Schwalbe

1. An den Schwalben merkt man, dass es Sommer ist.

Die Schwalbe gilt sehr allgemein als Verkünderin des Frühlings. Ihre Rückkehr wird in Griechenland [411] durch die Jugend gefeiert, die, wie bei uns am Lätare-Sonntag den Tod austreibend, dort am 1. März gabenheischend am Orte umherzieht, indem sie eine künstliche Schwalbe an einem Faden in die Luft fliegen lassen und Schwalbenlieder singen. In Polen lässt die Jugend die ersten Schwalben singen: »Es waren hier Schober die Menge, jetzt sind keine mehr da.« In der Grafschaft Mark: Als ik fut trock, as ik fut trock, was Hus und Huof voll, nu ik wi'er kuem, nu ik wi'er kuem, es alles verrîten, verslîten, vertrîten, versplîten. (Illustr. Zeitung vom 7. Mai 1864, Nr. 1088, S. 307.)

Lat.: Aestatem loquitur hirundo. (Seybold, 14.)


2. De ersten Swalften brenget noch kainen Suemer. (Grafschaft Mark.) – Woeste, 58, 7.


3. Die Schwalbe braucht keinen Schnabel wie der Storch.

Böhm.: Lastovčin zobáček krátký, ale sladký. (Čelakovsky, 265.)


4. Die Schwalbe lässt ihr Nest da, wenn sie ins warme Land fliegt.


5. Die Schwalbe singt in Preussen: Ass öck wegtôch, ass öck wegtôch, lêt öck Schîn on Schoppe voll; ass öck wedderkäm, ass öck wedderkäm, ûtgefrête, ûtgeschête; frêt, dat du di wargst.Rausch, Sagen, 121.

Nach Meier's Deutsche Kinderreime (99) singt sie in Schwaben: »Die Weiber gehn hause ge schwitze, ge schwatze; und wenn sie heim kommen, da finden sie kein Fu-r und kein Wasse-r.« Im Dessauischen ruft sie dem Freier zu: »Wenn du sie sähst, wie ich sie seh, des Morgens, wenn s' innen Kuhstall gehn!« Oder sie erzählt: »Wollde mich em Kittel flicken, habe kênen Zwir-r-r-n, hebbe nur noch en klên Endichen, das muss ich lang zirren.« (Fiedler, Volksreime, 148.)


6. Die Schwalbe und ein Gast bringen Glück ins Haus.


7. Die Schwalben bezahlen ihre Hausmiethe mit Mist.

Dän.: Svalen for fire maaneders herberge betalen med fem ugers møg. (Prov. dan., 536.)


8. Die Schwalben fliegen dem Sommer, die Tauben den weissen Dächern und die Freunde dem Glück nach.Winckler, VI, 11.

Wir lassen die Schwalben nach wärmern Gegenden reisen, wo sie von neuern Reisenden in den Steppen des innern Afrika angetroffen worden. Nach dem Volksglauben der Kosacken ziehen die Schwalben nicht in südliche Länder, sie thun vielmehr im Winter für ihre Sommervergehen, wahrscheinlich für ihr vieles Schwatzen, dadurch Busse, dass sie unter dem Wasser gefrieren; und man versichert in der Ukraine, dass im Winter zuweilen mit dem Netz ganze Gewinde gefrorener Schwalben herausgezogen werden, die mit den Füssen aneinander hängen; doch hat noch kein Naturforscher je einen solchen Zug weder gethan, noch gesehen. Erst wenn das Eis schmilzt, thauen nach der Meinung der Kosacken die Schwalben auf und kommen wieder hervor. Nach den Sagen verwandter Volksstämme kann man wol annehmen, dass eine Zungensünde zu Grunde liegt. Nach dem litauischen Volksglauben ist eine Königin, die falsche Gerüchte verbreitet, in eine Schwalbe verwandelt worden. Nach der walachischen Volkssage war die Rauchschwalbe ehemals ein Mädchen, das seine Aeltern verleumdete, sich mit ihnen zankte und in seiner jetzigen Gestalt dazu verurtheilt ist, sein Nest im schwärzenden Schornstein zu bauen. (Vgl. Vogelglaube in der Ukraine in Ausland, 1871, Nr. 9.)


9. Die Schwalben sind grausame Bienenfeinde, man soll sie aber nicht tödten, weil sie sonst die Kühe stechen.Oek. Weisheit, 116.

Der Sammler von Bienensprichwörtern a.a.O. weist dies als eine thörichte Ansicht, als Possen zurück. Wie könnten auch Schwalben stechen!


10. Eine alte Schwalbe weiss ihr Nest.

Holl.: Eene oude zwaluw weet haar nest. (Harrebomée, II, 515a.)


11. Eine Schwalbe fliegt gern bei der andern.


12. Eine Schwalbe macht (bringt) keinen Sommer (bringt keinen Frühling).Petri, II, 225; Eyering, I, 3 u. 140; Froschm., Qii; Henisch, 1266, 88; Lehmann, 166, 1; Hollenberg, I, 36; Bücking, 118; Müller, 10, 6; Pistor., X, 73; Körte, 5458; Körte2, 8820; Steiger, 148; Gaal, 1390; Schulze, 81; Braun, I, 4025; Lohrengel, I, 209; Blass, 12; Schmitz, 195, 177.

Bei Tunnicius (774): Eine swalwe en brinkt nicht den mei. (Purpureum nunquam ver sola reportat hirundo.) Der diesem Sprichwort zu Grunde liegende Gedanke, dass es gewagt und unzulässig sei, von einer einzelnen Erscheinung, einer einzelnen Person, Handlung allgemeine Schlüsse zu ziehen, hat bei den verschiedensten [412] Völkern sprichwörtlichen Ausdruck gefunden. Unter dem Bilde der Schwalbe war er schon bei den alten Griechen sprichwörtlich vorhanden und ist durch die Römer zu allen romanischen und slawischen Völkern gelangt. Die Slowaken sagen: Eine Schwalbe macht nicht Frühjahr, ein Stamm ist kein Wald. Die Walachen ähnlich: Eine Schwalbe bringt das Frühjahr nicht herbei, und ein Baum macht keinen Wald. Die Engländer: Eine Schwalbe macht weder den Sommer, noch eine Schnepfe den Winter. Derselbe Gedanke tritt aber noch unter viel andern Bildern hervor. Ein Tropfen Honig, sagen die Dänen, macht das Meer nicht süss. Eine Blume macht keinen Kranz. Ein Schilling in der Tasche klingt nicht. Die Holländer: Eine Elster macht keinen Winter. In Italien heisst es: Eine Blume macht den Frühling nicht. Oder: Eine Blume macht kein Gewinde. Ein Dorn macht keine Hecke (keinen Zaun). Ein Mann macht keinen Tanz. Ein Korb mit Weintrauben macht noch keine Weinlese. Die Russen: Eine Blume macht keinen Garten und wäre sie eine Rose. Ein Grashalm macht keine Wiese. Eine Traube macht keinen Weinberg. Eine Ameise macht keinen Haufen. Eine Feder macht keinen Pfühl. Ein Haar macht keinen Pelz. Eine Welle macht kein Meer. Die Kroaten: Ein Jude macht keinen Jahrmarkt. In Surinam heisst es: Eine Schnepfe bedeckt den Teller nicht; im Hindostanischen: Eine Hand bringt keinen Schall hervor, was mit der tamulischen Behauptung stimmt: Um mit den Fingern zu knacken, genügt ein Finger nicht, wie mit dem türkischen Sprichwort: Eine Hand klatscht nicht, und dem italienischen: Eine Nuss im Sack klappert nicht, wie dem der französischen Neger: Ein Finger kann nicht Kalalu (eine dünne, grüne Suppe, die man auf den Antillen sehr liebt) essen. – Wenn ein Volk nicht reif ist, so wird auch die beste politische Theorie nichts Gutes wirken. Einzelne Köpfe entscheiden wie einzelne Schwalben, wenig, und können, selbst an der Spitze der Regierung, nur insofern nützen, als ihre Massregeln der Nationalbildung angemessen sind.

Mhd.: Ein swalbe ouch nicht bringet den lenzin wan si komit geflogin. (Ritterspiegel.) (Zingerle, 135.)

Dän.: En svale giør ei sommer eller krage vinter. – En svale giør ikke vaar. (Prov. dan., 536; Bohn I, 364.)

Engl.: One bee makes no swarm. – One swallow makes no summer, nor one wood-cock a winter. (Gaal, 1390; Bohn II, 121.)

Frz.: Une hirondelle ne fait pas le printemps. (Leroux, I, 76; Bohn I, 61; Kritzinger, 383b; Lendroy, 870.)

Holl.: Eene zwaluw maakt geen zomer. (Bohn I, 113; Harrebomée, II, 515a.)

It.: Una rondine (un fiore) non fa primavera. (Bohn I, 129; Gaal, 1390.)

Kroat.: Jedna lasta nečini prolĕtja.

