Schießen

[158] Schießen, 1) sich schnell fortbewegen, od. machen, daß sich etwas schnell fortbewegt; 2) im Allgemeinen einen Körper (Geschoß, Projectile), vermittelst der dem Schießgewehr eigenthümlichen (wie beim Bogen u. der Armbrust), od. erst in dasselbe gebrachten fremden Kraft (Entzündung des Pulvers, Schießbaumwolle, Zusammendrücken der Luft bei Windgewehren) forttreiben. Im Speciellen ein Geschoß im flachen Bogen gegen aufrechtstehende frei sichtbare Ziele forttreiben, so daß das Geschoß das Ziel von vorn nach hinten durchschlägt. Die Linie, welche das Geschoß beschreibt, heißt die Flugbahn (Bahn). Die Entfernung des zu treffenden Ziels von der Mündung ist die Schußweite; die Totalschußweite, die des Punktes, auf welchem das Geschoß liegen bleibt von der Mündung; die lothrechte Ebene, welche man sich durch Visirlinie, Seelenachse u. Mitte des Ziels gelegt denkt u. in welche die Flugbahn theoretisch fallen muß, heißt Schußebene. Der Winkel, welchen die Seelenachse in dieser Ebene mit der Wagerechten bildet, heißt Richtungswinkel; der, unter[158] welchem das Geschoß die Mündung verläßt, der Abgangswinkel. Bei wagerechter Stellung der Seelenachse fallen Abgangs- u. Richtungswinkel zusammen u. die Flugbahn bildet nur einen niedersteigenden Ast. Bei erhöhter Seelenachse zerfällt die Flugbahn in einen auf- u. einen niedersteigenden Ast; der Punkt, welcher sich senkrecht am weitesten über der Erde befindet, heißt der höchste Punkt; der Winkel, unter welchem der niedersteigende Ast die Erde berührt, heißt der Einfallwinkel; die Stelle, wo das Geschoß die Erde trifft, ein Aufschlag. Wo das Geschoß aufschlägt, bleibt es entweder stecken od. prallt ab u. geht weiter; der Winkel, unter welchem das geschieht, heißt Abprallwinkel; der Bogen, welchen das Geschoß bis zum nächsten Aufschlag macht, ein Sprung; die Entfernung des ersten vom zweiten Aufschlage heißt die Weite des ersten Sprunges; durch Entfernung eines Aufschlages bezeichnet man die Entfernung des Aufschlages vom Geschoß. Bei einem Einfallwinkel von 20° u. mehr bleibt das Geschoß bei nicht zu festem Boden stecken; ist der Einfallwinkel kleiner u. der Boden fest, so macht das Geschoß einen Sprung, dessen Abprallwinkel größer als der Einfallwinkel; diesem Sprunge folgen mehre, welche allmälig niedrig u. flach werden, bis das Geschoß ausrollt u. endlich liegen bleibt. Die Geschwindigkeit, mit welcher ein Geschoß die Mündung verläßt, heißt Anfangsgeschwindigkeit, sie wird durch den Raum ausgedrückt, welchen das Geschoß in einer Secunde durchlaufen würde, wenn es sich mit der anfänglichen Geschwindigkeit unverändert fortbewegte; die Geschwindigkeit, mit welcher das Geschoß am Ziele ankommt, heißt Endgeschwindigkeit. Durch den Einfluß der Pulverkraft, die Anziehungskraft der Erde u. den Widerstand kraft der atmosphärischen Luft bildet die Flugbahn eine ballistische Curve, deren aufsteigender Ast länger u. flacher ist als der niedersteigende. Auch hat die Rotation der Geschosse Einfluß auf die Gestaltung der Flugbahn. Die Flugbahn ist von Tartaglia, Newton, Robins, Tempelhoff, Belidor u. Andern theoretisch berechnet worden, u. man nennt die Aufgabe sie zu berechnen das Ballistische Problem (s.d.); praktisch hängt aber das Treffen von vielen Nebenumständen, der verschiedenen Dichtigkeit der