Dublin

[368] Dublin (spr. Döbblin), 1) Grafschaft in der irischen Provinz Leinster, 18,30 QM.; grenzt im N. an die Grafschaft East-Meath, im O. an das Irische Meer, im S. an die Grafschaft Wicklow, im W. an die Grafschaft Kildare; mehrere Buchten, worunter die bedeutendste die Dublinerbai od. Liffeybai (s. unten 2).; bewässert von den Flüssen Liffey u. Dodder, u. mehreren kleineren; im S. gebirgig, übrigens eben, theilweis steinig, im Allgemeinen aber, u. namentlich an den Flüssen, fruchtbar u. gut angebaut; Boden: meistentheils Thon.; Klima: feucht; Producte: Hafer, Kartoffeln, Gartengewächse, an Holz ist großer Mangel (man brennt daher vielfach Stroh u. Dünger), Fische, Hummern, Austern; Industrie: namentlich Wollen- u. Baumwollenwaaren, Leinweberei in neuester Zeit weniger. Die Eisenbahnen von D. nach Drogheda, u. von D. nach Kilkenny durchschneiden die Grafschaft, ebenso der Große (Grand) u. der Königskanal (Royal Canal)[368] 402,000 Ew.; 2) (altirisch; Ath Cliath od. Bally Ath Cliath; irländisch: Balacleigh; angelsächsisch: Difflin), Hauptstadt darin u. des ganzen Königreichs Irland, in einer fruchtbaren Ebene, am Liffey, 1/4 Stunde von dessen Mündung in die halbkreisförmige, 31/2 Stunde tiefe u. (zwischen Howth Hill u. Dalkey) 21/2 Stunde breite, im N. von einer fruchtbaren Ebene, im S. von waldigen Hügeln begrenzte u. ringsum mit schönen Landhäusern, blühenden Dörfern u. Flecken umgebene, mehrere Inseln (worunter Dalkey die bedeutendste) enthaltende Dubliner od. Liffeybai. D. ist eine der schönsten u. größten Städte Europas, fast kreisrund u. beinahe durchgängig regelmäßig gebaut; hat breite, sich rechtwinkelig durchschneidende, trefflich erleuchtete u. gut gepflasterte Straßen (die schönsten: die Sackevillestreet 2200 Fuß lang, 180 Fuß breit, mit prachtvollen Gebäuden, Gasthäusern, eleganten Läden u. der Nelsonstatue auf einer 150 Fuß hohen Säule, ferner Dame- u. Westmoorelandstreets) u. viele öffentliche Plätze od. Squares (Stephans Green 1000 Fuß lang, eben so breit, mit Reiterstatue Georgs II.; College Green [Universitätsplatz] mit Statue Wilhelms III.; Merrion-Square, Fitzwilliam-Square, namentlich aber am Westende der Stadt der Phönixpark mit der Wellingtonsäule [Wellingtons Trophy]). Nur ein kleiner Theil der Stadt, die Liberty, ist schlecht gebaut, eng u. schmutzig, von der ärmsten Volksklasse bewohnt. Von Ringsend, wo sich der Liffey in die Dubliner Bai ergießt, aufwärts bis nach D. hinein sind die Ufer des Liffey mit Granitquadern eingefaßt, so daß dadurch. die schönsten Quais entstehen. Es führen 6 steinerne u. 1 eiserne Brücke über den Liffey; die nächste an der Dubliner Bai ist die Carlislebrücke, bis wohin Seeschiffe von 200 Tonnen fahren können. Der Königskanal mündet, von W. kommend, unsern D. in die Dubliner Bai aus, der Große Kanal, von SW. aus dem Innern Irlands kommend, in den Liffey; an der Mündung beider sind Becken mit großen Werften angelegt. Ein 2 deutsche Meilen langes, mit Alleen bepflanztes Boulevard (Circular road) umschließt die ältere Stadt. D. ist in 21 Kirchspielen. 