Bär

1. Als der Bär1 die Schickung begehrt, verlor er Ohren und Handschuh.Eiselein, 54.

1) In Reineke Fuchs.


2. Auch die jungen Bären brummen schon.


3. Bär bleibt Bär, führt man ihn auch übers Meer.

Frz.: On a beau passer les mers, on change de climat, et non d'humeur.


4. Bär und Büffel können keinen Fuchs fangen. Simrock, 720.

Die plumpe Einfalt vermag nichts gegen die feine Schlauheit und Durchtriebenheit.


5. Bär und Petz ist Eine Hetz.

Die Aenderung des Namens thut's nicht, wenn die Sache, die Person dieselbe bleibt.


6. Bären fressen keinen Sommer.


7. Bären, Löwen, wilde Schwein drey böse thier zu zemen sein.Henisch, 172.


8. Bären muss man nicht reizen.

Dän.: Det er ei godt at stinge biørn med skev.


9. Bei Bären und Thoren ist mancher Schlag verloren.

Dän.: At slaae biørnen med riis.


10. Den Bären fängt, wer kann, nicht wer will. (Russ.)


11. Der Bär brüllt, wenn ihm eine Eichel auf die Nase fällt, und schweigt, wenn ihn ein Ast drückt. (Lit.)


12. Der Bär brummt, wenn er gezüchtigt wird.


13. Der Bär hat unrecht, dass er die Kuh gefressen, die Kuh hat unrecht, dass sie in den Wald hineingegangen. (Russ.)


14. Der Bär ist los.

Es gibt hier viel zu thun.


15. Der Bär ist noch im Walde und man theilt schon sein Fell.


16. Der Bär ist todt, fort mit der Trompete! (Lit.)


17. Der Bär liebt wol den Honig, aber er macht nicht Jagd auf Bienen.


18. Der Bar mog noch su grimmig sein, su letter sich doch kratzen. (Oberharz.) – Lohrengel, I, 181.


19. Der Bär starb und der Dudelsack blieb übrig.


20. Der grosse Bär dreht sich immer rechts, verständig gehen die Sterne am Himmel.


21. Des Bären Nähe kündigt sich durch Brummen an.


22. Die Bären brummen.Simrock, 725; Eisenhart, 426.

Die Gläubiger wollen bezahlt sein.


23. Die den Bären sehen und nicht gern stechen, thun als sähen sie ihn nicht und suchen ihn.


24. Ein Bär brummt über den andern.


25. Ein Bär, der Ameisen fangen soll, hat auch eine lange Schnauze.


26. Ein Bär, der Honig hat, klaubt keinen Knochen ab.


[230] 27. Ein Bär, der kurz gebunden ist, kann nicht weit beissen.

Dän.: Der bidor biørn som hau bunden er.


28. Ein beer ist ein gross thier, noch kan er kein fuchs fahen.Henisch, 374.


29. Ein gelehrter Bär kommt im Walde nicht weit.

30. Ein gelernter Bär tanzt für jeden, der ihn füttert.

Gegen Verkäuflinge, die für Geld allen alles sind.


31. Ein hungriger Bär tanzt schlecht (nicht).


32. Einem alten Bären ist schwer (bös) tanzen lehren.Lohrengel, 73.


33. Einem hungrigen Bären muss man nicht die Hand reichen.


34. Einem schnaubenden Bären muss man nicht auf der Nase spielen.

Reize nicht, wer dir schaden kann, besonders den nicht, der ohnehin in Leidenschaft ist.

Lat.: Fumantem nasum ursi ne tentaveris. (Faselius, 96.)


35. Einen Bären loslassen ist besser, als einen Bären anbinden.Blum, 352; Pistor., III, 6; Eisenhart, 426; Wurzbach II, 12; Simrock, 724.

Man bindet nach der Volkssprache einen Bären an, wenn man Schulden macht; einen Bären loslassen heisst demnach Schulden bezahlen. (S. 84.)


