Bretagne [2]

[292] Bretagne (Gesch.). Die B. begriff das alte Armorica u. war von Celten bewohnt, bes. von den Osismiern, Curiosoliten, Redonen, Namneten, Venetern. 58 v. Chr. verbanden sich diese gegen Cäsar, wurden aber besiegt, u. Armorica bildete nun unter den Römern die Provinz Lugdunensis tertia. Zu Ende des 3. Jahrh. flüchteten viele Briten vor den Sachsen hierher, wo Constantin Chlorus ihnen Wohnsitze anwies. Ihnen zogen unter dem Cäsar Maximus mehrere nach u. nannten das Land im Gegensatz zu ihrem wahren Vaterlande Britannia minor (Klein-Britannien) od. Britannia cismarina (das überseeische Britannien), woraus dann der Name B. wurde. Die B. befreite sich im 4. Jahrh. von den Römern, u. ihre Städte bildeten mehrere Republiken, die unter sich einen Bund errichteten. Mit der Zeit bildeten sich aus diesen Republiken kleine Monarchien. Der erste bekannte Fürst in B. ist Conan Meriadec, um 383 n. Chr., er st. um 400. Salomo I., Conans Enkel, um 421 Herzog, wurde 434 bei einer Empörung seiner Unterthanen getödtet; ihm folgte sein Sohn Grallon. 436 bekriegte der römische Feldherr Litorius die B., um den Tod Salomons, seines Bundesgenossen, zu rächen; obgleich von ihm besiegt, wurden die Bretonen doch nicht unterworfen. 445 (446) folgte aus Grallon sein Bruder Andren bis 464; dessen Sohn Erech (Riothimus) nahm den Titel als Herzog an; er kämpfte siegreich für Kaiser Anthemius gegen die Westgothen u. st. 478. Nach einer Zwischenregierung des grausamen Eusebius kam 490 die Herrschaft an Erechs Sohn Budich (Debrock); dieser entriß den Alanen ihre Eroberungen in Gallien u. fügte dieselben als Alania zur B. Mit ihm machten die Franken gemeinschaftliche Sache gegen die Römer an der Loire. 509 st. Budich; die Friesen fielen nun in B. ein, u. da Chlodwig ihnen half, so wurden sie unter Chlodwigs Oberherrschaft Herren der B. Budichs Sohn, Hoel I. (Rioval), welcher sich nach Großbritannien geflüchtet hatte, kam indeß 513 mit britischer Hülfe nach B. u. vertrieb die Friesen; Chlotar erkannte ihn an, jedoch nur als Grafen; sein Sohn Hoel II., der um 545 folgte, wurde 547 von seinem Bruder Conan erschlagen. Diesem Letzteren folgte 568 der noch übrige von seinen Brüdern, Macliau. 577 ermordete ihn seines Bruders Budich Sohn, Theoderich, Graf v. Cornwallis. Judual od. Alan I., Hoels II. Sohn, u. Waroc (Querich), Macliaus Sohn, hatten inzwischen Theile von der B. besetzt; 594 bekam den größten Theil Hoel III. (Juthael), Sohn Alans I., welcher den Titel König annahm u. unumschränkt in B. herrschte. 612 folgte ihm sein jüngerer Sohn Salomo II. (Gozlun) u. nach dessen Tode um 632 der ältere, Judicael, der bis dahin im Kloster gelebt hatte. Dahin kehrte er 638 zurück u. ließ die Herrschaft seinem Sohne Alan II. dem Langen; u. als dieser 690 starb, folgte zwar sein Sohn Grallo II., aber die Franken entrissen ihm einen Theil von B., welchen sie in kleine Theile spalteten u. darüber einzelne Grafen setzten. So blieb es bis zu Kaiser Ludwig dem Frommen. Unter diesem bemächtigte sich 824 (825) Nomenoes[292] (Neomanus) des größten Theils des Landes, ließ sich 840 als König der B. ausrufen, vertrieb die Bischöfe u. hielt sich auch gegen Karl den Kahlen. 851 folgte ihm Herispoes u. diesem 857 Salomo III., Nomenoes Neffe. Beide führten als Könige die Regierung unabhängig von den fränkischen Königen u. kämpften siegreich gegen Karl den Kahlen, doch unterstützte Salomo 872 die Könige gegen die Normannen. 874 wurde Salomo von den Großen seines Landes ermordet. Statt Eines Herzogs werden nun in der Reihe der Fürsten der B. die Grafen von Bannes u. die von Rennes genannt; zu den ersten gehört Pasquiten 874 bis 877, dessen Bruder Alan III. der Große bis 907, dessen Nachfolger Urmealon; zu den Grafen von Rennes gehörten Gurwand 874–877 u. dessen Sohn Judicael II. Nachdem Judicael in einer Schlacht gegen die Normannen 888 geblieben war, vereinigte Alan III. die B. auf kurze Zeit wieder. Als aber dieser Fürst 907 gestorben war u. ihm Urmealon folgte, kamen zu Anfang des 10. Jahrh. die Normannen unter Rollo wieder, eroberten die B. u. machten die Grafen zu ihren Vasallen. 987 wurde Conan I., Graf von Rennes, einziger Herr von B. u. nahm auch den Titel eines Herzogs wieder an; eben so sein Sohn Gottfried I. (992–1008). Alan V. st. 1040; sein Sohn, Herzog Conan II. (1040–1066), lehnte sich gegen die normannische Herrschaft auf. Er bekriegte 1066 mit Glück den Herzog Wilhelm den Eroberer u. hatte eben Chateau-Gauthier erobert, als er 1066 starb. Sein Nachfolger Hoel V. setzte den Krieg fort, König Philipp von Frankreich unterstützte ihn, u. die B. wurde wieder ein directes Lehn der französischen Krone. Hoels Nachfolger 1084, Alan VI., wurde 1108 vom König Heinrich I. von England u. Herzog von der Normandie wieder zur Huldigung gezwungen; er starb 1112. Sein mit Mathilde, einer natürlichen Tochter des Königs Heinrich I. von England, vermählter Sohn Conan III. folgte ihm, erklärte vor seinem Tode 1148 seinen Sohn Hoel für unecht, wurde aber dennoch als Hoel VI. in Nantes als Herzog anerkannt. Sein Schwager Eudo, der 2. Gemahl Berthas, Conans III. Tochter, vertrieb ihn zwar, aber Nantes u. die östliche B. wählten Gottfried, den Bruder des Königs Heinrich II. von England, zu ihrem Fürsten, u. die B. zerfiel nun in die westliche u. östliche B. Der Sohn Berthas aus 1. Ehe mit Alan von Penthièvre, Conan IV. der Kleine, vertrieb seinen Stiefvater Eudo mit Englands Hülfe, u. als Gottfried 1158 starb, bemächtigte sich England des östlichen Theils. Mit französischer Hülfe suchte Eudo sich wieder des Herzogthums zu bemächtigen; Conan IV. rief aber die Engländer zu Hülfe, verlobte seine Erbtochter Constanze mit Gottfried von Anjou, dem 3. Sohne des Königs von England, u. trat diesem 1166 das Land ab. Die B. war jetzt in zwei Parteien, die französische u. normännische, gespalten, u. die alte Bretonische Sprache u. Volkseigenthümlichkeit verlor sich allmälig. 1169 wurde Prinz Heinrich von England, Königs Heinrich II. ältester Sohn, Herr der ganzen B., trat sie aber an Gottfried II., seinen Bruder, ab. Als Conan IV. 1171 starb, empörten sich mehrere bretonische Große zu Gunsten Eudo's, des Stiefvaters Conans, wurden aber durch die englische Partei besiegt. Gottfried hinterließ bei seinem Tode 1186 eine Tochter, Eleonore, u. seine Gemahlin Constanze schwanger.

Philipp August, König von Frankreich, verlangte als Oberlehnsherr die Vormundschaft; England widersprach, u. es kam zum Krieg, welcher 1188 mit einem Vergleiche endigte. Constanze gebar 1187 einen Sohn Arthur I., welcher 1199 nach des Königs Richard Löwenherz Tode eigentlich der nächste Erbe des englischen Thrones war, sich aber mit der Grafschaft Anjou, Tours u. Maine begnügte. Er vermählte sich 1201 mit Maria von Frankreich u. fiel 1202 in Poitou ein, um dieses Land seinem Oheim, dem König Johann von England, zu entreißen. Er wurde gefangen genommen u. 1203 ermordet. Philipp August erklärte deshalb als Oberlehnsherr den König Johann der französischen Lehen für verlustig u. eroberte 1203 die Normandie, 1204 Aquitanien u. 1206 B., wo sich der dritte Gemahl Constanzens, Graf Guy von Thouars, zum Herrn aufgeworfen hatte, da Alix, die Tochter Arthurs, noch im Kindesalter war. Guy, der es mit England hielt, mußte sich unterwerfen; 1213 vermählte sich Alix von B. mit Peter von Dreux (Mauclerc), welcher das Land von Frankreich in Lehen nahm. Peter griff Geistlichkeit u. Adel, die sich ihm widersetzten, an u. schlug ihre Truppen 1222 bei Chateaubriand. Alix starb u. Peter führte nun als Vormund ihrer Kinder die Regierung. Er kriegte 1227 mit dem Grafen Thibaut von Champagne gegen Blanca von Castilien, Vormünderin ihres Sohnes Ludwig IX. von Frankreich, u. 1228 mit dem Herzog von Guienne gegen diesen selbst, erhielt jedoch Verzeihung, u. Ludwig IX. versprach seinem Sohne, Johann I. dem Rothen, bei dessen Mündigkeit die B. zu übergeben. Dies geschah 1237. Johann begleitete 1248 Ludwig IX. nach Palästina. Als Gemahl der Gräfin Blanca von Champagne machte er 1254 nach dem Tode seines Schwiegervaters vergebens aus einen Theil von dessen Erbe Anspruch u. st. 1286. Sein Sohn Johann II., Schwiegersohn des Königs Heinrich III. von England, trat 1294 auf Englands Seite gegen Philipp den Schönen von Frankreich; da er aber 1297 die englische Partei wieder verließ, wurde er zum Pair von Frankreich u. zum Herzog ernannt; er st. 1305; ihm folgte sein Sohn Arthur II., der bis 1312 friedlich regierte, so wie sein Sohn Johann III. bis 1341. Johann III. hatte keine Kinder, u. sein Bruder Guy von Penthièvre, der vor ihm starb, hinterließ nur eine Tochter, Johanna die Hinkende. Dagegen lebte noch ein Halbbruder, Johann von Montfort, der Sohn Arthurs II. aus zweiter Ehe mit Jolande von Dreux-Montfort. Nach Salischem Gesetze mußte dieser folgen, nach Altbretagnischem Gebrauche aber fiel das Land an Johanna, die 1337 an Karl von Blois verheirathet wurde, u. welche ihr Oheim in seinem Testamente zur Erbin der B. bestimmte, nachdem die Stände verweigert hatten, die. B. gegen Orleans an Frankreich zu vertauschen. Über diese Streitpunkte begann der Bretagnische Erbfolgestreit. Johann (IV.) von Montfort bemächtigte sich nach Johanns III. Tode sogleich eines Theiles der B., eroberte Brest, Rennes, Vannes, Nantes, Hennebon, Auray etc. u. versprach, Eduard III. von England wieder als Oberlehensherr anzuerkennen, wenn ihm dieser zum Besitz des Landes verhelfe. Karl suchte die Hülfe des Königs von Frankreich, Philipps VI., u. dieser berief beide Prätendenten nach Paris, um dort durch den Gerichtshof der Pairs die Sache entscheiden zu lassen. Dieser erkannte Karl u. seine Gemahlin als rechtmäßige[293] Herren der B. an, Johann entfloh aber, von der Entscheidung zeitig benachrichtigt, u. rüstete sich zur Gegenwehr; ein französisches Heer rückte dort ein u. eroberte Nantes, wo Johann gefangen genommen wurde. Jetzt behauptete sich seine Gemahlin, Johanna von Flandern, in Hennebon, zeigte ihren dreijährigen Sohn dem Volke u. hielt sich mit englischer Hülfe. Eduard III. kam selbst nach B. u. schloß 1343 einen Waffenstillstand in Mallestrat