Étienne Bonnot de Condillac

Abhandlung über die Empfindungen

(Traité des sensations)

Quelle:
Condillac's Abhandlung über die Empfindungen. Berlin 1870.
Erstdruck: Paris 1754. Erste deutsche Übersetzung von J. M. Weissegger, Wien 1792. Der Text folgt der Übersetzung der Fassung letzter Hand durch Eduard Johnson von 1868/70. – Nicht wiedergegeben wird in dieser Übersetzung die Vorrede des Autors, in der er das Denkmodell einer menschlichen Statue entwickelt, die keinerlei Vorstellungen besitzt und durch die Marmorhülle von allen Eindrücken der Außenwelt abgeschlossen ist. Ihr werden nun im Laufe der Abhandlung zu Demonstrationszwecken einzelne Sinne verliehen.
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Abhandlung über die Empfindungen
Abhandlungen über die Empfindungen.

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Gamiani oder zwei tolle Nächte / Rolla

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»Fanni war noch jung und unschuldigen Herzens. Ich glaubte daher, sie würde an Gamiani nur mit Entsetzen und Abscheu zurückdenken. Ich überhäufte sie mit Liebe und Zärtlichkeit und erwies ihr verschwenderisch die süßesten und berauschendsten Liebkosungen. Zuweilen tötete ich sie fast in wollüstigen Entzückungen, in der Hoffnung, sie würde fortan von keiner anderen Leidenschaft mehr wissen wollen, als von jener natürlichen, die die beiden Geschlechter in den Wonnen der Sinne und der Seele vereint. Aber ach! ich täuschte mich. Fannis Phantasie war geweckt worden – und zur Höhe dieser Phantasie vermochten alle unsere Liebesfreuden sich nicht zu erheben. Nichts kam in Fannis Augen den Verzückungen ihrer Freundin gleich. Unsere glorreichsten Liebestaten schienen ihr kalte Liebkosungen im Vergleich mit den wilden Rasereien, die sie in jener verhängnisvollen Nacht kennen gelernt hatte.«

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