Dietrich [2]

[140] Dietrich, altdeutscher Name, so v.w. Theoderich, unter welchem Namen auch die fränkischen u. gothischen Könige, so wie die lothringischen Herzöge zu suchen sind; außerdem: I. Fürsten. a) Fürst von Anhalt-Dessau: 1) D., der 2. Sohn Leopolds, Fürsten von Dessau, geb. 1703; ging 1716[140] in holländische u. 1718 in preußische Kriegsdienste, zeichnete sich im 1. u. 2. Schlesischen Kriege aus, verließ aber 1750 als Feldmarschall den Dienst u. übernahm 1751–58 die Vormundschaft über seinen Neffen Leopold Friedrich Franz, s. Anhalt (Gesch.) III. A); er st. 1769 unverheirathet. b) Markgraf von Brandenburg: 2) s. Dietrich 24). c) Graf von Flandern: 3) D. von Elsaß, Sohn des Herzogs Theoderich II. von Lothringen, Enkel mütterlicher Seits von Robert dem Friesen, wurde 1129 zum Grafen von Flandern erwählt u. regierte bis 1168, s. Flandern (Gesch.). d) Grafen von Holland; aa) Von Friesland: 4) D. I., Sohn des Grafen Gerulf, folgte diesem um 920; 5) D. II., Sohn des Vorigen, folgte diesem in Friesland u. 963 seinem Schwiegervater Vicman dem Ältern in Gent u. st. 988; 6) D. III., Enkel des Vorigen, folgte 1003 (1004) seinem Vater Arnulf, unter der Vormundschaft seiner Mutter Lutgarde, eroberte Südholland u. st. 1039 nach seiner Rückkehr aus Palästina; 7) D. IV., Sohn des Vorigen, folgte diesem 1039 u. st. 1049, s. Holland. bb) Von Vlaarding: 8) D. V., Neffe des Vorigen, Sohn von Florens I., folgte seinem Vater 1061 unter Vormundschaft seiner Mutter Gertrud, geb. Herzogin von Sachsen, u. st. 1091, s. Holland; 9) D. VI., Enkel des Vorigen, folgte 1122 seinem Vater Florens II., unter Vormundschaft seiner Mutter Petronella, geb. Gräfin von Supplinburg, u. st. 1157; 10) D. VII., Enkel des Vorigen, Sohn des Grafen Florens III., folgte diesem 1190 u. st. 1203; er war vermählt mit Gräfin Adelheid von Kleve. e) Grafen von Kleve: 11) D. I., Sohn Rutgers, 2. Graf von Kleve, um die Mitte des 11. Jahrh.; 12) D. II., Enkel des Vor., folgte seinem Vater Eberhard, machte mit Gottfried von Bouillon den 1. Kreuzzug u. st. um 1120; 13) D. III., Sohn Arnolds, reg. um 1150 u. st. 1172; 14) D. IV. Sohn u. Nachfolger des Vorigen, st. um 1194; 15) D. V., Sohn Arnolds II., folgte diesem um 1203 u. st. um 1261; 16) D. VI., 2. Sohn des Vorigen, reg. seit 1261 u. st. zwischen 1271 u. 1277; 17) D. VII., Sohn u. Nachfolger des Vor., st. 1305; 18) D. VIII., der Fromme, Sohn des Vor., folgte 1311 seinem Bruder Otto, war Anhänger des Kaisers Ludwig des Baiern u. st. 1347, s. Kleve. f) Markgrafin der Lausitz: 19) D. Graf von Landsberg, 2. Sohn des Markgrafen Konrad des Großen, Bruder Ottos des Reichen; erhielt bei seines Vaters Tode 1156 die Niederlausitz u. die Grafschaft Eilenburg, baute Landsberg, residirte daselbst u. st. 1183 ohne Erben; seine Besitzungen fielen an seinen Bruder Dedo. g) Graf von der Mark: 20) D., Sohn Adolfs III., reg. 1394–98, s. Mark. h) Markgrafen von Meißen: 21) D. I., der Bedrängte, Markgraf von Meißen, 2. Sohn des Markgrafen Otto des Reichen, erhielt nach seines Vaters Tode die Grafschaft Weißenfels; von seinem Bruder Albrecht dem Stolzen wegen der Erbfolge bekriegt u. bedrängt, wurde er von seinem Schwiegervater, dem Landgrafen Hermann II. von Thüringen, unterstützt u. wehrte sich nach Albrechts Tode glücklich gegen Kaiser Heinrich VI., welcher ihm Meißen zu entreißen suchte; er bekam 1210 durch den Tod seines Vetters Konrad die Niederlausitz u. Landsberg u. st. 1221. Er war vermählt mit Jutta, Landgräfin von Thüringen, von seinen 3 Söhnen folgte ihm der jüngste, Heinrich der Ertauchte; 22) D. II., der Weise, Heinrichs des Erlauchten 2. Sohn; erhielt bei der Theilung Meißen u. Landsberg u. schlug zu Landsberg seine Residenz auf, er st. 1288; ihm folgte sein Sohn Friedrich der Stammler; 23) D. der Jüngere, so v.w. Diezmann. i) Markgrafen von Nordsachsen: 24) D., wahrscheinlich Sohn Bernhards I. od. Bennos, kämpfte im Auftrag des Kaisers Otto I. gegen die Wenden, folgte 965 auf Gero in der Mark Nordsachsen u. wurde 983 entsetzt; er st. 985 in Magdeburg, s. Brandenburg (Gesch.) II. k) Graf von Oldenburg: 25) D. der Glückliche, reg. um 1430, s. Oldenburg.

II. Ordensmeister: a) Hochmeister des Deutschen Ordens in Preußen: 26) D., Sohn des Burggrafen Albrecht III. von Altenburg, wurde im hohen Alter 1334 Hochmeister u. st. 1341 in Marienburg, s.u. Preußen. b) Landmeister des Deutschen Ordens in Livland: 27) D. von Gruningen, leitete den Orden 1245–1250, s. Livland (Gesch.); 28) D. Tork, geb. 1344, wurde Meister 1413 u. st. 1415 od. 1416.

III. Erzbischöfe u. Bischöfe; a) Von Köln: 29) D. I. Graf von Heinsberg, 1208–16, wo er abgesetzt wurde, s.u. Köln; 30) D. II. Graf von Mörs, war erst Stiftspropst in Bonn u. Bischof 1414–1463, wo er starb, s.u. Köln b) von Lüttich: 31) D. von Perweis, 1406–1408, s. Lüttich. c) Erzbischof von Magdeburg: 32) D., geb. zu Stendal in der Altmark, lebte eine Zeitlang in Böhmen, wo er den Zunamen Kogelweit erhielt; lebte Anfangs im Kloster Lehnin in der Mittelmark, war dann am Hofe Karls IV., bei dem er sehr viel galt u. an dessen Regierung er großen Theil hatte; 1353–61 war er Bischof von Minden, seit 1391 Erzbischof von Magdeburg u. st. 1367, s. Magdeburg (Gesch.). d) Erzbischöfe von Mainz: 33) D. I. von Erbach, 1434–59, war ein weltlich gesinnter, den Luxus liebender Mann, s. Mainz (Erzbisth.); 34) D. II. (Diether), Graf von Isenburg, folgte dem Vorigen 1459 u. besaß den erzbischöflichen Stuhl mit Unterbrechung bis 1482, s. ebd. e) Bischöfe von Metz: 35) D. I., Sohn des sächsischen Grafen Eberhard, wurde 962 Bischof, lebte meist am kaiserlichen Hofe, ging 970 mit Otto dem Großen nach Italien u. empfing 972 zu Benevent die Theophania, die Braut Ottos II.; 982 war er Schützer derselben in Rossano, als Otto gegen die Sarazenen kämpfte, suchte ihr aber nach Ottos Tode die Herrschaft zu entreißen u. die Krone, statt ihrem Sohne Otto, dem Herzog von Baiern zuzuwenden; er st. 984; 36) D. II., Sohn des Grafen Sigfried von Luxemburg, durch seine Schwester Kunigunde Schwager Kaiser Heinrichs II., mit dem er viele Unannehmlichkeiten hatte, s.u. Metz (Gesch.); er st. 1047. f) Bischof von Olmütz: 37) D., 1281–1302, s. Olmütz. g) Von Trier: 38) D. I., erst Archidiakonus in Trier, dann Erzbischof 965–975, s. Trier; 39) D. II., Graf von Weda, erst Archidiakonus, seit 1212 Erzbischof bis 1242, wo er in Coblenz starb, s. Trier.

IV. Gelehrte u. Künstler: 40) D. von Thüringen (D. von Apolda), geb. um 1230, Dominikaner in Erfurt; er schr. 1289 Vita Stae. Elizabethae, die Quelle aller späteren Lebensbeschreibungen der Sta. Elisabeth, in mehreren Sammlungen herausgegeben; die Variae lectiones[141] et supplementa dazu sind das Werk eines andern D-s. eines Cisterziensers; 41) D. von Niem, geb. in Niem (im Paderbornschen), studirte Theologie, lebte 1361 als Präbendarius in Bonn, diente dann seit 1371 am römischen Hofe mehreren Päpsten, erhielt 1395 (1396) das Bisthum Verden, welches er 1399 (1400) wieder aufgab; darauf ging er wieder nach Rom, wurde 1414 zum Concil nach Kostnitz geschickt u. starb (wahrscheinlich) 1417. Er schr.: De necessitate reformationis ecclesiasticae in capite et membris, im 1. Bande von Hardts Historia concilii constant.; De schismate libri III. (1408), herausgeg. Nürnb. 1432, Fol.; n.A. von Schard (mit Hinzufügung des 4. Buches Nemus unienis, dessen eine Abtheilung der Labyrinthus ist) Basel 1506, 1566, Nürnb. 1592, Strasb. 1608 u. 1619 (die letzten Ausgaben als Theodorici a Niem historiarum sui temporis libri IV.); 42) Adam, geb. 1711 zu Ziegenhain bei Jena, ein gewöhnlicher Bauer, erlangte durch Aufsuchen u. Untersuchen der Pflanzen in der Botanik einen solchen Ruf, daß selbst Linne mit ihm correspondirte u. er allgemein der Ziegenhainer Botanicus genannt wurde, er st. 1782; 43) Joh. Adam, Sohn des Vor., geb. 1739, trat in dessen Fußtapfen u. wurde der gewöhnliche Pflanzensammler der Universität Jena; er st. 1794; 44) Friedrich Gottlieb, Sohn des Vorigen, geb. 1769 in Ziegenhain, widmete sich der Gärtnerei, wurde Hofgärtner in Weimar, dann Garteninspector in Eisenach u. Wilhelmsthal, seit 1823 zum Professor der Botanik ernannt u. st. 1850. Er schr.: Ökonomischbotanisches Gartenjournal, Eisenach 1795–1804, 6 Bde., u. neues, 1. Heft, ebd. 1813; der Wintergärtner, ebd. 1800, 5. Aufl., Berl. 1833; die Linnéischen Geranien, Weim. 1801–3, 6 Hefte; Der Apothekergarten, ebd. 1802; Lexikon der Gärtnerei u. Botanik, Berl. 1800–10, 10 Bde., 2. Aufl. 1820 f.; Nachträge, 10 Bde., ebd. 1815–24, u. Neuer Nachtrag, 10 Bde., Ulm 1825–40; Ästhetische Pflanzenkunde, 1. Thl., Berl. 1812; Handlexikon der Gärtnerei u. Botanik, Berl. 1829–30, 2 Bde.; Handbuch der botanischen Lustgärtnerei etc., Hamb. 1826 f., 2 Thle.; 45) Joh. Michael, Bruder des Vorigen, geb. 1767, erbte Geschäft u. Beinamen von seinem Vater u. st. 1836; 46) Nathan Friedr. David, Sohn des Vorigen, geb. in Ziegenhain 1800, Gärtner am Botanischen Garten in Jena; er schr.: Deutschlands Giftpflanzen, Jena 1826; Handbuch der Botanik, ebd. 1828; Flora medica, ebd. 1828–31, 18 Hefte; Herbarium florae German. etc., in getrockneten Exemplaren, ebd. 1826–32, 23 Hefte; Das Wichtigste aus dem Pflanzenreiche, ebd. 1831–38, 22 Hefte; Flora universalis in colorirten Abbildungen, ebd. 1832–55, 3 Abtheil., 474 Hefte; Dasselbe, neue Folge, Jena 1849–55, 8 Hefte; Deutschlands Flora, ebd. 1833–53, 9 Bde. (Kupfertafeln), Fol.; Deutschlands Flora, Taschenbuch zu botanischen Excursionen, ebd. 1847–54, 11 Hefte; Synopsis plantarum etc., Sect. I–IV., Weim. 1839–47; Taschenbuch der Arzneigewächse Deutschlands, Jena 1838; Dasselbe des Auslands, ebd. 1839 f., 2 Abth.; Taschenbuch der pharmaceutisch-vegetabilischen Rohwaarenkunde, ebd. 1840–46; Zeitschrift für Gärtner, Botaniker u. Blumenfreunde, ebd. 1840–50, 5 Bde.; Encyclopädie der Pflanzen, 1841–55, 2 Bde.; 47) Ewald Christian Victorin, geb. 1785 zu Grünhain in Sachsen, war längere Zeit Militärarzt bei verschiedenen Armeen u. privatisirte dann in Dresden u. Leipzig; er schr.: Des Arztes Lehr- u. Wanderjahre auf Reisen u. im Felde, Meißen 1823; mit Reichel, Darstellung der Heilquellen etc. Sachsens, Dresd. 1824; Hausarzneimittel, Meißen 1829, 8 Hefte; Der Führer zu den Heilquellen Böhmens, Lpz. 1837, u. viele and. meist populärmedicinische Schriften, Gedichte, Volkssagen, Romane, Schauspiele etc., von denen Einiges unter dem Pseudonym E. Wahrmann erschien; 48) Christian Wilh. Ernst, auch Dietricy, geb. 1712 in Weimar, erhielt seine erste Anleitung zur Malerei von seinem Vater Johann Georg D., Hofmaler in Weimar, bildete sich in Dresden unter Thiele zum Landschaftsmaler u. wurde durch die Gunst des Grafen Brühl Hofmaler. Der Vorzug, welcher von Seiten des Königs den italienischen Malern gegeben wurde, bewog ihn Dresden zu verlassen; er änderte seinen Namen in Dietricy, ging 1743 nach Italien u. kehrte 1744 nach Dresden zurück, wo er 1745 zum Inspector der Gallerie ernannt wurde; 1763 erhielt er das Directorat der Meißner Porzellanmalerschule, wurde 1765 Professor der Dresdener Akademie u. st. 1774. D. malte vorzüglich Landschaften mit historischer od. genreartiger Staffage; technische Vollendung, kräftiges Colorit u. große Gefühlswärme zeichnen seine Gemälde aus, deren sich in allen größeren Gallerien Deutschlands einige, die meisten in der Dresdener Galerie (34) vorfinden; das Kupferstichcabinet in Dresden besitzt mehrere 100 Zeichnungen von ihm. Seine geätzten Blätter sind sehr gesucht; 49) Johann Friedrich, geb. 1789 in Biberach, Historienmaler, Schüler von Wächter, bildete sich 1820 in Italien, wurde 1833 Professor an der königlichen Kunstschule in Stuttgart u. st. 1846. Seine bedeutendsten Arbeiten sind: Der Einzug Abrahams ins Gelobte Land (im Schloß zu Stuttgart), die Fresken im Lustschloß Rosenstein (mythologischen Inhalts) u. in der Absis der Bulacher Kirche (Scenen aus dem Leben Christi).

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 5. Altenburg 1858, S. 140-142.
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