auf 3 Jahre, dem zu Folge Johann aus der Gefangenschaft entlassen wurde, unter der Bedingung, nicht nach B. zurückzukehren, so lange der Waffenstillstand dauere. Johann brach diese Bedingung, aber er fand das Land größtentheils in den Händen Karls, u. wenn er auch Dinant eroberte, so konnte er doch, da die Hülfe aus England ausblieb, nicht zum Ziele kommen u. st. 1345 in Hennebon. Seinen achtjährigen Sohn, Johann von Montfort, stellte erunter den Schutz Eduards III. u. seiner Mutter, welche Letztere, von England unterstützt, den Krieg fortsetzte. Karl gerieth 1346 bei der Belagerung von la Roche de rien, schwer verwundet, in Gefangenschaft, u. Johanna die Hinkende trat nun an die Spitze ihrer Partei u. der Krieg dauerte mit abwechselndem Glücke fort. Karl wurde nach 3 Jahren wieder losgelassen, schlug aber 1364 eine nach dem Frieden von Bretigny 1360 beantragte Theilung in der B. aus, wodurch er die Grafschaft Rennes u. Johann die Grafschaft Nantes erhalten sollte, u. wurde in der Schlacht von Auray 1364 von Neuem gefangen u. von einem bretagnischen Edelmann erstochen. Jetzt war der junge Graf Johann IV. (V.) von Montfort alleiniger Herr der B., u. am 12. April 1365 kam der Vertrag von Guterande zu Stande, in welchem König Karl V. von Frankreich ihn als Herzog von B. u. dieser den König als Oberlehensherr anerkannte. Auch die Gräfin Johanna von Penthièvre entsagte ihren Ansprüchen, jedoch sollte die B., wenn der Graf von Montfort ohne männliche Erben sterben würde, an ihren Sohn Johann von Blois fallen. Da der Herzog Johann IV., Schwiegersohn Eduards III. von England, 1369 englische Truppen herbeirief, so riefen 1373 die Stände u. Städte den König von Frankreich um Hülfe gegen die Engländer an; ein französisches Heer eroberte fast das ganze Land u. vertrieb Johann IV. nach England. Mit einem englischen Heere zurückgekehrt, eroberte dieser jedoch einen Theil des Landes wieder. 1375 trat ein Waffenstillstand ein, aber die B. blieb in den Händen der Franzosen, u. Johann IV. lebte jetzt abwechselnd in England u. Flandern. König Karl V. that 1379 Schritte, das Land mit Frankreich zu vereinigen, dagegen protestirte Johanna, die Pairs von Frankreich u. die Stände der B. Letztere luden Johann IV. ein, zurückzukehren, u. am 3. Aug. 1379 landete er mit 300 Engländern bei St. Malo, das ganze Land fiel ihm zu u. er schloß, da Karl V. 1380 st., 1381 Frieden mit den Vormündern von dessen Nachfolger Karl VI. u. wurde als Herzog von B. anerkannt. Selbst die Gräfin Penthièvre u. ihre Kinder huldigten ihm. 1887 kam es zwischen dem Herzog u. den Anhängern des französischen Connetable Clisson, welchen der Herzog gefangen genommen hatte, zum Krieg, den aber Karl VI. 1388 durch einen Vergleich endigte. Beide hielten ihn aber nicht, u. 1391 wurde durch Vermittelung des Königs ein neuer Vertrag zu Tours geschlossen, dem zu Folge Johann von Penthièvre mit einer Tochter des Herzogs u. dessen Sohn mit einer Tochter des Königs verlobt wurde. Doch drohte ein neuer Krieg, den nur der Ausbruch des Wahnsinns Karls VI. hinderte. 1395 versöhnte sich der Herzog mit dem Connetable u. 1399 st. er in Nantes, die B. seinem 11 jährigen Sohn Johann V. (VI.) dem Guten hinterlassend, der unter die Vormundschaft des Herzogs Philipp von Burgund kam; als Philipp 1404 st., übernahm der junge Herzog die Regierung selbst. Kurz zuvor war St. Malo von Frankreich an die B. abgetreten worden. Anfangs war Frankreich in die Parteien des Herzogs von Orleans u. Burgund gespalten (s. Frankreich [Gesch.]), u. Johann stand auf der Seite des Ersteren. Später nahm er keine Partei, u. als 1418 die Händel zwischen dem Dauphin Karl (nachmaligem Karl VII.) u. seiner Mutter Isabelle von Baiern u. dem Herzog von Burgund ausbrachen, suchte er vergebens den Vermittler zu machen u. stand, als der Krieg zwischen Frankreich u. England von Neuem ausbrach, Anfangs auf Seiten Frankreichs, aber 1423 trat er zu den Engländern über u. erkannte Heinrich V. als König von Frankreich an. Dennoch trat er 1425 wieder auf französische Seite. 1427 fielen die Engländer in B. ein u. zwangen den Herzog, sich wieder für sie zu erklären. Johann VI. st. 1442 auf dem Schlosse Touche bei Nantes. Sein Sohn, Franz I., huldigte 1444 dem König von Frankreich, Karl VII.; dann betrieb er die Vertreibung der Engländer aus Frankreich u. suchte den König Jakob II. von Schottland zum Krieg gegen England aufzureizen. Er st. 1450 ohne Erben, u. sein Bruder, Peter II., folgte ihm, diesem aber 1457 sein Oheim, Herzog Arthur III., Graf von Richemont u. Connetable von Frankreich. Er rüstete sich eben, England zu erobern, als er 1458 kinderlos starb. Sein Nachfolger u., Neffe, Franz II., der Sohn Richards von B. Grafen von Etampes, wurde mit König Ludwig XI. in mancherlei Händel verwickelt; so ließ dieser ihm 1464 verbieten, sich von Gottes Gnaden zu nennen, goldene Münzen zu schlagen, den Lehenseid von seinen Unterthanen zu fordern etc.; Franz gewann aber unter dem Vorwande, seine Ständezu, befragen, 3 Monate Bedenkzeit u. benutzte diese, um ein Bündniß mehrer französischer Großen, auch des Herzogs von Burgund, gegen den König zu Stande zu bringen. 1465 brach der Krieg aus, u. Ludwigs XI. Bruder, der Herzog von Berry, begab sich selbst nach B., um sich an die Spitze der Mißvergnügten zu stellen. Am 16. Juli kam es zwischen Ludwig XI. u. dem Grafen von Charolais (Karl dem Kühnen) bei Mont-Cheri zur Schlacht, die zwar unentschieden blieb, nach der sich aber die Burgunder mit den Bretagnern vereinigten u. vor Paris rückten, welches sie aber nicht erobern konnten. Der Friede zu Conflans (am 5. Octbr. 1465) endigte diesen Krieg, durch welchen die Grafschaften Montfort u. Etampes wieder mit der B. vereinigt wurden u. der Herzog Statthalter in der Normandie wurde. Der König protestirte aber heimlich vor dem Parlament gegen diesen Frieden. Franz II. entzweite sich mit dem Bruder des Königs, dem Herzog von Berry, welchem die Normandie als Apanage gegeben worden war, u. nun bemächtigte sich Ludwig XI. der Normandie wieder. Wieder mit dem Herzog von Berry versöhnt, fiel Franz II. 1467 in der Normandie ein, um diese für den Herzog von Berry zurück zu erobern. Da aber Franz zurückgetrieben[294] wurde, so schloß er 1468 einen Waffenstillstand u. bat während desselben den König Eduard IV. um Hülfe, der ihm auch 3000 Mann auf 6 Monate überließ. Im August begann der Kampf von Neuem; die Bretagner unterlagen, u. am 6. Septbr. d. J. kam ein neuer Vergleich in Ancenis zu Stande, in welchem der Herzog allen Bündnissen gegen Frankreich entsagte. Obgleich nun dieser Vertrag 1469 in Angers erneuert wurde, so traute Franz dem Könige doch so wenig, daß er unmittelbar darauf mit dem Herzog Karl von Burgund ein Bündniß in Etampes gegen den König schloß. 1472 kam es deshalb zwischen B. u. Frankreich zum Kriege, der aber durch Burgunds Dazwischenkunft u. den Aufstand der Armagnaken bald wieder geendigt wurde. Ludwig XI. blieb im Besitz einiger bretagnischen Städte, die er erobert hatte, Franz II. aber in Verbindung mit Frankreichs Feinden, u. 1474 schloß er mit England u. Burgund ein Bündniß, dessen Zweck war, Ludwig XI. den Thron zu entreißen u. denselben Englands König, Eduard IV., zuzuwenden. Aber die Engländer fanden, als sie im Juli 1475 in Calais landeten, so wenig Unterstützung, daß Eduard IV. im August einen siebenjährigen Waffenstillstand schloß, welchem Franz II. im October beitrat; u. da 1477 Karl der Kühne von Burgund bei Nancy fiel, u. Ludwig XI. sich des größten Theils seiner Staaten bemächtigte, so stand Franz