Luft, Feuchtigkeit derselben, dem Wind, der Beschaffenheit des Schießgewehrs etc. ab. Wenn man mehr als eine Kugel in ein Schießgewehr ladet (Schrot, Kartätschen) u. diese dann abschießt, so breiten sich dieselben nach allen Seiten hin aus u. bilden einen Kegel; die Grundfläche dieses Streuungskegels, der Streuungskreis, beträgt bei Jagdgewehren 1/401/30, bei grobem Geschütz 1/101/8 der Schußweite. Ist die Seele des Schießgewehrs in völlig wagerechte Richtung gebracht, u. geht der Schuß daher anfangs beinahe gerade aus, so ist er ein wagerechter (Kern-) Schuß; erhebt sich die Seele u. deren Verlängerung über die wagerechte, ein erhöhter (Bogen-) Schuß; u. senkt sie sich unter die wagerechte Richtung, ein gesenkter (einbohrender, Bohr-, Plongir-) Schuß. Um das Ziel zu treffen, muß das. Schießgewehr in eine Lage gebracht werden, daß dessen Verlängerung auf den Gegenstand, welchen das Geschoß zu erreichen bestimmt ist, trifft (zielen). Um dies zu erleichtern u. um Richtungs- u. Visirlinie in Eine Verticalebene zu bringen, sind auf dem höchsten Punkte des Schießgewehrs (höchsten Metall). Vorrichtungen angebracht, welche gewöhnlich in dem Visir hinten u. dem Korn vorn am Schießgewehr, über welche man nach dem Ziele visirt, bestehen. Die von dem Auge des Zielenden über Visir u. Korn nach dem Zielpunkt gehende Linie heißt die Richtungslinie (Visirlinie). Liegen Flugbahn u. Richtungslinie auch in einer Verticalebene, so weicht doch die Richtungslinie u. der Bogen der Flugbahn bedeutend von einander ab. Erstere schneidet bei den Schießgewehren, welche vorn weniger Metall als hinten haben, die letztere kurz vor dem Schießgewehr, u. die Flugbahn beschreibt nun einen Bogen über der Richtungslinie, bis das Geschoß sich senkend, die Richtungslinie nochmals schneidet u. sich immer der senkrechten Linie mehr nähernd, endlich auf den Boden auftrifft. Jeder Schütze muß sich im Schätzen der Entfernung, auf welche man schießen will, üben. Helle Beleuchtung läßt ein Ziel näher, dunkle u. unsichere es weiter erscheinen. Nicht vollständig übersehbares Terrain verleitet zum zu kurz S.; von oben nach unten schießt man leicht zu weit u. umgekehrt; über Wasserflächen zu kurz.

A) Das S. mit dem Bogen erfolgt mittelst eines befiederten Pfeils von Rohr od. Holz. Es war nebst dem Werfen mit der Schleuder u. dem nur uneigentlich hierher gehörenden Wurfspieße das frühste alles Schießens. Die wirksame Schußweite des Bogens ist 60–80, höchstens 120 Schritte, auch kann nur ein Geschoß auf einmal versendet werden, u. es haben Nässe u. Trockenheit Einfluß auf das Bogenschießen. B) Die Armbrust war eine Vervollkommnung des Bogens. Man schießt setzt mit Armbrüsten nur nach dem Ziele, bes. nach dem 60–100 Schritt entfernten Stern, od. dem Vogel. Auch die Katapulten u. Ballisten (s. b.) der Alten waren den Armbrüsten ähnlich. C) Mit gewöhnlichen Pistolen schießt man auf einzelne Leute nicht über 20 Schritte, gegen größere Ziele nicht über 40 Schritte; sicherer u. auf Entfernungen bis 100 Schritt u. darüber schießen gezogene Pistolen od. solche, welche mit einem Kolben zum Anschlag versehen sind; Cavallerie schießt zu Fuß u. zu Pferd auf 25 u. 40 Schritt nach der Scheibe, von 100 Schüssen treffen auf 25 Schritte 90 resp. 85 die Scheibe. Das S. mit Revolvern, obgleich dieselben gezogene Läufe