6 Vorstädte (Manor Donore [11,000 Ew.], Manor of St. Sepulcre [9000 Ew.], Manor Grange Gorman [8000 Ew.], Kilmainham [6000 Ew.], St. Kevins [6500 Ew.], Marys Donebroock [7000 Ew.]) getheilt. D. ist Sitz des Vicekönigs mit seinem geheimen Rathe, von 1 katholischen u. 1 protestantischen Erzbischof, von 4 Bischöfen, der hohen Gerichtshöfe für Irland (Kanzleigericht, Gerichtshof der königlichen Bank, Schatzkammergericht, Gericht für das gemeine Recht), eines Admiralitätsgerichts, des Raths zur Vervollkommnung der Leinwandmanufactur, welche 18 Deputirte aus der Provinz erhält, etc. D. hat 2 Kathedralen (St. Patricks Kirche, im gothischen Style 1190 erbaut, mit Swifts Grabmal, u. Christkirche, schon 1038 erbaut), 26 anglikanische Pfarrkirchen (Andrews-, Werburghs-, Georgskirche etc.), katholische Metropolitankirche, 18 andere Kirchen u. Kapellen, über 40 Bethäuser von etwa 15 dissidirenden Religionsparteien u. 1 Synagoge. Andere Gebäude: Schloß (The Castle), aus dem 13. Jahrh., mit 2 Höfen, in dem unteren die Schatzkammer, Zeughaus mit Waffen für 80,000 Mann, in dem oberen der Palast des Lordlieutenants u. Vicekönigs u. der ihm untergebenen Behörden, gothische Schloßkapelle; die Festungswerke sind abgetragen, nur der Birminghamthurm ist stehen geblieben; in ihm das Archiv; das Universitätsgebäude mit Wohnung für 300 Studenten, 2 Höfen, Gärten, Kirche u. Prüfungshalle, Museum, Anatomie, Sternwarte (53°20'27'' nördl. Br., 11°19'7'' östl. L. von Ferro), Bibliothek von 70,000 Bdn.; das Gebäude der königlich Irischen Akademie u. das der Dubliner Gesellschaft, Posthaus, Marineschule, große Kaserne für 4000 (6000) Mann, das ehemalige große, mit Säulenhallen umgebene Parlamentshaus, jetzt Bank, die Börse u. (da die Börse zu klein ist) ein eigenes Versammlungshaus für Kaufleute, das neue Zollhaus, das Rathhaus, der Palast des Herzogs von Leincester (Leincester house), das Stempelamt, Gerichtshaus (Court of laws od. Four Courts) für die oberen Gerichtsbehörden, die Leinwandhalle, das Richmond-General-Penitentiary, das Hospital für Kindbetterinnen, zugleich Vauxhall, 4 Theater. Wissenschaftliche u. Unterrichtsanstalten u. Gelehrte Gesellschaften: Universität (Trinity college), 1320 gestiftet, aber erst 1591 errichtet u. ganz nach Art der englischen eingerichtet, mit 1200 Studenten (über ihre Gebäude s. ob.), Dubliner Gesellschaft für Naturwissenschaften (Dublin Society of Natural Sciences), 1812 gestiftet, hält 600 Mitglieder, hat 6 Professoren, die über Naturwissenschaften, Architektur, Zeichenkunst, Malerei u. Bildhauerkunst unterrichten, von Sammlungen hat sie ein Mineralogisches, Zoologisches u. Ethnographisches Cabinet, eine Sammlung von Gypsabgüssen, Bibliothek von 10,000 Bdn.; ferner die Königlich Irische Akademie (Royal Irish Academy), mit Botanischem Garten u. Mineraliencabinet, Philosophical Society, Zoological Society, Geological Society, Malerakademie, Ackerbaugesellschaft (Farming Society) mit 2 großen Anstalten zu D. u. zu Ballieston, Collegium der Physik u. das der Chirurgie, in letzterem auch Unterricht für Arzneikunde, 85 Schulen, worunter 1 für Soldaten- u. 1 für Matrosenkinder. Wohlthätigkeitsanstalten: Invalidenhaus, Findelhaus, Hospital Kilmainham für alte Soldaten u. Seeleute, Hospital für Kindbetterinnen (s. oben), Bedford-Asylum zur Aufnahme u. Beschäftigung armer Kinder, 15 Hospitäler für Wittwen u. Waisen (im Ganzen 25 Hospitäler), 11 Krankenhäuser (darunter das Lying), Vaccinationsanstalt, 5 Häuser zur Besserung liederlicher Dirnen, Besserungshaus, 2 Waisenhäuser, Arbeitshaus für Freiwillige, 2 Zwangsarbeitshäuser, Rath für Erziehung, Musikalischer Wohlthätigkeitsverein, Gesellschaft zur Unterstützung Fremder, zur Unterstützung von Schuldnern, Hülfsmission der Irischen Kirche, Mission der Methodisten, 7 Nonnen-, 6 Mönchsklöster. Die Industrie ist im Allgemeinen nicht bedeutend, wird wenigstens nicht im Großen betrieben, am meisten noch in Seide, Baumwolle, Wolle