Laube [3]

[231] Laube, 1) Heinrich, Schriftsteller, geb. 18. Sept. 1806 zu Sprottau in Schlesien, gest. 1. Aug. 1884 in Wien, erhielt seine Schulbildung auf den Gymnasien in Glogau und Schweidnitz, studierte darauf seit 1826 in Halle und Breslau Theologie, war später einige Zeit Hauslehrer und begab sich 1832 nach Leipzig, um als Schriftsteller ein unabhängiges Leben führen zu können. Seine Sympathien für die französische Julirevolution zogen ihm eine Untersuchung zu, infolge deren er 1834 aus Sachsen verwiesen und in Berlin neun Monate lang in der Hausvogtei festgehalten wurde. Auch seine Schriften verfielen dem 1835 vom Bundestag über das »junge Deutschland« verhängten Banne. Nach seiner Freilassung lebte er zunächst in Kösen bei Naumburg und in Berlin und verheiratete sich 1837 mit der Witwe des Professors Hänel in Leipzig, die ihn, als ihn die preußischen Gerichte wegen seiner burschenschaftlichen Bestrebungen zur Gefängnisstrafe verurteilten, in seine Hast im Amt- und Jagdhaus zu Muskau begleitete. 1839 bereiste er Frankreich und Algerien und ließ sich nach seiner Rückkehr in Leipzig nieder. Vom deutsch-böhmischen Wahlkreis Elbogen 1848 in die deutsche Nationalversammlung gewählt, hielt er sich zum Zentrum und zur erbkaiserlichen Partei, trat jedoch im März 1849 aus, da er sich wegen der Kaiserfrage mit seinen Wählern im Widerspruch befand (vgl. seine Schrift: »Das erste deutsche Parlament«, Leipz. 1849, 3 Bde.). Ende 1849 ward er als artistischer Direktor des k. k. Hofburgtheaters nach Wien berufen. Seine Direktion, die bis zum September 1867 währte und das Burgtheater zu hoher Blüte brachte, wurde durch das Bestreben geleitet, ein bleibendes, mustergültiges Repertoire zu schaffen, worin neben den klassischen Dramen die besten Schöpfungen der modernen Poesie dauernd ihren Platz finden sollten. Mußten diese Bestrebungen sich einer allseitigen Anerkennung erfreuen, so stieß Laubes unverkennbare Vorliebe für das französische Drama auf viel Widerspruch (vgl. P. Lindau, L. und Dingelstedt als Regisseure, in »Nord und Süd«, 1901). Eine Geschichte seiner Direktion gab er in dem Werke: »Das Burgtheater« (Leipz. 1868, 2. Aufl. 1891), das mit Recht als ein sehr wertvolles dramaturgisches Handbuch gilt. 1869 übernahm L. die Leitung des Leipziger Stadttheaters, dem er einen bedeutenden Aufschwung zu geben wußte. Mannigfache Differenzen mit Behörden, Kritik und Publikum bewogen ihn indessen, schon 1870 von dieser Bühne wieder zurückzutreten, deren Geschichte er wiederum in einem eignen Buch: »Das norddeutsche Theater« (Leipz. 1872), beschrieb. 1872 nach Wien zurückgekehrt, trat er an die Spitze des neugegründeten Stadttheaters, legte die Direktion aber infolge der durch die Wiener Börsenkatastrophe eingetretenen Mißverhältnisse nieder, die er in dem Buch: »Das Wiener Stadttheater« (Leipz. 1875) ausführlich schilderte. Im Sommer 1875 ergriff er jedoch von neuem das Steuer des Wiener Stadttheaters und behielt es bis 1880. Fortan war er nur noch[231] als Schriftsteller tätig. In seiner Vaterstadt wurde ihm 1895 ein Denkmal errichtet. Sein Bildnis s. auf der Porträttafel beim Artikel »Junges Deutschland«.

Als Schriftsteller versuchte sich L. zuerst in dem bisher ungedruckten Drama »Gustav Adolf« (1829), in der durch Paganinis Anwesenheit in Breslau veranlaßten Farce »Zaganini« und gab vom Juli bis Dezember 1829 eine Zeitschrift: »Aurora«, heraus, der die historisch-politischen Skizzen »Das neue Jahrhundert« (Fürth u. Leipz. 1832–33, 2 Bde.) und der Roman »Das junge Europa« (Mannh. 1833–37, 3 Tle.) folgten. Seine »Liebesbriefe« und Novellen: »Die Schauspielerin« (Mannh. 1836) und »Das Glück« (das. 1837), waren nur Variationen, keine Vertiefungen seiner frühern Schilderungen. In den »Reisenovellen« (Mannh. 1834–37, 6 Bde.; 2. Aufl. 1846–47, 10 Bde.) setzte er Heines »Reisebilder« fort, doch insofern auf eigentümliche Weise, als sie ein Totalbild von Deutschland zu geben versuchten; auch zeigte er darin Spuren des Einflusses von W. Heinse, dessen »Sämtliche Schriften« er (Leipz. 1838, 10 Bde.; 2. Aufl. 1857–58, 5 Bde.) herausgab. Politische, soziale und literarische Porträte sammelte er in seinen »Modernen Charakteristiken« (Mannh. 1835, 2 Bde.). An der Kölner Streitsache zwischen Deutschland und Rom beteiligte er sich anonym mit der Broschüre »Görres und Athanasius« (Leipz. 1838). Eine Frucht seines Aufenthalts in Muskau war seine oberflächliche und später von ihm selbst fallen gelassene »Geschichte der deutschen Literatur« (Stuttg. 1840, 4 Bde.). In rascher Folge erschienen demnächst: »Französische Lustschlösser« (Mannh. 1840, 3 Bde.); »Jagdbrevier« (Leipz. 1841, 2. Aufl. 1858), worin ihm die Sitten der Tiere Gelegenheit zu allerlei scherzhaften, satirischen und ernsten Reflexionen gaben; »Die Bandomire, eine kurische Erzählung« (Mitau 1842, 2 Bde.); die historische Novelle »Der Prätendent« (Leipz. 1842), die den bekannten Naundorf, angeblichen Ludwig XVII. zum Gegenstand hat; der Roman »Die Gräfin Chateaubriant« (das. 1843, 3 Bde.; 2. Aufl. 1846); »George Sands Frauenbilder« (Brüssel 1844); »Drei Königsstädte im Norden« (Leipz. 1845, 2 Bde.), Reiseschilderungen mit Novellistik und geschichtlicher Charakteristik; »Der belgische Graf« (Mannh. 1845); »Paris 1847« (das. 1848), eine Wiederaufnahme seiner Reiseschilderungen mit einer trefflichen Darlegung der parlamentarischen Kämpfe zwischen Thiers und Guizot. Zugleich hatte sich L. mit wachsendem Erfolg dramatischen Arbeiten zugewendet. Zwar waren seine ersten Versuche, die Tragödie »Monaldeschi« (1839), deren Held der Liebhaber der Königin Christine von Schweden ist, die kulturhistorische Komödie »Rokoko« (1842) und das Schauspiel »Die Bernsteinhexe« (1843), im ganzen verfehlt; dagegen erreichte er gute Erfolge mit der Tragödie »Struensee« (1847), die eine meisterhafte dramatische Technik in der Verknüpfung der Intrige zeigt, mit der Literaturkomödie »Gottsched und Gellert« (1847), namentlich aber mit dem Schauspiel »Die Karlsschüler« (1847, 10. Aufl. 1900), das Schillers Flucht aus Stuttgart zum Gegenstand hat und wegen des tendenziösen Pathos, zu dem es sich erhebt, und wegen der lebensvollen Gruppierung der dramatischen Tableaus großen und verdienten Beifall fand. Weniger gilt dies von dem Schauspiel »Prinz Friedrich«, das Friedrichs d. Gr. Konflikt mit Friedrich Wilhelm I. vorführt. Die beste Tragödie Laubes ist unstreitig »Graf Essex« (1856, 9. Aufl. 1900), reich an lebendigen Szenen und epigrammatischen Wendungen von schlagender Kraft, wenn auch wirkliche psychische Tiefe und echter poetischer Schwung dem »Essex« wie allen Tragödien Laubes mangeln. Bedeutend zurück dagegen stehen seine Dramen: »Montrose« (1859) und »Der Statthalter von Bengalen« (1866). Seine Lustspiele: »Cato von Eisen« und »Böse Zungen« (1868), zeigten den wachsenden Einfluß seiner französischen Vorbilder und der Wiener Verhältnisse. Die Vollendung des Schillerschen »Demetrius« (1872, 5. Aufl. 1904) ließ den Abstand zwischen Schiller und seinem Ergänzer allzu stark hervortreten. Dagegen erwies der auf eingehen den Studien beruhende und sorgfältig durchgearbeitete Roman »Der deutsche Krieg« (Leipz. 1865–66, 9 Bde.; 3. Aufl. 1867–68) alle Vorzüge des Laubeschen Talents in ausgiebigster Weise. Ihm folgten der aus Jugendeindrücken erwachsene Roman »Die Böhminger« (Stuttg. 1880, 3 Bde.; 2. Aufl. 1882), die Novellen: »Louison« (Braunschw. 1881), »Entweder-oder« (das. 1882), »Die kleine Prinzessin« und »Blond muß sie sein« (Bresl. 1883), »Der Schatten Wilhelm« (Leipz. 1883); ferner: »Ruben«, ein moderner Roman (das. 1885), und »Franz Grillparzers Lebensgeschichte« (Stuttg. 1884). Mit seinen »Erinnerungen, 1810–1840« (Wien 1875) hatte L. eine Folge seiner »Gesammelten Schriften« (in 16 Bdn.) eröffnet, die mit den »Erinnerungen 1841–1881« (das. 1882) schloß, während seine »Dramatischen Werke« schon früher (Leipz. 1845–75, 13 Bde.; Volksausgabe 1880–92, 12 Bde.) gesammelt erschienen waren. Vgl. I. Proelß, Das Junge Deutschland (Stuttg. 1892); Geiger, Das Junge Deutschland und die preußische Zensur (Berl. 1900).

2) Gustav Karl, Geolog und Paläontolog, geb. 9. Jan. 1839 zu Teplitz in Böhmen, studierte in Prag und München und habilitierte sich 1866 an der Technischen Hochschule und 1867 an der Universität in Wien für Paläontologie. Als Geolog begleitete er 1869–70 die zweite deutsche Nordpolexpedition auf der Hansa und war einer der Teilnehmer der grausigen Fahrt auf dem schwimmenden Eis. 1871 wurde er Professor der Mineralogie und Geologie an der deutschen Technischen Hochschule in Prag und 1876 Professor für Geologie und Paläontologie an der dortigen Universität sowie Vorstand des geologischen Instituts. Er schrieb unter anderm: »Die Fauna der Schichten von St. Cassian« (Wien 1865–70, 5 Tle.); »Die Gastropoden, Bivalven und Echinodermen des braunen Jura von Balin« (das. 1867); »Beitrag zur Kenntnis der Echinodermen des vicentinischen Tertiärgebiets« (das. 1868); »Über einige fossile Echiniden von den Murray Cliffs in Südaustralien« (das. 1869); »Reise der Hansa ins Nördliche Eismeer« (Prag 1871); »Hilfstafeln zur Bestimmung der Mineralien« (2. Aufl., das. 1879); »Die Echinoiden der österreichisch-ungarischen obern Tertiärablagerungen« (das. 1872); »Geologische Beobachtungen, gesammelt während der Reise auf der Hansa und gelegentlich des Aufenthalts in Südgrönland« (Wien 1873); »Geologie des böhmischen Erzgebirges« (Prag 1876–87, 2 Bde.); »Die Katastrophe von Dux und ihr Zusammenhang mit dem Ausbleiben der Stadtbadquelle zu Teplitz« (das. 1879); »Geologische Exkursionen im Thermalgebiet des nordwestlichen Böhmens« (Leipz. 1884); »Synopsis der Wirbeltierfauna der böhmischen Braunkohlenformation« (Prag 1901); »Volkstümliche Überlieferungen aus Teplitz und Umgebung« (2. Aufl., das. 1902) sowie eine Reihe von Beiträgen zu der Prager »Sammlung gemeinnütziger Vorträge«.[232]

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 231-233.
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