haben, ist nur auf Entfernungen von 20–30 Schritt mit Sicherheit anwendbar. D) Das S. mit der Flinte u. zwar a) mit der Schrotflinte. Man schießt nach der Verschiedenheit des zu erlegenden Wildes u. nach dem Gewehr mit verschiedenem Schrot; französische Läufe schießen klarere Schrote besser als grobe. Einen guten Anschlag erlangt man bei dem Kolbengewehr dadurch, daß man das Gewehr mit der linken Hand in seinem Schwerpunkt, od. etwas weiter vorn umfaßt, diesen Arm gekrümmt ausstreckt, die Dünnung mit der rechten Hand, so daß der Zeigefinger den Abzug erreicht, umfaßt, den Kolben fest an die Schulter drückt, den Kopf neigt u. den rechten Backen an den Ausschnitt des Kolbens legt u. so, während sich das linke Auge schließt, mit dem rechten Auge über den Lauf (Visir u. Korn) weg nach dem Punkt, welchen der Schütze treffen will, zielt. Der Schütze darf beim ersten Versuche nicht feuerscheu werden, d.h. nicht vor dem Schuß das rechte Auge schließen u. dadurch das Ziel verlieren, sondern er muß durch das Feuer unverwandt auf das Ziel blicken. Beim Anschlagen der Kolbengewehre kommt es vornehmlich[159] darauf an schnell u. gut abzukommen, d.h. Korn, Visir u. Ziel schnell in Eine Linie zu bringen. Man schießt die Schrotflinte meist auf einen Bogen Papier bei 49 Schritte Entfernung an; im Durchschnitt müssen die Hälfte der Schrote getroffen (sie müssen zusammengehalten) haben, u. diese größtentheils durch das dahinter liegende einzollige Bret gegangen sein, auch müssen die Schrote zu drei kleeblattförmig zusammensitzen. Nach Wild zu schießen übt man sich, indem man einen Gegenstand in angemessener Entfernung an einer Schnur schnell vor sich vorüber ziehen läßt; auf Flugwild, indem man einen alten Hut u. dgl. in die Luft wirft u. danach schießt; jedoch muß man sich üben im Aufsteigen u. nicht im Fallen zu treffen. Auf der Jagd schießt man mit gewöhnlichen Gewehren selten über 40 Schritt, mit Zündnadelgewehren, Lefaucheuxgewehren etc., welche mehr zusammenhalten, schießt man bis über 100 Schritt. Hasen schießt man auf den Kopf, Rehe auf den Kopf, od. auf das Blatt, Hochwild auf das Blatt. b) Das kleine Gewehr der Infanterie ist jetzt meist gezogen; das Geschoß soll durch seine Percussionskraft Menschen od. ein Pferd außer Gefecht setzen; Spitzgeschosse überwinden durch ihre Form den Luftwiderstand leichter als Kugelgeschosse u. haben daher auch bei größerer Endgeschwindigkeit eine größere Percussionskraft u. vermögen (je nach Anwendung der verschiedenen Geschoß- u. Gewehrsysteme) selbst auf Entfernungen von 1000 u. mehr Schritt mehre zollstarke Breter zu durchschlagen. Der Punkt, wo die Flugbahn die Visirlinie zum zweitenmale schneidet, u. wo also die Kugel genau den Punkt treffen wird, nach welchem man zielt, liegt nach den verschiedenen Visireinrichtungen der Gewehre an verschiedenen Stellen, für Standvisire der meisten gezogenen Gewehre auf 200–250 Schritt; wenn man daher einen Punkt treffen will, welcher näher liegt als 200 Schritt, muß man tiefer zielen, als derselbe liegt, höher aber, wenn er weiter ist, od. man nimmt ein anderes Visir. Die Schießübungen der Infanterie geschehen bis 300 Schritt nach einer sechs Fuß hohen, vier Fuß breiten, durch concentrische Ringe in Abtheilungen getheilten Scheibe (s.d. 2); die Schüsse, welche die nächsten am Mittelpunkt