Lat.: Flos unus non facit hortum. – Non flos, sed flores faciunt ex arte corollam. (Masson, 310.) – Una hirundo non facit ver. (Seybold, 648; Chaos, 1012; Hauer, Lij2; Tappius, 61b; Eiselein, 561; Faselius, 263; Wiegand, 359; Fischer, 243, 104; Philippi, II, 232; Schonheim, V, 7; Frob., 601.) – Una linea geometram non facit. (Novarin, 52; Binder II, 3403.) – Ver non una dies, non una reducit hirundo. (Binder I, 1838; II, 3498; Egeria, 318; Eiselein, 561; Gaal, 1390; Philippi, 246; Palingen, 5, 322; Seybold, 627.)

Poln.: Za jedną jaskółką, lato nie przychodzi. (Lompa, 35.)

Schwed.: En swala gör ingen sommar. (Marin, 12; Rhodin, 46; Wensell, 29; Grubb, 185.)

Span.: Una golondrina no hace verano. (Bohn I, 260.)

Tschud.: Ei üks päsoke te suit. (Čelakovsky, 290.)

Ung.: Egy fecske tavaszt nem csinál.


13. Eine Schwalbe macht keinen Sommer, wenn sie gleich die erste ist, und ein Mädchen keinen Kummer, wenn es gleich die schönste ist.

Sprichwörtlich gebrauchte Verse eines Soldatenliedes.


14. Ên oder twei Swaleken mâket keinen Sommer.Sackmann, 27.


15. Êne Schwolbe macht kin Summer. (Schles.) – Robinson, 124; Gomolcke, 382; für Waldeck: Curtze, 333, 253; für Hannover: Schambach, I, 267; für Henneberg: Frommann, II, 109, 65; für Oberösterreich: Baumgarten, 1202; Frommann, III, 245, 147; für Niederösterreich: Frommann, III, 390, 24; für Tirol: Schöpf, 657; für Sylt: Haupt, VIII, 365, 228; ostfriesisch bei Eichwald, 1898; hochdeutsch bei Dove, 241 u. 378.

Jüdisch-deutsch in Warschau: Ein Schwalb macht nit keinen Sümmer. Aber sie verkündigt ihn; und in deutschen wie niederländischen Städten gehörte es einst zu den Pflichten jedes Thurmwächters, die erste Schwalbe, die er sah, durch Blasen zu begrüssen, ihre Ankunft der Ortsbehörde anzuzeigen, welche dies frohe Ereigniss sofort öffentlich ankündigen liess. Im Plattdeutschen: En Swulk mâkt ken Sommer. (Marahrens, 97.) »Ein einig Schwalb macht keinen Sommer.« (Waldis, III, 71, 15.) »Eine Schwalbe macht keinen Sommer, ein Tag keinen gelehrten Mann, noch eine Probe einen guten Redner oder ein Liedlein einen guten Musikanten, noch, einmal das Ziel treffen, einen guten Schützen.« (Zinkgref, IV, 113.) »Eine einzelne Beobachtung verhält [413] sich zur allgemeinen Erfahrung, wie eine einzige Schwalbe zum Frühjahr.« (Witzfunken, IVb, 119.)

Böhm.: Bez jedné lastovičky léto bude. – Jedna lastovka nedĕlá jara. (Čelakovsky, 290.)

Dän.: Svalen synger hos os om sommeren, men forlader os om vinteren. (Prov. dan., 536.)

Holl.: Een spreeuw op't dak maakt nog de lente niet. (Harrebomée, II, 293a.)

Kroat.: Jedna lastovica ne čini protuletja. (Čelakovsky, 290.)

Lat.: Flos unus non facit hortum. (Binder II, 1162; Novarin, 238.)

Poln.: Jedna jaskółka nieprzynosi lata, i jedna miasta nieuczyni chata. – Jedna jaskółka nieprzynosi wiosny. (Čelakovsky, 290.)


16. Lass die Schwalben in deinem Hause nicht nisteln.

»Die Ohrenbläser verlestern im rücken, sie wispeln wie die Schwalben, daher denn auch das Sprichwort entsprungen: Lass die Schwalben in deinem Hause nicht nisteln.« (Mathesy, 184b.) D.h. enthalte dich des Umgangs mit Schwätzern und Vagabunden. Bei uns gilt die Schwalbe als ein segenbringender Vogel, dessen Nest man schützen muss. In Russland, wo man glaubt, dass die Schwalbe die Nägel, welche der Sperling zur Kreuzigung Jesu herbeigeholt, wieder fortgetragen habe, gilt es für ein eine Viehseuche nach sich ziehendes Verbrechen, eine Schwalbe zu tödten. Auch in der Ukraine wird das Nest der Schwalbe sorglich behütet. Man meint dort, dass der, welcher es verderbe, nicht nur Sommersprossen bekomme, sondern sich auch der Rache der Schwalben aussetze, die unter seinen Kühen wegfliegen, infolge dessen dieselben blutrothe Milch geben. Eine Sage im Unterinnthal (Tirol) wirft ihnen dagegen vor, sie hätten, als Christus am Kreuze hing und die ganze Natur trauerte, auf einem Baum gesessen und fröhlich gezwitschert, worüber er so entrüstet worden, dass er über die leichtsinnigen Vögel den Fluch ausgesprochen habe, es soll nie mehr eine Schwalbe auf etwas Grünem sitzen, daher man sie den ganzen Tag auf kothigem Wege herumhüpfen und ihrer Beute nachjagen sehe. Die Schwalben in Andalusien mussten demnach wol ein besseres Schicksal haben, da sie nach dem dortigen Volksglauben die Dornen aus Christi Krone herausgezogen haben, während Stieglitze und Nachtigallen seinen Tod beweinten. (Vgl. Volksglaube in der Ukraine in Ausland, 1871, Nr. 9.)


17. Schwalben kommen mit fröhlichem Gesang vnd ziehen stillschweigend hinweg.Lehmann, 231, 21.

Lat.: Garrulae adveniunt, recedunt sine voce hirundines (Lehmann, 231, 21.)


18. Schwalben und Küchenfreunde sind Sommervögel.

Wenn die Luft und Küche kalt werden, ziehen sie fort.


19. Trüge man der Schwalbe das Futter ins Nest, sie flöge nicht über den Teich.Altmann VI, 418.


20. Während die Schwalbe umherfliegt, raubt ihr der Sperling das Nest.

»Dieweil die Schwalb muss vmbherfliegen, der spatz sie thut vmbs nest betrügen.«

Lat.: Passere sub tecto remanente, uagatur hirundo. (Loci comm., 111; Sutor, 371.)


21. Wann die Schwalb weg fleugt, so bleibt der Sperling.Petri, II, 646; Körte, 5463.

Holl.: Als de swalben vlieghen, bliven hier die muschen. (Fallersleben, 29; Harrebomée, II, 515a.)

Lat.: Avolitante manet argutus hirondine passer. (Tunn., 1158.) – Passere sub tecto remanente residit hirundo. (Fallersleben, 29.)


22. Weisse Schwalben, kalter Sommer.

»In Göttingen hat man am 14. April Schwalben beobachtet, die seltsamerweise ganz weiss waren. Der Volksglaube schliesst aus diesem Umstande auf einen kalten Sommer mit langdauernden Nachtfrösten.« (Breslauer Zeitung, 1864, Nr. 233, S. 1352.)


23. Wenn d' Schwalmi teuf fliege, git's wüescht's, flüge sie höch, git's schön's Wetter. (Solothurn.) – Schild, 119, 175.


24. Wenn de Swäleke wi'ne Gôs (Gans) schîten will, sau bastet êr dat Âsloch, segt de. (Hildesheim.) – Hoefer, 206.


25. Wenn die Schwalb den Sperling ins Nest lest, so muss sie wandern.Petri, II, 646.


26. Wenn die Schwalbe fliegt übers Meer, sind ihr die Flügel nicht zu schwer.

Engl.: The bird feels not its wing heavy.


27. Wenn die Schwalben beide Lehm tragen, so ist das Nest bald fertig.


28. Wenn die Schwalben das Wasser im Fluge berühren, so ist Regen zu spüren.

»Diess ist gewiss ohn alles Betrügen, wenn die Schwalben [414] auf dem Wasser fliegen und mit Flügeln schlagen darein, dass Regen-Wetter vorhanden seyn.« (Von Flemming, Vollkommner Teutscher Jäger, 1723, II, 226.) Vgl. auch Mecklenburger Anzeiger, 1864, Nr. 40.


29. Wenn die Schwalben fischen, kommt ein Gewitter.Baumgarten, Ms.


30. Wenn die Schwalben fliegen, so bleiben hier die Fliegen.Körte, 5459.


31. Wenn die Schwalben fort sind, steht das Nest leer.


32. Wenn die Schwalben fortfliegen, bleiben die Spatzen hier.Simrock, 9330.


33. Wenn die Schwalben niedrig fliegen und die Tauben baden, so bedeutet's Regen.Simrock, 9322a.


34. Wenn die Schwalben niedrig fliegen, verkünden sie Regen.

Holl.: Wanneer de zwaluwen laag vliegen, is het een tecken van regen. (Harrebomée, II, 515.)


35. Wenn man Schwalben im Hause hat, schlägt der Blitz nicht ein.Simrock, 9331a.

Als ehemalige Lieblingsvögel der Hulda oder der schönen nie alternden Iduna, welche, sobald Thor die Winterriesen besiegt hatte, in Schwalbengestalt nach Walhalla zurückkehrte, werden sie in vielen Gegenden Deutschlands sowie in Oberitalien als Muttergottesvögel verehrt, und in den Niederlanden zählt man sie, gleich dem Schwan und der Taube, zu den geheiligten Seevögeln. Ihre Anwesenheit macht nach diesem Glauben ein Dorf reich, ihre Abwesenheit macht es arm. Wo sie nisten, gibt's keinen Unfrieden, schlägt der Blitz nicht ein, ist das Haus gesegnet. Wer aber ein Schwalbennest zerstört oder eine Schwalbe tödtet, den trifft schweres Unheil, indem entweder sein Vieh durch Seuche hinweggerafft oder sein Haus durch Feuersbrunst zerstört wird. Wo man ein Schwalbennest ausnimmt, fällt das schönste Stück Vieh im Stalle und wer eine Schwalbe schiesst, dem stirbt Vater und Mutter. Daher sind die Schwalben, obwol sie durch ihre Nester die Häuser belästigen, des grössten Schutzes sicher; und in Tirol liessen oft Leute blos deshalb Tag und Nacht die Fenster offen, um diesen Glücksvögeln nicht den Eingang zu erschweren. (Vgl. Die Wiederkehr der Schwalben in der Illustr. Zeitung, Leipzig 1864, Nr. 1088.)


36. Wenn sich auch eine Schwalbe auf den Draht setzt, die Nachricht (Depesche) geht fort.

Die Russen: Wenn auch die Schwalbe die Glocke beschmeisst, sie verliert nichts vom Klange. (Altmann VI, 441.)


37. Wie die schwalb ist dess frülings bott, also die krä dess winters.Gruter, I, 84.


38. Ziehen die Schwalben zu Mariä Geburt nicht zum Süden furt, dann wollen sie sehen, wie die Blumen im Weinmonat stehen.


39. Zwei Schwälken maket keinen Sommer. (Mecklenburg.)


*40. Die Schwalben sind ihm über die Augen gekommen, wie dem Tobias.Parömiakon, 284.

Er ist sehr verblendet.


*41. Er cha Schwalbe schiesse. (S. Lügen 284.) – Sutermeister, 74.


*42. Er hat Schwalben unter dem Hute.Eiselein, 561; Simrock, 9332; Körte, 5460; Braun, I, 4026.

Er nimmt weder grüssend noch dankend seine Kopfbedeckung ab.


*43. Er ist wie eine Schwalbe, die das Nest in die Stube macht.Parömiakon, 1607.

Wer alle Gesellschaften meidet und sehr häuslich lebt.


*44. Er ist zu den Schwalben in die Schule gegangen.


*45. Er muss viel Schwalben sehen, biss dass er glaubt, dass es frühling sei.Henisch, 1266, 29.


*46. Es ist eine nackte Schwalbe.

Eine von allem entblösste Person.

Holl.: Het is eene naakte zwaluw. (Harrebomée, II, 515a.)


*47. Ich werde ihm eine neue Schwalbe zeigen. Körte, 5460.


*48. Hi leat an Swalk ütjflä an wal an Gus wedder ha. (Nordfries.) – Firmenich, III, 5, 54; Lappenkorb; für Amrum: Haupt, VIII, 359, 138.

Er lässt eine Schwalbe ausfliegen und will eine Gans wieder haben.


[415]

49. Auf Schwalb und Eichhorn merks bald, wenn sie verschwunden, wird es kalt.Marienkalender, 1879, S. 25.


50. Die Schwalbe baut ihr Nest noch wie zu Adam's Zeiten.Reimann, Naturleben des Vaterlandes (Berlin 1854), S. 269.

Nur in der Hauptsache richtig, sonst hat sich gerade die Schwalbe bei ihrem Nesterbau den Verhältnissen sehr anbequemt.


51. Die Schwalbe und die Flechte, die flogen wol über das wilde Meer; die Schwalbe die kam wieder, die Flechte nimmermehr.Neue Illustrirte Zeitung, 1879, I, 10.

Mit diesem Spruche heilt man im Harz die Flechtenkrankheit auf sympathetischem Wege, indem man früh morgens, ehe man noch mit jemand gesprochen und ehe man etwas genossen hat, obige Reime hersagt.


*52. Die Schwolm fliegen niedrich, 's wird ej Watter gan.Larisch, 22.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 4. Leipzig 1876.
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