Olmütz [2]

[281] Olmütz, Erzbisthum, welches den größten Theil von Mähren umfaßt u. seinen Sitz in der Stadt O. hat, war bis 1777 nur Bisthum, hat ansehnliche Einkünfte, u. seine Besitzungen bestehen in 10 Städten, 5 Flecken, 112 Dörfern. Der erste Bischof im 9. Jahrh. war Cyrillus u. nach seinem Tode Methodius; nach seiner Flucht vor den Ungarn wurde die Mährische Kirche von Johann, Bischof von Kostel, 942–961 von Silvester u. nach dessen Vertreibung von den Bischöfen von Regensburg u. Pragverwaltet. Erst 1063 erhielt sie in Johann I., früher Domherren in Prag, wieder einen eignen Bischof; dessen Nachfolger, Andreas von Daubrawitz (1086–96), verlegte den bischöflichen Sitz von Polesehowitz nach O.; seine Nachfolger waren: Peter I. (st. 1104), Johann II. (st. 1126), Heinrich Zdick (st. 1151), welcher endlich von dem Bischof zu Prag das von diesem besetzte Schloß zu Kostel bekam u. das Münzrecht erwarb; Johann III. (st. 1157), Johann IV. (st. 1172), Detlev (st. 1182), Peregrin (st. 1183), Kayn (st. 1194), Engelbert (st. 1199), Bavon (st. 1201), Robert (st. 1235), Friedrich (st. 1241), Bruno Graf von Schaumburg, welcher für das Stift die Herrschaft Hochwald, Keltsch etc. kaufte u. der eigentliche Stifter des großen Stiftslehnhofes zu O. ist; er zog mit König Ottokar gegen die Preußen u. nach ihm wurde die neugegründete Stadt Braunsberg genannt. Er starb 1281 u. es folgten: Dietrich (st. 1302), Johann V. (st. 1311), Peter II. (st. 1316), Konrad I. (st. 1336), Heinrich II. von Dube (st. 1333), Johann VI. (st. 1351), unter welchem das Bisthum, welches bisher unter Mainz gehört hatte, zum neuen Erzbisthum Prag geschlagen wurde; Johann VII. Oczko, welcher 1364 Erzbischof von Prag wurde; Johann VIII. (st. 1380), Peter III. (st. 1388), Johann IX., Sohn des Markgrafen Johann, welcher 1389 Patriarch von Aquileja wurde; Nikolaus von Riesenburg (st. 1397), welcher viele Stiftsgüter[281] verpfändete; Johann IX., noch verschwenderischer als sein Vorfahr, verkaufte u. versetzte die Stiftsgüter bis auf das Schloß Mürau u. schonte sogar die heiligen Gefäße nicht; er st. 1403; Ladislaus von Krawarz (st. 1408), Konrad II. von Vechta, wurde 1412 Erzbischof von Prag; Wenzel Kralik von Burzenicz (st. 1416); Johann X. (der Eiserne), hielt strenge Ordnung in der Diöces, kriegte viel gegen die Hussiten u. st. 1430 in Gran; Konrad III. von Zwole, war stets im Gefolge des Kaisers u. zugleich Erzbischof von Prag, st. 1434; Paul von Milicin brachte viele Stiftsgüter theils durch Einlösung, theils durch Gewalt zurück u. st. 1450; Johann XI. Haz, st. 1454; Bohuslaw von Zwole, st. 1457; Prothasius von Boskowitz, st. 1482. Nach einer achtjährigen Vacanz wurde Johann XII. gewählt, welcher 1491 resignirte. Jetzt vergab Papst Innocenz VIII. das Bisthum an den Cardinal Altieri u. Alexander VI. an den Cardinal Johann Borgia; keiner von Beiden kam nach O., u. als Borgia 1503 starb, wählte wieder das Capitel Stanislaw I. Thurzo; dieser brachte alle Güter an das Stift zurück u. unterdrückte die Hussiten u. Picarden, aber die Ausbreitung der Mährischen Brüder u.a. protestantischer Parteien konnte er nicht hindern; er st. 1540; Bernhard von Zubeck, st. 1541; Johann XIII. Dubrorosh, st. 1552; Marcus Khuen, st. 1565; Wilhelm Prußinowsky, st. 1572; Johann XIV. Grödelzh, st. 1574; Thomas Albin von Helfenberg, st. 1575; Johann XV. Mezon, st. 1578; Stanislaw II. Pawlowsky ordnete die durch die inneren Unordnungen sehr zerrütteten Stiftsverhältnisse wieder, gründete 1581 die Universität u. erhielt 1588 für sich u. seine Nachfolger die Würde als Reichsfürst; er st. 1598. Unter Franz von Dietrichstein brachen die Böhmischen Unruhen aus, durch welche der Bischof u. das Capitel viel zu leiden hatte; nach dem Siege auf dem Weißen Berge wurde er Landeshauptmann u. betrieb nun die Wiederherstellung der Stiftsgüter, zu denen er auch seine Erbherrschaft Chropin fügte; er st. 1636; Johann XVI. Platnis, st. 1637; Leopold Wilhelm, Erzherzog von Österreich, st. 1662; Erzherzog Karl I. Joseph, st. 1664; Karl II., Graf von Lichtenstein-Castelcron, suchte die Wunden, welche der Dreißigjährige Krieg der Diöces geschlagen hatte, wieder zu heilen u. traf viele gute Anstalten u. Einrichtungen; st. 1695; ihm folgte sein bisheriger Coadjutor Karl III. Joseph, Herzog von Lothringen, welcher Erzbischof von Trier wurde u. 1711 resignirte; Wolfgang Hannibal, Graf von Schrattenberg, war lange Vicekönig von Neapel u. st. 1738; Jakob Ernst, Graf von Lichtenstein-Castelcron, war auch seit 1728 Bischof von Seckau; als er 1745 Erzbischof von Salzburg wurde, folgte ihm in O. Ferdinand Julius, Graf von Troyer, welcher 1758 starb; Leopold Friedrich, Graf von Egkh, stiftete das Seminar u. gab das Münzrecht auf, da die Abgabe an den Wiener Hof von 16,000 Fl. als Münzprobe eine zu große Last erschien; er st. 1760; Maximilian, Graf von Hamilton, verschönerte die Residenzen zu O. u. Kremsier, an welchem letzteren Orte die Bischöfe schon längere Zeit meist residirten. Nach seinem Tode 1777 wurde das Bisthum O. am 9. Juli 1777 in ein Erzbisthum verwandelt, wobei 27 Decanate u. 230 Pfarrkirchen, also fast die Hälfte des Kreises Brünn, nebst den Kreisen Znaym u. Iglau an das Bisthum Brünn abgetreten wurden. 1784 wurde auch noch die andere Hälfte des Brünner Kreises an dieses Bisthum abgetreten. Erster Erzbischof wurde der Cardinal Anton Theodor, Graf von Colloredo; er übte das Münzrecht wieder, nahm den Erzherzog Rudolf als Coadjutor an (welcher 1810 resignirte) u. st. 1811; ihm folgte Maria Thaddäus, Graf von Trauttmansdorff, Bischof von Königskrätz; st. 1819; der Cardinal Erzherzog Rudolf Johann Joseph Rainer, st. 1831; Ferdinand Maria, Graf von Chotek, st. 1836; diesem folgte Maximilian Joseph, Freiherr von Somerau-Breckh; jetziger Fürst-Erzbischof ist seit 1853 Friedrich Landgraf von Fürstenberg; vgl. E. X. Richter, Series Episcoporum Olomunsium, Olmütz 1831.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 12. Altenburg 1861, S. 281-282.
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