Karl der Grosse

[551] Karl der Grosse, König der Franken 768–814 und seit 800 röm. Kaiser, der Begründer des christlich-germanischen Staatenlebens, war ein Sohn des fränk. Königs Pipin des Kurzen und wurde 742 auf dem Schlosse Karlsberg am Wurmsee in Oberbaiern, nach Andern zu Aachen oder auf dem Schlosse Ingelheim bei Mainz geboren Nach seines Vaters Tode wurden K. und sein Bruder Karlmann von den Franken zu Königen gewählt und theilten sich gleichmäßig in das fränk. Reich. Allein die beiden Brüder waren wenig einig, wovon theils Karlmann's Unbeständigkeit, theils die Aufreizungen des Desiderius, Königs der Longobarden, die Schuld trugen. Die Longobarden waren das herrschende Volk in Oberitalien und einem Theile Unteritaliens und waren besonders den Römern verhaßt. K. hatte sich mit einer Tochter des Desiderius vermählt, welche er schon im zweiten Jahre der Ehe wieder zu ihrem Vater zurückschickte, vielleicht durch röm. Aufhetzungen gegen sie eingenommen. Als bald nach K.'s Thronbesteigung die Völker Aquitaniens sich empörten, demüthigte sie der junge König, obgleich sein Bruder Karlmann, auf dessen Beistand er gerechnet hatte, ihn treulos verließ. Karlmann starb 771 und seine Gemahlin floh mit ihren Kindern zu Desiderius, worauf K. im ganzen fränk. Reiche als König anerkannt wurde. Er hielt 772 einen Reichstag zu Worms und bewog seine hier versammelten vornehmen Vasallen, den Krieg gegen die Sachsen und die Bekehrung derselben zum Christenthume zu beschließen. Die Sachsen waren nämlich noch Heiden, lebten noch ganz in der Weise der altgerman. Völker und beunruhigten durch jährlich sich wiederholende Raubzüge das angrenzende fränk. Reich. Der Krieg der Franken gegen die Sachsen, welcher ihre endliche völlige Unterwerfung und Bekehrung zum Christenthume zur Folge hatte, währte mit Unterbrechungen gegen 32 Jahre, nämlich bis 803. Es. wurde in diesen Kriegen viel Blut vergossen, denn immer von Neuem brachen die Sachsen auf die treuloseste Weise die geschlossenen Bündnisse und K. sah sich zu den härtesten Maßregeln genöthigt, um sie durch Schreck und Angst zur Unterwürfigkeit zurückzuführen und neuen Empörungen vorzubeugen. Am härtesten traf die Sachsen K.'s Zorn 782. In diesem Jahre sollten nämlich die Sachsen einem. fränk. Heere im Kriege gegen die Slawen, welche östl. von den Sachsen wohnten, beistehen und auf dem Berge Suntel an der Weser schlossen sie das fränk. Heer, welches sich keines Verraths versah, ein und machten einen großen Theil desselben sammt den fränk. Heerführern nieder. K. verheerte nun das sächs. Land und ließ über 4000 gefangene Sachsen bet Verden an der Aller enthaupten. Damit hatte er jedoch die Sachsen nur zu verzweifelterm Widerstande herausgefodert, und 783 vereinigten sich dieselben unter Wittekind und Albion. Zwei blutige Schlachten wurden geliefert, in der zweiten die Sachsen völlig geschlagen und so gedemüthigt, daß ihre Anführer. selbst nach Frankreich zu kommen und das Christenthum anzunehmen versprachen, welches 783 auch geschah. K. selbst war Taufzeuge, als der sächs. Herzog Wittekind zu Attigny getauft wurde. Zur Ausbreitung und Befestigung des Christenthums stiftete K. im Lande der Sachsen mehre Bisthümer und Stifter und baute die Kirchen zu Bardewick, Seligenstadt, Elze und Verden. Aber immer noch aufs Neue verweigerten die Sachsen den Gehorsam und strebten nach Unabhängigkeit, bis endlich 803 zu Selz (jetzt im Würzburgischen) ein dauernder Friede geschlossen wurde, in welchem sie die Oberhoheit des Kaisers anerkannten und dagegen die Versicherung erhielten, daß sie nach ihren Gesetzen und Gewohnheiten durch Grafen und königl. Sendboten regiert werden sollten. Um die Ruhe zu erhalten, verpflanzte K. gegen 10,000 Sachsen in das fränk. Land als Anbauer auf die Königshöfe. Da der Longobardenkönig Desiderius vom Papste Hadrian verlangt hatte, daß er die bei ihm weilenden Söhne Karlmann's als fränk. Könige salben sollte, und als der Papst sich weigerte, ihn mit Krieg überzogen hatte, so ging K. über die Alpen und belagerte 774 den Desiderius in seiner Hauptstadt Pavia. Nach sechsmonatlicher Belagerung fiel diese in seine Hände und Desiderius wurde in das Kloster zu Korvei geschickt. K. ließ sich zu Mailand als König der Longobarden krönen und unterdrückte [551] 776 einen Aufstand eines longobard. Herzogs, der sich unabhängig zu machen strebte. Zwei Jahre nachher kämpfte K. siegreich gegen die Mauren in Spanien und unterwarf das Land bis an den Ebro, welches als die span. Mark seinem Reiche einverleibt wurde. Auf dem Rückzuge durch die Pyrenäen wurde die Nachhut von K.'s Heere im Thale Roncevalles überfallen und Alle, sammt ihrem Anführer, dem berühmten Roland (s.d.), umgebracht. K. hatte vier Söhne. Der älteste, Pipin genannt, wurde von seinem Vater wenig geliebt, wahrscheinlich weil er ein Sohn seiner ersten von ihm verstoßenen Gemahlin war. Er machte daher eine Verschwörung, welche entdeckt wurde und ihm lebenslängliche Einsperrung in einem Kloster zuzog. Der zweite Sohn, Karl, begleitete seinen Vater auf allen seinen Feldzügen, und die beiden jüngsten Söhne, Pipin und Ludwig, der Fromme genannt, ließ K. 780 in Rom vom Papste krönen, jenen zum Könige über Italien, diesen zum Könige über Aquitanien oder das südl. Frankreich. K. dachte von nun an darauf, eine Weltherrschaft zu gründen, gleich jener der Römer, welche aber durch den Geist des Christenthums zusammengehalten werden sollte. Mit der griech. Kaiserin Irene wurde sogar wegen einer Vereinigung des Morgenlandes mit dem Abendlande unterhandelt. Irene (s.d.) entthronte ihren eignen Sohn und ließ K. ihre Hand antragen, welcher auch nicht abgeneigt gewesen sein soll, dieselbe anzunehmen, als die Entthronung Irene's der Sache eine andere Wendung gab. Nachdem sich 787 der longobard. Herzog Arrichis zu Benevent in Unteritalien K. unterworfen hatte und Thassilo, Herzog von Baiern, auch ein Schwiegersohn des Longobardenkönigs Desiderius, wegen feindseliger Gesinnung entsetzt und sammt seinem Sohne 788 in ein Kloster geschickt worden war, zog K. gegen die Avaren in Östreich und Ungarn, machte große Beute und unterwarf das Land bis an die Raab seiner Herrschaft. Zum Mittelpunkte seines großen Reichs hatte K. der Große die Königssitze zu Ingelheim bei Mainz, Aachen und Nimwegen gemacht, und der freilich nicht zur Vollendung gekommene Gedanke, den Rhein mit der Donau durch einen Kanal zu verbinden, zeigt, wie er die Absicht hatte, die innere Verbindung seines Reichs auf alle Weise zu vervollständigen. Nachdem der Papst Hadrian, welchen K. sehr hoch geehrt hatte, gestorben war und sein Nachfolger Leo III. bei K. Schutz gesucht hatte, weil ihn die Römer bei einem Aufstande gemishandelt hatten, so führte diesen K. von Paderborn nach Rom zurück und bestrafte die Empörer. Als nun 800 das Weihnachtsfest mit großer Pracht in Rom begangen wurde und K. nach dem Hochamte in der Peterskirche vor dem Hochaltare kniete, brachte der Papst Leo III. eine Kaiserkrone und setzte sie dem Könige auf das Haupt, und während der Papst vor K. niederkniete, rief das versammelte Volk ihn als Cäsar und Augustus aus und somit war die 476 mit Romulus Augustulus untergegangene röm. Kaiserwürde wiederhergestellt. K. ließ sich hierauf von allen seinen Unterthanen auf's Neue den Huldigungseid schwören. Seine Herrschaft erstreckte sich über Italien, Frankreich, Catalonien, die Balearen, auf der entgegengesetzten Seite bis zur Nordsee, die Elbe, den Böhmerwald, die Raab und an die Gebirge Kroatiens. Mit Ausnahme Englands huldigte die ganze german. Christenheit K. dem Großen. Im Jahre 806 theilte dieser zu Dietenhofen seine gesammte Herrschaft unter seine drei Söhne; Pipin erhielt, wie schon früher geschehen war, Italien, Ludwig Aquitanien und Karl beherrschte die übrigen, größtentheils deutschen Länder über ihnen stand als Kaiser ihr mächtiger Vater. Aber schon 810 starb Pipin und im folgenden Jahre Karl, sodaß dem alternden Kaiser nur noch sein Sohn Ludwig, der schwächste von allen, übrig blieb, welchen er 813 in Aachen zum Mitregenten annahm. K. entzog sich zwar noch nicht seiner gewohnten Thätigkeit, aber er kränkelte und verschied am 28 Jan. 814, indem er die Hände über die Brust faltete, die Augen schloß und mit leiser Stimme die Worte sang: »In deine Hände befehle ich meinen Geist.« Der Leichnam wurde noch an demselben Tage geschmückt und gesalbt und in der von dem Kaiser selbst zu Aachen erbauten Kirche in einer Gruft beigesetzt. Hier saß er auf goldenem Throne, angethan mit dem kaiserl. Prachtgewande, auf dem Haupte die Krone und eine heilige Reliquie, nämlich ein Stück des h. Kreuzes. In der Hand hielt er einen Kelch, an der Seite hatte er das Schwert, Scepter und Schild lagen zu seinen Füßen und auf seinen Knieen ruhte das Evangelienbuch. Die Gruft wurde mit Weihrauch, Balsam, Specereien und vielen Schätzen gefüllt, verschlossen und versiegelt. Über ihr stand eine Art von Triumphbogen, auf welchem die Worte zu lesen waren: »Hier ruht der Körper Karl's, des großen und rechtgläubigen Kaisers, der das Reich der Franken glorreich erweiterte und 47 Jahre glücklich regierte.« Kaiser Otto III. ließ die Gruft öffnen und fand K. den Großen noch in sitzender Stellung; Kaiser Friedrich I. ließ endlich 1165 die Gebeine in ein prachtvolles Grab legen. Als sich die Nachricht von des Kaisers Tode verbreitete, war Trauer und Klage allgemein, denn alle seine Unterthanen hatten den großen Kaiser ebenso sehr geliebt und geehrt als gefürchtet. Er hatte die ihm unterworfenen Völker bei ihren Gesetzen und Gewohnheiten gelassen und Neuerungen nur insofern eingeführt, als es ihm daran lag, alle seine Unterthanen den Segnungen der christlichen Religion und einer ordentlichen Rechtspflege theilhaft zu machen. K. der Große war von Ansehen ein großer und starker Mann; es hat sich noch eine eiserne Lanze erhalten, welche genau seine Länge haben soll; dieselbe mißt 6 F. 3 Zoll rheinl. Sein Angesicht war in der Regel heiter, seine Augen waren groß und lebhaft, seine Nase groß. Dabei hatte er eine überaus würdevolle Körperhaltung, festen Gang und war im Reiten, Jagen, Schwimmen so geschickt, daß es ihm Wenige gleichthaten. Er war sehr mäßig im Essen und Trinken, erfreute sich bis in die letzten Jahre seines Lebens einer festen Gesundheit und mochte die Ärzte nicht leiden. Ausländische Sitten und Kleider waren ihm zuwider. Auf dem Leibe trug er ein leinenes Hemde und darüber einen mit seidener Borte eingefaßten Rock, lange Beinkleider und Schnürschuhe. Im Winter trug er über Brust und Schultern eine Weste von Otterfellen. Ein Mantel vollendete seine Bekleidung. Stets war er mit dem Schwerte umgürtet, dessen Griff und Wehrgehenk von edlem Metall waren. Bei besonders festlichen Gelegenheiten trug er ein golddurchwirktes Kleid und ein mit Edelsteinen besetztes Schwert, sowie ein mit Gold und Edelsteinen geschmücktes Diadem. Er besaß eine große Beredtsamkeit und war überhaupt ein Freund der Wissenschaften, obschon seine eigne Erziehung ihn nicht auf wissenschaftliche Bildung hingeführt hatte. Noch in spätern Jahren [552] gab er sich ernstliche Mühe, Versäumtes nachzuholen, zog ausgezeichnete Gelehrte in seine Nähe und ließ sich von ihnen unterrichten. Auch auf fremde Sprachen verwendete er Fleiß, wie er denn das Griechische gar wohl verstand und das Lateinische ebenso fertig wie seine Muttersprache redete. K. war mit aufrichtiger Frömmigkeit dem Christenthume ergeben; durch Gebet und Gesang bereitete er sich und sein Heer zum Kampfe vor, und wenn er in eine eroberte Stadt seinen Einzug hielt, so eröffneten Geistliche unter feierlichem Kirchengesange den Zug. Von seiner Frömmigkeit sowol, als von seiner Liebe zu den Künsten legt der von ihm erbaute Münster zu Aachen Zeugniß ab, welcher für die damalige Zeit mit großer Pracht und vielen Kosten aufgeführt wurde. Die Armen unterstützte K. eifrig und schickte sogar Geld an Christen, welche außerhalb Europas in Bedrückung und Armuth lebten. Um den Zustand derselben zu erleichtern, trat er auch mit außereurop. Herrschern in freundschaftliche Verbindung. Der berühmte Khalif von Bagdad, Harun al Raschid, nahm die Abgeordneten, welche K. mit Gaben zu dem Grabe des Heilands schickte, zuvorkommend auf und gesellte den Heimkehrenden seine eignen Gesandten bei, welche kostbare Geschenke von Gewändern, Gewürzen und andern Kostbarkeiten des Morgenlandes für den Kaiser mit sich führten. Vorher schon hatte Harun al Raschid dem Kaiser einen Elefanten zum Geschenk übersandt, der alle Welt in Europa in Erstaunen setzte, sowie, welches das Merkwürdigste, eine Uhr aus Messing, die von einem Wasserwerke getrieben wurde. Ein Zeiger durchlief zwölf Stunden und so oft eine Stunde vorüber war, fielen eherne Kügelchen in ein untenstehendes ehernes Becken, welche durch den Schall des Beckens die Stunden anzeigten; dabei traten Ritter nach der Zahl der Stunden zu zwölf Öffnungen hervor. Dagegen schickte K. an den Khalifen span. Pferde und Maulesel, friesische Mäntel, Jagdhunde u. dgl. Auch im engern Kreise seines Hof- und Familienlebens war K. ebenso verehrungs- als liebenswürdig. Er behandelte mit Ehrfurcht seine Mutter Bertradis, mit Liebe seine einzige Schwester Gisla und seine zweite Gemahlin Hildegardis, von welcher seine drei vorhin genannten Söhne waren, war ihm überaus theuer. Er hatte auch drei Töchter, und eine derselben vermählte er mit Angilbert, einem jungen Manne aus angesehener Familie, welchen der Kaiser sehr liebte, der stets in seiner Nähe war und von ihm mit den wichtigsten Geschäften beauftragt wurde. K. hatte auf seinen Zügen seine Familie fast immer bei sich und hielt auf eine treffliche Erziehung seiner Kinder. Die Herren an seinem Hofe fürchteten seinen Zorn, aber er vergab auch gern Übertretungen und nahm klugen Rath willig an. Daher hingen selbst Diejenigen, welche er strafend seine ganze Macht hatte empfinden lassen, noch mit aufopfernder Verehrung an ihm. Er bekümmerte sich trotz der großen Staatsangelegenheiten, die ihn fortwährend in Anspruch nahmen, selbst genau um alle Gegenstände des Hauswesens; er verbesserte durch seine Anweisungen die Zucht der Hausthiere auf seinen Meiereien, die Bereitung des Biers und Weins, die Bienenzucht, die Gärtnerei, die Fischerei und den Landbau. Mit einem gelehrten Engländer, Alcuin, und andern. ausgezeichneten Gelehrten hatte K. eine gelehrte Gesellschaft eingerichtet, in welcher er selbst den Namen des Königs David, Alcuin den des Horaz, Angilbert den des Homer u.s.w. führte. K. wendete eine besondere Sorgfalt der deutschen Sprache zu. Er hatte den Entwurf zu einer deutschen Grammatik gemacht, den Winden und den Monaten passende deutsche Namen gegeben und eine Sammlung alter Heldenlieder veranstaltet. Der erwähnte Alcuin war Vorsteher der hohen Schule zu York in England, als ihn K. 793 durch wiederholte Bitten bewog, nach Frankreich zu kommen, um die nachmals berühmte Schule zu Tours anzulegen. Außer dieser legte K. in allen Gegenden seines Reichs, wo es möglich war, Schulen an. Auch für Veredlung des Gottesdienstes war er thätig. Er ließ zu diesem Zwecke Sänger und Orgelspieler aus Italien kommen und richtete Singschulen zu Metz und Soissons ein. Er verordnete, daß in der vaterländischen, dem Volke verständlichen Sprache gepredigt werde und ließ vorzügliche Predigten aus dem Griechischen ins Fränkische übersetzen und dem Volke vorlesen. Den geistlichen Stand, den damals allein höher gebildeten, hob K., indem er den Bischöfen Antheil an den Staatsgeschäften übertrug und ihnen Sitz und Stimme auf den Reichstagen gab. Die Reichsverwaltung erhielt eine neue, bessere Ordnung. Die bisherigen Herzöge, welche ganzen Provinzen vorgestanden hatten, wurden abgeschafft und an die Spitze kleinerer Bezirke wurden besonders das Richteramt verwaltende Grafen gestellt. Um sich stets eine genaue Kenntniß über den Zustand der einzelnen Provinzen zu erhalten, schickte er von Zeit zu Zeit königl. Sendboten in dieselben, welche schriftlichen Bericht zu erstatten hatten. Gewöhnlich wurden ein Bischof, um die geistlichen, und ein Graf, um die weltlichen Angelegenheiten zu prüfen, gemeinschaftlich abgesendet. Jährlich hielt er zwei Reichsversammlungen oder Male, von denen das Maifeld, welches im Frühjahre abgehalten wurde, die wichtigere war, insofern sich zu derselben die Stände des Reichs versammelten und unter des Kaisers Leitung die Beschlüsse faßten, welche wegen ihrer Eintheilung in Capitel Capitularen genannt worden sind. Die zweite Versammlung im Herbst bestand nur aus des Kaisers Räthen und Vertrauten und den vornehmsten Großen. Überdies hatte K. Einrichtungen getroffen, daß Jeder seine Beschwerden höhern Orts, ja vor dem Kaiser selbst vorbringen konnte, und daß alle allgemeinen Einrichtungen erst vor die Gemeinden gebracht wurden, um nur durch deren Bewilligung und nach Berücksichtigung örtlicher Interessen Einführung zu finden. Kein großer Eroberer ist zugleich wie K. der Große ein so weiser und mit seinem Scharfblick alle Lebensverhältnisse durchdringender Gesetzgeber und ein so mäßiger und liebenswürdiger Mensch gewesen, keiner hat so einzig segensreich für das Wohl der besiegten Völker gesorgt, keiner hat aber auch ein so ungeheures Reich nicht durch Besatzungen und Gewalt der Waffen, sondern durch die seiner Person gezollte Ehrfurcht und die anerkannte Weisheit seiner Gesetzgebung zusammengehalten. – Der gelehrte Eginhardt (s.d.), ein Schwiegersohn des Kaisers, hat die Geschichte desselben geschrieben, und in neuerer Zeit ist diese von Dippoldt (»Leben Kaiser Karl's des Großen«, Tüb. 1821) bearbeitet worden.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1838., S. 551-553.
Lizenz:
Faksimiles:
551 | 552 | 553
Kategorien:

Buchempfehlung

Hoffmann, E. T. A.

Meister Floh. Ein Märchen in sieben Abenteuern zweier Freunde

Meister Floh. Ein Märchen in sieben Abenteuern zweier Freunde

Als einen humoristischen Autoren beschreibt sich E.T.A. Hoffmann in Verteidigung seines von den Zensurbehörden beschlagnahmten Manuskriptes, der »die Gebilde des wirklichen Lebens nur in der Abstraction des Humors wie in einem Spiegel auffassend reflectirt«. Es nützt nichts, die Episode um den Geheimen Hofrat Knarrpanti, in dem sich der preußische Polizeidirektor von Kamptz erkannt haben will, fällt der Zensur zum Opfer und erscheint erst 90 Jahre später. Das gegen ihn eingeleitete Disziplinarverfahren, der Jurist Hoffmann ist zu dieser Zeit Mitglied des Oberappellationssenates am Berliner Kammergericht, erlebt er nicht mehr. Er stirbt kurz nach Erscheinen der zensierten Fassung seines »Märchens in sieben Abenteuern«.

128 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Nach den erfolgreichen beiden ersten Bänden hat Michael Holzinger sieben weitere Meistererzählungen der Romantik zu einen dritten Band zusammengefasst.

456 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon