Heyden [2]

[304] Heyden, 1) (eigentlich Heyde) Jan van der, holländ. Maler, geb. 1637 in Gorkum, gest. 28. Sept. 1712 in Amsterdam, war anfangs Schüler eines Glasmalers, wendete sich aber später ausschließlich der Architekturmalerei zu und begab sich nach Amsterdam, wo er Ansichten von Kirchen, Schlössern, Palästen, öffentlichen Plätzen, Straßen, Kanälen etc. malte, die meist reich mit Staffage versehen sind. Lingelbach, A. van de Velde und Eglon van der Neer malten häufig die Figuren auf seinen klar und freundlich gefärbten Bildern. Sie sind in vielen öffentlichen Galerien zu finden. Ein Hauptwerk, die Ansicht des Stadthauses zu Amsterdam auf dem Damplatz (von 1668), besitzt das Louvre in Paris, andre das Reichsmuseum in Amsterdam. Er hat auch einige Stilleben gemalt. H. hat Reisen in Deutschland und Belgien gemacht und war auch eine Zeitlang in England tätig, hat sich auch mit Mechanik, vornehmlich mit dem Feuerlöschwesen, der Verbesserung der Feuerspritzen und der Straßenlaternen, beschäftigt und darüber 1690 eine Abhandlung mit eignen Zeichnungen veröffentlicht. Wegen dieser Verdienste wurde er Leiter der Feuerlöschanstalten in Amsterdam.

2) Friedrich August von, Dichter, geb. 3. Sept. 1789 auf dem väterlichen Landgut zu Nerfken bei Heilsberg in Ostpreußen, gest. 5. Nov. 1851 in Breslau, studierte in Königsberg, Berlin und Göttingen die Rechte, trat 1813 in ein preußisches Jägerbataillon ein, ward 1826 Regierungsrat und später Oberregierungsrat in Breslau, geriet aber in eine schiefe Stellung zum Ministerium, als er sich weigerte, das Amt eines Zensors zu übernehmen (1843). Von den Bewegungen des Jahres 1848 hielt er sich fern. H. hat sich auf verschiedenen Gebieten der Poesie versucht und sich überall als feinsinniger, formgewandter Dichter bewährt. Doch vermochte er mit seinen Dramen (»Theater«, Leipz. 1842, 3 Bde.) die Bühne nicht zu gewinnen. Bessern Erfolg hatte er mit dem Roman »Die Intriguanten« (Leipz. 1840, 2 Bde.) und den »Randzeichnungen« (das. 1841, 2 Bde.). Als seine besten Schöpfungen gelten jene kleinen Dichtungen, die das Gepräge einfach klarer Anschauung und eines liebenswürdigen Gemüts tragen, wie: »Reginald« (Berl. 1831), »Der Schuster zu Ispahan« (Leipz. 1850), »Die Königsbraut« (das. 1851) und besonders »Das Wort der Frau« (das. 1843, 24. Aufl. 1900). das Heydens Namen in weitern Kreisen bekannt machte. Nach seinem Tod erschienen »Gedichte« (mit einer Biographie hrsg. von Th. Mundt, Leipz. 1852). Vgl. Gabriel, Friedr. v. H. mit besonderer Berücksichtigung der Hohenstaufendichtungen (Bresl. 1900).

3) Otto, Maler, geb. 8. Juli 1820 in Ducherow (Vorpommern), gest. 21. Sept. 1897 in Göttingen, studierte zuerst Theologie, widmete sich aber seit 1843 der Malerei an der Berliner Akademie bei Klöber und Wach, dann seit 1847 in Paris bei L. Cogniet. Die Jahre 1850–54 verlebte er in Italien. Hier entstand neben zahlreichen Porträten und italienischen Genrebildern sein Hiob (im Stettiner Museum). 1854 nach Berlin zurückgekehrt, malte er die Stiftung der Universität Greifswald, wofür ihm diese den Doktortitel verlieh; Bogislaw X., auf seiner Wallfahrt nach Jerusalem von Seeräubern überfallen (im Stettiner Museum); Feldmarschall Schwerin in der Schlacht bei Prag (im Berliner Schloß). Der Feldzug von 1866, den er im Gefolge des Kronprinzen von Preußen mitmachte, gewährte ihm die Anregung zu den vier Bildern: die Begegnung des Kronprinzen und des Prinzen Friedrich Karl, das Eingreifen der zweiten Armee in der Schlacht bei Königgrätz, der König übergibt dem Kronprinzen den Orden pour le mérite und der siegreiche König, von seinen Truppen jubelnd umringt (1868, Berliner Nationalgalerie). Aus derselben Zeit stammen seine Bildnisse von Bismarck, Moltke und Steinmetz. 1869–70 machte er eine Reise nach Ägypten, deren Ergebnisse außer zahlreichen Studien der Teppichbasar in Kairo, ein Pferde- und Kamelmarkt der Beduinen in Kairo, an den Ufern des Nils bei Kairo und Straßenleben in Kairo waren. Er begleitete die preußische Armee auch 1870 nach Frankreich. Eine Frucht seiner dortigen Studien ist der Besuch des deutschen Kaisers bei den Verwundeten im Schloß zu Versailles. Von seinen Schöpfungen auf dem Gebiete der idealen Malerei sind eine große Komposition. Apollon mit den Musen und Grazien, und ein Abendmahl (Wandbild in der Dankeskirche zu Berlin) hervorzuheben. Der Schwerpunkt seines Schaffens lag im Bildnis, das er vornehm und geistreich zu behandeln wußte.

4) August von, Maler, Sohn von H. 2), geb. 13. Juni 1827 in Breslau, gest. 1. Juni 1897 in Berlin, ergriff den Bergmannsberuf und war schon Verwaltungschef der Bergwerke des Herzogs von Ujest geworden, als ihm die Verhältnisse gestatteten, sich der Kunst zu widmen. Er trat 1859 in Berlin in Holbeins u. 1860 in Steffecks Atelier und ging 1861 nach Paris, um bei Gleyre und Couture weiter zu studieren. Sein erstes größeres Gemälde, die heil. Barbara, die einem verunglückten Bergmann die Sterbesakramente bringt (für die Kirche in Dudweiler), erhielt im Salon 1863 eine goldene Medaille. 1866 folgte das große Gemälde: Luther und Georg von Frundsberg vor dem Reichstag zu Worms (Nürnberg, Germanisches Museum). 1867 malte er ein Bild für den Vorhang des Berliner Opernhauses, Arion auf den Meereswogen darstellend. Auf der Berliner akademischen Ausstellung von 1870 befanden sich von ihm: die Siesta, das Märchen und der Festmorgen (letzterer im Besitz der Nationalgalerie in Berlin), Schöpfungen voll poetischen Reizes. 1873 sah man in Berlin eine Prinzessin Clémence, die ihre Reize den Abgesandten des Königs von Frankreich enthüllt. Seitdem behandelte er gern romantische Motive in idealer Auffassung und meist im großen Maßstab, wie z. B. die über das Schlachtfeld reitenden Walküren (1872), Leukothea, dem Odysseus erscheinend (1874), Ödipus vor der Sphinx (1877), der Hochzeitsritt des Herrn Olof (1875), Tschionatulander und Sigune (1879), Wittichs Rettung (1880), Heureka (ein Alchimist) und Almenrausch und Edelweiß (1891). Abweichend von diesen Bildern ist das 1890 vollendete Gemälde: Treue Kameraden (Rettung von Bergarbeitern aus dem eingestürzten Schacht). Daneben hat H. monumentale und dekorative Gemälde in der Turmhalle und dem Bürgersaal (Szenen aus dem Volksleben Berlins von seinen Anfängen bis in die neueste Zeit und Bildnisse verdienter Männer) des Berliner Rathauses, im Moltkezimmer des Generalstabsgebäudes,[304] in der Berliner Nationalgalerie (Reigen des Tierkreises), im Reichsjustizamt und zwei Gemälde für das Schwurgericht in Posen (wichtige Momente aus der Geschichte der Stadt) ausgeführt. 1892 malte er einen neuen Vorhang für das Berliner Opernhaus, auf dem das Erscheinen des nordischen Skalden Bragi bei den Menschen dargestellt ist. Er war auch als Illustrator und Zeichner für das Kunstgewerbe tätig. Von 1882–1893 war er Lehrer der Kostümkunde an der Berliner Kunstakademie. Er gab heraus: »Aus der Teufe«, zwei Märchen (Berl. 1878); »Die Perlen«, ein Märchen (das. 1881), beides von ihm selbst illustriert; »Blätter für Kostümkunde« (das. 1874–91, 4 Bde.); »Die Tracht der Kulturvölker Europas« (Leipz. 1889); »Aus eigenem Rechte der Kunst« (Berl. 1894); »Jury und Kunstausstellungen« (das. 1894).

5) Friedrich von, Bruder des vorigen, Chemiker, geb. 4. Jan. 1838 in Breslau, widmete sich 1857 der militärischen Laufbahn, wurde 1859 Offizier, nahm 1865 wegen Invalidität den Abschied, studierte in Jena Chemie, promovierte 1873 mit einer Arbeit über Diazophenole und arbeitete mit Kolbe über Salizylsäure. 1874 vollendete er seine Arbeiten über eine im großen verwertbare Darstellung der Salizylsäure, und später entdeckte er gleichzeitig mit Kolbe, aber unabhängig von ihm, die antiseptischen und antizymotischen Eigenschaften der Salizylsäure. Er gründete 1874 in Radebeul bei Dresden eine chemische Fabrik zur Darstellung von Salizylsäure und öffnete dieser und ihren Derivaten das große Feld ihrer Anwendung in Medizin und Technik. Die Fabrik, die später von einer Aktiengesellschaft übernommen wurde, besitzt eine Filiale mit eignem Ausschiffungsplatz in Weißig an der Elbe und eine Filiale in Garfield bei New York, sie beschäftigt über 100 Beamte und über 1000 Arbeiter bei einem investierten Kapital von 9 Mill. Mk. H. veröffentlichte mehrere Arbeiten über die Salizylsäure und ihre Anwendung.

6) Wilhelm Karl Heinrich von, preuß. Minister, geb. 16. März 1839 in Stettin, studierte die Rechte, trat 1861 in den Staatsjustizdienst, machte den Krieg 1866 mit und wurde 1867 kommissarischer, 1868 wirklich er Landrat des Kreises Demmin, wo er das Rittergut Kadow besitzt. In den Provinziallandtag und 1877 auch in das Abgeordnetenhaus gewählt, dem H. als Mitglied der neukonservativen Partei bis 1889 angehörte, war er 1877–81 Landesdirektor von Pommern und 1881–83 Polizeipräsident von Stettin, wurde 1883 Regierungspräsident in Frankfurt a. O., 1884 Mitglied des Staatsrats, im November 1890, nach dem Rücktritt des Freiherrn v. Lucius, Minister der Landwirtschaft und trat im Oktober 1894 zurück.

7) Feodor, Graf, s. Heiden 1).

8) Adolf, Architekt, s. Kyllmann.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 9. Leipzig 1907, S. 304-305.
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