36. Einen Bären schlägt man nicht mit einem Strohhalm.


37. Es geht sich leichter mit Bären um, als mit tollem Publikum.


38. Es ist ein närrisch ding, so einer nach Bären jaget, vnd hat nit hund, da er mit könt ein hasen wol gefallen.Henisch, 172.


39. Es lieben faule Bären von fremdem Honig sich zu nähren.

Von denen, die auf Unkosten anderer leben. Der Baltimore-Wecker (1853, Nr. 274) wendet es auf die Aemterschnapper an, auf die politischen Runners und auf die Amtleute und ihre Büttel, welche das Volk als einen Luftballon betrachten, vermittelst dessen sie in den Sessel der Ehre und Ruhe, d.h. in den Beutel des Volks fliegen, um sich von dessen Honig zu mästen.


40. Faule Bären mästen sich gern von fremdem Honig.


41. Findet man beim todten Bären, kein Loch, als was er schon bei Lebzeiten gehabt, so ist er nicht erstochen, sondern verreckt. (Volksscherz bei Auerbacher.) – Eiselein, 55.


42. Jeder Bär tanzt wie er's versteht.


43. Junge Bären fallen keine Rinder an.


44. Man kann Bären (und Bauern) zähmen, warum nicht auch böse Buben?


45. Man kann dem Bären das Tanzen an Einem Tage nicht lehren.


46. Man muss den Bären erst fangen, ehe man ihm einen Ring durch die Nase zieht.


47. Man muss den Bären nicht zum Honigwächter machen.


48. Man muss einem Bären nicht trauen, wenn er auch einen Ring durch die Nase hat.


49. Vil jagen den Bären, aber niemand will jhn stechen.Henisch, 172; Guttenstein, 187; Gaal, 148.

Dän.: Mange jage biørnen, men ingen stikker den.

Engl.: Every man will shoot the enemy, but few will go to fetch the shaft.


50. Von Bären muss man keinen andern Gesang als Brummen erwarten.


51. Was der Bär im Walde, ist die Stiefmutter daheim.

Russ.: W ljesu medwjed a w domu maczicha. (Wurzbach, I, 408.)


52. Weil Bär und Löwe um die Geiss sich streiten, holt sie der Fuchs.


53. Wenn auf den Bär ein Zweiglein fällt, so brummt er; wenn ihn ein Baum zerquetscht, verstummt er.


54. Wenn dem Bären die Nase raucht, muss man ihn nicht necken.

Lat.: Fumantem nasum ursi ne tentaveris. (Martial.) (Erasm., 962.) (Wiegand, 1057.)


[231] 55. Wenn der Bär auf Lichtmess seinen Schatten sieht, kriecht er wieder auf vierzig Tage in die Höhle. (Eifel.)


56. Wenn der Bär den Pfeil schon verklagt, mit welchen Worten wird er das Jagdmesser anschuldigen? (Jakutisch.)


57. Wenn der bär hunger leidt, saugt er seine pfoten allzeit.Henisch, 172.

So muss auch thun der träge Mann, der nicht will arbeiten, wenn er kann.


58. Wenn der Bär soll tanzen lernen, muss er jung in die Schule gehen.


59. Wenn man dem Bär droht, wird er wild.

Eine Frau, die einen rauhen Mann hat, muss sanfte Saiten aufziehen.


60. Wer Bären fangen will, muss sich mit Honig versehen.


61. Wer Bären führt, hat auch an Bären seine Freude. (Lit.)


62. Wer den Bären ins Boot genommen, muss ihn auch überfahren. (Schwed.)


63. Wer den Bären nicht jagen will, der kann seine Spur nicht finden.

Dän.: Hvo som ej vil fælde biørnen, lader som han seer ham ikke.


64. Wer den bären treiben kann, der ist der Welt ein werder Mann.Henisch, 172.


65. Wer den ganzen Bären schenkt, kann sich etwas von der Haut behalten.

Holl.: Wie den geheelen beer schenkt, mag immers wel en deel van de huid vor zich behouden. (Harrebomée. I, 41.)