allein. Ludwig entriß ihm 1477 die Grafschaft Etampes; Franz schloß 1481 ein Bündniß mit dem deutschen König Maximilian u. erneuerte seine Verträge mit England. Seine Tochter Anna, die muthmaßliche Erbin der B., wurde mit Eduard, Eduards IV. ältestem Sohne, verlobt; nach dessen Tode freiete Herzog Ludwig von Orleans um sie, der zugleich den Herzog Franz gegen Anna, die Regentin von Frankreich, aufhetzte, da er selbst nach der Regentschaft strebte. Im Innern der B. gab es auch wegen des Herzogs Liebling, Landois, Unruhen, die aber durch dessen Hinrichtung beendigt wurden. 1486 verbündete sich Franz II. mit Maximilian I. gegen Frankreich, u. 1487 floh der Herzog von Orleans nach B., um dort Schutz gegen die Regentin Anna zu suchen. Da der Herzog sich seiner annahm, so fielen die Franzosen ein, eroberten mehrere Städte, u. am 28. Juli 1488 kam es bei St. Aubin zur Schlacht, in welcher die Bretagner gänzlich geschlagen u. der Herzog von Orleans u. der Prinz von Oranien gefangen wurden. Dieser Niederlage folgte ein demüthigender Frieden u. am 9. Septbr. starb Franz II. Mit ihm erlosch der Mannsstamm der Herzöge von B. König Karl VIII. verlangte jetzt. als Oberlehensherr u. Vormund der Töchter Franz' II. anerkannt zu werden, aber die bretagnischen Stände waren schwierig, u. der Vicomte Rohan wollte mit Waffengewalt die Prinzessin Anna zu einer Vermählung mit seinem Sohne zwingen. Anna suchte Hülfe bei dem König von England u. bei ihrem Verlobten, dem König Maximilian I.; englische Truppen landeten 1489 in B., sowie auch deutsche aus Flandern dort einrückten. 1490 wurde Maximilian I. mit der Herzogin Anna durch Procuration vermählt, aber die Ehe wurde nicht vollzogen, u. im Decbr. 1491 verheirathete sie sich gezwungen mit Karl VIII., König von Frankreich, der sie zu Rennes belagerte. So fiel die B. an Frankreich, u. da Anna nach Karls Tod dessen Nachfolger, Ludwig von Orleans (als König von Frankreich Ludwig XII.) heirathete, u. ihre Tochter Claudia mit Franz I., König von Frankreich, dem Erben Ludwigs XII., 1514 vermählt wurde, so blieb die B. mit Frankreich vereint u. wurds 1532 diesem Reiche förmlich einverleibt. Die V. hat seitdem alle Schicksale Frankreichs getheilt, u. durch die bürgerlichen Kriege, bes. durch die Vendéeunruhen im Revolutionskriege nach dem Übergangs der Franzosen über die Loire, das Ungemach des Kriegs empfunden. 1815 wurde die B. eine Zeit lang durch das 6. preußische Armeecorps besetzt, s. Vendéekrieg u. Französischer Revolutionskrieg. – Vgl, Daru, Histoire de B., Par. 1826, 3 Bde. (deutsch von Schubert, Lpz. 1831 f., 2 Bde.); Roujoux, Histoire des rois et des ducs de B., Par. 1829, 2 Bde.; De Courson, Histoire des peuples Bretons, 1847, 2 Bde.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 3. Altenburg 1857, S. 292-295.
Lizenz:
Faksimiles:
292 | 293 | 294 | 295
Kategorien:

Buchempfehlung

Knigge, Adolph Freiherr von

Über den Umgang mit Menschen

Über den Umgang mit Menschen

»Wenn die Regeln des Umgangs nicht bloß Vorschriften einer konventionellen Höflichkeit oder gar einer gefährlichen Politik sein sollen, so müssen sie auf die Lehren von den Pflichten gegründet sein, die wir allen Arten von Menschen schuldig sind, und wiederum von ihnen fordern können. – Das heißt: Ein System, dessen Grundpfeiler Moral und Weltklugheit sind, muss dabei zum Grunde liegen.« Adolph Freiherr von Knigge

276 Seiten, 9.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Sturm und Drang. Sechs Erzählungen

Geschichten aus dem Sturm und Drang. Sechs Erzählungen

Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Michael Holzinger hat sechs eindrucksvolle Erzählungen von wütenden, jungen Männern des 18. Jahrhunderts ausgewählt.

468 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon