Meyer [2]

[226] Meyer, 1) Felix, geb. 1653 in Winterthur, Landschaftsmaler; er st. 1713; lieferte Gemälde der schönsten Gegenden der Schweiz, einige seiner Landschaften wurden von M. Roos u. Ph. Rugendas mit Figuren u. Thieren verziert. 2) Friedrich Ludwig Wilhelm, geb. 1759 in Hamburg; wurde erst Regierungsauditor in Stade, hierauf Professor der Philosophie in Göttingen, privatisirte dann in Berlin (wo er unter dem Ministerium Herzberg mehrfach in diplomatischen Geschäften gebraucht wurde), Paris u. Hamburg u. st. 1840 auf seinem Gute Groß-Bramstedt in Holstein; er schr.: Beiträge für das deutsche Theater (darunter der Schutzgeist), Berl. 1793; Spiele des Witzes u. der Phantasie, ebd. 1793; Schauspiele, Altona 1810; Biographie des Schauspieldirectors F. L. Schröder, Hamb. 1819, 2 Bde., 2. Aufl. 1823; gab heraus die Reisen von W. Hodge, Hamb. 1793, G. Hamilton, Berl. 1794, I. L. Buchanan, ebd. 1795; vgl. Zur Erinnerung an M., Braunschweig 1847. 3) Johann Heinrich, geb. 16. März 1759 in Stäfa am Züricher See, Schüler des Malers Füßli d. A. in Zürich, ging 1784 nach Italien, verweilte in Rom (wo er Goethe kennen lernte), Neapel, Venedig u.a. O., kehrte Ende 1787 nach der Schweiz zurück, zog 1792 zu Goethe nach Weimar u. wurde Professor der Zeichnenschule daselbst; er reiste 1795 wieder nach Italien u. lebte in Neapel u. Florenz; 1797 kehrte er nach der Schweiz zurück, wurde 1807 Director der Zeichenakademie in Weimar u. st. 14. October 1832. Er schr. u.a.: Über die Altargemälde von Lucas Cranach in der Stadtkirche zu Weimar, Weim. 1813; Gesch. der bildenden Künste bei den Griechen (fortges. von Riemer), Dresd. 1824 ff., 3 Bde. etc. Gab auch mit I. Schulze Winckelmanns Werke, ebd. 1808–17, 8 Bde., heraus. 4) Friedrich Johann Lorenz, geb. 1760 in Hamburg, ging mit der Deputation von Lübeck u. Hamburg 1796 an das französische Directorium u. 1801 zum Ersten Consul, war nachher Mitglied der Patriotischen Gesellschaft zur Beförderung der Künste u. Gewerbe u. st. 1844. Er war letzter Präses des Hamburger Domcapitels. Er schr.: Skizzen zu einem Gemälde von Hamburg, 1800–1804, 6 Hefte.; Darstellungen aus Italien, 1792; Fragmente aus Paris, 1798, 2 Bde.; Briefe aus Frankreich, 1803, 2 Bde.; Darstellungen aus Norddeutschland, 1822; Darstellungen aus Rußlands Kaiserstadt, 1829. 5) Johann Friedrich von M., geb. 12. Sept. 1772 in Frankfurt a. M.; studirte in Göttingen Jurisprudenz u. Philologie, wurde in Wetzlar von der fürstlich salm-kyrburgischen Debitcommission zum Kammerdirector. u. Hofrath in Kirn ernannt, unter dem Fürsten Primas 1807 Stadt- u. Landgerichtsrath in Frankfurt a. M., kam 1816 in den Senat, wurde 1821 Schöff u. Syndicus, 1837 Gerichtsschultheiß, auch Bundestagsgesandter u. 1825, 1839 u. 1843 erster Bürgermeister, war auch Präsident der Frankfurter Bibelgesellschaft u. st. 28. Jan. 1849. Er schr.: Tobias (episches Gedicht), 1800, 2. A. 1831; Hades, Frankf. 1810; Bibeldeutungen, ebd. 1812; Die Bibel in berichtigter Übersetzung, ebd. 1818, 3 Bde., 3. Aufl. 1855; Blätter für höhere Wahrheit, ebd. 1820–32, 11 Samml.; Wahrnehmungen einer Seherin, ebd. 1827 f.; Der Rosenkreuzer, die Fama u. die Confession, Frankf. 1828; Kritische Kränze, Berl. 1830; Das Buch Jezira, hebräisch u. deutsch mit Glossar, Lpz. 1830; Inbegriff der christlichen Glaubenslehre, Kempt. 1832; Hesperiden, ebd. 1836 f.; Prosodisches Hülfsbuch, 1836; Zur Ägyptologie, 1840. Er übersetzte auch Xenophons Kyropädie, 1813, 2. A. 1825, u. Dutens Lebensbeschreibung, aus dem Französischen, 1807, 2 Bde. 6) Jonas David, geb. 1789 zu Arnheim in Geldern; war Advocat in Amsterdam, bekleidete 1811–17 mehre Stellen, wurde dann wieder Advocat in Amsterdam, führte auch den Proceß des ehemaligen Königs Ludwig von Holland gegen den König der Niederlande u. st. 1834; er schr.: Esprit des institutions judiciaires etc., Haag 1819–23, u. m. a. 7) Johann Friedrich, hannoverischer Oberlandesökonomiecommissär, wirkte bes. vortheilhaft auf die Bildung des Bauernstandes in Hannover; er war der Erste, welcher Bewässerungswiesen durch Schwemmungen hervorbrachte; er schr.: Grundsätze der Gemeinheitstheilungen, Zelle 1801–1804, 3 Bde.; Grundsätze zur Verfertigung u. Beurtheilung richtiger Pachtanschläge über alle Zweige der Landwirthschaft, Hann. 1809. 8) Georg Friedrich Wilhelm, geb. 1782 in Hannover, wurde 1806 Berg- u. Forstamtsauditor am Harz, Forstsecretär, Oberförster, 1808 Forstinspector im Paderbornschen, 1813 preuß. Regierungsrath u. Forstdirector in den Fürstenthümern Paderborn, Höxter u. Corvey, 1820 Physiograph des Königreichs Hannover u. 1832 Professor der Botanik in Göttingen, wo er 19. März 1856 starb. Er schr.: Primitiae florae essequeboensis, Gött. 1818; Beiträge zur chorographischen Kenntniß des Flußgebiets der Innerste etc., ebd. 1822, 2 Thle.[226] Die Entwickelung, Metamorphose u. Fortpflanzung der Flechten, ebd. 1825; Chloris hanov., Gött. 1836; Flora des Königreichs Hannover, ebd. 1832 u. 1836, 2 Thle.; Über die Natur der Schachtelhalme od. des Duwocks etc., ebd. 1837, u. m. a. 9) Karl Anton, Adjunct des Vorstehers am kaiserlichen Botanischen Garten in Petersburg, begleitete Ledebour 1826 auf seiner Reise durch das Altaigebirg u. die Songar-Kirgisensteppe; bestieg 1829 den Elbrus, wurde 1850 Director des Botanischen Gartens in Petersburg u. st. 24. Febr. 1855; er schr.: Flora altaica, Verzeichniß der Pflanzen im Kaukasus etc., Petersb. 1831. 10) Ernst Heinrich Friedrich, geb. 1791, studirte seit 1809 in Göttingen Philologie, dann Rechtswissenschaft, nahm Theil am Befreiungskriege, studirte seit 1814 Medicin, wurde 1819 Privatdocent der Botanik, ging 1826 nach Königsberg, wurde Director des Botanischen Gartens u. 1829 Professor daselbst; er schr.: Synopsis juncorum, Gött. 1822; Synopsis luzularum, ebd. 1823; De houttuynia atque saurureis, Königsb. 1827; De plantis labradoricis, Lpz. 1830; u. gab heraus Dreges Commentarii de lantis Africae australioris, Königsb. 1836 f. 11) Joseph, geb. 1796 in Gotha, wo sein Vater ein Schuhmacherwar; lernte die Kaufmannschaft in Frankfurt a. M., gründete in England eine eigne Handlung, fallirte jedoch u. kehrte 1820 nach Deutschland zurück; er richtete dann zu Weilar im Eisenachschen Schnelldampfbleichen nach englischen Mustern u. andere Anstalten zum Appretiren der Zeuge ein, doch hörte diese Anstalt auch bald wieder auf, u. er gab nun das Correspondenzblatt für Kaufleute, Gotha 1824, heraus, bald aber gab er dasselbe wieder auf u. ertheilte einige Zeit Unterricht in neueren Sprachen, begann 1823 eine Übersetzung Shakspeares u. Walter Scotts, gründete 1826 eine Buchhandlung: Bibliographisches Institut Gotha u. New-York, zog 1829 nach Hildburghausen u. st. daselbst 26. Juni 1856. Er gab mehre Sammelwerke, auch Das Universum (eine Sammlung von Ansichten von Städten u. Gegenden) u. das Meyersche Universal-Conversationslexikon (s.u. Conversationslexikon) heraus. 12) Philipp Anton Guido von M., Sohn von M. 5), geb. 1798 in Wetzlar, war großherzoglich mecklenburgischer Legationsrath, nahm 1842 seine Entlassung u. privatisirte in Frantfurt a. M.; er schr.: Repertorium zu den Verhandlungen der deutschen Bundesversammlung, Frankf. 1820–22; Lyrische Versuche, ebd. 1836; Reise durch die Schweiz, das südliche Frankreich, Italien, Tyrol u. Baiern, ebd. 1837; übersetzte Vieles aus dem Englischen, bes. von Byron; u. gab Corpus juris confoederationis Germanicae, 2. Ausg. Frankf. 1833, mit seinem Bruder mehre Jahrgänge von Fischers Taschenbuch der Reisen u. m. a. heraus, war auch längere Zeit Dramaturg in Frankfurt. 13) Christian Erich Hermann von M., Bruder des Vor., geb. 1801 in Frankfurt a. M., studirte seit 1822 Cameralia u. Chemie, wurde 1834 Mitglied der ständigen Bürgerrepräsentation in Frankfurt a. M. u. 1838 Controleur bei der Bundeskassenverwaltung; er schr.: Palaeologica (zur Geschichte der Erde u. ihrer Geschöpfe), Frankf. 1832; Homöosaurus u. Rhomphorhynchus, ebd. 1847; die Reptilien u. Säugethiere der verschiedenen Zeiten der Erde, ebd. 1852; Zur Fauna der Vorwelt, ebd. 1845 ff.; Neue Gattungen fossiler Krebse, Stuttg. 1840, u. gab mit Plieninger Beiträge zur Paläologie Württembergs, Stuttg. 1844, u. mit Dunker ein großes Werk: Palaeontographica, Beiträge zur Naturgeschichte der Vorwelt, Kassel 1846 ff. (bis 1860 8 Bde.), heraus; auch besorgte er die deutsche Ausgabe von Lacépèdes Die Alter der Natur, Frankf. 1830. 14) Ernst, geb. 1800 in Kopenhagen, Genremaler, studirte 1823 in München, ging aber bald nach Rom, wo er die dortigen Volksscenen schildert. 15) I. G., geb. 1813 in Bremen, widmete sich der Malerei, trat 1834 in die Akademie zu Düsseldorf u. eröffnete 1841 daselbst ein eignes Atelier; seit 1852 ist er in Berlin. Anfangs malte er Bilder aus der Biblischen Geschichte (Elias 1837, Abraham beim Untergang von Sodom, Christus wie er den Seinen den Untergang Jerusalems verkündet), später aus dem Familienleben u. der Kinderwelt (Blindekuhspiel, das Abendgebet der Wittwe etc.); die Überschwemmten (1846).

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 11. Altenburg 1860, S. 226-227.
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