66. Wer einmal einen Bären im Walde gesehen hat, hört in jedem Busche sein Brummen. Altmann V.


67. Wer vor einem Bären flieht, läuft oft einem Löwen in den Rachen.


68. Wer will alle Bären hetzen, der darf nie zur Ruh' sich setzen.


69. Wer wird einem hungrigen Bären die Hand reichen!


70. Wilde Bären muss man nicht ins Haus begehren.

Holl.: Een' jongen paap, een' ouden aap, een' wilden beer, ik nimmer in mijn huis begeer. (S. Affe 14.)


71. Wilde bären sind beyeinander geren.Henisch, 172; Sailer, 179.


*72. Bären fahen.Murner, Nb.


*73. Davon wird der Bär taumeln.


*74. De wille Bär löppet dör dat Koren. (Westf.)

Wird gesagt, wenn das Korn wogt.


*75. Dem russischen Bären die Tatzen lecken.

Der russischen Politik dienen, schmeicheln.


*76. Den Bären entgehen und dann von den Wölfen gefressen werden.


*77. Den Bären loslassen.

Den Leidenschaften, den Ausbrüchen der Lust und des Muthwillens den Zügel schiessen lassen.

Holl.: Hij laat den beer los. (Sprenger III, 8, 101.)


*78. Den Bären suchen und vor ihm stehen. Simrock, 723.


*79. Der Bär geht zu Loch.

Weidmännische Redensart.


*80. Der Bar sitt em râcht zun Ogen ros.Gomolcke, 295.


*81. Einem Bären den Ring durch die Nase ziehen.


*82. Einem einen Bären aufbinden.Wurzbach II, 12; Grimm, I, 1123; Kirchhofer, 272.

Eine handgreifliche Lüge für eine Wahrheit aufheften.


*83. Einem zornigen Bären die Nase schnäuzen.


*84. Einen Bären anbinden.Vogel, 211; plattdeutsch bei Eichwald, 88.

D.h. Schulden machen, »denn die Schuldner«, sagt ein alter Schriftsteller, »müssen den Gläubigern immer richtige Zinsen abtragen, oder sie brummen.« Das möchte indess wol eher Scherz als Herleitung des Wortes sein. Ein anderer führt an, dass sich der Bär mitten im Winter ein Lager von Moos in seiner Höhle mache und hat in einer alten Urkunde eine hierauf bezügliche Stelle gefunden, lautend: »Die Zinsen zu reichen, wenn der Bär im Moos liegt«, also dass gleichsam der, so seine Zinsen noch nicht entrichtet hat, wenn der Bär schon aus dem Lager geht, ihn wieder anbinden muss. Aber auch daraus lässt sich diese Redensart [232] nicht völlig erklären. Der Ursprung derselben wird auch folgendermassen erzählt: Ein Bärenführer kam einige Tage vor der leipziger Messe in diese Stadt und bezog mit seinem Vierfüssler eine ärmliche Wohnung in der Vorstadt, in der Hoffnung einer guten Einnahme, weil damals die Erscheinung eines Bären keine gewöhnliche war. Er lebte herrlich und in Freuden und liess den Wirth, unbekümmert wegen der Zahlung, anschreiben. Endlich trat die Messfreiheit ein und hoffnungtrunken eilte der Sarmate in den Stall, um Pätzens Künste zu verwerthen; allein er fand seinen Broterwerber todt. Sein Angstgeschrei lockte den Wirth hinein, welcher nun ernstlich auf Befriedigung drang, und im Nichterfüllungsfalle mit dem Arm der Gerechtigkeit drohte. Der Bärenführer versprach Zahlung bei seinen Landsleuten aufzutreiben und, wenn alle Stränge rissen, mit des Bären Haut zu bezahlen, wodurch er den Wirth einstweilen beschwichtigte, klüglich aber den Stallschlüssel, welcher das Behältniss, worin sich die Haut und der Cadaver befand, an sich nahm. Der Pole ging fort, kehrte abends wieder, genoss eine gute Mahlzeit und legte sich schlafen. Im Dunkel der Nacht, da alle im Gasthofe ruhten, erwachte der Bärenführer auf seinem Lager, schlich sich in den Hof und trennte leise ein Stallbret, bemächtigte sich der Haut, band den Cadaver des Thiers an die Krippe, machte sich sofort aus dem Staube und liess am kommenden Morgen dem Wirthe, der sich an das nutzlose Fleisch nicht halten konnte, zu seinem grössten Aerger und Verdruss das leere Nachsehen. Diese Erklärung ist mir handschriftlich aus Kamenz in Sachsen zugegangen. – In Baiern soll: »An Bärn anbinden«, soviel bedeuten als einem eine Lüge, ein Märchen aufheften. (Zaupser.)


*85. Ennen Baar an 't Seil hebben. (Meurs.) – Firmenich, I, 400, 22.


*86. Er ist ein ungeleckter Bär.

Plumper, roher, ungeschickter Mensch.

Holl.: Het is een ongelikte beer. (Sprenger III, 7.)


*87. Er ist wie ein Bär, er trauert, wenn schön Wetter ist.

Von jemand, der durch heiteres Wesen anderer verstimmt wird.


*88. Er sucht den Bären vnd steht vor jhm.Henisch, 172.

D.h. er sucht Ausflucht aus Furcht und lässt das gegenwärtige Geschäft fahren.


*89. Es ist, ihm ein (oder: noch kein) Bär in den Weg gekommen.

Anfechtung.


*90. Es lernt ja ein Bär das Tanzen. (Meiningen.)


*91. Wenn der Bär da ist, seine Spur suchen.

Von denen, die sich auch einer gegenwärtigen Arbeit entziehen und zu andern Dingen wenden. Furchtsamen Jägern entlehnt, die leugnen, einen Bären gesehen zu haben und seine Spur zu verfolgen vorgeben, wo keine Gefahr ist.

*92. Wie ein Bär, der sich weder melken, noch in Parade aufführen, noch reiten lässt. Burckhardt, 266.

Von einem unbrauchbaren Tölpel.


[Zusätze und Ergänzungen]

zu36.

Dän.: Det er ey godt at stinge björn med skew. (Prov. dan., 72.)


zu84.

»Wie ich einem hie, dem andern dort einen Beeren angebunden.« (Simplic., 594.)

Holl.: Jemand eene klets van zetten. (Harrebomée, I, 414a.)


zu86.

Vgl. Klosterspiegel, 82, 2.


93. Auch ein Bär kann wie eine Nachtigall singen, wenn es ihm in den Kram passt.Neue Freie Presse, 26. Mai 1877.


[897] 94. Bäs em de Biéren nit huet, terf em det Fiel net verdräinjken.Schuster, 125.


95. Dem ôle Bärn ös schlömm danze lêre. Frischbier, II, 259.


96. Den Bären kann man an keinen Strohhalm binden.

Dän.: Det er ikke godt at stinge biörn med skiev. (Bohn I, 360.)


97. Der Bär beisst sich mit einem Hunde, aber er verfolgt keine Vögel.

Dän.: Björn bides med rasker hund, og ey med flyvende fugl. (Prov. dan., 72.)


98. Der Bär tanzt nicht, weil er Lust hat; er tanzt, weil er muss.Schulter, 23.


99. Der Bär wüthet da, wo er angebunden ist.

Lat.: Vrsus grassatur mordens vbi funiculatur. (Reuterdahl, 1072.)

Schwed.: Ther bither biörn som bundhin aer. (Reuterdahl, 1072.)


100. Der Bier morwelt en soanjt (singt): ech bän der Grest, ech bän der Grest. (Schässburg.) – Firmenich, III, 424, 4.


101. Der junge Bär brummt, wie der alte.

Lat.: Vrsini fetus grunit vt ante vetus. (Reuterdahl, 1073.)

Schwed.: Swa grymtar griis som gamel swiin fore. (Reuterdahl, 1073.)


102. Einen Bären muss man nicht reizen.

Lat.: Non cum festuca siluestris leditur vrso. (Reuterdahl, 594.)

Schwed.: Thz aer ey goth at stinga biörn mz naal. (Reuterdahl, 594.)


103. Erst muss man den Bären fangen, eh' man seine Haut verkauft.

It.: Pigliamo prima l' orso, e poi vendiamo la pelle. (Bohn I, 120.)


104. Hungrige Bären tanzen übel.

Lat.: Ni satus est ursus, facile haud saltare videbis. (Binder II, 2069.)


105. Ich frag nicht nach dess Beeren brummen, frist er mich, er muss mich wieder scheissen.Henisch, 533, 33.


106. Mancher ist wie ein Beer vnd trawert, wenn's schön Wetter ist.Lehmann, 754, 14.


107. Mät Biére' sâl em sich nit bräinjen.Schuster, 127.


108. Mit jungen Bären ist bös spielen.

Dän.: Ilde er rakke at leege med björne-hvalpe. (Prov. dan., 324.)


109. Noe hoe frälich äs der Bier der beest Diinger. (Schässburg.) – Firmenich, III, 424, 3.


110. Scherze nicht mit einem Bären, willst du dich seiner Wuth erwehren.

It.: Non scherzare coll' orso, se non vuoi esser morso. (Bohn I, 113; Giani, 1516.)


111. Vngezempte Beeren sol niemand in sein Haus begeren.Eyering, I, 34.


112. Wenn der Bär auch noch so brummt, tanzen muss er doch.Frischbier, I, 240.


113. Wenn der Bär Honig findet, so lässt er sich nicht lange bitten.

Kroat.: Ako medved ima meda, ima ga i kam deti. (Čelakovský, 30.)


114. Wenn der Bär schnaubt, muss man ihm aus dem Wege gehen.

Man muss ihn nicht reizen; mit einem Wüthenden soll man nicht anbinden.

Lat.: Fumantem nasum ursi ne tentaveris. (Martial.) (Hanzely, 224; Philippi, I, 165.)


115. Wenn ein Bär auch nicht schön ist, so hat er doch einen hübschen Gang (oder: so tanzt er doch hübsch), sagte der Slovak.

Engl.: If that the course be fair, again and again, quoth Bunny to his bear. (Bohn II, 149.)


116. Wer den Bären nicht stechen will, der thut als säh' er ihn nicht.Grubb, 556.


117. Wie die alten Bâren spielen, so scherzen die jungen.

Lat.: Vrsini fetus joca torua manent catulastris. (Reuterdahl, 1074.)


*118. A gläserner Bär. (Jüd.-deutsch. Warschau.)

Ein plumper Mensch. Zur Schwerfälligkeit des Bären wird hier noch die Zerbrechlichkeit des Stoffes hinzugesellt. (S. Vogel, bleierner.)


[898] *119. Da hett he en Bären brummen.Schütze, I, 54.

Da ist er schuldig.


*120. Dar hest ôk'n Bâr anbunden.Kern, 574.

Hast dich anführen lassen. Sonst in der Bedeutung von Schulden machen.


*121. Das heisst einen Bären bei den Zähnen fassen.

Engl.: You dare as well take a bear by te tooth. (Bohn II, 149.)


*122. Da müsste der Bär zum Lamme werden.


*123. Dem Bär ins Ohr blasen.

»Indem ein Johannes dem Herodi das Gewissen ritzet, hat er den Bär ins Ohr geblasen. Johannes muss mit seiner Unschuld ins Loch kriechen.« (Herberger, I, 26.)


*124. Den Bären brummen lassen.

»Der Bürgervorstand musst' vor Aerger verstummen; die ganze Stadt, sie lacht ihn aus, und liess den Bären brummen.« (Kladderatatsch, 1871, Nr. 31, 1. Beil.)


*125. Den Bären treiben.

»Wann ich hab zwischen beyden lieben, den Beren jn trewlich getrieben.« (Hans Sachs, III, III, 2.)


*126. Der Bär geht durchs Korn, der Bär ist im Korn. (Unterinnthal.) – Heber, 32.

Wenn der Wind im Korn Wellen wirft.


*127. Der Beer brummt.Franck, I, 47a.


*128. Des Bären Fell verkaufen, ehe der Bär gestochen ist.

Lat.: Priusquam mactaris, excorias. (Binder II, 2657; Faselius, 209; Wiegand, 984.)


*129. Dich hat der Bär geleckt.Oec. rur., 14, 593.

»Man schreibet von der Bärin, dass sie nur kleine 4 stücklein Fleisch geberet, die nicht viel grösser seyn den Meuse, haben auch keine Augen und kein Haar; nur die Klämichen siehet man ein wenig an Füssen. Darnach belecken sie Vatter und mutter so lang biss sie zu jungen Bährichen werden.« (Oec. rur., 14, 593.)


*130. Ea hod ins an Ped'n aunpunt'n. (Steiermark.) – Firmenich, II, 768, 96.

Er hat uns einen Bären angebunden.


*131. Einen Bären schiessen.

Wenn die Burschen im Winter beim Heuziehen mit einem oder mehreren Büscheln Heu umwerfen, sodass dieselben aus dem Seil fallen, so sagt man: sie bären, oder: sie schiessen einen Bären. (Heber, 29.)


*132. Er hat den Bären noch nicht im Sack. Gotthelf, Uli der Knecht, 194.


*133. Er hat einen guten Bären brummen. Klein, I, 36; Frischbier, II, 258.

Hat viel Schulden.


*134. Er ist wie ein Bär, schläft er nicht, so brummt er. (Brünn.)


*135. Er sucht den Bern vnd steht vor jm. Franck, I, 51a.


*136. He hett en Bâren anbunnen.Schütze, I, 54.


*137. Ja, dass dich der Bär herze.

Im Jahre 1631 hat eine Jungfer nicht weit von Hundshübel im sächsischen Erzgebirge das Vieh von Waldhäusern auf die Weide getrieben, da sie sich dann hingesetzt und nach erzgebirgischer Art geklöppelt. Ehe sie sich's nun versieht, kommt ein grosser Bär hinter sie geschlichen, dass sie ganz ungemein erschrickt und nicht weiss, was sie machen soll. Der Bär thut ihr aber nichts, sondern berührt sie und tatscht sie mit seinen Tatzen ganz sauber an, gleich als wüsste er, was für einen Respekt er dem Frauenzimmer schuldig sei. Da nun der zottige Bär sich ganz höflich gegen sie aufführt und sie herzen zu wollen Anstalt macht, entschliesst sich das Mädchen kurz und läuft unter das Vieh. Dieses drängt sich zusammen und geht auf den Bären los, bis das Mädchen schreit und ihre Aeltern nebst andern Waldleuten zu Hülfe ruft. Da nimmt der Bär reissaus. Nachher ist aber jenes Sprichwort beständig geblieben und von jedermann, um eine Verwunderung auszudrücken, gebraucht worden. (Vgl. Curiosa Sax., 1731, S. 47 u. Grässe, Sagenschatz, S. 326.)


*138. Lernt doch ein Bär tanzen.

Auch wenig begabte Kinder lernen etwas. Erziehung und Schule bilden den Menschen.


*139. Peter Bär, krup ön e Narsch, denn kömt hei vär.Frischbier, I, 241.

Dient in einigen Gegenden der Provinz Preussen, z.B. Angerburg, als Antwort auf die Frage: Wer? In andern antwortet man auf dieselbe Frage: Peter Bär mit der langen Schêr.


*140. Wenn es ein Bär war, er würde dich beissen.

Wenn jemand etwas Naheliegendes nicht findet.

Engl.: If it were a bear, it would bite you. (Bohn II, 149.)


*141. Wer soll den Bären lecken?Demokrit, I, 7.

Wer soll die schwere (Kultur-) Arbeit ausführen?


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 1. Leipzig 1867.
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