treffen, sind die besten; Abweichungen in der Höhe u. Tiefe gelten für gut; Seitenabweichungen dagegen für schlecht; bei Entfernungen über 300 Schritt nimmt man größere Scheiben; auf nähere Distancen wendet man auch kleine Teller- od. Spiegelscheiben an. Der Recrut wird zuerst im Anschlag geübt, hierauf feuert er einige Schüsse blind, worauf man zum wirklichen Feuern übergeht. Die ersten scharfen Schüsse geschehen, indem der Schütze an einen Pfahl das Gewehr anstreicht auf 100 Schritt, dann weiter bis auf 1000 Schritt. Man läßt gepackt, im Sitzen, Knien, Liegen schießen. Was die Wirksamkeit der gezogenen Gewehre anbelangt, so ist sie verschieden; vgl. Plönnies, Neue Studien über die gezogenen Handfeuerwaffen, Darmstadt 1861. Gegen einzelne feindliche Schützen schießt man nicht über 300 Schritt, gegen Ziele von Sectionsfront bis auf 500 Schritt, gegen größere Colonnen bis auf 800–1000 Schritt. E) Das S. mit Karabinern geschieht zu Fuß u. zu Pferde auf 80 u. 150 Schritte; das Resultat 85–80 Procent Treffer. F) Das S. mit der Bürschbüchse geschieht meist nach einer runden Scheibe mit Ringen u. nur bei dem Militär nach einer viereckigen. Schußweiten 100, 150, 200 u. 300 Schritte. Da die Büchsen vorn fast dieselbe Eisenstärke als hinten haben, ist das Zielen unter den Gegenstand bei einer größeren Nähe als 150 Schritte nicht nöthig; indessen ist doch bei manchen Büchsen die Abweichung der Visirlinie von der Flugbahn noch so bedeutend, daß die Kugel steigt, d.h. in größerer Nähe noch etwas höher trifft, als gezielt worden ist. Man bricht dann Ladung ab. Stets achtet man genau auf Visir u. Korn (s. b). Bei größeren Entfernungen als 200 Schritte schießt man mit dem Klappvisir; doch hilft man sich hierbei auch, indem man voll, halbvoll, gleiches od. seines Korn nimmt (s. Korn). Um mit Standbüchsen genau zu zielen, ist auf ihnen, nebst dem Visir, oft ein Blech, durch welches ein feines Loch gebohrt ist, durch welches man nach dem Visir u. Korn (Diopter) sieht. Bei geübten Büchsenschützen trifft bis 300 Schritte jede Kugel die Scheibe, bis 400 Schritte 1/22/3, bei 5–600 Schritten 1/3. Auf Wild schießt man mit der Büchse auf 100–150 u. 200 Schritte. Zur Übung schießt man mit der Büchse nach der gewöhnlichen Scheibe, nach der Kegel- u. Ziehscheibe, nach dem Stern u. dem Vogel.

G) S. mit schwerem Geschütz: a) Mit Kanonen. Beim Richten derselben unterscheidet man Seitenrichtung od. Linie nehmen, d.h. Visirlinie, Seelenachse u. die Mitte des Ziels in ein u. dieselbe Ebene (Schußebene) bringen, u. Höhenrichtung, d.h. der Seelenachse, den der jedesmaligen Entfernung des Ziels u. dem davon abhängigen Bogen der Geschoßbahn entsprechenden Elevationswinkel zur Grundlinie haben. Um die Richtung zu erleichtern, ist auf dem höchsten Metall Visir u. Korn angebracht, u. man bringt diese u. das Ziel in gerade Linie (Richtungslinie), um letzteres zu treffen. Die Abweichungen zur Seite sind bes. bei gezogenen Geschützen bedeutend u. betragen bei einem 30pfündigen gezogenen Geschütz auf 4000 Fuß 100 Schritt, die Seitenabweichung geht beständig nach der Seite zu, wohin die Spiralbewegung der Geschosse vermöge der Richtung der Züge hervorgerufen wird. Bei dem richtigen Treffen in die Höhe u. Tiefe kommt die richtige Schätzung der Entfernung, die Stärke der Ladung u. der Winkel, welchen die Verlängerung der Mittellinie u. die Visirlinie mit einander machen (Richtungswinkel), in Erwägung. Er ist entweder ein Erhöhungs- (Elevations-) winkel, wenn der Richtungswinkel über dem Horizont, od. ein Depressions- (Senkungs-) winkel, wenn er unter demselben liegt; findet kein solcher Winkel statt, so ist das Geschütz horizontal gerichtet. Um den Richtungswinkel zu bestimmen, dient der Aufsatz. Nach dem Geschoß unterscheidet man Kugel-, Kartätsch-, Shrapnell-, Granat-, Bombenschüsse; nach der Ladung Schüsse mit voller, schwacher od. verstärkter Ladung; nach der Richtungslinie Kernschüsse, Richtungslinie, Seelenachse, also die Flugbahn unter der Richtungslinie; Visirschüsse, Richtungslinie über Visir u. Kern, die Flugbahn erhebt sich kurz vor dem Rohr über die verlängerte Visirlinie u. schneidet sie zum zweiten Male auf der, von der, durch die Erhöhung der Seelenachse bedingten Erhebung der Flugbahn abhängigen Entfernung; Aufsatzschüsse, Richtungslinie über das durch die herausgezogene Aufsatzstange etc. erhöhte Visir u. Korn; Bogenschüsse, wenn das Geschoß sein Ziel mit dem ersten Aufschlag trifft; trifft das Geschoß im aufsteigenden Aste des ersten Sprunges, so heißt dies das Treffen mit dem Preller. Rollschüsse sind[160] Schüsse, bei denen das Geschoß vor dem Ziel mehre Aufschläge macht. Über Ricochet-, Enfilir-, Demontir- u. Breschschüsse s. Ricochetiren, Enfiliren etc. Beschießt man eine Linie so, daß die Schußlinie senkrecht auf dieselbe trifft, so heißt das Feuer Frontalfeuer, im Gegensatz zu Flankenfeuer; schießt man von der Höhe so in die Tiefe, daß das Geschoß beim ersten Aufschlag stecken bleibt, so heißt der Schuß ein Bohrschuß. Den Bogenschuß wendet man am meisten an, weil er unabhängig vom Terrain ist. Er wird beim Sechspfünder gewöhnlich bis 1200 Schritt, beim Zwölfpfünder bis 1400 Schritt angewendet, unter 700 Schritt wendet man ihn nicht gern an. Am wirksamsten ist er gegen solche Ziele, wo die Kugel, welche mit großer Percussionskraft ankommt, beim Einschlagen in der Richtung ihrer Bahn viel hinter einander zu zerstören findet. Den Rollschuß wendet man von 1200 bis über 2000 Schritt an. Das Terrain muß eben u. fest sein; nach dem Feinde zu leicht gesenktes Terrain begünstigt, aufsteigendes benachtheiligt das Treffen. Man rollt wegen der Seitenabweichungen gegen breite Ziele vorzugsweise, wenn sich in der bestrichenen Bahn mehre Zielobjecte hinter einander befinden. Kartätschschüsse bis 400 Schritt Kernschüsse, bis 500 Schritt Visirschüsse, über 500 Schritt Aufsatzschüsse; Anwendung haben sie auf festem ebenem Boden; die größte Entfernung für Zwölfpfünder 900–1000 Schritt, für Sechspfünder 700–800 Schritt; das günstigste Ziel ausgebreitete Linien. Der Durchmesser ihres Streuungskegels ist = 1/10, der Entfernung vom Geschütz. Shrapnellschuß ist ein Bogenschuß, der Sprengpunkt muß im niedersteigenden Ast der Flugbahn vor dem Feinde liegen. Die Entfernung des Sprengpunktes vom Ziele (Intervall) muß beim Sechspfünder ungefähr 75, beim Zwölfpfünder 100 Schritt, die Sprenghöhe 1–3 Mannshöhen betragen. Er findet Anwendung wie der Kartätschschuß nur auf weitere Entfernungen; beim Achtpfünder von 500 Schritt, beim Zwölfpfünder von 700–1200 Schritt. Durch Einführung der gezogenen Geschütze hat das S. mit Geschützen einen vollständigen Umschwung erlitten, indem das Feuer der Artillerie an Tragweite, Lastfähigkeit u. Percussionskraft ungemein gewonnen hat. Man schießt aus den gezogenen Geschützen mit Spitzgeschossen von cylindrokonischer Form, deren Construction verschieden ist. Im Allgemeinen sind diese Geschosse stets Hohlgeschosse; auch Kartätschen u. Shrapnells schießt man aus gezogenen Geschützen, bei den Kartätschen sind an Stelle der eisernen Kugeln Zinkkugeln getreten, um die Anschläge im Rohr unschädlich zu machen; das S. mit Shrapnells ist noch ein unsicheres. Die Distancen, nach denen geschossen wird, haben sich um das Doppelte gegen das glatte Geschütz gesteigert. Das meiste bisher Gesagte hat auch b) auf die Haubitzenwürfe Bezug. Sie sind nach dem Geschoß Granat-, Brandgranat-, Shrapnell-, Bomben-, Brandbomben-, Leuchtkugel-, Kartätsch-, Spiegelgranat- u. Steinwürfe; nach der Ladung Würfe mit kammervoller, großer od. kleiner Feldladung; nach dem Zweck flacher, hoher Bogenwurf, Rollwurf. Der flache Bogenwurf z.B. der siebenpfündigen Haubitze wird angewendet gegen tiefe Colonnen, Artillerie, Barricaden etc., bei der Schwerpunktslage der Granate nach unten auf 1500 Schritt, nach oben bis auf 2100 Schritt. Der hohe Bogenwurf; hier soll das Hohlgeschoß beim ersten Aufschlag treffen, liegen bleiben u. durch Crepiren wirken; des nöthigen Einfallwinkels wegen 151/2° Elevation; nach der Elevation wechselt die Ladung. Anwendung dieses Wurfs gegen Truppen hinter Deckungen, gegen Colonnen von großer Tiefe; Distance, auf welche sie gebraucht werden, von 500–1900 Schritt mit großer Sicherheit. Der Rollwurf vereinigt Percussionskraft u. Sprengwirkung gegen tiefe Truppenstellungen, findet mit Ladung von der kleinen bis zur großen Feldladung Anwendung von 700–1700 Schritt; Erhöhung mindestens 1/2°, höchstens 4°. Kartätschwurf, bes. gut gegen Schanzen u. gedeckte Truppen; Anwendung nie über 600 Schritt, Ladung große Feldladung, Erhöhung bis 400 Schritt Visir u. Korn, dann von 100–100 Schritt 1/2° Aufsatz. Shrapnellwurf ist flacher Bogenwurf, findet bei großer Feldladung von 400–1200 Schritt Anwendung; Erhöhung auf 400 Schritt 1°, auf 1200 Schritt 41/2°. Brand- u. Leuchtkugeln (s. b.) werden aus Mörsern u. Haubitzen geworfen. Die Artillerie stellt ihre Schießübungen mit Vollkugeln meist nach großen Scheiben, hinter denen ein Kugelfang angebracht ist, od. nach den Schießscharten eines Erdwerks an, mit Granaten wirft sie nach auf dem Boden abgesteckten, also liegenden Rechtecken, mit Kartätschen schießt sie nach 6 Fuß hohen u. 40–50 Schritte (Colonnenbreite) breiten Breterwänden. c) S. aus Mörsern. Das Nehmen der Linie geschieht entweder mittelst Richtgabel u. Scala, od. mittelst des Richtlothes, dann Richtstäbchen auf der Brustwehr zur Bezeichnung der Wurflinie, für die Richtgabel Drehbolzen auf der Stellung. Die Höhenrichtung wird durch den Quadranten genommen. Hand- u. Schaftmörser werden nach dem Augenmaß gerichtet. Die Erhöhung ist bei den Bombenwürfen nach den zu erreichenden Zwecken constant; 30°, wenn die Bombe durch ihr Crepiren über der Erde wirken soll; 45°, wenn sie auf große Entfernungen minenartig wirken soll, zum Zerstören von Brustwehren etc.; 60°, wenn sie auf kurze Distancen durch ihre Fallkraft Eindeckungen zerstören soll; ist die Entfernung sehr gering, so nimmt man 75°. Die Wurfweiten werden durch die Ladungen erzielt. Schaftmörser wendet man bei der Vertheidigung aus Gewehrscharten auf 20–150 Schritt an; Handmörser gegen Mannschaften hinter Deckungen auf 40–200 Schritt. Den siebenpfündigen Mörser gegen Besatzungen, Arbeiter etc. bis 1000 Schritt; den zehnpfündigen Mörser gegen Menschen, Geschütze, Scharten, Brustwehren, schwache Eindeckungen bis auf 800 Schritt; den 25pfündigen gegen Brustwehren, Scharten, Deckungen etc.; den 50pfündigen gegen feste Eindeckungen auf nahe Distancen, auf weite beim Bombardement. Für besondere Zwecke, z.B. bei der Belagerung von Cadix u. Antwerpen, hat man besondere große Mörser construirt, mit denen man bis 8000 Schritt warf, das Resultat war aber ungünstig. Auch benutzt man die Mörser zu Brandbomben-, Leuchtkugel-, Stein-, Kartätsch- u. Spiegelgranatwürfen. Man wirft mit Mörsern nach liegenden Vierecken, deren Mitte durch eine hölzerne Pyramide bezeichnet wird. Mörser werden nur in Belagerungen u. Festungen angewendet.

Die Wahrscheinlichkeit des Treffens hängt außer vom Widerstand der Luft, noch von anderen Umständen ab, so vom Spielraum (beim[161] gezogenen Geschütz auf ein Minimum reducirt, deshalb größere Trefffähigkeit) der Ladung, dem Geschoß, der Bedienung, dem Terrain. Im Felde wird schlechter geschossen als bei Belagerungen, wo man sich Zeit nehmen kann. Die Wirkung der Geschosse ist abhängig von der Zerstörungskraft des Geschosses u. der Beschaffenheit des Zieles; die Geschosse wirken durch Percussionskraft, durch Crepiren, Zünden od. Erleuchten. Durch Percussionskraft wirken Kartätschkugeln u. Shrapnells nur gegen Menschen u. Pferde, Kanonenkugeln gegen diese u. Deckungen, schwere Bomben nur gegen Deckungen; die zwölflöthigen Kartätschkugeln setzen selbst nach Aufschlägen bis auf 900 Schritt Menschen u. Pferde außer Gefecht, die größeren durchschlagen auf nähere Distancen auch leichte Deckungen. Die Kanonenkugeln dringen ein in mittlere Erde auf 500 Schritt die dreipfündige Kugel bis 5 F., die sechspfündige bis 7 F., die 12pfündige bis 8 F., die 24pfündige bis 15 F.; in feste Erde etwas weniger tief; in Sand die 24pfündige Kugel auf 600 Schritt 6 F., auf 100 Schritt 13–15 F.; in Holzwerk die 24pfündige Kugel auf 100 Schritt 9 F. In Mauerwerk dringen je nach der Güte die Kugeln 1/61/2 so tief ein als in feste Erde, in Mauerwerk von Ziegelsteinen tiefer als in solches von Sandsteinen. Eine 50pfündige Bombe unter 45° Elevation geworfen, dringt in feste Erde auf 900 Schritt 18 Zoll, auf 1700 Schritt 30 Z., auf 2800 Schritt 41 Z. tief ein. Sollen Hohlgeschosse durch ihre Sprengwirkung nur gegen Menschen u. Pferde wirken, so müssen sie auf od. dicht über dem Erdboden crepiren; sie zerspringen in 14–15 Stücke, welche nach dem Kaliber verschieden weit fliegen, z.B. die Stücke der siebenpfündigen Granate 400 Schritt. Gegen Deckungen muß die Percussionskraft die Sprengwirkung unterstützen. Der obere Durchmesser des ausgeworfenen Trichters ist zwei- bis dreimal so groß, als die Tiefe des Eindringens. Gezündet werden durch das Crepiren von Hohlgeschossen Heu-, Stroh-, Pulvermagazine, dünnes Holzwerk; durch Brandgranaten u. Brandbomben nicht zu starkes Holzwerk, durch glühende Kugeln Häuser, Magazine, Schiffe. Über Erleuchten s. Leuchtkugeln. Die Geschwindigkeit der Projectilen bei der Artillerie wird durch ihre Größe u. Schwere u. den davon abhängenden Widerstand der Luft, so wie durch die Stärke der Ladungen bedingt. Da von ihr die Gestalt u. Zeitdauer der Flugbahn abhängt, haben Mathematiker u. Naturforscher sie möglichst genau zu bestimmen gesucht, u. bes. Robins den Rücklauf der Geschütze, Hutton 1775–85 aber das Eindringen einer Kugel von 17/32 Pfd. in ein 328 engl. Pfd. schweres ulmenes Pendel dazu gebraucht. Die von Hutton gemachten Versuche wurden 1811 u. 1815 in der Schule zu Woolwich von den Obersten Mudge, Miller u. Griffiths u. Gregory mit einem 7441 Pfund schweren Pendel wiederholt. Letzter fand, daß cylinderförmige Körper Kugeln vorzuziehen wären; da jedoch die Luft nur der Kugelform allein einen überall gleichförmigen Widerstand entgegensetzt, so kann man auch nur mit dieser eine genaue Schußlinie u. richtige Aufschläge erwarten. Die Zeit, welche die Kugeln bedürfen, um an das Ziel zu kommen, verhält sich fast wie die Schußweite. Die Abweichungen der ohne Spiegel abgeschossenen Kugeln seitwärts von der Richtlinie können bis 1/4 der Schußweite betragen. Über die praktische Anwendung der Artillerie im Gefecht s. Artillerie u. Gefecht; über das S. mit Kugeln ohne Geschütz s. Brandrakete. 3) Sich schießen, sich auf Pistolen duelliren, u. zwar S. aus dem Sack, S. nach Ziel, S., mit Avanciren, S. über die Barrière, S. über den Mantel od. das Tuch, s.u. Duell B) c). 4) Festes Gestein dadurch gewinnen, daß man es mit angezündetem Pulver lossprengt. Zu diesem Behufe wird mit einem Bohrer ein 24–42 Zoll tiefes, 1–2 Zoll breites Loch (Schießloch) in das Gestein gemeißelt; in das Loch wird die Patrone mit dem Pulver gesetzt u. mit Lehm fest geschlagen; auf die Patrone kommt die Schießröhre zu stehen, meistens ein ausgehöhltes Stück Hollunderholz, welches mit Pulver angefüllt u. außerhalb mit Lehm in dem Schießloche festgeschlagen wird. Zu der Schießröhre wird das Feuer mittelst eines Schwefelfadens (Schwefelmännel) geleitet Ehemals verfuhr man umständlicher, indem man auf die Patrone den Schießpflock od. Pflock u. auf diesen ein Stück Eisen (das Schießblech) legte, auf dieses ein Stück Holz, die Schießspreitze, u. darauf das Schießeisen, ein Stück Eisen in Gestalt eines Fäustels, trieb. Hat man zur Ablösung großer Steinmassen mehre Schießlöcher auf einmal zu entzünden, od. unter Wasser zu schießen, so verbindet man sie durch einen dicken Kupferdraht, welcher in jedem Schießloche durch einen dünnen Platindraht ersetzt od. auch ganz unterbrochen ist. Beim Hindurchleiten eines elektrischen Inductionsstromes läßt sich durch das Erglühen der Platindrähte das Pulver od. durch über die Unterbrechungen springende Funken ein Zündgemisch von chlorsaurem Kali u. Schwefelantimon entzünden; das letztere wirkt sicherer überall in demselben Augenblick. 5) (Buchdr.), die in dem Schiffe zusammengesetzten Columnen einer Seite auf das Setzbret setzen; 6) einen Graben, einen Damm schießen, ihn aus- od. aufwerfen; 7) die Sonne schießen, die Höhe derselben zur See mit einem Instrumente messen; 8) von Pflanzen, schnell aufwachsen; 9) S. des Zäpfchens, s.d.; 10) in der Schulsprache so v.w. Stehlen.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 15. Altenburg 1862, S. 158-162.
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