Shakspeare

Shakspeare

[174] Shakspeare (William) war der ausgezeichnetste dramatische Dichter, den die Welt seit dem Untergange Griechenlands gehabt hat.

Er war der Sohn eines wohlhabenden Wollhändlers zu Stratford am Avon, einem Marktflecken in der engl. Grafschaft Warwickshire, geboren wahrscheinlich am 23. Apr. 1564. Seine Mutter war eine Tochter Robert's von Wellington und William war von zehn Kindern ihr ältester Sohn. Nachdem er eine nicht eben ausgezeichnete [174] Erziehung genossen, mußte er bereits in seinem 16. Jahre seinem Vater in dessen Geschäft zur Seite gehen und schon im 18. verheirathete er sich mit Anna Hathaway aus Schottery, welche fast acht Jahr älter als er war. und ihm 1583 eine Tochter, Susanna, welche er durch seine Liebe auszeichnete und 1584 die Zwillinge Judith und Samuel gebar. Es wird erzählt, daß er sich durch jugendlichen Übermuth verleiten ließ, heimlich das Jagdrevier eines benachbarten Edelmanns zu besuchen und sich für die Verfolgungen desselben durch ein Spottgedicht zu rächen. Der Edelmann, hierüber erbittert, wollte William nun mit der vollen Strenge der engl. Jagdgesetze verfolgen, welcher sich dieser (um 1586) nur durch die Flucht entziehen konnte. Er ging nach London und kam hier mit dem Theater in Verbindung. Anfangs soll er das niedrige Amt eines Rufburschen, wie man es nannte, bekleidet haben, welches darin bestand, daß er den auftretenden Schauspielern die Stichworte zurief und dadurch das Zeichen zum Betreten der Bühne gab. Nach einiger Zeit betrat er selbst die Bühne und fing zugleich an, dramatische Dichtungen zu unternehmen. Als Schauspieler machte er anfangs wenig Glück, weil seine einfache naturgemäße Darstellung gegen die declamatorische und gespreizte Darstellung der Übrigen abstach, welche dem verdorbenen Geschmacke der Zeit gemäß war. Auch seine Schauspiele wurden bekrittelt, erregten aber den Beifall der Zuschauer. Einen besondern Gönner fand er in dem Grafen von Southampton, welchem daher auch seine Gedichte »Venus und Adonis« und »Tarquin und Lucretia« gewidmet sind. Auch die große Königin Elisabeth soll ihm Beweise ihres Wohlwollens gegeben haben. Der König Jakob Stuart schrieb ihm eigenhändig einen Brief in Anerkennung der von ihm dem Geschlechte Banquo im Trauerspiel »Macbeth« dargebrachten Huldigungen. Das Haus Stuart leitete sich nämlich von Banquo ab. Trotz seines wachsenden Ruhmes blieb S. doch in dürftigen Umständen und diese mochten sich erst seit 1610 verbessern, in welchem Jahre er nebst zwei Freunden, Henning und Condell, unter bedeutenden Begünstigungen die Erlaubniß erhielt, ein eignes Theater zu errichten. Die beiden eben Genannten waren es auch, welche die erste Ausgabe von S.'s dramatischen Werken veranstalteten. Schon 1613 zog sich S. von dem Theater zurück. Er verließ London und ging nach seiner Vaterstadt Stratfort, wo er mit seiner Familie ein großes, von ihm schon früher erstandenes Haus bezog. Hier starb er an seinem Geburtstage im Jahre 1616. Er wurde zu Stratford unter dem Chor der Hauptkirche begraben und sein Grab wurde durch einen Grabstein mit einfacher Inschrift bezeichnet. Nach einigen Jahren errichtete man ihm in derselben Kirche an der Nordseite der Kanzel ein größeres steinernes Denkmal. Dasselbe besteht aus einer ihn darstellenden Statue in Lebensgröße in sitzender Stellung. Er hat ein Kissen vor sich und hält eine Feder in der Hand. Diese Statue war ursprünglich bemalt, die Augen waren hellbraun, der Bart dunkel, das Wams scharlachroth und der Mantel schwarz. Später hat man die ganze Statue aschgrau angestrichen. Unter dem Dichter stehen lat. diese Verse:


Nestor im Urtheil, an Geist ein Sokrates, Dichter wie Maro,

Birgt ihn die Erde, beklagt ihn das Volk, besitzt der Olymp ihn.


Auf dem Steine darunter steht:


Freund, ich bitt', um Jesu Lehre:

Dieses Staubes Ruhe ehre. Heil dir, verschonst du diesen Stein

Doch Fluch, störst du dies mein Gebein.


Man sagt, S. selbst habe diese Grabschrift verfaßt. Im J. 1741 wurde endlich dem großen Dichter in der Westminsterabtei zu London das hier abgebildete Denkmal gesetzt. Die Kosten zu demselben wurden durch Vorstellungen auf den beiden großen Theatern Londons herbeigeschafft. Dasselbe ist eine Bildsäule aus Marmor, welche S. in der Tracht seiner Zeit darstellt; er stützt sich auf einen seitwärts stehenden allegorisch verzierten Sturz, auf welchem ein Buch liegt mit einer aus S.'s Werken entnommenen Inschrift. Das Andenken S.'s wurde auf eine sinnvolle Weise durch den berühmten Schauspieler Garrick 1769 zu Stratford am Geburtstage des Dichters gefeiert, und als im folgenden Jahre die Hauptvorstellung des Festes auf dem Drurylane-Theater gegeben wurde, fand dieselbe solchen Beifall und solche Theilnahme, daß sie 100 Mal wiederholt werden mußte. Von Person soll S. wohlgebildet gewesen sein, dabei soll er durch sein leichtes, gewandtes, von gefälligem Witz beseeltes Benehmen einen vortrefflichen Gesellschafter gegeben haben. Seine Kinder starben ohne Nachkommen zu hinterlassen, namentlich wurde ihm sein Sohn schon im 12. Jahre entrissen. Doch sollen Verwandte von ihm noch 1819 gelebt haben. Das Haus, welches S. in Stratford bewohnte, und Newplace genannt wurde, war ein theures Andenken an den Verstorbenen, und so auch ein vor demselben von ihm gepflanzter Maulbeerbaum, bis beide in die Hände eines rohen und ungebildeten Menschen, eines Landpredigers Namens Gastrell, kamen, welcher den Baum umschlagen und [175] das Haus niederreißen ließ. Das Haus dagegen, in welchem S. geboren, wird noch gezeigt.

S. selbst hat keine Gesammtausgabe seiner poetischen Werke besorgt und daher kommt es, daß man über verschiedene Dichtungen, welche für Werke S.'s ausgegeben, zweifelhaft ist, ob sie ihm wirklich angehören. Bei den Untersuchungen in dieser Hinsicht ist man dann zum Theil wieder zu weit gegangen, indem man aus mancherlei beschränkten Rücksichten Werke für unecht erklärt hat, welche offenbar das Gepräge des Shakspeare'schen Geistes tragen. Auch über die Reihenfolge seiner Dichtungen hat man keine sichere Kunde, indem man erst lange Zeit nach S.'s Tode anfing, Untersuchungen in dieser Beziehung anzustellen. Es werden dem S. im Ganzen 43 dramatische Stücke zugeschrieben, welche theils Lustspiele, theils Trauerspiele, theils historische Schauspiele sind. Einige stehen mitten inne zwischen diesen verschiedenen Gattungen. Außerdem besitzen wir noch von ihm die beiden schon erwähnten erzählenden Gedichte, von denen Venus und Adonis schon 1593 gedruckt worden ist, und 154 Sonette. Wahrscheinlich ist, daß »Romeo und Julia« und »Verlorne Liebesmüh« wenigstens dem Grundgedanken nach von S. schon geschaffen worden sind, ehe er zuerst nach London kam.

Die große niemals übertroffene Kunst S.'s besteht darin, daß er die treuste Wirklichkeit mit der erhabensten Poesie so zu verschmelzen weiß, daß dadurch vor den Ohren des entzückten Hörers in der That die Wirklichkeit zur Poesie und die Poesie zur Wirklichkeit wird. Er kennt alle Tiefen des menschlichen Geistes, bis in dessen tiefste Schlupfwinkel, in welche niemals das Licht des Bewußtseins zu dringen pflegt, und die Menschen, die er uns in seinen Dramen vorführt, werden von ihm nicht wie von andern Dramatikern an einzelnen Fäden ihres Daseins gehalten und gelenkt, sondern alle Fasern ihres Daseins hält der Dichter in der Hand; er hat den Punkt ergriffen, von welchem aus die Seele im Menschen selbst diesen bis in die äußersten Gliedmaßen, bis in die dunkelste Ahnung in seiner Brust beherrscht, als sein eignes Lebensprincip. Gegen die Shakspeare'schen haben die Personen aller übrigen dramatischen Dichter etwas Marionettenhaftes, jene allein besitzen wahres ursprüngliches Leben. Was aber der Triumph der Dichtkunst ist, jene Totalität der Persönlichkeit, kommt bei S. überall zur allseitigen Äußerung durch die Sprache, sodaß S.'s Menschen eine Durchsichtigkeit besitzen, welche ihr Anschauen zum wahren Kunstgenusse macht. Man begreift sie durch und durch und sieht doch auch, wie sie sich selbst nicht begreifen können; – die Widersprüche ihres Daseins, die ihnen selbst in ihrer Unüberwindlichkeit zum Schicksal werden, sind dem Leser und Hörer klar und lösen sich in dem Ganzen des dramatischen Kunstwerks zu den schönsten Harmonien auf. Der befangene, ungebildete Geist wird von S. gleich sehr hingerissen wie der gebildetste, wenn er sich auch nicht über die Gründe Rechenschaft ablegen kann, wie dieser. Ja, wenn der künstlerisch Ungebildete an S.'s Kunstwerke mit den gewöhnlichen Regeln des Geschmacks, als an Gegenstände seiner Kritik geht, so wird ihm S. selbst als ein Ungeheuer an Geschmacklosigkeit erscheinen, der alle jene Regeln über den Haufen stürzt; ein solcher Kritiker wird nicht begreifen, wie S. jene Allgewalt über die Geister ausübt, der er sich selbst nicht entwinden kann, wenn er sich auch noch so sehr darüber ärgert. Es hat auch an solchen Beurtheilern des S. nicht gefehlt. Ihre Regeln des Geschmacks sind eben nichts als einseitige Vorurtheile, welche der mittelmäßige Dichter beobachtet, um Leidliches zu liefern, sind jener Mechanismus der Marionetten, deren er sich zur dürftigen Nachahmung des wirklichen Lebens bedient; sie gehen bei S. auf in den lebendigen Organismus seiner Gestalten. Jene Kritiker gleichen Denen, welche ein sich entwickelndes organisches Geschöpf nach der Analogie einer vom Mechaniker gefertigten Maschine begreifen und erklären wollen; wie diesen, wird ihnen der Gegenstand ihrer Kritik immer räthselhafter, widerspruchsvoller erscheinen, je länger sie ihn anschauen, je tiefer sie in ihn eindringen. Die entsetzenvolle Lustigkeit des Schmerzes, der schneidende Schmerz der Lustigkeit bei S. sind sogleich Widersprüche, welche das Menschenherz so nach seiner tiefinnersten Wahrheit darstellen, daß der gewöhnliche, nur nach conventionnellen Formen lebende und sich bewegende Mensch, den noch kein gewaltiger Schmerz aus der eignen Marionettenhaftigkeit herausgerissen, vor ihnen wie geblendet das Auge zudrückt und sich überreden möchte, der Dichter lüge, nur damit er sich selbst die eigne Lüge nicht einzugestehen nöthig habe. Oft stellt uns S. mit wenigen kecken Umrissen die ganze Entwickelungsgeschichte eines Geistes dar, in der kein wesentliches Moment übersprungen, kein charakteristischer Zug vernachlässigt ist, aber unter dem Hauch der Poesie und in der Glut der Leidenschaft Knospen, Blätter und Früchte mit einer Hast zur Erscheinung getrieben sind, welche im gewöhnlichen Leben, in dem die Glut der Leidenschaften sich zur langsam fördernden Wärme abdampft, nur in langen Zwischenräumen heranreifen; dann ist der große Dichter von kleinern Seelen der Willkürlichkeit beschuldigt worden. Aber auch da, wo S. die freiesten Schöpfungen der Phantasie mitten in das dargestellte wirkliche Leben keck hineinspielen läßt, haben jene sich so naturgemäß verwirklicht, daß es scheint, als habe der Dichter dem Gotte das Schöpfungswort abgelauscht, durch welches sich die Freiheit des Geistes als Nothwendigkeit der Erscheinung gebart. S. war weit entfernt von der Willkür eines ungebändigten Talents, welches philisterhafte Krittler allein in ihm zu erkennen meinten, und man entdeckt bei tiefem Studium in seinen Werken die klarste Besonnenheit, welche den unendlichen Stoff schöpferischer Phantasie mit durchdringendem Bewußtsein beherrscht und nur darum den vollendeten Schein der Unmittelbarkeit an sich trägt, weil sie mit der höchsten Anspruchlosigkeit auftritt. Indem S. wie ein Gott in seiner Schöpfung waltet, scheint er wie ein unschuldiges Kind zu tändeln und zu spielen, aber die unfehlbarste Wirkung folgt diesen Spielen, denn auch der Ungebildetste ahnet, daß hier Geist zum Geiste redet. Es ereignet sich bei S., daß seine Schauspiele auch durch die schlechtesten Schauspieler nicht zu verwüsten sind, auch in der schlechtesten Darstellung noch ihre Wirksamkeit behalten; es ist diese die Folge jener schon berührten Völligkeit seiner Personen, die so vollendet sind, daß ihnen der darstellende Künstler nichts zuzufügen, nichts hinwegzunehmen braucht. Der schlechte Schauspieler erscheint in S.'s Rollen nur in seiner eignen Ungeschicklichkeit, welche auf die Rolle nicht übergeht, wenn diese nur unverstümmelt geblieben, denn Alles, was ausgedrückt werden soll, ist in diesen Rollen Sprache geworden und dringt durch das Ohr, wenn nicht durch das Auge, ergreifend in die Seele des Zuschauers. Die Art und Weise des Ausdrucks selbst ist bei [176] S. getreu dem Leben entnommen, da, wo er sich nicht auf den Schwingen des Genius in die höhern Gebiete des Geistes erhebt; sie ist gemein, wo sie gemeine Wirklichkeit darzustellen hat, und adelt diese nur durch die Fülle des Witzes, der Zuckungen des in der Welt von der Gemeinheit unterjochten Geistes. Man darf aber nicht vergessen, daß das Leben, welches sich hier in S.'s Werken nach seinen Äußerungen in gemeiner Wirklichkeit abspiegelt, einer vorübergegangenen Zeit angehört. Die Sitten und die diesen gemäße Sprache eines längst verflossenen und durch die Gegenwart überreiften Jahrhunderts treten uns bei S. entgegen. In seinen Dichtungen herrscht eine Derbheit des Ausdrucks, eine Ungenirtheit des Witzes, wie sie unsere verfeinerte, moralisch cultivirte Zeit nicht mehr kennt, und welche keineswegs von einem Dichter der Gegenwart nachzuahmen sind, wie freilich häufig genug geschehen von Solchen, die einem großen Geist ablauschen »wie er sich räuspert und wie er spuckt« und ihn damit begriffen zu haben meinen.

Nur wenige von S.'s Meisterwerken können hier namentlich erwähnt werden. Wenn er in »Romeo und Julia« die heilige Flamme der Liebe auflodern läßt, wie sie die Nacht des Grabes und des Todes überwältigt, triumphirend durch alle Schrecknisse der Rache, des Entsetzens, der Verzweiflung hindurchgeht, und nachdem alles Irdische von ihr verzehrt ist, zuletzt noch ihr Gegentheil den Haß besiegt und so den Frieden der Erde gibt, indem sie selbst dem Himmel zuschwebt; – so stellt er uns dagegen in »Othello« die in Lug und Trug des irdischen Lebens befangene Liebe dar, welche niedergehalten von der Macht der Wirklichkeit, diese unterwühlt und innerlich verzehrt, statt zu beseligen, quält und sich endlich nicht anders mehr zu äußern vermag als durch eine That, welche nicht der Liebe, sondern dem wildesten Hasse anzugehören scheint. Das Schwerste hat S. im »Hamlet« geleistet, die Darstellung der Vermittelung des Gedankens zur That in ihrer Schwierigkeit für den Menschen, welcher sich durch eine künstliche Bildung der Unmittelbarkeit seines Daseins entrissen. Da kehrt der Geist bei sich ein, statt aus sich herauszugehen, und diese Verkehrung des Geistes wird bei dem unmittelbaren Menschen (bei der unschuldigen Ophelia) zum wirklichen, bei dem selbstbewußten (bei Hamlet) zum erlogenen Wahnsinn. Sich selbst, nicht nur den Andern, lügt Hamlet diesen Wahnsinn vor, und erntet die bittere Frucht dieser Lüge, indem er sich selbst endlich ermannt zur That, die wie ein Fluch auf seiner Seele gelastet. Alle Mächte der Finsterniß hat S. im »Macbeth« entsetzenvoll heraufbeschworen, wie sie in der Brust des Menschen lebendig werden und für ihn selbst den falschen Schein einer Wirklichkeit gewinnen, in welcher schaffend er an nichts arbeitet als an der Selbstvernichtung. In der gewaltigsten Macht des schöpferischen Geistes tritt S. im »Cymbelin« auf; eine eigne, keiner Zeit und doch aller Zeit angehörende Welt entbreitet er hier vor unsern Blicken. Auf ähnliche Weise verfährt er auch in seinen Lustspielen, in welchen er in die gemeine Wirklichkeit alle phantastischen Caricaturen des Geistigen so hineinspielen läßt, daß jene selbst als Das, was sie in Wahrheit ist, auch als eine Caricatur des Geistigen erscheint. Wir erinnern hier nur an den »Sommernachtstraum«, in welchem unsern erstaunten Blicken drei verschiedene Welten sich darstellen, die gemeinste des alltäglichen, nach allem Schmuz des Handwerks riechende, die höher gestellte der sogenannten gebildeten Welt, und die phantastische Elfenwelt, welche untereinander spielen und sich so wunderlich amalgamiren, daß die scheinbar höchste zur scheinbar niedrigsten wird, und umgekehrt. Ein wahres Nationalwerk bilden die zehn aus der englischen Geschichte geschöpften Schauspiele, welche sich zum Ganzen eng zusammenschließen. Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll, die historische Treue und die Schärfe der Charakterzeichnung oder die Kunst, mit welcher die historischen Gestalten zu durch und durch poetischen verklärt sind, sodaß es ihre eigenste Seele ist, welche in jedem Wort sich regt, aus der Tiefe des Gemüthes vom Dichter heraufbeschworen.

England hat sich um seinen größten Dichter durch die prachtvollsten, sich noch täglich wiederholenden Ausgaben verdient gemacht, aber die deutsche Bildung ist zuerst in die Tiefen des Shakspeare'schen Geistes eingedrungen, sodaß eingestandenermaßen die Engländer erst von den Deutschen erfahren haben, was sie eigentlich an S. besitzen. Seit Lessing bis auf Göthe und Tieck ist die Anerkennung und Würdigung S.'s im Steigen geblieben, wie die deutsche Literatur selbst in sich zur Kunst erstarkte, und S. ist es, an welchem die deutsche Poesie sich herangebildet hat zu ihrer jetzigen Höhe. Lessing, Göthe, Schlegel und Tieck sind vor Allen als Diejenigen zu nennen, welchen wir die tiefere Erkenntniß S.'s zu danken haben. Wieland und Eschenburg gaben die erste deutsche Übersetzung, später kamen die Übersetzungen von I. H. Voß (9 Bde., Lpz. und Stuttg. 1818–29), Benda (18 Bde., Lpz. 1825–26), Jul. Körner Kaufmann (Berl. seit 1839) und mehre andere; die vortrefflichste und wahrhaft classisch zu nennende Übersetzung ist die von A. W. von Schlegel (verbessert und vollendet von Tieck, 9 Bde., Berl. 1829–35; gegenwärtig in einer neuen Ausgabe erscheinend). Tieck, Falk, Graf Baudissin u. A. haben einzelne Stücke übersetzt.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 4. Leipzig 1841., S. 174-177.
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