen Größe der zerstörende Einfluß des Rückstoßes auf die L. wächst, der Rücklauf aber abnimmt.

Behufs Fahrbarmachung wird die Räderlaffete aufgeprotzt, d.h. die L. wird mit der Protze zu einem lenkbaren Fahrzeug verbunden. Die Protze dient zur Aufnahme von Munition und Geschützzubehör sowie zum Transport von Mannschaften.

1) Die Feldlaffeten sollen vom Standpunkt leichter Fahr- und Lenkbarkeit, die vornehmlich von einem möglichst geringen Gesamtgewicht des Geschützes abhängt, tunlichst leicht und kurz sein. Doch verbieten der Rücklauf und Hochsprung, die im umgekehrten Verhältnis zu dem Gewicht und der Länge der L. stehen, die zu große Beschränkung dieser Größen. Auch erfordern die Beanspruchungen beim Schießen eine gewisse Schwere und Länge der Konstruktion. Um eine lange L. beim Schuß und eine kurze beim Fahren zu haben, hat Ehrhardt einen ineinander verschiebbaren Laffetenkörper konstruiert, der ein Kürzen der L. beim Fahren gestattet. Das Schnellfeuer kann nur dann Wert haben, wenn die L. während des Feuerns feststeht, so daß vor jedem neuen Schuß ein erneutes Richten nicht nötig ist. Man bestrebte sich daher, den Rücklauf aller Feldlaffeten bei Neukonstruktionen zu beschränken und dann ganz zu vermeiden. Man benutzte zunächst die für das Fahren vorgesehene Radumfangbremse zugleich als Schußbremse. Lemoine verwandte als Fahr- und Schußbremse die sogen. Seilbremse. Er wickelte um Seiltrommeln, die dicht an den Radnaben liegen, Seile, deren eines Ende mit den Bremsbacken verbunden ist, während das andre mittels einer Spannschiene durch eine entsprechende Hebelbewegung angezogen werden kann, wodurch beim Sichdrehen der Räder die Bremsklötze sich fest gegen den Radreifen andrücken. Diese Art der Bremsung unterstützt man fernerhin durch Anbringung eines spatenartigen Spornes unter dem Laffetenschwanz. Dieser kann festgenietet sein (fester Sporn) oder umklappbar (Klappsporn, Tafel I, Fig. 2). Die sogen. Federsporne sind solche, die beim Rückstoß ein federndes Zurückweichen der L. gestatten, letztere aber dann durch die Federwirkung in die ursprüngliche Stellung vorbringen. Diesen Sporn kombinierte man fernerhin mit einer hydraulischen Rücklaufbremse. Um behufs der Korrektur kleiner, beim Schuß entstehender Seitenrichtungsdifferenzen das Bewegen des Geschützes zu vermeiden, brachte man besonders bewegliche Oberlaffeten an, die durch die »Seitenrichtmaschine« entsprechend verschoben werden können, oder man ließ letztere auf das Rohr direkt wirken. Die drei großen französischen Fabriken (Schneider, Canet und Darmancier) haben die Beseitigung des Rücklaufs im Sinne der Stauchlaffete gelöst. Diese L. besteht aus einem festen und einem beweglichen Teile, die durch hydraulische Bremse verbunden sind. Während bei Darmancier der feste Teil aus Sporn und Bremszylinder, der zurücklaufende aus Rohr und L. (also schon durch sein Gewicht den Rücklauf hemmend) besteht, läuft bei andern Konstruktionen (Canet, Déport etc.) das Rohr in der L. zurück. Die beim Rückstoß entstehende Arbeit wird durch die Bremse aufgenommen, während die L. wenig oder gar nicht zurückläuft. Zur gänzlichen Beseitigung desselben dient bei günstigen Bodenverhältnissen der sich beim ersten Schuß eingrabende Sporn, dessen Wirkung durch an die Räder anzulegende Hemmschuhe verstärkt werden kann. Das Rohr nimmt bei der Rückstoßbewegung die beiden Bremszylinder mit, die, durch die Stopfbüchsen und eine Leitbahn geführt, über die Kolben hinweggleiten, wobei das vor den Kolben befindliche Glyzerin durch Öffnungen in denselben hinter die Kolben gedrängt wird. Hierdurch werden elastische Pufferfedern zusammengedrückt, die sich, nachdem die Rückstoßbewegung des Rohres beendet ist, wieder ausdehnen und das Rohr in seine frühere Lage schieben. Das von Maxim-Nordenfelt (London) vorgeschlagene Geschütz (Tafel I, Fig. 1) bildet eins der ersten vorzüglichen Laffetenmuster, auf dem die spätern Ausführungen der für das Schnellfeuer und speziell für Rohrrücklauf konstruierten Laffeten beruhen. Bei der Feldlaffete C/96 für das deutsche Schnellfeuerfeldgeschütz (Tafel I, Fig. 2) sind die beiden Wände A durch einen Riegel verbunden, der im obern Flansch für die Kurbelwelle der Richtmaschine ausgerundet und für die Hülfe der Seilbremse durchbohrt ist. Die Protzöse B umfaßt mit zwei starken Lappen die Wände am Laffetenschwanz und bildet so einen Schwanzriegel, auf dessen unterm Lappen sich zwei Augen für den Drehbolzen zum Sporn befinden. An dem Laffetenkasten C sitzt an der Vorderwand eine Kette mit Haken und Kloben, die zum Festhalten des Kurbelrades dient. Der richtende Mann benutzt den Kasten als Sitz. Die Richtmaschine (Tafel I, Fig. 3) beruht wie die der bisherigen Feldlaffeten auf dem System der Doppelschraube, wird aber nicht direkt durch das Kurbelrad in Bewegung gesetzt, sondern es sind zwei Kegelräder eingeschaltet. Die Richtwelle A ruht mit den Zapfen a, die sich an den beiden Armen b befinden, in den in den Laffetenwänden befestigten Buchsen, die mit einem Pfeilstrich und »links«, bez. »rechts vorn« bezeichnet sind. Nach hinten setzt sich an die Welle das Lager c für das kleine Kegelrad an, das in eine Röhre d zur Aufnahme der Kurbelwelle B endet. In der Röhre befindet sich oben und unten eine bronzene Büchse e. Das kleine Kegelrad (zwölf Zähne) C greift in das große D und ist auf dem untern Sechskant der Kurbelwelle befestigt. Das große Kegelrad (30 Zähne) greift mit zwei Federn, die in seinem Innern sitzen, in die Nuten f der äußern Richtschraube E. Diese ist in einem Muttergewinde der Richtwelle beweglich, hat an zwei Seiten die erwähnten Nuten f und nimmt in einem, dem äußern entgegengesetzten Gewinde die innere Richtschraube F auf. Zur Verbindung mit dem Rohrträger dient der für den Drehbolzen G durchbohrte Kopf h. Auf dem obern Sechskant der Kurbelwelle ist ein mit Handgriff g versehenes Kurbelrad H befestigt, durch welches das kleine Kegelrad gedreht wird. Dieses greift mit seinen Zähnen in die des großen Kegelrades und überträgt so die Bewegung auf die äußere Richtschraube. Während diese sich im Muttergewinde der Richtwelle dreht, schraubt sich gleichzeitig die innere Richtschraube bei Linksdrehung in die äußere hinein, bei Rechtsdrehung aus ihr heraus. Die doppelte Übertragung erhöht die Schnelligkeit des Richtens. Über die Seitenrichtung s. Geschütz, S. 701 f.

Die hohle Achse mit Zubehör, die Räder und die Seilbremse sind die bei Feldlaffeten üblichen. Der Sporn, mit dem die L. festgerannt werden kann, besteht aus zwei Armen mit Augen, die denen an der[37] Protzöse entsprechen, und der Scharre. Die Verbindung mit der Protzöse wird durch einen Drehbolzen hergestellt. Am rechten Arm befindet sich ein Kloben mit Kette, die beim Gebrauch des Sporns in den an der rechten Laffetenwand befindlichen Kloben eingehängt wird. Beim Nichtgebrauch wird der Sporn hochgeklappt und während des Schießens durch den nach hinten umgelegten Richtbaum festgehalten. Die Feuerhöhe der L. ist gegen früher etwas verringert (110 cm). Die Einrichtung der L. ermöglicht, daß das Richten des Rohres sowohl nach der Höhe als nach der Seite ein Mann ausführt, und daß, wenn das Geschütz beim Schuß die Richtung verliert, noch eine Seitenkorrektur gegeben werden kann. Der Sporn findet meist beim Schnellfeuer Anwendung, während sonst für die Beschränkung des Rücklaufs die Seilbremse genügt.

Die L. der leichten Feldhaubitze 98 (Tafel I, Fig. 4) zeigt kürzern, stärkern Bau und größern Laffetenwinkel als die Feldlaffete 96. Da hier das Rohr anders als bei der Feldlaffete 96 mit der L. verbunden ist (durch Schildzapfen), so zeigen sich in dieser Beziehung sowie in der damit zusammenhängenden Einrichtung der Richtmaschine die hauptsächlichsten Abweichungen. Im übrigen besteht auch diese wie jene L. aus denselben Hauptteilen: zwei Wände A aus Stahl, ein Riegel B (für den Rohrhalter T ausgespart), Protzöse C, Laffetenkasten D, Richtmaschine E, G, J, ferner: zwei Räder, Seilbremse, Sporn, zwei Achssitze, Achse mit Zubehör und Beschläge.

Die Richtmaschine (s. Textabbildung) besteht aus Richtwelle mit Lagerbüchse, Schneckenrad mit Reibkegel, Plattenfeder und Stellmutter, unterm Schneckenwellenlager, Schneckenwelle, oberm Schneckenwellenlager, Kurbelrad 96 und Schutzkappe.

Richtmaschine der Feldhaubitzlaffete 98.
Richtmaschine der Feldhaubitzlaffete 98.

Das untere Schneckenwellenlager F (außen an der linken Laffetenwand), zur Aufnahme des Zapfens durchbohrt, hält außerdem zwei vierkantige Lagerbüchsen zur Aufnahme der Schneckenwelle G. Letztere trägt vorn die Schnecke, hinten ein Sechskant zum Aufschieben des Kurbelrades J mit dem Handgriff i. Das obere Schneckenwellenlager H zeigt einen vorspringenden Hals h mit Durchbohrung zur Lagerung der Schneckenwelle. Beim Drehen des Kurbelrades setzt die Schneckenwelle das Schneckenrad in Bewegung. Da das letztere durch Reibkegel und Plattenfedern mit der Richtwelle E fest verbunden ist, so wird diese ebenfalls in Drehung versetzt und greift mit dem Getriebe in den Zahnbogen des Rohres (s. Tafel »Geschütze I«, Fig. 1). Zum Festhalten der Seitenrichtung hat die L. einen Pendel mit vorderer Skala und eine hintere, auf zwei Armen befestigte, hochzuklappende Skala. Eine besondere Seitenrichtmaschine ist entbehrlich, weil der Sporn hier seltener zur Anwendung kommt und mithin die Seitenrichtung hier besser festgehalten wird wie bei den Kanonen.

Die Achse hat ein hohles zylindrisches Mittelstück K und gleicht im übrigen der Achse 96; auf ihr sind die Achssitze p, p1, p2, p3 befestigt. Die Röhrscheiben haben nach außen kegelförmige Ansätze, die außer den Ausschnitten für die Lünsen noch zwei Öfen zum Einhaken der Langtaue haben. Das Rad ist kräftiger gebaut als das von 96. Der Sporn Q mit Kette q4 besteht aus denselben Teilen wie der von 96. Die Beschläge wie Handgriffe n etc. sind die gewöhnlichen, ebenso der Richtbaum U mit Lager V.

2) Von den Laffeten der schweren Artillerie des Feldheeres ist die der schweren Haubitze als des Hauptgeschützes (s. Tafel »Geschütze II«, Fig. 2) die wichtigste. Sie ähnelt der der leichten Feldhaubitze. Über Gewichtsverhältnisse und Erhöhungen vgl. Geschütz, Tabelle I, S. 703. Die Fahrbremse ist eine Seilbremse, die auch als Schußbremse gebraucht werden kann. Für den Gebrauch auf Bettung hat die L., wie die andern Räderlaffeten größerer Kaliber, eine Rücklaufs- oder Flüssigkeitsbremse. Diese (Tafel I, Fig. 5) besteht aus dem stählernen, mit Glyzerin gefüllten Bremszylinder a, der durch zwei Kappen geschlossen und vorn mit Schildzapfen zum Einlegen in die Gabel des Drehblocks der Bettung versehen ist. Die innere Wandung hat gerade Keilzüge zum Durchlassen des Glyzerins, die vordere Kappe d enthält das Fülloch, durch die hintere g führt sich die Kolbenstange o. An dieser sitzt vorn der Kolben m, hinten der Kolbenkopf p mit Auge, der durch einen Bolzen mit dem Kolbenstangenhalter am Laffetenschwanz verbunden wird. Die Dichtung des Zylinders mit den Kappen erfolgt durch die Liderungsringe f und h, mit der Kolbenstange durch einen Lederring und eine zwischen zwei Stopfbuchsenringen k liegende getalgte Hanfpackung, die durch die Stopfbüchse l zusammengepreßt wird. Beim Rücklauf zieht die L. die Stange mit dem Kolben zurück, das Glyzerin kann durch die Züge nicht schnell entweichen, läuft langsam durch und hemmt so den Rücklauf. In gleicher Weise wird der Vorlauf verlangsamt, und durch einen vorn im Bremszylinder befindlichen Gummipuffer n wird ein Anstoßen des Kolbens an die vordere Kappe verhindert. Neuerdings wendet man bei den schweren Feldhaubitzlaffeten auch das Rohrrücklaufsystem an und versieht die Laffeten aus diesem Grunde mit Oberlaffete, Seitenrichtmaschine etc. Bei der L. des 21 cm-Mörsers (s. Tafel »Geschütze II«, Fig. 3), der auf Bettung aufgestellt wird, sind die Wände unten kastenartig durch ein Bodenblech geschlossen, so daß die L. beim Schießen mit diesem völliges Auflager auf der Bettung findet, nachdem an die Stelle der Fahrräder die Schießräder getreten sind. Mit Rücksicht auf die Gewichtsverhältnisse wird bei längern Märschen das Rohr auf dem Rohrwagen fortgeschafft. Bemerkenswert ist die Fahrbremse der L., die bestimmt ist, dies wohl schwerste Geschütz, das in neuerer Zeit ins Feld geführt werden soll, zu hemmen (Tafel II, Fig. 1 mit Beschreibung). Bei der L. der 10 cm-Kanone der schweren Artillerie mit Schnellfeuereinrichtung (s. Geschütze, Tabelle 1, S. 703) geschieht die Rücklaufhemmung durch eine Flüssigkeitsbremse, die am Drehbolzen der Bettung und an der Stirnseite der L. befestigt ist, der Vorlauf erfolgt durch hinter die Räder gelegte Vorlaufkeile, resp. durch Vorholfedern.

3) Die Laffeten der Belagerungs- und Festungsartillerie. Die L. der langen 15 cm-Ringkanone (s. Tafel »Geschütze II«, Fig. 1) ist eine Bocklaffete, d.h. auf den Wänden sind zur Erreichung der nötigen Feuerhöhe Böcke, die Schildzapfenlager[38] enthaltend, aufgesetzt, um über 1,6 m hohe Brustwehren hinwegfeuern zu können. Die fahrbaren Laffeten bestehen im allgemeinen aus denselben Hauptteilen, wie die unter 1) und 2) genannten, haben aber die für den Gebrauch auf Bettungen nötigen Einrichtungen. Auch für Belagerungsräderlaffeten wendet man neuerdings mit Erfolg das Rohrrücklaufsystem an. Die Küstenlaffeten sind für die Ausstellung auf offenem Walle (s. Tafel »Geschütze IV«, Fig. 5) eiserne Rahmenlaffeten. Die eigentliche L. ist aus Eisenblechen zusammengenietet. Die Zahnbogenrichtmaschine wird durch ein Handspeichenrad bewegt und durch eine Bremse arretiert. Der Rahmen steht auf vier Rädern auf kreisförmigen Schienen. Er wird auf diesen durch eine Schwenkvorrichtung um ein Pivot bewegt, das nahe der Brustwehr liegt, und mit dem er durch die Pivotklappe verbunden ist. Der Rücklauf wird durch eine hydraulische Bremse gehemmt. Die ältern Schiffslaffeten sind im Konstruktionsprinzip diesen Küstenlaffeten ähnlich, nur bedeutend niedriger, damit der Schwerpunkt des Geschützes in Rücksicht auf die Schwankungen des Schiffes möglichst tief zu liegen komme. Zum Feststellen der L. auf jedem Punkte des Rahmens und zum Hemmen des Rücklaufs durch Reibung dient bei den ältern Konstruktionen die Lamellenbremse, flache, hochkantig zwischen den Laufschwellen des Rahmens stehende eiserne Schienen, in deren Zwischenräume gleiche, an der L. befestigte Schienen greifen, die aneinander gepreßt werden können. Die dadurch bewirkte Reibung beschränkt die Bewegung. Die Breitseitenlaffeten sind für alle Kaliber nach demselben System erbaut. Die neuern Schiffslaffeten bis 1895 sind alle Mittelpivotlaffeten, die um einen in der Mitte der kreisrunden Rollbahn stehenden Drehzapfen schwenken (s. Tafel »Geschütze IV«, Fig. 1); sie können mittschiffs, wie an Schiffsseiten aufgestellt werden und sind in der Seitenrichtung unbeschränkt. Die Rahmen der Geschütze in Panzerdrehtürmen sind meist in den Turm fest eingebaut und drehen sich mit diesem; in festen Türmen stehen sie auf der Drehscheibe (barbette), und die L. hat dann eine solche Feuerhöhe, daß das Geschütz über die Brustwehr hinwegfeuern kann. Diese sowie alle nicht in der Batterie oder in bedeckten Türmen aufgestellten Kanonen erhalten heute einen kappenförmigen Schutzschild aus 25–40 mm dickem Stahlblech, der auf dem Rahmen steht und sich daher mit dem Geschütz bei der Seitenrichtung dreht wie bei den Schnellfeuerkanonen (s. Tafel »Geschütze III«, Fig. 1). Die das Schnellfeuergeschützrohr tragende ältere Kruppsche Oberlaffete steht auf dem Rahmen, dessen Laufschwellen nach vorn stark geneigt sind, um im Verein mit den seitlich liegenden hydraulischen Bremsen den Rücklauf auf 1–1.5 Kaliber Länge zu beschränken. Der Rahmen ruht drehbar auf einer Kugelbahn am Rande des Untersatzes, der auf dem Deck des Schiffes durch Bolzen gehalten wird. Die kleinen Schnellfeuerkanonen liegen in einer als L. dienenden Gabel, die in einer feststehenden Pivotsäule drehbar ist. Die Kruppsche Pivotgelenklaffete hat senkrechte Wände, die um eine wagerechte Achse drehbar sind. In ihrem obern Drittel sind sie mit einer hydraulischen Bremse verbunden, die ihr Widerlager in einem in die Bettung eingelassenen Ring findet. Diese L. mit geringem Rücklauf bedarf keines besondern Rahmens und wird ähnlich den Mittelpivotlaffeten verwendet. Seit 1895 sind an Laffetenkonstruktionen in der deutschen Marine die Wiegenlaffeten (Tafel II, Fig. 2) eingeführt, und zwar für Schiffskanonen L/40

Tabelle

Die Bezeichnungen zeigen die Art der Pivotierungen. Die Wiege, in der das Rohr A unmittelbar liegt, entspricht etwa der Oberlaffete, während an Stelle der Rahmen hier Rahmen oder Wiegenträger E treten. Die Schnelladekanonen liegen ohne Schildzapfen in den Wiegen. Diese Laffeten beanspruchen wenig Platz, sind leicht schwenkbar und richtbar und geben großes Bestreichungsfeld. Die Anbringung der Visiereinrichtung (sogen. Stangenvisier) an der Wiege statt am Rohr und die Tatsache, daß letzteres unabhängig von seiner Erhöhung stets in Richtung des Rückstoßes zurückläuft, sind ebenfalls Vorzüge (Tafel II, Fig. 2). Auf einer Stange a ist hinten der Aufsatz b, vorn das Korn c, die beide gleichmäßig die Bewegung der Visierstange mitmachen und somit immer dieselbe Lage zueinander behalten, angebracht. Die Länge der Visierlinie bleibt stets unverändert. Die Schildzapfenachse d der Wiege ist die Drehachse für den Visierstangenträger E und auch für die Visiereinrichtung. Die für Schneckenbetrieb eingerichtete Aufsatzbuchse besteht aus einem Stück mit dem Aussatzbüchsenträger und nimmt den konzentrisch zur Schildzapfenachse gebogenen Aufsatz, der mit dem Endzapfen der Visierstange fest verbunden ist, auf; e Panzer, B Höhenrichtmaschine, C Seitenrichtmaschine (Schwenkwinde). Ferner sind an neuern und verbesserten Laffetentypen eingeführt

Tabelle

Außer den Wiegenlaffeten sind noch folgende Laffetenarten in der Marine für Schiffsarmierung in Gebrauch: 1) Die eigentlichen Rahmenlaffeten, die an Stelle der Radlaffeten traten und deren Kennzeichen andern Konstruktionen gegenüber in der Pivotierung vor dem Rahmen liegt. 2) Die Halbrahmenlaffeten gingen aus den vorigen dadurch hervor, daß man statt der hintern Hälfte des Rahmens an der Oberlaffete eine bronzene Walze anbrachte, mittels der das Geschütz beim Einrennen auf Deck rollt. 3) Pivotlaffeten, bei denen sich die Pivotierung unter dem Rahmen befindet, und zwar unter dem Schwerpunkt des ausgerannten Geschützes. 4) Mittelpivotlaffeten haben die Pivotierung unter der Mitte des Rahmens und kommen da zur Verwendung, wo die Platzverhältnisse eine Pivotierung unter dem Schwerpunkt nicht zulassen, bei den neuern Konstruktionen liegt dieser jedoch nur wenig vor der Pivotierung, sie stehen daher den Pivotlaffeten nicht oder nur wenig nach. 5) Turmlaffeten, bei denen zwei Rahmen auf dem Boden eines Panzerdrehturms nebeneinander fest eingebaut sind und deren Geschützrohre in Minimalschartenlaffeten (s. unten: Geschichtliches) ruhen. 6) Drehscheibenlaffeten, bei denen zwei Rahmen auf einer gemeinschaftlichen Plattform fest eingebaut sind und deren Rohre über den Rand einer oben offenen Panzerung wegfeuern.

Geschichtliches.

Schon in den 1860er Jahren führte die immer größer werdende Schußgenauigkeit zu Bestrebungen,[39] die Geschütze im Festungs- und Seekrieg nur im Augenblick des Schusses dem direkten feindlichen Feuer auszusetzen, und als man diese Geschütze überhaupt nicht mehr auf offenem Walle halten konnte, schützte man sie durch Panzerungen. Einen weitern Fortschritt bildeten die Verschwindlaffeten. Bei der Moncrieffschen Gegengewichtslaffete wird, nachdem die Kraft des Rohrrückstoßes verbraucht ist, das Geschütz vermöge eines Gegengewichts wieder in die Feuerstellung gehoben. Man hat damit die Möglichkeit, das Rohr mittels einer Sperrklinke an jeder Stelle festzuhalten. Das Aufsteigen geht unter Anwendung einer Bremsvorrichtung stetig vor sich, Senkung und Hebung betragen etwa 1,25 m, so daß das Geschütz in der gesenkten Stellung geladen und gleichzeitig gerichtet werden kann. Andre Konstrukteure speicherten die überschüssige Kraft des Rückstoßes des in die Ladestellung zurückgeschleuderten Rohres zum spätern Heben in die Feuerstellung anderweitig auf. Besondere Bedeutung gewann die nach Biancardis Vorgang von Armstrong konstruierte hydropneumatische L. (Tafel II, Fig. 3). Der Rückstoß preßt aus einer hydraulischen Bremse Flüssigkeit in Luftkammern, die mit auf etwa 60 Atmosphären komprimierter Luft gefüllt sind. Nach Auslösung der Hemmung treibt die gepreßte Luft die Druckflüssigkeit zurück und verursacht so das Heben des Rohres. Derartige nach Moncrieff-Razkazoff konstruierte Laffeten haben auf russischen Panzerschiffen Verwendung gefunden. Italien hat in Küstenwerken Armstrongsche Verschwindungslaffeten aufgestellt. Auch die Vereinigten Staaten von Nordamerika haben pneumatische und Gegengewichtslaffeten an den Küsten aufgestellt.

Auf andre Weise verfolgte Krupp in den 1870er Jahren einen ähnlichen Zweck, indem er eine L. auf einem Eisenbahnwagen montierte, der hinter der Brustwehr entlang derselben auf Schienen lief. Nach jedem Schuß konnte der Standort gewechselt werden. Derartige Lowrylaffeten wurden mehrfach eingeführt, z. B. 1890 in Frankreich die von Mougin konstruierte, dem spätern Erfinder der »schwingenden Türme«, für die lange 15 cm-Kanone »affût-tour«. Der Rückstoß des Rohres preßt hier ein System von Scheibenfedern zusammen, die das Rohr in die Feuerstellung zurückheben.

Mit der Notwendigkeit, die schweren Kampfgeschütze durch Panzerungen mit möglichst kleinen, bez. nach dem Schuß abstellbaren Scharten zu schützen, trat an die Konstrukteure die Aufgabe heran, hierfür geeignete Laffeten zu bauen. Als daher Mitte der 1860er Jahre Schumann seine Panzertürme konstruierte, trat Gruson mit einer Minimalschartenlaffete (Tafel I, Fig. 6) für seine Hartgußpanzerstände hervor, die in Deutschland eingeführt wurde. Das Rohr, dessen Mündung in der Scharte liegt, schwingt beim Nehmen der Höhenrichtung um einen Punkt in der Schartenmitte (Mündungspivotlaffete). Es bedarf somit nur eines minimalen Spielraumes in der Scharte. Bei großen Kalibern muß das Rohr etwas aus der Scharte hervorragen, damit die Detonation im Turm erträglich wird. Die Bewegung des Rohres beim Nehmen der Höhenrichtung findet derart statt, daß die Schildzapfenpfannen in den bogenförmig ausgeschnittenen Laffetenwänden auf- und abgleiten. Im übrigen wird das Rohr durch eine hydraulische Pumpe d bewegt, deren Einstellung durch die Hebel i erfolgt. Das Geschützrohr gleitet mit der Oberlaffete B auf der Unterlaffete l zurück, wobei hydraulische Bremsen zu beiden Seiten den Rücklauf beschränken. Die Unterlaffete dreht sich um die Welle m, gehoben und gesenkt durch die Pumpe d. In der Folge entstand eine große Anzahl von Panzerlaffeten, darunter die Kruppsche, bei der das Rohr kugelgelenkartig mit der Mündung in dem Panzer selbst drehbar festgehalten wird, für die verschiedenen Kaliber der Kanonen, Schnellfeuerkanonen, Haubitzen und Mörser. Vgl. Müller, Die Entwickelung der preußischen Schiffs- und Küstenartillerie (Berl. 1879); Galster, Die Schiffs- und Küstengeschütze der deutschen Marine (das. 1885); Maudry, Waffenlehre für Offiziere aller Waffen (4. Aufl., Wien 1896); Juge, Les canons à tir rapide de l'artillerie de côte anglaise (Par. 1900); »Leitfaden für den Unterricht in der Artillerie an Bord des Schulschiffs«, 1. Teil (2. Aufl., Berl. 1902).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 36-40.
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