u. Leinwand, ferner in Glas, Zucker, Tabak, Stärke, Hüten u. Branntwein (Wisky). Von großer Wichtigkeit ist dagegen der Handel, sowohl nach dem Inlande (Wochen- u. Jahrmärkte u. ein großer Viehmarkt), als nach Schottland, England, Frankreich, Holland, der Ostsee, Westindien, Nordamerika u. Afrika; ausgeführt werden namentlich Leinwand, Branntwein, Schlachtvieh, Speck u. Pöckelfleisch. Wechsel werden vorzugsweise nach London ausgestellt u. zwar je nach der Frist mit 1/4–1 Procent [369] Verlust od. Gewinn, die von London auf D. gezogenen Wechsel meistens 21 Tage nach Sicht, auf längere Fristen ein verhältnißmäßiger Zins. Da die Dubliner Bai, östlich von D., u. auch östlich streichend, den Winden sehr ausgesetzt u. daher als Hafen ziemlich unsicher war, baute man 1748–55 mit bedeutendem Kostenaufwande einen Granitsteindamm, der sich in einer Breite von 60 Fuß über 1 Stunde ins Meer hinein erstreckt, u. an dessen äußerem Ende ein Leuchtthurm liegt; zwischen diesem u. einem anderen Leuchtthurm auf einem Felsen der nördlich davon gelegenen Halbinsel Howth-Hill geht die Einfahrt in die Bai. Nordwestlich von Howth-Hill hat man noch durch Erbauung eines anderen Dammes einen Außenhafen angelegt, doch liegt sowohl dieser als der ältere jetzt fast gänzlich versandet u. verödet, wogegen der 1817 erbaute, durch großartige Granitdämme geschützte, neue Hafen bei dem Flecken Kingstown (früher Dunleary genannt) östlich von dem alten Hafen gelegen, ungefähr 21/2 Stunden von D. entfernt, seit 1834 mit D. durch eine Eisenbahn verbunden ist u. jetzt beinahe ausschließlich benutzt wird. D. hat Eisenbahnverbindung mit Drogheda u. mit Kilkenny u. regelmäßige Dampfschifffahrt nach Parkgate, Liverpool, Holyhead u. Bristol. 1851: 258,361 Einwohner, worunter gegen 70,000 der Anglikanischen Kirche angehören, ungefähr 8000 Dissenters, die übrigen Römische Katholiken sind. D. ist der Geburtsort von Edm. Burke u. Ion. Brost. – D. ist nach Einigen das Eblana des Ptolemäos, nach Anderen wurde es erst 851 von Normännern als Difflin angelegt u. war schon seit dem 10. Jahrhundert Residenz eines normännischen Königshauses. Um 1038 wurde ein Bisthum hier errichtet, das später in ein Erzbisthum verwandelt wurde. 1102 wurde D. vom König Magnus von Norwegen erobert, doch nach seinem Tode wieder frei, wurde es von Neuem Sitz des normännischen Königshauses. 1171 eroberte es der mglische Graf Strongbow, u. nun erscheint D. bis ins 15. Jahrh. als Sitz einer Grafschaft D. 1220 baute der Bischof Heinrich das Schloß. 1409 erhielten die Dubliner die Erlaubniß, sich einen Mayor zu wählen, dem 1665 der Titel als Lord gegeben wurde; seit 1541 wurde D. Sitz des Vicekönigs. 9. März 1566 Ausbruch der Palastverschwörung, wobei Dav. Riccio ermordet wurde. 1748–1755 wurde der große Damm vor der Bai in O. u. S O. angelegt (s. ob.), u. 1761 der Leuchtthurm erbaut. 1784 hier Bürgerversammlung, welche den Katholiken Antheil an den Parlamentswahlen gestatten wollte; 31. Oct. 1841 Tumult u. Orangistenaufstand; 30. März 1843 legte O'Connel den Grundstein zur Versöhnungshalle (deren Zweck ein Irisches Unterhaus sein sollte), welche am 23. Octbr. d. I. eröffnet wurde, s. Irland (Gesch.). 3) Städtischer Bezirk mit Postamt (Post-township) in der Grafschaft Cheshire des Staates New-Hampshire (Nordamerika); 1200 Ew.; 4) Hauptort der Grafschaft Laurens im Staate Georgia am Oconee-River.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 5. Altenburg 1858, S. 368-370.
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