Fußnoten

1 Ich gebrauche diese Wörter ohne Unterschied, denn für den beabsichtigten Zweck ist es ganz unnöthig, zwischen ihnen zu unterscheiden. Die Metaphysiker aber beschränken den Ausdruck Anschauung gewöhnlich auf die directe Erkenntniss, welche wir vorausgesetztermaassen von den Dingen ausserhalb unseres Geistes haben, und den Ausdruck Bewusstsein auf die Erkenntniss unserer eigenen geistigen Erscheinungen.


2 Diese wichtige Theorie wurde in neuerer Zeit von einem Schriftsteller von verdientem Rufe, Sam. Bailev, in Zweifel gezogen; ich glaube jedoch nicht, dass seine Einwürfe die Gründe, auf welche hin dieselbe als eine feststehende Lehre jetzt über ein Jahrhundert zugelassen wird, erschüttert haben. Ich habe andern Orts das nöthig scheinende auf sein Argument erwidert (Westminster Review for October 1842, neu abgedruckt in den Dissertations and Discussions, Vol. II.).


3 Es ist vielleicht nöthig, einige Worte über eine Definition der Logik zu sagen welche sich von allen in dem Text erörterten Definitionen unterscheidet und welche der philosophischen Schule angehört, von der Sir W. Hamilton in England der hervorragendste Repräsentant ist. Nach diesem Philosophen ist die Logik »die Wissenschaft von den formalen Gesetzen des Denkens«. Wenn dieser Definition vorgeworfen würde, dass die Gesetze des Denkens so gut wie die einer jeden andern Geistesoperation nicht Gegenstand der Logik, sondern der Psychologie sind, so könnte man antworten, dass die Logik als Wissenschaft nur ein Theil der Psychologie ist und sein kann, indem sie in der wissenschaftlichen Analyse jener Geistesoperationen besteht, welche uns die Logik als Kunst richtig auszuführen in den Stand setzen soll. Aber es ist (wie bereits angeführt) für die Logik ohne Interesse, die Analyse über den Punkt hinauszuführen, wo es klar wird, ob in einem einzelnen Fall die Operationen richtig oder falsch ausgeführt worden sind; gerade so wie die Wissenschaft der Musik uns lehrt, zwischen musikalischen Noten und deren zulässigen Combinationen zu unterscheiden, ohne dass dabei die jedesmal entsprechende Anzahl der in einer Secunde stattfindenden Schwingungen in Betracht kommt, was, obgleich nützlich zu wissen, ganz anderen Zwecken dient. Die Ausdehnung der Logik als einer Wissenschaft ist bedingt durch die Bedürfnisse der Logik als einer Kunst; was sie für ihre praktischen Zwecke nicht bedarf, überlässt sie der weiteren Wissenschaft, welche nicht irgend einer besondern Kunst, sondern der Kunst im Allgemeinen entspricht, der Wissenschaft, welche die Beschaffenheit des menschlichen Geistesvermögen zum Gegenstand hat.

Die Definition der Logik als »die Wissenschaft von den formalen Gesetzen des Denkens« erfordert daher, wie mir scheint, eine Beschränkung nach der einen Seite hin und eine Erweiterung nach der andern. Sie verlangt von der einen Seite, dass die Bedeutung des Wortes Denken auf Schliessen und auf die geistigen Hülfsoperationen des Schliessens, soweit sie Hülfsoperationen sind, ausgedehnt werde, und dass man unter »Gesetzen des Denkens« die unmittelbaren und nicht die letzten Gesetze verstehen sollte; sie verlangt eine hinreichende, aber keine vollständige Analyse der Geistesoperationen. Aber auf der andern Seite muss diese hinreichende Analyse auf alle Processe ausgedehnt werden, welche der Geist durchmacht, wenn er ein Urtheil beweist, oder wenn er den Beweis richtig beurtheilt. Die so verbesserte Definition würde mit der in dem Text dargelegten übereinstimmen; dies war indessen nicht, was ihre Urheber beabsichtigten. Unter dem Ausdruck »formale Gesetze« verstehen sie unter anderm, nicht dass das Bereich der Logik ebenso weit reicht, als das des Beweises, sondern nur so weit, als das einer einzigen Beweisart, nämlich der, in welcher der Schluss aus der blossen Form des Ausdrucks folgt, oder (um dasselbe mit anderen Worten zu sagen) wenn das, was in dem Schluss deutlich behauptet wird, in den Prämissen schon stillschweigend (durch Implication) behauptet wurde. Ich weiss nun aber keinen gültigen Grund, um den Manien Logik auf die Theorie und Kegeln der Interpretation alter Generalisationen zu beschränken und ihn der Theorie der Bildung neuer Generalisationen zu versagen. Eine streng wissenschaftliche Theorie ist für beiderlei Verfahren zulässig und erforderlich. Ob man die Logik eine Theorie beider oder nur des einen Verfahrens nennen soll, ist eine Frage der Benennung; aber den meisten Fragen der Benennung liegen Fragen der Thatsachen zu Grunde, und die hier unterliegende Frage ist die der fundamentalen Identität der Theorien der Induction und Deduction, Operationen, die nach meiner Meinung nur als Theile von einem und demselben Verfahren richtig verstanden werden können. Die ausführlichen Gründe für diese Meinung wird man in dem vierten Buch finden. Hier kann nicht weiter darauf eingegangen werden.


4 Computation or Logic, Cap, II.


5 Im Original »hatte oder gehabt hatte«. Die letzten Worte schliessen eine Subtilität ein, die dem Zwecke des vorliegenden Werkes fremd ist.


6 Im deutschen lässt sich dies schon eher sagen; zu scharf schneidet nicht, doppeltgenäht hält besser, etc. sind analoge Ausdrücke. J. S. [Anm. d. Übers.]


7 Notare, bezeichnen, connotare zugleich bezeichnen, mitbezeichnen, ein Ding mit einem andern bezeichnen.


8 Der von Whately vorgeschlagene Ausdruck »Attributiv« anstatt connotativ ist an und für sich ganz geeignet, hängt jedoch nicht mit einem so wohl unterschiedenen Zeitwort wie connotare zusammen, es kann daher den Ausdruck connotativ nicht wohl ersetzen.


9 Ein Schriftsteller, welcher sein Buch die Philosophie, oder die Wissenschaft der Wahrheit (Philosophy, or Science of Truth) betitelt, klagt mich gleich auf den ersten Seiten seines Werkes an (indem er sich am Fusse desselben auf diese Stelle bezieht), behauptet zu haben, Gemeinnamen besässen eigentlich keine Bedeutung; und er wiederholt dies in seinem Buche mehremals, indem er es mit nicht gerade schmeichelhaften Bemerkungen begleitet. Es ist gut, hie und da daran erinnert zu werden, wie weit verkehrte Citationen manchmal gehen können (denn so sonderbar es scheint, so halte ich den Autor doch nicht für unredlich). Es ist eine Warnung für die Leser, wenn sie einen Autor unter Angabe von Band und Seitenzahl und der scheinbaren Garantie von Anführungszeichen angeklagt finden, eine etwas mehr als gewöhnliche Absurdität zu behaupten, der Anklage nicht unbedingten Glauben zu schenken, sondern das angeführte Werk selbst nachzulesen.


10 Es wäre gut, wenn diese Sprachverderbniss nur bei dem ungebildeten grossen Haufen stattfände; es finden sich aber unter den Kunstausdrücken oder bei Personen, welche besonders für ein Fach erzogen wurden, wie die Juristen, merkwürdige Beispiele der Art. Felonie z.B. ist ein juristischer Ausdruck, mit dessen Klang jeder vertraut ist; es würde aber kein Jurist auf keine Weise sagen können, was Felonie ist, als indem er die verschiedenen so genannten Verbrechen aufzählt. Ursprünglich hatte das Wort Felonie eine Bedeutung; es bezeichnete alle Vergehen, deren Strafe den Verlust von Land und Güter einschloss; aber spätere Parlamentsacte erklärten verschiedene Verbrechen für Felonie ohne diese Strafe darauf zu setzen, und haben diese Strafe in Beziehung auf andere abgeschafft, welche nichts desto weniger noch immer als Felonie bezeichnet werden, so dass die mit diesem Namen bezeichneten Handlungen keine andere Eigenschaft gemein haben, als dass sie gesetzwidrig und strafbar sind.


11 Ehe ich die connotativen Namen verlasse, finde ich es am Platz, zu bemerken, dass der erste Schriftsteller, der in unserer Zeit das Wort mitbezeichnen [connotare] von den Scholastikern angenommen; hat, dass James Mill es in seiner Analysis of the Phenomena of Human Mind (Analyse der Erscheinungen des menschlichen Geistes) in einem verschiedenen Sinne gebraucht, nämlich in einem Sinne, der so weit geht wie die Etymologie des Worts, indem er es auf einem jeden Fall anwendet, in dem der Name, während er ein Ding direct andeutet (was folglich keine Bedeutung genannt wird), auch noch eine stillschweigende Beziehung auf ein anderes Ding einschliesst. In dem oben betrachteten Falle von concreten Namen ist seine Sprechweise das Gegentheil von der meinigen. Indem er (mit Recht) die Bedeutung des Namens als in dem Attribute liegend betrachtet, spricht er von dem Worte, als wenn es das Attribut bezeichnete (notirte) und die das Attribut besitzenden Dinge mitbezeichnete (connotirte), und er beschreibt die abstracten Namen so, als wären sie eigentlich concrete Namen mit aufgegebener Mitbezeichnung; während man nach meiner Ansicht von der Bezeichnung sagen würde, sie sei aufgegeben, indem aus dem, was früher mitbezeichnet war, nun die ganze Bedeutung entsteht.

Wenn ich eine Phraseologie gebrauche, die verschieden von derjenigen ist, welche von einer so hohen und von mir am allerwenigsten unterschätzten Autorität sanctionirt worden ist, so bin ich hierzu durch das dringende Bedürfniss nach einem Namen veranlasst worden, der ausschliesslich dazu bestimmt ist, die Art auszudrucken, in welcher ein concreter Gemeinname die in seiner Bedeutung eingeschlossenen Attribute zu bezeichnen dient. Nur wer aus Erfahrung weiss, wie vergeblich der Versuch ist, ohne ein solches Wort über die Philosophie der Sprache klare Ideen mitzutheilen, kann dieses Bedürfniss in seiner ganzen Stärke empfinden. Es ist kaum eine Uebertreibung zu nennen, wenn man sagt, dass einige der vorherrschenden Irrthümer, womit die Logik inficirt worden ist, und viel von der sie umgebenden Dunkelheit und Verworrenheit der Ideen wahrscheinlich vermieden worden wäre, wenn im allgemeinen Gebrauche ein Wort gestanden hätte, das genau ausdrückt, was ich mit dem Worte mitbezeichnen ausgedrückt habe. Ganz in dem letzteren Sinne gaben es uns die Scholastiker, denen wir unsere logische Sprache grösstentheils verdanken; denn obgleich einige ihrer allgemeinen Ausdrücke dem Gebrauch des Wortes in der weiteren und unbestimmteren Bedeutung wie sie Hr. Mill nimmt zur Stütze dienen, so steht dem doch entgegen, dass wenn sie es als einen technischen Aasdruck zu definiren und seine Bedeutung als die eines solchen Ausdrucks festzustellen hatten, sie mit jener bewunderungswürdigen, ihre Definitionen stets charakterisirenden Präcision in klarer Weise erklärten, dass man von nichts anderem sagt, es sei mit bezeichnet, als von Formen, ein Wort, das in ihren Schriften allgemein als synonym mit Attribute zu verstehen ist.

Wenn nun das dem Zwecke, zu dem sie es verwendeten, so wohl angepasste Wort mitbezeichnen für einen andern Zweck, der seiner am Ende gar nicht bedarf, gebraucht wird: so vermag ich es nur durch solche Ausdrücke zu ersetzen, welche gewöhnlich in einem so sehr allgemeinen Sinne gebraucht werden, dass der Versuch, diese genaue Idee speciell mit ihnen zu verbinden, ganz nutzlos wäre. Der Art sind die Wörter: enthalten, einschliessen etc. Bei dem Gebrauche derselben wurde der Zweck, für den allein der Name vonnöthen ist, verfehlt werden, nämlich der Zweck diese besondere Art des Einschliessens und Enthaltens von allen anderen Arten zu unterscheiden, und ihm denjenigen Grad von gewohnter Aufmerksamkeit zu sichern, den seine Wichtigkeit verlangt.


12 Oder vielmehr alle Gegenstände und der wahrnehmende Geist; denn wie wir später sehen werden, schliesst einem Gegenstand ein Attribut zuschreiben, nothwendigerweise einen Geist ein, der es wahr nimmt.


13 Im Englischen being. Das Hauptwort Wesen kommt vom alten, im Niederdeutschen noch gebrauchten Zeitwort wesen [sein], wovon war, gewesen. Alles, was Mill in Beziehung auf das Part. praes. being sagt, gilt mutatis mutandis vom deutschen Infinit. Wesen. J. S. [Anm. d. Übers.]


14 Philosophy of the Inductive Sciences. Vol. I, p. 40.


15 Discussions on Philosophy etc. Append. I. p. 643 bis 644.


16 Sir W. Hamilton geht sogar so weit, zu behaupten, dass fast alle Philosophen diese Meinung nicht allein haben, sondern immer gehabt haben: »Man hat im Allgemeinen eingestanden, dass wir als Substanzen nicht erkennen, was die Materie und was der Geist ist. Dies ist in der That vielleicht von allen Wahrheiten diejenige, welche bei allen Philosophen jeder Schule (einige absolutische Theorienmacher Deutschlands ausgenommen) den übereinstimmendsten Wiederhall fand.« Er unterstützt diese Behauptung durch Citationen von siebenzehn der bei hervorragendsten Denker, von Pythagoras und Aristoteles an bis auf Kant. So gern ich indessen gelernt hätte, dass eine philosophische Wahrheit, die eine so grosse Masse von grundlosen und rnissleitenden Speculationen beseitigt hat, von den Philosophen der Vergangenheit allgemein anerkannt worden ist, und dass die Ontologie, statt wie ich bisher glaubte die älteste Form der Philosophie zu sein, nur eine neuere Erfindung von Schelling und Hegel ist: so sehe ich mich doch gezwungen, zu gestehen, dass mit Ausnahme einer einzigen vom altem Scaliger und einer von Newton keine der von Sir W. Hamilton ausgezogenen Stellen mich zu dem Schlüsse veranlassen kann, dass die Autoren auch nur von fern die grosse Wahrheit erblickt haben, welche sie seiner Voraussetzung nach auszudrücken beabsichtigten. Fast alle Stellen scheinen mir im Gegentheil mit einer Verwerfung derselben vollkommen verträglich, und in den meisten derselben kann ich bei der besten Interpretation nicht mehr finden, als eine Anerkennung des weit einleuchtenderen Grundsatzes, dass unsere Kenntniss von den äusseren Dingen nothwendig nur durch die Gesetze unseres Erkenntnissvermögens bedingt ist; eine ganz andere Sache als die Behauptung, die Gesetze dieses Vermögens seien der Art, dass sie uns alle Kenntniss der äusseren Dinge mit Ausnahme ihrer blossen Existenz versagen.

Ob Sir W. Hamilton nun aber die letztere Lehre als eine historische Thatsache zurückdatirt habe oder nicht, so lässt doch die Exposition derselben und die Widerlegung der Ontologisten mit ihren eigenen Prämissen und in ihrer eigenen Sprache, welche er in dem ersten Theile seiner Discussionen geliefert hat, philosophisch nichts zu wünschen.


17 »Nous savons qu'il existe quelque chose hors de nous, parceque nous ne pouvons expliquer nos perceptions sans les rattacher à des causes distinctes de nous-mêmes; nous savons de plus que ces causes, dont nous ne connaissons pas d'ailleurs l'essence, produisent les effets les plus variables, les plus divers, et même le plus contraires, selon qu'elles rencontrent telle nature ou telle disposition du sujet. Mais savons-nous quelque chose de plus? et même, vu le caractère indéterminé des causes que nous concevons dans les corps, y a-t-il quelque chose de plus à savoir? Y a-t-il lieu de nous enquérir si nous percevons les choses telles qu'elles sont? Non évidemment... Je ne dis pas que le problème est insoluble, je dis qu'il est absurde, et enferme une contradiction. Nous ne savons pas ce que ces causes sont en elles-mêmes et la raison nous défend de chercher a les connaître: mais il est bien évident à priori, qu'elles ne sont pas en elles-mêmes ce qu'elles sont par rapport à nous, puisque la présence du sujet modifie nécessairement leur action. Supprimez tout sujet sentant, il est certain que ces causes agiraient encore puisqu'elles continueraient d'exister; mais elles agiraient autrement; elles seraient encore des qualités et des propriétés, mais qui ne resembleraient à rien de ce que nous connaissons. Le feu ne manifesterait plus aucune des propriétés que nous lui connaissons: que serait-il? C'est ce que nous ne saurons jamais. C'est d'ailleurs peut-être un problême qui ne répugne pas seulement à la nature de notre esprit, mais à l'essence même des choses. Quand même en effet on supprimerait par la pensée tous les sujets sentants, il faudrait encore admettre que nul corps ne manifesterait ses propriétés autrement qu'en relation avec un sujet quelconque, et dans ce cas ses propriétés ne seraient encore que relatives: en Sorte qu'il me parait fort raisonnable d'admettre que les propriétés déterminées des corps n'existent pas indépendamment d'un sujet quelconque, et que quand on demande si les propriétés de la matière sont telles que nous les percevons, il faudrait voir auparavant si elles sont en tant que déterminées, et dans quel sens il est vrai de dire qu'elles sont.« – Cours d'Histoire de la Philosophie Morale au 18me siècle, 8me leçon.


18 Von Reid und anderen wurde wirklich der Versuch gemacht, zu beweisen, dass obgleich einige von den Eigenschaften, welche wir den Gegenständen zu schreiben, nur in unseren Empfindungen existiren, andere in den Dingen selbst existiren, da sie der Art sind, wie möglicherweise die durch einen Eindruck auf die Sinne erzeugten Bilder nicht sein können; und von welchen Sensationen, fragen sie, rühren unsere Begriffe von Ausdehnung und Gestalt? Brown nahm den von Reid hingeworfenen Handschuh auf, und indem er die Begriffe von Ausdehnung und Gestalt genauer analysirte, als je vor ihm geschehen war, zeigte er ganz deutlich, welches die Empfindungen sind, von denen jene Begriffe abgeleitet werden, nämlich Sensationen des Gefühls (des Tastens), verbunden mit einer Classe von Sensationen, welche von den Metaphysikern zu wenig berücksichtigt wurden, mit denjenigen, welche ihren Sitz in dem Muskelbau haben. Wer sich mit diesem ausgezeichneten Muster einer metaphysischen Analyse genauer bekannt machen will, consultire den ersten Band von Browns lectures oder Mills Analysis of the mind, oder the senses and the intellect von Alexander Bain, oder die Capitel über die Wahrnehmung in Herbert Spencer's Principles of Psychology. Nachdem der letztere Schriftsteller mit grossem analytischen Talent die Entstehung der sehr complexen Eindrücke von Ausdehnung und Gestalt aus der Sensation des physikalischen Widerstandes und anderen Sensationen nachgewiesen hat, betrachtet er nichtsdestoweniger diese Eindrücke mit sonderbarer Inconsequenz als directe Wahrnehmungen der inhärenten Eigenschaften der Aussenwelt.

Auch bezüglich dieses Punktes kann Herr Cousin zu Gunsten der bessern Lehre citirt werden. Im Gegensatz zu Reid anerkennt Herr Cousin die wesentliche Subjectivität unserer Vorstellungen von dem, was man die primären Eigenschaften der Materie nennt, wie Ausdehnung, Festigkeit u.s.w., sowie auch Wärme, Farbe und der Rest der sogenannten secundären Eigenschaften. – Cours, ut supra, 9me leçon.


19 Analysis of the Human Mind. I. 126.


20 In der gewöhnlichen Sprache der Logiker heisst die Verbindung mehrerer Vorstellungen ein Urtheil (judicium, apophansis), als ein Theil des Schlusses heisst das Urtheil auch Satz (propositio, protasis). J. S. [Anm. d. Übers.]


21 Hr. Whewell (Phil. of Disc. p. 242) bezweifelt dies und fragt: »Sollen wir sagen, ein Maulwurf könne nicht in der Erde graben, wenn er nicht die Idee der Erde, des Rüssels und der Klauen hat, womit er gräbt?« Ich weiss nicht, was in dem Geiste eines Maulwurfs vorgeht, und welches Verständniss seine instinctive Thätigkeit begleitet; ein menschliches Wesen gebraucht aber den Spaten nicht aus Instinct, und könnte ihn sicher nicht gebrauchen, ohne eine Kenntniss von dem Spaten und der Erde zu haben.


22 »Hieraus kann noch geschlossen werden, dass die ersten Wahrheiten willkürlich von denjenigen eingeführt wurden, welche den Dingen Namen gaben oder diese von Anderen empfingen. Denn es ist (beispielsweise) wahr, dass der Mensch ein lebendes Geschöpf ist, aber aus diesem Grunde gefiel es auch den Menschen demselben Dinge diese beiden Namen zu geben«. – Computation or Logic. C. III, sect. 8.


23 »Die Menschen können irren, nicht allein beim Affirmiren und Negiren, sondern auch in der Wahrnehmung und in dem stillschweigenden Denken... Stillschweigende Irrthümer, oder die Irrthümer der Sinne und des Denkens werden begangen, wenn man von der Einbildung eines Dinges zu der Einbildung (Imagination) eines verschiedenen Dinges übergeht; oder wenn man das für vergangen oder zukünftig hält, was niemals war und nie sein wird, wie wenn wir uns beim Anblick des Bildes der Sonne im Wasser einbilden, es wäre die Sonne selbst da, oder beim Anblick von Schwertern, es müsse ein Gefecht stattgefunden haben oder stattfinden, da dieselben meistens hierzu verwendet werden; oder wenn wir uns Versprechungen nach einbilden, der Geist des Versprechenden wäre so und so beschaffen; oder schliesslich, wenn wir einem Zeichen eine Bedeutung beilegen, die es nicht hat. Irrthümer dieser Art sind allen Dingen gemein, welche Sinne haben.« – Computation or Logic. C. V, sect. I.


24 C. III, sect. 3


25 Hiergegen hat man eingewendet, dass »wir naturgemäss das Subject eines Urtheils nach seiner Extension, und das Prädicat (welches demnach ein Adjectiv sein kann) nach seiner Intension (Connotation) construiren;« und dass folglich Coexistenz von Attributen so wenig wie die entgegengesetzte Theorie der Gleichsetzung von Gruppen den lebendigen Processen des Denkens und der Sprache entspricht. Die hier gezogene Destinction erkenne ich an, ich habe sie sogar einige Seiten vorher (Seite 112) selbst aufgestellt und erläutert. Aber obgleich es wahr ist, dass »wir naturgemäss das Subject eines Urtheils in seiner Extension construiren«, so ist diese Extension, oder mit andern Worten, die Ausdehnung der durch den Namen bezeichneten Classe nicht direct verstanden oder angezeigt. Sie ist durch die Attribute allein zugleich verstanden und angezeigt. In den »lebendigen Processen des Denkens und der Sprache« wird die Extension, obgleich sie in diesem Falle wirklich gedacht wird (was beim Prädicat nicht geschieht), nur durch das Medium von dem, was mein scharfer und höflicher Kritiker die »Intension« nennt, gedacht.


26 Buch IV, Cap. VII.


27 Katholou men oin pasa diaphora proginomenê tini heteroion poiei; all' hai men koinôs te kai idiôs (Unterschiede in den zufälligen Eigenschaften) alloion poiousin hai de idiaitata (Unterschiede in den wesentlichen Eigenschaften) allo. – Isag. cap. III.


28 Mit wenigen von den grossen Namen in der Philosophie ist das jetzige Geschlecht härter verfahren, als mit dem Namen von Locke, der ohne Zweifel der Gründer der analytischen Philosophie des Geistes ist; während seine Lehre zuerst zur Carricatur verzerrt, und als sodann die Reaction eintrat, von der herrschenden Schule sogar mit Verachtung weggeworfen wurde, wird er nun von der einen der streitenden Parteien als ein Apostel der Ketzerei und Sophistik betrachtet, während sich unter denen, welche noch zu seiner Fahne halten, in neuerer Zeit eine Neigung kundgab, seinen Ruf zu Gunsten von Hobbes zu opfern, der ein grosser Autor und ein grosser Philosoph für seine Zeit war, der jedoch, was nüchternes Urtheil, Tiefe und Originalität betrifft, unter Locke stand. – Locke, der gerechteste der Philosophen, dessen Speculationen die stärksten Zeichen dafür tragen, dass sie aus dem Material seines eigenen Geistesflossen, wurde für einen unwürdigen Plagiaristen erklärt, während Hobbes gepriesen wurde, als hätte er viele von dessen Hauptlehren anticipirt. Beide verwarfen die scholastische Lehre von den Essenzen; aber Locke verstand und erklärte, was die angenommenen Essenzen wirklich sind; Hobbes, anstatt den Unterschied zwischen essentiellen und accidentiellen Eigenschaften, zwischen wesentlichen und zufälligen Urtheilen zu erklären, ging darüber hinweg und gab eine Definition, welche höchstens nur auf wesentliche Urtheile passt und dies kaum, als die Definition der Urtheile im Allgemeinen.


29 Der immer scharfe und oft tiefsinnige Autor von An outline of Somatology, H. B. Smart, sagt ganz richtig: Locke wird viel verständlicher werden, wenn wir an den meisten Stellen »die Kenntniss von« anstatt dessen, was er »die Idee von« nennt, setzen. Unter den vielen Bemerkungen über Loke's Gebrauch der Wörter, ist dies die einzige, welche mir den Nagel auf den Kopf zu treffen scheint. Ich citire sie noch ferner aus dem Grunde, weil sie bezüglich des Inhalts der Urtheile den Unterschied zwischen meiner Ansicht und der der Conceptionalisten genau ausdrückt. Wo ein Conceptionalist sagt, ein Name oder ein Urtheil drücke unsere Idee von dem Dinge aus, würde ich im Allgemeinen sagen (anstatt unserer Idee) unsere Kenntniss oder unsern Glauben in Betreff des Dinges selbst.


30 Diese Unterscheidung entspricht derjenigen, welche von Kant und andern Metaphysikern zwischen analytischen und synthetischen Urtheilen gemacht wurde; die ersteren sind diejenigen Urtheile, welche aus der Bedeutung der gebrauchten Wörter entwickelt werden können.


31 Es sind dies die mit der ganzen, nicht behaarten Sohle auftretenden, Seite 141 erwähnten Plantigrada (Sohlentreter), wozu der Bär, der Dachs, der Vielfrass u.s.w. zu zählen ist, und die nicht mit den Zehen auftretenden Digitigrada (Zehentreter), deren Sohle behaart ist, und zu denen unter anderen die katzenartigen Raubthiere gehören. J. S. [Anm. d. Übers.]


32 Wenn wir dem eine Differentia zugestehen, was nicht wirklich eine Species ist; denn da in dem von uns erklärten Sinne die Unterscheidung von Arten in keiner Weise auf Attribute anwendbar ist, so folgt natürlich, dass obgleich die Attribute in Classen geordnet werden können, diese Classen doch nur aus Artigkeit als Genera und Species zuzulassen sind.


33 Die Salpetersäure (und Schwefelsäure) existirt indessen auch ohne dass Wasserstoff mit ihr verbunden sei; es ist aber im Text das sogenannte Hydrat der Säure, die Form, in der sie gewöhnlich vorkommt, gemeint. J. S. [Anm. d. Übers.]


34 Bei den ausführlichen Erörterungen des Gegenstandes in späteren Ausgaben betrachtet Whately die Definitionen von Namen und diejenigen von Dingen fast nicht mehr als in einem wichtigen Sinne verschieden. Er scheint die Vorstellung von einer realen Definition so zu beschränken, dass »sie etwas mehr von der Natur der Dinge erklärt, als im Namen eingeschlossen liegt« (unter dem Ausdruck »eingeschlossen« versteht er nicht allein, was der Name mitbezeichnet, sondern auch alles, was aus dem mitbezeichneten Attribute durch Schliessen abgeleitet werden kann). Sogar dies, fügt er hinzu, wird gewöhnlich nicht eine Definition, sondern eine Beschreibung genannt, und dies (wie mir scheint) mit Recht. Ich glaube, dass eine Beschreibung nur zu den Definitionen zählen kann, wenn sie (wie bei der zoologischen Definition des Menschen) die wahre Aufgabe einer Definition dadurch erfüllt, dass sie die einem Worte zu einem besondern Zweck gegebene Mitbezeichnung erklärt, welche besondere Mitbezeichnung durch die Definition des Wortes, wie es gewöhnlich gebraucht wird, natürlich nicht ausgedrückt werden würde.

De Morgan kehrt Whately's Lehre um und versteht unter einer Realdefinition eine solche, die weniger enthält, als die Nominaldefinition, vorausgesetzt, dass das in ihr enthaltene für eine Unterscheidung hinreichend ist. »Unter Realdefinition verstehe ich eine hinreichende Erklärung des Wortes, sei es seiner ganzen Bedeutung, sei es nur eines Theiles, um die unter dem Worte verstandenen Dinge von allen anderen trennen zu können. Die folgende, glaube ich, ist auf diese Weise eine vollständige Definition eines Elephanten: Ein Thier, das trinkt, indem es das Wasser mit seinem Rüssel aufsaugt und dann in seinen Rachen spritzt« (Formal Logic. p. 36). De Morgan's allgemeiner Satz und sein Beispiel stehen nicht im Einklang mit einander, denn die eigenthümliche Trinkweise des Elephanten bildet gewiss nicht einen Theil der Bedeutung des Wortes Elephant. Man könnte nicht sagen, dass weil jemanden zufällig diese Eigenschaft nicht bekannt ist, er nicht auch wüsste, was ein Elephant bedeutet.


35 Bei dem einzigen mir bekannten Versuch, die vorhergehende Argumentation zu widerlegen, wird behauptet, dass bei dem Syllogismus:

Ein Drache ist ein Ding, welches Feuer speit;

Ein Drache ist eine Schlange;

Folglich speit manche Schlange Feuer;

»in dem Schluss gerade soviel Wahrheit liege, wie in den Prämissen, oder vielmehr im letzteren nicht mehr als in den ersteren. Wenn der Gemeinname Schlange sowohl reelle als auch imaginäre Schlangen einschliesst, so liegt in dem Schluss nichts falsches; thut er es nicht, so liegt das falsche in der untern Prämisse.«

Bilden wir den Syllogismus unter der Voraussetzung, der Name Schlange schlösse eine eingebildete Schlange ein. Wir finden nun, dass es nöthig ist, das Prädicat zu ändern, denn es kann nicht behauptet werden, ein eingebildetes Geschöpf speie Feuer; wenn wir eine solche Thatsache von ihm aussagen, so behaupten wir implicite ganz positiv, dass es ein wirkliches und nicht ein eingebildetes Geschöpf ist. Der Schluss muss also so lauten: »Manche Schlangen speien entweder wirklich Feuer, oder man bildet sich ein, dass sie es thun.« Und um diesen Schluss durch das Beispiel mit Drachen zu beweisen, müssen die Prämissen sein: Von einem Drachen bildet man sich ein, er speie Feuer, Ein Drache ist eine (wirkliche oder eingebildete) Schlange; woraus unzweifelhaft folgt, dass es Schlangen giebt, von denen man sich einbildet, dass sie Feuer speien. Aber die obere Prämisse ist weder eine Definition, noch ein Theil von einer Definition, und dies ist alles, was mir zu beweisen oblag.

Prüfen wir nun die andere Behauptung, dass wenn das Wort Schlange nur für wirkliche Schlangen steht, die untere Prämisse (Ein Drache ist eine Schlange) falsch sei. Dies ist genau, was ich selbst von der als eine Thatsachenangabe betrachteten Prämisse gesagt habe; sie ist aber nicht falsch als ein Theil der Definition eines Drachen, und da die Prämissen, oder eine derselben falsch sein müssen (da es der Schluss ist), so kann nicht die Definition, die wahr ist, sondern es muss die Thatsachenangabe, welche falsch ist, die wirkliche Prämisse ausmachen.


36 »Wenig Menschen (sagte ich an einer andern Stelle) haben darüber nachgedacht, wie gross die Kenntniss der Dinge sein muss, um einen in den Stand zu setzen, zu behaupten, dass sich ein gegebener Schluss gänzlich um Worte dreht. Unter den Hauptausdrücken der Philosophie giebt es vielleicht nicht einen, der nicht mit unzähligen Schattirungen in seiner Bedeutung gebraucht wurde, um mehr oder weniger bedeutend von einander unterschiedene Ideen auszudrücken. Zwischen zweien von diesen Ideen wird ein scharfsinniger und durchdringender Geist gleichsam intuitiv ein verborgenes Verbindungsglied entdecken, und auf dieses wird er, wenn er auch nicht im Stande ist, es logisch zu erklären, ein vollkommen gültiges Argument gründen, welches der nicht mit so scharfer Einsicht in die Dinge begabte Kritiker für einen auf der doppelten Bedeutung eines Wortes beruhenden Trugschluss halten wird. Und je grösser das Genie desjenigen ist, der so glücklich über den Abgrund hinweg setzt, um so grösser wird das Prahlen und die Ruhmrederei des blossen Logikers sein, der hinter ihm herhoppelt und seine höhere Weisheit dadurch zeigt, dass er an dem Rande des Abgrunds stehen bleibt und sein eigenes Geschäft, die Ueberbrückung desselben, als ein verzweifeltes aufgiebt.«


37 Wie Sir William Hamilton gezeigt hat, kann »Ein Theil von A ist nicht B« auch in folgender Weise umgewandelt werden: »Kein B ist ein Theil von A.« Einige Menschen sind nicht Neger, daher sind Keine Neger ein Theil der Menschen (z.B. Europäer).


38

A a B

A e B } conträre.


A i B

A o B } subconträre.


A a B

A o B } contradictorische.


A e B

A i B } subcontradictorische.


A a B A e B beziehungsweise

A i B } und A o B}∴ subalternirende.

[Der Abkürzungen wegen vergl. S. 199. J. S.]


39 Die der Uebersicht wegen hier (nicht im Original) gebrauchten Abkürzungen sind die in den deutschen Lehrbüchern der Logik angewendeten sie haben folgende Bedeutung:

A a B = Alle A sind B;

A e B = Kein A ist B;

A i B = Ein Theil von A ist B; oder kürzer, einiges A ist B;

A o B = Ein Theil von A ist nicht B;

für Weiteres vergl. man F. Ueberweg, System der Logik und Geschichte der logischen Lehren. J. S. [Anm. d. Übers.]


40 Seine Schlüsse sind: »die erste Figur passt für die Entdeckung oder den Beweis der Eigenschaften eines Dinges; die zweite für die Entdeckung oder den Beweis der Verschiedenheiten der Dinge; die dritte für die Entdeckung oder den Beweis von Fällen und Ausnahmen; die vierte für die Entdeckung oder Ausschliessung der verschiedenen Species eines Genus.« Die Beziehung des Syllogismus in den drei letzten Figuren auf das dictum de omni et nullo ist nach Lambert's Ansicht gezwungen und unnatürlich; einer jeden der drei Figuren kommt nach ihm ein besonderes Axiom zu, das diesem dictum coordinirt und von gleicher Autorität ist, und welchem er die Namen dictum de diverso für die zweite Figur, dictum de exemplo für die dritte und dictum de reciproco für die vierte giebt (s. Thl. I. oder Dianoiologie, cap. IV, §. 229 u. f.). Hr. Bailey (Theory of Reasoning, 2d Ed. p. 70) hat eine ähnliche Ansicht über den Gegenstand.


41 Seitdem dieses Capitel geschrieben worden ist, sind zwei Abhandlungen (oder vielmehr eine Abhandlung und ein Bruchstück einer Abhandlung) erschienen, welche eine weitere Verbesserung der Theorie von den formendes Syllogismus bezwecken: Mr. de Morgan's »Formal Logic, or the Calculus of Inference, Necessary and Probable«, und die »New Analytic or Logical Forms«, letztere sind ein Anhang zu Sir William Hamilton's Discussions on Philosophy, im weitern zu seinen nachgelassenen Lectures on Logic.

Was in de Morgan's Buch – das in seinen mehr populären Theilen viele schätzbare Beobachtungen glücklich ausgedrückt enthält – hauptsächlich originell ist, besteht in einem Versuch, die Fälle, wo ein Schluss aus Prämissen gezogen werden kann, die gewöhnlich zu den particularen gezählt werden, unter strenge technische Regeln zu bringen. De Morgan bemerkt ganz richtig, dass aus den Prämissen, die meisten Bs sind Cs, und die meisten Bs sind As, mit Sicherheit geschlossen werden kann, Einige As sind Cs indem zwei Theile der Classe B, von denen jeder mehr als die Hälfte enthält nothwendig zum Theil aus denselben Individuen bestehen müssen. Folgt man diesem Gedankengang, so ist ebenso evident, dass wenn wir genau wüssten, in welchem Verhältniss »die meisten« in einer jeden der Prämissen zur ganzen Classe B stehen, wir die Bestimmtheit des Schlusses in entsprechendem Grade erhöhen könnten. Wenn 60 Procent von B in C eingeschlossen sind und 70 Procent in A, so müssen wenigstens 30 Procent beiden gemein sein; mit anderen Worten, die Anzahl von As, welche Cs sind, die Anzahl von Cs, welche As sind, muss wenigstens 30 Procent der ganzen Classe B gleich sein. Indem er von diesem Begriff von »numerisch bestimmten Urtheilen« ausgeht und ihn auf Formen wie diese ausdehnt – »45 Xs (oder mehr) sind ein jedes derselben eines von 70 Ys«, oder, »keines von 45 Xs (oder mehr) ist unter 70 Ys zu finden« - , und prüft, welche Folgerungen aus den verschiedenen Combinationen aus derartigen Prämissen gelogen werden können, stellt de Morgan für diese Folgerungen allgemeine Formeln auf, und schafft zu diesem Zweck nicht allein eine neue technische Sprache, sondern auch einen formidablen Apparat von Symbolen, welche denen der Algebra analog sind.

Da nicht zu leugnen ist, dass in den von de Morgan geprüften Fällen gültige Folgerungen gezogen werden können, und dass die gewöhnliche Theorie sie unberücksichtigt lässt, so will ich gar nicht sagen, dass es nicht der Mühe werth war, im Einzelnen zu zeigen, wie auch diese Folgerungen auf ebenso strenge Formeln wie die des Aristoteles zurückgeführt werden konnten. Was de Morgan gethan hat, lohnte sich einmal zu thun (und als eine Schulübung vielleicht mehr als einmal), aber ich bezweifle, dass es für irgendeinen praktischen Zweck der Mühe werth ist, seine Resultate zu studiren und zu beherrschen. Der praktische Zweck technischer Schlussformen ist: Trugschlüsse abzuhalten; aber die Trugschlüsse, gegen die man sich bei dem eigentlichen Syllogismus zu hüten hat, entstehen aus dem unvorsichtigen Gebrauche der gewöhnlichen Sprachformen, und der Logiker muss den Trugschluss auf diesem Felde aufspüren, anstatt ihn auf seinem eigenen Felde Zuerwarten. Wenn er sich auf Urtheile beschränkt, welche die numerische Präcision der Wahrscheinlichkeitsrechnung erlangt haben, so bleibt der Gegner im Besitz des einzigen Bodens, auf dem er zu fürchten ist. Und da die Urtheile (weit entfernt universell zu sein), von denen der Denker für theoretische oder praktische Zwecke abhängt, nur in wenigen besonderen Fällen eine numerische Genauigkeit zulassen, so kann das gewöhnliche Schliessen nicht in de Morgan's Formen übersetzt und durch sie geprüft werden.

Sir William Hamilton's Theorie von der »Quantification des Prädicats« (bezüglich deren Originalität kein Zweifel sein kann, obgleich de Morgan unabhängig davon eine gleiche Lehre mag aufgestellt haben) kann kurz beschrieben werden wie folgt:

»Logisch«, ich führe seine eigenen Worte an, »sollten wir die, in Gedanken immer verstandene, aber beim Ausdruck aus handgreiflichen Gründen gewöhnlich ausgelassene Quantität nicht allein des Subjects, sondern auch des Prädicats eines Urtheils in Betracht ziehen.« Jedes A ist B, ist gleichgeltend mit Jedes A ist einiges (oder ein Theil von) B. Kein A ist B, mit Kein A ist einiges (any) B. Einiges A ist B, ist gleichgeltend mit Einiges A ist einiges B. Einiges A ist nicht B, mit Einiges A ist nicht einiges B. Da in diesen Formen von Behauptung das Prädicat genau so weit reicht als das Subject, so lassen sie alle eine einfache Umkehrung zu, und wir erhalten dadurch zwei weitere Formen: Einiges B ist alles A, und Kein B ist einiges A. Wir können auch behaupten, Alles A ist alles B, was wahr sein wird, wenn die Classen A und B genau gleich weitreichend coëxtensiv sind. Obgleich die letzten drei Formen wirkliche Behauptungen enthalten, so finden sie doch in der gewöhnlichen Classification der Urtheile keinen Platz. Nachdem also alle Urtheile in diese Sprache übersetzt, und ein jedes in diejenige der vorhergehenden Formen gebracht worden ist, welche seiner Bedeutung entspricht, so entsteht eine neue Reihe von syllogistischen Regeln, die von den gewöhnlichen wesentlich verschieden sind. Ein allgemeiner Ueberblick über die Differenzpunkte kann in Sir Hamilton's eigenen Worten gegeben werden (Discussions, 2de éd. 651):

»Ein Zurückrufen (révocation) der zwei Glieder eines Urtheils auf ihre wahre Relation; indem ein Urtheil immer eine Gleichsetzung (équation) seines Subjects und seines Prädicats ist.

Die darauf folgende Reduction der Umkehrung der Urtheile von drei Arten auf nur eine – die der einfachen Umkehrung.

Die Reduction aller allgemeinen Gesetze des kategorischen Syllogismus auf einen einzigen Canon.

Die Entwickelung (évolution) aller Arten und Varietäten des Syllogismus aus diesem einzigen Canon.

Die Aufhebung aller Speciellen Gesetze des Syllogismus.

Ein Beweis der ausschliesslichen Möglichkeit von drei syllogistischen Figuren und (auf neue Grunde hin) die wissenschaftliche und endliche Abschaffung der vierten.

Ein Offenbarmachen, dass die Figur eine unwesentliche Veränderung in der syllogistischen Form ist, und die daraus folgende Absurdität, den Syllogismus der anderen Figuren auf die erste zu reduciren.

Die Angabe Eines organischen Princips für jede Figur.

Eine Bestimmung der wahren Anzahl der rechtmässigen Modi, nebst der

Erweiterung ihrer Anzahl (sechsunddreissig);

Ihrer numerischen Gleichheit unter allen Figuren; und

Ihre relative Gleichwerthigkeit oder virtuelle Identität, durch eine jede schematische Verschiedenheit hindurch.

Dass in der zweiten und dritten Figur, da die äusseren Sätze in derselben Relation zum Mittelsatz stehen, nicht wie in der ersten ein Gegensatz und eine Unterordnung zwischen einem Obersatz und Untersatz, gegenseitig in den entgegengesetzten Ganzen von Umfang (extension) und Inhalt (comprehension) enthaltend und enthalten, vorhanden ist.

Folglich ist in der zweiten und dritten Figur keine bestimmte obere und untere Prämisse, und es sind zwei indifferente Schlusssätze vorhanden; während in der ersten Figur die Prämissen bestimmt sind, und ein einziger unmittelbarer Schlusssatz vorhanden ist.«

Diese Lehre ist, wie die von de Morgan, ein wirklicher Zuwachs zur syllogistischen Theorie; denn wenn man die Prämissen in den bestimmteren quantitativen Formen Hamilton's schreibt, so werden Schlüsse möglich (obgleich, wie ich glaube, von geringer Bedeutung) in Modi, in denen in den gewöhnlichen Formen der syllogistischen Bezeichnung nichts geschlossen werden konnte. Die Lehre von der Quantification des Prädicats hat noch den weitern Vortheil über de Morgan's »numerisch bestimmten Syllogismus, dass die Formen, welche sie liefert, als eine Probe für die Richtigkeit des Schliessens zu brauchen sind, indem die Urtheile in der gewöhnlichen Form ihre Prädicate immer quantificirt haben, und so den Regeln Hamilton's unterworfen werden können«. Wenn ich daher die Lehre von der Quantification des Prädicats nicht für eine schätzbare Errungenschaft der Logik halte, so geschieht dies nur, weil ich die gewöhnlichen Regeln des Syllogismus für eine adäquate Probe, und vollkommen hinreichend halte, um alle Folgerungen, die nicht aus den Prämissen folgen, auszuschliessen. Als ein Beitrag aber zu der Wissenschaft der Logik, d.h. zur Analyse der geistigen Prozesse, die bei dem Schliessen in Betracht kommen, scheint mir die Lehre nicht bloss überflüssig, sondern auch irrig, indem die Form, in welche sie die Urtheile kleidet, nicht wie die gewöhnliche Form das ausdrückt, was im Geiste des Sprechenden liegt, wenn er das Urtheil aussagt. Ich kann Sir William Hamilton nicht Recht geben, wenn er behauptet, dass die Quantität des Prädicats »in Gedanken immer verstanden ist«. Es ist zwar in ihm enthalten, aber es ist dem Geist desjenigen, der das behauptet, nicht gegenwärtig. Anstatt ein Mittel zu sein, die Bedeutung des Urtheils klar herauszubringen, fuhrt die Quantification des Prädicats den Geist von dem Urtheil hinweg zu einer andern Ideenreihe. Denn wenn wir sagen, Alle Menschen sind sterblich, so wollen wir nur von allen Menschen das Attribut Sterblichkeit behaupten, ohne von der Classe sterblich im concreten zu denken, und ohne uns darum zu bekümmern, ob sie noch irgend andere Wesen enthält oder nicht. Es hat nur immer einen künstlichen Zweck, wenn wir das Urtheil unter einem Gesichtspunkt betrachten, unter dem auch des Prädicats als eines Classennamens, der entweder nur das Subject oder das Subject und etwas mehr einschliesst, gedacht wird (siehe oben Seite 112).


42 Das ganze dictum lautet: quidquid de omnibus valet, valet etiam de quibusdam et singulis; quidquid de nullo valet, nec de quibusdam vel singulis valet. J. S. [Anm. d. Übers.]


43 Herbert Spencer (Principles of Psychology p. 125), obgleich seine Lehre vom Syllogismus im Wesentlichen mit der meinigen übereinstimmt, hält es für einen logischen Trugschluss, die zwei Axiome des Textes ab die leitenden Grundsätze des Syllogismus aufzustellen. Er wirft mir vor, an den Irrthum verfallen zu sein, den Erzbischoff Whately und ich selbst angedeutet haben, den nämlich, genaue Aehnlichkeit mit buchstäblicher Identität zu verwechseln. Er behauptet, wir sollten nicht sagen, dass Sokrates dieselben Attribute besitzt, welche durch das Wort Mensch mitbezeichnet werden, sondern nur, dass er genau gleiche Attribute besitzt, wonach Sokrates und das Attribut Sterblichkeit nicht zwei Dinge sind, die mit demselben Dinge coexistiren, wie das Axiom behauptet, sondern zwei Dinge, die mit zwei verschiedenen Dingen coexistiren.

Ich glaube, Spencer's Ausdrucksweise ist fehlerhaft und nicht die meinige. Er scheint der Meinung zu sein, dass weil Alcibiades und Sokrates nicht ein und derselbe Mensch sind, auch das Attribut, welches Beide zu Menschen macht, nicht dasselbe Attribut sei; dass weil sich die Menschlichkeit eines Menschen und die eines andern unseren Sinnen nicht durch dieselben individuellen Empfindungen, sondern durch genau ähnliche Empfindungen ausdrückt, die Menschlichkeit in einem jeden verschiedenen Menschen als ein verschiedenes Attribut betrachtet werden sollte. Nach dieser Auslegung müsste aber die Menschlichkeit desselben Menschen jetzt und in einer halben Stunde hernach als verschiedene Attribute angesehen werden, denn die Empfindungen, wodurch sie sich unseren Organen hernach kundgiebt, werden nicht eine Fortdauer unserer jetzigen Empfindungen, sondern eine Wiederholung derselben sein; es werden neue Empfingen sein, die mit den gegenwärtigen nicht identisch, sondern ihnen nur genau ähnlich sind. Wenn eine jede allgemeine Vorstellung anstatt »die Eine in den Vielen« zu sein, als eben soviele verschiedene Vorstellungen betrachtet würde, als es Dinge giebt, worauf sie anwendbar, so würde so ein Ding wie eine allgemeine Sprache nicht existiren. Ein Name würde keine allgemeine Bedeutung haben, wenn Mensch ein Ding mitbezeichnete, wenn es von Johann, und ein anderes, obgleich genau ähnliches, wenn es von Tom ausgesagt wird.

Die Bedeutung eines Gemeinnamens ist irgend ein äusserliches oder innerliches, zuletzt aus Gefühlen bestehendes Phänomen; und diese Gefühle sind, wenn ihre Continuität einmal für einen Augenblick unterbrochen ist, in dem Sinne individueller Identität nicht mehr dieselben Gefühle. Was ist nun aber das gemeinsame Etwas, das dem Gemeinnamen seine Bedeutung giebt? Spencer vermag nur zu sagen, es ist die Aehnlichkeit der Gefühle, und ich erwiedere, genau diese Aehnlichkeit ist das Attribut. Die Namen der Attribute sind Namen für die Aehnlichkeit unserer Gefühle (oder der Anderer). Ein jeder abstracte oder concrete Gemeinname bezeichnet oder mitbezeichnet die eine oder mehrere dieser Aehnlichkeiten. Es wird wahrscheinlich nicht geläugnet werden, dass wenn hundert Empfindungen ununterscheidbar ähnlich sind, man ihre Aehnlichkeit eine Aehnlichkeit und nicht hundert Aehnlichkeiten, die einander ähnlich sind, nennen sollte. Der mit einander verglichenen Dinge sind viele, aber das allen gemeinsame Etwas muss als Eines gedacht werden, wie auch der Name als eines gedacht wird, obgleich er jedesmal, wenn er ausgesprochen wird, numerisch verschiedenen Schallempfindungen entspricht. Der Gemeinname Mensch mitbezeichnet nicht die ein einzigesmal von einem Menschen hergeleiteten Empfindungen, welche einmal vorbei, so wenig wiederkehren können, als derselbe Blitzstrahl; er mitbezeichnet den allgemeinen, immer von allen Menschen abgeleiteten Typus von Sensationen, und das Vermögen (immer als eines gedacht), Empfindungen von diesem Typus zu erzeugen. Das Axiom könnte so gefasst werden: Zwei Typen von Empfindungen, wovon ein jeder mit einem dritten Typus coexistirt, coexistiren miteinander, oder: Zwei Vermögen, wovon ein jedes mit einem dritten Vermögen coexistirt, coexistiren miteinander.

Herr Spencer hat mich noch in einem andern Punkte missverstanden. Er nimmt an, dass das in dem Axiom erwähnte Zugleichsein zweier Dinge mit einem dritten, das Zugleichsein in der Zeit, die Gleichzeitigkeit bedeutet. Das gemeinte Zugleichsein ist aber das, zusammen Attribute desselben Subjects zu sein. Das Attribut, ohne Zähne geboren zu sein, und das Attribut, im reifen Alter zwei und dreissig Zähne zu haben, sind in diesem Sinne coexistirend, sind zugleich, indem sie beide Attribute des Menschen sind, obgleich ex vi termini niemals desselben Menschen zu ein und derselben Zeit.


44 Seite 137.


45 Logic, Seite 239 (9te Aufl.).


46 Es ist kaum nöthig, zu sagen, dass ich nicht für eine solche Absurdität streite, wie, dass wir wirklich »hätten wissen müssen« und dass wir den Fall eines jeden vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Menschen hätten erwägen müssen, bevor wir behaupteten, dass alle Menschen sterblich sind, obgleich sonderbar genug den vorhergehenden Bemerkungen eine solche Auslegung widerfahren ist. Ueber den praktischen Theil des Gegenstandes herrscht zwischen mir und Erzbischoff Whately oder irgend einem andern Vertheidiger des Syllogismus kein Unterschied, ich habe nur eine Inconsequenz in der fast von allen Schriftstellern angenommenen logischen Theorie desselben nachgewiesen. Ich sage nicht, dass einer, der ehe der Herzog von Wellington geboren war, behauptete, dass alle Menschen sterblich sind, wusste, dass der Herzog von Wellington sterblich wäre, über ich sage, dass er es behauptete; und ich verlange eine Erklärung des augenscheinlichen logischen Trugschlusses, als einen Beweis von der Sterblichkeit des Herzogs von Wellington eine allgemeinere Behauptung beizubringen, die sie schon voraussetzt. Da ich bei keinem Schriftsteller eine Lösung dieser Schwierigkeit fand, so versuchte ich eine zu geben.


47 Ich glaube, die syllogistische Sprache würde in eine nähere Uebereinstimmung mit der wirklichen Natur des Verfahrens gebracht werden, wenn die beim Schliessen gebrauchten allgemeinen Urtheile, anstatt von der Form zu sein, Alle Menschen sind sterblich, oder jeder Mensch ist sterblich, in die Form gebracht würden, Irgendwelcher (any man) Mensch ist sterblich. Indem diese Ausdrucksweise als den Typus alles Schliessens aus der Erfahrung »Die Menschen A, B, C etc. sind so und so, daher ist irgend welcher Mensch so und so« hinstellen würde, so würde sie die wahre Idee besser kundgeben – dass das inductive Schliessen im Grunde immer eine Folgerung vom Besondern aufs Besondere ist, und dass die ganze Function der allgemeinen Urtheile beim Schliessen darin besteht, die Gültigkeit dieser Folgerung zu garantiren.


48 Review of Quetelet on Probobilities, Essays, p. 367.


49 Philosophy of Discovery, p. 289.


50 Theory of Reasoning, c. IV, worauf ich in Betreff geschickter Darlegung und Durchführung der Gründe der Lehre verweisen kann.


51 Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Lehre nicht neu, und dass sie dem Wesen nach durch Berkeley anticipirt worden ist. Es ist mir aber jedenfalls nicht bekannt, dass sie (wie einer meiner besten und gerechtesten Kritiker behauptet hat) »zu den stehenden Kennzeichen der sogenannten empirischen Schule gehörte.«


52 Logic, Bd. IV, c. I, sect. 1.


53 Man vergleiche das wichtige Capitel über den Glauben, in Hrn. Bain's grosser Abhandlung: The Emotions and the Will, p. p. 581 u. f.


54 In der British Quaterly Review (vom August 1846) sucht ein Schriftsteller in einer Recension dieser Abhandlung zu zeigen, dass keine petitio principii in dem Syllogismus liegt, indem er läugnet, dass das Urtheil, Alle Menschen sind sterblich, behauptet oder subsumirt, dass Sokrates sterblich ist. Er argumentirt zur Stütze seiner Behauptung, dass wir das allgemeine Urtheil, Alle Menschen sind sterblich, zugeben können und auch in der That zugeben, ohne den Fall von Sokrates besonders untersucht zu haben, und sogar ohne zu wissen, ob das so bekannte Individuum ein Mensch ist oder etwas anderes. Dies hat natürlich niemand geläugnet. Dass wir in Beziehung auf uns specifisch unbekannte Fälle Schlüsse ziehen können, und auch ziehen, ist die Thatsache, das Gegebene, von dem alle Discussion des Gegenstandes ausgehen muss. Die Frage ist, in welchen Ausdrücken der Beweis oder der Grund, auf welchen hin wir diese Schlüsse ziehen, am besten zu bezeichnen ist, ob es richtiger ist, zu sagen, der unbekannte Fall werde durch bekannte Fälle bewiesen, oder er werde durch ein allgemeines Urtheil bewiesen, das beide Arten von Fällen, den bekannten und den unbekannten, einschliesst? Ich streite für die erste Ausdrucksweise. Ich halte es für einen Missbrauch der Sprache, zu sagen, der Beweis, dass Sokrates sterblich ist, sei, dass Alle Menschen sterblich sind. Man mag dies drehen und wenden wie man will, so scheint mir dies zu behaupten, dass ein Ding der Beweis von sich selbst ist. Wer die Worte ausspricht, Alle Menschen sind sterblich, hat behauptet, dass Sokrates sterblich ist, wenn er auch niemals von Sokrates etwas gehört hat; denn da Sokrates wirklich ein Mensch ist, ob dies nun bekannt sei oder nicht, so ist er in den Worten, Alle Menschen sind sterblich, und in einer jeden Behauptung eingeschlossen, in welcher diese das Subject bilden. Wenn der Recensent nicht sieht, dass hier eine Schwierigkeit vorhanden ist, so kann ich ihm nur rathen, den Gegenstand von Neuem zu erwägen, bis er es sieht; er wird alsdann auch den Erfolg oder das Misslingen eines Versuchs, die Schwierigkeit zu beseitigen, besser beurtheilen können. Dass er über diesen Punkt wenig nachgedacht hatte, als er seine Bemerkungen schrieb, zeigt er durch sein Versehen in Beziehung auf das dictum de omni et nullo. Er erkennt an, dass dieser Grundsatz, wie er gewöhnlich ausgedrückt wird, – »Was von einer Classe wahr ist, ist von allem in der Classe Eingeschlossenen wahr,« bloss ein identisches Urtheil ist, da die Classe nichts ist als die in ihr eingeschlossenen Dinge. Diesem Mangel glaubt er aber abzuhelfen indem er den Grundsatz so fasst, – »Was von einer Classe wahr ist, ist von allem wahr, was als ein Glied dieser Classe nachgewiesen werden kann;« als wenn ein Ding als ein Glied einer Classe »nachgewiesen werden« könnte, ohne es zu sein. Wenn eine Classe die Summe aller in der Classe eingeschlossenen Dinge bedeutet, so sind die Dinge, welche als in ihr eingeschlossen »nachgewiesen werden« können, ein Theil dieser Summe, und das dictum ist in Beziehung auf sie so gut ein identisches Urtheil wie auf die übrigen. Nach der Ansicht des Recensenten sollte man fast glauben, die Dinge gehörten nicht eher zu einer Classe, bis sie öffentlich aufgerufen werden, ihren Platz darin einzunehmen, – dass so lange Sokrates nicht als ein Mensch bekannt, er auch kein Mensch ist, und dass eine jede Behauptung, die in Betreff von Menschen aufzustellen ist, ihn weder etwas anseht, noch dass ihre Wahrheit oder Falschheit durch irgend etwas ihr Betreffendes berührt wird.

Der Unterschied zwischen der Lehre des Recensenten und der meinigen kann so angegeben werden: Wir geben beide zu, dass wenn wir sagen, Alle Menschen sind sterblich, wir eine Behauptung machen, die weit über die Sphäre unserer Kenntniss individueller Fälle hinausgeht; und dass, wenn ein neues Individuum, Sokrates, vermittelst der untern Prämisse in das Bereich unseres Wissens gebracht wird, wir lernen, dass wir bereits, ohne es zu wissen, eine Behauptung in Betreff des Sokrates gemacht haben, indem uns unsere eigene allgemeine Formel zum erstenmal soweit interpretirt wird. Aber nach der Lehre des Recensenten wird die geringere Behauptung durch die grössere bewiesen, während ich behaupte, dass beide Behauptungen durch denselben Beweis bewiesen werden, nämlich durch Gründe der Erfahrung, auf welche hin die allgemeine Behauptung aufgestellt und durch welche sie gerechtfertigt werden muss.

Der Recensent sagt, wenn die obere Prämisse den Schluss einschlösse, »so würden wir im Stande sein, den Schluss ohne die Dazwischenkunft der untern Prämisse zu affirmiren; aber Jedermann sieht, dass dieses unmöglich ist.« Ein ähnliches Argument wird von de Morgan gebraucht (Formal Logic, p. 259). »Der ganze Einwand nimmt stillschweigend die Ueberflüssigkeit der untern Prämisse an, d.h. nimmt stillschweigend an, wir wüssten, dass Sokrates ein Mensch ist, sobald wir wissen, dass es Sokrates ist.« Der Einwurf würde wohl begründet sein, wenn durch die Behauptung, dass die obere Prämisse den Schlusssatz einschliesst, gemeint wäre, dass sie alles, was sie einschliesst, auch individuell specificirt. Da indessen die einzige von ihr gegebene Indication eine Beschreibung von Merkmalen ist, so haben wir immer noch einen jeden neuen Fall mit den Merkmalen zu vergleichen, und es ist die Aufgabe der untern Prämisse, zu zeigen, dass diese Vergleichung gemacht worden ist. Da nun der Voraussetzung nach der neue Fall die Merkmale hat, wir mögen dies von ihm bestimmt haben oder nicht, so haben wir, wenn wir die obere Prämisse behauptet haben, auch behauptet, dass er sterblich ist. Meine Meinung ist nun aber, dass dies nicht ein nothwendiger Theil des Arguments sein kann. Es kann keine nothwendige Bedingung des Schliessens sein, dass wir mit einer Behauptung beginnen müssen, wovon ein Theil durch dieselbige Behauptung bewiesen wird. Ich kann mir nur einen Weg aus dieser Schwierigkeit denken, nämlich dass der andere Theil der Behauptung den wirklichen Beweis bildet, der Theil, dessen Wahrheit früher festgestellt worden ist; und dass der unbewiesene Theil mit dem bewiesenen anticipando in einer Formel und als ein Memorandum über die Natur der Schlüsse, die wir zu beweisen vorbereitet sind, zusammengebunden ist.

In Beziehung auf die untere Prämisse in ihrer förmlichen Gestalt, auf den Untersatz im Syllogismus, der von Sokrates einen bestimmten Classennamen aussagt, gebe ich bereitwillig zu, dass er ebensowenig ein nothwendiger Theil des Schliessens ist, als die obere Prämisse. – Wenn eine obere Prämisse vorhanden ist, und ihre Aufgabe vermittelst eines Classennamens verrichtet, so sind untere Prämissen nöthig, um sie zu interpretiren; aber für das Schliessen kann man sie beide entbehren. Sie sind nicht die Bedingungen des Schliessens, sondern eine Vorsichtsmaassregel gegen irriges Schliessen. Die einzige für das Schliessen nothwendige untere Prämisse in dem fraglichen Beispiel ist, Sokrates gleicht A, B, C, und den Individuen, von denen man weiss, dass sie gestorben sind; und dies ist der einzige universelle Typus dieser in dem Schliessprocesse durch die untere Prämisse dargestellten Stufe. Die Erfahrung in Betreff der durch diese nachlässige Schlussweise bedingten Ungewissheit lehrt uns die Zweckmässigkeit, vorher zu bestimmen, welche Art von Aehnlichkeit mit den beobachteten Fällen nothwendig ist, um einen nichtbeobachteten Fall unter dasselbe Prädicat zu bringen, und die Antwort auf diese Frage ist die obere Prämisse. So entstehen der syllogistische Obersatz und der Untersatz zugleich und werden durch dasselbe Bedürfniss hervorgerufen. Wenn wir, ohne alle Bezugnahme auf Ueberlieferung, ohne Rücksicht auf irgend einen allgemeinen entweder geschriebenen oder traditionellen, oder als das Resultat unserer eigenen Schlüsse geistig einregistrirten Lehrsatz, aus unserer eigenen Erfahrung schliessen, so gebrauchen wir in unseren Gedanken weder eine obere, noch eine untere Prämisse, wie sie der Syllogismus in Worte fasst. Wenn wir indessen diese rohe Folgerung vom Besondern auf Besonderes revidiren, und etwas Besseres an die Stelle setzen, so besteht die Revision darin, dass wir zwei syllogistische Prämissen wählen. Aber dies ändert weder etwas in dem Beweis, den wir vorher hatten, noch fügt es ihm etwas hinzu; es setzt uns nur in die Lage, besser beurtheilen zu können, ob unsere Folgerung vom Besondern auf das Besondere wohl begründet ist.


55 Unter Demonstration ist eine Reihe von Syllogismen verstanden deren sämmtliche Prämissen entweder Definitionen, selbstverständliche Wahrheiten (Axiome) oder bereits festgestellte Urtheile sind. J. S. [Anm. d. Übers.]


56 Ueberdies nöthigt sie die Mathematiker zu metaphysischen Kunststücken. Nicht allein, dass man Linie, Fläche und sogar Körper durch Bewegung (!) des Punktes entstehen lässt, der ohne alle Dimensionen also räumlich nichts ist, und an dem einzig der Begriff der Lage haftet, sondern man betrachtet auch den materiellen Punkt als eine gewisse Quantität Materie, welche man sich in dein geometrischen Punkt vereinigt denkt. (Lehrbuch der Mechanik von Duhamel, deutsch v. Wagner, S. 208.) J. S. [Anm. d. Übers.]


57 Mechanical Euklid, p. 149.


58 Wir könnten diese Eigenschaft in die Definition der Parallellinien aufnehmen, indem wir sie so fassen, dass sowohl verlangt wird, dass sie ins Unendliche verlängert sich nie schneiden, als auch dass eine jede Gerade, welche eine von ihnen bei der Verlängerung schneidet, auch die andere schneidet. Wir werden aber hierdurch keineswegs die Assumtion los, wir 'bleiben gezwungen, die geometrische Wahrheit anzunehmen, dass alle gerade Linien, welche in einer Ebene liegen und die erste dieser Eigenschaften haben, auch die letztere besitzen. Denn wenn es möglich wäre, dass sie sie nicht hätten, d.h. wenn irgend andere gerade Linien, als die der Definition nach parallele, die Eigenschaft hätten, sich bei der Verlängerung ins Unendliche niemals zu schneiden, so wären die Beweise der folgenden Theile der Theorie der Parallelen nicht haltbar.


59 Whewell, History of Scientific Ideas, I, 140.


60 Dr. Whewell (of Induction p. 84) hält es für unvernünftig, zu behaupten, dass wir durch die Erfahrung wissen, dass unsere Idee von einer geraden Linie der realen Linie genau gleicht. »Es erhellt nicht,« nagt er, »wie wir unsere Ideen mit den Realitäten vergleichen können, da wir die Realitäten nur durch unsere Ideen erkennen.« Wir erkennen die Realitäten, denke ich durch unsere Augen. Dr. Whewell will sicherlich nicht die »Lehre von der Wahrnehmung durch unsere Ideen« aufrecht erhalten, welche sich Reid so viele Mühe gab zu widerlegen.

Dr. Whewell sagt auch, dass es nicht erhellt, warum wir Ton dieser Aehnlichkeit unserer Ideen mit den Sensationen, wovon sie das Abbild sind, sprechen sollten, als wenn es eine Eigenthümlichkeit einer Classe von Ideen, von denen des Raumes, wäre. Meine Antwort hierauf ist, dass ich so nicht von ihnen spreche. Die Eigenthümlichkeit, für die ich streite, ist nur eine dem Grade nach. Alle unsere Ideen von Sensation gleichen natürlich den entsprechenden Sensationen, aber sie thun es mit einem sehr verschiedenen Grad von Genauigkeit und Zuverlässigkeit. Ich glaube Niemand kann in seiner Einbildungskraft eine Farbe oder einen Geruch mit derselben Deutlichkeit und Genauigkeit zurückrufen, womit fast ein jeder das geistige Bild einer geraden Linie, oder eines Dreiecks reproduciren kann. Soweit aber ihre Genauigkeit geht, können unsere Erinnerungen von Farben und Gerüchen eben so gut als Gegenstände des Experimentirens dienen, als die von Linien und von Bäumen, und können Schlüsse ergeben, die von ihren äusserlichen Vorbildern wahr sein werden. Ein Mensch, bei dem in Folge einer Naturgabe oder in Folge der Uebung die Farbeneindrücke besonders lebhaft und deutlich sind, und der gefragt würde, welche von zwei blauen Blumen die dunklere Nuance besitzt, könnte auf seine Erinnerungen hin eine ganz zuverlässliche Antwort geben, wenn er auch die zwei Blumen niemals mit einander verglichen oder sie zusammen gesehen hätte; d.h. er könnte seine geistigen Bilder prüfen und daselbst eine Eigenschaft der äusseren Gegenstände finden. Aber von den Menschen im allgemeinen könnte dies schwerlich in irgend einem andern Fall als in dem Fall einfacher geometrischer Formen mit einer gleichen Sicherheit vollzogen werden, als durch den Anblick der Gegenstände selbst gegeben ist. Die Menschen sind in der Genauigkeit ihrer Erinnerungen, sogar der Formen, ausserordentlich verschieden; der eine, der das Gesicht eines andern nur für einen Augenblick betrachtet hat, zeichnet aus dem Gedächtniss ein ähnliches Portrait desselben; ein anderer kann ihn ein halbes Jahr lang jeden Tag gesehen haben, und weiss kaum, ob dessen Nase lang oder kurz ist. Aber jedermann hat in seinem Geiste ein vollkommen deutliches Bild von einer geraden Linie, einem Kreis oder einem Rechteck; und ein jeder schliesst mit Zuversicht von diesen geistigen Bildern auf die entsprechenden äusserlichen Dinge. Die Wahrheit ist, dass wir bei Abwesenheit der Gegenstände selbst die Natur in unserer Erinnerung studiren können und fortwährend studiren; und in dem Fall geometrischer Formen können wir unseren Erinnerungen vollkommen, in den meisten anderen Fällen aber nur unvollkommen trauen.


61 History of Scientific Ideas, I, 65.


62 »Wenn alle Menschen eine Sprache gesprochen hätten, so wurde es ohne Zweifel eine mächtige, vielleicht eine allgemeine Schule von Philosophen gegeben haben, welche an den inhärenten Zusammenhang zwischen Namen und Dingen geglaubt hätten, welche den Klang Mensch für den die Ideen von Vernunft, Kochkunst, Zweifüssigkeit etc. wesentlich mittheilenden Modus die Luft zu bewegen gehalten hätten«. De Morgan Formal Logic, p. 246.


63 Es würde schwierig sein, einen in Beziehung auf geistige Grösse und Universalität merkwürdigeren Menschen zu nennen, als Leibnitz. Dennoch gab dieser grosse Mann als einen Grund an, dass Newton's Sonnensystem zu verwerfen sei, weil Gott nicht könnte einen Körper geschaffen haben, der sich um einen entfernten Mittelpunkt dreht, es müsste dies denn durch einen treibenden Mechanismus oder ein Wunder bewirkt werden: – »Tout ce qui n'est pas explicable,« sagt er in einem Briefe an den Abbé Conti, »par la nature des créatures, est miraculeux. Il ne suffit pas de dire: Dieu a fait une telle loi de nature; donc la chose est naturelle. Il faut que la loi soit exécutable par les natures des créatures. Si Dieu donnait cette loi, par exemple, à un corps libre, detourner à l'entour d'un certain centre, il faudrait ou qu'il y joignit d'autres corps qui par leur impulsion l'obligeassent de rester toujours dans son orbite circulaire, ou qu'il mit un ange à ses trousses, ou enfin il faudrait qu'il y concourût extraordinairement, car naturellement il s'écartera par la tangente.« Werke von Leibnitz, Edict. von Dutens, III, 446.


64 Nov. Org. Ren. 32.


65 Hist. Sc. Id. I. 264.


66 Phil. of Disc. p. 339.


67 Phil. of Disc. p. 338.


68 Ib. p. 463.


69 Phil. Disc, p. 472. 473.


70 Die Quaterly Review für Juni 1841 enthielt einen vortrefflichen Artikel aber Dr. Whewell's zwei grössere Werke (seitdem von Sir John Herrschel anerkannt und in seinen Essays abgedruckt), der in Beziehung auf die Axiome die in dem Text ausgesprochene Lehre aufstellt, dass sie Generalisationen aus der Erfahrung sind; er unterstützt seine Ansicht durch eine Reihe Ton Argumenten, welche mit den meinigen auffallend übereinstimmen. Wenn ich sage, dass (mit Ausnahme der letzten vier Seiten der jetzigen Auflage) das ganze vorliegende Capitel geschrieben war, ehe ich den Artikel sah (und in der That der grösste Theil ehe er veröffentlicht worden war), so ist es nicht meine Absicht, die Aufmerksamkeit des Lesers mit einem so unwichtigen Gegenstand wie der Grad von Originalität, der meinen eigenen Betrachtungen zukommen mag, beschäftigen, sondern für eine den herrschenden Lehren entgegenstehende Ansicht eine Empfehlung zu erwirken, welche aus einer auffallenden Uebereinstimmung in den Ansichten zweier von einander unabhängiger Forscher hervorgeht. Ich benutze die Gelegenheit, um von einem Schriftsteller von so umfassenden physikalischen und metaphysischen Kenntnissen und einem systematischen Denken, wie es der Artikel zeigt, Stellen anzuführen, welche in einem merkwürdigen Einklange mit meinen eigenen Aussichten stehen: – »Die Wahrheiten der Geometrie summiren und kleiden sich in sogenannte Definitionen und Axiome... Wenden wir uns zu den Axiomen, und was finden wir? Eine Reihe von Urtheilen (Sätzen) in Beziehung auf abstracte Grössen, welche von Raum, Zeit, Kraft, Zahl und einer jeden summirbaren und theilbaren Grösse gleich wahr sind. Solche Urtheile tragen, wenn sie nacht blosse Definitionen sind, ihren inductiven Ursprung an der Stirn... Diejenigen, welche behaupten, dass zwei gerade Linien keinen Raum einschliessen können, und dass zwei gerade Linien, welche einander schneiden, nicht beide einer dritten parallel sein können, sind in Wahrheit die einzigen, welche charakteristische Eigenschaften des Raumes ausdrücken, und es wird der Mühe werth sein, diese genauer zu betrachten. Nun ist die einzige klare Vorstellung, die wir uns von der Geradheit der Linien machen können, Gleichförmigkeit in der Richtung, denn der Raum ist in der letzten Analyse nichts, als eine Menge von Entfernungen und Richtungen. Und (um nicht bei der Vorstellung von einer fortgesetzten Contemplation d.h. geistigen Erfahrung, wie sie gerade in der Idee der Gleichförmigkeit enthalten ist, noch bei der Vorstellung von einem Uebergange des betrachtenden Wesens von Punkt zu Punkt, und der Erfahrung der Gleichförmigkeit des bei diesem Uebergang überschrittenen Zwischenraumes zu verweilen) wir können demjenigen, dessen Erfahrung ihn nicht seit seiner Geburt von der Thatsache überzeugte, den Satz nicht einmal in eine verständliche Form bringen. Die Einheit der Richtung, oder dass wir von einem gegebenen Punkte nur durch einen einzigen Weg direct zu einem Gegenstände gelangen können, ist lange, bevor es Gegenstand des abstracten Denkens werden kann, Gegenstand der praktischen Erfahrung. Wir können die Bedingungen der Behauptung an einem ihr entgegengesetzten imaginären Falle in Gedanken nicht zu erläutern suchen, ohne unsere gewohnte Erinnerung dieser Erfahrung zu verletzen, und unser darauf gegründetes geistiges Bild vom Raum zu zerstören. Kann uns möglicherweise etwas Anderes als die Erfahrung über die Homogenität der Theile der Entfernung, des Raums, der Kraft und der messbaren Aggregate im Allgemeinen, wovon die Wahrheit der anderen Axiome abhängt, Gewissheit verschaffen? Was das letztere Axiom betrifft, so ist nach dem, was gesagt worden ist, klar, dass dieselben Bemerkungen auch auf dieses ihre Anwendung finden, und dass sich dessen Wahrheit so gut wie die des ersteren durch tägliche und stündliche Erfahrung dem Geiste aufdringt, ... indem in unsere erfahrungsgemässe Vorstellung immer das miteingeht, was durch Betrachtung des innerlichen Bildes, welches der Geist sich in einem gegebenen Falle bildet, oder willkürlich als Beispiel wählt, gewonnen wird, – indem ein solches Bild, vermöge der äussersten Einfachheit dieser primären Beziehungen, durch die Phantasie mit derselben Lebhaftigkeit und Klarheit hervorgerufen wird, wie ein äusserer Eindruck, was die einzige Bedeutung ist, die wir dem Worte Anschauung in der Anwendung auf solche Relationen beilegen können.«

Und in Beziehung auf die Axiome der Mechanik: »Da wir sogar in der Geometrie keine anderen, als inductiv aus der Beobachtung gefolgerten Wahrheiten zulassen, so wird man keine, entgegengesetzte Ansicht in Beziehung auf eine Wissenschaft von offenbar zufälligen Relationen erwarten. Prüfen wir z.B. den Beweis des Axioms, dass gleiche Kräfte, welche parallel auf die beiden Enden eines gleicharmigen geraden Hebels wirken, einander im Gleichgewicht halten. Was anders als die Erfahrung, so können wir vor Allem fragen, kann uns möglicherweise sagen, dass eine so wirkende Kraft überhaupt das Streben bat, den Hebel um seinen Mittelpunkt zu drehen? oder dass eine Kraft einer, senkrecht auf ihrer Richtung stehenden, steifen geraden Linie entlang so übertragen werden kann, dass sie in einer andern, als in ihrer eigenen Wirkungslinie im Raume wirkt? Dies ist soweit entfernt selbstverständlich zu sein, dass es sogar paradox schien, und dass man, um letzteres zu umgehen, unserm Hebel Dicke, materielle Zusammensetzung und Molekularkräfte beilegen musste. Ebenso schliessen wir, dass die zwei gleichen und unter genau ähnlichen Umständen wirkenden Kräfte, wenn sie überhaupt den Hebel zu drehen suchen, gleiche und entgegengesetzte Drehungen bewirken müssen. Aber welcher aprioristische Schluss kann uns möglicherweise die Gewissheit geben, dass sie unter genau ähnlichen Umständen wirken? dass in der Lage unterschiedene Punkte in Beziehung auf die Wirkung der Kraft in ähnlichen Umständen sind? dass der universelle Raum keine Beziehung zur universellen Kraft haben, oder dass wenigstens die Einrichtung des materiellen Universums nicht der Art sein kann, dass sie diesen von ihm eingenommenen Theil des Raumes in solche Beziehungen zu den in ihm wirkenden Kräften setzt, dass die angenommene absolute Aehnlichkeit der Umstände dadurch aufgehoben wird? Oder wir können auch so argumentiren: was haben wir überhaupt mit der Vorstellung von einer Winkelbewegung in dem Hebel zu thun? Es ist ja ein Fall von Buhe und einer ruhigen Vernichtung von Kraft durch Kraft. Wie wird nun diese Vernichtung bewerkstelligt? Offenbar durch den Gegendruck des Stützpunktes. Würde aber diese Vernichtung nicht eben so gut und bei demselben Aufwand von Gegendruck entstehen, wenn eine jede Kraft einfach nur ihre eigene Hälfte des Hebels gegen den Stützpunkt drückte? Und was giebt uns die Gewissheit, dass dies nicht der Fall ist, wenn nicht das Hinwegnehmen der einen oder der andern Kraft und das daraus entstehende Sinken des Hebels? Das andere fundamentale Axiom der Statik, dass der Druck auf den Stützpunkt der Summe der beiden Gewichte gleich ist, ist nur eine wissenschaftliche Transformation und ere Angabe eines rohen und augenfälligen Resultats der Erfahrung, nämlich, dass das Gewicht eines festen Körpers dasselbe bleibt, man möge es handhaben oder aufhängen wo und wie man will, und dass das es Tragende sein ganzes Gewicht trägt. ›Niemand hat wahrscheinlich je einen Versuch gemacht um zu zeigen, dass der Druck auf den Unterstützungspunkt der Summe der Gewichte gleich ist,‹ bemerkt Herr Whewell gewiss ganz richtig; es geschah aber gewiss nur darum nicht, weil ein Jeder von der frühesten Kindheit an fortwährend den Versuch gemacht hat, und ihn von allen Anderen machen sah, so dass es ihm nicht einfallen konnte, das Resultat von einem weiteren, mit wissenschaftlicher Genauigkeit gemachten Versuche abhängig zu machen. Es wäre dasselbe, als wenn Jemand durch das Experiment entscheiden wollte, ob seine Augen zum Sehen tauglich sind, und er sich während einer halben Stunde hermetisch in einen Metallkasten einschlösse.«

Ueber das »Paradoxon von durch Erfahrung erlangten universellen Wahrheiten« sagt derselbe Schriftsteller: »Wenn es nothwendige und universelle Wahrheiten giebt, die in Urtheilen von axiomatischer Einfachheit und Deutlichkeit ausdrückbar sind, und zum Gegenstände die Elemente unserer ganzen Erfahrung und unseres ganzen Wissens haben, so sind dies sicher die Wahrheiten, welche, wenn sie uns überhaupt eine Wahrheit liefert, die Erfahrung uns am ersten, leichtesten und klarsten liefern muss. Wenn es eine universelle und nothwendige Wahrheit wäre, dass über einen jeden Planeten ein Netz ausgebreitet ist, so würden wir auf dem unsrigen nicht weit gehen, ohne uns in seine Maschen zu verwickeln und die Nothwendigkeit irgend eines Mittels der Befreiung daraus zu einem Axiom der Bewegung zu machen. Es liegt daher darin, dass wir durch die Beobachtung zu einer Erkenntniss solcher Wahrheiten, wie allgemeine Urtheile geführt werden, die wenigstens so weit reichen wie die ganze menschliche Erfahrung nichts Paradoxes, sondern das Umgekehrte. Dass sie alle Gegenstände der Erfahrung durchdringen, muss ihre fortwährende Anregung durch die Erfahrung sichern; dass sie wahr sind, muss jene Folgerichtigkeit der Anregung, jene Wiederholung unwidersprochener Behauptungen sichern, welche zu unbedingter Zustimmung nöthigt, und alle Gelegenheit für eine Ausnahme entfernt, dass sie einfach sind und kein Missverstehen zulassen, muss ihre Zulassung durch den Geist eines Jeden sichern.«

»Eine nothwendige und universelle Wahrheit, die sich auf einen Gegenstand unserer Erkenntniss bezieht, muss sich in einem jeden Falle bewahrheiten, an dem der Gegenstand vor unsere Betrachtung tritt, und wenn sie zugleich einfach und verständlich ist, so muss ihre Verification augenfällig sein. Das Gefühl einer solchen Wahrheit muss daher unserm Geiste gegenwärtig sein, wenn jener Gegenstand betrachtet wird, und muss daher einen Theil des geistigen Bildes oder der Idee von jenem Gegenstände ausmachen, den wir bei irgend einer Gelegenheit unserer Einbildungskraft vorführen... Alle Urtheile werden daher nicht allein unwahr, sondern auch unbegreiflich, wenn.... die Axiome bei ihrer Aussage verletzt werden.«

Ein anderer eminenter Mathematiker hat schon früher die Lehre von der Entstehung der geometrischen Axiome in der Erfahrung durch seine Autorität sanctionirt. »Die Geometrie ist in ähnlicher Weise auf Beobachtung gegründet, aber auf Beobachtung von einer so geläufigen und einleuchtenden Art, dass die ersten Begriffe, welche sie liefert, als intuitiv erscheinen könnten.« – Sir John Leslie, von Sir William Hamilton citirt, Discourses etc. p. 272.


71 Herr Spencer irrt sich, indem er voraussetzt, dass ich im Vergleich mit anderen Axiomen für dieses Axiom eine besondere »Nothwendigkeit« beanspruche. Ich habe die Aufdrücke, welche ihn zu diesem Missverstehen meiner Meinung verleitet haben, berichtigt.


72 Discussions etc. 2nd ed. p. 624.


73 Wenn man sagen sollte, dass die Existenz der Materie zu den durch den Grundsatz des ausgeschlossenen Mittleren bewiesenen Dingen gehört, so muss dieser Grundsatz auch die Existenz von Drachen und Hippogryphen beweisen, denn diese müssen entweder schuppig oder nichtschuppig, kriechend oder nichtkriechend sein u.s.w.


74 Dr. Whewell hält es für ungeeignet, den Ausdruck Induction auf irgend eine Operation anzuwenden, die nicht in der Feststellung einer allgemeinen Wahrheit endet. »Induction,« sagt er, »ist nicht einerlei mit Erfahrung und Beobachtung; Induction ist Erfahrung oder Beobachtung in einer allgemeinen Form mit Bewusstsein betrachtet. Dieses Bewusstsein und die Allgemeinheit sind nothwendige Theile desjenigen Wissens, das Wissenschaft ist.« Der Anwendung des Wortes in diesem Werke macht er den Vorwurf einer ungeeigneten Ausdehnung des Ausdrucks »nicht allein auf Fälle, in denen die allgemeine Induction mit Bewusstsein auf einen besonderen Fall angewendet wird, sondern auch auf Fälle, wo der besondere Fall durch die Erfahrung in jenem rohen Sinne behandelt wird, in dem man von Thieren behaupten kann, sie hätten Erfahrung, und wo wir uns dann in keiner Weise denken können, dass das Gesetz als ein allgemeines Urtheil besessen oder verstanden wird.« Er hält diesen Gebrauch des Wortes für »Confusion des Wissens mit praktischen Tendenzen.«

Ich verwerfe so stark als Dr. Whewell nur immer kann, die Anwendung von Ausdrücken wie Induction, Folgerung oder Schliessen auf bloss instinctmässig ausgeführte Operationen, d.h. auf Operationen, die nach thierischem Impuls ohne ein Zuthun von Intelligenz stattfinden. Ich sehe aber keinen Grund, den Gebrauch des Worts auf Fälle zu beschränken, in denen die Folgerung in den Formen und mit der Vorsicht gezogen wird, wie sie die wissenschaftliche Genauigkeit verlangt. Für die Idee einer Wissenschaft ist eine besondere Erkenntniss und ein deutliches Verständniss wesentlich, aber neun Zehntel der Schlüsse, die im praktischen Leben aus der Erfahrung gezogen werden, werden ohne eine solche Erkenntniss gezogen; sie sind directe Folgerungen von bekannten Fällen auf einen supponirten ähnlichen Fall. Ich, habe zu zeigen gesucht, dass dies nicht allein ein erlaubtes Verfahren, sondern dass es wesentlich dasselbe Verfahren ist, als wenn man von bekannten Fällen zu einem allgemeinen Urtheil aufsteigt (nur dass in letzterem Verfahren eine grössere Sicherheit liegt). In der Wissenschaft muss die Folgerung nothwendigerweise durch die Zwischenstufe eines allgemeinen Urtheils hindurchgehen, da die Wissenschaft ihre Folgerungen zum Aufbewahren, nicht aber für den augenblicklichen Gebrauch zieht. Aber die Folgerungen, welche für die Ausführung praktischer Geschäfte von Personen gezogen werden, die häufig nicht im Stande wären, die entsprechenden Generalisationen mit Worten untadelhaft auszudrücken, zeugen oft von so grossen Geisteskräften wie nur immer in der Wissenschaft zur Anwendung kommen; und wenn diese Folgerungen keine inductive sind, was sind sie denn? Die Beschränkung des Ausdrucks, wie sie Dr. Whewell verlangt, ist ganz willkürlich; sie wird weder durch eine fundamentale Unterscheidung zwischen dem, was er einschliesst und dem, was er ausgeschlossen haben will, gerechtfertigt, noch wird sie durch das Herkommen sanctionirt, wenigstens nicht durch das Herkommen seit der Zeit von Reid und Stewart, den Hauptgesetzgebern (so weit die englische Sprache in Betracht kommt) der metaphysischen Terminologie.


75 Cours de Philosophie positive, vol. II, p. 202.


76 Hr. Whewell bestreitet in seiner Entgegnung die hier gemachte Unterscheidung und behauptet, dass nicht allein verschiedene Beschreibungen, sondern auch verschiedene Erklärungen einer Naturerscheinung wahr sein können. Ueber die drei Theorien bezüglich der Bewegungen der Himmelskörper sagt er (Seite 25): »ohne Zweifel können alle diese Erklärungen wahr und mit einander verträglich sein, und würden es auch sein, wenn eine jede soweit geführt worden wäre, um zu zeigen, in welcher Weise sie mit den Thatsachen in Einklang gebracht werden konnte. Und dies geschah in Wirklichkeit bis zu einem hohen Grade. Die Lehre, dass die Himmelskörper durch Wirbel bewegt werden, wurde allmälig modificirt, so dass sie zuletzt in ihren Resultaten mit der Lehre einer umgekehrt quadratischen Centripetalkraft übereinstimmte... Als dieser Punkt erreicht war, so war der Wirbel bloss eine gut oder übel ersonnene Maschinerie, um eine solche Centripetalkraft zu erzeugen, und widersprach daher nicht der Lehre von einer Centripetalkraft. Newton selbst scheint nicht der Erklärung der Schwere durch Stoss entgegen gewesen zu sein. So wenig ist es wahr, dass wem eine Theorie wahr ist, die andere falsch sein muss. Der Versuch, die Schwerkraft durch den Stoss von Strömen von Partikeln, die in allen Richtungen durch den Weltraum fliessen, zu erklären, ist so weit entfernt mit der Newtonischen Theorie unverträglich zu sein, dass sie sich im Gegentheil ganz darauf stützt. Sogar was die Lehre, die Himmelskörper bewegten sich durch eine ihnen inhärente Kraft, betrifft, so mussten, wenn diese Lehre in einer solchen Weise behauptet worden wäre, dass sie mit den Thatsachen übereingestimmt hätte, die Gesetze der inhärenten Kraft bestimmt werden; man würde alsdann gefunden haben, dass die Kraft in einer Beziehung zu dem Centralkörper steht, die ›inhärente Kraft‹ hatte in ihren Wirkungen mit der Newtonischen Kraft übereinstimmen müssen, und die zwei Erklärungen hätten dann übereingestimmt, ausgenommen so weit als das Wort ›inhärent‹ in Anschlag kam. Und wenn ein solcher durch das Wort inhärent angezeigte Theil einer früheren Theorie als unhaltbar befunden wird, so wird er bei dem Uebergang zu späteren und genaueren Theorien natürlich verworfen, und zwar sowohl in Inductionen dieser Art, als auch in dem was Hr. Mill Beschreibungen nennt. Man kann daher immer noch nicht die Gültigkeit der Distinction entdecken, welche Herr Mill zwischen Beschreibung wie Kepler's Gesetz der elliptischen Bahnen und anderen Beispielen von Induction macht, entdecken.«

Wenn die Lehre von den Wirbeln hätte sagen wollen, nicht dass Wirbel existirten, sondern dass sich die Planeten in derselben Weise bewegten, als ob sie durch Wirbel gedreht würden; wenn die Hypothese bloss ein Modus, die Thatsachen zu repräsentiren, gewesen wäre, und nicht ein Versuch, sie zu erklären; kurz, wenn sie nur eine Beschreibung gewesen wäre: so wäre sie ohne Zweifel mit der Newtonischen Theorie vereinbar gewesen. Die Wirbel waren aber nicht bloss ein Hülfsmittel, um sich die Bewegungen der Planeten vorstellen zu können, sondern ein supponirtes physikalisches Agens, das sie trieb; eine materielle Thatsache, die wahr oder nicht wahr sein mochte, die aber nicht zugleich wahr und nicht wahr sein konnte. Nach der Theorie Descartes' war sie wahr, nach Newton war die nicht wahr. Hr. Whewell glaubt wahrscheinlich, dass weil die Ausdrücke centripetale und centrifugale Kraft nicht die Natur, sondern nur die Richtung der Kräfte andeuten, die Newton'sche Theorie nicht absolut einer jeden Hypothese, die bezüglich deren Erzeugungsweise aufgestellt werden könnte, widerspricht. Dies thut nun freilich die als eine blosse Beschreibung der Planetenbewegungen betrachtete Newton'sche Theorie nicht, aber all eine Erklärung derselben thut sie es. Worin besteht dann die Erklärung? Darin, dass diese Bewegungen einem allgemeinen Gesetz zugeschrieben werden, das für alle Theilchen der Materie gültig ist und in der Identificirung desselben mit dem Gesetz, nach welchem terrestrische Körper fallen. Wenn die Planeten durch eine Kraft in ihren Bahnen gehalten werden, welche die sie zusammensetzenden Partikel nach allen anderen materiellen Partikeln des Sonnensystems zieht, so sind sie nicht durch die Impulsivkraft gewisser sie herumwirbelnder Ströme von Materie in ihren Bahnen gehalten. Die eine Erklärung schliesst die andere absolut aus. Entweder werden die Planeten nicht durch Wirbel bewegt, oder sie bewegen sich nicht nach einem aller Materie gemeinsamen Gesetz; beide Ansichten können unmöglich wahr sein. Man könnte ebensogut sagen, es bestände kein Unterschied zwischen den Behauptungen, ein Mensch sei gestorben weil ihn jemand tödtete, und er sei eines natürlichen Todes gestorben.

Ebenso ist die Theorie, die Planeten bewegten sich durch eine ihrer himmlischen Natur inhärente Kraft, mit den beiden anderen Theorien unverträglich. Dr. Whewell sagt, dass die Theorie der inhärenten Kraft mit der Newton'schen Theorie übereinstimmt wenn das Wort inhärent ausgelassen wird, was natürlich geschehen würde (sagt er), wenn »es unhaltbar befanden wird.« Aber wenn dies ausgelassen wird, was wird aus der Theorie? Das Wort inhärent ist die Theorie. Wenn dieses ausgelassen Wird, so bleibt nichts, als dass sich die Himmelskörper »durch eine Kraft« bewegen, d.h. durch eine beliebige Kraft, oder Kraft ihrer himmlischen Natur, was der Lehre, dass die terrestrischen Körper denselben Gesetz nach fallen, direct widerspricht.

Wenn Dr. Whewell noch nicht zufrieden ist, so wird jeder andere Gegenstand geeignet sein, seine Lehre zu erproben. Er wird kaum sagen, es wäre kein Widerspruch zwischen der Undulationstheorie und der Emissionstheorie; oder es könne eine und zugleich auch zwei Elektricitäten geben; oder die Hypothese von der Erzeugung höherer organischer Formen durch Entwickelung der niederen, und die Annahme besonderer und aufeinanderfolgender Schöpfungsacte seien ganz verträglich mit einander; oder die Theorie, dass die Vulkane durch ein Centralfeuer gespeist werden, und die Lehre, welche deren Entstehung einer in verhältnissmässig geringer Tiefe stattfindenden chemischen Thätigkeit zuschreibt, seien mit einander vereinbar und alle wahr, soweit sie gehen.

Wenn verschiedene Erklärungen derselben Thatsache nicht zugleich wahr sein können, so können es sicher verschiedene Voraussagungen noch weniger. Dr. Whewell hadert mit dem von mir hierfür gewählten Beispiel (auf welchen Grund hin, ist hier unnöthig zu betrachten), und hält einen gegen eine Erläuterung gemachten Einwurf für eine genügende Entgegnung auf eine Theorie. Beispiele, die seinem Einwurf nicht ausgesetzt sind, sind leicht zu finden, wenn der Satz, dass widerstreitende Voraussagungen nicht zugleich wahr sein können, überhaupt durch Beispiele klarer gemacht werden kann. Das Phänomen sei ein neuentdeckter Komet und ein Astronom sage seine Zurückkunft in 300 Jahren voraus, ein anderer in 400 Jahren; können beide Recht haben? Als Columbus voraussagte, dass er durch beständiges Westwärtssegeln mit der Zeit zu dem Punkt zurückkehren würde, von dem er ausgegangen war, während andere behaupteten, dass er dies nur durch Umkehren erreichen könnte, waren er und seine Gegner zugleich wahre Propheten? Waren die Voraussagungen, welche die Wunder von Eisenbahnen und Dampfschiffen zum vorausverkündigten und diejenigen, welche bekräftigten, der atlantische Ocean könne nicht mit Dampfschiffen durchkreuzt werden, oder ein Eisenbahnwagenzug könne nicht zehn englische Meilen in der Stunde machen, zugleich (mit Dr. Whewell's Worten) »wahr und mit einander verträglich?«

Dr. Whewell sieht keinen Unterschied dazwischen, widersprechende Meinungen über eine fragliche Thatsache zu haben, und bloss verschiedene Analogien in gebrauchen, um die Vorstellung derselben Thatsache zu erleichtern. Der Fall von verschiedenen Inductionen gehört der ersteren Classe, der von verschiedenen Beschreibungen der letzteren an.


77 Phil. of Discov. p. 256.


78 Essays on the Pursuit of Truth.


79 Aber obgleich es eine Bedingung für die Gültigkeit einer jeden Induction ist, dass Gleichförmigkeit im Gang der Natur sei, so ist es doch keine Bedingung, dass die Gleichförmigkeit die ganze Natur durchdringe. Es ist genug, wenn sie die besondere Classe von Erscheinungen durchdringt, auf welche die Induction Bezug hat. Eine Induction bezüglich der Bewegungen der Planeten, oder der Eigenschaften des Magnets würde nicht durch die Voraussetzung, dass Wind und Wetter ein Spiel des Zufalls sind, geschwächt werden, wenn nur angenommen wird, astronomische und magnetische Erscheinungen ständen unter der Herrschaft allgemeiner Gesetze; es hätte sonst die frühe Erfahrung der Menschen auf sehr schwacher Grundlage geruht, denn in der Kindheit der Wissenschaft konnte man nicht wissen, dass alle Erscheinungen in ihrem Laufe regelmässig sind.

Auch wäre es nicht richtig, zu sagen, eine jede Induction, wodurch wir irgend Wahrheit folgern, schlösse die allgemeine Thatsache der Gleichförmigkeit als vorherbekannt ein, wenn auch nur in Betreff der in Frage stehenden Phänomene. Sie schliesst entweder ein, dass diese allgemeine Thatsache bereits bekannt ist, oder dass wir sie nun wissen können; sowie der aus den Fällen A, B und C gezogene Schluss, der Herzog von Wellington ist sterblich, entweder einschliesst, dass wir entweder schon geschlossen haben, Alle Menschen sind sterblich, oder dass wir nun durch denselben Beweis dazu berechtigt sind. Viel Verwirrung und viele Fehlschlüsse bezüglich der Gründe der Induction würden vermieden werden, wenn man diese einfachen Betrachtungen im Auge behielte.


80 In Capitel XXI und XXII.


81 Dr. Whewell will nicht zugeben, dass man diese und ähnliche irrthümlichen Meinungen Inductionen nenne, insofern solche abergläubische Phantasien »nicht durch das Suchen eines Gesetzes ihres Eintretens aus den Thatsachen erschlossen wurden, sondern durch die Einbildung eines Zornes höherer Mächte, der sich durch solche Abweichungen von dem gewöhnlichen Gang der Natur zu erkennen giebt, eingegeben wurden«. Ich glaube, die Frage ist nicht, in welcher Weise diese Ideen zuerst erregt wurden, sondern auf welchen Beweis hin man zeitweise glaubte, dass sie sich bewährten. Wenn diejenigen, welche an diese irrigen Meinungen glaubten, angegriffen worden wären, so hätten sie sich zu ihrer Vertheidigung auf die Erfahrung berufen, auf den Kometen, welcher der Ermordung von Julius Cäsar vorausging, oder auf die Orakel und andere Prophezeiungen, von denen sie wussten, dass sie erfüllt worden waren. Durch eine solche Berufung auf die Thatsachen sucht sich noch in unseren Tagen ein jeder analoge Aberglaube zu rechtfertigen; der supponirte Erfahrungsbeweis ist in Wirklichkeit das, was ihm in dem Geist einen Halt giebt. Ich gebe zu, dass der Einfluss solcher Coincidenzen nicht das sein würde, was er ist, wenn er nicht durch eine vorausgängige Präsumtion Stärke erhielte; aber dies ist solchen Fällen nicht eigenthümlich, vorgefasste Ideen von Wahrscheinlichkeit bilden einen Theil der Erklärung vieler anderer Fälle von, auf unzulänglichen Beweis gegründeten Glauben. Das aprioristische Vorurtheil verhindert nicht, dass die irrige Meinung aufrichtig als ein rechtmässiger Schluss aus der Erfahrung angesehen werde, es ist im Gegentheil gerade das Ding, das den Geist für diese Auslegung der Erfahrung prädisponirt.

Soviel zur Vertheidigung der Beispiele, gegen die die Einwendungen erhoben worden waren. Es wäre überdies ein leichtes, Fälle vorzubringen, die dem Zwecke gleich gut entsprechen, ohne dass ein vorausgehendes Vorurtheil dabei in Betracht käme. »Viele Jahrhunderte,« sagt Erzbischof Whately, »waren die Farmer und Gärtner fest überzeugt – und zwar weil sie es aus Erfahrung wussten – dass eine Ernte niemals gut ausfallen würde, wenn die Aussaat nicht bei zunehmendem Mond stattgefunden hätte.« Dies war Induction, aber schlechte Induction; gerade wie ein schlechter Syllogismus Schliessen ist, aber schlechtes Schliessen.


82 Die Behauptung, dass eine jede der Bedingungen eines Phänomens gelegentlich Ursache genannt werden kann und auch genannt wird, ist von einem intelligenten Recensenten dieses Werkes bestritten worden (Prospective Review, Febr. 1859); derselbe behauptet, dass »wir das Wort Ursache eher auf dasjenige Element unter den Antecedentien anwenden, welches Kraft ausübt und das jederzeit dieselbe oder eine ähnliche Wirkung hervorzubringen strebt, als es unter gewissen Bedingungen wirklich hervorbringen würde«. Er sagt, »ein jeder würde fühlen,« dass der Ausdruck, die Ursache eines Ueberfalls wäre die Abwesenheit der Schildwache von ihrem Posten gewesen, unrichtig ist; aber »die Versuchung, welche sie von ihrem Posten abzog, könnte so genannt werden, denn indem sie dieses that, entfernte sie eine widerstehende Kraft, welche den Ueberfall verhindert hätte.« Ich kann mir nicht denken, dass es unrichtig wäre, zu sagen, das Ereigniss hätte stattgefunden, weil die Schildwache abwesend war, und dass es dennoch richtig wäre, zu sagen, es hätte stattgefunden, weil dieselbe zur Abwesenheit verführt worden war. Da die einzige directe Wirkung der Bestechung deren Abwesenheit war, so könnte die Bestechung nur auf die Voraussetzung hin, die Abwesenheit wäre die nächste Ursache, die entfernte Ursache genannt werden; auch scheint es mir nicht, dass irgend jemand (der keine Theorie zu stützen hat) den einen Ausdruck gebrauchen und den andern verwerfen würde.

Der Recensent bemerkt, dass wenn jemand an Gift stirbt, der Besitz körperlicher Organe zwar eine nothwendige Bedingung ist, dass ihn aber niemand jemals die Ursache nennen würde. Ich gebe dies zu, aber ich glaube der Grund ist, dass wir vielleicht niemals Gelegenheit dazu haben werden, ihn so zu nennen, denn wenn wir bei der Ungenauigkeit der gewöhnlichen Rede veranlasst werden, von irgend einer Bedingung einer Erscheinung als Ton deren Ursache zu sprechen, so ist diese Bedingung immer eine derartige, dass es wenigstens möglich ist, der Hörer verlange eine Aufklärung darüber. Der Besitz körperlicher Organe ist eine bekannte Bedingung, und dies als eine Antwort auf die Frage nach der Ursache von jemandes Tod zu geben, würde die nachgesuchte Aufklärung nicht liefern. Man stelle sich einmal vor, dass es zweifelhaft sein könnte, ob er körperliche Organe besitzt, oder ob er mit einem Wesen zu vergleichen wäre, welches sie nicht besitzt, so könnte man sich Fälle denken, in denen man sagen dürfte, dass sein Besitz dieser Organe die Ursache seines Todes war. Wenn Faust und Mephistopheles zusammen Gift nehmen, so könnte man sagen, dass Faust starb, weil er ein menschliches Wesen war und einen Körper hatte, während ihn Mephistopheles überlebte, weil er ein Geist war.

Aus demselben Grunde (bemerkt der Recensent) »nennt niemand die Muskeln oder die Sehnen des Körpers die Ursache eines Sprungs, obgleich sie nothwendige Bedingungen desselben sind; oder die zu der Handlung nöthige Kenntniss die Ursache einer Selbstaufopferung; oder die Zeit, welche jemand hatte, die Ursache, dass er ein Buch schrieb, wenn sie auch nothwendige Bedingung ist«. Diese Bedingungen (ausser dem, dass sie vorausgehende Zustände, und nicht nächste vorausgehende Ereignisse, und daher niemals die in der augenscheinlich nächsten Nähe der Wirkung stehenden Bedingungen sind) sind alle so offenbar inbegriffen, dass die Nothwendigkeit, auf sie einen Nachdruck zu legen, möglicherweise kaum vorhanden sein kann, was aber von einer Bedingung als von der Ursache zu sprechen allein Gelegenheit geben kann. Wo diese Nothwendigkeit in Beziehung auf irgend eine Bedingung existirt, und nicht in Beziehung auf irgend eine andere, da halte ich es, wenn wissenschaftliche Genauigkeit nicht erstrebt wird, für übereinstimmend mit dem Gebrauch, wenn dieser Bedingung der Name Ursache beigelegt wird. Wenn die einzige Bedingung, die als unbekannt vor ausgesetzt werden kann, eine negative ist, so kann man von der negativen Bedingung als von der Ursache sprechen. Man kann von jemand sagen, er sei aus Mangel an ärztlicher Hülfe gestorben – obgleich man dies wahrscheinlich nicht sagen wird, wenn man nicht bereits gewusst hat, dass er krank war –, um damit anzudeuten, dass dieser negative Umstand und nicht die Schwäche seiner Constitution, oder die ursprüngliche Heftigkeit der Krankheit das Uebel tödtlich machte. Man könnte sagen, es sei einer ertrunken, weil er nicht schwimmen konnte, indem die positive Bedingung des Inswasserfallens in dem Worte ertrunken bereits eingeschlossen liegt. Ich will hier bemerken, dass dieses Inswasserfallen hier die einzige positive Bedingung ist, alle in dieser Bedingung nicht ausdrücklich oder virtuell eingeschlossenen Bedingungen (wie dass er nicht schwimmen konnte, dass ihm niemand half und so fort) sind negativ. Wenn man indessen einfach sagen würde, die Ursache des Todes von jemand wäre gewesen, dass er ins Wasser fiel, so würde der Ausdruck gerade so ungeeignet erscheinen, als wenn man sagen würde, die Ursache wäre gewesen, dass er nicht schwimmen konnte; denn obgleich die eine Bedingung positiv und die andere negativ ist, so würde man doch fühlen, dass ohne die andere keine derselben genügte, um die Wirkung (den Tod) hervorzubringen.

In Beziehung auf die Behauptung, dass nur das thätige (active) Kraft ausübende Element Ursache genannt wird, so umgehe ich die Frage nach der Bedeutung von activer Kraft, und den Ausdruck in seiner populären Bedeutung nehmend verweise ich auf ein früheres Beispiel und frage, würde es besser mit dem Gebrauch übereinstimmen, zu sagen, es wäre jemand eine Leiter herabgefallen, weil sein Fuss beim Hinaufsteigen ausglitt, oder er wäre seines Gewichtes wegen gefallen? – denn sein Gewicht und nicht die Bewegung seines Fusses war die active Kraft, welche seinen Fall herbeiführte. Wenn jemand an einem kalten Tage ausgeht, stolpert und fällt, so könnte man sagen, er wäre gestolpert, weil der Boden glatt war, oder weil er nicht achtsam genug war; wenige aber, glaube ich, würden sagen, er wäre gestolpert, weil er ging. Die einzige thätige Kraft war indessen die von ihm beim Gehen ausgeübte, alles andere waren negative Bedingungen, aber es waren zufällig die einzigen, die nothwendig anzugeben waren, denn er ging aller Wahrscheinlichkeit nach in seiner gewöhnlichen Weise und nur die negativen Bedingungen machten den Unterschied aus. Ebenso würde jemand auf die Frage, warum die Armee von Xerxes die des Leonidas überwand, wahrscheinlich antworten, weil sie zehnmal stärker war; ich glaube aber nicht, dass er sagen würde, weil sie kämpfte, obgleich dies das Element der thätigen Kraft war. Um ein anderes, von Grove und Baden Powell gebrauchtes Beispiel zu entlehnen, so sagt man, das Oeffnen der Schleusen sei die Ursache der Ergiessung des Wassers, aber die thätige Kraft wird von dem Wasser selbst ausgeübt, und das Oeffnen der Schleusen liefert nur eine negative Bedingung. Der Recensent fügt hinzu; »es giebt einige absolut passive und dennoch für physikalische Erscheinungen absolut nothwendige Bedingungen, nämlich die Beziehungen von Raum und Zeit, und auf diese kann niemand das Wort Ursache anwenden, ohne dass sich sogleich der Hörende widersetzte«. Auch mit dieser Behauptung kann ich nicht übereinstimmen. Wenige würden es z.B. für fehlerhaft halten, zu sagen, ein Geheimniss wurde verrathen, weil es ausgesagt wurde während A so nahe war, dass er es hören konnte, was eine Bedingung des Baumes ist; oder dass die Ursache, warum von zwei Bäumen der eine grösser ist, als der andere, die ist, weil er früher gepflanzt wurde, was eine Bedingung der Zeit ist.


83 Es giebt einige Ausnahmen, denn es giebt einige Eigenschaften von Gegenständen, welche rein präventiv zu sein scheinen; wie die Eigenschaft dunkler Körper, dem Licht den Durchgang zu verwehren. Soweit wir es verstehen kennen scheint dies ein Beispiel, nicht von einer Kraft, welche einer andern nach dem selben Gesetze, wodurch sie ihre eigene Wirkung hervorbringt, entgegenwirkt, sondern von einem Agens, welches sich nur in der Weise kund giebt, dass es die Wirkungen eines andern Agens aufhebt. Wenn wir wüssten, von welchen anderen Verhältnissen des Lichts oder Eigenthümlichkeiten der Structur, die Dunkelheit abhängig ist, so würden wir finden, dass dies nur eine scheinbare Ausnahme von der oben angegebenen Regel ist. In keinem Falle schadet sie dessen praktischer Anwendbarkeit. Die allgemeine Formel, welche die negativen Bedingungen einer Wirkung in die Bedingung der Abwesenheit einer entgegenwirkenden Ursache einschliesst, wird durch Fälle wie dieser nicht verletzt, obgleich, wenn alle entgegenwirkenden Agentien von dieser Art wären, es von keinem Nutzen wäre, die Formel zu gebrauchen, indem wir die negativen Bedingungen noch einzeln aufzählen müssten, statt sie stillschweigend zu betrachten, als wären sie in den positiven Gesetzen der anderen Agentien in der Natur enthalten.


84 Unter diesem Ausdruck verstehe ich die letzten Naturgesetze (was sie immer sein mögen) als von den abgeleiteten Gesetzen und den Collocationen unterschieden. Die tägliche Umdrehung der Erde z.B. ist kein Theil der Beschaffenheit der Dinge, weil etwas, das möglicherweise ein Ende nehmen oder durch natürliche Ursachen verändert werden kann, nicht so genannt werden darf.


85 Der Kürze und Einfachheit wegen sage ich in gerader Linie. Genau genommen ist sie nicht gerade; wir sehen die Sonne eine kurze Weile durch die Refraction der Strahlen, wenn zwischen ihr und unseren Augen in gerader Linie eins dunkle Masse, ein Theil der Erde, befindlich ist, indem wir gewissermaassen um die Ecke sehen.


86 Letters on the Philosophy of the Human Mind, First Series p. 219.


87 Der Allgemeinheit, welche die Menschheit übereinstimmend dem Causalgesetze zuschreibt, steht ein bestrittener Fall entgegen, der einen Anspruch auf Ausnahme macht, der menschliche Wille, dessen Bestimmung viele Metaphysiker nicht so ansehen, als folge sie aus, Motive genannten, Ursachen nach eben so strengen Gesetzen, als sie in der bloss materiellen Welt als vorhanden annehmen. Dieser streitige Punkt wird in der Logik der moralischen Wissenschaften (Buch II, Cap. 2) besonders geprüft werden. Unterdessen soll bemerkt werden, dass diese Metaphysiker, welche ihren Einwurf hauptsächlich auf einen vorausgesetzten Widerwillen unseres Bewusstsein gegen die fragliche Lehre gründen, die Thatsache zu verkennen scheinen, gegen welche das Bewusstsein zeugt. Sie würden, glaube ich, bei strenger Selbstprüfung finden, dass dasjenige, was wirklich in Widerspruch mit dem Bewusstsein ist, die Anwendung der in dem gewöhnlichen Gebrauche des Wortes Nothwendigkeit eingeschlossenen Idee auf menschliche Handlungen und den menschlichen Willen ist, welche ich in Uebereinstimmung mit ihnen verwerfe. Wenn sie jedoch bedenken wollten, dass wenn sie sagen, die Handlungen eines Menschen folgten nothwendig aus seinem Charakter, dies nichts Anderes heisst, als dass er beständig in Uebereinstimmung mit seinem Charakter handelt, und dass, wenn Jemand diesen Charakter durchaus kennen würde, er mit Sicherheit voraussagen könnte, wie Jener in einem gewissen Falle handeln würde: so würden sie wahrscheinlich finden, dass diese Lehre weder ihrer Erfahrung widersprechen, noch ihr Gefühl empören kann. Nur ein asiatischer Fatalist wird für etwas Anderes streiten.


88 Lectures on Metaphysics, vol. II. Lect XXXIX, p. 391.

Ich bedaure, die Autorität von Sir William Hamilton nicht zu Gunsten meiner eigenen Ansicht über die Causalität anrufen zu können, wie ich sie nun gegen die Theorie anrufen kann, welche ich bestreite. Aber dieser scharfe Denker hat eine ihm eigenthümliche Theorie der Verursachung aufgestellt, die soviel ich weiss, bis jetzt noch niemals analytisch geprüft worden ist, die jedoch, wie ich zu denken wage, eine so vollständige Widerlegung zulässt, als nur irgend eine der falschen und ungenügenden psychologischen Theorien, welche in so grosser Zahl unter seiner scharfen metaphysischen Sichel gefallen sind.


89 Wir müssten denn die folgende Behauptung eines der in dem Text citirten Schriftsteller als einen solchen betrachten. »Bei einer geistigen Anstrengung ist das zu Stande zu bringende Resultat vorhererwogen oder vorbedacht, und ist daher a priori oder vor der Erfahrung bekannt.« – (Bowen, Lowell lectures on the application of Metaphysical and Ethical Science to the Evidence of Religion – Vorlesungen über die Anwendung der metaphysischen und ethischen Wissenschaft auf den Religionsbeweis –, Boston, 1849.) Dies heisst bloss sagen, dass wenn wir ein Ding wollen, wir eine Idee davon haben. Aber eine Idee von dem zu haben, was wir wünschen, dass es geschehe, schliesst nicht ein prophetisches Wissen ein, dass es geschehen werde. Vielleicht wird man sagen, dass als wir unsern Willen zum erstenmal äusserten und natürlich noch keine Erfahrung von irgend einem in uns liegenden Vermögen hatten, wir nichtsdestoweniger schon gewusst haben müssen, dass wir es besitzen, indem wir das nicht wollen können, wovon wir nicht glauben, dass es in unserer Macht stehe. Aber die Unmöglichkeit liegt vielleicht nur in den Worten und nicht in den Thatsachen; denn wir können das wünschen von dem wir nicht wissen, dass es in unserer Macht steht, und wenn wir durch die Erfahrung finden, dass sich unser Körper nach unserm Wunsch bewegt, so können wir alsdann und nur dann zu einem verwickelteren, Willen genannten, geistigen Zustand übergehen.

Wenn wir aber auch am Ende eine instinctive Kenntniss hätten, dass unsere Handlungen unserm Willen folgen werden, so würde dies, wie Brown bemerkt, nichts in Beziehung auf die Natur der Verursachung beweisen. Unser der Erfahrung vorausgehendes Wissen, dass einem Antecedens ein gewisses Consequens folgen wird, würde nicht beweisen, dass die Beziehung zwischen ihm etwas mehr als die von Antecedens und Consequens ist.


90 Reid, Essays on the Active Powers, Ess. IV. ch. 3.


91 Prospective Review, February 1850.


92 S. Note S. 270.


93 Westminster Review, Octob. 1855.


94 Man lese die ganze Lehre in Aristoteles de Anima, wo die threptikê psychê als genau gleichbedeutend mit threptikê dynamis behandelt wird.


95 Es verdient bemerkt zu werden, dass die Theile der Natur, welche Aristoteles als einen Beweis von Absicht betrachtet, die Gleichförmigkeiten sind, die Erscheinungen insofern sie auf ein Gesetz zurückführbahr. Tychê und to automaton genügen ihm nicht als Erklärungen des veränderlichen Elements in den Erscheinungen, sondern es kann seinen Vorstellungen nach das Eintreffen derselben nach einer festen Regel nur durch einen intelligenten Willen erklärt werden. Die gewöhnliche, oder was man die instinctmässige, religiöse Auslegung der Natur nennen könnte, ist das umgekehrte hiervon. Die Begebenheiten, in denen die Menschen spontan die Hand eines übernatürlichen Wesens sehen, sind gerade diejenigen, welche ihrer Meinung nach nicht auf ein physikalisches Gesetz zurückzuführen sind. Was sie in klarer Weise mit physikalischen Ursachen in Zusammenhang bringen, und besonders was sie voraussagen können, kann man sich ihrer Meinung nach vorstellen, als entstehe es durch ein blindes Geschick, und es scheint ihnen keinesfalls so augenscheinlich das Zeichen eines göttlichen Willens an sich zu tragen, wenn es auch natürlich einem Urheber der Natur, wenn sie einen solchen bereits erkannt haben, zugeschrieben wird. Und diese Unterscheidung ist durch hervorragende Schriftsteller im Gebiet der natürlichen Theologie vertheidigt worden, insbesondere von Dr. Chalmers, welcher glaubt, dass obgleich Absicht überall vorhanden ist, der unwiderstehliche Beweis derselben doch nicht in den Gesetzen der Natur, sondern in den Collocationen zu finden ist, d.i. in dem Theil der Natur, in dem es unmöglich ist irgend ein Gesetz ausfindig zu machen. Er meint, einige wenige Eigenschaften der todten Materie könnten die regelmässige und unveränderliche Folge von Ursachen und Wirkungen in verständlicher Weise erklären; dass aber die verschiedenen Arten von Materie so gestellt worden sind, dass sie gutthätigen Zwecken dienen, betrachtet er als den Beweis einer göttlichen Vorsehung. In seiner Philosophie der Schöpfung (Philosophy of creation) betitelten Abhandlung ist Herr Baden Powell zu dem Gesichtspunkt von Aristoteles und den Alten zurückgekehrt und nimmt mit grossem Nachdruck die Lehre wieder auf, dass nicht specielle Anpassungen (Adaptionen), sondere dass Gleichförmigkeit und Gesetz die Indication von Absicht in dem Weltall ist, indem diese, und nicht was uns als eine Vorsorge für unsere Bedürfnisse erscheint, Beweise von einem Geist sind. Wenn ich es von der Hand weise, hier meine Meinung über diese vexata quaestio abzugeben, so darf ich Hrn. Powell's Buch doch nicht nennen, ohne den philosophischen Geist gebührend anzuerkennen, der die drei dasselbe zusammensetzenden Abhandlungen durchdringt, und in einer derselben (die Einheit der Welten) einen ehrenwerthen Contrast gegen die anderen mir bekannten Dissertationen bildet, welche in dieser Streitfrage auf der einen oder der andern Seite erschienen sind.


96 In den Worten von Fontenelle, einem andern berühmten Cartesianer, »les philosophes aussi bien que le peuple avaient cru que l'âme et le corps agissaient réellement et physiquement l'un sur l'autre. Descartes vint, qui prouva que leur nature ne permettait point cette sorte de communication véritable, et qu'ils n'en pouvaient avoir qu'une apparente, dont Dieu était le Médiateur.« – Oeuvres de Fontenelle, ed. 1767. T. V. p. 534.


97 Ich nehme in diesem Falle der Einfachheit wegen keine Rücksicht auf die Verminderung des Drucks, die den Abfluss des Wassers aus dem Graben verzögert, was offenbar der Wahrheit oder Anwendbarkeit des Princips nicht schadet, denn wenn die zwei Ursachen gleichzeitig wirken, so sind die Bedingungen für die Veränderungen des Drucks nicht vorhanden.


98 Es müsste denn die Folge nicht durch das Antecedens, sondere durch die Mittel, welche wir zur Hervorbringung desselben anwendeten, erzeugt worden sein. Da wir indessen diese Mittel ganz in der Gewalt haben, so ist soweit die Wahrscheinlichkeit vorhanden, dass wir sie auch hinreichend kennen, um urtheilen zu können, ob dies der Fall sein wird oder nicht.


99 Sie könnte vielleicht auch die Methode der concurrirenden Veränderungen genannt werden. J. S. [Anm. d. Übers.]


100 Discourse on the Study of Natural Philosophy p. 179.


101 Diese Betrachtungen verdanke ich Professor Bain in Aberdeen, der seitdem in seinen tiefsinnigen Abhandlungen »The senses and the Intellect« und »The Emotions and the Will« die analytische Untersuchung der Phänomene des Geistes nach den Methoden der physikalischen Forschung auf den höchsten Punkt geführt hat, den sie noch erreicht hat, und der den Namen der Gründer eines Gebäudes, zu dem Hartley, Brown und James Mill ihren Theil beitrugen, seinen Namen in würdiger Weise beigefügt hat.


102 Diese Ansicht von der nothwendigen Coexistenz entgegengesetzter Erregungen schliesst eine weite Ausdehnung der ursprünglichen Lehre von zwei Elektricitäten ein. Die Theoretiker nahmen früher an, dass wenn Bernstein gerieben wird, der Bernstein bis zu demselben Grade positiv gemacht wird, in dem das Reibzeug negativ gemacht wird; es fiel ihnen aber niemals ein anzunehmen, dass die Existenz der Bernsteinladung von einer entgegengesetzten Ladung der Körper in der Nähe des Bernsteins abhängig ist, während die Existenz der negativen Ladung des Reibzeugs ebenfalls von dem entgegengesetzten Zustand der Oberflächen, welche zufällig mit ihm in Berührung kommen, abhängt; dass bei einer elektrischen Erregung durch Reibung in der That vier Ladungen das Minimum sind, das existiren kann. Diese doppelte elektrische Wirkung ist aber wesentlich in der Erklärung eingeschlossen, die bezüglich der Erscheinungen bei der gewöhnlichen Elektrisirmaschine jetzt allgemein angenommen wird.


103 Es muss indessen bemerkt werden, dass dieses Beispiel, welches unserer früheren Behauptung von der Anwendbarkeit der Differenzmethode auf Fälle der blossen Beobachtung zu widersprechen scheint, wirklich eine von jenen Ausnahmen ist, welche, wie man sich auszudrücken pflegt, die allgemeine Regel beweisen. Denn in diesem Falle, wo die Natur in ihrem Experiment das Vorbild unserer Experimente nachgeahmt zu haben scheint, hat sie nur eine Aehnlichkeit mit unseren unvollkommensten Versuchen erreicht, mit denjenigen nämlich, in welchen, obgleich es uns dabei gelingt, das Phänomen hervorzurufen, dies dadurch geschieht, dass wir sehr complexe Mittel anwenden, die wir nicht im Stande sind vollkommen zu analysiren, und weshalb wir nicht mit hinreichender Sicherheit urtheilen können, welcher Theil der Wirkungen, nicht einer angenommenen Ursache, sondern einer unbekannten Wirkung von Mitteln, wodurch diese Ursache hervorgebracht wurde, angehören mag. In dem in Rede stehenden natürlichen Experimente waren die angewandten Mittel »die Aufklärung eines Wolkenhimmels«, und wir wissen sicher nicht hinreichend genug, worin dieser Process besteht oder wovon er abhängt, um a priori gewiss zu sein, dass er nicht unabhängig von einer jeden thermometrischen Wirkung an der Erdoberfläche auf den Absatz des Thaues einwirken könnte. Es ist daher sogar in einem Falle wie dieser, der den experimentellen Talenten der Natur so günstig ist, das Experiment derselben von geringem Werthe und nur eine Bestätigung eines durch andere Mittel erhaltenen Schlusses.


104 Discourse p. 156 u. 171.


105 Outlines of Astronomy p. 584


106 Vergl. hierüber das zweite Capitel dieses Buchs.


107 Es ist zur Vermeidung von Irrthum ausdrücklich hier zu bemerken, dass weder das Princip der Erhaltung der Kraft, noch die Ideen bezüglich der Transformationen der Kräfte, welche specielle Fälle dieses Princips sind, ursprünglich von Hrn. Grove stammen. Das Princip der Erhaltung der Kraft war schon Leibnitz und J. Bernouilli bekannt, fand aber die verdiente Anerkennung erst nach seiner Wiederentdeckung durch Dr. Mayer in Heilbronn und durch die Arbeiten v. Joule, Helmholtz u. A. Richtig aufgefasst ist es keineswegs soweit entfernt, die Stellung einer festgestellten Wahrheit anzunehmen, als Herr Mill zu glauben scheint. J. S. [Anm. d. Übers.]


108 Essays on some Unsettled Questions of Political Economy, Ess. V. (Abhandlungen über einige noch offene Fragen der Nationalökonomie, Abtheilung V.)


109 Es ist keine Gefahr, dass diese Bedeutung des Wortes mit dem in der Theorie von den Störungen der Planeten in eigener Weise gebrauchten Ausdruck »Tangentialkraft« verwechselt werde.


110 Die Salpetersäure löst nicht alles mit dem Silber legirte Platin, sondern immer nur einen Theil desselben. Hierdurch wird aber die Bedeutung des Verhaltens der Legirung von Platin und Silber gegen Salpetersäure für die obigen Schlüsse nicht beeinträchtigt. J. S. [Anm. d. Übers.]


111 Cap. IX.


112 Die Ansichten der Chemiker über die Gährungserscheinungen, und insbesondere über die Rolle, welche die Hefe bei der Gährung spielt, sind in neuerer Zeit durch die Untersuchungen von H. Hoffmann, Pasteur u. A. berichtigt worden. Da der Raum nicht gestattet, auf diese Untersuchungen hier einzugehen, so muss der Leser, der sich mit denselben bekannt machen will, auf den Jahresbericht von Liebig und Kopp 1860 u. 1861 verwiesen werden. Die Thatsache der Uebertragung chemischer Thätigkeit bleibt indessen davon unberührt. Da die, die Substanzen zusammensetzenden Atome der Voraussetzung nach fortwährend in Bewegung begriffen sind, so müssen sich die chemischen Erscheinungen überhaupt als dynamische Wirkungen, d.h. als Bewegungserscheinungen darstellen lassen und eine mechanische Theorie der chemischen Erscheinungen wird sicher einst das Ziel chemischer Forschung, aber naturgemäss erst dann möglich sein, wenn die physikalischen und chemischen Eigenschaften der Körper genügend erforscht sein werden. Die Uebertragungen chemischer Thätigkeiten werden sich alsdann als besondere Fälle eines allgemeinen Gesetzes darstellen. J. S. [Anm. d. Übers.]


113 Als eine Bestätigung der Meinung, dass nur ein Theil des Eisenoxyduls im venösen Blute mit Kohlensäure verbunden sei, ist die Thatsache angeführt worden, dass der ganze Organismus eine grosse Neigung zeigt, eine Extramenge Kohlensäure, wie sie z.B. aus moussirenden Getränken geliefert wird, zu absorbiren. In diesem Falle muss sich die Säure mit etwas verbinden, und dieses etwas ist das freie Eisenoxydul. Es wäre der Mühe werth zu ermitteln, ob das Oxydul selbst oder sein kohlensaures Salz den Sauerstoff mit grösserer Leichtigkeit absorbirt und in den Lungen zu Oxydhydrat verwandelt wird. Wenn es das kohlensaure Salz ist, so würde sich die wohlthätige Wirkung, welche Getränke, die eine künstliche Zufuhr von Kohlensaure bilden, auf den Thierkörper haben, soweit deductiv erklären.


114 In der Chirurgie war es eine alte Generalisation, dass festanliegende Bandagen locale Entzündungen verhindern oder vertheilen. Als dieselbe bei dem Fortschritte der physiologischen Kenntnisse in allgemeinere Gesetze aufgelöst wurde, führte sie zu der neulich von Dr. Arnott gemachten wichtigen chirurgischen Erfindung der Behandlung der localen Entzündungen und Geschwülste durch einen gleichmässigen Druck, der von einer theilweise mit Luft gefüllten Blase hervorgebracht wird. Indem der Druck das Blut zurückhält, verhindert er, dass die Entzündung oder Geschwulst genährt wird; bei der Entzündung entfernt er den Stimulus, den das Organ unfähig ist aufzunehmen, und indem er bei der Geschwulst die nährende Flüssigkeit zurückhält, verursacht er, dass die Absorption grösser ist als die Ernährung, wodurch die kranke Masse nach und nach absorbirt wird und verschwindet.


115 Seitdem anerkannt und in Martineau's Miscellanies wiederabgedruckt.


116 Dissertations and Discussions, V. I.


117 Cours de Philosophie positive II, p. 656.


118 Phil. of Discovery p. 185.


119 Cours de Philosophie positive. II, 434.


120 Als ein Beispiel einer in Beziehung auf die angegebene Probe begründeten Hypothese ist die von Broussais aufgestellte Hypothese angeführt worden, welche, nach dem ganz rationellen Princip verfahrend, dass eine jede Krankheit in irgend einem bestimmten Theile des Organismus ihren Ursprung nehmen muss, dreist annahm, dass gewisse, nicht als local bekannte und daher constitutionell genannte Fieber ihren Ursprung in der Schleimhaut des Darmcanals haben. Wie jetzt allgemein zugegeben wird, war die Voraussetzung in der That irrig. Wenn er aber die Folgen ans seinen Voraussetzungen deducirte und sie mit den Thatsachen jener Krankheiten verglich, so konnte er gewiss sein, dass die Hypothese dadurch widerlegt wurde, wenn sie nicht begründet war, er konnte erwarten, dass die Vergleichung ihm wesentlich helfen würde, eine andere, mit den Erscheinungen besser übereinstimmende aufzustellen.

Die gegenwärtig allgemein angenommene Lehre, dass die Erde ein grosser Magnet mit zwei Polen ist, war ursprünglich eine Hypothese des berühmten Gilbert.

Eine andere Hypothese, gegen deren Rechtmässigkeit man nichts einwenden kann, und die wohl berechnet ist, den Pfad der wissenschaftlichen Forschung zu erhellen, ist die von mehreren Schriftstellern aufgestellte Hypothese, wonach das Gehirn eine voltaische Säule und eine jede Pulsation desselben eine Entladung von Elektricität durch den Organismus ist. Man hat bemerkt, dass die von der Hand gefühlte Empfindung vom Klopfen des Gehirns oder auch der grossen Arterien eine grosse Aehnlichkeit mit einem voltaischen Schlage hat. Wenn diese Hypothese in ihren Consequenzen verfolgt wird, so mag sie wohl eine plausible Erklärung vieler physiologischen Thatsachen geben, während nichts darin liegt, was uns die Hoffnung benehmen könnte, dass wir mit der Zeit die Bedingungen der voltaischen Phänomene hinreichend kennen lernen werden, um die Wahrheit der Hypothese durch Beobachtung und Experiment prüfen zu können.

Der Versuch, die physischen Organe unserer verschiedenen geistigen Fähigkeiten und Neigungen in verschiedenen Theilen des Gehirns zu localisiren, war von Seite seines Urhebers ein streng legitimes Beispiel einer wissenschaftlichen Hypothese, und wir sollten ihn daher der äusserst leichten Gründe wegen, wonach er oft bei einem Unternehmen, das nur ein Probiren sein konnte, verfuhr, nicht tadeln, wenn wir auch bedauern mögen, dass ein Material, das nur für eine erste rohe Hypothese hinreichend war, von seinen Nachfolgern übereilt in den eitlen Schein einer Wissenschaft gekleidet wurde. Welcher Zusammenhang zwischen den geistigen Fähigkeiten und der Beschaffenheit des Gehirns stattfinden mag (und dass er stattfindet, scheint die vergleichende Anatomie zu beweisen), konnte wahrscheinlich auf keinem andern Wege so gut ermittelt werden, als dass man zuerst eine der Gall'schen ähnliche Hypothese aufstellte. Die Bestätigung einer solchen Hypothese ist jedoch der besondern Natur der Phänomene wegen von Schwierigkeiten begleitet, welche die Phrenologen sich nicht einmal fähig zeigten zu schätzen, geschweige denn zu überwinden.

Die Betrachtungen des Herrn Darwin über die Entstehung der Arten bieten ebenfalls ein untadelhaftes Beispiel einer rechtmässigen Hypothese. Was er die »natürliche Züchtung« nennt, ist nicht nur eine vera causa, sondern es ist auch von ihr bewiesen, dass sie Wirkungen von derselben Art wie diejenigen hervorbringen kann, welche ihr die Hypothese zuschreibt; die Frage der Möglichkeit ist gänzlich eine Frage des Grades. Es ist unbillig, Hrn. Darwin anzuklagen (wie es geschah), die Regeln der Induction verletzt zu haben. Die Regeln der Induction haben es mit den Bedingungen des Beweises zu thun, Herr Darwin hat aber niemals behauptet, dass seine Lehre bewiesen wäre. Er hatte sich nicht an die Regeln der Induction zu kehren, sondern an die des Hypothesirens, und den letzteren ist selten besser genügt worden. Er hat der Forschung einen Weg geöffnet, der Resultate verspricht, die Niemand noch voraussehen kann. Und müssen wir nicht die wissenschaftlichen Kenntnisse und das Genie bewundern, wodurch der allgemeinen Discussion eine Idee gewonnen wurde, die so kühn war, dass sie ein jeder auf den ersten Impuls hin zurückwies?


121 Whewell, Phil. of Discovery p. 275.


122 Was am meisten dazu beigetragen hat, die Hypothese eines physikalischen Mediums für die Fortpflanzung des Lichtes in Aufnahme zu bringen, ist die bestimmte Thatsache, dass das Licht wandert (was man von der Schwerkraft nicht beweisen kann), dass die Mittheilung nicht augenblicklich ist, sondern Zeit verlangt, und dass es durch dazwischentretende Gegenstände aufgehalten wird (was mit der Schwerkraft nicht der Fall ist). Dies sind Analogien zwischen den Lichterscheinungen und denen der mechanischen Bewegung fester oder flüssiger Substanzen. Wir sind aber nicht berechtigt anzunehmen, dass die mechanische Bewegung die einzige Kraft in der Natur ist, welche diese Attribute aufzuweisen im Stande ist.


123 Phil. of Disc. p. 274.


124 In der letzten Fassung seiner Theorie (Phil. of Disc. 331) macht Dr. Whewell ein Zugeständniss in Beziehung auf das Mittel der Fortpflanzung des Lichtes, das mir, wie ich gestehen muss, in Verbindung mit dem übrigen Theil seiner Lehre bezüglich des Gegenstandes zwar nicht sehr verständlich ist, das aber die ganze zwischen uns bestehende Meinungsverschiedenheit wenn auch nicht gänzlich, doch grossentheils beseitigt. Er behauptet gegen Sir William Hamilton, dass alle Materie Gewicht beisitzt. Um das Gegentheil zu beweisen, führt Sir William Hamilton den Lichtäther, das calorische und das elektrische Fluidum an, »welche wir weder ihres Charakters von Substanzen entkleiden, noch in die Attribute des Gewichtes kleiden können.« »Hierauf«, sagt Dr. Whewell, »antworte ich, gerade weil ich diese Agentien nicht mit dem Attribut Gewicht bekleiden kann, entkleide ich sie ihres Charakters von Substanzen. Sie sind keine Substanzen, sondern Agentien. Diese Imponderablen Agentien werden unpassenderweise Imponderable Fluida genannt. Dies glaube ich bewiesen zu haben.« Nichts kann philosophischer sein. Aber wenn der Lichtäther nicht Materie und noch dazu flüssige Materie ist, was bedeuten denn seine Undulationen? Kann ein Agens, eine Thätigkeit unduliren? Kann es eine vorwärts und rückwärtsgehende Wechselbewegung der Theilchen einer Thätigkeit geben? Und nimmt nicht die ganze mathematische Theorie der Undulationen dieselben als materiell an? Ist es nicht eine Reihe von Deductionen aus bekannten Eigenschaften elastischer Flüssigkeiten? Diese Meinung von Hrn. Whewell reducirt die Undulationen auf eine Redefigur, und die Undulationstheorie auf den von allen anzuerkennenden Satz, dass die Fortpflanzung des Lichts nach Gesetzen stattfindet, welche eine sehr schlagende und merkwürdige Uebereinstimmung mit den Gesetzen der Wellenbewegung darbieten. Wenn Hr. Whewell bei dieser Lehre stehen bleiben will, so besteht in Beziehung auf diesen Gegenstand keine Meinungsverschiedenheit zwischen uns.


125 So löst Wasser, wovon acht Neuntel Gewichtstheile Sauerstoff sind, die meisten Körper auf, welche grosse Mengen Sauerstoff enthalten, wie alle salpetersauren Salze (welche mehr Sauerstoff als alle anderen gewöhnlichen Salze enthalten), die meisten der schwefelsauren Salze, viele kohlensaure etc. Eben so sind Körper, die aus verbrennlichen Elementen, wie Wasserstoff und Kohle, bestehen, in Körpern von einer ähnlichen Zusammensetzung löslich; Kolophonium z.B. löst sich in Alkohol, Theer in Terpentinöl. Diese empirische Generalisation ist weit entfernt allgemein wahr zu sein; ohne Zweifel, weil sie ein entferntes und daher leicht aufgehobenes Resultat von allgemeinen Gesetzen ist, die zu tief liegen, als dass wir sie jetzt schon erblicken könnten; sie wird jedoch wahrscheinlich mit der Zeit zu Versuchen führen, welche ihrerseits auf die Entdeckung dieser Gesetze führen werden.


126 Oder nach der Theorie von Laplace von der Sonne und der Rotation der Sonne.


127 In Buch III, Capitel X, §. 2.


128 Bei der vorhergehenden Erörterung wird von dem Mittel gesprochen, als wenn es genau dasselbe Ding wäre, wie der Durchschnitt. Aber das Mittel ist für Zwecke inductiver Forschung nicht der Durchschnitt oder das arithmetische Mittel, obgleich der Unterschied bei einer gewöhnlichen Erläuterung der Theorie vernachlässigt werden kann. Wenn die Abweichungen auf der einen Seite des Durchschnitts viel zahlreicher sind, als die auf der andern Seite (indem die letzteren weniger zahlreich aber grösser sind), so wird die Wirkung, welche von der unveränderlichen und sich von den veränderlichen Ursachen unterscheidenden Ursache herrührt, nicht mit dem Durchschnitt zusammenfallen, sondern wird entweder über oder unter ihm stehen, auf welcher Seite sich auch die grösste Anzahl der Fälle finden möge. Dies folgt aus der inductiv und deductiv festgestellten Wahrheit, dass geringe Abweichungen von dem wahren Centralpunkt weit häufiger sind als grosse. Das mathematische Gesetz hiervon ist, »dass die wahrscheinlichste Bestimmung eines oder mehrerer unveränderlicher Elemente durch Beobachtung diejenige ist, in welcher die Summe der Quadrate der einzelnen Abweichungen ein Minimum ist.« Dieses Princip ist dargelegt, und seine Gründe in populärer Weise erklärt von Sir John Herschel, in seiner Recension von Quetelet's Abhandlung über Wahrscheinlichkeiten, Essays, pp. 395 u. f.


129 Essai Philosophique sur les Probabilités. 5me Edit. Paris, p. 7.


130 Es scheint mir sogar, dass da, wo keine auf specielle Erfahrung oder auf specielle Folgerung gegründete Data vorhanden sind, die Wahrscheinlichkeitsrechnnng in bei weitem den meisten Fällen uns im Stich lassen wird, und zwar der baaren Unmöglichkeit wegen, das Princip anzugeben, wodurch man beim Herstellen der Liste von Möglichkeiten geleitet wird. Im Falle der farbigen Kugeln haben wir keine Schwierigkeit, die Aufzählung vorzunehmen, weil wir selbst bestimmen, was die Möglichkeiten sein sollen. Aber nehmen wir einen Fall an, der mehr den in der Natur vorkommenden Fällen analog ist: anstatt dreier Farben sollen in der Urne alle möglichen Farben sein, während wir der Voraussetzung nach mit der relativen Häufigkeit, womit verschiedene Farben in der Natur oder in den Kunstproducten vorkommen, unbekannt sind. Wie soll die Liste der Fälle hergestellt werden? Soll eine jede deutliche Schattirung als Farbe zählen? Und wenn so, soll ein gewöhnliches Auge oder ein gebildetes Auge, das Auge eines Malers z.B., die Probe vornehmen? Von der Antwort auf diese Fragen würde es abhängen, ob die Wahrscheinlichkeit gegen eine besondere Farbe auf zehn, zwanzig oder vielleicht fünfhundert gegen eins berechnet werden würde; während, wenn wir aus Erfahrung wüssten dass die besondere Farbe im Durchschnitt eine gewisse Anzahl Mal unter je hundert oder tausend vorkommt, wir weder von der Häufigkeit noch von der Anzahl der anderen Möglichkeiten etwas zu wissen brauchten.


131 Prosp. Review for February 1850.


132 »Wenn dem nicht so ist, warum finden wir, dass die Wahrscheinlichkeit durch den ersten Fall um soviel mehr vermehrt wird, als durch einen jeden einzelnen der folgenden Fälle ? Warum, wenn nicht der erste Fall uns seine Möglichkeit (eine ihm adäquate Ursache) giebt, während ein jeder andere Fall uns bloss die Häufigkeit seiner Bedingungen giebt? Wenn keine Beziehung auf eine Ursache vorausgesetzt wird, so hat die Möglichkeit keine Bedeutung; dennoch ist es klar, dass wir das Ereigniss vor seinem Eintritt für unmöglich halten konnten, dass wir hätten glauben können, in der physikalischen Welt existire keine Kraft, die es hätte hervorbringen können... Nach dem ersten Eintreten, das dann für die ganze Wahrscheinlichkeit wichtiger ist als jeder andere einzelne Fall (weil es die Möglichkeit beweist), wird die Anzahl der Male wichtig als ein Index für die Intensität oder den Umfang der Ursache und ihre Unabhängigkeit von einem besonderen Mal. Wenn wir z.B. den Fall von einem sehr weiten Sprung nehmen würden, und wollten die Wahrscheinlichkeit berechnen, dass er eine Anzahl von Malen gelingen wird, so ist der erste Fall, indem er seine (vorher zweifelhafte) Möglichkeit zeigt, von der grössten Wichtigkeit, aber ein jeder folgende Sprung zeigt die Kraft, ihn zu thun, grösser und beständiger, und vermehrt so die Wahrscheinlichkeit; und niemand würde daran denken, in diesem Falle von dem einen Eintreten auf das nächste zu schliessen, ohne auf die physikalische Kraft zu verweisen, welche ein jeder Sprung anzeigt. Ist es darum nicht klar, dass wir niemals« (wir wollen lieber sagen, dass wir es nicht in einem vorgeschrittenen Zustand unseres Wissens thun) »direct von dem Eintritt eines Ereignisses auf die Wahrscheinlichkeit seines Wiedereintretens schliessen, sondern das wir auf die Ursachen verweisen, indem wir die vergangenen Fälle als einen Wegweiser zu der Ursache, und die Ursache als unseren Fahrer in die Zukunft betrachten?« – ibid.


133 Der zuletzt angeführte Schriftsteller sagt, die Berechnung der Wahrscheinlichkeit durch Vergleichung der Anzahl von Fällen, in denen das Ereigniss eintritt, mit der Anzahl von Fällen, in denen es nicht eintritt, »würde im allgemeinen ganz irrig sein« und »ist nicht die wahre Wahrscheinlichkeitslehre«. Es ist wenigstens diejenige, welche die Grundlage der Assecuranz, und aller durch die Erfahrung so reichlich bestätigten Wahrscheinlichkeitsrechnungen in den Geschäften des Lebens bildet. Der Grund, den der Recensent für die Verwerfung der Theorie giebt, ist dass »sie ein Ereigniss, das bisher niemals ausgeblieben ist, für gewiss ansehen würde, was von der Wahrheit sehr weit entfernt ist, sogar bei einer sehr grossen Anzahl von beständigen Erfolgen.« Dies ist nicht ein Mangel in einer besondern Theorie, sondern in einer jeden Theorie der Wahrscheinlichkeiten. Kein Rechnungsprincip kann Fälle voraussehen, wie sie der Recensent voraussetzt. Wenn in einer für die Elimination des Zufalls hinreichenden Anzahl von Fällen ein Ereigniss niemals ausgeblieben ist, so besitzt es in Wirklichkeit alle Gewissheit, welche ihm durch ein empirisches Gesetz gegeben werden kann; während der Fortdauer derselben Collocationen von Ursachen, die während der Beobachtung existiren, ist es gewiss. Wenn es jemals ausbleibt, so geschieht dies wegen einer Veränderung dieser Collocation. Es wird uns nun keine Wahrscheinlichkeitstheorie in den Stand setzen, die künftige Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses aus seiner vergangenen zu folgern, wenn die auf das Ereigniss Einfluss ausübenden Ursachen unterdessen eine Veränderung erfahren haben.


134 Pp. 18, 19. Der Lehrsatz ist von Laplace nicht mit den obigen Worten ansgedruckt, aber die Identität der Bedeutung der zwei Ausdrucksweisen ist leicht zu beweisen.


135 Die berühmte Vermuthung Newton's, dass der Diamant verbrennlich ist, hatte keine bessere Grundlage. Er gründete seine Vermuthung auf das sehr hohe Brechungsvermögen des Diamantes im Vergleich zu seiner Dichte, eine Eigenthümlichkeit, welche in verbrennlichen Substanzen beobachtet worden war. Aus ähnlichen Gründen vermuthete er, dass das Wasser, obgleich nicht verbrennlich, einen brennbaren Bestandtheil enthält. Da der Versuch in der Folge zeigte, dass er in beiden Fällen richtig vermuthet hatte, so betrachtete man diese Voraussagung als ein ehrendes Zeugniss seines wissenschaftlichen Scharfsinnes, aber es ist bis auf diesen Tag noch ungewiss, ob das Lob ein verdientes, ob die Vermuthung in der That, wie es in der Geschichte der Wissenschaft viele Beispiele giebt, eine weit voraussichtige Anticipation eines nachher entdeckten Gesetzes war. Man hat bei dem Fortschritt der Wissenschaft bisher noch keinen Grund gehabt zu glauben, dass zwischen der Verbrennlichkeit und einem hohen Brechungsvermögen ein wirklicher Zusammenhang besteht.


136 Hartley's Observations on Man, vol. I, p. 16. – Die Stelle findet sich nicht in Priestley's abgekürzter Ausgabe.


137 Ich freue mich, die folgende ausgezeichnete Stelle aus Herrn Baden Powell's Essay on the Inductive Philosophy als eine Bestätigung der im Text gegebenen Darstellung, sowohl was Geschichte als Lehre anbetrifft, geben zu können. Indem er von der »Ueberzeugung von der allgemeinen und beständigen Gleichförmigkeit der Natur« spricht, sagt Herr Powell (Seite 98):

»Wir dürfen bemerken, dass diese Idee in ihrem eigentlichen Umfang keineswegs sich einer populären Annahme oder eines natürlichen Wachsthums erfreut. Gerade soweit die tägliche Erfahrung eines jeden reicht, gerade soweit und nur innerhalb dieser engen Grenze fasst er eine gewisse Ueberzeugung, dass das was gegenwärtig in seiner engen Sphäre um ihn vorgebt, in gleicher Weise auch in der Zukunft stattfinden werde. Der Bauer glaubt, dass die Sonne, welche heute aufgegangen ist, auch morgen aufgehen werde; dass der Saat in gehöriger Zeit die Ernte dieses Jahr wie im letzten Jahre folgen werde u.s.f., aber er hat keinen Begriff von solcher Folgerung in Betreff von Gegenständen, die ausserhalb seiner unmittelbaren Beobachtung liegen. Und es ist zu bemerken, dass eine jede Classe von Menschen, indem sie diesen Glauben innerhalb des engen Bereichs ihrer Erfahrung zulässt, wenn sie ihn auch in allem, was ausserhalb dieses Bereichs liegt, bezweifelt oder verläugnet, in der That unwissentlich dessen allgemeine Wahrheit bezeugt. Auch wird seine Wahrheit in dieser Weise nicht bloss von den Unwissendsten beschränkt. Es besteht eine sehr allgemeine Neigung zu glauben, dass alles, was über die gewöhnliche Erfahrung oder speciell festgestellte Naturgesetze hinausgeht, der Herrschaft des Zufalls oder des Schicksals oder willkürlicher Einmischungen überlassen sei; ja sogar gegen jeden Versuch einer Erklärung durch physikalische Ursachen, wenn er in Betreff einer anscheinend unerklärlichen Erscheinung vermuthungsweise geäussert wird, Einwürfe zu machen.

Die genaue Lehre von der Generalisation dieser Idee von der Gleichförmigkeit der Natur, weit entfernt einleuchtend natürlich oder intuitiv zu sein, ist für viele unerreichbar. In dem ganzen Umfang ihrer Allgemeinheit charakterisirt sie den Philosophen. Sie ist offenbar das Resultat philosophischer Cultur und Erziehung, und keineswegs das spontane Erzeugniss irgend eines dem Geist von Natur aus inhärenten primären Princips, wie einige zu glauben scheinen. Es ist keine blosse vage, ohne Prüfung als eine vorgefasste Meinung aufgenommene Ueberzeugung, an die wir immer gewöhnt sind; es sind im Gegentheil alle gewöhnlichen Vorurtheile und Ideeassociationen dagegen. Sie ist vorzugsweise eine erlangte Idee. Sie wird nicht ohne tiefes Studium und Nachdenken erlangt. Der am besten unterrichtete Philosoph ist derjenige, welcher am stärksten daran glaubt, sogar im Gegensatz zu gangbaren Vorstellungen; ihre Annahme hängt von dem Umfang und der Tiefe seiner inductiven Studien ab.«


138 Buch III, Cap. III, §. 1.


139 Es verdient bemerkt zu werden, dass diese frühen Generalisationen nicht gleich wissenschaftlichen Inductionen Verursachung voraussetzten, sondern nur Gleichförmigkeit in physikalischen Thatsachen. Aber die Beobachter waren ebenso bereit, Gleichförmigkeit in der Coexistenz der Thatsachen wie in der Sequenz zu vermuthen. Von der anderen Seite dachten sie niemals daran zu vermuthen, diese Gleichförmigkeit sei ein die Natur durchdringendes Princip; in ihren Generalisationen lag nicht inbegriffen dass Gleichförmigkeit in allem wäre, sondern nur dass soviel Gleichförmigkeit als in ihren Beobachtungen existirte, auch ausserhalb derselben existirte. Die Induction, Feuer brennt, verlangt für ihre Gültigkeit nicht, dass die ganze Natur gleichförmigen Gesetzen folge, sondern nur, dass in einer besonderen Classe von Erscheinungen Gleichförmigkeit sei, nämlich in den Wirkungen des Feuers auf die Sinne und verbrennliche Substanzen. Und soweit wurde Gleichförmigkeit nicht vor der Erfahrung angenommen sondern durch die Erfahrung bewiesen. Dieselben beobachteten Fälle, welche die engere Wahrheit bewiesen, bewiesen soviel von der weiteren, als jener entsprach. Weil man diese Thatsache aus den Augen verlor und das Causalgesetz bei den frühesten Generalisationen in seinem ganzen Umfange als nothwendig vorausgesetzt betrachtete, wurden manche zu dem Glauben verleitet, das Causalgesetz sei a priori erkannt und nicht selbst ein Schluss aus der Erfahrung.


140 Einer der emporstrebenden Denker Frankreichs, Hr. Taine (der in der Revue des Deux mondes die wenigstens unter einem Gesichtspunkte meisterhafteste Analyse des vorliegenden Werkes gegeben hat, die je gemacht wurde) verwirft zwar in Beziehung auf diesen und ähnliche Punkte der Psychologie die Intuitionstheorie in ihrer gewöhnlichen Form, gesteht aber nichtsdestoweniger dem Causalgesetz und einigen anderen der universellsten Gesetze jene über die menschliche Erfahrung hinausgehende Gewissheit zu, die ich denselben nicht zugestehen kann. Er thut dies im Vertrauen auf unser Abstractionsvermögen, in welchem er eine unabhängige Quelle von Beweis anzuerkennen scheint, und wodurch zwar keine Wahrheiten erschlossen werden, die in unserer Erfahrung nicht enthalten wären, wodurch aber in Betreff der Allgemeinheit der Wahrheiten, welche darin enthalten sind, eine Gewissheit gewonnen werde, welche die Erfahrung nicht geben könne. Hr. Taine scheint zu denken, wir wären durch die Abstraction nicht bloss im Stande, den uns sichtbaren Theil der Natur zu analysiren, und die denselben durchdringenden Elemente gesondert darzulegen, sondern wir wären auch dadurch in den Stand gesetzt, diejenigen zu unterscheiden, welche Elemente des als ein Ganzes betrachteten Systems der Natur und nicht Incidentien sind, die unserer beschränkten irdischen Erfahrung angehören. Ich bin nicht sicher, ob ich Hrn. Taine's Meinung völlig verstanden habe, ich gestehe aber, dass ich nicht eingehen kann, wie ein blosser abstracter Begriff, der durch unseren Geist aus unserer Erfahrung gezogen wurde, ein Beweis einer objectiven Thatsache in der allgemeinen Natur sein kann, und zwar über das hinaus, was die Erfahrung selbst bezeugt; oder wie in dem Process der Interpretation des Zeugnisses der Erfahrung in der allgemeinen Sprache die Beschränkungen des Zeugnisses selbst beseitigt werden können.


141 In einigen Fällen ist eine Art durch irgend eine merkwürdige Eigenschaft hinreichend identificirt, aber gemeinlich sind deren verschiedene erforderlich, indem eine jede Eigenschaft, einzeln betrachtet, zugleich eine Eigenschaft dieser Art und anderer Arten ist. Die blosse Farbe und der Glanz sind Eigenschaften, welche der Diamant mit der Masse, woraus falsche Diamanten gemacht werden, gemein hat; die doppelte Strahlenbrechung hat er mit dem isländischen Kalkspath und vielen Mineralien gemein, aber die Farbe, den Glanz und die doppelte Strahlenbrechung zusammen identificiren seine Art, d. h. sie sind für uns ein Merkmal, dass er verbrennlich ist, dass er beim Verbrennen Kohlensaure erzeugt, dass er nicht mit irgend einer bekannten Substanz geritzt werden kann, sowie von vielen anderen ermittelten Eigenschaften und der Thatsache, dass noch eine unbestimmte Anzahl nicht erforschter Eigenschaften an ihm vorbanden ist.


142 Die Accidentien der Quantität und localen Stellung sind hier nicht unter Eigenschaften inbegriffen. Ein Jeder bemerkt, dass hierauf keine Unterscheidungen der Art gegründet werden können, und dass sie, sowohl in Beziehung auf Dinge verschiedener als auch von derselben Art, zufällig sind.


143 Herr De Morgan bemerkt in seiner formalen Logik sehr richtig, dass wir aus zwei Prämissen wie, die meisten A sind B, und die meisten A sind C, mit Gewissheit folgern können, einige B sind C. Dies ist aber die äusserste Grenze der Schlüsse, die wir aus zwei annähernden Generalisationen ziehen können, wenn der genaue Grad ihrer Annäherung an die Allgemeinheit unbekannt oder unbestimmt ist.


144 Rationale of Judicial Evidence, Vol. III, p. 224.


145 Buch I., C. V, §. 1 u. B. II, C. V, §. 5.


146 Das Axiom »Gleiches von Gleichem abgezogen, giebt gleiche Unterschiede« kann aus den obigen zwei Axiomen bewiesen werden. Wenn A = a und B = b, so ist A-B = a-b. Denn wenn nicht, so sei A-B = a-b+c. Da nun B = b ist, so hat man, Gleiches zu Gleichem addirt, A = a+c, aber es ist A = a, woraus a = a+c, was absurd ist.

Nachdem dieser Satz bewiesen ist, können wir vermittelst desselben den folgenden beweisen; »Gleiches zu Ungleichem addirt, giebt ungleiche Summen«. Wenn A = a und B nicht = b, so ist A + B nicht = a+b. Denn angenommen, es wäre der Fall, so wäre, da A = a ist, A+B = a+b und Gleiches von Gleichem abgezogen B = b, was gegen die Voraussetzung ist.

So kann man auch beweisen, dass zwei Dinge, wovon das eine einem dritten Dinge gleich und das andere ihm ungleich ist, einander ungleich sind. Wenn A = a und A nicht = B, so ist auch nicht a = B. Wäre dies der Fall, so wäre, da A = a und a = B, und da Dinge, die ein und demselben Dinge gleich, einander selbst gleich sind, A = B, was gegen die Voraussetzung ist.


147 Die Geometer haben gewöhnlich vorgezogen, parallele Linien durch die Eigenschaft, in derselben Ebene zu liegen und sich nie zu schneiden, zu definiren. Sie waren indessen dadurch gezwungen, irgend eine andere Eigenschaft der Parallellinien als ein neues Axiom anzunehmen, und die ungenügende Weise, in welcher Eigenschaften zu diesem Zweck von Euclid und Anderen gewählt wurden, ist immer als ein Opprobrium der elementaren Geometrie betrachtet worden. Sogar als eine Wortdefinition ist eine gleiche Entfernung (Aequidistanz) eine geeignetere Eigenschaft, um die Parallellinien dadurch zu charakterisiren, indem sie das in der Bedeutung des Namens eingeschlossene Attribut wirklich ist. Wenn unter Parallelität nichts Anderes gemeint wäre, als in derselben Ebene zu liegen und sich niemals zu schneiden, so würden wir keinen Anstoss nehmen dürfen, von einer mit ihren Assymptoten parallelen Curve zu sprechen. Unter parallelen Linien versteht man Linien, welche genau dieselbe Richtung haben, und welche sich daher weder weiter von einander entfernen, noch sich mehr nähern; eine Vorstellung, die sofort aus der Betrachtung der Natur hervorgeht. Dass sich die Linien niemals begegnen werden, liegt natürlicherweise in dem umfassenderen Satze eingeschlossen, dass sie überall gleich weit von einander entfernt sind; und dass gerade Linien, welche in derselben Ebene liegen und nicht gleich weit von einander entfernt sind, sich gewiss schneiden werden, kann in der allerstrengsten Weise aus der in dem Text angenommenen fundamentalen Eigenschaft der geraden Linien bewiesen werden, nämlich daraus, dass, wenn sie von demselben Punkte ausgehen, sie mehrend mehr ohne Grenzen divergiren.


148 Ein Schriftsteller, den ich schon mehreremal angeführt habe, giebt als die Definition einer Unmöglichkeit: das, was hervorzubringen, keine adäquate Ursache in der Welt vorhanden ist. Diese Definition schliesst nicht Unmöglichkeiten ein, wie diese: – zwei und zwei macht fünf; zwei gerade Linien können einen Raum einschliessen; oder es kann etwas zu existiren anfangen ohne eine Ursache zu haben. Ich kann mir, ausser der von mir gegebenen, keine Definition der Unmöglichkeit denken, die umfassend genug wäre, um deren Varietäten alle einzuschliessen, nämlich: Eine Unmöglichkeit ist das, dessen Wahrheit einer vollständigen Induction d.h. dem bündigsten Beweis, den wir von allgemeinen Wahrheiten besitzen können, widerstreiten würde.

Was die vermeintlichen Unmöglichkeiten betrifft, die sich auf keine andere Gründe stützen, als unsere Unkenntniss irgend einer Ursache, welche im Stand wäre, die supponirten Wirkungen hervorzubringen, so sind gewiss nur wenige derselben unmöglich oder beständig unglaubhaft. Siebenzig Meilen weit in der Stunde reisen, schmerzlose chirurgische Operationen, Unterredungen durch augenblickliche Signale zwischen Konstantinopel und London sind Thatsachen, welche vor nicht langen Jahren unter derartigen Unmöglichkeiten eine hohe Stellung einnahmen.


149 Nicht indessen, wie auf den ersten Blick scheinen dürfte, 999 mal so stark. Eine vollständige Analyse der Fälle zeigt (die Glaubhaftigkeit des Zeugen immer gleich 9/10 vorausgesetzt), dass in 1000 Ziehungen das Ziehen von Nro. 79 neunmal eintreffen und einmal falsch verkündet werden wird die Glaubhaftigkeit der Angabe von Nro. 79 ist daher 9/10, während das Ziehen einer weissen Kugel neunmal vorkommen und 999 mal falsch verkündet werden wird. Die Glaubhaftigkeit der Angabe von weiss ist daher 9/1008, und das Verhältniss der beiden 1008:10; die eine Angabe ist auf diese Weise nur ungefähr 100 mal glaubwürdiger als die andere, nicht aber 999 mal.


150 Buch III, Cap. II. §. 3, 4, 5.


151 Herr Whewell giebt noch andere Beispiele von unangemessenen Vorstellungen an (Phil. Ind. Sc. II, 185), wie die folgenden: – »Aristoteles und seine Nachfolger suchten vergeblich das mechanische Verhältniss der Kräfte an dem Hebel zu erklären, indem sie die unangemessenen Conceptionen von den Eigenschaften des Kreises darauf anwandten; sie konnten die Form des lichten Fleckes nicht erklären, welche die durch ein Loch fallenden Sonnenstrahlen erzeugen, weil sie die unangemessene Idee von einer kreisförmigen Eigenschaft des Sonnenlichts anwandten; sie dachten vergeblich über die elementare Zusammensetzung der Körper nach, weil sie die unangemessene Vorstellung von der Aehnlichkeit zwischen den Elementen und der Verbindung annahmen, anstatt der wahren Vorstellung von den die Qualität der Verbindung bloss determinirenden Elementen.« In diesen Fällen ist es aber mehr als eine unangemessene Vorstellung, es ist eine falsche Vorstellung, eine Vorstellung, die in der Natur kein Vorbild, nichts ihr in den Thatsachen Entsprechendes hat. In den letzten zwei Beispielen ist dies evident, und gleich wahr in dem ersten, indem die Eigenschaften des Kreises, auf die wir anspielten, rein erdichtet sind. Es giebt daher ausser der unrichtigen Wahl eines Princips der Generalisation noch einen Irrthum, nämlich die falsche Annahme von Thatsachen. Man versucht gewisse Naturgesetze in ein allgemeineres Gesetz aufzulösen, aber so, dass dieses Gesetz nicht ein unangemessenes, obgleich reales, sondern so, dass es ein ganz eingebildetes ist.


152 Da dieser Ausspruch irrthümlich so verstanden worden ist, als ob ich hätte behaupten wollen, der Glaube sei nichts als eine unwiderstehliche Ideenassociation, so halte ich es für nöthig zu bemerken, dass ich in Beziehung auf die letzte Analyse weder des Schliessens noch des Glaubens, zweier der dunkelsten Punkte in der analytischen Psychologie, eine Theorie ausspreche. Ich spreche nicht von dem Vermögen selbst, sondern von den vorausgängigen Bedingungen, die nöthig sind, um dieses Vermögen in den Stand zu setzen thätig zu sein; zu diesen Bedingungen, behaupte ich, gehört die Sprache nicht, indem die Sinne und Ideenassociation dafür genügen.


153 Hr. Bailey stimmt darin mit mir überein, dass er glaubt, dass in allen Fällen, wo »ich von etwas, was in Verbindung mit vergangener Erfahrung wirklich meinen Sinnen gegenwärtig ist, die Ueberzeugung erhalte, dass sich ausserhalb des Kreises meiner persönlichen Beobachtung etwas ereignet hat, ereignen wird, oder ereignet,« man ganz angemessen von mir sagen könne, dass ich schliesse und natürlich inductiv schliesse; denn demonstratives Schliessen ist durch die Umstände des Falles ausgeschlossen. (The Theorie of Reasoning, 2nd, ed. p. 27.)


154 Novum Organon Renovathum pp. 35-37.


155 Nov. Ory. Ren. p. 39.


156 E, ex, extra, extraneus, étranger, stranger. So das Wort Onkel vom lateinischen avus, avunculus, Onkel. So Pilgrim, von ager: per agrum, peragrinus, peregrinus, pellegrino. Pilgrim.


157 Das deutsche Wort Heide erhielt seine Bedeutung in ganz ähnlicher Weise. J. S. [Anm. d. Übers.]


158 Hist. of Scientific Ideas II, 110.


159 Hist. of Sf. Id II, 111.


160 Ein noch höheres Eisenoxyd, eine Eisensäure existirt zwar, aber nicht im freien Zustande. J. S. [Anm. d. Übers.]


161 Nov. Org. Renov. p. 286.


162 Hist. Sc. Id. II, 120.


163 Ich sage wahrscheinlich und nicht gewiss, weil der Botaniker nicht nach dieser Betrachtung entscheidet, was als eine Species zu betrachten ist und was nicht. In der Naturgeschichte gehören diejenigen Gegenstände zu einerlei Species, welche von demselben Stamme erzeugt worden sind, oder erfahrungsmässig erzeugt werden könnten. Aber diese Distinction stimmt mit der anderen in den meisten und wahrscheinlich in allen Fällen überein. Es scheint ein physiologisches Gesetz zu sein, dass Thiere und Pflanzen, sowohl im philosophischen Sinne als im populären, wirklich ihre Art fortpflanzen, indem sie auf ihre Nachkömmlinge alle Unterschiede der Art (bis zu der speciellsten oder untersten Art), die sie selbst besitzen, übertragen.


164 Nov. Org. Renov. p. 274.


165 Hist. Sc. Ind. II, 133.


166 In seiner Erwiederung sagt Dr. Whewell (Phil. Disc. 270), er habe »bei der Lehre von einer Reihe organisirter Wesen abgebrochen oder er habe sie vielmehr übergangen«, weil er »sie für eine schlechte und enge Philosophie hielt.« Wenn er dies gethan hat, so that er es offenbar, ohne diese Form der Lehre verstanden zu haben, denn er führt bald darauf eine Stelle aus seiner »Geschichte« an, in welcher er die von ihm verworfene Lehre bezeichnet als die Lehre von »einer blossen linearen Progression in der Natur, welche ein jedes Genus nur mit dem vorhergehenden und dem folgenden Genus in Berührung bringen würde.« Nun stimmt aber die in dem Text abgehandelte Reihe mit dieser linearen Progression in sonst gar nichts überein, als dass sie eben eine Progression ist.

Es wäre sicher möglich, alle Orte z.B. nach ihrer Entfernung vom Nordpol zu ordnen, obgleich nicht bloss eine Vielheit, sondern ein ganzer Kreis von Orten bei einer jeden einzelnen Abstufung in der Scala vorhanden sein würde.


167 Seite 217.


168 S. Anmerkung am Schluss des Capitels.


169 Vulgar Errors Bd. V. cap. 21.


170 Pharmacologia p. 16.


171 Von einer ähnlichen Art ist der Irrthum eines geachteten Verfassers einer der Bridgewater Treatises, welcher, nachdem er auf eine sonderbare Weise zu beweisen gesucht hat, dass die Materie ohne eine der bekannten Eigenschaften der Materie existiren und daher veränderlich sein könne, schliesst, dass sie nicht ewig sein könne, weil »die ewige (passive) Existenz nothwendig die Unfähigkeit zur Veränderung einschliesst.« Ich glaube, es würde schwer halten, einen Zusammenhang zwischen den Thatsachen Ewigkeit und Unveränderlichkeit ausfindig zu machen, als eine starke Association zwischen den beiden Ideen. Die meisten der religiösen und irreligiösen aprioristischen Argumente in Betreff des Ursprungs der Dinge sind aus derselben Quelle geschöpfte Fehlschlüsse.


172 Buch II, Cap. V. §. 6 u. Cap. VII, §. 21.. 3.


173 Ich citire diese Stelle aus Playfair's berühmter Dissertation the Progress of Mathematical and Physical Science.


174 Nouveaux essais sur l'entendement humain – avant-propos. (Oeuvres Paria ed. 1842. vol. I. p. 19.)


175 Nicht das von Leibnitz, sondern das, worauf sich unter diesem Samen gewöhnlich die Mathematiker berufen.


176 Hist. of induct. Scienc. I, ch. 1. [Vgl. d. Uebers. v. Littrow, p. 42.]


177 Nov. Org. Aph. 75.


178 Buch III, Cap. VII, §. 4.


179 Es ist kaum nöthig zu bemerken, dass es nicht die Absicht ist, hier gegen die Möglichkeit zu sprechen, in einer künftigen Zeit in der Weise Gold zu machen, dass man zuerst entdeckt, dass es ein zusammengesetzter Körper ist, und dann die Bestandtheile zusammen verbindet. Dies ist ein ganz anderer Gedanke als der der Alchymisten.


180 Nov. Org. Aph. 46.


181 Playfair's Dissert. sect. 4.


182 Nov. Org. Ben. 61.


183 Pharmacol. p. 21.


184 Pharmacol. p. 23.


185 Ibid. p. 28.


186 Pharmacol. p. 62.


187 S. 196.


188 Elements of the Philos. of mind. 11. ch. 5. sect. 5.


189 »So erklärte Fourcroy die Wirkung des Quecksilbers durch dessen specifisches Gewicht, und die Anhänger dieser Lehre begünstigten aus demselben Grunde die allgemeine Einführung von Eisenpräparaten, besonders im Scirrus der Milz oder Leber; denn, sagen sie, was am kräftigsten ist, um die Obstruction zu entfernen, muss das geeignetste Heilmittel sein; ein solches Mittel ist der Stahl, der ausser der verdünnenden Eigenschaft, die er besitzt, in diesem falle eine noch grössere Wirksamkeit besitzt durch die Schwere seiner Theilchen, welche, da sie siebenmal specifisch schwerer sind als Pflanzentheile, in demselben Verhältniss mit einem stärkeren Impuls wirken und daher ein stärkeres Desobstruens sind. Dies kann man als ein Beispiel von der Art und Weise ansehen, wie diese mechanischen Aerzte schlössen und prakticirten.« (Dr. Paris, Pharmac. p. 38-39.)


190 Pharmac. p. 39-40.


191 Wird um die Kugel, in welcher die Bahn der Erde liegt, ein Pentagondodekaëder beschrieben, und um dessen Ecken wieder eine Kugel gelegt, so erhält man die Kugel, in der die Bahn des Mars liegt. Um die Kugel der Marsbahn ein Tetraëder und um dessen Ecken eine Kugel gelegt, giebt die Region der Bahn des Jupiter. Um die Jupitersbahn einen Würfel und um dessen Ecken eine Kugel gelegt, giebt die Bahn des Saturns. In die Kugel der Erdbahn ein Ikosaëder, und in diesem eine dessen Seitenflächen berührende Kugel beschrieben, giebt die Bahn der Venus. In die Venusbahn ein Octaëder und darin eine Kugel gelegt, giebt die Region des Merkur. Dies ist nach Kepler's Meinung der Zusammenhang welcher zwischen den fünf regelmässigen Körpern und den sechs Planeten besteht. J. S. [Anm. d. Übers.]


192 Whewell, Hist. Ind. Sc. 3 d. ed. I, 129.


193 Hist Ind. Sc. I. 52.


194 Nov. Org. Aph. 60.


195 »Der Advocat,« sagt Mr. De Morgan (Formal Logic.), »macht sich zuweilen des Arguments a dicto secundum quid ad dictum simpliciter schuldig; es ist sein Geschäft, für seinen Clienten alles zu thun, was der Client selbst redlicherweise für sich thun könnte. Wird nicht das Wort in Currentschrift häufig hinweggelassen? Könnte ein redlicher Mann versuchen, für sich alles das zu thun, was sein Anwalt häufig für ihn zu thun sucht? Wir werden dabei oft an die zwei Männer erinnert, welche die Hammelkeule stahlen; der eine konnte schwören, dass er sie nicht habe, der andere, dass er sie nicht genommen habe. Der Anwalt thut seine Schuldigkeit gegen seinen dienten, der Client hat die Sache seinem Anwalt überlassen. Zwischen der unausgeführten Intention des Clienten und der nichtintendirten Ausführung des Anwalts kann ein Unrecht gethan werden, und zwar, wenn wir der gewöhnlichen Maxime glauben wollten ohne dass ein Unrechtthuer vorhanden wäre.«

Derselbe Schriftsteller bemerkt ganz richtig, dass es einen umgekehrten Fehlschluss giebt, a dicto simpliciter ad dictum secundum quid, von den scholastischen Logikern fallacia accidentis genannt; und noch einen anderen, den man eine Fallacie a dicto secundum quid ad dictum secundum alterum quid nennen könnte. Beispiele hiervon finden sich in dem Werke von De Morgan.


196 Ein Beispiel von diesem Fehlschluss ist der Volksirrthum, dass starke Getränke eine Ursache von Stärke sein müssen. Hier findet ein Fehlschluss im Fehlschluss Statt; denn zugegeben, die Wörter »stark« und »Stärke« würden nicht (wie es der Fall ist) auf geistige Getränke und auf den menschlichen Körper in einem ganz verschiedenen Sinn angewendet, so wäre immer noch der Irrthum inbegriffen, eine Wirkung müsse ihrer Ursache ähnlich sein; die Bedingungen eines Phänomens glichen wahrscheinlich dem Phänomen selbst; was wir bereits als einen aprioristischen Fehlschluss vom ersten Grad abgehandelt haben. Mit gleichem Recht kann man voraussetzen, ein starkes Gift werde den, der es nimmt, stark machen.


197 In den späteren Auflagen seines Werkes beschränkt Whately den Namen petitio principii auf diejenigen Fälle, in denen die eine Prämisse dem Sinne nach mit dem Schluss offenbar einerlei ist, oder wirklich durch denselben bewiesen wird, oder wo sie der Art ist, dass diejenigen, an welche man sich richtet, sie nicht leicht anders, denn als eine Folgerung aus dem Schluss erkennen oder zugeben, z.B. wenn einer die Glaubwürdigkeit einer gewissen Geschichte daraus folgern würde, dass sie diese und jene Thatsache erzählt, deren Realität auf dem Zeugniss dieser Geschichte beruht.


198 Seit der Begründung der atomistischen Theorie nicht einmal mehr eine wahrscheinliche Theorie, indem es gegenwärtig gewiss ist, dass die integrirenden Bestandtheile verschiedener Substanz ungleich gravitiren. Es ist wahr, diese Partikel, obgleich für die Zwecke der chemischen Verbindung wirkliche minima, sind vielleicht nicht die letzten Partikel der Materie, und nur dieser Zweifel allein macht die Hypothese selbst als Hypothese zulässig.


199 Hist. Ind. Sc. I. 34.


200 Als dieses Capitel geschrieben wurde, hatte Herr Bain noch nicht einmal den ersten Theil seiner tiefgedachten Abhandlung über den Geist (»die Sinne und der Verstand, The Senses and the Intellect«) veröffentlicht. In dieser Abhandlung sind die Gesetze der Association in einer umfassenderen Weise dargelegt und erläutert, als von irgend einem anderen Schriftsteller bisher geschah; und da das Werk durch die Veröffentlichung seiner Abhandlung über »die Gemüthsbewegungen und den Willen (The Emotions and the Will)« Vervollständigt worden ist, so kann es nun als eine auf rechtmässiger Induction beruhende und als die bei weitem vollständigste analytische Exposition der Geisteserscheinungen betrachtet werden, die noch gegeben worden ist.

Manche auffallende Anwendungen von den Gesetzen der Ideenassociation auf die Erklärung verwickelter geistiger Phänomene finden sich auch in Herbert Spencer's Grundsätze der Psychologie (Princip. of Psychology).


201 Die günstigsten Fälle, um solche annähernde Generalisationen zu machen, sind die welche man Collectivfälle nennen kann, Fälle, in denen wir glücklicherweise im Stande sind, die ganze Classe, in deren Beziehung wir forschen, auf einmal in Handlung zu sehen, und wo wir nach den von der Gesammtheit gezeigten Eigenschaften urtheilen können, welches die Eigenschaften der Mehrheit der dieselbe zusammensetzenden Individuen sind. So zeigt sich der Charakter einer Nation in ihren Handlungen als eine Nation; nicht so sehr in den Handlungen ihrer Regierung, denn diese wird noch durch andere Ursachen beeinflusst, sondern in den gangbaren volksthümlichen Maximen und anderen Zeichen der allgemeinen Richtung der öffentlichen Meinung, in dem Charakter der Personen oder der Schriften welche die beständige Achtung oder Bewunderung der Nation besitzen, in Gesetzen und Einrichtungen, soweit sie das Werk der Nation selbst oder von ihr anerkannt oder gestützt sind u.s.w. Aber auch hier bleibt dem Zweifel und der Ungewissheit ein weites Feld. Diese Dinge werden durch viele Umstände beeinflusst; sie werden theils durch die distinctiven Eigenschaften der Nation, theils auch durch äussere Ursachen bestimmt, die eine jede andere Gesellschaft von Menschen in derselben Weise influiren würden. Um daher das Experiment wirklich vollständig zu machen müssten wir es ohne Abänderung mit einer andern Nation vornehmen können; wir müssten versuchen können, wie Engländer unter denselben Umständen handeln würden, unter denen sich unserer Annahme nach Franzosen befanden; kurz, wir müssten sowohl die Differenzmethode, als auch die Methode der Uebereinstimmung anwenden können. Nun können wir aber diese Experimente nicht einmal annäherungsweise, anstellen.


202 »Wir können diesem noch hinzufügen,« sagt Dr. Whewell, »dass aus der Geschichte der Wissenschaft mit Bestimmtheit hervorgeht, dass in diesem Falle die Hypothese niemals aufgestellt worden wäre.«

Dr. Whewell (Phil, Disc. p. 227) vertheidigt Bacon's Regel gegen die obige Auslegung. Seine Vertheidigung besteht indessen nur in der Behauptung und Erläuterung eines Satzes, den ich selbst behauptet habe, des Satzes nämlich, dass, obgleich die weitesten Generalisationen am frühesten gemacht werden mögen, sie anfänglich nicht in ihrer ganzen Allgemeinheit erkannt werden, sondern diese Allgemeinheit nur im Verhältniss erreichen, als sie eine Classe der Erscheinungen nach der anderen erklären. Man erkannte z.B. nicht eher, dass die Gesetze, der Bewegung sich auf die Regionen des Himmels erstrecken, als bis man die Bewegungen der Himmelskörper deductiv daraus abgeleitet hatte. Dies berührt indessen in keiner Weise die Thatsache, dass die mittleren Principien der Astronomie, die Centralkraft z.B. und das Gesetz des umgekehrten Quadrats, nicht hätten entdeckt werden können, wenn die viel allgemeineren Gesetze der Bewegung nicht zuerst bekannt gewesen wären. Nach Bacon's System der schrittweisen Generalisation wäre es in irgend einer Wissenschaft unmöglich, über die empirischen Gesetze hinauszugehen, eine Bemerkung, deren Wahrheit Dr. Whewell's eigene Inductive Tafeln, auf die er sich zur Stütze seines Arguments beruft, hinlänglich beweisen.


203 Biographia Literaria. I. p. 214.


204 Essays on some Unsettled Questions of Political Economy, 137-140.


205 Die Citationen in diesem Paragraphen sind einem vom Autor in einer Zeitschrift von 1834 veröffentlichten Aufsatz entnommen.


206 Cours de Philosophie positive, IV, 325-329.


207 Wiederabgedruckt in Dissertations and Discussions.


208 Diese grosse Generalisation ist aus einem Missverstehen ihres wahren Inhalts häufig ungünstig beurtheilt worden (z.B. von Dr. Whewell). Die Lehre, dass die theologische Erklärung der Erscheinungen nur der Kindheit unserer Kenntniss derselben angehört, sollte nicht so ausgelegt werden, als wäre sie gleichbedeutend mit der Behauptung, dass die Menschen bei fortschreitendem Wissen den Glauben an eine jede Art Theologie nothwendig verlieren müssen. Es war dies Herrn Comte's Meinung, sie liegt aber keineswegs in seinem fundamentalen Lehrsatz inbegriffen. Dass bei einem vorgeschrittenen Zustande der menschlichen Kenntnisse nur ein nach allgemeinen Gesetzen regierender Weltregierer anerkannt werden wird, nur ein Weltregierer, der die Ereignisse überhaupt nicht durch specielle Dazwischenkunft oder höchstens nur in sehr besonderen Fällen hervorbringt, ist Alles, was darin inbegriffen liegt. Ursprünglich wurden alle Erscheinungen einer solchen Dazwischenkunft zugeschrieben, gegenwärtig aber verwirft ein jeder Gebildete diese Erklärung in Beziehung auf alle Classen von Erscheinungen, deren Gesetze vollständig ermittelt sind; obgleich manche den Standpunkt noch nicht erreicht haben, um alle Erscheinungen auf die Idee eines Gesetzes zu beziehen, und glauben, Regen und Sonnenschein, Hunger und Pestilenz, Sieg und Niederlage, Tod und Leben seien Zwecke, welche der Schöpfer nicht der Thätigkeit seiner allgemeinen Gesetze überlasse, sondern welche er sich durch besondere Willensacte zu entscheiden vorbehalte, Herrn Comte's Theorie ist die Negation dieser Lehre.

Dr. Whewell missversteht Herrn Comte's Lehre auch bezüglich der zweiten oder metaphysischen Stufe der Speculation. Herr Comte glaubte nicht, »Discussionen in Betreff von Ideen« seien auf einen frühzeitigen Zustand der Forschung beschränkt und hörten auf, wenn die Wissenschaft in das positive Stadium tritt (Phil. of Disc. p. 226). Bei allen Speculationen von Herrn Comte wird eben so viel Nachdruck auf die Aufklärung unserer Ideen, als auf die Bestimmung der Thatsachen gelegt. Wenn Herr Comte von dem metaphysischen Zustande der Speculation spricht, so meint er den Zustand, in welchem wir von der »Natur« und anderen Abstractionen so sprechen, als ob sie active, Wirkungen erzeugende Kräfte wären; wo man sagt, die Natur thue dieses, oder verbiete jenes; wo der horror vacui der Natur, ihre Nichtzulassung einer Lücke, die vis medicatrix der Natur als Erklärungen von Erscheinungen dargeboten werden; wo man die Eigenschaften der Dinge für reale, den Dingen inwohnende Entitäten hält; wo man die Erscheinungen lebender Körper für erklärt hält, wenn man sie auf eine »Lebenskraft« bezogen hat; kurz, wo man die abstracten Namen der Erscheinungen für die Ursachen ihrer Existenz hält. In diesem Sinne des Wortes kann man vernunftgemäss nicht leugnen, dass sowohl die metaphysische als auch die theologische Erklärung der Erscheinungen dem Fortschritte der wirklichen Wissenschaft weicht.

Dass die letzte oder positive Stufe, wie sie Herr Comte versteht, ebenfalls missverstanden worden ist, und dass ungeachtet einiger tadelnswerther Ausdrücke Herr Comte niemals daran gedacht hat, die Rechtmässigkeit der Forschung nach allen der menschlichen Untersuchung zugänglichen Ursachen zu leugnen, habe ich an einer früheren Stelle nachgewiesen.


209 Buckle's History of Civilisation, I, 30.


210 Essay on Dryden, in Miscellaneous Writings I, 186.


211 Cornhill Magazine for June and July 1861.


212 Es ist fast überflüssig zu bemerken, dass es eine andere Bedeutung des Wortes Kunst giebt, wonach es das poetische Gebiet oder die poetische Ansicht von den Dingen im allgemeinen ist, im Gegensatz zur wissenschaftlichen. Im Text ist das Wort in seinem älteren und, wie ich hoffe, noch nicht obsoleten Sinne gebraucht.


213 Das Wort Teleologie wird auch von einigen Schriftstellern, aber unpassend, als ein Name für den Versuch gebraucht, die Erscheinungen des Weltalls aus letzten Ursachen zu erklären.

Quelle:
John Stuart Mill: System der deduktiven und inductiven Logik. Band 2, Braunschweig 31868.
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