Italien

Italien. I. (Karten)
Italien. I. (Karten)
Italien. II. (Karten) 1. Geologische Übersicht und Mineralfundstätten. 2. Physikalische Übersicht. 3. Die wichtigsten Kulturpflanzen. 4. Tiergeographische Übersicht. 5. Volksdichte. 6. Historische Übersicht.
Italien. II. (Karten) 1. Geologische Übersicht und Mineralfundstätten. 2. Physikalische Übersicht. 3. Die wichtigsten Kulturpflanzen. 4. Tiergeographische ...
Alpenländer. I. (Karten)
Alpenländer. I. (Karten)
Menschenrassen. II. 21. Eskimo. 22. Samojedin. 23. Chinesin. 24. Japanerin. 25. Siamesin. 26. Birmanin. 27. Lappin. 28. Tatarin. 29. Ainufrau, tätowiert. 30. Wedda. 31. Tamil. 32. Singhalesin. 33. Perserin. 34. Araberin. 35. Ägypterin. 36. Maurin. 37. Romanin. 38. Slawin. 39. Germanin, dunkel. 40. Germanin, blond.
Menschenrassen. II. 21. Eskimo. 22. Samojedin. 23. Chinesin. 24. Japanerin. 25. Siamesin. 26. Birmanin. 27. Lappin. 28. Tatarin. 29. Ainufrau, tätowiert. 30. ...
869. Italien.
869. Italien.
Flaggen.
Flaggen.

[878] Italien, die mittlere der drei südeurop. Halbinseln (Apenninhalbinsel), mit den geographisch zugehörigen Inseln Sizilien, Sardinien, dem franz. Korsika, den Liparen, Tremiti-Inseln, dem brit. Malta etc. etwa 301.500 qkm, besteht politisch aus dem festländischen Teile des Königr. I., dem franz. Nizza, Fürstentum Monaco, Teilen der schweiz. Kantone Tessin und Graubünden, dem Tiroler Trentino und der Republik San Marino [Karten: Italien I u. II und Alpenländer].

Physikalische Verhältnisse. Die Ostküste ungünstig gestaltet (Naturhäfen Gallipoli und Tarent); reich gegliedert die Westküste, bes. im Golf von Neapel. Geographisch aus drei Teilen gebildet, Festland-I. (Ober-I.), die Poebene (55.000 qkm), mit den Südabfällen der Alpen, durch den Apennin von Halbinsel-I. (Mittel- und Unter-I.) getrennt; von den beiden gesondert Insel-I.; die beiden letztern gebirgig (Apennin und Vulkane). Das einzige große Stromsystem der Po in Festland-I.; sonst nur Küstenflüsse: [878] Tiber, Arno, Garigliano. Zahlreiche Seen in Ober-I.: Lago Maggiore, Comer, Iseo- und Gardasee, ferner der Trasimenische, Bolsener, Albaner und Nemisee. Viele heiße Quellen und Bäder, klimatische und Winterkurorte. Klima: in Ober-I. schneereiche Winter, mittlere Jahrestemperatur von 13o; in Mittel-I. mildere Winter; mittlere Jahrestemperatur 14-15o; in Unter-I. fast schneefreie Winter (nicht unter 3o), Jahrestemperatur 16-18o; endlich in Sizilien und Malta 18-20o Jahreswärme, 5-6 Monate Trockenzeit. Häufige dürre, heiße Winde (Sirocco) und schädliche Dünste (Malaria) beeinträchtigen das sonst heitere und durch Seewinde gemäßigte Klima.

Das heutige Königr. I., zusammengesetzt aus den Provinzen der frühern Königr. Sardinien (außer Savoyen und Nizza), der Lombardei und Venetien, dem ehemal. Kirchenstaat, den Hzgt. Parma und Modena, dem Großhzgt. Toskana und dem Königr. beider Sizilien, zusammen 286.682 qkm, (1905) 33.467.117 E. (größte Volksdichte in Kampanien, der Lombardei und Ligurien). Die Bevölkerung der Nationalität nach meist roman. [Tafel: Menschenrassen, 37] Italiener; deneben etwa 370.000 Furlaner (in Friaul, Prov. Udine), 100.000 Franzosen (Prov. Turin), 20.000 Deutsche (Lombardei und Venedig), 60.000 Albanesen (in Neapel und Sizilien), 45.000 Slawen, 20.000 Griechen; Auswanderung bedeutend. [S. auch Beilagen: Bevölkerung, Auswanderung und Berufs- und Gewerbestatistik.] – Landwirtschaft. Der Ackerbau intensiv betrieben in der Lombardei, Emilia, Toskana, Kampanien und Sizilien, im übrigen Sünden sehr vernachlässigt [s. auch Beilage: Getreide]. In Neapel und Sizilien bedeutend die Kultur der Südfrüchte, bes. Zitronen und Orangen, ebenso der Olivenbäume. Seidenbau überall, bes. in Piemont und der Lombardei. Weinbau. Fischerei, bes. Thunfisch- und Schwammfischerei. Bergbau auf Eisen, Kupfer, Silber, Blei, Quecksilber und Braunkohlen; Steinkohlen fehlen. Schwefellager auf Sizilien, Marmorbrüche. [S. auch Beilage: Bergbau.] – Industrie wegen des Mangels an Steinkohlen noch rückständig; Großindustrie vorwiegend in Ober-I.: Spinnerei und Weberei, bes. Produktion von Rohseide; Seidenspinnerei bes. in der Lombardei; ferner Hanf-und Jute-, Baumwollindustrie, Glaskunstindustrie (Perlen-, Mosaik- und Schmelzfabriken zu Venedig und Murano), Papier-, Möbel- und Handschuhfabrikation, Strohflechterei, Fabrikation von Gold- und Silberwaren, Korallenschleiferei; Wachszündkerzen. – Handel seit Gründung des Königreichs im raschen Aufschwung [s. Beilagen: Europa und Italien]. Haupthäfen Genua, Neapel, Messina, Palermo, Livorno, Venedig; Mittelpunkte des Binnenhandels Mailand, Turin, Neapel, Palermo. Handelsmarine (1904) 5654 Schiffe mit zusammen 1.044.758 Registertons. Eisenbahnen (1905) 16.212 km [s. auch Beilage: Eisenbahnen]; Länge der Telegraphenlinien (1902) 46.437 km.

Verfassung konstitutionell-monarchisch nach dem dem ehemal. Königr. Sardinien verliehenen Grundgesetze vom 4. März 1848. Erbliche Monarchie im Mannesstamme des Hauses Savoyen (seit 1900: Viktor Emanuel III.) mit der Residenz in Rom. Erste Kammer, der Senat, aus 390 vom König ernannten, über 40 Jahre alten Mitgliedern bestehend; Zweite Kammer, Deputiertenkammer, aus 508 von Wahlkollegien auf fünf Jahre gewählten Mitgliedern zusammengesetzt. An der Spitze der Verwaltung stehen elf Ministerien, ein Staatsrat, zugleich oberstes Verwaltungsgericht und ein Rechnungshof. I. ist eingeteilt in 16 Compartimenti, welche in 69 Provinzen zerfallen; diese werden von einem Präfekten und einem Provinzialrat verwaltet. Für die Gemeinden Selbstverwaltung. Finanzen s. Beilage: Finanzen. I. gehört zur Lateinischen Münzkonvention; die Lira zu 100 Centesimi = 1 Franc = 0,81 M. Maße und Gewichte metrisch. – Orden: Annunziatenorden, Orden des heil. Mauritius und Lazarus, Militärorden von Savoyen, Zivilorden von Savoyen, Orden der Krone von Italien, Orden al merito del lavoro. – Wappen: silbernes Kreuz im roten Felde [Abb. 869]; Landesfarben: Rot, Silber, Grün [Tafel: Flaggen]. – Kirchenwesen. Staatsreligion ist die katholische; der Papst ist Souverän; ihm unterstehen unmittelbar 12 Erzbistümer und 64 Bistümer; außerdem zerfällt I. in 37 Kirchenprovinzen (Patriarchat Venedig und 36 Erzbistümer) mit 165 Suffraganbistümern. – Unterrichtswesen. Elementarunterricht gesetzlich obligatorisch, noch nicht tatsächlich durchgeführt; 17 staatliche und 4 freie Universitäten; außerdem ein Studieninstitut in Florenz, Polytechnikum und Akademie in Mailand etc.; Insitute für die schönen Künste etc. Zahlreiche Akademien, bes. die der Lincei in Rom und della Crusca in Florenz. Heerwesen s. Beilage: Italien.

Kolonien. In Ostafrika Erythräa und das Schutzgebiet Ital.-Somalland, zusammen 510.000 qkm, 730.800 E. [S. auch Beilagen: Afrika, Italien und Kolonien.]

Geschichte. Über die Geschichte des alten I. s. Rom und Römisches Reich. Den letzten weström. Kaiser, Romulus Augustulus, entthronte 476 der Heruler Odoaker, der sich König von I. nannte; sein Reich stürzte 493 der Ostgote Theoderich d. Gr. Belisar und Narses unterwarfen I. dem oström. Kaiser, es wurde 555 ein Exarchat mit der Hauptstadt Ravenna. 568 eroberten die Langobarden einen großen Teil I.s. Als sie auch Rom bedrohten, kam Pippin der Kleine 756 dem Papst zu Hilfe, schenkte das den Langobarden entrissene Exarchat Stephan II. (III.) und legte damit den Grund zum Kirchenstaate (s.d.). Karl d. Gr. vereinigte 774 das Langobardenreich mit der fränk. Monarchie, während Unter-I. nebst Sizilien, Sardinien und Korsika in der Hans der byzant. Kaiser blieben. Durch den Vertrag von Verdun (843) kam I. an Lothar I. Nach dem Tode seines Sohnes Ludwig II. (875) fiel es 880 an Karl den Dicken, mit dessen Entthronung (887) trat Anarchie und Bürgerkrieg ein. 888 ward Guido von Spoleto König von I.; ihm folgte 894 sein Sohn Lambert (gest. 898), gegen den 896 der Karolinger Arnulf seine Rechte geltend machte; nach dessen Tode (899) kämpften Herzog Berengar I. von Friaul, König Ludwig von Niederburgund und König Rudolf I. von Oberburgund um die Herrschaft. 915 ward Berengar I. Kaiser, nach dessen Ermordung (924) kam I. an Hugo von Provence (930). Diesen stürzte 945 Berengar II. und setzte Hugos Sohn, Lothar, an seine Stelle. Als Lothar 950 starb, suchte seine Witwe Adelheid Schutz bei Otto I., der sich 951 Pavias bemächtigte und 962 Kaiser wurde. Unter-I. blieb dem byzant. Kaiser, langobard. Fürsten, einzelnen Städten und den Sarazenen. Otto gab die ital. Reichslehne an Deutsche und den ital. Städten Vorrechte, züchtigte die rebellischen Römer und machte den Papst von sich abhängig; Otto II. suchte vergebens Unter-I. zu erobern. Nach dem Tode Ottos III. (1002) ward Markgraf Arduin von Ivrea König und blieb es auch, als Heinrich II. 1014 zum Kaiser gekrönt ward. Unter seinem Nachfolger Konrad II. erhoben die widerspenstigen Vasallen und die Städte immer mächtiger ihr Haupt. Heinrich III. besetzte den päpstl. Stuhl mit würdigen Geistlichen und herrschte mächtig über I. Während Heinrichs IV. Minderjährigkeit wuchs die Macht der Päpste; Gregor VII. begann den großen Kampf des Papsttums gegen das deutsche Königtum (1075-1122), in welchem er außer durch Normannen, denen seit 1130 das Königreich beider Sizilien als päpstl. Lehn übertragen war, bes. durch die oberital. Städte Unterstützung fand. Diese (bes. Mailand) gelangten, trotz zahlloser Fehden untereinander, zu höchster Blüte und vereinigten sich seit 1167 zum Lombard. Bund. Der Hohenstaufe Friedrich I. suchte die kaiserl. Macht in I. wieder zu befestigen, ward aber durch die Niederlage von Lagnano, die er 29. Mai 1176 von dem Lombard. Bunde erlitt, zu einem Kompromiß mit Papst Alexander III. und den lombard. Städten genötigt und wollte dann seine Absicht durch die Eroberung Siziliens erreichen. Sein Sohn Heinrich VI. (1190-97), der Unter-I. und Sizilien durch seine Vermählung mit Konstanze, der Erbin des letzten Normannenkönigs, erwarb, herrschte mächtiger über I. als irgendein Kaiser. Während seines Sohnes Friedrichs II. Minderjährigkeit begründete Innozenz III. die Herrschaft des Kirchenstaates in Mittel-I. Die lombard. Städte, in denen die päpstl. Partei (Guelfen) über die kaiserl. (Ghibellinen) herrschte, erneuerten 1226 ihren [879] Bund gegen Friedrich II.; dieser unterlag endlich seinen Feinden, und mit dem Tode Konrads IV. (1254) endete die deutsche Herrschaft in I.

Der Zertrümmerung der kaiserl. Macht in I. folgte eine Zeit allgemeinen Kampfes. Karl I. aus dem Hause Anjou ward 1266 durch den Papst König von Neapel, mußte aber in fortdauernden Kriegen sein Reich gegen die Könige von Aragon, die als Erben der Hohenstaufen Ansprüche auf Unter-I. erhoben, verteidigen. In den Städterepubliken Ober-I.s bekämpften sich Adel und Volk; letzteres, meist siegreich, verjagte die Tyrannen (1302-6); ferner fochten (1261, 1284, 1298) die Seerepubliken Genua, Pisa, Venedig gegeneinander. Heinrich VII. suchte vergebens die kaiserl. Macht wiederherzustellen. Nach seinem Tode (1313) fiel die Herrschaft in den Städten wieder adligen Geschlechtern zu. Fortwährende Kämpfe, Hungersnot (1347) und Pest (1348), plündernde Söldnerbanden führten im 14. und 15. Jahrh. immer größere polit. Zerrüttung und eine Auflösung aller sittlichen Bande herbei, während doch gleichzeitig Künste, Wissenschaften und Gewerbe aufblühten. Aus diesen Wirren traten allmählich bes. fünf Staaten hervor: Neapel, das 1442 an die aragon. Dynastie überging, der Kirchenstaat, Toskana mit Florenz an der Spitze, Mailand unter den Visconti und Venedig. Nach dem Aussterben des Visconti befestigten sich 1450 die Sforza in Mailand mit Hilfe der Medici, die sich in Florenz erhoben hatten. Das durch die genannten fünf Staaten gebildete Gleichgewicht in I. zerstörte Karl VIII. von Frankreich; er eroberte als Erbe des Hauses Anjou 1494 Neapel, verlor es jedoch wieder an Alfons II. von Aragon. Karls Nachfolger, Ludwig XII., gewann 1500 Mailand. Zur Vertreibung der Franzosen aus I. schloß Papst Julius II. 1511 mit Venedig, Spanien, England und den Schweizern die Heilige Liga; aber erst der Sieg Kaiser Karls V. über Franz I. von Frankreich bei Pavia (1525) gab Mailand den Sforza zurück; dem Sieger beugte sich hierauf ganz I., er eroberte 1527 Rom und nach der Aussöhnung mit Papst Clemens VII. 1530 Florenz, das in Alessandro de' Medici den ersten erblichen Herzog erhielt. Genua fand in dem kaiserlich gesinnten Andrea Doria 1528 seinen Befreier vom franz. Joch; Mailand (1541) und Neapel (1553) erhielt Karls V. Sohn Philipp II. als Lehn, und dieser Besitzstand ward im Frieden von Câteau-Cambrésis (1559), in welchem der Spanien ergebene Philibert von Savoyen Piemont zurückerhielt, bestätigt und damit für Jahrhunderte der österr.-span. Einfluß vorherrschend. Bis 1700 herrschte Friede in I., den nur der Erbfolgestreit über Mantua und Montferrat (1628-31) störte. Im Span. Erbfolgekriege eroberte Österreich 1706 Mailand, Mantua und Montferrat und gab letzteres an Savoyen. Der Utrechter Friede brachte Österreich Sardinien und Neapel, Savoyen erhielt Sizilien, tauschte es aber 1720 gegen Sardinien aus. Parma und Piacenza kamen 1731 nach Aussterben des Hauses Farnese an den span. Infanten Karl, nachdem dieser 1735 König beider Sizilien geworden, 1738 an Österreich, 1748 als erbliches Herzogtum an den Infanten Philipp, während Franz Stephan von Lothringen 1737 den Mediceern in Toskana nachfolgte, das er als Kaiser zu Sekundogenitur des österr.-lothring. Hauses machte. Die Franz. Revolution brachte auch I. große Umwälzungen. 1792 drangen die Franzosen in Savoyen, 1794 in Piemont und Genua ein, 1796 eroberte Bonaparte Ober-I. und errichtete 1797 die Zisalpinische Republik (s.d.); das venet. Gebiet ward 1797 im Frieden von Campo Formio an Österreich überlassen, der Kirchenstaat 1798 in die Römische, Genua in die Ligurische Republik, Neapel 1799 in die Parthenopeische Republik umgewandelt. Der Herzog von Parma erhielt 1801 Toskana als Königr. Etrurien, Parma fiel an Frankreich; 1802 wurde die Zisalpinische Republik in eine Italienische verwandelt, Piemont Frankreich einverleibt, 1805 die Ital. Republik zum Königr. I. unter Eugen Beauharnais als Vizekönig erhoben. Durch den Preßburger Frieden (1805) kam das österr. Venedig nebst Istrien und Dalmatien zum Königr. I., 1806 wurden Guastalla, die Ligurische Republik, Parma, Piacenza franz. Provinzen, Neapel als Königreich Joseph Bonaparte gegeben, dem 1808 Murat folgte. Noch 1808 wurde Etrurien, 1809 der Kirchenstaat zu Frankreich geschlagen, Toskana Elisa Bonaparte als Reichslehn verliehen, Istrien und Dalmatien dem neuen Königr. Illyrien einverleibt, 1810 mußte Bayern einen Teil von Tirol an I. abtreten. Nur in Sizilien und Sardinien behaupteten sich die alten Dynastien. Die Macht Napoleons ward durch den Krieg 1813/14 gestürzt. die Österreicher warfen das Heer des Vizekönigs bis hinter die Etsch zurück, 1814 verband sich Murat, der König von Neapel, mit ihnen, und während sie unter Graf Bellegarde Ober-I. eroberten, besetzte dieser Mittel-I. Infolge des Waffenstillstandes vom 23. April 1814 mußten die Franzosen ganz I. räumen; 1815 ward auch Murat nach einer verunglückten Schilderhebung gestürzt.

Durch die Wiener Kongreßakte vom 9. Juni 1815 wurden die Königr. Sizilien und Sardinien wiederhergestellt, letzteres durch Genua vergrößert; Österreich erhielt das neuerrichtete Lombard.-Venet. Königreich; das Haus Österreich-Este wurde wieder in Modena, Ferdinand III. in Toskana eingesetzt, auch der Kirchenstaat kam wieder unter seine alte Regierung; Napoleons Gemahlin Marie Luise wurde mit Parma und Piacenza abgefunden; Mahlta blieb den Engländern. Die neue Ordnung befriedigte I.s Völker nicht, in geheimen polit. Gesellschaften (Unitarier, Karbonari etc.) wurden die liberalen und nationalen Ideen gepflegt, und schon 1820 und 1821 brachen in Neapel und Piemont Unruhen aus; sie wurden infolge der Beschlüsse des Kongresses von Laibach durch österr. Waffen unterdrückt, ebenso wie 1831 die Aufstände in Modena, Bologna, Parma, Ancona und im Kirchenstaate. Aber die allgemeine Gärung dauerte fort, genährt durch allerlei polit. Schriften und bes. durch das Wirken des »Jungen I.«, eines von Mazzini 1834 organisierten Geheimbundes; 1848 brach zuerst in Sizilien der offene Aufstand aus, er bewirkte die Einführung konstitutioneller Verfassungen in Neapel, Sardinien, Toskana und im Kirchenstaate. In Mailand nötigten die Aufständischen (18. bis 22. März) die Österreicher unter Radetzky zum Abzug, gleichzeitig rückte König Karl Albert von Sardinien als Vorkämpfer für die ital. Unabhängigkeit in die Lombardei ein. Der Sieg Radetzkys bei Custozza (25. Juli) und die Einnahme Mailands zwangen ihn aber zum Waffenstillstand (9. Aug.). Als er 1849 den Krieg erneuerte, ward er 23. März bei Novara entscheidend geschlagen und dankte zugunsten seines Sohnes Viktor Emanuel II. ab. Die zu Rom nach der Flucht des Papstes (7. Febr. 1849) proklamierte Republik endete mit der Herstellung der päpstl. Herrschaft (3. Juli) durch die Franzosen. Nachdem auch Sizilien unterworfen und Venedig (28. Aug. 1849) gefallen, war die österr. Macht in Ober-I. wiederhergestellt, und es begann nun eine gewaltsame Reaktion, von der nur das Königr. Sardinien unter den Ministerien Massimo d'Azeglio (1849-52) und Cavour (1852-59) frei blieb. Die liberale und nationale Politik derselben veranlaßte Reibungen mit Österreich; seine Teilnahme am Krimkrieg (1855) und sein Bündnis mit Frankreich führte zum völligen Bruch. Das österr. Ultimatum vom 19. April 1859, wonach Sardinien entwaffnen sollte, ward 26. April abgelehnt; 29. April bereits überschritten die Österreicher die sardin. Grenze, mußten sich aber, nachdem sie von der vereinigten franz.-ital. Armee bei Magenta (4. Juni) geschlagen waren, auf die Minciolinie und das Festungsviereck zurückziehen und erlitten bei Solferino (24. Juni) eine abermalige Niederlage. Der Erfolg der sardin.-franz. Waffen hatte die Flucht des Großherzogs von Toskana, der Herzogin von Parma und des Herzogs von Modena zur Folge, die Romagna schüttelte das päpstl. Joch ab, überall bildeten sich provisorische Regierungen, welche den sardin. Schutz beanspruchten. Durch die Friedenspräliminarien von Villafranca (11. Juli) verlor Österreich die Lombardei, die mittelital. Fürstentümer mit dem österr. Venetien sollten unter dem Ehrenpräsidium des Papstes eine ital. Konföderation bilden; doch noch vor dem definitiven Frieden zu Zürich (10. Nov. 1859) wurden die bisherigen Dynastien das. durch Dekrete des Volks abgesetzt, die Konföderation wurde unmöglich, und Cavour, seit 1860 wieder Minister, führte, begünstigt durch England und der Zustimmung Napoleons durch die Abtretung von Savoyen und Nizza (24. März 1860) versichert, seine Annexionspolitik zu Ende. Nach einer allgemeinen Volksabstimmung [880] wurden durch Dekrete vom 18. und 22. März 1860 das aus Parma, Modena und Romagna gebildete Gouv. Emilia und das Großhrzgt. Toskana mit dem Königr. Sardinien vereinigt. In Neapel hielt König Franz II. an dem reaktionären System fest; als Garibaldi mit seinen Freischaren 11. Mai 1860 auf Sizilien landete, erhob sich die Bevölkerung überall gegen die neapolit. Regierung, und schon 7. Sept. hielt er als Diktator in Neapel seinen Einzug. Gegen den Kirchenstaat ward ein sardin. Heer abgesandt; es schlug 18. Sept. 1860 die päpstl. Armee bei Castelfidardo und schloß dann Franz II. mit dem Rest des neapolit. Heers in Gaëta ein, wo er sich 13. Febr. 1861 ergab. Nachdem die Annexion Neapels und Siziliens (21. Okt.) sowie Umbriens und der Marken (4. und 5. Nov. 1860) durch Volksabstimmung formell sanktioniert war, vereinigte Viktor Emanuel ganz I. mit Ausnhame des österr. Venedig, der Republik San Marino und des Patrimonium Petri unter seinem Zepter und nahm 17. März 1861 den Titel »König von I.« an. Kaum war dieses Ziel erreicht, so starb Cavour. Die Konsolidierung des neuen Staates bereitete den Ministern Ricasoli, Rattazzi, Minghetti, La Marmora große Schwierigkeiten. Um Rom zu erobern, setzte Garibaldi 24. Aug. 1862 von Catania aus mit 2000 Freiwilligen nach Kalabrien über, wurde aber von den Regierungstruppen bei Aspromonte aufgehalten, verwundet und gefangen (29. Aug.). Durch Konvention vom 15. Sept. 1864 verpflichtete sich Napoleon III., seine Truppen binnen zwei Jahren aus Rom zu ziehen, wogegen die ital. Regierung versprach, das Gebiet des Papstes gegen jeden Angriff von außen zu schützen. 26. April 1865 ward Florenz zur Hauptstadt erklärt. Um Venetien zu erobern, schloß I. 8. April 1866 mit Preußen ein Bündnis; 20. Juni erklärte es Österreich den Krieg. Trotz der Niederlage des Heers bei Custozza (24. Juni) und der Flotte bei Lissa (20. Juli) erhielt I. im Wiener Frieden (3. Okt.) Venetien, das Kaiser Franz Joseph I. schon nach dem preuß. Siege bei Königgrätz an Napoleon III. abgetreten hatte. Nachdem die Franzosen Ende 1866 gemäß der Septemberkonvention von 1864 Rom geräumt hatten, war I. von jeder Fremdherrschaft befreit und wendete sich nun der Besserung seiner Finanzverhältnisse durch den Verkauf von Kirchengütern zu. Ein neuer Schlag für I. war die Wiedersetzung Roms durch die Franzosen (1867), nachdem Garibaldis Versuch, dasselbe auf eigene Faust zu erobern, bei Mentana (3. Nov. 1867) abgeschlagen war. Der Deutsch- Franz. Krieg veranlaßte die Zurückziehung der franz. Truppen aus Rom, worauf 11. Sept. 1870 die ital. Armee in den Kirchenstaat einmarschierte; 20. Sept. ward Rom besetzt, nach allgemeiner Volksabstimmung (2. Okt.) durch Dekret vom 8. Okt. der Kirchenstaat dem Königr. I. einverleibt, 26. Jan. 1971 der Regierungssitz nach Rom verlegt. Der König zog 2. Juli in den Quirinal ein, nachdem das Verhältnis zwischen Staat und Kirche durch das vom Papste allerdings nicht anerkannte Garantiegesetz vom 13. Mai geregelt war. Das Parlament, 27. Nov. 1871 zuerst in Rom eröffnet, bewilligte reichliche Mittel für die Reorganisation der Armee und Marine, behandelte aber wenig geschickt und energisch die kirchlich-polit. Fragen. Die alte von Cavour gegründete Regierungspartei wurde immer schwächer, und das 1873 gebildete Ministerium Minghetti mußte 1876 den Radikalen die Herrschaft abtreten, die in der Kammer eine große Majorität besaßen; doch wechselten ihre Kabinette (Depretis, Cairoli, Crispi) wegen der Zersplitterung der Partei in rascher Folge. 9. Jan. 1879 starb Viktor Emanuel II.; ihm folgte sein Sohn Humbert I. Das durch die Besetzung von Tunis seitens der Franzosen (1881) sich geltend machende Bedürfnis nach einem Rückhalt führte I. 1883 dem deutsch-österr. Bündnis zu, das seitdem mehrfach erneuert eine feste Stütze der ital. Politik wurde. Bes. war es Crispi, der, 1887-91 und 1893-96 Ministerpräsident, an dem Dreibunde festhielt, namentlich seitdem I. durch die Begründung seiner Kolonie Erythräa (s.d.) in kriegerische Verwicklungen mit Abessinien geraten war. Diese Schwierigkeiten wurden zwar zunächst durch den Vertrag von Uccialli (1889) befestigt, worin Menilek von Abessinien das ital. Protektorat anerkannte; doch kam es 1895 zu neuen Feindseligkeiten, die nach einigen siegreichen Gefechten bei Coatit und Senasu endlich mit den schweren Niederlagen bei Amba Aladschi (8. Dez. 1895) und Adua (1. März 1896) endigten und I. zu dem Frieden von Addis Abeba (26. Okt. 1896) nötigten, in dem es Abessiniens Unabhängigkeit anerkennen und sich auf die Mareb-Belesalinie zurückziehen mußte. Dieser Mißerfolg führte den Sturz Crispis herbei und brachte das mehr rechts stehende Kabinett Rudinì ans Ruder. Aufstände, die sich im Frühling 1898 von Sizilien aus über fast ganz I. ausbreiteten und namentlich in Mailand einen so ernsten Charakter annahmen, daß sie erst nach schweren Kämpfen niedergeworfen werden konnten, veranlaßten abermals einen Ministerwechsel. General Pelloux, der die Regierung übernahm und sich zur Aufrechterhaltung der Ordnung ein ausgedehntes Beaufsichtigungsrecht über Presse und Vereine, zunächst auf ein Jahr, bewilligen ließ, rief, als er dieses Gesetz zu einem dauernden zu machen suchte, die lebhafteste Opposition der Linken hervor. Juni 1900 räumte Pelloux dem liberalen Saracco den Platz. Am 29. Juli 1900 fiel König Humbert einem anarchistischen Attentat zum Opfer. Sein einziger Sohn bestieg als Viktor Emanuel III. den Thron. Das neue Febr. 1901 von Zanardelli gebildete Kabinett stütze sich noch mehr als das frühere auf die Linke und hatte wichtige Erfolge in der Sicherung der innern und äußern Politik; doch mußte es Okt. 1903 einem Kabinett Giolitti weichen, dem die Sozialisten die Gefolgschaft versagten. Ein von diesen Sept. 1904 proklamierter Generalstreik endete schnell ohne Erfolg und brachte der Regierung weitere Zustimmung. Dem Anfang März 1905 zurücktretenden Kabinett folgte ein solches unter Fortis, unter dem 19. April die Verstaatlichung des Eisenbahnbetriebs von der Kammer genehmigt wurde. Literatur. Nissen (1883 fg.), Strafforello (ital., 1891 fg.), Premoli (ital., 1891), Deecke (2 Bde., 1898), P. D. Fischer (2. Aufl. 1901), Reclus und Brunialti (ital., 2 Bde., 1902-4), Th. Fischer (ital., 1902), Hehn (9. Aufl. 1905). Zur Geschichte: Leo (5 Bde., 1829-32), Reumont (6 Bde., 1853-57), Hartmann (Mittelalter, 1897 fg.); neuere und neuste Zeit von Reuchlin (4 Bde., 1859-73), Orsi (deutsch 1902).

Quelle:
Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911., S. 878-881.
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