Französischer Revolutionskrieg

[635] Französischer Revolutionskrieg. I. Veranlassungen. Die großen innerlichen Erschütterungen Frankreichs durch die Revolution machten die benachbarten deutschen Mächte besorgt für die eigene Sicherheit. Dennoch trug sowohl Österreich wie Preußen lange Bedenken, den Emigranten, welche ihre Hülfe gegen die damaligen Gewalthaber in Frankreich ansprachen, Gehör zu geben u. einen Krieg zu beginnen, bei welchem voraussichtlich wenig zu gewinnen aber viel zu verlieren war. Da kam die Nationalversammlung in Paris den Fürsten zuvor, u. nachdem am 20. April 1792 Ludwig XVI., dem Drängen seiner Minister nachgebend, auf Krieg gegen Österreich angetragen hatte, dessen belgische Provinzen der Französischen Republik ein willkommener Zuwachs gewesen wären, so erfolgte die Kriegserklärung an den König von Ungarn, da Franz II. noch nicht zum Kaiser erwählt u. gekrönt war. Schon am 27. August 1791 hatten Österreich u. Preußen sich zu einer gemeinsamen Action in Pillnitz verständigt, falls die Entwickelung der Ereignisse die eine od. andere Macht zur bewaffneten Gegenwehr nöthigen sollte, u. die übrigen deutschen Fürsten waren zum Beitritt zu diesem Fürstenbunde aufgefordert worden. Kaum war daher Österreich in seinen niederländischen Provinzen von den anrückenden Franzosen bedroht, als (19.–21. Juli) zwischen Preußen, Österreich u. einigen anderen deutschen Fürsten in Mainz der gemeinschaftliche Feldzugsplan verabredet wurde. Auch das Deutsche Reich erklärte 22. März 1793 den Franzosen den Krieg, u. Sardinien verband sich am 25. Juli zu Schutz u. Trutz mit den Alliirten; Hessen, Sachsen, Pfalzbaiern u. die geistlichen Kurfürsten rüsteten sich eifrig, während England, Spanien u. die Schweiz eine zuwartende Stellung einnahmen. König Friedrich Wilhelm II. von Preußen ging selbst an den Rhein, den Feldzug zu leiten, dessen besondere Führung dem Herzoge von Braunschweig, Karl Wilhelm Ferdinand, übergeben wurde. Noch bevor Preußen den Krieg begann (25. Juli), erschien ein vom Herzog von Braunschweig zwar unterzeichnetes, aber ohne sein Mitwissen erlassenes Manifest, dessen prahlerischer Ton seine Wirkung völlig verfehlte, da er nur den Haß u. die Erbitterung der französischen Republikaner reizte, ohne den Alliirten ein Antrieb zu kriegerischem Eifer zu sein. Am 27. Juli erließ der Herzog von Braunschweig eine ähnliche Erklärung von Coblenz aus, gegen welche die der Prinzen (8. August)[635] den Umständen angemessener erschien, u. am 1. Aug. gingen die vereinigten Heere über den Rhein.

II. Krieg 1792_–95 bis zum Frieden von Basel A) Eröffnung des Feldzugs 1792. Schon bei den ersten Kriegsaussichten hatte Kaiser Leopold II. den Feldmarschall Bender besohlen, in den Niederlanden Gewalt mit Gewalt zu vertreiben. Dieser verproviantirte Luxemburg u. die Citadellen von Namur u. Antwerpen. Bald darauf wurde die österreichische Macht am Oberrhein um 50,000 Mann vermehrt, die unter Fürst Hohenlohe-Kirchberg durch das Elsaß in Frankreich vordringen sollte, u. Preußen schickte andere 50,000 Mann an den Niederrhein, um unter dem Herzog von Braunschweig, von einem österreichischen Hülfscorps unter Feldzeugmeister Clairfait unterstützt, in Frankreich einzurücken. Der Herzog Albert von Sachsen-Teschen befehligte ein abgesondertes Corps zur Vertheidigung der Niederlande. Die Franzosen hatten damals 125,000 Mann am Rhein, Rochambeau mit 45,000 Mann stand in Flandern bei Lille, Luckner u. Lafayette mit 45,000 Mann unweit Trier u. die Alpenarmee war 20,000, die Pyrenäenarmee 15,000 Mann stark. Der Operationsplan der Alliirten war offensiv, doch zeigte sich Preußen einem entschiedenen Angriff geneigter, als die noch in ihrem Cordonsystem beharrenden Österreicher. Die österreichische Macht in den Niederlanden bestand aus ungefähr 30,000 Mann u. 250 Geschützen; Rochambeau sollte nun, nach Dumouriez' Kriegsplane, auf Mons losgehen, während Lafayette Namur nähme, über Brüssel ins Lüttichsche vordränge, Dillon gegen Tournay u. Carle bis Furnes vorginge u. so den Krieg auf niederländisches Gebiet spiele. Allein am 29. April wurde Dillon zwischen Lamain u. Marquain geschlagen, Biron bei Quievrain zurückgedrängt u. Gouvion 28. Mai von dem österreichischen Feldmarschall Sztarray bei Florennes geworfen u. bis Philippeville verfolgt. Am 11. Juni wurde Gouvion nochmals von Clairfait bei Grisvelle geschlagen u. getödtet. Der Herzog von Braunschweig überschritt nun, nachdem er sich am 23. Juli mit Clairfait bei Luxemburg vereinigt hatte, am 18 August die französische Grenze u. seine Avangarde unter Hohenlohe trieb am 19. August die Franzosen mit Verlust in ihr festes Lager bei Fontoi vor Longwy. Longwy fiel am 22 August, u. der von den Bürgern zur Übergabe des Platzes gezwungene Commandant stürzte sich ins Wasser. Verdun wurde am 2. September eingenommen, nachdem Clairfait 1. September die Franzosen bei Stenay geschlagen hatte. Hohenlohe rückte indessen mit dem Vortrab vor Thionville u. begann die Belagerung des von 3 Seiten inundirten Platzes. Auch Landau wurde durch den österreichischen General von Erbach eingeschlossen. Während dessen hatte der Herzog von Sachsen-Teschen St. Amand genommen u. suchte durch Beschießung von Lille eine Diversion zu machen, dessen Besatzung u. Bürger sich indessen tapfer vertheidigten.

Mittlerweile war der Herzog von Braunschweig in Frankreich vorgedrungen, u. die französischen Heere eilten Paris zu decken. Am 14. Sept. wurde Chazot bei Croix au Bois geschlagen, u. Dumouriez zog sich nach St. Menehould zurück. Da aber die Verbündeten nicht rasch vorwärts drangen, so konnte dieser sich mit Beurneuville u. Kellermann vereinigen u. am 19. September die Preußen in einer Stellung auf der Hügelkette zwischen Valmy u. St. Menehould erwarten. Der Herzog von Braunschweig suchte die Franzosen zu veranlassen, diese Stellung zu verlassen. Seine Avantgarde sollte am rechten Ufer der Aisne hinauf marschiren u. das Hauptheer nachrücken, zugleich aber eine starke Colonne nach Varennes rücken u. die Verbindung mit den Österreichern herstellen. Allein durch die falsche Nachricht getäuscht, daß die französische Armee aufgebrochen sei u. nach Chalons zu entrinnen suche, befahl der König von Preußen einen Nachtmarsch, um dem Feinde den Rückzug abzuschneiden; am Morgen sah man indessen die Franzosen, statt auf der Flucht, kampffertig vor sich. Auf einer Anhöhe, unsern des Vorwerks La Lune bei Valmy, begann am 20. September die Kanonade, welche bei Anbruch der Nacht endete; die Heere blieben sich darauf ohne zu weichen mehrere Tage gegenüber. Mangel an Lebensmitteln, schlechte Kleidung u. Krankheiten, bes. durch fortwährenden Regen veranlaßt, machten ein Vordringen gegen Paris unmöglich, u. der Herzog von Braunschweig trat am 29. September den Rückzug unter den mißlichsten Umständen an. Zugleich hob der Herzog von Sachsen-Teschen in Folge davon die Belagerung von Lille am 8. October auf u. zog sich über die belgische Grenze zurück.

Am 23. October überschritten Dumouriez, zur Offensive übergehend, ebenfalls die niederländische Grenze, der Vortrab drang bis Quievrain vor, drückte die österreichischen Posten zurück u. drang unter Beurnonville bis Crespi. Dadurch wurde Mons sehr bedroht, wo der Herzog von Sachsen-Teschen sein Hauptquartier nahm. Zugleich rückte General Labourdonnaye von Lille aus vor u. bedrohte von Dünkirchen aus Ostende. Vom 29. October bis 6. November drangen die Franzosen gegen Mons vor; die Österreicher, 13,200 M. stark, wichen bis Jemappe, einem Dorfe vor Mons, zurück. Dumouriez, 50,000 Mann stark, griff am 6. November früh das Dorf Guaregnon vor der Front an, welches die Österreicher aufgaben. Auch das verschanzte Jemappe, wohin sie sich nun zurückzogen, vermochten sie nicht zu halten u. gaben in Folge ihres Rückzugs Mons, Ypern, Fournes u. Ostende dem Feinde Preis. Nach dem Gefecht bei Anderlecht am 14. November zog Dumouriez in Brüssel ein u. nahm am 18. November Mecheln. Herzog Albert hatte sich bei Löwen aufgestellt u. übergab am 16. November das Commando an Clairfait, welcher nun, da durch Mechelns Fall die Communication mit Antwerpen unterbrochen war, sich weiter zurückzog u. sich endlich, da er, durch Desertion sehr geschwächt, auf seiner linken Flanke bedroht wurde, sich am 20. November nach Tirlemont hinter die Maas zog. Bei Cumptieh beschoß Dumouriez die Österreicher 3 Stunden hindurch, nöthigte sie bei Lüttich zum Rückzuge u. rückte am 18. November in Lüttich ein. Miranda nahm am 27. November Antwerpen durch Capitulation u. rückte auf Ruremond, u. am 3. December ergab sich die Citadelle von Namur an Valence. Nun zog sich am 14. December Clairfait hinter die Erst, worauf Dumouriez Aachen besetzte, während auf dessen rechten Flügel an der Saar, bes. bei Pellingen, am 6.–16. December Beurnonville mehrere Angriffe mißlangen.[636]

Am Mittelrhein war inzwischen General Custine Ende Septbr. mit 15,000 Mann der Rheinarmee im Rücken der Verbündeten unerwartet erschienen, die wenigen hessischen u. pfälschen zum Schutze der Pfalz bestimmten Regimenter zerstreuend, besetzte er am 30. September Speier, Worms u. Oppenheim, drang Ende October tief in die Pfalz u. nahm, von den Clubisten der Stadt begünstigt, am 21. October Mainz. Am 23. Oc tober brandschatzte er Frankfurta. M. u. hielt es besetzt, bis es ihm nach heftigem Kampfe von den Preußen u. Hessen am 12. Dècember wieder entrissen wurde.

Noch leichteres Spiel hatten die Franzosen in Savoyen, wo sie am 24. Septbr. unter Montesquien ohne Kriegserklärung über die Grenze drangen u. ohne Widerstand bis Chambery kamen. Am 28. September nahm General Anselme Nizza, u. am 27. November wurde Savoyen als Departement des Montblanc u. 31. Januar 1793 Nizza als Departement der Seealpen mit Frankreich vereinigt.

B) Feldzug von 1793. Am 1. Februar 1793 wurde von Seiten Frankreichs auch der Krieg gegen Holland u. England erklärt. England trat nun an die Spitze aller Bündnisse gegen Frankreich u. brachte durch Verträge mit den Hauptmächten Europa's die Erste Coalition zusammen. Indessen war Dum ouriez mit 20,000 M. Franzosen einer Légion du Nord, ausholländischen Patrioten von 1787 bestehend, u. vielen freiwilligen Brabantern am 17. Febr in Holland eingefallen, hatte Breda am 25. Februar, Gertruidenburg am 4. März u. Klundert am 3. März erobert u. war bis an den Mardyk vorgedrungen. Er wollte nun nach Dordrecht, Amsterdam u. Rotterdam gehen, als die Unfälle, welche Miranda gegen den Prinzen von Koburg erlitt, ihn zwangen den Plan aufzugeben. Miranda hatte nämlich am 25. Februar die Belagerung Mastrichts, welches der Prinz von Hessen-Kassel vertheidigte, begonnen, während ein anderes französisches Corps sich am 17. Februar des Forts St. Michel bei Venloo bemächtigte, letzteres aber, welches preußische Besatzung hatte, belagerte. Beide Belagerungen wurden aber durch das Wiederbeginnen der Offensive durch die Österreicher unter dem Prinzen von Koburg, Clairfait u. dem Erzherzog Karl vereitelt; die Österreicher gingen zum längs der Roer vor u. brachten den Franzosen bei Aldenhoven eine empfindliche Niederlage bei. Bei Schwalmen siegten am 3. März die gegen Roermonde dringenden Preußen, u. die Franzosen verließen Aachen. Miranda wurde am 4. März, von Mastricht abziehend, bei Tongres noch vom Erzherzog geschlagen, worauf am 5. März die Österreicher Lüttich wiederbesetzten u. über Tirlemont nach St. Tron u. Löwen vorrückten. Dumouriez, nach der Sprengung von Klundert u. nach der Besetzung Breda's, von den Preußen, Holländern u. den bei Gorkum bereits mit ihnen vereinigten Engländern u. Hannoveranern gedrängt, übergab unterdessen das Commando der holländischen Armee dem General Deflers u. eilte zur Armee in Belgien, brach am 14. März gegen die Österreicher auf, welche nach einem, für sie nachtheiligen Gefecht bei Tirlemont am 16. März sich bei Neerwinden aufstellten. Hier griff sie Dum ouriez mit Übermacht am 18 März an. Er gedachte mit dem rechten Flügel seines Heeres die Österreicher zu überflügeln, allein sein linker Flügel unter Miranda wurde vom Erzherzog zurückgeschlagen, u. da dieser nun Hülfe nach dem österreichischen linken Flügel entsendete, zogen sich die Franzosen Abends mit großem Verlust über Tirlemont nach Löwen zurück, wo am 22. März in Folge eines Angriffs der Österreicher auf den Eisenberg der Rückzug zur verwirrten Flucht wurde. Bald wurde Brüssel geräumt u. von den Österreichern besetzt; Namur u. Gertruidenburg ergaben sich am Bl März u. Breda am 3. April den Verbündeten. Dumouriez wich am 26. u. 27. März auf Mons u. Tournai zurück u. begann, wegen der verlorenen Schlacht für sein Leben fürchtend, mit den Verbündeten Unterhandlungen, in der Absicht, sich mit ihnen zu vereinigen, um der Schreckensherrschaft in Paris ein Ende zu machen. Da aber sein Heer sich weigerte, ihm zu folgen, so ging er nach Verhaftung der Conventsdeputirten u. nach ihrer Auslieferung an die Österreicher mit 1500 seiner Anhänger, unter denen sich der Sohn von Orleans Egalité, Louis Philipp, befand, zum Feinde über. General Dampierre trat nun an die Spitze der republikanischen Armee u. sammlte dieselbe in einem festen Lager bei Famars. Die Verbündeten beschlossen, daß 8000 Mann Preußen unter Knobelsdorf die Strecke bis nach Tournai, 7200 Engländer u. 12,500 Hannoveraner unter dem Herzog von York die Strecke von Menin bis Ostende vertheidigen, 8000 Holländer unter dem Prinzen von Oranien diese bis Ende April dort ablösen, die Engländer sodann nach Tournai gehen u. die Holländer einstweilen bis zum 30. Mai die Linie von Menin bis Furnes besetzen sollten. Den Oberbefehl über die an 48,000 Mann starke Hauptarmee bei Quievrain u. über die Reserve unter Clairfait, welche zw ischen Condé u. Valenciennes stand u. deren Verbindung unterbrach, führte der Prinz Josias von Koburg, der am 9. April den seit der Dumouriezschen Unterhandlung bestandenen Waffenstillstand aufkündigte. Der nächste Zweck war die Einnahme Condés, welches General Otto u. der Prinz von Württemberg einschlossen, während Latour Maubeuge beobachtete. Am 1. Mai ließ aber Dampierre zugleich bei Valenciennes, Maubeuge, Quesnois, Orchies u. St. Amand Scheinangriffe machen, während er selbst aus seinem Lager hervorbrach, um Condé zu entsetzen. Er wurde indeß geschlagen u. verlor 12 Kanonen. Am 8. Mai griff Dampierre Clairfait zum dritten Mal an, wurde jedoch wieder geschlagen u. verwundet u. starb bald nachher. Dagegen gelang dem Prinzen von Koburg am 23. Mai der Angriff auf das Lager bei Famars, nach dessen Eroberung er Valenciennes einschloß. Unter diesen Umständen erhielt Custine das Commando der französischen Armee. Am 11. Juni fiel Condé, am 28. Juli Valenciennes nach hartnäckiger Gegenwehr u. Custines Stellung selbst wurde von den Österreichern überwältigt. Nach einem Stillstand von 9 Tagen trennte sich nun, da die Ansicht der Briten im Kriegsrathe durchging, das verbündete Heer, u. der Herzog von York zog vor Dünkirchen (s. unten), während der Prinz von Koburg sich gegen le Quesnoi wandte u. diesen Ort erfolglos beschoß. Am 7. August wurden die Franzosen aus dem Cäsarlager vertrieben u. flohen bis nach Avesnes u. Bapaume, so daß Houchard die Geschlagenen erst bei Vitry, gedeckt durch Lille, Douai u. Cambrai, wieder sammeln[637] konnte. Unterdessen belagerte der Herzog von York Dünkirchen mit 22,000 Engländern u. Hannoveranern u. 15,000 Österreichern. Allein Houchard entsetzte diesen Platz nach dreitägigem mörderischem Gefechte bei Hondschooten am 7. Septbr. Nach einem, von den Franzosen am 11. September vergeblich auf Ypern unternommenen Angriff wurden die Holländer am 13. September bei Menin geschlagen. Am 15. September wurde Houchard aus Menin wieder vertrieben u. büßte dafür mit dem Leben auf der Guillotine. Am 11. September fiel le Quesnoi durch häufige Angriffe, u. die Franzosen verloren bei Villiers en Couchie (Avesnes le Sec) durch österreichische Reiter unter Bellegarde u. Liechtenstein viele Mannschaft u. Kriegsmaterial. Det Prinz von Koburg forcirte am 29. September den Übergang über die Sambre u. am 30. September wurde die Einschließung von Maubeuge vollendet, worauf Jourdan zum Entsatz am 7. October herbeieilte u., indem er 15. u. 16. October Clairfait bei Wattiguies schlug, die Stadt entsetzte. Am 10. November rückten beide Heere in ihre Winterquartiere.

Am Mittel- u. Oberrhein hatten indessen die Preußen gleich zu Anfang des Jahres das Fort Kastel, Mainz gegenüber, vergeblich angegriffen. Später suchte Custine, der damals noch hier besehligte, den Übergang über den Rhein zu erschweren, allein derselbe gelang am 26. u. 27. März bei Rheinfelden u. Bacharach, worauf Custine bei Stromberg an der Nahe geschlagen u. von den über den Rhein gegangenen Österreichern unter Wurmser bedroht, eiligst nach Landau u. den Weißenburger Linien zurückging. Mainz wurde nun von den Preußen, Sachsen u. Hessen unter General Kalkreuth belagert u. am 22. Juli erobert. Der Commandant General d'Oyré erhielt mit der noch 15,000 Mann starken Besatzung freien Abzug. General Wurmser unternahm am 13. October des Nachts den Angriff auf die Weißenburger Linien u. ließ den Prinzen von Waldeck über den Rhein setzen, um die rechte Flanke der Franzosen zu bedrohen. Die französische Armee unter Beauharnais entkam nur in Folge der Uneinigkeiten der Alliirten, doch wurden die Linien sammt Lager, Feldgeräth u. Artillerie der Rheinarmee genommen, Fort Louis wurde am 29. October eingeschlossen u. am 14. November genommen, Landau heftig beschossen u. Strasburg von Wurmser bedroht. Das preußische Heer hatte sich nach der Einnahme von Mainz in 4 Corps getheilt: das 1. unter König Friedrich Wilhelm II. stand bei Dürkheim; das 2. unter dem Herzog von Braunschweig in Kaiserslautern; das 3. nuter dem Erbprinz von Hohenlohe bei Lauterneck; das 4., mit den Sachsen, unter Kalkreuth bei Kreuznach. Das 2. u. 3. Corps rückten am 16. August über die Erbach u. besetzten die Höhen von Pirmasenz. Hier griff diese der französische General Moreau an, wurde aber mit Verlust von mehreren Tausend Mann u. 98 Kanonen zurückgeschlagen. Durch dieses Gefecht u. den Verlust der Weißenburger Linien in Verlegenheit gebracht, ließ der Convent Beauharnais guillotiniren u. stellte Pichegru u. Hoche an die Spitze der Rheinarmee. Diese griffen die Preußen am 18. November bei Bitsch u. Blieskastel u. dann am 28.–30. November bei Kaiserslautern an. Die Franzosen fielen den linken Flügel der Preußen an, wo sie vergebens die Batterien Kalkreuths zu stürmen suchten. Auch die Angriffe auf Erlebach u. den Galgenberg wurden, jener von den Sachsen, dieser von den Preußen zurückgewiesen, u. am 30. November gegen Abend zogen die Franzosen sich nach Homburg u. Zweibrücken zurück. In steten Gefechten suchte nun aber Pichegru die Deutschen zu ermüden, so daß Wurmser am 9. December in die befestigten Linien hinter die Motter zurückweichen mußte. Hier griff ihn Hoche an u. nahm am 13. December den Posten bei Tannbrück. In Folge dessen zog Wurmser, nachdem Pichegru am 22. December bei Froschweiler die österreichischen Linien durchbrochen hatte, hinter die Sur u. von da nach dem Geisberge bei Weißenburg. Hier wurden am 26. December Österreicher u. Preußen geschlagen, die Weißenburger Linien von den Franzosen wieder erobert u. Landau am 27. December entsetzt. Wurmser war in Folge dessen genöthigt, sich am 29. u. 30. December zwischen Philippsburg u. Manheim, die Preußen sich über Oppenheim u. Bingen zurückzuziehen. Am 17. Januar 1794 fiel auch Fort Louis wieder in Feindes Hand.

Ebenso unglücklich war der Ausgang des Feldzuges an den Grenzen Italiens. In Savoyen hatten sich mit der sardinischen 40,000 M. starken Armee 8000 M. Österreicher unter Devins vereinigt. Zwar rückten sie, als Kellermann, der bisher ihnen entgegengestanden hatte, gegen das empörte Lyon zog, langsam nach u. zwangen die Franzosen sich hinter die Isere zurückzuziehen, aber Kellermann schlug sie am 20. September bei dem Passe von Albarette, worauf sie auf den Bernhard, dann nach dem Treffen bei Valmenie am 14. October auf dem Mont Cenis zurückgingen.

Inzwischen hatte auch Spanien am Kriege theilgenommen. Die Kriegserklärung des Convents erfolgte am 7. März 1793. Gegen die Franzosen, welche nur etwa 35,000 Mann aufgestellt hatten, sendeten die Spanier 2 wohlgerüstete Heere, jedes 30,000 Mann stark. Von diesen wurden die Franzosen am 20. April bei S. Laurent de Lacerda u. Ceret von Ricardos geschlagen u. mußten sich gegen Perpignan zurückziehen. Auf der Seite von Bayonne drangen die Spanier am 23. April unter Ventura Caro über die Bidassoa, verjagten am 30. April die Franzosen unter Servan aus ihrem Lager bei Sarre u. drängten dieselben bis Bayonne zurück. Nun wurde Servan zurückgerufen u. Deflers erhielt das Commando. Allein auch diesen schlug Ricardos am 19. Mai bei Mas d'Eu u. nahm Bellegarde am 23. Juni. Ventura Caro trieb den, am 6. Juni bei Chateau Pignon Besiegten bis nach St. Jean Pied de Port; Ricardos aber hemmte, trotz des mißlungenen Angriffs auf Perpignan am 17. Juli u. der Wegnahme Puycerdas durch die Franzosen am 24. Aug., dieweiteren Fortschritte derselben. Der Feldzug endigte zum Nachtheil der Republik. Am 5. December wurde der General Doppet bei Villelongue, unweit Ceret, von den Spaniern u. Portugiesen geschlagen, u. Bagnoles, Collioure, Fort St. Elme u. Port Vendre fielen den Spaniern in die Hände.

Je mehr sich indeß die Republik nicht blos an ihren äußeren Grenzen, sondern auch im Inneren durch Emeuten in einzelnen Städten u. durch den Kampf der Royalisten in der Vendée (s.d.) bedroht sah, desto mehr schien die Widerstandskraft des[638] tu Massen zur Bertheidigung des Vaterlandes aufgebotenen Volkes zu wachsen, so daß die französischen Heerführer, denen die Schwerfälligkeit der ohne einheitlichen Willen geleiteten Operationen der Verbündeten zu Gute kam, schon im folgenden Jahre von der Defensive zur Offensive übergehen konnten.

C) Feldzug 1794. Beim Beginnen des Feldzugs in den Niederlanden hatten die Öfterreicher eine etwa 70,600 Mann starke Macht von Trier über Luxemburg, Namur u. Valenciennes bis Nieuport cordonweise vertheilt, um diese zu bewachen, während die Hauptarmee Landrecy belagern u. erobern u. dann über St. Quentin nach Paris zu operiren sollte, wogegen 200,000 Franzosen unter Pichegru u. Jourdan das Centrum der Alliirten beschäftigen, mit beiden Flügeln zugleich vordringen u. beide Flanken u. den Rücken der Verbündeten zugleich bedrohen wollten, um nach Umständen den einen od. den andern zum Hauptangriff übergehen zu lassen. Am 17. April begann die Bewegung der Armee der Alliirten in 9 Colonnen. Die Holländer nahmen am 30. Landrecy, u. am 26. April wurde bei Troisville der General Chapuis gefangen, bei dem sich der französische Feldzugsplan vorfand. Die Alliirten sandten deshalb Erskine mit 5000 M. zur Verstärkung des General Clairfait. Pichegru hatte sich nämlich, dem obigen Plane zu Folge, nach Westflandern, wo Clairfaits u. Yorks Corps cordonmäßig standen, gewendet u. ließ im Centrum nur Guise, St. Quentin u. Cambray stark besetzt. General Charbonier aber sollte mit der Ardennenarmee den linken Flügel der Verbündeten beschäftigen u. deren Aufmerksamkeit von dem rechten ablenken. Mit etwa 30,000 Mann, die unter Souham bei Lille gestanden hatten, u. mit 20,000 M. unter Moreau, nahm er Courtrai u. Menin, schlug Clairfait, der letztrem Orte zu Hülfe kam, am 28. April bei Moescröu u. nahm am 29. April Menin, nachdem sich der hannöverische General Hammerstein mit der Besatzung durchgeschlagen hatte. Clairfaits Versuch, sich mit dem Herzog von York vor Courtrai zu vereinigen, mißlang, denn durch ein heftiges Gefecht bei Tournay am 19. Mai wurde der Herzog von York von Pichegru zum Rückzuge gezwungen, u. Clairfait mußte nun zur Deckung von Gent nach Thielt umwenden. Der Prinz von Koburg brach in Folge dessen mit dem größten Theile des Heeres am 16. Mai nach Tournay auf, während eine andere Abtheilung an die Sambre rückte. Pichegru griff am 22. Mai die Österreicher an, allein ohne Entscheidung, u. die Heere blieben in ihren gegenseitigen Stellungen. Clairfait stand bei Thielt so vortheilhaft, daß Pichegru es nicht wagte, ihn anzugreifen, als er aber dem von Souham bedrängten Ypern zu Hülfe eilte, wurde er am 15. Juni bei Hooghlede von Moreau geschlagen u. in seine frühere Stellung zurückgeworfen. Am 17. Juni fiel nun auch Ypern. Jourdan bestand um dieselbe Zeit mehrere siegreiche Gefechte gegen Beaulieu, nahm Dinant u. vereinigte sich mit dem rechten Flügel der Nordarmee u. dem Ardennenheere. Der Prinz von Oranien siegte zwar am 16. Juni über Jourdan, allein am 18. Juni gelang diesem der Übergang über die Sambre, u. sogleich erfolgte die Beschießung von Charleroi, zu dessen Entsatz der Prinz von Koburg von Tournay herbeizog. Dieser griff am 26. Juni die Mosel- u. Ardennenarmee unter Jourdan bei Fleurus an. 9 Stunden wurde heftig gekämpft u. der Sieg entschied sich bereits für die Österreicher, als der Prinz von Koburg den Fall von Charleroi vernahm u. dadurch bestimmt wurde, auf Nivelle zurückzugehen. Dies entschied das Geschick der Niederlande. Durch den Marsch Pichegrus auf Gent wurde der Prinz gezwungen auf Brüssel zurückzugehen u. legte hier das Obercommando in die Hände Clairfaits nieder. Allein auch dieser mußte nach einem harten Gefechte mit Pichegru u. Jourdan, die sich am 4. Juli bei Laupe vereint hatten, bei Soignes am 10. Juli bis zwischen Löwen u. Mecheln zurückweichen. Nun fielen die Festungen, Landrecy am 15. Juli, Quesnoy am 15. August, Valenciennes am 27. August u. Condé am 29. August, den Franzosen wieder in die Hände. Auch Antwerpen konnten die Verbündeten, als es von Pichegru angegriffen wurde, nicht behaupten, am 15. Juli fiel die Stadt, am 24. die Citadelle, u. am 21. Juli gingen die Österreicher bis Lüttich, die Engländer u. Holländer nach Breda zurück. Alle Verbindung beider Heere hörte auf. Jourdan, durch einen Theil von Scherers Armee verstärkt, drang bald darauf über die Maas, drängte am 18. Sept. die Österreicher bei Asptemont zurück u. zwang sie Aachen zu räumen. Kleber schloß Mastricht ein, während Jourdan durch einen Angriff zwischen Jülich u. Düren am 2. October die Österreicher von der Roer bis hinter den Rhein trieb u. Jülich, Köln u. Bonn besetzte. Pichegru drang währenddem in Holland ein, nahm am 24. August Sluys, dann Breda u. zwang durch die Gefechte bei Boxtel am 14. September u. Gestel am 15. den Herzog von York hinter die Maas zu weichen. Crevecoeur wurde nun eingeschlossen u. fiel am 2. October, Herzogenbusch am 18. October; Venloo, Grave u. Nimwegen wurden eingeschlossen. Bei Teffelen ging Pichegru in der Nacht vom 19. October über die Maas. Souham griff nun sogleich den rechten Flügel des Herzogs von York, der sich an Druiten u. die Waal lehnte, an, schlug ihn u. drängte am 30. October die Hauptarmee nach Arnstein zurück. Nimwegen, Grave u. Venloo fielen bald darauf, u. 10,000 Österreicher, die nun Venloo entsetzen wollten, mußten zurückweichen. Auch, das gewöhnliche Rettungsmittel dèr Holländer, die Überschwemmungen, half diesmal nichts, denn der Winter brach so hart herein, daß das Wasser bald eine große Eisfläche bot, welche den Franzosen den Weg bahnte. Zwar mißlang noch am 17. December ein Angriff auf die Bommelinsel, allein Pichegru ließ geflissentlich die Nachricht von einem Aufstande in Belgien u. daß ein Theil des Heeres eilig zurückkehren, der andere die Standquartiere beziehen werde, verbreiten; getäuscht zogen die Holländer ihre Truppen von der Bommelinsel zurück u. schickten Gesandte mit Friedensvorschlägen nach Paris; allein am 24. December wurde die Bommelinsel genommen, am 27. December die verschanzten Linien von Breda gesprengt u. durch Überschreitung der Waal bei Pandern am 3. Januar 1795 die Verbindung der Holländer u. Engländer unterbrochen. Holland blieb sich nun selbst überlassen, der Erbstatthalter schiffte am 19. Januar 1795 sich zu Scheveningen nach England ein, die Patriotenpartei in Holland siegte, errichtete eine Batavische Republik u. schloß am 10. Mai 1795 mit Frankreich ein Schutz- u. Trutzbündniß ab.[639]

Am Mittel- u. Oberrhein war nach den Gefechten von Kaiserslautern das preußische Heer so erschöpft, daß der König als Bedingung seines ferneren Antheils an der Coalition forderte, der Deutsche Kaiser solle die Verpflegung der Truppen übernehmen. Nach langem Unterhandeln schloß Preußen am 19. April 1794 mit England u. Haag einen neuen Subsidienvertrag, dem zu Folge Preußen 6,300,000 Thaler empfing u. dagegen 67,000 M. zu stellen versprach. Der Feldmarschall von Möllendorf übernahm nun den Oberbefehl u. begann am 22. Mai die Operationen mit der Vertreibung des Generals Ambert aus den Stellungen bei Kaiserslautern u. Moorlautern, worauf die Franzosen den Hundsrück verließen u. hinter die Saar gingen. Verstärkt drang aber die Rhein- u. Moselarmee nach wenigen Wochen wieder vor u. verdrängte unter General Michaud die Österreicher am 13. Juli nach einem blutigen Gefechte aus ihrer Stellung bei Edesheim. Hierauf zog sich Möllendorf, ebenfalls auf seinem linken Flügel bedroht, wieder nach Kaiserslautern, von dort aber am 15. Juli zurückgedrängt, mit Hohenlohe auf Alzei u. Worms u. behauptete diese Punkte, die einzigen auf dem linken Rheinufer, gegen die Franzosen. Die Kaiserlichen u. Reichstruppen indeß zogen sich bei Manheim über den Rhein zurück. Um sich mit dem Hauptheere in den Niederlanden in Verbindung zu setzen, wandte sich die wieder verstärkte Moselarmee am 9. August gegen Trier, schlug die Österreicher u. Preußen daselbst u. nahm die Stadt. Vergeblich versuchten die Verbündeten zur Rettung derselben am 20. September einen Angriff auf die Rheinarmee bei Kaiserslautern, die Nachricht von Clairfaits Rückzug aus Belgien wirkte dahin, daß die Preußen Anfangs in ihre früheren Stellungen, am 24. October aber über den Rhein zurückgingen, wodurch Luxemburg mit zahlreicher Besatzung, unter dem Feldmarschall Bender, abgeschnitten u. ausgehungert, am 6. Juni 1795 zur Capitulation gezwungen wurde. Rheinfels fiel am 2. November u. die Rheinschanze bei Manheim am 24. December, so daß Mainz der einzige Punkt blieb, welchen die Verbündeten am linken Rheinufer noch besaßen.

An den Pyrenäen hatte Dugommier den Oberbefehl der französischen Ostpyrenäenarmee übernommen, welchem der Graf de la Union gegenüber stand. Die Spanier, zur Offensive übergehend, wurden bei Bagnoles u. Ceret am 30. April mit Verlust von 8000 Mann u. 200 Kanonen geschlagen u. bis an die Grenzen getrieben. Hierauf belagerten die Franzosen die weggenommenen Plätze u. nahmen, nachdem die Spanier St. Elme freiwillig geräumt hatten, am 26. Mai das von 6000 Mann vertheidigte Collioure; Port Vendre fiel später. An den Westpyrenäen griffen die Spanier die Franzosen wiederholt an, benutzten aber die errungenen Vortheile schlecht, bis Verstärkung aus der Vendée unter General Manco herbeizog. Der französische Oberbefehlshaber Müller bemächtigte sich nun der Haupteingänge zum Thale Bastan, u. der spanische General Ventura Caro legte mißmuthig das Commando nieder, welches von Calomera, bisher Vicekönig von Neapel, übernommen wurde. Dugommier drang nach Einnahme Bellegardes (18. September) auf die Spanier ein, u. deren Heer wurde am 17.–20. November bei Monte Nero, wo Dugommier u. Graf de la Union fielen, durch Perignon so vollständig geschlagen, daß sie bis nach Gerona flohen. Am 27. November wurde Figueras u. am 4. Februar 1795 Rosas genommen. Auch die Westpyrenäenarmee unter General Müller machte schnelle Fortschritte. Rasch hinter einander fielen Anfangs August Fuenterabia, S. Sebastian u. Tolosa. General Moncey, welcher Müller im Oberbefehl ablöste, rückte nach Navarra vor, durchbrach die Linien der neuen aragonischen Armee, unter dem Prinzen von Castelfranco, am 17. u. 18. November, schlug dieselbe am 28. November, eroberte die meisten Plätze Navarras u. bedrohte Pamplona. Nun begann Spanien wegen des Friedens zu unterhandeln, doch dauerte der Pyrenäenkrieg noch bis Mitte 1795 fort. General Scherer, damaliger Oberbefehlshaber über die Ostpyrenäenarmee, wurde im Verlaufe desselben zwar bei Figueras am 14. Juli gänzlich geschlagen, dagegen drang Moncey mit der Westpyrenäenarmee am 28. Juni gegen Pamplona vor, schlug die Spanier am 6. Juli bei Ormea u. nahm Bilbao am 17. Juli 1795. Der Friede zu Basel am 22. Juli beendete den Krieg, u. Frankreich gab darin, gegen Abtretung des spanischen Antheils von S. Domingo alle Eroberungen zurück.

Schon vorher hatte der Krieg in Italien zum Vortheil der Franzosen ein Ende genommen. Von Nizza aus gingen Anfangs April 1794 die Franzosen durch das neutrale Genuesische Gebiet auf Oneglia, besetzten den Ort ohne Widerstand u. schlugen am 16. April bei Ceva den österreichischen General Argenteau. Am 28. April überwanden sie die Österreicher u. Sardinier auf allen Punkten u. drangen in Piemont ein. Doch Krankheiten u. das Erscheinen einer englischen Flotte an den Küsten der Provence u. Genuas bewogen die Franzosen Piemont wieder zu räumen. Die Alpenarmee in Savoyen hatte indessen ihre Stellung behauptet, obwohl sie ebenfalls sehr durch Krankheiten litt Erst im September brachen 3 französische Colonnen auf das bisher neutrale Genuesische Gebiet ein u. besetzten Ende September Savona, Vado u. Finale. In Folge dessen schloß der General Carletti für Toscana, unter Anerkennung der Republik, Zahlung von 1 Mill. Francs u. dem Versprechen der Neutralität, am 15. Februar 1795 in Paris mit Frankreich Frieden.

Preußen, erschöpft an Mannschaft u. Geld schloß am 5 April 1795 den Frieden zu Basel u. überließ darin Frankreich bis zum Reichsfriedensschlusse den Besitz der preußischen überrheinischen Lande; auch Hessen, welches die Festung Rheinfels u. die Grafschaft Katzenellnbogen auch interimistisch abtrat, u. die meisten übrigen norddeutschen Staaten zogen ihre Truppen von dem Kampfplatz hinter die zwischen Frankreich u. Preußen vereinbarte Demarcationslinie zurück. So blieb Süddeutschland allein auf dem Kampfplatze, u. Österreich, dem von Norddeutschland nur Sachsen noch treu geblieben war, übernahm die Hauptrolle.

III. Krieg in Europa 1795–1801. A) Feldzug von 1795. Die französische Nordarmee unter Moreau stand damals an den Grenzen Hollands u. Westfalens; die Sambremaasarmee unter Jourdan, Clairfait gegenüber, am Mittelrhein; die Rhein- u. Moselarmee unter Pichegru, gegen Wurmser u. die Emigrirten, am Mittelrhein. Erst im Spätjahr begannen die Franzosen den Feldzug[640] gegen Deutschland. Jourdan verletzte gleich Anfangs die preußische Demarcationslinie u. ging den 7. September, 80,000 M. stark, bei Eichelcamp über. den Rhein. Düsseldorf fiel, u. überall wichen die Österreicher. Pichegru ging am 15. September bei Neuwied über den Rhein, die Österreicher wichen an die Wupper, die Sieg u. die Lahn zurück, u. die Franzosen belagerten nun Mainz u. Ehrenbreitstein. Manheim fiel am 22. September u. alle pfälzischen Besitzungen an beiden Rheinufern wurden für neutral erklärt. Doch bald wandte sich das Kriegsglück; Wurmser drang vom Oberrhein bis nach Manheim, Quasdanovich schlug am 24. Septbr. die Franzosen unter Dufour bei Handschuchsheim u. Clairfait am 11. Octbr. bei Höchst unter Jourdan. Die Franzosen wichen über den Rhein zurück, verloren den größten Theil des Belagerungsgeräths vor Mainz, welches Ende October von beiden Rheinufern frei war. Auch Manheim war von Wurmser am 18 October zurück erobert worden. Nach dieser überraschenden Wendung beendete den Feldzug am 31 December ein früher von Seiten Frankreichs abgelehnter Waffenstillstand. In Italien wurden die Franzosen durch mehrere blutige Gefechte aus Piemont vertrieben, u. erst als die Ostpyrenäenarmee un ter Scherer, nach dein Frieden mit Spanien, Kellermann zu Hülfe eilte, wurde den Alliirten durch den Sieg Scherers über den österreichischen General Devins am 23. November bei Loano ein Ziel gesetzt.

B) Feldzug von 1796. Der Feldzugsplan, welchen Carnot gegen Deutschland entworfen hatte, war folgender: die Rhein- u. Moselarmee unter Moreau, mit der Sambre- u. Maasarmee unter Jourdan, sollte durch Deutschland gegen Öesterreich vordringen u. sich mit dem italienischen Heere, welches Bonaparte befehligte, bei Wien vereinigen, während Beurnonville mit der Nordarmee die preußische Neutralitätslinie beobachten sollte. Am 31. März kündigte Erzherzog Karl den Waffenstillstand auf. Jourdan drang am 21. Mai über den Hundsrück, u. Kleber schlug mit dem linken Flügel der Maas- u. Sambrearmee die Österreicher am 4. Juni bei Altenkirchen. Der Feldzeugmeister Ferdinand von Württemberg mußte sich deshalb, von Jourdan verfolgt, nach Limburg hinter die Lahn zurückziehen. Als der Erzherzog Karl diese Unfälle erfuhr, besetzte er Mainz mit 20,000 Mann u. ging am 8. u. 9. Juni über den Rhein zurück, sich Jourdan entgegenzuwerfen. Der französischen Hauptmacht gegenüber hielt General Graf Wartensleben mit 20,000 Mann die Übergänge über die Lahn fest. General Wernek ging am 15. Juli über die Lahn u. wurde vom französischen General Lefebre angegriffen, welcher sich der Gebirgspässe bei Wetzlar bemächtigen wollte. Erzherzog Karl, welcher herbeieilte, stellte das schon halb verlorene Treffen wieder her. Wernek griff nun die Höhen von Altstetten u. den naheliegenden Wald an u. nahm sie beim zweiten Angriff. Zugleich hatten sich die Sachsen unter General Lindt bei Wetzlar gesammelt, u. die Franzosen wurden durch die österreichische leichte Reiterei aus dem Walde bei Altstetten vertrieben; auch die zweite Höhe, sammt der sie vertheidigenden Artillerie, wurde durch die sächsische Reiterei unter General Zeschwitz genommen, u. die Franzosen zogen sich Nachts in den Wald zurück. Nun gingen sämmtliche Colonnen der Verbündeten über die Lahn u. verfolgten die, sich am 16. Juni nach dem Rhein auf Coblenz u. über Montabauer u. Altenkirchen nach Düsseldorf zurückziehende Maas- u. Sambrearmee. Graf von Wartensleben verfolgte letztere Colonne u. Kray erreichte dieselbe am 19. Juni bei Uckerath, wo die Deutschen endlich siegten u. die Franzosen nach Düsseldorf hineinwarfen. Die Oberrheinarmee unter Wurmser (s. unten), durch die Detachirungen von 20,000 Mann, welche Beaulieu zur Hülfe nach Italien gesendet hatte, u. durch den Abzug des Erzherzogs bedeutend geschwächt, mußte den Plan, in Elsaß einzufallen, gänzlich aufgeben u. sich in einer Stellung zwischen der Rehhütte u. Frankenthal verschanzen. Moreau ließ am 14. Juni von Desaix die Rehhütte, von St. Cyr Frankenthal angreifen u. nöthigte Wurmser am 16. Juni, während derselbe die Schanzen bei Manheim, Mundenheim u. Rheingehnheim besetzt hielt, über den Rhein zurückzuweichen. Rheingehnheim nahm Moreau am 20. Juni u. in den folgenden Tagen, nachdem er den 24. Juni den Rhein überschritten hatte, alle Schanzen der Deutschen auf den Rheininseln, sowie auch das befestigte Kehl. Der französische General Ferino folgte nun dem Condéschen Corps über Offenbach, während General Desaix den Österreichern über Neumühl u. Appenwëyer nachrückte Alle Lager der Österreicher bei Biehl etc. wurden geräumt, viele kleine Gefechte, so bei Appenwëyer, Urloffen, Zimmern u. bes. am 28. Juni bei Renchen, wo Desaix mit dem Feldmarschalllieutenant Sztarray focht, fielen zum Nachtheile der Österreicher aus; La Roche erstürmte am 2. Juli den Paß von Kniebis u. Roßbühl über den Schwarzwald. Am 4. Juli wurde von den Franzosen Freudenstadt genommen, das Dorf Oos mit Sturm erobert u. endlich Rastadt von Moreau genommen. Unterdessen hatte Erzherzog Karl vom Rheinübergange bei Kehl Nachricht erhalten u. war, von Hochheim aufbrechend, Wurmser zu Hülfe ins Lager bei Durmershain gerückt. Da aber die Stellungen Moreaus zu vortheilhaft waren, zogen sich am 6. Juli die Österreicher in ein Lager zwischen Ettlingen u. Mühlberg, u. am 7. Juli trafen die Sachsen in Pforzheim ein. Der Erzherzog wollte am 10. Juli angreifen, allein Moreau kam ihm am 9. Juli zuvor u. zwang ihn durch seinen Sieg bei Ettlingen am 10. u. 11. Juli über Karlsruhe u. Durlach hinter Pforzheim gegen den Neckar zurückzuweichen. Während dieser Vorfälle hatte sich auch die Maas- u. Sambrearmee wieder in Bewegung gesetzt, u. Kleber war am 28. Juni von Neuem über den Rhein gegangen. Er hatte am 30. Juni die Österreicher vom linken Ufer der Sieg vertrieben, u. am 2. Juli bewerkstelligte Jourdan bei Neuwied seinen zweiten Rheinübergang. Die Österreicher wurden kurz darauf nach Dillenburg u. von da über die Lahn u. nach dem Gefechte bei Obermerl am 10. Juli von Kleber aus Friedberg verdrängt. Am 12. Juli standen die Franzosen vor Frankfurt a. M., welches sie am 15. Juli beschossen u. zur Übergabe nöthigten. Am 22. Juli ergab sich aus Wassermangel auch die Bergfestung Königstein. Die schnellen Fortschritte beider französischer Heere bewogen nun Württemberg zu Stuttgart u. Baden zu Baden, sowie den Schwäbischen Kreis auch am 27. Juli zu Stuttgart mit Moreau Waffenstillstand u. dann unter harten Bedingungen den Frieden zu Pariszu schließen. Beide traten von der Coalition ab; Württemberg[641] zahlte 4 Mill. Francs Kriegsentschädigung u. trat einige Besitzungen am linken Rheinufer ab; Baden mußte 2 Mill Francs Entschädigung geben u. verlor ebenfalls einige seiner Besitzungen. Nach der Schlacht von Ettlingen zog sich Erzherzog Karl, jeden Fuß breit Landes vertheidigend, nach der Donau zurück, vertheidigte zwar den Neckarübergang am 21. Juli bes. bei Kannstadt, ferner die Stellung bei Bopfingen am 5. Aug., bei Forchheim am 7., bei Neresheim am 8. u. errang bei Heidenheim am 11. kleine Vortheile, aber er konnte den Siegeslauf der Franzosen nicht hemmen u. am 16. Aug. war er bereits hinter der Donau. Von da zog er sich hinter den Lech nach Baiern. Indessen war der linke Flügel der Österreicher, welchen der Feldzeugmeister Latour, an des zum Commando in Italien abberufenen Wurmser Stelle, unter dem Oberbefehl des Erzherzogs Karl, commandirte, den 9. Aug. auch aus Bregenz vertrieben, u. Condé war den 13. Aug. nach dem Lech gedrängt worden. Hier schlug Moreau am 22. Aug. den General Latour u. nahm schon am Mittage sein Hauptquartier in Augsburg Jourdan hatte indessen, nachdem er Marceau, um Mainz u. Ehrenbreitstein zu belagern, zurückgelassen hatte, sich zur Verfolgung Wartenslebens in Bewegung gesetzt u. war den 18. Juli bis Aschaffenburg u. den 22. Juli bis Schweinfurt gelangt; am 24. Juni ergab sich Würzburg u. den 2. Aug. Königshofen, u. den 4. Aug. zogen die Franzosen in Bamberg ein. Am 7. Aug. wurden die Österreicher auch bei Forchheim geworfen. Gleich darauf ergaben sich die Festen Forchheim u. Rothenberg. Wartensleben, der sich bei Sulzbach u. Amberg aufgestellt hatte, wurde von Ney am 17. Aug. angegriffen, zog sich zurück u. nahm am 22. Aug. bei Schwarzenfeld eine feste Position Während dessen hatte auch der Fränkische Kreis zu Würzburg am 7. Aug. u. der Obersächsische Kreis (worin auch Kurhessen begriffen war) am 13. Aug. zu Erlangen einen Waffenstillstand mit dem französischen General Ernouf geschlossen, der u.a. auch die Bedingung des Rücktrittes von der Coalition enthielt, u. da später auch Baiern in München mit Moreau einen Vertrag schloß, wonach es 10 Mill. Francs Kriegssteuer, 3300 Pferde u. große Lieferungen verhieß, so sah sich Österreich ganz auf sich allein angewiesen.

Jourdan war inzwischen mit der Division Bernadotte über Neumarkt bis Teining vorgedrungen, stand nur noch 7 Meilen von Regensburg u. drohte die Verbindung Wartenslebens mit dem Erzherzog zu durchbrechen. Der Erzherzog Karl griff deshalb zu einer gewagten Operation; indem er Latour am Lech aufstellte u. Moreau über seine wahren Pläne dadurch täuschte, setzte er selbst mit dem Heere am 17. Aug. unvermuthet bei Ingolstadt über die Douau, rückte den Altmühlfluß bei Dietfurt u. Riedenburg hinauf u. nahm am 21. Aug. seine Stellung auf den Höhen von Herrieden, während Hotze bis Berching vorrückte. Der Erfolg rechtfertigte seine Berechnungen; bei Berching fand am 22. Aug. das erste Gefecht zwischen Bernadotte u. dem österreichischen Vortrabe statt, welches mit dem Rückzuge Bernadottes endigte. Am 23. Aug. wurde Bernadotte, nachdem Hotze zum Erzherzog gestoßen war, bei Neumarkt abermals geschlagen u. floh bis gegen Nürnberg; dadurch kam die Maas- u. Sambrearmee, durch die Übermacht bedrängt, in eine bedrohte Lage. Der Erzherzog ließ nun Jourdans Hauptmacht von allen Seiten zugleich angreifen; vergebens suchten die Franzosen am 24. Aug. sich auf den Höhen von Amberg zu halten, während General Bonnaud bei Kassel sich mit dem Kern der Reiterei dem Vordringen des Erzherzogs widersetzte, die Franzosen wurden in voller Flucht auf Sulzbach geworfen u. erlitten bei Rosenberg neuen Verlust. Unterdessen war Moreau, sobald ihm der Plan des Erzherzogs klar geworden war, zur Unterstützung Jourdans am 24. Aug. über den Lech gegangen, schlug Latour bei Haustetten u. Friedberg u. verfolgte ihn bis über Rheinthal. Hierdurch hoffte Moreau den Erzherzog von der Verfolgung Jourdans abzuziehen, täuschte sich aber, indem der Erzherzog nur 12–15,000 Mann unter dem General Nauendorf zur Verstärkung an Latour sandte u. fortfuhr, Jourdan von Sulzbach nach Velden u. Vilseck u. Kleber zwischen Baireuth u. Bamberg nach Holfeld zu drängen. Auf diesen Märschen verloren Beide Gepäck u. Artillerie; zwar griffen die Franzosen am 28. Aug. Hotze bei Burg Ebrach an, mußten sich aber am 29. Aug., da der Erzherzog anrückte, nach Bamberg zurückziehen. Indem die Österreicher nun das linke Mainufer besetzten, drohten sie der Sambre- u. Maasarmee den Rückzug nach Würzburg abzuschneiden, daher eilte Jourdan am 30. Aug. über Schweinfurt u. Lauingen, diese Stadt zu erreichen. Der Rückzug des französischen Heeres kostete große Opfer, denn überall standen die erbitterten Bauern auf u. schlugen alle Franzosen nieder, welche ihnen einzeln in die Hände fielen. Hotze kam am 1. Sept. vor Würzburg an; er ließ den Commandanten Bellemont vergebens zur Ergebung auffordern, zwang aber die Franzosen, sich in die Citadelle zurückzuziehen, während er selbst den Galgenberg besetzte. Kienmayer schloß die Citadelle vom linken Ufer ein u. Piomquet schlug einen Ausfall der Besatzung auf die Brücke zurück. Am 2. Sept. drang Grenier bei Arnstein u. Lengfeld gegen den Geisberg vor, worauf Hotze die Besatzung der Stadt verstärkte, Piomquet die Thore verrammelte u. Hiller den Franzosen auf der Schweinfurter Straße ein unentschiedenes Gefecht lieferte. In der Nacht kam Jourdan mit der Hauptmacht an, u. Nachts zuvor war der Erzherzog bei Schwarzbach über den Main gegangen. Hotze beschäftigte die Franzosen durch kleine Scharmützel, während Sztarray ihnen bei Lengfeld in der Flanke erschien. Nach der Ankunft des Erzherzogs gingen die Österreicher zum Angriff über u. brachten in der siegreichen Schlacht bei Würzburg den Franzosen einen empfindlichen Verlust bei. Den 4. September capitulirte die Citadelle Würzburg mit 1000 Mann u. dem General Bellemont. Der Rest der Division Bernadotte wurde am 8. Sept. bei Aschaffenburg aufgerieben u. die Österreicher besetzten die Stadt. Am 8. Sept. räumten die Franzosen auch Frankfurt a. M., u. am 9. Sept. wurde die Belagerung von Mainz, diesseit des Rheins, aufgehoben. Jourdan selbst wurde am 16. Sept. von Gießen die Lahn hinauf bis zur Lahnmündung getrieben, verlor bei Gießen beträchtlich, mußte sich dann hinter die Sieg zurückziehen u. wurde bei Altenkirchen von Jourdan am 19. Sept abermals geschlagen, bei welcher Gelegenheit General Marceau fiel. Nun trat Jourdan das Commando an [642] Beurnonville ab, welcher sich am 19. Sept. nach Düsseldorf zurückzog. Der Rückzug der Sambre- u. Maasarmee brachte Moreau, der noch am 18. Sept. in Baiern stand, in große Verlegenheit, da die Österreicher schon auf Stuttgart u. Kehl marschirten, um ihm den Rückzug zu versperren; er beschloß daher eiligst den Rückzug, der mit meisterhaftem Geschick ausgeführt, zu den größten Waffenthaten dieses Feldherrn zählt. Am 19. Sept. bis 27. Oct führte Moreau sein Heer, dessen linker Flügel ganz Preis gegeben war, ohne Verbindung mit der Besatzung von Kehl u. dem Belagerungscorps von Philippsburg, beinahe 50 Meilen, durch ein gegen seine Truppen erbittertes gebirgiges Land, über Augsburg u. Ulm, wo er ein unglückliches Arrieregardengefecht bestand, nach Biberach, warf hier gm 12. Oct den General Latour, welcher ihm den Weg versperren wollte, passirte glücklich das Höllenthal am 15 Oct., nahm bei Emendingen am 19. Oct mit dem Erzherzog, Wartensleben u. dem Prinzen von Württemberg den Kampf auf, bahnte sich einen Weg bis Schlingen, wo er am 22. Oct. wieder aus seiner festen Stellung verdrängt wurde, u. gelangte über die Rheinbrücke bei Hüningen am 28. Oct. glücklich nach Frankreich zurück. Dieser Rückzug war um so schwieriger, da die Österreicher den General Tarneau, dessen Corps eine Verbindung mit Bonaparte herstellen sollte, am 13. Sept. bei Füssen, am 17. bei Kempten u. am 20. bei Ißney mit bedeutendem Verluste geschlagen hatten u. Moreau auch auf dem rechten Flügel bedrohten. So war das ganze rechte Rheinufer wieder von den Franzosen geräumt bis auf Kehl u. die Brückenköpfe bei Manheim u. Hüningen, welche indeß 2. Febr. 1798 ebenfalls wieder in österreichischer Gewalt waren.

Nun trat am Rhein eine Zeit hindurch der That nach ein Waffenstillstand ein, welcher es dem Erzherzog Karl möglich machte, sich dem unaufhaltsam in Italien vordringenden General Bonaparte entgegenzustellen. Bonaparte hatte am 30. März 1796 das Commando in Italien übernommen. Sein erstes Werk war die Reorganisation des in schlechtem Zustande befindlichen Heeres, welches an allen Bedürfnissen Mangel leidend, in die größte Muthlosigkeit versank, wogegen die Österreicher u. Sardinier unter Beaulieu, 60,000 Mann stark u. durch Neapolitaner verstärkt, eine imposante Macht bildeten. Bonaparte setzte, ohne das Directorium zu fragen, neue Offiziere, sogar neue Generale ein, brachte selbst auf französischem Boden Geld u. Lieferungen für die Truppen zusammen u. erwarb sich bald das allgemeine Zutrauen der Soldaten. Um gleich bei Eröffnung des Feldzuges schlagfertig zu sein, zog er sein Heer an der genuesischen Küste zwischen Voltri u. Finale zusammen, theilte es in die Divisionen La Harpe, Massena, Augereau u. Serrurier u. wartete auf einen günstigen Moment zum Losschlagen. Beaulieu verschob die Eröffnung des Feldzuges, verschmähte den klugen Rath des sardinischen Obergenerals Colli, welcher mit der Hauptmacht das Centrum der Franzosen sprengen, bis zur Küste vorprallen u. so den rechten französischen Flügel abschneiden u. vernichten wollte, u. rückte dem absichtlich ausgestreuten Gerüchte, als wolle Bonaparte zuerst Genua erobern, Glauben schenkend, zunächst gegen den äußersten rechten Flügel nach Voltri hin vor, wodurch zwischen ihm u. Colli eine Lücke entstand. Kaum war diese von Bonaparte bemerkt, als derselbe, um Colli von Beaulieu zu trennen, vorging; zunächst ließ er Montenotte, den Paß der Apenninen, über welchen das Corps gehen mußte, das die österreichische Linie zu durchbrechen bestimmt war, von einer Brigade besetzen, setzte dem Angriff Beaulieus auf Vogliera am 10. April kein Hinderniß entgegen, sondern eilte mit den gesammelten Truppen des rechten Flügels u. Centrums nach Montenotte. Dies war inzwischen von dem General Argenteau den Franzosen entrissen u. wurde bei dem erneuten Angriff derselben am 10. April von den Österreichern tapfer vertheidigt, so daß die Franzosen bis Monte Negro zurückweichen mußten, wo General Rampon u. die Division La Harpe Stellung genommen hatten. Am 11. April gingen die Franzosen zum Angriff über, die linke Flanke Argenteaus wurde von Bonaparte mit den Divisionen Serrurier u. Massena überflügelt, mit Verlust von mehr als 8000 Mann geschlagen u. mußte nach Ponte Ivrea fliehen. Rasch stieg nun Bonaparte in die Thäler der Bormida u. ließ durch Massena Dego besetzen, während La Harpe sich gegen Beaulieu wandte u. Augereau über Millesimo vorrückte. Dieser stieß hier auf das Corps Proveras, welches die Verbindung zwischen Colli u. Beaulieu bei dem Schlosse Cossaria aufrecht erhalten sollte, u. durchbrach die österreichische Linie. Gegen 1000 Mann retteten sich in das Schloß, vertheidigten es tapfer u. schlugen drei Stürme der Franzosen zurück. Colli versuchte nun am 14. April, durch einen Angriff auf die Franzosen bei Millesimo, Provera in Cossaria zu Hülfe zu eilen, aber Massena überwältigte den linken Flügel des Feindes, u. Colli mußte sich mit schwerem Verlust zurückziehen. Als Provera sich in Folge dessen ergeben hatte, drang Massena auf dem rechten, La Harpe auf dem linken Ufer der Bormida gegen Dego vor, wo Beaulieu, der nach dem Unfalle bei Montenotte den Küstenangriff aufgegeben hatte, eine Stellung nahm, während Argenteau mit 10,000 Mann bei Acqui die Bormida vertheidigen sollte. Dego selbst war mit nur 3000 Mann besetzt, weshalb Argenteau dem Orte ein etwa ebenso starkes Corps zu Hülfe sandte, den Obersten Vukassovich mit 4000 Mann nach Ponte Ivrea detachirend, damit derselbe den Feind in den Rücken nehme. Allein selbst von Massena in Flanke u. Rücken genommen, wurden am 14. April die Österreicher mit großem Verlust an Mannschaft u. Geschütz geschlagen. Am 15. April nahm Vukassovich zwar den Franzosen die Beute wieder ab, aber am Abend gelang es der vereinigten französischen Heeresmacht, ihn zum Rückzug zu zwingen. Bonaparte sendete nun am 17. April die Divisionen Serrurier u. Augereau in Collis linke Flanke bei Ceva u. zwang denselben nach dem Tanaro zurückzugehen; dort von Serrurier angegriffen, wich er am 22. April zurück, als die Franzosen den rechten Flügel zu umgehen drohten. Indessen eilte Beaulieu sich mit Colli zu vereinigen. Der König von Sardinien aber, durch Bonapartes rasches Vordringen erschreckt, schloß gm 28. April zu Genua einen Waffenstillstand, wodurch den Franzosen Coni, Ceva, Tortona u. Alessandria überliefert u. der Poübergang unterhalb Valenza gestattet wurde. Beaulieu hierdurch alles Schutzes im Rücken beraubt u. um 15,000 Mann geschwächt, zog sich hinter[643] den Po u. erwartete in einer Stellung zwischen Tortona u. Valenza Verstärkungen, um den Franzosen den Flußübergang zu verwehren. Allein schon am 7. Mai setzten die Franzosen unter Lannes bei Piacenza über den Po, trieben am 8. Mai die Österreicher nach Pizzighetone u. besetzten Cadagno. Von dem bei Pavia stehenden Theile seines Heeres u. von Österreich abgeschnitten, war Beaulieu genöthigt sich durchzuschlagen u. forcirte, indem er über die nachlässig marschirenden Franzosen herfiel, bei Lodi den Übergang über die Adda. Unterdessen hatte auch der Herzog von Parma am 9. Mai unter schweren Bedingungen einen Waffenstillstand erlangt, dem im Oct. der Friede mit Frankreich folgte, so daß Bonaparte den Österreichern auf den Fersen bleiben konnte. Feldmarschalllieutenant Sebottendorf sammelte hinter der Adda 9000 Mann Infanterie u. 1500 Reiter, während Beaulieu nach Mantua eilte, um diesen Platz in Vertheidigungsstand zu setzen; die Hauptarmee von 60,000 Mann stand in Reserve. Am Mittag des 11. Mai erschien der Vortrab der Franzosen zugleich mit dem Nachtrabe der Österreicher, die von Pavia her nach Lodi eilten, welchen Ort die Franzosen eilig be etzten. Die Divisionen Augereau u. Massena bereiteten sich nun, die Brücke von Lodi anzugreifen; zwei französische Batterien, welche den Angriff decken sollten, waren gegen Abend vernichtet u. die Bedienung fast gusgerieben. Bonaparte setzte indeß Alles daran, die Brücke noch vor Abend zu erobern, u. unter dem lebhaftesten Geschützfeuer der Österreicher, welche die Brücke mit 14, im Halbkreis aufgefahrenen Kanonen der Länge nach bestrichen, drangen Massena, Berthier u. Lannes an der Spitze ihrer Truppen vor u. trieben die Österreicher in die Flucht. Diese Schlacht entschied das Geschick der Lombardei. Cremona, Pizzighetone (12. Mai) u. Pavia (14. Mai) fielen den Siegern in die Hände; 4 Tage nach der Schlacht zog Bonaparte als Sieger in Mailand ein, wo er 20. Mill. Contribution erhob, verließ jedoch diese Stadt am 24. Mai, um die österreichische Armee von Neuem anzugreifen. Während seiner Abwesenheit entstand in Mailand u. Pavia ein gefährlicher Aufstand, den nur Waffengewalt zu dämpfen vermochte; Pavia wurde mit Sturm genommen u. geplündert u. Mailand entwaffnet. Unterdessen schlug Bonaparte am 29. Mai beim Übergang über den Mincio die Österreicher bei Borghetto u. Vallegio, u. Augereau nahm Peschiera, während die Österreicher über Castel Nuovo die Etsch passirten. Am 31. Mai gingen die Franzosen nach Rivoli; am 3. Juni zog Bonaparte nach der Einnahme von Brescia in Verona ein. Durch Besetzung dieser Stadt verletzte Bonaparte indeß die Neutralität Venedigs, weshalb Venedig sich zur Gegenwehr rüstete. Massena folgte nun der österreichischen Armee u. nahm eine starke Stellung bei Rivoli u. La Corona, während d'Allemagne u. Lannes am 4. Juni einen Brückenkopf u. die Vorstädte S. Giorgio von Mantua wegnahmen. Auch Augereau, der über den Mincio gegangen war, ging am 18. Juni bei Borgoforte über den Po u. kam am 21. Juni in Bologna an, nachdem am 19. Juni Bonaparte Urbino u. Ferrara genommen hatte. Dieser kam nun ebenfalls nach Bologna, verjagte die päpstlichen Behörden, erklärte die Stadt für frei u. ließ sich den Eid der Treue schwören. Hierdurch beunruhigt, sandte der Papst den spanischen Gesandten Azara u. den Marquis Guidi ab, welche am 25. Juni mit Bonaparte einen Waffenstillstand schlossen, dem zu Folge der Papst sich dazu verstand, 20 Mill. Francs zu zahlen u. 100 Statuen u. 500 Handschriften den Franzosen zu überlassen. Schon am 5. Juni bat auch Neapel um Frieden, unterzeichnete einen Waffenstillstand in Brescia u. erkaufte am 10. Oct. den Frieden in Paris mit 5 Mill. Francs. Auch Toscana. wurde, ungeachtet der ihm früher zugesicherten Unverletzbarkeit seines Gebietes, in Schrecken gesetzt u. mit Mühe erhielt es die Zusicherung, daß die französischen Truppen nicht über Florenz, sondern über Siena gehen sollten, dennoch wurde Livorno am 28. Juni durch die Division Vaubais besetzt, um die dort im Hafen liegenden englischen Schiffe in Beschlag zu nehmen; jedoch entkamen über 80 britische Schiffe, zeitig gewarnt, kurz vor Ankunft der Franzosen. Auch der Herzog von Modena. hatte indessen ebenfalls gegen Zahlung von 10 Mill. Frcs. einen Waffenstillstand geschlossen. Doch half diesem die Unterwerfung wenig, denn als später, am 8. October, Ferrara, Bologna u. die Romagna sich zum Cispadanischen Bunde vereinigte, wurde Modena ohne Weiteres demselben einverleibt. Am spätesten unter den italienischen Staaten unterwarf sich Genua, das erst am 9. Oct. mit Frankreich eine Übereinkunft in Paris schloß, sich unter französichen Schutz begab, 2 Mill. Francs Contribution zahlte u. 2 Mill. bis zum Frieden unverzinslich vorschoß. Am 29. Juni fiel auch die Citadelle von Mailand. In Lugo brach indessen am 6. Juli ein Aufruhr aus, den Augereau mit vielem Blutvergießen dämpfte. Nun wandte sich Bonaparte selbst gegen Mantua, während Massena die österreichischen Vorposten aus La Voc chetta de Campion u. Bellona vertrieb. Unterdessen war Wurmser bei der österreichischen Armee in Italien eingetroffen, hatte das Commando übernommen u. wollte Mantua entsetzen. In Mantua lagen unter dem General Conto d'Yrles 14,000 Mann u. machten mehrere Ausfälle gegen das Einschließungscorps unter Serrurier, dem das Belagerungsgeschütz noch fehlte, doch eröffnete es am 18. Juli die Laufgräben, während Sebottendorf, Davidovich, Mitrowsky, Meszaros u. Quasdanovich auf der ganzen Linie Massena mit Glück angreifend u. die Franzosen überall zurückdrückend, den 1. Entsatzversuch von Mantua machten. Bonaparte hob daher die Belagerung Mantuas auf u. zog mit seiner ganzen Macht an den Mincio. Am 1. Aug. kam es bei Lonato u. Salo zu Gefechten, welche zum Vortheil der Franzosen ausfielen, u. Augereau nahm den Österreichern das von denselben wieder eingenommene Brescia von Neuem ab. Wurmser war indessen in Mantua eingerückt u. hatte seine Truppen bis Castiglione vorgeschoben, wo erst Augereau seine Vorhut, dann Bonaparte ihn selbst schlug u. mit 2000 Mann Verlust nach Mantua zurück warf. In 5 Tagen war der ganze Feldzug geendet, in welchem Bonaparte 70 Geschütze eroberte u. 12–15,000 Gefangene machte. Durch die von Massena ausgeführte Erstürmung des Lagers von Pizzighetone am 6. August, wurde Wurmser auch aus der Stellung hinter dem Mincio verdrängt u. zog sich, in Mantua Verstärkung zurücklassend, mit dem General Quasdanovich zurück. Von Massena aber am 11. August [644] bei Montebaldo. Corona noch einmal angegriffen u. geschlagen, zog sich Wurmser Mitte Aug. nach Trient zurück. Hierauf nahm Bonaparte, durch General Sahuget mit 10,000 Mann verstärkt, die Blockirung Mantuas von Neuem auf, da der Ausbruch einer Lagerseuche eine förmliche Belagerung hinderte. In den letzten Tagen des Augusts brach Wurmser aus den tyroler Engpässen hervor, um einen 2. Entsatzversuch von Mantua zu machen, während Davidovich mit 25,000 Mann Tyrol deckte. Bonaparte aber ging ihm mit 33,000 Mann nach den Engpässen von S. Marco u. bei Mori entgegen, eroberte am 3. Sept. das dortige verschanzte Lager u. warf die Österreicher auf Roveredo zurück. Am 4. Sept. wurden die Engpässe u. der fast uneinnehmbare Posten bei Caliono forcirt, so daß die Österreicher, völlig geschlagen, mit Verlust von 6–7000 Gefangenen u. 25 Kanonen die Flucht ergriffen. Am 5. Sept. zog Massena in Trient ein, während d'Allemagne die Verschanzungen Davidovichs hinter dem Lavis nahm. Wurmser, von Augereau verfolgt, konnte die Verschanzungen hinter der Brenta bei Primolano nicht halten, sie wurden am 8. Sept. von den Franzosen genommen, der Nachtrab der Österreicher am 9. bei Solano angegriffen u. mit Verlust in die Flucht geworfen, so daß auch Bassano in die Hände der Franzosen fiel. In der Hoffnung, nach Mantua zu gelangen, wandte sich Wurmser nun nach Verona. wo ihm aber Kilmaine den Weg versperrte. Er zog hierauf die Etsch herab, überschritt dieselbe bei Porto Legnano, schlug die Franzosen bei Cerea u. rückte am 13. Sept. in Mantua ein. Indessen hatte Augereau Porto Legnano genommen, u. nun wandte sich die ganze Macht der Franzosen gegen Mantua. Österreichs Hauptinteresse war nun, den in Mantua eingeschlossenen Wurmser zu retten, u. schon am 31. Oct. drangen Alvinczy nebst Davidovich, 45,000 Mann stark, zu einem 3. Entsatzversuch Mantuas durch Friaul u. Tyrol abermals in Italien ein. Massena zog sich vor diesem Anfangs zurück, verband sich bei Montebello mit Augereau u. wich bis Verona. Allein die dadurch gewonnenen Vortheile vernichtete Bonaparte. Dieser von Verona aus bei Ronco die Etsch überschreitend, wandte sich auf langen u. schmalen Dämmen, den einzigen gangbaren Straßen in dieser Gegend, am 15. Nov. nach dem Dorfe Arcole, zu dem eine kleine steinerne, von den Österreichern verrammte Brücke führte. Angereau griff das Dorf vergeblich an, u. obwohl derselbe sich, als Lannes, Verdier, Bon u. Verne sämmtlich verwundet worden waren, an die Spitze der Sturmcolonne stellte, wichen die Franzosen von dem heftigen Gewehrfeuer zurück. Endlich machte Bonaparte, eine Fahne mit eigener Hand auf die Brücke pflanzend, den letzten Versuch, die Stellung zu nehmen, die weichenden Truppen rissen ihn aber mit sich fort, er stürzte bis an die Hüften in einen Sumpf u. nur durch die Tapferkeit seiner Grenadiere, welche unter dem General Belliard den Feind über die Brücke zurückgetrieben hatten, wurde er vor Gefangenschaft gerettet. Erst als General Guyeux am linken Ufer des Alpon erschien, räumten die Österreicher Arcole, u. Bonaparte besetzte den Ort, obgleich die Einnahme ohne Nutzen war, da Alvinczy, in Kenntniß gesetzt, daß er es mit der französischen Hauptmacht zu thun habe, seine Stellung veränderte. Die Franzosen zogen sich in der Nacht, wieder auf das rechte Ufer der Etsch zurück, u. die Österreicher griffen am 16. Nov. an. Massena warf den General Provera nach Porcil, aber Augereau suchte vergebens das von Neuem stark besetzte Arcole zu nehmen. Während der Nacht ließ Bonaparte eine Brücke an der Mündung des Alpon schlagen u. griff am 17. Nov. wieder an. Die Österreicher von der Besatzung Porto Legnanos im Rücken bedroht, wichen nun unter großen Verlusten zurück. Bonaparte schlug am 21. November auch den General Davidovich bei Campana u. trieb ihn über Rivoli nach Ala. Nach diesen siegreichen Schlachten besetzten die Franzosen Brescia, Salo, Peschiera, Castel nuovo, Dolce, Corona u. das Ufer der Etsch von Verona bis Porto Legnano. Bald darauf unternahmen die Österreicher den 4. Entsatzversuch Mantuas. Am 16. Dec. drang Alvinczy mit 80,000 Mann aus Tyrol vor. Provera schlug mit 10,000 Mann den General Augereau am 9 Jan. 1797 an der untern Etsch, warf ihn aus Porto Legnano, überschritt aber erst den 17. die Etsch. Massena wurde am 12. Jan. 1797 ebenfalls bei S. Michele u. Joubert bei Montebaldo u. Corona am 12. u. 13. Jan. von Alvinczy geschlagen, welcher Bonaparte am 14. Jan. selbst bei Rivoli angriff. Eine blutige u. verwickelte Schlacht entspann sich u. endigte mit der Niederlage der Österreicher. Nun wandte sich Bonaparte mit den ermatteten Truppen noch gegen Provera, während Augereau bei der Etschbrücke den Österreichern 14 Kanonen abnahm u. dann die Brücke abbrannte Provera indessen war bei der Vorstadt S. Giorgio vor Mantua angekommen u. hatte sich mit Wurmser in Einverständniß gesetzt, u. dieser that am 16. Jan., um sich der Vorstädte Favorite u. S. Antonio zu bemächtigen, einen Ausfall, während Provera angriff. Da aber Wurmser zurückgeschlagen wurde, mußte Provera sich mit 6000 Mann u. 20 Kanonen ergeben. Ein neuer Sieg der Franzosen unter Joubert über Alvinczy am 15. Jan. raubten den um 18,000 Mann geschwächten Österreichern alle Hoffnung, den Ersatz Mantuas durchzusetzen, u. am 2. Febr. 1797 mußte sich Mantua ergeben. Die Besatzung, 18,000 Mann stark, ward auf Ehrenwort nach Österreich entlassen, nur Wurmser blieb nebst einigen auserlesenen Truppen vollkommen frei. Der Fall Mantuas entschied den Krieg.

C) Feldzug von 1797. Eine 6 Wochen lange factische Waffenruhe trat nun in Italien ein, während welcher der Erzherzog Karl den Oberbefehl über die österreichischen Streitkräfte in Italien übernahm. Als am 10. März Bonaparte den Feldzug begann, zog sich der Erzherzog langsam, fast ohne Gefecht, von der Piave zum Tagliamento u. weiter nach dem Isonzo zurück. Allein auch aus dieser Stellung verdrängten ihn am 10. März die Franzosen, trieben ihn ganz aus dem Venetianischen Gebiet u. besetzten am 23. März Gradisca, Görz u. Triest. Nach dem Gefechte bei Tarvis am 20. März wurden auch die Pässe der Kärutner Alpen von Massena genommen, u. General Laudon zog sich nach Finstermünz, der Erzherzog nach Steier zurück. Brixen, Botzen, Klagenfurt, Laibach wurden von den ins Innere der Österreichischen Erblande vordringenden Franzosen besetzt. Nur 9 Poststationen war Bonaparte noch von Wien: als Erzherzog Karl die Generale Bellegarde u. Meerfeld in [645] Bonapartes Hauptquartier zu Judenburg sandte, wo dieselben am 7. April einen 6tägigen Waffenstillstand schlossen. Die Franzosen gingen um so eher darauf ein, als ihre Lage unsicher wurde, theils durch das von Wien aus am 4. April ergangene Aufgebot in Masse, theils durch die Niederlage Jouberts in Tyrol, welche den Verlust von Fiume u. Triest zur Folge hatten. Obwohl damit wieder eine bessere Aussicht gewonnen war, so zog es der Kaiser von Österreich doch vor, am 18. April den Präliminarfrieden zu Leoben zu schließen. Österreich verzichtete auf Belgien u. auf alle italienischen Besitzungen jenseit des Oglio u. sollte dagegen das Venetianische Gebiet zwischen dem Oglio, Po u. Adriatischen Meere, Venetianisch Istrien u. Dalmatien, nebst der Bocca di Cattaro u. die dalmatischen Inseln erhalten. Venedig sollte durch Theile vom Gebiet des Papstes entschädigt, zum Abschluß des Friedens mit dem Deutschen Reiche aber ein Congreß zusammenberufen werden; Österreich erkannte auch die Cisalp nische Republik an. Die gleichfalls angebotene Anerkennung der Französischen Republik verwarf Bonaparte, weil, sie nicht anerkennen, eben so viel heiße als das Dasein der Sonne am hellen Mittag leugnen. Indessen änderten sich mehrere Verhältnisse in Italien Gleich nach dem Falle Mantuas war dem Papst der Waffenstillstand aufgekündigt worden, u. da die päpstliche Heeresmacht am 2. Febr. am Senio geschlagen u. Foligno von den Franzosen besetzt worden war, so schloß der Pgpst am 19. Febr. den Frieden zu Tolentino, trat Avignon, Benaissin, Bologna, Ferrara u. die Romagna ab, überließ Ancona den Franzosen bis zum allgemeinen Frieden u. zahlte noch 15 Millionen Francs Contribution. So war Österreich fast von allen Bundesgenossen verlassen u. ganz auf seine, durch Verlust u. Muthlosigkeit geschwächten Heere beschränkt. Noch mehr wuchsen aber die disponiblen Kräfte der Franzosen durch das Schutz- u. Trutzbündniß, welches am 5. April der König von Sardinien mit der Französischen Republik schloß. Gleich nach dem Frieden von Leoben erklärte Bonaparte, die Republik Venedig habe die Neutralität verletzt, schlug ihre Truppen am 14. April bei Salo, u. den 16. Mai wurde Venedig u. die venetianischen Inseln von den Franzosen besetzt u. gebrandschatzt. Auch Genua wurde durch die Übereinkunft zu Montebello 6. Juni unter dem Namen der Ligurischen Republik unter französische Botmäßigkeit gebracht u. zu einem zweiten Darlehn von 4 Millionen Fr. gezwungen. Eben so wurde den 29. Juni die Selbständigkeit der Cisalpinischen Republik statt des Cispadanischen Bundes von Bonaparte erklärt, eigentlich aber unter diesem Namen eine neue französische Provinz geschaffen. Die weiteren Unterhandlungen mit Österreich wurden indeß seit dem 19. Mai zu Udine geführt u. brachten es endlich am 17. Oct. definitiv zu dem Frieden von Campo Formio, bestätigt den 3. Nov., nachdem Bonaparte schon am 27. Sept. die Vereinigung Mantuas mit der Cisalpinischen Republik ausgesprochen hatte. Die Friedensbedingungen waren fast dieselben wie beim Frieden zu Leoben, nur erhielt Österreich noch die Stadt Venedig u. die griechisch-venetianischen Inseln, wogegen das venetianische Albanien Frankreich für sich in Anspruch nahm. Der Herzog von Modena sollte im Breisgau entschädigt werden. Die Batavische Republik wurde anerkannt. In beigefügten geheimen Artikeln gab Österreich die Einwilligung zur Abtretung des linken Rheinufers, wogegen es Salzburg u. den Theil Baierns zwischen Tyrol, dem Inn u. der Salza erhalten, das Frikthal aber an Frankreich kommen sollte. Der Erbstatthalter von Holland u. die Reichsfürsten, welche Besitzungen am linken Rheinufer hatten, sollten entschädigt werden, Preußen aber leer ausgehen. Die österreichischen Truppen endlich sollten das ganze Reich sammt allen Festungen bis zur Grenze seiner Erbstaaten räumen.

In Deutschland hatten inzwischen seit dem Rückzuge Moreau's keine Kriegsereignisse von Bedeutung stattgefunden. Zwar war am 18. April Hoche mit der Sambre- u. Maasarmee bei Neuwied über den Rhein gegangen u. hatte den General Wernek geschlagen, während Moreau bei Strasburg den Rhein überschri tt u. bei Diensheim Sztarray warf; allein die Nachricht von dem Präliminarfrieden machte den Feindseligkeiten schon im Mai ein Ende.

DFriedensunterhandlungen zu Rastadt. Am 9. Dec. 1797 wurde der Friedenscongreß zwischen Frankreich u. Deutschland zu Rastadt versammelt, aber während dieser in langen fruchtlosen Berathungen zu keinem Ziele kam, überschritten die Franzosen unter General Hatry am 16. Dec. den Rhein bei Oppenheim, eroberten Mainz am 28. Dec. durch Capitulation, belagerten Ehrenbreitstein, erstürmten die Rheinschanze bei Manheim gm 25. u. 26. Jan. 1798 u. befanden sich im völligen Besitz des linken Rheinufers. Auf dem Rastadter Friedenscongresse waren indessen die französischen Abgeordneten, Treilhard u. Bonnier d'Arco, kaiserlicher Seits der Graf Metternich, die Gesandten von Preußen, Schweden u. Dänemark, als Reichsmitglieder, u. die andern reichsfürstlichen Gesandten erschienen. Das gegensei. ige Mißtrauen der deutschen Mächte gab den Franzosen entschiedenes Übergewicht. Nach langen Streitigkeiten über die Vollmachten u. die von den Franzosen kategorisch geforderte Rheingrenze, welche das Reich nicht zugestehen wollte, ging die Reichsdeputation am 11. März 1798 endlich diese Bedingung ein. Allein im Verlauf der Unterhandlungen wurden die französischen Forderungen immer härter, je mehr das Waffenglück den Heeren der Republik günstig wurde. So verlangten die französischen Unterhändler sämmliche Rheininseln, die Forts Kehl u. Kassel, die Schleifung Ehrenbreitsteins, die Wiederherstellung der Brücke von Breisach, einen Bezirk der Brücke von Hüningen gegenüber, alle Familiengüter u. Domänen der auf dem linken Rheinufer begüterten Fürsten u. die Übertragung der Staatsschulden des linken Rheinufers auf die Entschädigungsländer am rechten. Die Verhandlungen waren endlich Ende 1798 dem Abschlusse nahe: als der Krieg zwischen Österreich u. Frankreich in Italien wieder begann, worauf sich nach wenigen Monaten der Rastadter Friedenscongreß auflöste. Am 8 April 1799 erklärte Graf Metternich den französischen Bevollmächtigten, der Kaiser betrachte Alles, worüber man zu Rastadt, unter Voraussetzung kaiserlicher Bestätigung übereingekommen sei, als nicht geschehen, u. am 25. April erklärten die Bevollmächtigten der Republik unter bitteren [646] Klagen über Verletzung des Völkerrechts durch Auffangen ihrer Couriere, daß sie in 3 Tagen Rastadt verlassen, allein in Strasburg die Wiederaufnahme der Unterhandlungen abwarten würden. Am 28. April, als dem zu ihrer Abreise festgesetzten Tag, blieben sie jedoch den größten Theil desselben noch zu Rastadt, als Abends um 7 Uhr eine Abtheilung Szekler Husaren einrückte. Der Aufforderung des Obersten Barbaczy nachgebend, reisten sie nun, ungeachtet ihnen die verlangte Escorte nicht gewährt wurde, um 9 Uhr Abends ab, wurden aber 200 Schritte von der Stadt, auf dem Wege nach Plittersdorf, von einer Patrouille von Szekler Husaren überfallen. Zwei der Gesandten, Roberjot u. Bonnier, wurden getödtet u. ihrer Papiere beraubt, der dritte, Jean de Bry, entkam verwundet u. der Gesandtschaftssecretär Rosenstyl flüchtete sich ebenfalls. Beide stellten sich unter Schutz der preußischen Gesandtschaft. Diese That (Rastadter Gesandtenmord), deren Schuld von den Franzosen Öfterreich od. den Emigranten vorgeworfen wurde, rief in Frankreich den heftigsten Groll gegen Österreich hervor, u. mit leidenschaftlichem Eifer wurde der Krieg von den Franzosen wieder aufgenommen.

E) Feldzug von 1798. In Italien, bes. in Rom, war es unterdessen zu Unruhen gekommen; ein Haufen Volks hatte am 28. Dec. die dreifarbige Cocarde aufgesteckt u. die Republik leben lassen, u. bei dem dadurch entstandenen Aufruhr wurde der französische General Duphot erschossen. Dies nahm Joseph Bonaparte, der französische Gesandte, zum Vorwand, seine Pässe zu fordern, u. reiste den 29. Dec. ab. Das französische Directorium ergriff diesen Anlaß zum Friedensbruch u. befahl Berthier, von Mailand mit 15,000 Mann auf Rom zu marschiren, ein 2. Corps zog über Ancona heran, u. am 11. Febr. wurde Rom u. die Engelsburg besetzt. Am 15. Febr. sammelte sich ein Volkshaufen auf den Campo Vaccino, verkündete die Römische Republik u. zog dann in Berthiers Hauptquartier zu Monte Mario, ihn zum Schutze anzurufen. Berthier kam sogleich nach Rom, bestätigte auf dem Capitol das Geschehene u. erkannte die neue Republik an. Der Papst mußte seiner weltlichen Herrschaft entsagen u. die Republik anerkennen. Bald jedoch riefen die Erpressungen der Franzosen einen Aufstand der Transtiberiner hervor, der nur nach heftigem Kampfe vom General d'Allemagne unterdrückt werden konnte u. der um so gefährlicher schien, als am 24. u. 25. Febr. zu Velletri, Marino u. Cartello gleichfalls Unruhen ausbrachen. Doch auch diese wurden von Murat unterdrückt, welcher am 27. Febr. die Insurgenten schlug u. zerstreuete. Der König von Neapel, in Folge der Errichtung der Römischen Republik für seine Staaten fürchtend, nahm vorläufig das von seinem Gebiet umschlossene Herzogthum Benevent in Besitz. Die Franzosen versuchten darum auch in Neapel einen republikanischen Aufstand anzuzetteln, weshalb der König den Schutz Englands suchte. Die deshalb geführten Unterhandlungen, welche sich auch auf ein gleichzeitiges Bündniß mit Österreich erstreckten, wurden dem Directorium verrathen, u. dieses suchte nun mit Neapel zu brechen. Der König von Neapel gab scheinbar nach, vermehrte aber seine Armee auf 120,000 Mann, nahm den österreichischen General Mack am 19. Sept. in seine Dienste u. brach endlich gegen die Franzosen mit 60,000 Mann unter Mack am 22. Nov. nach der römischen Grenze auf. Championet wich ohne Verlust, nach Zurücklassung einer Besatzung in der Engelsburg am 24. Nov., bis nach Ancona u. Civita Castellana zurück, um Joubert aus Piemont an sich zu ziehen. Am 19. Nov. zog der König von Neapel in Rom ein u. sein Heer rückte fast unangefochten bis zur toscanischen Grenze. Doch überall, wo die Neapolitaner die Franzosen angriffen, zogen Erstere den Kürzeren, so bei Terni (27. Nov.), Fermo (30. Nov.) u. Civita Castellana (4. Dec.); u. bei Calvi ergaben sich selbst am 9. Dec. 5000 Neapolitaner den Franzosen ohne Gegenwehr. Als die Franzosen ernstlichen Widerstand leisteten, zogen sich die Neapolitaner auf Rom zurück, u. am 13. Dec. wurde die Stadt wieder von Franzosen besetzt Die entmuthigte neapolitanische Armee, die schon über 12,000 Mann an Gefangenen eingebüßt hatte, zog sich immer weiter zurück. Nur ein Theil unter Roger Damas focht tapfer gegen Kellermann, zog sich auf Civita Vecchia u. von da nach Orbitello, wo er sich einschiffte. Mack indessen hatte bei Capua die Heerestrümmer gesammelt u. erwartete den Angriff der Franzosen. Capua u. Pescara fielen am 4. Jan. 1799 u. Championet griff nun Mack am 6.–8. Jan. zwischen Capua u. Caserta an. Zwar hatte der Angriff keinen Erfolg, aber der Zustand des Heeres u. die Haltung des Volkes war der Art, daß Mack sich genöthigt sah, zu Calvi am 10. Jan. 1799 einen Vertrag zu schließen, dem zu Folge die Franzosen Capua erhielten, die Häfen von Neapel u. Sicilien für neutral erklärt wurden u. die Franzosen binnen 15 Tagen 10 Millionen Frcs. erhalten sollten. Am 12. Jan. legte Mack den Oberbefehl nieder u. wurde auf der Rückreise nach Deutschland in Bologna verhaftet u. nach Frankreich geführt. In Neapel hatten indessen die Lazzaroni sich des Forts S. Elmo bemächtigt, die Kriegsschiffe im Hafen von Neapel verbrannt u. den Prinz Moliterno an die Spitze einer revolutionären Regierung berufen. Hierauf schiffte sich Pignatelli in der Nacht vom 16. zum 17. Jan. nach Sicilien ein. Am 19. Jan. rückten die Franzosen in Eilmärschen heran, als Moliterno u. Abgeordnete zur Unterhandlung erschienen. Hierüber der Verrätherei beschuldigt konnte Moliterno kaum sich in das Fort S. Elmo retten. Die Franzosen zogen nach 3 blutigen Kampftagen, während welcher 10,000 Mann Lazzaroni getödtet worden sein sollen, in Neapel ein, brandschatzten die Stadt um 5 Mill. Ducati u. erklärten am 25. Jan. die Parthenopäische Republik.

In der Schweiz hatten die Franzosen inzwischen sich ebenfalls bemüht, die bestehenden Regierungen zu stürzen. Die Wegnahme des Bisthums Basel zeigte indeß den Schweizern die Gefahr, in der sie schwebten. Am 15. Dec. 1797 rückte St. Cyr ein, nahm Biel, Erguel, Neuveville u. Münsterthal für die Französische Republik in Besitz u. erklärte, daß man Entschädigung für diesen Verlust ausmitteln werde. Dann wurde Freiburg u. Bern beschuldigt, die Freiheiten des Waadtlands angetastet zu haben, welches Frankreich, als in die Rechte Savoyens getreten, um Schutz angerufen hatte. In Bern ergriff die Regierung halbe Maßregeln, weshalb die französische Partei immer stärker wurde, so daß dieselbe ohne großes Hemmniß am 25. Januar Freiheitsbäume u. die Lemanische Republik[647] verkündigen konnte. Der französische General Menard rückte indessen mit 15,000 in das Ländchen Gex u. bedrohte Bern. Unbedachtsam zog sich hierauf der bernsche General Wyß von Lausanne nach Yverdun u. gab auf diese Weise das Waadtland Preis. Die Ermordung eines französischen Husaren durch eine schweizerische Patrouille gab Menard Veranlassung, am 25. Jan. ins Waadtland einzudringen u. 700,000 Francs Brandschatzung zu erheben. Die am 2. Jan. in Aarau versammelte Tagsatzung konnte zu keinem Entschlusse gelangen, die Unruhen, bes. in Basel, durch Mengaud u. Ochs betrieben, wurden bedenklicher, u. schon wählten die Demokraten am 2. Febr. Abgeordnete einer Nationalversammlung: als endlich nach Aufhebung der Aarauer Tagsatzung am 30. Jan. die Regierung Berns Ernst zeigte. Sogleich entwichen die Aufrührer nach Liestall. Doch schon am 8. Febr. besetzten die Franzosen Basel, u. am 15. schloß der eidgenössische Befehlshaber Erlach einen 14tägigen Waffenstillstand in Peterlingen. Erlach erhielt von der Rathsversammlung am 26. Febr. die Vollmacht, bei der geringsten Gebietsverletzung Seitens der Franzosen die Feindseligkeiten zu beginnen. Indessen wußte der französische General die Schweizer so lange hinzuhalten, bis er 45,000 Mann stark war, nahm dann am 1. März Dorneck, in der Nacht vom 1. zum 2. März Lengnau u. am 2. März Solothurn u. Freiburg ein. Zwar trieben 2000 Landleute u. ein bernsches Bataillon die Franzosen wieder aus Freiburg, da jedoch Brune den unhaltbaren Ort bombardirte, zogen sich die Berner nach St. Gines. Die Schweizertruppen, die sich verrathen glaubten, zerstreuten sich, andere brachen in offenbare Meuterei aus, noch andere weigerten sich zu fechten u. nur ein kleiner Theil blieb in Ordnung. In Bern war inzwischen eine neue Regierung eingesetzt, die sich zur Entlassung der Armee erbot. Aber antifranzösische Demonstrationen des Volkes zwangen dieselbe, den Krieg unter den ungünstigen Verhältnissen von Neuem zu beginnen. Den 5. März wurde det Posten bei Guminen, Neuenbeck, Laupen u. St. Gines von den Franzosen, obschon vergeblich, angegriffen, aber in Frauenbrunn am 5. März überwältigte der französische General Schauenburg, dreimal stärker, den Posten vcn der Fronte u. den Flanken zugleich. Erlach wich auf Urtenen u. von da nach dem Grauholze, 11/2Stunde von Bern. Hier durchbrachen die Franzosen nach einem dreistündigen mörderischen Gefecht die Verhaue u. umgingen die Stellung der Berner. In Folge dessen fiel Bern nach hartnäckiger Gegenwehr. Hierauf zogen sich die bei Guminen u. Neueneck stehenden Truppen in die Berge u. in die Stadt. Auch die Truppen, welche bei Frauenbrunn gefochten hatten, zerstreuten sich, u. Erlach wurde mit seinem Adjutanten am 8. März bei Münsingen durch meuterische Banden ermordet. Brune verlegte nun sein Hauptquartier nach Zürich, ließ nach einem Aufstand in Luzern, welchen das Landvolk zu Gunsten der alten Verfassung gemacht hatte, Truppen einrücken u. am 19. Mai wurde die unter französischem Schutze am 15. April beschlossene Helvetiche Republik proclamirt, fand aber keineswegs allgemeine Anerkennung. Unterdessen hatte General Schauenburg an Brunes Statt den Oberbefehl über die Franzosen u. zugleich den Austrag erhalten, den Widerstand gegen die neue Staatsordnung niederzuwerfen. Die Schweizer rückten den 22. April unter Paravicini u. Auf der Mauer aus Unterwalden nid dem Wald in Ob dem Wald ein, allein, obgleich die Franzosen am 26. April in einem harten Treffen bei Häglingen geschlagen worden waren, wurden die Schweizer doch nach Muri zurückgeworfen. Die Eroberung von Zug den 29. April zwang die Schweizer das wiedergenommene Luzern aufzugeben. Am 30. April wurde Paravicini bei Willerau geschlagen. Zugleich griffen die Franzosen am 1. Mai Immensee u. Küßnacht an u. nahmen das Letztere. Fast die ganze Kriegslast ruhte indeß auf den Schwyzern, die, etwa 4000 Mann, unter Reding bei Morgarten am 1. Mai den Feind erwarteten. Am 2. Mai 10 Uhr griffen 2000 Franzosen vergebens die Stellung an. Als aber von allen Seiten Nachrichten von den Fortschritten der Helvetier u. vom Abfalle der einzelnen Cantone eintrafen, capitulirten die Schwyzer am 4. Mai zu Einsiedeln; Eigenthum, Religion u. Befreiung von Brandschatzungen wurden verhießen, u. dagegen von Schwyz u. den übrigen kleinen Cantonen die Helvetische Republik anerkannt. Nur noch Graubündten versagte, durch 25,000 Österreicher geschützt, jede Theilnahme an der Helvetischen Republik. Indessen hatten die Franzosen vollauf zu thun, um die fortdauernden Aufstände des Volks auch in den Cantonen zu dämpfen, welche die Helvetische Republik anerkannt hatten. Namentlich in Unterwalden, wo 1200 Mann am 7. u. 8. Sept. die Angriffe von 5000 Franzosen zurückschlugen, erforderte die Unterdrückung des Aufruhrs große Anstrengungen.

, F) Wiederausbruch des Kriegs mit Österreich. Feldzug 1799. Schonin der zweiten Hälfte 1798 hatte England, das Wachsen der französischen Seemacht fürchtend, Rußland zu einem Bündniß gegen Frankreich vermocht. Diesem traten Österreich, die Pforte, Neapel u. Portugal bei u. bildeten so die Zweite Coalition. 60,000 Mann Russen rückten unter Suwarow im Nov. 1798 in Galizien ein. Die Pforte erklärte am 12. Sept. 1798 den Franzosen u. den 16. Jan. 1799 der Batavischen Republik den Krieg. Portugal schloß sich am 28. Sept. 1799 dem Bunde gegen Frankreich u. Spanien an, Preußen blieb dagegen neutral. Noch vor Auflösung des Rastadter Friedenscongresses, Anfang Januar. forderte das französische Directorium über das Erscheinen von 28,000 Russen an der Donau Erklärung, u. als diese ausblieb, überschritt die Donauarmee unter Jourdan den 28. Febr. bis 1. März zwischen Basel u. Strasburg in mehreren Colonnen den Rhein u. Massena marschirte gegen Graubündten, u. als sich am 28. April der Rastadter Congreß (s. oben D) auflöste, war der Krieg bereits im Gange. Massena eröffnete den Feldzug am 6. März mit einem glücklichen Überfall des General Auffenberg in Graubündten, bewältigte den Luciensteig, trieb die Österreicher bis Chur u. nahm hier am 7. März Auffenberg mit 3000 Mann gefangen. Zugleich drang General Lecourbe von Bellinzona vor, u. Oudinot u. Massena griffen die Österreicher unter Hotze u. Jellachich bei Feldkirch am 13. März an. Der Angriff schlug indeß fehl; dagegen warf eine Abtheilung der italienischen Armee unter Dessoles am 11. März den General Laudon aus seiner Stellung bei Taufers u. nahm am 26. März, vereinigt mit Leco urbe, den Paß Finstermünz u. die übrigen Eingänge[648] nach Tyrol, gaben diese Vortheile aber wieder auf, als am 30. März Bellegarde mit 20,000 Mann den Österreichern zu Hülfe eilte. Die Donauarmee unter Jourdan brach aus ihrer Stellung bei Tutlingen u. Hohentwiel nach erhaltenen Verstärkungen in Schwaben ein; Souham u. Lefebre drangen über Stockach, Möskirch u. Pfullendorf vor, während St. Cyr gegen Sigmaringen auf dem rechten, Vandamme von Tulingen auf dem linken Donauufer über Ehingen u. Gamerdingen u. der rechte Flügel unter Fernio über Salmannsweiler u. Überlingen vorrückte. Schnell aber zog ihnen von Mindelheim am 17.–19. März der Erzherzog Karl über Memmingen nach Schussenried entgegen, griff Jourdan bei Ostrach u. Pfullendorf am 20. März an u. warf ihn bis Stockach u. Lipptingen zurück. Am 25. u. 26. März schlug er ihn abermals bei Stockach. In der Nacht zogen sich die Franzosen zurück; Jourdan gab das Commando ab, u. Ernouf führte das geschlagene Heer über den Rhein zurück, da auch Souham am 3. April bei Triberg von den Österreichern überfallen worden war u. keine Hülfe leisten konnte. Massena übernahm darauf den Oberbefehl über die gesammte Macht. Der Erzherzog folgte der weichenden Donauarmee langsam, sein rechter Flügel unter Sztarray stand bis Kehl u. Manheim, Hotze in Vorarlberg u. das Hauptquartier des Erzherzogs war in Stockach, von wo aus er den 30. April einen Aufruf an die Schweizer ergehen ließ, die Franzosen aus ihrem Lande zu iagen. Lecourbe am 1–4. Mai von Bellegarde angegriffen, wurde 16. Mai aus den Tyroler Pässen u. dem Engadin vertrieben, Hotze nahm dem französischen General Menard den Luciensteig u. setzte sich übrr Sargans u. Glarus mit dem Erzherzog in Verbindung. Am 23. u. 24. Mai ging der Erzherzog bei Schaffhausen über den Rhein u. rückte in die Schweiz. Massena mußte sich am 27. Mai nach einem Gefecht bei Winterthur auf Zürich zurückziehen, worauf der Erzherzog u. Hotze sich vereinigten. Zugleich besetzte Bellegarde den St. Gotthard. Am 3. u. 4. Juni wurde Massena bei Zürich angegriffen, verlor einen großen Theil seiner Artillerie u. zog sich in eine stärker verschanzte Stellung auf dem Albisberg zurück. Diese durfte der Erzherzog, durch höhere Befehle gebunden, nicht angreifen; ein Umstand, welchen Massena benutzte, um, nachdem er Verstärkungen an sich gezogen hatte, Jellachich an der Sihl, auf dem Jostberge u. bei Einsiedeln, u. den General Simbschen den 16. Aug am St. Gotthard zu schlagen. Als die zur Ablösung der Österreicher bestimmten Russen unter Fürst Korsakow ankamen, zog der Erzherzog am 28. Aug. ab u. ließ nur 12,000 Mann unter Hotze zu Uznach, 8000 Mann unter Jellachich in den Graubündtner Pässen u. 10,000 Mann als Reserve in der Schweiz. Die Russen besetzten die Hauptstellung an der Aar u. Limmat von Baden bis Zürich. Unterdessen hatten die Franzosen eine neue Rheinarmee, zwischen Mainz u. Manheim, unter General Müller gebildet; diese ging 30,000 Mann stark am 26 Ang. bei Manheim über den Rhein, während Baraguay d'Hilliers, von Mainz her, Frankfurt brandschatzte u. sich dann nach Heidelberg u. Aschaffenburg wandte. Der Erzherzog verstärkte den General Sztarray, u. ging dem Feinde selbst über Donaueschingen entgegen. Zugleich erhob sich unter dem mainzischen Minister Albini im Spessart u. Odenwalde der Landsturm gegen die Franzosen u. that denselben großen Schaden. Nachdem Müller am 6. Sept. vergebens die Festung Philippsburg bombardirt hatte, war er gezwungen bei Annäherung des Erzherzogs am 12. Sept. die Belagerung aufzuheben u. ging mit Zurücklassung von 6000 Mann unter General Laroche in Manheim am 15. Sept. über den Rhein zurück. Der Erzherzog nahm aber am 18. Sept. Manheim mit Sturm. Nach dem Abzuge des Erzherzogs aus der Schweiz war es Österreich endlich gelungen zu bewirken, daß Suwarow zur Verstärkung Korsakows aus Italien nach der Schweiz gesandt wurde. Massena griff aber zuvor die Russen mit voller Macht bei Zürich am 25. Sept an, überschritt vor Tagesanbruch bei Dietikon die Limmat, schlug hier die Russen, stürmte die Höhen von Affoltern u. ging gegen Winterthur vor, um den Russen den Rückzug zu versperren. Soult griff gleichzeitig Hotze an. Als dieser General zu Anfang des Treffens fiel, übernahm Petrasch das Commando, wurde geschlagen u. mußte sich über Lichtensteg nach St. Gallen ziehen. Am 26. Sept. erstürmten die Franzosen Zürich, eroberten dort das russische Gepäck u. die Kriegskasse u. verfolgten Korsakow, der erst nach Winterthur, dann nach Eglisau, von da mit Österreichern u. Baiern unter Kienmayer vereinigt nach Schafhausen u. von dort am 7. Oct. über den Rhein ging. Der Verlust der Verbündeten in diesen Gefechten betrug über 30,000 Mann. Suwarow, der inzwischen aus Italien (s. unten) über Airola u. Altorf am 30. Sept. nach Glarus gekommen war, zog sich, als er Korsakows Niederlage erfuhr, nach Graubündten zurück. Da fast alle Zugthiere auf dem beschwerlichen Wege erlagen, so mußte er sich eines großen Theils seiner Geschütze entledigen u. ließ viele Kanonen in die Thalschluchten hinabwerfen; dennoch schlug er die Franzosen unter Massena u. Lecourbe am 10. Oct. bei Matten. Endlich vereinigte er sich über Chur zu Feldkirch u. in Oberschwaben mit Korsakow. Auch der Erzherzog machte, auf die Nachricht von den Unfällen der Russen, eine Bewegung nach der Schweiz, blieb aber an der Grenze Schwabens stehen Am 16. u. 17. Oct. war Lecourbe, nun Obergeneral der Rheinarmee, bei Oppenheim wieder über den Rhein gegangen, hatte Manheim u. Heidelberg besetzt u. wollte eben auf Stuttgart gehen, als ihn die Niederlage, welche dem General Ney am 3. Nov. bei Lauffen von dem Fürsten Hohenlohe beigebracht war, zwang, nach dem Rhein zurückzukehren. Am 3. Dec von Sztarray bei Wiesloch geschlagen, wurde er auf das linke Rheinufer zurückgedrängt.

In Oberitalien war der Krieg unter den glücklichsten Aussichten für die Coalition begonnen worden. General Scherer, welcher die französische Armee, 60,000 Mann stark, befehligte, wollte, bevor die Russen den Österreichern zu Hülfe kämen, diese einzeln angreifen, während Macdonald sich in Neapel u. Rom behaupten sollte. Er griff daher Krays Stellung an der Etsch, wohin er nach Wiederausbruch der Feindseligkeiten gegangen war, bei Legnago, Verona, Bussolengo u. Pastringo am 26 März an, aber so unglücklich, daß General Montrichard eine gänzliche Niederlage erlitt Ein neuer Angriff am 30. März bei Ronco mißlang eben so, u. kaum vermochte die Kaltblütigkeit [649] Serruriers dessen Division zu retten. Ein 3. Angriff am 5. April gegen Magnano u. Verona wurde mit noch bedeutenderem Verluste abgeschlagen, ein Theil der Armee gesprengt u. die Fliehenden bis hinter den Mincio u. dann hinter den Oglio verfolgt. Durch diese Gefechte u. durch Detachements zur Verstärkung der Besatzungen in Mantua u. Pizzighetone schon bis auf 30,000 Mann geschwächt, wurde Scherer durch den, am 10. April anlangenden Suwarow am 22. hinter die Adda gedrängt. Scherer überließ nun das Commando interimistisch an Moreau, u. dieser bezog auf dem rechten Ufer der Adda, hinter dem starken Brückenkopf bei Cassano, eine verschanzte Stellung. Suwarow griff am 26. April bei Lecco an, ging in der Nacht zum 27. April über die Adda, u. Serrurier, hierdurch abgeschnitten, wurde mit 3000 Mann gefangen; Moreau, bei Cassano mit großem Verlust geschlagen, floh hinter den Ticino. Am 28. April besetzten die Sieger Mailand u. hoben die Cisalpinische Republik auf. Moreau verstärkte inzwischen in der Ebene bei Alessandria sein Heer u. erwartete hier die Ankunft Macdonalds, der eilig von Neapel heranzog. Indessen fielen Peschiera u. Pizzighetone in die Hände der Russen, u. Suwarow fandte dem aus Unteritalien heranziehenden Macdonald die Generale Klenau, Ott u. Prinz Franz v. Hohenzollern entgegen, um ihm den Rückzug abzuschneiden. Zugleich hatte er Casale nach kurzer Belagerung erobert u. warf nun Moreau durch das Gefecht bei Percetto am 12. Mai u. nach Räumung von Alessandria u. Valenza am 22. Mai nach Coni zurück. Hier nahm Moreau eine feste Stellung, um die Verbindung mit Genua zu erhalten u. um sich mit Macdonald vereinigen zu können. Dieser drang bis Bologna vor, drängte Klenau zurück u. setzte sich mit Genua in Verbindung, während Moreau sich am 6. Juni nach Genua zog. Macdonald wandte sich indeß nach Modena u. beschloß, nachdem er auch am 12. Juni das Corps des Prinzen Franz geschlagen hatte, das Centrum der Verbündeten zu durchbrechen. Er griff zu diesem Ende die Citadelle von Piacenza an u. drang bis an die Trebbia vor, als Suwarow mit ihm zusammentraf. Vom 16–29. Juni standen sich die Gegner in fast ununterbrochenen Gefechten gegenüber. Die Hauptschlacht entschied für Suwarow; kaum 14,000 Mann rettete Macdonald nach Firenzuola u. Lucca. Moreau, der am 16. Juni auch hervorbrach u. am 18. bei S. Giuliano die Österreicher unter Bellegarde schlug u. Tortona u. Alessandria entsetzte, zog sich nun nach Novi zurück. Klenau hatte schon am 25. Mai die Citadella von Ferrara, Prinz Franz am 24. Mai die von Mailand, Vukassovich am 27. Mai die Stadt u. am 20. Juni die Citadelle von Turin erobert. Bellegarde nahm nun am 21. Juni Alessandria u. die Österreicher nahmen am 28. Juni den General Fossae-Latour u. 7000 Mann gefangen, Indessen hatte das Directorium bei der großen Überlegenheit der Feinde an Mannschaft u. Kriegsmaterial Joubert mit Verstärkungen nach Italien gesandt u. ihm den Oberbefehl übertragen. Joubert beabsichtigte anzugreifen, bevor noch Kray von Mantua aus mit 20,000 Mann herangezogen sei, allein schon am Abende vor der Schlacht bei Novi am 14. August hatte sich dieser mit Suwarow vereinigt, u. als Joubert am 15. Aug. angriff, wurden die Franzosen, von denen Moreau an des, in der Schlacht gebliebenen Joubert Stelle das Commando übernahm, nach zwanzigstündigem Gefechte vollständig geschlagen. Der Verlust auf beiden Seiten war bedeutend. Am 23. August fiel Tortona, während Moreau seine Heerestrüm mern in die Apenninen führte, wo er am 18. Aug. den Oberbefehl an Championet übergab. Allein auch dieser wurde am 4. Nov. bei Savigliano u. bei Fossano am 5. Nov. von Melas u. Kray geschlagen, worauf am 3. Dec. Coni sich dem Fürsten Liechtenstein ergab. Noch am 18. Dec. trieb Klenau, obwohl Anfangs am 12. Dec. von St. Cyr geschlagen, die Franzosen nach Genua, welches ihnen nebst Nizza allein von allen italienischen Eroberungen verblieben war.

Schon im Februar waren auch in Calabrien Unruhen ausgebrochen, welche ein Pfarrer, Reggio Rinaldi, leitete. Diesem wurde auf sein wiederholtes Ansuchen der Cardinal Ruffo beigegeben Cotrone, Catanzaro, Cosenza wurden genommen, u. nun erschienen der Ritter Micheroux u. der Fürst Leporano mit Truppen, um die errungenen Vortheile zu erhalten. Bald landeten 400 Russen u. Türken in Bari, worauf Apulien gemeinschaftliche Sache mit Calabrien machte. Zwar rückte der französische General Duchesne in Apulien ein u. stürmte S. Severo u. Andria, allein um dieselbe Zeit kamen die Nachrichten von den Unfällen in der Lombardei u. der Befehl an Macdonald, die dortige Armee zu unterstützen, nach Neapel. Duchesne wurde zurückgerufen u. am 4. Mai brach Macdonald, nach Dämpfung eines Aufruhrs in Castellamare am 5. Mai, auf, ließ im Fort S. Elmo, Capua u. Gaëta schwache Besatzungen zurück u. eilte nach Rom. Allenthalben wurden die neapolitanischen Republikaner geschlagen. Ruffos Heer drang vor, schlug den Kriegsminister der Republik, Manthone, der ihm mit etwa 6000 Mann entgegenzog, u. verfolgte ihn nach Neapel. Als nun der gelandete russische General Uschakow Brindisi, Bari u. ganz Apulien genommen hatte, Nelson vor Neapel erschien, Russen u. Türken bei Sinigaglia landeten u. nach Eroberung von Fano auch Ancona belagerten, stiegen in Neapel Schrecken u. Gährung auf das Höchste. Endlich griff Ruffo, nachdem er die Außenposten genommen hatte, die Stadt Neapel von drei Seiten an, während im Innern schon am 13. Juni ein blutiger Kampf zwischen den Lazzaroni u. den Patrioten entstanden war. In der folgenden Nacht drang Ruffo in Neapel ein u. vor Abend hatte er den größten Theil der Stadt, außer dem Fort, erobert. Nach blutigen Gefechten in der 2. Hälfte Juni, capilutirte das Fort S. Elmo am 1. Juli. Die Republikaner erhielten Amnestie zugesagt u. sollten auf neutralen Schiffen nach Marseille geführt werden. Diese Capitulation wurde aber auf einen von Nelson überbrachten königlichen Befehl gebrochen u. die Häupter der Republikaner, unter ihnen der greise Admiral Caraccioli, hingerichtet. Auch Capua, Gaëta u. S. Elmo ergaben sich am 5. Juli. Indessen hatten Russen, Türken u. Neapolitaner unter General Burcard Rom besetzt. Auch vor Ancona erschienen unter General Fröhlich Russen, Türken u. Österreicher u. nahmen am 29. Oct. diese Stadt, die letzte, welche die Franzosen noch in Mittelitalien besetzt hielten.

Wie in Neapel wollte England auch in Holeland mit englisch-russischen Landungstruppen ein Diversion[650] versuchen u. dies Land u. später Belgien insurgiren. Die Anstalten hierzu waren aber so unvorsichtig getroffen u. der Oberbefehlshaber, Herzog von York, so wenig zum Feldherrn geeignet, daß das Unternehmen schon vor seinem Beginn für verloren zu achten war. Zwar landete Abercromby mit der Avantgarde von 12,000 Mann Briten den 17. August u. die holländische Flotte steckte die orangene Cocarde auf, verhaftete ihre Offiziere u. ergab sich an den englischen Admiral Mitchel, aber die Überschiffung der übrigen Expedition dauerte 19 Tage, die Ankunft des General Herman mit 10,000 Russen noch länger, u. obschon nur die batavischen u. französischen Generale Daendels u. Brune mit sehr wenig Truppen in Holland waren u. Erster sogar wich, so konnten doch die rasch zusammengerafften französischen u. batavischen Truppen leicht Widerstand leisten, da das mit Gräben durchschnittene Land leicht unter Wasser zu setzen war. Der Herzog von York machte zwar zwei glückliche Angriffe bei Pellen u. Alkmaar, aber ein dritter auf den General Brune am 6. Oct. bei Castricum wurde abgeschlagen, u. der Herzog wich hinter den Zyp zurück, wo er bald durch die schlechte Witterung genöthigt wurde, mit Brune Unterhandlungen wegen freien Abzugs anzuknüpfen. Brune verlangte die Herausgabe der holländischen Flotte u. die Freilassung von 15,000 französischen u. holländischen Gefangenen, begnügte sich aber am Ende in der Capitulation von Alkmaar am 18. October mit der Freilassung von 8000 Gefangenen, dagegen versprachen die Briten nichts an den wichtigen Dämmen zu zerstören. Bis zum 1. November hatte die englisch-russische Armee das Holländische Gebiet geräumt. – Vgl. Miliutin, Geschichte des Krieges mit Frankreich unter der Regierung Kaiser Pauls I. im Jahre 1799 (deutsch von Chr. Schmitt), München 1857.

G) Feldzug von 1800. Während alle Eroberungen der Franzosen in Italien u. Deutschland verloren gingen, war Bonaparte aus Ägypten, wo er neue Triumphe erfochten hatte (s. unten VI.), nach Frankreich zurückgekehrt u. dazu ausersehen das Waffenglück der Franzosen wieder herzustellen. Ehe er sich aber auf den Kriegsschauplatz begab, führte er 9. November (18. Brumaire) den Staatsstreich aus, welcher ihn zum Ersten Consul machte. Er fand die Sachlage zum Theil schon vortheilhafter für Frankreich, denn Kaiser Paul von Rußland hatte sich, bes. auf England zürnend, von der Coalition losgesagt, dagegen hatten Pfalzbaiern, Württemberg u. Mainz, durch Englands Werbungen bewogen, im Frühjahr ihre Hülfe wieder zugesichert. Erzherzog Karl war vom Oberbefehl der Heere entfernt worden u. General Kray hatte das Obercommando bekommen. Ihm gegenüber stand Moreau, welcher damit begann, daß er am 25. April auf sechs Punkten, zwischen Kehl u. Diesenhofen, den Rhein überschritt. Er schlug Kray am 3. Mai bei Engen u. Stockach, am 5. Mai bei Möskirch, am 6. Mai bei Pfullendorf, während die anderen österreichischen Generale bei Biberach am 9. Mai durch Richepanse u. bei Memmingen am 10. Mai durch Lecourbe Schlappen erlitten Kray wurde dadurch gezwungen, sich auf das feste Ulm zu ziehen, u. als er versuchte, Moreaus linken Flügel unter Richepanse bei Biberach u. Ochsenhausen am 5. Juni anzugreifen, um das französische Heer an dem Zug nach Augsburg zu hindern, wurde er zurückgeschlagen. Hierauf ging er bei Leipheim u. Günzburg am 15. Juni über die Donau, u. Lecourbe folgte ihm am 19. Juni mit 30,000 Mann. Bei Höchstädt wurde der österreichische Nachtrab geschlagen u. das Heer zum Rückzuge nach Neuburg u. der Oberpfalz gezwungen, so daß fast ganz Baiern den Franzosen in die Hände fiel. Moreau wollte noch weiter vordringen, nachdem General Decaen sich Münchens bemächtigt hatte, Kray bei Neuburg geschlagen u. am 27. Juni die Stellung bei Ingolstadt genommen worden war: als der Waffenstillstand zu Parsdorf am 15. Juli, in Folge der in Italien eingetretenen Waffenruhe geschlossen, ihn am Vorgehen verhinderte. Nach langen Unterhandlungen u. nach einer Verlängerung des Waffenstillstandes, in welche Moreau nur gegen Einräumung von Philippsburg, Ulm u. Ingolstadt willigte, begannen die Feindseligkeiten den 28. November von Neuem. Während der Waffenruhe hatte Moreau sein Heer auf 90,000 Mann gebracht u. am Niederrhein stand eine Reservearmee unter St. Suzanne, wie eine andere am Main unter Augereau, so daß sämmtliche französische Armeen in Deutschland 200,000 Mann zählten. Die Österreicher überschritten am 30. November den Inn u. zwangen 1. December den General Grenier bei Ampfingen zum Weichen. Darauf marschirte ihr Mitteltreffen auf Hohenlinden zu, der linke Flügel suchte die Straße von Wasserburg zu gewinnen u. der rechte ging über Burgau. In der Ebene von Anzing hoffte der Erzherzog Johann, der jetzt den Oberbefehl führte, seine Truppen zu vereinigen u. die Franzosen aus München zu vertreiben. Am 3. Decbr. um 8 Uhr Morgens begann der Kampf bei Hohenlinden. Erst wurde Grouchy, dann, Ney ohne Erfolg angegriffen u. endlich wurden die Österreicher vom General Richepanse, welcher sie von Ebersberg über St. Christoph im Rücken angriff, vollständig geschlagen. Moreau verfolgte diesen Sieg, der die österreichische Kriegsmacht bedeutend geschwächt hatte, ohne Zögern, ging am 9. December über den Inn, am 14. December über die Salza u. war nach mehreren blutigen Gefechten gegen Erzherzog Karl, der am 18. December den Oberbefehl wieder übernommen hatte, den Österreichern bis Linz am 19. December gefolgt: als der Erzherzog am 21. December einen Waffenstillstand anbot. Moreau nahm denselben zwar an, doch nur unter der Bedingung, auch während desselben weiter vorrücken zu können. Er ging daher über die Enns u. die Vorposten des General Richepause standen nur noch 11 Meilen von Wien: als ein neuer, am 24. December abgeschlossener Waffenstillstand zu Steier zu Stande kam, in welchem den Franzosen Würzburg, Braunau, Kufstein u. die Pässe Scharniz u. Finstermünz überlassen wurden, Tyrol aber von den Österreichern geräumt wurde, Graf Cobenzl, nachdem Österreich von England seines Versprechens entlassen war, ohne dasselbe keinen Frieden zu schließen, wurde darauf bevollmächtigt, Friedensunterhandlungen anzuknüpfen, u. den 9 Februar 1801 kam der Friede zu Luneville (s. unt.) zu Stande.

Zu diesem Frieden hatte der Ausgang des Feldzugs in Italien nicht wenig beigetragen. Hier begann Melas, dessen Ziel die Eroberung von Genua war, mit 90,000 Mann am 6. April seine Operationen mit der Wegnabme des Forts von [651] Vado; am 9. April nahm er die Bocchetta, wodurch er Massena von Suchet trennte. Am 18. April zwang er Massena durch die Schlacht von Voltri, sich mit 25,000 Mann nach Genua zu werfen, welche Stadt er am 8. Mai zu Lande u. der englische Admiral Keith zur See einschloß. Zugleich hatte General Kniaczewicz am 6. Mai den Col de Tenda erobert u. General Elsnitz den General Suchet am 7. Mai bei Monte Pietra geschlagen; Nizza ward am 11. Mai von den Österreichern besetzt, Suchet zog hinter den Var, Graf St. Julien eroberte am 15. Mai Savona u. Melas rüstete sich zum Einfall in die Provence. Inzwischen hatte Bonaparte bis zum 29. April bei Dijon 60,000 Mann als Reservearmee unter Berthier versammelt, die von dort nach Genf zogen. Am 8. Mai kam Bonaparte bei der Armee an, welche sich in 5 Colonnen am 15. Mai nach Italien in Bewegung setzte u. mit unsäglicher Anstrengung die Alpen überstieg. Die Hauptarmee unter Bonapartes persönlicher Leitung, obwohl von dem durch die Österreicher besetzten Fort Bard genirt, passirte 35,000 Mann stark den St. Bernhard, der rechte Flügel (5000 Mann) unter General Turreau drang über den Mont Cenis in der Richtung von Turin, der linke (15,000 Mann) unter General Moncey über den St. Gotthard in der Richtung von Mailand vor. Letzter hatte den General Bethencourt detachirt, der mit 3–4000 Mann über den Simplon zog; General Cambran zog mit seiner Division über den Kleinen Bernhard. Allenthalben trieben die Franzosen die Österreicher vor sich her, nahmen das befestigte Ivrea u. besetzten Mailand (2. Juni), wo sie am 11. die Wiederherstellung der Cisalpinischen Republik erklärten, ebenso Pavia, Piacenza, Brescia u. Turin. Melas stand am Var gegen Suchet, als er den Übergang vernahm, u. wendete sich sogleich, Nizza am 29. Mai räumend u. seine Truppen möglich concentrirend, gegen Bonaparte. Glücklicherweise ergab sich noch Genua, durch Hunger u. innere Unruhen aufs Äußerste gebracht, am 5. Juni an die Österreicher, u. das Belagerungscorps wurde nun ebenfalls disponibel. Mit diesem brachte General Melas 40,000 Mann zusammen u. hoffte sich durchschlagen zu können. Die Lage beider Armeen war höchst bedenklich, die der Österreicher, da ihre Communication mit Mantua gefährdet war; die der Franzosen, da ihre einzige Rückzügslinie in ihrer Flanke lag u. durch ein schwieriges Hochgebirge ging. Bonaparte sammelte deshalb alle seine disponibeln Truppen, da aber sehr viele Besatzungen u. Detachements abgingen, brachte er nur 30,000 Mann zusammen. Diese gingen Mitte Juni bei Piacenza über den. Po u. durchschnitten so die letzte Rückzugslinie der Österreicher. Der General Lannes schlug den österreichischen General Ott, der von der Belagerung von Genua zurück kam, am 9. Juni bei Montebelto u. folgte dem österreichischen Heere über Voghera u. Tortona bis an die Scrivia. Dort stellte sich die französische Armee bei Marengo auf. Der rechte Flügel stand unter Lannes, das Centrum unter Desaix, der linke Flügel unter Victor. Die Consulargarden bildeten die Reserve, Murat befehligte die Cavallerie. Die Gegend zwischen der Scrivia u. der Bormida bildet eine etwa 4–5 Stunden breite, mit Dörfern u. Häusern besetzte, von der Chaussee von Tortoua nach Alessandria durchschnittne Ebene. Bonaparte erwartete in dieser Ebene die österreichische Armee aufgestellt zu finden; als er daher am 13. Juni, wo er die Scrivia überschritt, blos ihre Arrièregarde antraf, meinte er, Melas mache einen Flankenmarsch, entsendete Lesaix links nach Rivalta u. ließ nur die Division Gardanne den österreichischen Vortrab verfolgen. Melas hatte aber keine Flankenbewegung gemacht, sondern sich hinter dem Tanaro concentrirt, überschritt diesen am 13., die Bormida mit Anbruch des 14. Juni u. griff die Franzosen am Morgen an. Bonaparte rief sogleich Desaix zurück u. hoffte die Österreicher bis zu dessen Rückkunft mit etwa 22,000 Mann aufzuhalten. Die Österreicher griffen aber gegen 8 Uhr Morgens den linken Flügel unter Victor an, nahmen Marengo u. trieben Victor 2 Stunden weit bis S. Giuliano. Zugleich erschien österreichische Cavallerie in der rechten Flanke der Fliehenden. Bonaparte fürchtend, daß ein heftiger Angriff Lannes Division sprengen würde, warf sofort einen Theil der neu ankommenden Division Mounier vom Desaixschen Corps nach dem Dorfe Castel Ceriolo u. ließ zwei Bataillons seiner Garde sich zwischen diesem Dorfe u. der sich zurückziehenden französischen Armee in Quarré aufstellen. In Folge dessen kamen die Franzosen glücklich bei S. Giuliano Vecchio an, wo sie von Desaix aufgenommen wurden. In zwei große Angriffscolonnen formirt, drang nun Desaix gegen eine Colonne von 5000 Grenadieren, die General Zach persönlich auf der Chaussee zum Entscheidungskampfe heranführte, vor, während die linke Flanke von der Cavallerie des General Kellermann u. der Consulargarde angegriffen wurde. So von zwei Seiten bedrängt ergab sich Zach mit seiner Truppenabtheilung, wodurch diese wichtige Schlacht zum Vortheil der Franzosen entschieden wurde, denn bald darauf wurde auch der linke Flügel der Österreicher, der sich zu weit ausgedehnt hatte, durchbrochen. Die Kaiserlichen wurden in ihre erste Position zurückgetrieben u. Marengo gegen 8 Uhr wieder genommen. Die Erstürmung von Pedra Bona durch die Division Gardanne endigte die Schlacht u. die Österreicher zogen sich über die Bormida zurück. Der Verlust auf beiden Seiten war von ziemlich gleicher Größe. Am folgenden Morgen fandte Melas Parlamentäre, um einen Waffenstillstand zu unterhandeln, u. am 16. Juni schloß er mit Bonaparte die Convention zu Alessandria, der zu Folge die österreichische Armee die Lombardei räumte, nur das Land hinter dem Mincio auf dem linken Ufer des Po u. auf dem rechten Ufer desselben Stadt u. Festung Ferrara, das Toscanische u. Anconische blieb in österreichischen Händen. Der Landstrich zwischen der Chiesa u. dem Mincio blieb neutral. Dagegen übergaben die Österreicher die Citadellen von Tortona, Alessandria, Mailand Turin u. die Festungen Pizzighetone, Arona, Piacenza, Ceva, Coni, Savona u. Genua. Nach vergeblichen Friedensunterhandlungen brachen die Feindseligkeiten im Spätherbst wieder aus. Macdonald, bestimmt in Tyrol einzufallen, ging am 25. November mit der Armee von Graubündten über den Splügen u. drang ins Veltlin ein. Zugleich ging Dupont am 25. Dezember mit dem rechten Flügel der italienischen Armee bei la Volta über den Mincio, dem Brune am 26. Dec. folgte, u. trieb bei Monzambano Bellegarde, welcher Melas Com[652] mando übernommen hatte, mit Verlust zurück. Auch die Etsch wurde am 1. Januar 1801 zu Bussolengo überschritten, Verona am 3. Januar, so wie Vicenza am 8. Januar besetzt u. die Vorposten über die Brenta bis Treviso vorgeschoben. Während dessen hatte Dupont Trident am 7. Januar genommen u. so seine Verbindung mit Brune wieder hergestellt Endlich ward am 16. Januar der Waffenstillstand von Treviso geschlossen, welcher den Franzosen das linke Ufer der Livenza bis Lienz an der Drau, die Festungen Peschiera, Serminone, die Forts von Verona u. Legnago, so wie Ferrara u. Ancona einräumte. Mantua blieb von den Österreichern eingeschlossen. Dieß war der Grund, weßhalb sich Macdonald u. Bonaparte weigerten, den Vertrag anzuerkennen, u. erst als durch eine neue Übereinkunft am 26. Januar zwischen Joseph Bonaparte u. dem Grafen Cobenzl zu Luneville auch Mantua den Franzosen übergeben wurde, hörten die Feindseligkeiten auf. Seit dem 1. Januar 1801 machten die Friedensunterhandlungen zu Luneville ernste Fortschritte, u. der Friede wurde am 9. Februar 1801 unterzeichnet. Österreich verzichtete nochmals auf Belgien u. das Frickthal, welches an die Schweiz kam, u. erhielt dagegen das Venetianische Gebiet. Der Thalweg der Etsch wurde die Grenze der Cisalpinischen Republik gegen Österreich. Der Herzog von Modena verlor seine italienischen Staaten u. erhielt zur Entschädigung den Breisgau; Toscana kam als Königreich Etrurien an Parma, wogegen der Großherzog eine Entschädigung in Deutschland erhalten sollte. Das ganze linke Rheinufer wurde an Frankreich abgetreten, dagegen gab dieses Alles, was es auf dem rechten besetzt hielt, zurück, doch sollten Düsseldorf, Ehrenbreitstein, Philippsburg, Kastel, Kehl, Altbreisach geschleift bleiben od. werden. Die Helvetische, Cisalpinische, Ligurische u. Batavische Republik wurden anerkannt. Am 7. März nahm der Reichstag in Regensburg diesen Frieden an, u. am 16. März erfolgte die Auswechslung der Ratificationen zu Paris. So war denn der Krieg in Europa auf dem Continent geendet.

Die Kriege außerhalb des europäischen Continents hatten zwar geringere Bedeutung, griffen aber mittelbar in den Gang der europäischen Ereignisse ein. Der wichtigste unter diesen war IV. Bonapartes Zug nach Ägypten 1798 bis 1801. Gleich nach dem Frieden von Campo Formio hatte das Directorium Frankreichs an den Küsten des Oceans die Armee von England unter Bonaparte versammelt. Anfangs beabsichtigte man eine Landung in England, aber an die Stelle dieses schwer ausführbaren Projects setzte Bonaparte die Eroberung Ägyptens u. Syriens, vielleicht in Zukunft Ostindiens; deshalb wurden die Rüstungen am Kanal nur zum Schein fortgesetzt, während bei Toulon an 30,000 Mann Kerntruppen sich sammelten. Bonaparte schiffte sich mit diesen Truppen am 20. Mai auf einer Transportflotte von 194 Schiffen ein u. segelte, vom Admiral Brueys mit 13 Linienschiffen, 8 Fregatten u. mehreren kleinen Kriegsschiffen convoyirt, nach Malta; diese Insel wurde am 10. Juli in Folge der Unentschlossenheit des Großmeisters des Malteserordens, Ferdinand v. Hompesch, u. der Verrätherei der Ritter von der französischen Zunge, ohne Anstrengung genommen u. vom Orden an Frankreich abgetreten. Am 17. Juni segelte Bonaparte, nach Zurücklassung von 4000 Mann unter General Vaubais, mit 350 Schiffen weiter. Nelson hatte indessen Toulon beobachtet, Stürme zwangen aber ihn kurz vor dem Auslaufen der französischen Flotte in den Hafen von S. Pietro einzulaufen, u. als er am 11. Juni wieder vor Toulon erschien, erfuhr er Bonapartes Abfahrt, worauf er am 13. Juni nach Neapel segelte u. am 19. Juni zu Messina die Eroberung Maltas erfuhr. Ohne Zaudern machte er sich zur Verfolgung der französischen Flotte auf den Weg, verfehlte dieselbe aber, indem er vor derselben in Alexandrien eintraf, u. segelte, da er sie nicht fand, sogleich wieder ab. Kaum war er fort, als Bonaparte am 1. Juli bei Alexandrien landete, die Truppen ausschiffen ließ u. am 3. Juli Alexandrien mit Sturm nahm. Von dort setzte sich Bonaparte gegen Kairo über Damanhur u. Rosette in Bewegung u. zu Ramanieh vereinigten sich am 7. Juli die verschiedenen Divisionen der Armee. Bei Schebreiffe trafen die Franzosen zuerst auf die Mamluken unter Murad Bey u. schlugen dieselben, doch wurden die meisten ihrer Fahrzeuge auf dem Nil durch Murads Kanonenböte in den Grund gebohrt. Zum zweiten Male griff Murad die Franzosen bei Embabeh am 21. Juli an (Schlacht bei den Pyramiden); er wurde aber geschlagen, verwundet u. sein Lager u. seine Artillerie erobert. Während nach der Einnahme von Kairo am 22. Juli das Land auf französische Art organisirt wurde, erschien Nelson 1. Aug. bei Abukir, wo die Flotte unter Admiral Brueys ankerte, drang zwischen das Ufer u. die Schiffe, sprengte das Admiralschiff, nachdem Brueys gleich Anfangs tödlich verwundet worden war, in die Luft u. vernichtete die ganze Flotte, so daß Bonaparte von Europa abgeschnitten war. Dieser indessen verfolgte Ibrahim Bey nach Syrien hin, gab aber nach einem mißlungenen Angriff der französischen Reiterei bei Salahieh am 11. August die Verfolgung auf. Die Seeschlacht bei Abukir störte Bonaparte anscheinend nicht; er fuhr mit Organisation des Landes fort, unterdrückte noch einzelne Volksaufstände u. eroberte bald ganz Nieder- u. Mittelägypten. Auch nach Oberägypten dehnte sich die französische Herrschaft aus, als Murad Bey zu Behnesse am. Kanal vor Fayum am 26. August von Desaix geschlagen wurde. Trotz aller Siege wurde jedoch die Lage Bonapartes höchst bedenklich, als aller Vorsicht ungeachtet, die Kriegserklärung der Pforte gegen Frankreich in Ägypten bekannt wurde. Ein gefährlicher Aufruhr brach zu Kairo aus u. erst nach 2 Tagen, in denen 6000 Türken niedergemacht wurden, stellten die Franzosen die Ruhe her. Vergebens bemühte sich Bonaparte indeß der Unzufriedenheit des Volkes dadurch Herr zu werden, daß er die Franzosen von den Mollahs für Muselmänner erklären ließ, u. beschloß daher nach Syrien vorzudringen. Er ernannte General Dugua zum Oberbefehlshaber Niederägyptens u. brach Anfang des Jahres 1799 mit 13,000 Mann gegen Syrien auf, Am 28. Februar wurde El'Arisch, dann Gaza genommen u. Jaffa am 7. März mit Sturm erobert. Hierauf ernannte Bonaparte den General Menou, welcher zum Islam übergetreten war u. den Namen Abdallah Bey angenommen hatte, zum Statthalter von Palästina u. rückte am 16 März gegen Acre vor. Allein dies vertheidigten die Türken, von Sidney Smith, Befehlshaber des englischen [653] Geschwaders an der ägyptischen Küste, u. dem französischen Ingenieuroffizier Philippeaux (einem Emigranten) gut geleitet, so trefflich, daß alle 8 Stürme abgeschlagen wurden, u. das herbeigekommene Belagerungsgeschütz vermochte nicht einen Thurm in den Mauern zu zertrümmern. Zwar schlug Kleber am 16. April das zum Entsatz herbeieilende Volksaufgebot beim Berge Tabor, aber dennoch mußte Bonaparte, durch Mangel u. die türkische Hartnäckigkeit bezwungen, die Belagerung am 19. Mai aufheben u. kehrte mit kaum noch 7000 Mann nach Ägypten zurück. In Jaffa vernahm Bonaparte die Kunde vom Erscheinen der Engländer vor dem, schon 9. December 1798 von den Franzosen besetzten Suez u. eilte mit Monge u. Menou dem Heere nach Ägypten voraus, welches erst am 14 Juni in Kairo einzog. Seit drei Monaten war indessen in Niederägypten der Kampf wieder ausgebrochen; Emir Hadschi, Stellvertreter Ibrahim Paschas von Kairo, unterstützt von einem Schwärmer, der zu Damanhur im Bezirke Bahireh aufgestanden war, hatte die Provinz Scharkieh empört, die Mamluken unter Elsy Bey versuchten einen Einfall in Niederägypten, der Großvezir zog von Syrien heran u. der Kapudan Pascha rüstete sich von Rhodus aus zu einer Landung in Ägypten. Am 11. Juli erschien eine türkische Flotte, landete am 14. u. 15. Juli u. erstürmte die Forts von Abukir. Allein Bonaparte eilte herbei, griff am 25. Juli die Türken an, schlug sie u. vernichtete fast die ganze Armee. Am 2. Angust eroberte Menou die Forts von Abukir wieder. Bonaparte, der am 27. Juli nach Alexandrien zurückgekehrt war, erhielt theils durch die Gefangenen, theils in Folge seiner Unterhandlungen mit Sidney Smith Nachricht von der Lage der französischen Angelegenheiten in Europa u. beschloß sogleich nach Europa zurückzukehren. Das Gerücht eines zweiten Zuges nach Syrien wurde ausgesprengt, u. als in Folge dessen die türkische Flotte Ägypten verlassen hatte u. die englischen Kreuzer aus Mangel an Lebensmitteln nach Cypern zurückgekehrt waren, reiste Bonaparte nach Alexandrien, bestieg am 22. August die von Admiral Ganthomme bereits seit Anfang Juli segelfertig gehaltenen Schiffe u. kehrte mit Berthier, Andreossy, Monge, Berthollet, Denon u. Bessières, nachdem er an Menou verschlossene Befehle für Kleber gegeben hatte, glücklich über Corsica nach Frankreich zurück, wo er in Frejus landete. Nun übernahm Kleber den Oberbefehl über die noch ungefähr 15,000 Mann starke französische Armee u. schlug am 1. November die bei Damiette gelandeten Türken. Da aber unter den Truppen die Pest wüthete u. Meutereien ausbrachen, sah sich Kleber, als der Großvezier El Arisch am 29. December genommen hatte, genöthigt, am 24. Jan. 1800 mit dem Großvezier die Übereinkunft bei El Arisch zu schließen, welche den Franzosen freie Rückkehr nach Europa sicherte. Doch am 8. April zeigte Sidney Smith Kleber an, die englische Regierung verlange die Kriegsgefangenschaft der französischen Armee u. er werde sich dem Vollzug des Tractats von El Arisch auf alle Weise widersetzen. Als darauf der Großvezier wieder vordrang, schlug ihn Kleber am 20. März bei Heliopolis u. nahm Kairo den Türken wieder ab. Allein am 13. Juni wurde Kleber von einem Türken ermordet, u. Menou bekam den Oberbefehl. Sidney Smith zeigte nun am 17. Juni an, daß seine Regierung in den Tractat von El Arisch willige, die Unterhandlungen zerschlugen sich aber, da Menou Bonaparte's Einwilligung verlangte. 17,000 Engländer unter Abercromby landeten hierauf bei Abukir. Menou zog ihnen entgegen u. wurde am 21. März bei Ramanieh mit schwerem Verluste geschlagen. Rosette ging in Folge dessen am 19. April an General Hutchinson verloren. Da um diese Zeit die Engländer durch Baird verstärkt wurden u. der Großvezier von Nenem aus Syrien gegen Kairo heranzog, so schloß General Belliard, welcher dort befehligte, eine Capitulation am 27. Juni, vermöge der seine Division frei nach Toulon zurückkehrte. Auch Menou schloß am 30. August 1801 eine ähnliche Übereinkunft u. verließ Ägypten, worauf den 25. Juni 1802 in Paris ein Frieden zwischen der Pforte u. Frankreich zu Stande kam.

V. Seekrieg in den europäischen Gewässern u. Landungsversuche der Briten in Frankreich u. der Franzosen in Irland, 1793–1802. Am 1. Februar 1793 erklärte die Republik Frankreich den Engländern den Krieg, u. im Mai erschien der Admiral Hood englischer u. die Admirale Langara u. Gravina spanischer Seits mit ihren Flotten im Mittelmeere. Beide vereint nahmen am 29. Aug. Toulon, u. wenn sie es auch am 19. Decbr. wieder räumen mußten, so hatten sie doch einen Hauptvortheil durch Vernichtung der französischen Flotte errungen. Schon während der Belagerung Toulons entstanden indeß Mißhelligkeiten zwischen den Befehlshabern beider Flotten, in Folge deren sie sich nach Räumung der Stadt trennten. Während die Spanier an ihren Küsten kreuzten, nahm Hood für den König von England Corsica. Im Atlantischen Ocean waren die Franzosen nicht glücklicher, denn als der Admiral Villaret Joyeux den Hafen von Brest verließ, um das Einlaufen einer westindischen Kauffahrteiflotte zu schützen, wurde er am 1. Juni von dem Admiral Howe auf der Höhe von Ouessant mit Verlust von 7 Schiffen geschlagen. Die Kauffahrteiflotte jedoch erreichte glücklich Brest. Auch ein zweiter Versuch Villarets im Januar 1795 mißlang, indem er zwar das Abfahren der englischen Flotte nach Ost- u. Westindien störte, aber mit den durch Stürme sehr beschädigten Schiffen nach Brest zurückkehren mußte. Das Jahr 1795 war übrigens noch durch die Landung der von den Engländern unterstützten Emigranten bei Quiberon bezeichnet. Dieser Landungsversuch mißlang aber vollkommen. Nur ein kleiner Theil der Ausgeschifften entkam auf englischen Schiffen, die übrigen wurden u. 560 der ihrigen mit ihrem Führer Sombreuil zu Auray Ende Juli 1795 erschossen (s.u. Vendéekrieg). Noch geringer war der Erfolg eines zweiten Landungsversuchs unter dem Grafen Artois, welchen Admiral Harvey von Portsmouth am 27. September nach der Insel Dieu führte. Die Royalisten versuchten vergeblich sich der Insel Noirmoutiers zu bemeistern u. kehrten endlich am 16. December nach England zurück. Den 15. Septbr. 1795 erklärte auch die neue Batavische Republik an England zu Folge eines mit Frankreich geschlossenen Bündnisses den Krieg u. verlor dadurch fast alle seine oft- u. westindischen Colonien (s. unten), während die Franzosen im Mittelmeere, obschon von Brest aus verstärkt, von Hotham in [654] Zaum gehalten wurden. In der Nordsee blockirte ein englisches u. russisches Geschwader unter Duncan am 14. Juni die holländischen Küsten. 1796 mußte England Corsica wieder aufgeben. Am 10. Aug. 1796 schloß auch Spanien zu St. Ildefonse ein Bündniß mit Frankreich u. erklärte in Folge dessen am 5. Oct. an England den Krieg. Am 22. Dec. 1796 unternahmen die Franzosen, 15,000 Mann stark, unter Hoche eine Landung zu Bantry Bay in Irland. Da jedoch der Sturm die Admirale Hoche u. Morand de Gallas von der Expedition getrennt hatte, so kehrten die übrigen Schiffe am 31. December unverrichteter Sache nach Frankreich zurück. Anfangs 1797 verließ der Admiral Jervis mit 13 Linienschiffen den Hafen von Lissabon u. traf am 11. Februar mit der spanischen Flotte, die sich mit der französischen Flotte in Brest vereinigen wollte. beim Cap St. Vincent zusammen. Obschon weit schwächer, griff er am 14. Februar an u. zwang die Spanier mit Verlust von 4 Linienschiffen, nach Cadix zurückzukehren, wo er sie auf das Engste einschloß. Auch die Holländer wurden geschlagen. Nachdem nämlich der Admiral Duncan 4 Monate lang den Texel, wo die holländische Flotte lag, blockirt hatte, ging er mit einer Abtheilung seiner Flotte nach Yarmouth, u. der Commodore Trollope beobachtete den Texel. Dies benutzte am 7. October der holländische Admiral de Winter, um mit 15 Linienschiffen u. 13 Fregatten aus dem Texel zu entwischen. Hiervon benachrichtigt kehrte Duncan schnell von Yarmouth zurück, erreichte die Holländer auf der Höhe von Campreduine, zwischen Wyk u. Egmond, u. zwang sie mit Verlust von 7 Linienschiffen u. 3 Fregatten in den Texel zurückzugehen. 1798 wurde der Seekrieg Anfangs nur lässig geführt. Man machte öftere Versuche, in Frankreich zu landen, griff Ostende am 22. Mai an u. bombardirte am 23. u. 24. Mai Havre u. setzte Landungstruppen aus, welche aber gefangen genommen wurden, nachdem sie vorher die Schleußen größtentheils vernichtet hatten. Später suchte das Directorium die Unruhen Irlands zu benutzen u. sandte deshalb den General Hatry dahin. Widrige Winde hielten diesen zurück, u. nur General Humbert landete am 25. August mit 1000 M. in der Bai von Killala. Anfangs erfocht er einige Vortheile, wurde aber bald vom Lord Cornwallis bei Ballinamuck am 8. September geschlagen u. gefangen. Der französische General Rey, der am 16. September an der Insel Rutland gelandet war, schiffte sich daher eiligst wieder ein, u. eben so verunglückte ein dritter Versuch des General Hardy, der am 16. September von Brest aus mit 3200 Mann abgesegelt war, indem ihn am 12. October der Commodore Warren bei der Insel Tory angriff u. sämmtliche Schiffe, bis auf 2 Fregatten, nahm. Ein 4. Geschwader erschien unter Savary am 27. October in der Bai von Killala, wandte jedoch schleunig nach Rochefort um, als es von den bisherigen Unfällen Nachricht erhielt. Die Engländer dagegen eroberten fast ohne Widerstand Minorca von den Spaniern, indem das Fort der Insel am 15. November 1798 capitulirte. Auch die griechisch-venetianischen Inseln gingen für Frankreich verloren, indem der russische Admiral Uschakow, der am 20. September durch die Dardanellen gegangen war u. sich mit der türkischen Flotte vereinigt hatte, am 15. November 1798 vor Cerigo erschien u. von den Einwohnern unterstützt, diese Insel nebst Cefaloma, Zante, San Mauro u. Korfu, dessen Festung am 1. März 1790 genommen wurde, eroberte. Weitere große Ereignisse fanden zur See weder 1799, noch 1800 Statt, außer daß die Engländer am 2. September 1800 das von Bonaparte 1798 eroberte Malta (s. oben IV.) den Franzosen wieder abnahmen. Als Pitt am 16. Mai 1801 vom Ministerium zurücktrat, knüpfte Addington, welcher dasselbe übernahm, nach Nelsons vergeblichen Versuchen, am 4. Juli u. 16. August gegen die im Hafen von Boulogne befindlichen, zur Landung in England bestimmten Schiffe, eine Präliminarunterhandlung an, welche am 1. October einen Präliminarfrieden in London u. den Definitivfrieden in Amiens am 25. u. 27. März 1802 zur Folge hatte. England gab, außer daß es die Bestimmungen des Friedens von Luneville anerkannte, alle Eroberungen an Frankreich, Spanien u. Holland zurück, die neuerrichtete Republik der Sieben Inseln wurde von den Franzosen anerkannt, Malta dem Malteserorden wieder übergeben, Neapel sollte von den Franzosen, Elba u. andere Inseln von den Engländern geräumt u. der Erbstatthalter Prinz von Oranien entschädigt werden.

VI. Colonialkrieg. Auch über Asien, Afrika u. Amerika verbreitete sich der Revolutionskrieg. In Ostindien verloren die Franzosen zuerst am 23. August 1793 alle Colonien u. behielten nur die Inseln Isle de France u. Isle de Bourbon. Auf Isle de France bildete sich eine Art Jakobinerclub (Chaumière). Der Beschluß der Nationalversammlung, welcher den Sklaven die Freiheit gab, minderte indeß die Begeisterung für die Revolution bedeutend, so daß, als man Robespierres Sturz erfuhr, die Jakobiner verhaftet u. die Gefangenen befreit wurden. Ja, als am 18. Juni 1796 zwei Abgeordnete des Directoriums, Baco u. Burnel, mit Truppen unter General Malagon erschienen, um die Sklaverei wirklich abzuschaffen, wurden diese mit Gewalt wieder nach Frankreich zurückgeschickt. Auch die Batavische Republik verlor nach ihrem Entstehen alle sonst als holländisch geschonte Besitzungen, so durch Admiral Blanket auf Ceylon Triconomale am 26. August 1795 u. mit Colombo im Februar 1796 die ganze Insel, Malacca im August 1795, die festen Plätze von Malabar u. die Molukken im Frühjahr 1796, im Juli 1801 Ternate. Nur Sumatra u. Java konnten die Holländer in Asien noch behaupten. Ebenso fielen die afrikanischen Besitzungen der Batavischen Republik während des Krieges den Engländern in die Hände. Lord Elphinstone u. unter ihm General Clarke eroberten, nachdem sie den 14. Juli gelandet, das Vorgebirg der guten Hoffnung am 16. September 1795. Zwar sandte die Batavische Republik im März 1796 den Admiral Lucas mit 2000 Mann der Colonie zu Hülfe, allein es gelang Elphinstone leicht, die holländische Flotte, 3 Linienschiffe, 3 Fregatten u. mehrere kleine Fahrzeuge, in der Saldanhabai zur Capitulation zu zwingen. Dagegen zerstörten die Franzosen 1793 die englische Colonie Sierra Leone u. 1795 die englischen Forts an der Westküste Afrikas. Im April 1800 nahmen sie auch die Insel Goree.

Im Laufe des Krieges zwischen Frankreich u. England wurde auch in Amerika außer [655] Guyana u. Cayenne 1793, Tabago u. Martinique 1795, St. Lucie, Guadeloupe, St. Pierre, Mignelon, Marie galante u. Desirade von den Engländern erobert. So blieb nur noch S. Domingo übrig u. auch diese Insel ging durch eine Negerrevolution 1803 für Frankreich verloren, nachdem sie 1794 sich den Briten ergeben hatte, aber bald darauf von Admiral Hugues wieder genommen worden war. Über alle diese Begebenheiten auf S. Domingo s. mehr unter Hayti (Gesch). Auch Guadeloupe hatte Hugues zum Theil erobert u. Anfangs des Jahres 1795 St. Eustaz, St Lucie u. Granada den Engländern wieder entrissen u. St. Vincent, Dominica, Marie galante, Antigua, St. Kitts u. Barbadoes geplündert. Später wurde von England eine ursprünglich zur Landung in Frankreich bestimmte Armee von 25,000 Mann, welche sich, in jene Gegenden gesandt, der französischen u. batavischen Colonien bemächtigte. Granada, St. Lucie, St. Vincent wurden 1796 genommen u. kurze Zeit darauf die batavischen Besitzungen Demerary u. Essequebo, so wie am 18. Februar 1797 das spanische Trinidad. Außerdem nahm England die batavischen Colonien Surinam den 21. August 1796, Curaçao den 13. September 1800 u. St. Eustach den 21. September 1801.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 6. Altenburg 1858, S. 635-656.
Lizenz:
Faksimiles:
635 | 636 | 637 | 638 | 639 | 640 | 641 | 642 | 643 | 644 | 645 | 646 | 647 | 648 | 649 | 650 | 651 | 652 | 653 | 654 | 655 | 656
Kategorien:

Buchempfehlung

L'Arronge, Adolph

Hasemann's Töchter. Volksstück in 4 Akten

Hasemann's Töchter. Volksstück in 4 Akten

Als leichte Unterhaltung verhohlene Gesellschaftskritik

78 Seiten, 6.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Dass das gelungen ist, zeigt Michael Holzingers Auswahl von neun Meistererzählungen aus der sogenannten Biedermeierzeit.

434 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon